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Periodical volume Nr. 291, 12.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Beilage zu Nr. 298 des „Friedenauer Lokal-Anzeiger". 
Mittwoch, den 20. Dezember 1905. - 
Traumgold. 
Skizze von M. Strauch. Friedenau. 
E« war an einem Iunimorgen; goldig lag der 
Sonnenschein auf den rebenumwachsenen Bergen, gleich 
blauweißen Wölkchen entschwebten duftige Nebel dem Tale 
und jubelnd schwang eine Lerche sich hinaus in bläuliche Ferne. 
Wir beide, wir schritten Hand in Hand durch den 
taufrischen Wald. Er war so still um unS, nur die 
Glockenblumen erzitterten unter dem Kusse der Morgen- 
winde, und leise, wie im Traume, flüsterten die Tannen. 
Weißt Du «r noch? 
Wie lange wir geschritten waren, mir wußten er nicht 
zu sagen; die Sonne stand am Horizont, da gelangten 
wir an eine Lichtung, an eine duftende WaldeSwiese. Er 
war brennend heiß geworden, kein Windhauch wehte, und 
ermüdet ließen wir unr an dem Waldesrande nieder. 
Auch hier Stille, traumhaft tiefe Stille. 
Bor unseren Augen gaukelte ein Schmetterling, 
Libellen wiegten sich im Sonnenglanze. 
Tu sprachst mir von Deiner Heimat, von hohen 
Felsen, die einen stillen See hüten, vom Mondlicht, dar 
darin sich spiegelt, von einem weinumrangten Häuschen; 
ich hörte Dir zu und ich hätte Dir lauschen mögen 
ewig. ewig. 
Die Stunden schwanden» und die Sonne sank tiefer 
und tiefer, aber wir beide, wir schritten noch immer durch 
den schweigenden Wald. 
'Schon nahte die Dämmerung, leise wie ein duft'ger 
Schleier schwebte sie hernieder und umhüllte Täler und 
Berge. 
Bor einem rieselnden Quellchen standen wir still, an 
seinem Rande blüten Vergißmeinnicht und Farnkräuter 
grüßten unS. Du bücktest Dich, pflücktest einen Strauß 
und gabst ihn mir und schweigend blickten wir unr an. 
Weißt Du eS noch? 
Da tönten wie aur weiter Fern« verwehte Glocken 
töne halb klagend, halb jauchzend, bald schwollen sie zu 
schmelzenden Akkorden, bald schwebten sie voll süßer 
Innigkeit und klangen leise — sterbend — aur. 
Ich lag in Deinen Armen, Du hattest mich an Dich 
geriffen und mich geküßt, heiß und innig geküßt. Eine 
unendliche Seligkeit war über mich gekommen, denn ich 
wußte, ich hielt in den Händen dar Glück. 
Das Glück, dar mich lächelnd gestreift, das mir 
gelockt und gewinkt und das mich höhnisch lachend zurück- 
stieß, sobald ich eS fassen wollte, es war gekommen und 
ich hielt es fest mit zitternden Händen. Die Nacht brach 
herein, der Mond spann sein silbernes Netz über den 
schlafenden Tannenwald, geheimnisvoll wogten schleppende 
Nebeldünste und Mondlichter huschten über die Wiese. 
Da gingen wir heim. 
Blumen hatten wir in den Händen und über Blumen 
schritten wir. 
Nun ist er Herbst, heulend jagt der Sturm durch die 
Luft, stöhnend neigen schlanke Pinten und Zypressen ihre 
Krone zur Erde und Regentropfen fallen schwer vom 
Himmel. 
Ich drücke mich fest an den Felsen, er ist eiskalt aber 
eS schmerzt mich nicht, denn eS ist alles gestorben in mir. 
Alles? nein, nicht alles, meine Seele lebt, denn eine 
Seele kann niemals sterben, aber sie ist dunkel und düster. 
Ha, wie der Sturmwind dahin saust, wie er das Tuch 
mir vom Kopfe reißt, wie er die Wellen des Meeres 
peitscht, daß sie hoch auf sich bäumen und in weißen 
zischenden Schaum zerrinnen. 
Schauerlich und dunkel ist eS um mich, gleich flüchtigen 
Schatten fliegen Seemöven über die Wasierbahn, schwarze 
dräuende Wolken hängen am Himmel. 
Da — im Dunkel der Nacht eine Helle, eine strahlend 
blitzende Helle, auS schwarzem Gewölk bricht ein funkeln 
der Stern. 
Nur Sekunden lang seh' ich sein glitzerndes Flimmern, 
schon kommen die Wolkenmassen, schon wollen sie die 
schwarzen Flügel um ihn schlagen, da versinkt er still und 
lautlos im Meer. 
Nach langen dunklen Nächten der erste Stern, der 
mir erschien! 
Wohl hatten die Leute mir oft erzählt, daß die Stern- 
lein so golden strahlen, daß Nachtigallen sängen und 
Blumen so herrlich blühen, ich hörte sie alle. alle. aber ich 
verstand nicht, was sie sagten. — Des Sturmes Gemalt 
ist gebrochen, wohl stürzen in wilder Hast die düstern 
Wolken noch übereinander, aber schon glättet sich das Meer 
und ein sanfter Wind streicht wie liebkosend über den 
Wellenspiegel. 
