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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

*ÖtUttjje zu Nr. 301 des „Friedenauer Lokal-Anzeiger. 
Sonnabend, den 23. Dezember 1905. 
WetynaPlen. 
Das schönste gest des denlschen Volkes ist anoe. 
. brachen. Unter Glockengelmue. weithin hallend über die 
teure heimatliche Erde und jedem, auch dem Ärmsten 
unseres Stammes und Glaubens. Frieden kündend hat es 
seinen Einzug gehalten in den trauten Kreis der Familien 
in unser ganzes deutsches Volk. Wohin auch immer ein 
Deutscher in der weilen Welt seinen Fuß gesetzt er er 
richtet sich zum heiligen Abend [einen Weihuachtsb'aum in 
deffen Strahlenglanze er sich verbunden fühlt mit seinem 
Stammvolke, ob ihn auch Meere von der lieben Heimat 
trennen. Man hat Weihnachten immer mit Recht ein 
Fest der Liebe genannt. Aus Liebe zur armen, sündigen 
Menschheit hat Gott seinen Sohn gesandt. Die Mensch 
heit selbst konnte sich den Menschenheiland nie und nimmer 
geben. ES gehl über menschliches Ahnen und Verstehen 
hinaus, was Gott in Christo uns gegeben hat, und wir 
dürfen unS wohl wie der fromme Geliert an dem Be 
kenntnis genug sein lassen: Wenn ich dies Wunder fassen 
will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an 
und er ermißt, daß Gottes Lieb' unendlich ist! Möchte es 
Weihnachten sein und Gottes Liebe verspürt werden, zu 
nächst und zuvörderst im deutschen Hause! Es können 
manche Sorgen den Himmel des häuslichen Glückes um 
wölken. aber die Weihnachtssonne verklärt, versöhnt, er 
stellt und macht wie mit einem Male so vieles wieder 
gut. Möchte ein Weihnachtssegen mitgenommen werden 
für Amt und Beruf! Das Christkind ist doch zuletzt die 
große kraftspendende Persönlichkeit, wenn unsere Kräfte 
einmal versagen; nnd wie hat Jesus sein schweres Amt so 
geduldig und freudig getragen! Ja. er hat uns ein Vor 
bild gegeben, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen. 
Weihnachten! Weihnachten! Das soll jedes Herz warm 
und lebendig machen, auch wenn'S von einem ganz per 
sönlichen und besonderen Kummer etwa befallen ward. 
JesuS der Helfer in jeder Rot. wirds mit tragen; er 
will lindern, trösten, wiederaufrichten und zu sich 
rufen alle Mühseligen und Beladenen. Friede und Wohl 
gefallen auf Erden! Warum umfängt auch den über die 
Schwärmerei der Jugen. über den Zauberglauben der 
Kindheit längst hinausgewachsene Mann den Reiz des 
WeihnachtSfestes mit berückender, bestrickender Gewalt? 
Warum beugt auch der kühle Denker, der sich nicht die 
Märchenwelt der bunten Menge hält und nicht an die 
sdrglich abgewogene Gläubigkeit, warum beugt auch er 
sein Hanpt vor dem Glanze, der am Weihnachtsfeste aus 
der Höhe flutet, vor der Wärme, die am Weihnachtsfeste 
aus dem Herzen strömt? Warum vermag dieses Fest zu 
lindern und zu lösen, zu schmelzen und zu bannen, waS 
an Leid die Seele bedrängt, was an Trauer das Herz um- 
stnstet? Jst's nur die Äußerlichkeit, nur das Festgepräge 
mit Glockenklang und Kindersang, mit Lichterglanz und 
Tannenduft? Rein, diese Äußerlichkeiten, die allerdings 
zur der Natur des Weihnachtssestes untrennbar gehören, 
sie sind nur eben die Zeichen, unter denen dieser uralte 
und immer neue Triumph des Menschenherzes sich voll 
zieht. Dieser Herzenstriumpf, dieser glänzende Siegestag 
des Gemütes, er muß sein, er gehört zu den Grundrechten 
der Menschheit. Mit neuer Kraft zum alten Kampfe er 
füllt uns dieser Triumphtag der Liebe, die da nimmer 
aufhört, und wenn uns die wallenden Nebel die Seele 
beklemmen und Widerwärtigkeiten und Mißhelligkeiten des 
Alltagslebens uns schier verzagen lassen wollen, — so 
fällt der Schimmer des Weihnachtsfestes, die Erinnerung 
an die Fülle seiner Herzensfreuden in das Dunkel unseres 
Gemütes, und mit frischer Kraft greifen wir zu dem 
Werkzeug, mit dem zu hantieren uns bestimmt ist und 
wissen: Es kann nicht immer trüb und trostlos bleiben, 
der Nacht der Sorge folgt das Licht der Freude; denn 
die Liebe höret nimmer auf. Und so mögen dann die 
Türmer die Kunde in die Welt hineinblasen, vom Heil, 
das Allen widerfahren, und möge es jeder in seinem 
Herzen fein bewahren zur Ruhe der eigenen Seele, zur 
Freude der Familie und der weiteren Familie, seiner 
Nächsten, und zum Nutz und Frommen des Vaterlandes. 
