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Periodical volume Nr. 301, 23.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

als vorteilhaftes Organ nach wie vor der „Friedenau» 
Dohnungsanzeiger". Die nächste Nummer nach dem 
Kündigungstermin erscheint am Sonnabend, den 30 d. M. 
Abends, bis zu welchem Tage Mittags 12 Uhr alle Anzeigen 
an die Geschäftsstelle, Rheinstraße 15 gelangt fein müssen 
-j- Auf de«Weihuacht»blume»m«rkt herrscht jetzt 
«in lebhaftes Treiben, denn immermehr wird es Sitte, 
den Weihnachtstisch mit lieblichen Gaben auS dem Pflanzen 
reich zu schmücken. In den Markthallen und in den 
Blumengeschäften grünt und blüht eS in allen Farben, 
als wenn wir uns nicht in der dunkelsten Zeit des JahreS. 
sondern im schönen Frühling befinden. Man steht rote, 
blaue und weiße Hyazinthen. Tulpen und Maiglöckchen, 
rosafarbene Begonien, weißen und blauen Flieder, herrlich 
duftende und blühende Veilchen in Töpfen, Alpenveilc en 
in rot und weiß und andere mehr. Sehr begehrt ist auch 
die Christrose die ein stark wucherndes helles Grün, breite 
weiße Blütenblärter und gelbe Staubfäden hat. 
-j- Festtag- Vergnügungen Wieder einmal sind 
ein paar Tage herangerückt, die dem Menschen „Halt 
gebieten im Hasten und Treiben deS alltägigen Lebens. 
Er schüttelt den Arbeilsstaub von den Füßen und will 
einmal sich selbst sein, will einmal im Verwandten- und 
Freundeskreisen alle Sorgen und Plagen vergeflen, sich 
fteuen an den Freuden der Erde. Irgendwie und wo 
sucht er sich da mit Freunden zu treffen, sucht er seine 
Gedanken zu erheitern. Er geht zum Frühschoppen, leistet 
sich ein opulentes Mal und sucht des Abends irgend bei 
einer Veranstaltung sich zu vergnügen. Unser Friedenau 
bietet zu alledem beste Gelegenheit. Vorzügliche Lokale, 
die ihren Ruf schon seit Jahren genießen, aber auch solche, 
die erst kürzlich eröffnet und den modernen Ansprüchen 
Genüge tragend eingerichtet sind, laden unS ein, dort 
unsern Frühschoppen einzunehmen und wenn durch die 
Veranlassung des guten „Stoffes" der „Frühschoppen" ein 
wenig ausgedehnt werden sollte, so finden wir auch dort 
eine Speisenkarte vor, die zu billigem Preise uns zu einem 
lukullischen Mittagseffen einladet. Zu nennen wären hier 
besonders: Hotel-Restaurant „Rheinschloß", Rheinstraße. 
„Kaiser Wilhelm-Garten", Rheinstraße, Restaurant „Hohen- 
zollern", Handjerystraße, daS erst kürzlich eröffnete Restau 
rant „Moselburg". Mosel- Ecke Ringstraße. Restaurant 
„Zum Roland", Rhein- Ecke Roennebergstraße, Restaurant 
„Zum Reichskanzler", an der Friedenauer Brücke, Restau 
rant „Zum Begas". Dürerplatz, und für Feinschmecker, 
denen ein Schoppen Wein mehr zusagt, die Weinstuben 
von Jacob Knoop Söhne, Bahnhofstraße 3. Ecke Wieland 
straße. Hat er so den Vormittag bestens verbracht und 
ist mit dem Gefühl sich einmal etwas besonders Gutes 
geleistet zu haben in den Nachmittag getreten, so wird ihm 
am 1. Feiertag, Nachmittags 4 Uhr. im „Kaiser Wilhelm 
Garten", am selben Tage um 5 Uhr im „Rheinschloß 
Gelegenheit geboten, einem vorzüglichen Konzerte zu lauschen. 
