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Periodical volume Nr. 298, 20.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Tilgung der gesamten Baukosten und ist zu 25 v. H. an 
den Einnahmen des Kreises beteiligt; an weiteren Schulden, 
die der Kreis künftighin aufnehmen sollte, nimmt Wilmers 
dorf nicht Anteil. 
t Die Eröffnung des Teltowkanals soll am 
22. März n. I.. dem Geburtslage Kaiser Wilhelms I. 
stattfinden. Der Kaiser wird zur Eröffnungsfeier an 
wesend sein. 
-s Elektrizitätszähler. Die zur Stromzählung 
von der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft Berlin, ge 
lieferten Apparate sind erstmalig zur Probe in Friedenau 
in Gebrauch genommen worden. Ein Beamter der Ge 
sellschaft, sowie ein solcher unseres Elektrizitätswerks 
nehmen gegenwärtig Prüfungen an den Apparaten vor, 
zur Feststellung ihrer Leistungs- und Gebrauchsfähigkeit. 
Bisher sind allgemein zufriedenstellende Resultate gemacht 
worden. 
-s Die nächste Ziehung der Preußischen Klassen 
lotterie findet am 9. und 10. Januar statt. Die Lose 
müssen bis heute Abend eingelöst sein. 
t Firmeueintragung. Nr. 27 888. Offene Handels 
gesellschaft Georg Haase & Hüttmann, Schöneberg, und 
als Gesellschafter Georg Haase, Kaufmann, Schöneberg, 
und Carl Hüttmann, Kaufmann, Schöneberg. Die Gesell 
schaft hat am 1. Oktober 1903 begonnen. 
t In dem Konkursverfahren über das Ver 
mögen des Privatiers I. F. E. Hoffer, Fregestraße 10, 
ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters und 
zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußver- 
zeichnis der bei der Verteilung zu berücksichtigenden 
Forderungen der Schlußtermin auf den 4. Januar 1906, 
Vormittags 11 Uhr, bestimmt. 
f Die Irrungen im Ansichtskarten wesen 
wollen kein Ende nehmen. Anlaß dazu bietet jetzt der 
lebhafte Weihnachts- und Neujahrsverkehr nach Amerika, 
wie er durch die zahlreichen verwandtschaftlichen Be 
ziehungen von den dortigen Deutschen bedingt ist. In 
den Briefkästen finden sich jetzt nach amtlicher Wahr 
nehmung täglich zahlreiche Weihnachts- und Neujahrs- 
Ansichtspostkarten nach Amerika mit brieflichen Mitteilungen 
auf der Vorderseite vor. Briefliche Mitteilungen auf der 
Vorderseite von Ansichtskarten sind bekanntlich nur im 
Verkehr mit den europäischen Ländern zulässig. Ansichts 
postkarten nach Ländern außerhalb Europas dürfen nach 
wie vor auf der Vorderseite nur die Adresse und etwa 
noch den Absender tragen. Sind sie mit brieflichen Mit 
teilungen auf der Aufschriftseite versehen, so werden sie als 
Briefe behandelt und dementsprechend taxiert. Die 
Empfänger sind also gehalten, Strafporto zu entrichten. 
Diese Frage wird ohne Zweifel auf dem 'demnächst in 
Rom stattfindenden Weltpostkongreß einheitlich geregelt 
werden. Nach den sonstigen Wahrnehmungen erscheint es 
ferner nicht überflüssig darauf hinzuweisen, daß briefliche 
Mitteilungen auf der Vorderseite von gewöhnlichen Post 
karten überhaupt nicht zulässig sind. 