Damit sich das Wort erfülle: Friede auf Erden und den 
Menschen ein Wohlgefallen! 
Fröhliche Weihnacht! 
Vermischtes. 
* Der Zeigefinger und die Schönheit der Hand. Wir 
wollen nicht über die Schönheit der Hand, im allgemeinen sprechen, 
denn ob eine Hand schlank und wohlgefällig oder plump und häßlich 
ist, darüber wird sich wohl jeder klar' sein. WaS unS hier interessiert, 
ist die Stellung, die der Z.igefinger nach anatomischen, nicht künst. 
lerischen Begriffen für die Schönheit der Hand hat. Dabei ergeben 
sich aan; merkwürdige Tatsachen. Wenn wir die Durchschnittswerte, 
die die einzelnen Gelcnkenden der Hand beim Skelett haben, einander 
gegenüberstellen, wobei aber auch die Miltelhandknochen mitgezählt 
werden, also daS Handskelctt v n der Handwurzel ab in Frage kommt, 
so müssen wir bei j.dem Finger mit Ausnahme des Daumens, der 
nur drei Knöchelchen hat, deren vier unterscheiden. Uon unten nach 
öden gerechnet betragen die Längen derselben in Millimetern beim 
Daumen 48, 32, 23, beim Zeigefinger 68, 42, 26, IS, beim Mittel 
finger 65, 47, 32, 20, beim Ringfinger 57, 44, 30, 20 und beim 
kleinen Finger 53, 25, 21, iS mm. Daraus geht ohne weiteres her- 
vor, daß der Zeigefinger bei einer normalen, d. h. anatomisch schönen 
Hand länger als der Mittelfinger sein soll, nämlich um 4 mm. Wie 
ist es aber in Wirklichkeit? Wenn wir die Gemälde der alten italieni 
schen Schule, einen Raphael usw. betrachten, so sehen wir auf allen 
Gemälden den Zeigefinger länger als den Ringfinger, entsprechend 
den anatomischen Feststellungen. Unsere deutschen Meister dagegen, 
mit Albrecht Dürer an der Spitze haben die Sache so dargestellt, wie 
sie heutzutage den äußeren Anschein nach wirklich liegt, nämlich den 
Ringfinger länger als den Zeigefinger. Es gibt nur wenige Menschen, 
bei denen die anatomischen Beziehungen zu ihren Rechten kommen. 
Unsere Leser mögen darauf nur bei sich selbst und bei ihren Bekannten 
achten. — Wie haben wir unS diese auffallende Erscheinung zu er 
klären? Wenn wir die Hände bei alten Leuten oder bei solchen be- 
trach en, die schwere Arbeit tun müssen, wie Schmiede, Maurer usw., 
so finden wir meistens, daß die'Hand nach der Richtung des kleinen 
Fingers zu, hinübergedogen ist. weil die Beugesehnen durch die Arbeit 
eine Abbiegung erfahren haben. Wir können seibft an der eigenen 
Hand den Versuch machen, daß dann der Zeigefinger kürzer alS der 
Ringfinger erscheinen muß. Deshalb werden wir auch im Leben so 
selten eine wirklich anatomisch schöne Hand sehen, denn leider sind 
wir Menschen meist immer noch genötigt mit unseren Händen irgend 
welche Arbeit zu verrichten. Die Beugesehnen werden dabei stets 
mehr in Tätigkeit genommen, ziehen infotgedess.ni die Finger mehr 
un» mehr aus der normalen Skeletüage ab, und der Zeig.finger er 
scheint daher entgegen den anatomischen Gesetzen kürzer. Je schwerer 
die Arbeit ist, destomehr finoet solches statt. — Wirklich schöne Hände 
werden wir also nur bei denen finden, die „Händcarbeit nur vom 
Hörensagen kennen. 