Im „Kaiser Wilhelmgarten" findet am I. Feiertag. Abends 
* Uhr, eine Theatervorstellung: „Ihre Familie" statt 
und gleichzeitig zur Überleitung zum 2. Festtag „Ball". - 
Am 2. Festtag kanit dann ein jedes lebenslustige Menscheu 
Und im „Hohenzollern", „Kaiskr' Wilhelmgarten" und 
„Rheinschloß" das Tanzbein schwingen. Wem jedoch mehr 
an fröhlicher Unterhaltung im familiären oder Freundes 
kreise? liegt, dem empfehlen wir alle' übrigen Lokale. 
So bieten sich unS Friedenauern also genügend Gelegen 
heiten. um in den Festtagen wieder neue Lebensfreude, 
neuen Lebensmut zu weiterem werktäglichen Tun zu 
sammeln. 
t Friedenauer Schützen »ilde (Eingetragener 
verein). Am Montag, den 8. Januar 1906, Abends 
7 Uhr, findet im Vereinslokal, Restaurant „Hohenzollern", 
die außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Tages 
ordnung: Anmeldung und Aufnahme neuer Mitglieder. 
Verlesen eingegangener Schreiben. Bericht über daS ver 
stoffene Geschäftsjahr. Abrechnung des Stiftungsfestes 
Bericht der Kaffenprüfer und Entlastung des Rendanten. 
Besprechung über das Kaiser Geburtstagsschießen. Fest- 
setzung des Festlokals für Kaiser GeburtStagS-Essen. Fest 
setzung der Schießtage pro 1906. Besprechung über das 
Königsschießen. Antrag des Vorstandes „Berliner Bund" 
Antrag Haag: Statutenänderung. Verschiedenes. 
f Der nächste Dragouertag, welcher infolge 
größerer Inanspruchnahme um ein Jahr verschoben ist, 
findet am Mittwoch, den 24. Januar 1906, Abends 8 Uhr, 
in den Gesamtri umen der Berliner Bockbrauerei, Tempel 
hofer-Berg, als fünfter Dragonertag, verbunden mit der 
Feier des Geburtstages des Kaisers, statt. 
t In der Dezernber-Versaururlung des hiesigen 
Stenographenvereins „Gabelsberger" ennvarf der Vor 
sitzende, Dr. Neupert, in kurzen Zügen ein Lebensbild des 
vor kurzem im 86. Lebensjahre in Dresden verstorbenen 
Seniors der Stenographie, Hofrat Prof. Dr. Julius 
Waldemar Zeibig. — Vergangenen Sonnabend feierte 
der Verein sein Weihnachtsfest, bei welchem alle An 
wesenden mit kleinen Ulkgeschenken erfreut wurden. Ein 
Tänzchen zog das Vergnügen bis zum Morgen hinaus. 
t Deutschrrationaler HandlungSgehilfen-Ber- 
stand, Ortsgruppe Friedenau. Dienstag, (2. Feiertag), 
den 26. Dezember, Abends von 6 Uhr ab im Vereins- 
Hause Piater & Co., Rheinstraße 39, Weihnachtsfeier. 
Jeder Teilnehmer hat zur Verlosung ein kleines Geschenk 
rm Werte von nicht unter 50 Pf. mitzubringen, auch be 
sonders adressierte Pakete sind zulässig. Kaufleute als 
Gäste willkommen! 
s Großer Fifchverkanf findet morgen Sonntag, 
in ?der Zeit von 8—10 Vorm, und 12—6 Uhr Nachm, 
auf dem hiesigen Marktplatz statt. 
s Ei« schwere- Unglück, bei dem sechs Arbeiter 
hätten den Tod finden können, ist gestern Mittag gegen 
2 Uhr auf der Wannseebahnstrecke noch im letzten Augenblick 
verhütet worden. Die sechs Arbeiter waren dicht vor der 
Station Steglitz mit Aufschüttung der Gleise beschäftigt 
und wichen signalgemäß einem von der Station kommenden 
Zuge aus. Dabei übersahen sie bei der starken Qualm- 
entwickelung der Lokomotive, daß auf dem nun von ihnen 
besetzten Schienenftrang von Berlin her ein Zug heran 
kam. Erst als die Lichter der Lokomotive dicht vor ihnen- 
aufglühten, erkannten sie die Gefahr und retteten sich mit 
einem Verzweiflungsschrei, der die ganze nahe Station 
alarmierte, auf ein anderes Gleis. Ihr gesamtes Hand 
werkszeug, zu deffen Bergung keine Zeit mehr war, ist von 
dem Zuge vernichtet worden. 