Weihnachtsfeier des ParochialvereiuS. Wenn 
der Parochialverein zu seiner Weihnachtsfeier einlädt, 
pflegen jedesmal viele dem Rufe zu folgen; gestern war 
ihre Zahl größer als der Vorstand erwarten konnte, so 
groß, daß der Platz nur bei großer Geduld und Anspruchs 
losigkeit der Teilnehmer ausreichte. Das ist ein erfreulicher 
Beweis für die ständig wachsende Beliebtheit des Parochial- 
vereins und seine Veranstaltungen. Niemand wird mit 
getäuschten Erwartungen heimgegangen sein. Selbst wenn 
das launische Glück ihm versagt haben sollte, einen der 
vielen und schönen Gewinne nach Hause zu tragen, wird 
ihn der Genuß, den die mannigfachen Darbietungen 
gewährten, entschädigt haben. — In dem weihnachtlich 
geschmückten Saale, beim Scheine der Weihnachtsbäume 
ging von Anfang bis zu Ende Weihnachtsstimmung und 
Weihnachtsfreude durch alle — nur aus dem Kreise des 
Vereins geleisteten — Darbietungen hindurch. Nachdem 
Herr Stirz das würdige Präludium in Gestalt eines 
Weihnachtsklänge anschlagenden Klaviervortrags gegeben 
und Frl. Wunschmann in poetischen Worten, in außer 
gewöhnlich eindrucksvollem Vortrag, den einleitenden 
Prolog gesprochen hatte, führten zwei Lieder, stimmungs 
voll von Mitgliedern des stets hilfsbereiten Kirchenchors 
vorgetragen, und zwei Deklamationen, dargeboten von 
einer kleinen Schülerin (Elsbeth Franke) und einem 
Schüler (Kurt Möller) und mit rauschendem Beifall auf 
genommen, mitten in die Festesstimmung hinein. Frau 
Seeler leitete mit einem herrlichen Liede („Weihnachten" 
von E. Humperdinck) zum Mittelpunkt der Feier, zur 
Ansprache des Herrn Pastor Kleine über. Nicht mehr in 
der Art der Kinder, so etwa führte der Redner aus, 
können wir Weihnachten feiern. Der Zauber der Kindheit 
ist vorüber und kann nicht wiedergebracht werden. Aber 
darum soll das gemütvollste und so echt deutsche Fest für 
unS nicht weniger schön sein, nicht weniger bedeuten. 
Mögen wir uns nicht mehr so naiv der Freude am 
Lichterglanz und Festestrubel hingeben, so können wir 
doch um so tiefer die eigentliche Bedeutung des Festes 
erkennen und würdigen. Sind wir dann ergriffen von der 
ewigen Liebe, die in Jesus sich offenbart, so werden wir 
getrieben werden, die uns von Gott widerfahrene Liebe 
mit Erweisung der Liebe an unseren Brüdern zu erwidern. 
So wird uns das Fest der ewigen Liebe ein Fest des 
Gebens, ein Fest der tätigen Liebe sein, anspornend zum 
Erweise dieser Liebe auch zu anderen Zeiten als gerade 
zu Weihnachten. Dann wird die Festesfreude nicht nur 
Stimmung, sondern Tat sein. — Nachdem sich ein gemein 
schaftlicher Gesang („O du fröhliche usw.") angeschlossen 
hatte, trat eine kurze Pause ein. Den 2. Teil leitete ein 
Gesang des Kirchenchors ein. Dann erschien überraschend 
der Weihnachtsmann selbst (Herr stad. Kinzel), um in 
freundlichen Worten des Parochialvereins und seiner 
Bestrebungen zu gedenken und zugleich die Stimmung für 
die von Mitgliedern gebotene Aufführung vorzubereiten. 
Das kleine Stück, das uns in die „gute, alte Zeit" führte, 
hatte ansprechenden Inhalt und wurde sehr wirkungsvoll 
zur Darstellung gebracht. Die Damen hatten selbst das 
längst vergessene Spinnen mit Eifer eingeübt. Wiederum 
überraschend schloß sich eine dankenswerte Deklamation 
von Frl. Willens an. welche das mühsame und zeit 
raubende Geschäft der Gewinnverteilung würdig vorbereitete. 