Traurig und müde stehen die Bäume da. vereinzelt 
hängen welke Blätter an den Zweigen aber schon gleiten 
sie zur Erde. leise, wie der Hauch eines Sterbenden, 
sinken sie hin. 
Wie eS rauscht und flüstert, wenn der Wind durch 
Pinien und Zypressen streicht, wie eS singt und klingt 
gleich klagenden Sehnsuchtsliedern. — 
Liebliche Wellenkinder kommen gezogen, zagend spülen 
sie glitzernde Tröflein wie vergessene Tränen ans Ufer, 
leise, ganz leise verrauschen sie im Sande. Und stille ist 
es um mich, traumhaft tiefe Stille . . . 
Bekanntmachung. 
Die fortschreitende Entwickelung unsere» Ortes hat eine Neuregelung d« 
DatsenratObezirke notwendig gemacht, von dem Semeinde-Waiseurat ist daher di« 
auS dem untenstehenden Verzeichnis erfichtlich« Neuetnieilung der einzelnen Bezirke 
beschlssten worden. Dies wird mit dem Ersuchen zur öffentlichen Kenntnis gebracht, 
tn allen «aisenratSangelegeuhritrn die eingetretenen Veränderungen berücksichtigen 
zu wollen. 
Verzeichnis de, Waisenrat« bezirke. 
Nr. 
de« 
Bezirk» 
Der Bezirk umfatzt die Straßen 
De» Wais 
Name 
nnatS-vezirkS 
Stand 
Vorsteher- 
Wohnung 
I 
jting-, Lauter-, Benningsen-^Hähnel., 
Hedwia-, Mosel-, Saarstraße 
Touffaint 
Kunsthändler 
Albestr. 1 
II 
Rheinstratze 
Eprockhoff 
Seminar- 
lehrer a D. 
Handjeiyst. St 
III 
Handjerystraße 
Stoltzenburg 
Schornstein- 
fegermeiller 
Handjeryst. 10 
IV 
Zu-, Kirch-, Roenneberg-, 
Schmargeudorftr Straße 
Kreuschmer 
Zimmermeister 
Goßlerstr. 40 
V 
Albe- BtSmarck-,Feartg-,Niedstratze, 
Maybachplatz. Sportparkgelände 
Stückrath 
Mechaniker 
Albestr. 11 
VI 
W esbadener Straße, Friedrich 
Wilhelm-Platz, Kaiser-Allee vom 
Friedrich Withelm-Platz bi» zur 
Grenze von Wilmersdorf, Schiller- 
platz und alle Straßen nördlich der 
WieSbadeuer Straße und westlich 
der Kaiserallee bi» zur Grenze 
von WilmerSdorf. 
värnandt 
Pfarrer 
Kaiserellee 76 
VII 
Fried 
Kaiserallee vom Friedrich Wilhelm- 
Platz biS zur Stegl-tzer Grenze 
und alle Straßen südlich der Wie», 
badener Straße und westlich der 
Kaiserallee bi« z» den Grenzen 
von Steglitz und WilmetSdnrf 
enau, den 12. Dezember !S05. 
Kleine 
Der Gemeinde 
Pfarrer 
-Waifenrat. 
Wiesbadener 
Sir. « 
Schnackenburg 
Standesamts Nachrichten. 
Friedenau. 
Woche vom 11. bi« 17. Dezember 1905. 
Geburten: Ein Knabe: 
Bildhauer Max Schneider. Keramiker 
Chistian Horenkohl. MagistratSasfistent 
Wilhelm Ziehmr. 
Ein Mädchen: 
Schriftsteller Kurt KühnS. Kunsthändler 
und Schriftsteller Karl Jahnke. Hedwia 
Kalufche, ohne Bcr^f. Buchhändler Joseph 
Drabeck. «önigl. Pol'zeisekretär Bruno 
Gravenhorst. 
Aufgebote: 
Schneider Richard Ribb.ck und Jda 
Kähne, ohne Beruf. Zeichenlehrer und 
Kunstmaler Alfred Rietz und Margarete 
Mencke, ohne Beruf. Bäcker Albin Geißler 
und Emma Brandt, Plätterin. Zuschneider 
Brun, Dalk.ewic; und Bertha Krebs, 
Dienstmädchen. Bereite: Karl Eickhorst 
und Pauline Rust, Ktchin. Teppichfabiik 
Emil Hahn und Ella Woelk ohne Beiuf. 
Eheschließungen: 
Schuhmacher Ernst Eiange mit Klara 
Trampler, Wirtschafterin. 
Sterbes älle: 
Karl Schreiber, 3 Mon. Ch alotte Pollin, 
lv I. Wi Helm Glück, 5 I Arnold 
Schindler, 2 Mon. Erich Schmidt, 11 Mon. 
verw. Arbeiter Amalie Schubert geb Glicht 
75 I. Buchhändler Ernst Echwartze. 42 I. 
Frlidinauer Puppip-Miaik 
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