' Kleine Ursache — großer Erfolg. General Friant bc> 
fehligte in Egypten eine Division des französischen Heeres und war 
einst'in Gefahr, von einem Haufen Araber überfallen und aufgerieben 
zu werden. Friant, der die drohende Gefahr überblickte, gab sogleich 
folgenden Befehl: La division formera un quan6. Les Lues et 
les savants au milieu! (Die Division bilde ein Quarree. Die Esel 
und Gelehrten in die Mitte.) Ein schallendes Gelächter ertönte durch 
das ganze Armeekorps, und die Araber we>che eben angreifen wollten, 
fürchteten Hinterlist, kehrten um, und die Division setzte lachend ihren 
Marsch fort 
Gemeinnütziges. 
Störung der Sehkraft durch Kaffee-Mißbrauch. Regel- 
mäßiger Kaffee-Genuß, ja schon der einmalige Genuß starken Kaffees 
kann recht bedenkliche und lästige Störungen der normalen Funktionen 
des Auges verursachen. Uber diese wichtige Tatsache belehrt uns ein 
kürzlich erschienenes wissenschaftliches Werk .Die Wirkungen von 
Arzneimitteln und Giften auf bas Auge" von Prof. Dr. 8. Lewin und 
Oberstabsarzt Dr. H. Guillery, daS auch für das praktische Leben von 
S rotzer Bedeutung ist. Es werden von den beiden Gelehrten ver- 
hiedene Formen krankhafter Augen-Erscheinungen mit störender 
Beeinträchtigung des Sehvermögens angeführt, die nach Kaffee-Genuß 
beobachtet wurden. Wir erfahren dort auch das interessante Faktum, 
daß man schon vor 150 Jahren von dem Kuffee-Aufguffe sagte: 
„Oculos debilitat“ — .er schwächt die Augen". „Daß auch vorüber- 
gehende Blindheit" — heißt eS ferner — „durch Kaffee erzeugt 
werden kann, erscheint uns sicher gestellt." Auch Farbenblindheit und 
Gesichtstäuschung wurden beobachtet. — Wir lernen aus diesen 
bedeutsamen und bemerkenswerten Angaben zweier wissenschaftlicher 
Autoritäten den Kaffee von einer neuen unangenehmen Gerte kennen, 
die für jeden Kaffee-Trinker etwas Beängstigendes haben muß. Bei 
wie vielen Menschen, die über Augenschwäche zu klagen haben, mag 
dennoch dieses Übel auf Konto des KaffeeS zu setzen sein, ohne daß 
sie bisher auch nur eine Ahnung davon hatten! — Abermals eine 
ernste Mahnung, mit dem regelmäßigen Genusse von Kaffee und 
auch mit dem vereinzelten Genusse starken Kaffees sehr vorsichtig zu sein. 
Pobdamerdt A3" 
u ln slfntt FUldn 
Die Akten sind geschloffen 
Uber den Bohnenkaffee, — die Wissenschaft hat gesprochen! 
Die gleiche Wissenschaft hat auch über Kathreiners Malzkaffee geurteilt. — Sic spendet ihm un 
eingeschränktes und einstimmiges 6ob wegen seiner vollkommenen Unschädlichkeit und vor allem wegen seines 
charakteristischen würzigen Kaffee-Geschmacks, den Kathreiners Malzkaffes allein — dank einem besonderen 
Fabrikations-Verfahren — vor sämtlichen anderen Malzkaffees und sonstigen Ersatz-Getränken voraus hat. 
Hier ist der Deweis: — 
v. |leitenhofev: — 
Nirchoiv: 
. . . ., dag Kathreiners Malzkaffee frei 
von schädlichen Substanzen ist und durch 
seinen kaffeeähnlichen Wohlgeschmack, seine 
appetitliche Außenseite und seine für jeden 
Käufer sofort erkennbare Reinheit alle 
anderen Kaffee-Surrogate wesentlich über- 
ragt." 
„Ans Gesundheits-Rückfichten verhin- 
dert, Bohnenkaffee zu trinken, verspüre ich 
nach den, Genuß von Kathreiners Malz- 
kaffee keinerlei Folge-Lr cheinungen, wie 
sie der Bohnenkaffee zeigt Der 
Geschmack dieses Ma'zkaffees ist ein so 
guter und reiner, daß er mit Genuß für 
sich getrunken werden kann." 
Vrof.Dr.Verfrchetti.Ror,,: „Kathreiuers Malzkaffee ist eines der 
thtt bts foL Hau!«» u»d L«ibar>! Ihrir besten Erfatzmitrel für Kaffee, speziell für 
[eid?t etre9bate Naturen." 
Professor Dr. gueppe: — 
Direktor des Hygienischen Instituts der 
Universttät Prag. 
prof. Dr. (ISulcnburß: 
Geheimer Medizinalrat. 
