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Periodical volume Nr. 298, 20.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Kirche fuhren. Der Kaiser wurde von dem Kontreadmiral 
r. Müller, die Kaiserin von der Oberhofmeisterin Gräfin 
von Brockdorff begleitet. Außerdem befanden sich im Ge 
folge die Hofdamen Gräfinnen v. Keller und v. Rantzau, 
Oderhofmarschall Graf zu Eulenburg und Kammerherr 
v. Behr-Pinnom. DaS Kaiserpaar wurde empfangen von 
dem Generalsuperintendenten D. Faber, dem StaatS- 
minister Dr. Eludt. dem Ministerialdirektor v. Chappuis, 
born Oberpräsidenten v. Trott zu Solz, dem Präsidenten 
und Vizepräsidenten des pberkirchenratS VoiglS und 
D. Freiherr v. d. Goltz, dem Präsidenten des Kon 
sistoriums Steinhaufen, dem Oberhofprediger D. Dryander, 
dem Gencralfeldmarschall v. Hahnke, dem Polizeipräsiden- 
irn v. Borries, dem Konststorialrat Dr. Crisolli, dem 
Präses der Berliner Stadtsynode Dr. v. Meyeren, dem 
Oberbürgermeister Kirschner. dem neuen Stadtkämmerer 
Steiniger, dem Superintendenten Krüger, den Geistlichen 
und dem Gemeinde-Kirchenrat von EmmauS, der Mutter- 
kirche des neuen Gotteshauses, sowie von dessen 
E-bauer dem königlichen Baurat Bürckner. Der Kirche 
gegenüber war durch den Stadtkommandanten Grafen von 
P'oltke unter dem Befehl des Hauptmanns von 
Dassel eine Ehrenkompagnie des 4. Garde-Regiments 
aufgestellt worden, die der Kaiser abschritt, während 
die Kaiserin von Fräulein Tabbert und dem 
Töchterchen des Pastors Pauli begrüßt wurde und einen 
Strauß aus gelben Rosen in Empfang nahm. Baurat 
Bürckner übergab dem Kaiser den Schlüssel mit der Bitte, 
die Erschließung des Gotteshauses zu befehlen. Aus der 
Hand des Kaisers entnahm ihn der Generalsuperintendent 
I). Faber und übergab ihn dem Pfarrer Grauenhorst, der 
dir Kirchenrür mit einem Segensspruch öffnete. Hieraus 
belrar das Kaiserpaar unter Borantritt der Kirchenältesten, 
welche die heiligen Gefäße in den Händen hielten, und 
der vorher geuaunien Persönlichkeiten die Kirche, während 
ein Schülerchor unter Leitung des Lehrers Winter den 
Psalm 118, (24, 25): „Dies ist der Tag, den der Herr 
macht" sang. Rach einem Gemeindegesang, der von 
Posaunen begleitet wurde, vollzog Generalsuperintendent 
I>. Faber den Weiheakt, während dessen sämtliche Glocken 
des neuen Gotteshauses zum ersten Mal ihr Geläut er- 
rönen ließen. Dem Weihegebei lag das Wort aus chem 
ersten Korinther Briefe zu Grunde, das die Kaiserin in 
die Alrarbibel geschrieben hat. Es lautet: Der Herr Jesus 
wird euch festhalten bis ans Ende." An Ordensaus- 
zcichuungen erhielten den roten Adlerorden 4. Klasse 
Pastor Pauli, den Kronenorden 4. Klasse Kirc. enältester 
Oberländer und Rendant Holler, das Allgemeine Ehren 
zeichen Maurer Ende. Nachdem Superintendent Krüger 
die Liturgie gelesen hatte, hielt nach abermaligem Ge 
sänge des EhorS Pfarrer Grauenhorst die Festpredigt 
über Matthäus 17.8: „Da sie aber ihre Augen auf 
hoben. sahen sie Niemand, denn Jesum allein." Gebet 
und Segen sprach Pastor Lange, worauf das Kaiser 
paar unter Orgelspiel und dem Geläut der Glocken das 
Gotteshaus verließ. Die Häuser der Wrangelstraße waren 
mit Fahnen und Guirlanden reich geschmückt und auch 
auf der in der Straße gelegenen katholischen Liebfrauen 
kirche wehten deutsche, preußische und päpstliche Fahtien. 
8 Die Eingemeindung der Umgebung des Hunde- 
kehlensees in die Gemeinde Grunewald ist von der Ge 
meindevertretung genehmigt worden. DaS Gelände um 
faßt 14 Hektar und ist Eigentum der Neu-Grunewald- 
Aktiengesellschaft. Die Gegend wird überdies durch Ver 
längerung der am Bahnhof Grunewald beginnenden Auer 
bachstraße bis zum Wildgatter ein verändertes Aussehen 
erhalten. Die erforderlichen Terrains hat sich die Gemeinde 
Grunewald bereits von dem ForstfiSkus und den anderen 
Anliegern gesichert. In Sachen der Straßenbahn- 
konzessionierung hat sich die Gemeindevertretung von 
Grunewald mit den Beschlüssen der Derkehrskonferenz 
Berlins und der Vororte vom 28. Oktober d. Js. einver 
standen erklärt. 
8 Für die Stelle des ersten Direktor« der 
Straßenreinignng — an Stelle des Anfang August d. I. 
verstorbenen Direktors Schlosky — hat der Magistrat 
dem Vernehmen nach dcn Magistartsbaurat Szalla, 
Leiter der fünften Bauinspektion in der Albrechtstr. in 
Aussicht genommen. 