Wer die überreich ausgestatteten Gewinntische gesehen hat. 
wird sich gefreut haben über die Opferwilligkeit, die in 
Friedenau zu Hause ist, wird aber auch mit Dankbarkeit 
der mühevollen Arbeit derer gedacht haben, die mit 
Sammlung, Ordnung, Verlosung und Verteilung dieser 
unzähligen Dinge betraut waren. Ihnen und denen, die 
durch künstlerische Beiträge den Abend verschönt, gebührt 
aufrichtiger Dank. — Ausdrücklich sei zum Schluß an 
erkennend hervorgehoben, daß einige Mängel, welche bei 
der ersten Versammlung im Kaiser Wilhelmgarten bemerkt 
wurden, diesmal vom Herrn Wirt mit dankenswerter 
Bereitwilligkeit beseitigt oder doch wesentlich gemildert waren. 
f Franenvercin. Die auf morgen (Donnerstag) 
Abend angesetzte Weihnachtsfeier des Frauenvereins findet 
nicht statt. 
f Hohenzollern-Theater. Gestern Abend kam 
wieder einmal Hermann Sudermann zur Sprache in 
seinem trefflichen Schauspiel „Das Glück im Winkel". Es 
war eigentlich jammerschade, daß diese Aufführung so 
wenig Besucher fand, denn die Direktion Behle hatte nfit 
dieser letzten Vorstellung in diesem Jahre einen würdigen 
Schluß gemacht. Wie in fast allen seinen Stücken, so 
entrollt uns auch in diesem so beliebt und allgemein 
bekannt gewordenen „Glück im Winkel" Sudermann ein 
Stückchen Seelenleben der Frauen. Mit dem ganzen Feuer 
des Herzens liebend und dennoch mit aller Kraft entsagend, 
so tritt uns hier in der Elisabeth ein Frauencharakler 
entgegen, der den Ausspruch rechtfertigt: „Ihr Weiber seid 
unverständlich!" — Elisabeth, eine Waise, die in Liebe 
zum Gatten ihrer Freundin entbrannt ist, wird das Weib 
des Rektors Wiedemann, der Mitleid mit ihr empfunden. 
Der Besuch des Freiherrn von Röcknitz läßt die Liebe bei 
ihr mit neuer Kraft aufleben, sie wirft sich in einer 
schwachen Stunde, in Selbstvergessen dem Geliebten an 
den Hals. Doch das unwürdige ihres Tuns wird wieder 
wach in ihr, und so will sie bei Nacht und Nebel das 
Haus verlassen auf Nimmerwiedersehen. Bei diesem 
Schritte überrascht sie der Gatte. Kein herbes Wort 
entflieht seinen Lippen, da erst gewinnt sie die Kraft 
wieder und fühlt zum ersten Male die Liebe zu ihrem 
Gatten und will mit ihm in seiner unabhängigen Stellung 
nun das rechte Glück suchen» das „Glück im Winkel". — 
Voller Bewunderung erfüllte uns das Spiel der Elisabeth 
durch Frl. Elisabeth Declar. Sie gab der ganzen 
Handlung das Leben, das diesem Stücke innewohnt. Ihr 
Partner Herr Ludwig Colani (Freiherr v. Röcknitz) war 
ebenfalls ausgezeichnet, mit sehr gut empfundener Natür 
lichkeit wußte er das innere Empfinden durch ein 
ungezwungenes Außere zu verbergen. Auch Herr Robert 
Günther (Rektor Wiedemann) spielte ausgezeichnet. Vor 
züglich und besonders erwähnenswert war das Spiel der 
Frl. Mia Werner (Helene). Frl. Else Römer (Bettina), 
Frau Johanna Suhr (Frau Orb), Herr Alwin Cordes 
(Dangel) und la8t uot. least Herr Hermann Norden 
(Dr. Orb) zeigten sich wie immer auf der Höhe ihre^ 
Leistungen. Viel Anerkennung fanden auch die beiden 
Kinder. — Wir können Herrn Direktor Behle auch für 
diese letzte Vorstellung in diesem Jahre besten Dank wissen 
und mit der Hoffnung, auch fernerhin nur das Beste vor 
gesetzt zu bekommen, rufen wir dieser rührigen Direktion 
ein: „Herzliches Willkommen im neuen Jahre" zu! 