Professor Dr. gttdjner: — 
„ . . . diese Nachteile find zum ersten 
Male inKathreiners Malzkaffee beseitigt.. 
vor allem fehlt jede nachteilige Wirkung 
auf die Verdauung, so daß das Präparat 
ganz besonders statt des in vielen Fällen 
nur schädlichen Bohnenkaffees bei Kindern, 
Bleichsüchtigen, Mädchen und schwächlichen 
Frauen zu empfehlen ist. welch' letztere 
beiden Klaffen so sehr zum Mißbrauch 
von Kaffee neigen." 
„Meine Meinung über Kathreiners 
Malzkaffee geht dahin, daß dieser eins der 
besten — vielleicht das beste — der zurzeit 
gebräuchlichen, mir bekannt. Kaffee-Lrsatz- 
mittel darstellt." (— Die Frau, IXjjp. 308.) 
„Die Einführung und Verbreitung von 
vormals Tiltitor d«. Hygienischen Instituts Kathreiners Malzkaffee muß vom hvgieni- 
der Univerfität München. .. ' . . " , u , ''s. „ 
f.hen Standpunkt aus als ein Verdienst 
betrachtet werden." 
Das entscheidende Schlußwort. 
Da diese höchsten und vollkommensten 
Genuß-Eigenschaften, welche den Malz 
kaffe allein zum vollwertigen Ersatz für Bohnenkaffee befähigen, nur der echte Kathreiners Malzkaffee besitzt, und nur 
dieser allein, so kommt natürlich alles darauf an, daß man beim Einkaufe auch wirklich den echten „Kathreiner" erhält. 
Man laffe sich also durch Anpreisungen aller möglichen anderen „Malzkaffees" nicht täuschen und irreführen, sondern 
merke — sich — ganz — genau: 
Der echte Kathreiners Malzkaffes wird nur in fest verschlossenen Paketen verkauft, welche das Bild und die Bamens 
unterschrist des Pfarrers Kneipp als Schutzmarke führen, wer also jetzt im Dienste seiner Gesundheit dem großen Zuge 
der Zeit folgen will, der mache Kathreiners Malzkaffes zu seinem täglichen Getränk und'beginne damit sogleich. 
Amtliche Anzeigen. 
Bekanntmachung. 
Der Herr Oberpräsident hat durch Erlaß 
vom 27. November 1905 — O. P. 19576 — 
dem Verein „Arbeitsstätte sür arbeitslose 
Familienväter und Mütter die Genehmigung 
zur Abhaltung einer Hauskollekte in Berlin, 
Charlottenburg, Schöneberg, Friedenau, 
Wilmersdorf, Halensee, Grunewald. Grvß- 
Lichterfelde, Köpenick und Spandau in den 
Monaten Januar, Februar und März 1906 
erteilt. 
Die mit der Ausführung der Samm 
lungen beauftragten Personen sind mit 
ordnungsmäßigen, polizeilich beglaubigten 
Ausweisen, sowie mit paginierten und 
beglaubigten Sammelbüchern zu versehen 
und haben sich vor dem Beginne ihrer 
Tätigkeit unter Vorlegung ihrer Ausweise 
bei der Ortspolizeibehörde zu melden. 
Berlin, den 9. Dezember 1905. 
Der Landrat. von Stubenrauch. 
Veröffentlicht: 
Friedenau, den 20. Dezember 1905. 
Der Amts-Vorsteher 
Schnackenburg. 
Bekanntmachung. 
Mit Rücksicht darauf, daß im laufenden 
Jahre der Sylvestertag auf einen Sonntag 
fällt, wird hiermit bestimmt, daß 
am 31. Dezember 
im Handel mit Back- u. Konditorware» 
einschließlich Konfitüren in offenen 
Verkaufsstellen Gehilfen, Lehrlinge 
nnd Arbeiter, abgesehen von der bereits 
freigegebenen Zeit, noch von 12 bis 7 Uhr 
Nachmittags beschäftigt weiden dürfen. 
Friedenau, den 23. Dezember 1905. 
Der Amts-Vorsteher: 
Schnackenburg. 
Selenchturrgsgegenstiinde 
Kronen, Ampeln 
passende Weihnachtsgeschenke 
von 50 Pfg. an. [6411 
Christbaum-Leuchter und 
Ständer. 
Spezialität: Seidene Lampenschirme, 
PerlrLnder. 
J. Schmidt & Co. 
Hauffstratze 8. 
sehr-Institut 
str raoöerneDamenschneiöerei 
von Frau O« Matsrkeplf, 
Rheinstrasso 27, I 
Unterricht nach bewährter leicht- 
fasilicher Methode. Neue Kurte be 
ginnen am 1. eine« jeden Monat«.
        
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