8 Mufik-FachauSstellung Berlin 1906. Die 
vom „Zentral Verband Deutscher Tonkünstler uud Ton 
künstler-Vereine" (E. D.) im Mai k. I. in den Gesamt 
räumen der Philharmonie zu Berlin zu veranstaltende 
Musikfachausstellung verspricht einen ungewöhnlich großen 
Umfang anzunehmen und somit sowohl für den Fachmann, 
als auch für das auf dem Gebiete der Musikinstrumenten- 
Fabrikation, des Notendrucks usw. wohl nur wenig unter 
richtete Publikum außerordentlich lehrreich zu werden. 
Wilmersdorf. Das zweite humanistische Gymna 
sium, dessen Begründung die Gemeindevertretung im 
Oktober beschlossen hatte, wird zu Ostern nächsten Jahres 
mit der Sexta und der dritten Vorschulklasse eröffnet 
werden. Die Klassen werden vorläufig in Mietsräumen 
untergebracht und der Leitung des Direktors des Bismarck- 
Gymnasiums, Prof. Dr. Coste unterstellt.' Gestern beschloß 
die Gemeindevertretung die Gründung einer Stiftung zur 
Erinnerung an die Silber-Hochzeit des Kaiserpaares und 
bewilligte zu diesem Zwecke 30 000 Mk. Die Stiftung 
erfolgte in Gestalt eines Stipendienfonds für die Schüler 
der höheren Lehranstalten und Gemeindeschulen. 
Zuschriften. ~ 
Geehrte Redaktion! Die neuernannt- Le Lore-Straße hat nun- 
mehr schon verschiedene Gebinde erha ten die im neuen Jahre bereit- 
bewohnt werden sollen. Run ist aber bisher weder ein Schild zur 
Bezeichnung der Straße anocbracht worden, noch baden die Häuser 
Nummern erhalten. Zur Orientierung für das Publikum wäre er 
doch sehr erwünscht, daß unser Gemeinde Vo stand balligst diesen 
Mangel cbhil t. Ich bitte auf diese M ß'lände doch einmal in Ihrem 
geschatz en blatte hinzuweisen. Hochachtend R.— 
Gerichtliches. 
P. Uawilieuzwistigkeiteu lag>n einer Anklagesache zugrunde, 
welche die 3. Strafkammer des Landgerichts d schäftigte. Wegen 
Diebstahls mußte sich die bisher unbescholtene Witwe Alma Schütt 
geb. Schulz verantworten. Als Hauptbelaftungs eugin war die 
Schwiegertochter, die Ehefrau de- Glasmaler- Sch. vorgeladen. Der 
Angeklagten wurde zur Last gelegt, im Februar o Jz. ihrer 
Schwiegertochter, deren Eh mann wegen Sittlichkeit-verbrechens am 
4. Februar verhaftet worden war, Sachen im Werte von 400 M. 
entwendet zu haben Die Angeklagte bestritt diese Anschuldigung. 
Sie gab zwar die Tatsache zu, daß fie Sachen aus der Wohnung 
ihres damals verhafteten Sohnes abgeholt und an die Wirtin Frau 
Timm verkauft habe, das sei jedoch in ihrer Eig-nschas als Be- 
vollmüchtigte ihres Sohnes ihr Recht gewesen. Die Angeklagte bestritt 
aber, gewußt zu haben, daß unter den Sachen zu -reichen auch ein 
Klavier gehörte, sich Sachen befanden, welche Eigentum der Schwieger- 
tochter waren, «uf Grund de« Ergebnisses der Beweisausnahme 
e achtete der Gerichtshof Diebstahl nicht für erwiesen. Das Ulteil 
lautete auf Freisprechung. 
P Wegen vorsätzlicher Körperverletzung mußte sich vor 
dem Schöffe- gerichr ein Anhänger der Selbsthilfe der Kellner August 
Beck veiantworten. Weil er glaubte, von dem Gastwirt K. iu 
Friedenau beleidigt -u sein, verschaffte er sich selbst auf der Stelle 
sein veimeinilich.s Recht, indem er den K. mißhandelte. DaS 
Schöffengericht urteilte dcn gewalttätigen Angeklagten zu 2 Wochen 
Gefängnis 
Vermischtes. 
• Lit-raturg« sch chte schwaa,. Ein Londoner Buchhändler 
hat in emem kürzlich veröffe Nichten Antiquanats-Kataleg Jean Paul, 
den greßen deutsLen Humoristen und Satiriker, unter die — ,land 
wirtschaftlichen Schriftsteller' eingereiht. Die „Blumen-, Frucht- und 
Dornenstücke' d,s b -ahmten Denkers von Wunfiedel existieren 
nämlich in englischer Übers, tzung, und der .gartenbauliche' Titel dieses 
Werke- mag den büchervcikaufenden Briten wohl veranlaßt haben, 
den Autor zu dcn agiarischen Fach «bnflstei ern zu rechnen. Hoffentlich 
hat der Brave analog dieser trefflichen Rubrizierung nicht etwa 
unsern Schiller ob seiner „Räuber' zum Krimmalnov. llisten, Gustav 
Freytag weqen des „Nestes der Zaunkönige' zum Ornithologen und 
Kleist in Rücksicht aus dessen „Zerbrochenen Krug" zum keramischen 
Schriststeller gemacht. 
Hierzu eine Beilage. 
Für die herzliche Teilnahme 
bei der Beerdigung unseres 
lieben Sohnes 
Arnold Schindler 
sagen wir allen Freunden und 
Bekannten, insbesondere dem 
Herrn Pastor Kleine unseren 
herzlichsten Dank. 
Hermann Schindler 
und Frau. 
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Köchinnen u Mädchen für alles 
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Januar 1906 Verein „Hausfrieden', 
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