f Falscher Telephonarbciter. Unter der Maske 
eines Telephonarbeiters treibt gegenwärüg ein gefährlicher 
Bursche in Friedenau und den übrigen westlichen Vororten 
sein Unwesen. Ein etwa 30jähriger Mann versucht sich 
dadurch Eingang in die Wohnungen zu verschaffen, daß er 
angibt, er sei Telephonarbeiter und habe am Fernsprecher 
zu schaffen. Ist der Wohnungsinhaber nicht anwesend, so 
stellt der Fremde den Dienstmädchen unsittliche Anträge. 
Außerdem hat es der gefährliche Geselle auf Diebstähle 
abgesehen. Es sei daher vor dem falschen Telephonarbeiter 
dringend gewarnt. 
f Zusammenstoß Einen schlimmen Verlauf hätte 
ein Zusammenstoß nehmen können, der sich in der gestrigen 
Nachmittagsstunde an der Rhein- und Peschkestraßen-Ecke 
vollzog. Ein Berliner Geschäftswagen wollte in die 
Peschkestraße einbiegen, als von Steglitz her eine Elektrische 
herangesaust kam. Der Führer vermochte nicht mehr zu 
bremsen und, so erfolgte ein heftiger Zusammenstoß. 
Während der Berliner Wagen ziemlich unversehrt blieb, 
wurde die Schutzvorrichtung und das Vorderperron der 
Elektrischen stark eingedrückt. Wem die Schuld an dem 
Unfall trifft, ist noch nicht festgestellt. 
Schöneöerg. 
— Für den StadtverordueteufitzuugSsaal ist 
das lebensgroße Bildnis des verstorbenen ersten Stadt 
verordnetenvorstehers Gustav Müller fertiggestellt und dem 
Magistrat abgeliefert worden. Das Bild kostet 3500 M. 
Die Übernahme desselben durch die Stadtverordneten-Ver- 
sammlung soll in feierlicher Form in der ersten Sitzung 
des neuen Jahres erfolgen. 
— Gewählt ist für die zu besetzende Oberlehrer- 
stelle der höheren Mädchenschule zum 1. April n. Js. 
Oberlehrer Dr. Zuchold aus Jan». 
— Verlegt werden die Büroräume der Voll 
streckungsbehörde nach dem linken Seitenflügel des Rat 
hauses, früher Botenmeisterei. Ursache für diese Maß 
regel ist das Anwachsen der Kassengeschäfte. infolge deffen 
die Räumlichkeiten der Stadt-Hauptkasse nicht mehr aus 
reichen. 
— Handelsgerichtliche Eintragung. Nr. 3372 
Pavenstedt & Co., Gesellschaft mit beschränkter Haftung. 
Sitz ist: Schöneberg, wohin derselbe von Bremen gemäß 
Beschluß der Gesellschafter vom 6. November 1905 ver 
legt ist. Gegenstand des Unternehmens ist: Der Erwerb, 
die Verwaltung und die Verwertung der Aktien (shares) 
der Paoenstedt-Land Company und Central Los banos. 
DaS Stammkapital beträgt: 1 400 500 M. Geschäfts 
führer: August Ludwig Ambrosius Duckwitz, Kaufmann in 
Bremen, Edmund Emil Wilhelm Pavenstedt, Kaufmann 
in Neuyork, und Hermann Wesen», Oberforstmeister und 
Ministerialdirektor in Berlin. Die Gesellschaft ist eine 
Gesellschaft mit beschräntter Haftung. Der Gefellschasts- 
vertrag ist am 19. Januar 1903 festgesetzt, am 5. Mai 
1903, am 16. Dezember 1904 und am 6. November 1905 
abgeändert. Die Gesellschaft wird von je zwei Geschäfts 
führern vertreten. 
— Im Wege der Zwangsvollstreckung soll 
das angeblich Akazienstraße 7, Ecke Beizigerstraße belegene, 
zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf 
den Namen deS Architekten Karl Becker in Schöneberg 
eingetragene Grundstück am 23. Januar 1906, Mittags 
12 Uhr, versteigert werden. Das Grundstück, Eckwohnhaus 
mit Seitenflügel und Hofraum, ist mit 19 200 Mark 
Nutzungswert zur Gebäudesteuer veranlagt; ferner soll das 
angeblich an der Eisenacherstraße belegene, zur Zeit der 
Eintragung des Dersteigerungsvermerkes auf den Namen 
des Kaufmanns Otto Schmiedicke in Charlotienburg ein 
getragene Grundstück am 30. Januar 1906, Vormittags 
10 Uhr, versteigert werden. Das Grundstück, Wohnhaus 
mit Seitenflügel und Quergebäude, ist mit 10 700 Mark 
Nutzungswert zur Gebäudesteuer veranlagt. 
— Konkursnachrichten. Der Konkursverwalter 
Schnitze stellte in dem Konkurse über das Vermögen deS 
Kaufmanns Jacob Gerson im Prüfungstermin, den vor 
rechtlosen Forderungen von 10 327 M. eine Dividende 
von 41 Proz., bei Durchführung des Verfahrens, in Aus 
sicht. — Der Konkurs über das Vermögen des Kaufmanns 
Hugo Cohn findet seine Beendigung, durch einen be 
stätigten Vergleich von 15 Proz., statt 9 Proz. der Masse. 
Das stimmberechtigende Kapital beträgt 53 867 M. und 
die Gläubiger haben mit 43 651 M. für den Vergleich 
gestimmt. 
Werlin und Wororle. 
8 Das Tunnel-Projekt des Stadtverordneten 
Esmann, welches, wie gemeldet, bezweckt, den Straßen 
verkehr von der Steglitzer nach der Schöneberger Straße 
— unterhalb der Gleisanlagen der Potsdamer Eisen 
bahn — zu leiten, ist jetzt nebst Erläuterungsbericht und 
Lageplan bei der städtischen Verkehrsdeputation ein 
gegangen. Der unter dem Bahnkörper anzulegende 
Straßentunnel würde rund 200 Meter lang und in einerj 
Breite von 26 Metern herzustellen sein; er soll, nach dem 
Plane deS Antragstellers, auch den Straßenbahnverkehr 
aufnehmen und zwar nicht allein zwei städtische, sondern 
auch zehn Linien der Großen Berliner Straßenbahn. Die 
städtischerseits geplante Südlinie, Dönhoffplatz—Groß- 
Görschenstraße, will Stadtv. Esmann an beiden End- 
punkten verlängert wissen und zwar, einerseits durch die 
Kurfürstenstraße nach dem Zoologischen Garten, andrerseits 
von der Lindenstraße mit Durchbruch nach dem Spittel 
markt. durch die Wall- und Neue Friedrichstraße nach dem 
Alexanderplatz; eine zweite Linie soll vom Zoologischen 
Garten, nach Durchführung des geplanten Tunnels in das 
Tempelhofer üfer einschwenken und über das Hallesche Tor 
nach dem Görlitz» Bahnhof gefühtt werden. Von den 
Linien der Großen Berliner Straßenbahn, welche, anstatt 
durch die obere Potsdamer- und Leipzigerstraße, durch den 
neuen Tunnel, die Schönebkrger-, Dessauer-, Prinz Albrecht- 
straße rc. geführt werden sollen, nennt der Antragsteller 
die Nummern 65 bis 69, 71, 78, 87, 88 und 93. 
Vorausgesetzt ist dabei natürlich eine Übereinkunft zwischen 
Stadt und Gesellschaft über die Mitbenutzung der beider- 
seittgen Gleisanlagen. Die Königl. Eisenbahn-Direktion 
Berlin soll ersucht werden, in Verbindung mit dem 
städtischerseits zu erbauenden Straßentunnel vier Eisen 
bahn-Haltestellen verlegen zu lassen und zwar für die 
Wannseebahn, die Potsdamer Vorortbahn, die Ringbahn 
und die Anhalter Vorortbahn. Sowohl von der Ablenkung 
der genannten Straßenbahnen, wie auch von der Anlage 
dieser Bahnstationen ermattet Stadtv. Esmann eine 
wesentliche Verkehrsentlastung des Potsdamer Platzes; 
zudem würde die Trace der städtischen Südlinie um 400 
Meter kürzer und die Schwierigkeit bezüglich Mitbenutzung 
der Königin Augustabrücke bezw. der Anlage einer neuen 
Kanalbrücke am Hafenplatz beseitigt. — Alle diese Anträge 
hat der Grundbesitzer-Verein „Südwest und Süd", namens 
des „Vereinigten Verkehrs-Ausschusses" und der' ihn an 
gehörenden sieben Vereine, warm befürwortet. In einer 
gestern bei der städtischen Verkehrsdeputation eingegangenen 
Petition wird daran erinnert, daß ein ähnlicher Antrag 
vom 4. Januar 1901, der aber einen nahezu 450 Meter 
langen Bahntunnel von der Kurfürsten- nach der Trebbiner- 
straße betraf, wegen der hohen Kosten „zur Zeit" nicht 
ausführbar erscheine, daß aber seit jener Zeit der Straßen 
verkehr eine gewaltige Zunahme erfahren habe und eine 
Entlastung des Potsdamer Platzes nachgerade unumgänglich 
sei. Dieser Verkehrsverbesserung diene der Antrag Esmann, 
der zur geneigten Erwägung warm empfohlen wird. 
8 Das städtische Untersuchungsamt fürNahrungs- 
und Genußmittel an der Fischerbrücke ist im Rohbau 
vollständig fertig und wird augenblicklich mit Fenstern 
versehen. Es hat ziemlich lange gedauert, bis der Neubau 
diesen Stand seiner Entwicklung erreicht hat. Das vom 
Baugerüst befreite Gebäude macht einen sehr schönen Ein 
druck und fügt sich sehr gut zwischen die Feuerwache in 
der Fischerstraße und das Standesamt an der Fischer 
brücke ein. 
8 Die Ältesten der Berliner Kaufmannschaft 
hatten von der. Resolution, welche in der Versammlung 
am 17. d. M. zugunsten eines freundschaftlichen Einver 
nehmens zwischen Deutschland und England gefaßt worden 
ist, dem Reichskanzler Kenntnis gegeben und haben da 
rauf von demselben folgende Antwort erhalten: Von der 
durch das Schreiben vom 17. d. M. übermittelten Resolu 
tion habe ich mit lebhaften Interesse und großer Genug- 
tung Kenntnis genommen. Die zum Ausdruck gekommenen 
Gedanken und Bestrebungen sind meiner wärmsten Sym- 
patie gewiß. Der Reichskanzer, gez. Bülow. 
8 Das vielumstrittene Haus Königgrätzer- 
straße 188 ist jetzt bis auf die Grundmauern abgebrochen 
worden. Nur das Zigarrengeschäft ist mit seinen hinteren 
Räumlichkeiten stehen geblieben. Es hat ein hölzernes 
Dach erhalten, das mit Teerpappe überzogen ist. 
8 Im kronprinzlichen Palais werden die Um- 
änderungs- und Erneuerungsarbeiten in der nächsten Woche 
beendet werden, da die Räume von Neujahr ab bezugS- 
fähig sein müssen. Der größte Teil der Räumlichkeiten 
ist bereits fertig und wird jetzt durch eine hiesige Firma 
mit Kronleuchtern und sonstigen Beleuchtungskörpern ver 
sehen. Auch mit der Ausmöbelierung ist bereits begonnen 
worden. 
8 Die regnerische Witterung der letzten Tage 
hat dem Weihnachtsgeschäft einen großen Abbruch getan. 
Besonders haben darunter die fliegenden Straßenhändler 
und die Budeninhaber auf dem Weihnachtsmarkte zu 
leiden. In den Hauptgeschäftsstraßen, wo sonst um diese 
Zeit ganz gewaltige Menschenmassen zu verkehren pflegen, 
ist es ziemlich still, da jeder bestrebt ist, so schnell wie 
möglich nach Hause zu kommen und sich meist der 
Straßenbahn bedient. Infolgedessen erleiden auch die Be 
sitzer der größeren und kleineren Geschäfte durch das 
Regenwetter erhebliche Einbuße. 
8 Orgelkonzert. Am Mittwoch, den 27. d. Mts., 
Abends 7% Uhr, veranstaltet der Königl. Musikdirektor 
Beruh. Jrrgang in der St. Marienkirche eine musikalische 
Jahresschlußfeier unter Mitwirkung von Frau Erna von 
Storch (Sopran), Frl. Hedwig Schmidt (Alt), Herrn Ludw. 
Schubert (Tenor), Frl. Gertrud Marburg und Herrn Paul 
Säger (Violine). Der Eintritt ist frei. 
Gerichtliches. 
(-> eine eigenartige Klausel müssen die Angestellten einer 
Berliner 8üma in ihrem Anstelln'gSvertrag unterschreiben, mit dem 
sich gestern infolge eineS Prozesses das KaufmannSgcricht zu be 
schäftigen hatte. Wer bei dieser Firma eine Stellung annimmt, muß 
sich schriftlich damit einverstanden erklären, daß er im Falle der Kün- 
diquna, ganz gleichgültig von welcher Seite sie ausgeht, vom Kündigungs- 
tage an nur das AnfangSgehalt erhält unter Abzug aller wahren» 
der bisherigen Anst.llungSdauer gewährten Zulage«. Wie der Vor- 
fitzende deS Kaufrnannsgnichts hervorhob, führt die Jnnehaltung 
dieser Klausel dam, daß Angestellte, die seit langen Jahren im Ge- 
schüft tätig sind und sich zu einer gutdotierten Stellung hinaufgearbeitet 
haben, wenn sie gekündigt werden, nur daS geringe AnfangSgehalt 
bekommen, datz sie bei ihrem Eintritt in das Geschäft als sunger 
Mann erhielten. DaS Kaufmannsgericht entschied denn auch in seinem 
Urteil dahin, daß ein solcher «nstellungsvertrag wider die gut n 
Sitten verstoße und deshalb rechtsungültig sei. 
Geschäftliches. 
V »«dervieh und Skehwlld kauft mau gut im belann: n 
Spezialgeschäft von Max Schlosser. Rheinstraße 22. Dort grebts 
Hasen, gebäutet und gespickt, Puten, Gänse, Kapaune Fasanen, Perl- 
dühner. Rehwild-Keuien. -Rücken und -Blätter, auch Spießer und 
Wildschweine. Delikate Festbraten find also in großer Anzahl vor- 
Handen, man kaufe nur ein und lasse fich's gut schmecken. 
9 ftcinfie Delikatessen empfiehlt dre Frrma Scheik & 
Gladow. Sie verfügt jetzt über vier Geschäfte: Rheinstr. i , 
Hedwiqstr. 1, Beckerür. 13/14 und Wilmersdorf am Karsttt> atz, so 
daß das Publikum Gelegenheit hat, in den verschiedenen Gegenden 
die gleichen Qualitäten zu erhalten. Russischer Kaüar, beste Sort n, 
ist in den Preislagen von M. 16.—, 12.— und 9.— zu haben. 
Außerdem feinste Ananas. Gänsebrüste, Prasentkorbe in allen Prer^- 
lagen. Schließlich werden n.ch Liköre. Weine, Punschextratte in 
empfehlende Erinnerung gebracht. 
Hierzu eine Beilege.
        
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