-f- Ein originelles Gemälde. Für die Weih 
nachtsbescherung des Parochialvereins am Montag hatte 
Frau verw. Marine-Oberingenieur M. Krause, Mngstr. 50. 
ein selbstgefertigtes Ölgemälde gestiftet, daß ein „Still 
leben in einem Junggesellenheim" genannt werden kann. 
Auf einem Tischchen stehen diverse Zigarrenkisten, ein 
Leuchter mit halbabgebranntem Lichte, liegt ein Kneifer 
usw., das originellste aber ist wohl, daß auch unser 
„Friedenauer Lokal-Anzeiger" auf diesem Tische ein 
Plätzchen gefunden hat. Diese Tatsache beweist wohl zur 
Genüge, wie sehr unsere Zeitung, die den Friedenauern 
in allem, was im Orte von Interesse ist, jederzeit aufs 
trefflichste unterrichtet, Beachtung findet. Das Gemälde 
selbst ist mit wirklich kunstgeübter Hand hergestellt. Die 
Einzelheiten sind so wunderbar schön herausgearbeitet, daß 
man alles in Wirklichkeit zu erblicken glaubt. Selbst 
unsere Zeitung erscheint so vorzüglich, fast verlockend nach 
ihr zu greifen, um zu lesen. Frau M. Krause hat ihre 
Ausbildung in Ateliers berühmter Maler genossen und hat 
schon viel schöne Malereien gefertigt. Sehr ist es anzu 
erkennen, daß die Dame ihre Kunst in den Dienst der 
Wohltätigkeit stellt, denn viele ihrer Kunstschöpfungen 
haben für wohltätige Zwecke Verwendung gefunden. 
t Gedenket der Vögel! Diese Bitte wird jetzt oft 
im Winter ausgesprochen und sorgen auch die. Liebhaber 
und Freunde unserer Vogelwelt dafür, den Tieren irgend 
wie und wo Futter zukommen zu lassen. Aber noch 
einen Moment dürfen wir nicht vergessen, auch Wasser 
bedürfen unsere gefiederten Freunde. Besonders bei dem 
trockenen Frost bietet sich ihnen kaum Gelegenheit etwas 
Flüssiges zu erhalten. So picken sie auf dem harten Eise 
herum, um mit großer Mühe ein wenig Feuchtigkeit ein 
zunehmen. Es würde sich da sehr empfehlen, etwas an 
gewärmtes Wasser hinzustellen. Empfehlen möchten wir 
hierzu eine Vorrichtung: Man nimmt einen Blumentopf, 
den man umstülpt, unter diesem setzt man ein Nachtlicht 
und läßt um Luft zuzuführen auf irgend einer Weise 
unten eine Öffnung. Auf dem Blumentopf selbst setzt man 
alsdann eine Schale mit Wasser. Das unterstehende Licht 
wird dieses Wasser immer mäßig warm halten und ein 
Einfrieren verhindern. Also nochmals: Gebt den Vögeln 
auch Wasser! 
f Die Verbindung des JnvaiiditätsrifikoS mit 
der Lebensversicherung hat — wie die „Berl. Börs.- 
Zeitung" in ihrer diesjährigen großen statistischen Arbeit 
über die deutschen Lebensversicherungs-Gesellschaften sagt 
— die Verwendbarkeit und den Nutzen der Lebensver 
sicherung für daS große Publikum außerordentlich ge 
steigert. Bekanntlich besteht die Eigenart dieser Ver 
sicherungsform darin, daß im Falle der dauernden Er 
werbsunfähigkeit deS Versicherten (einerlei ob durch Krank 
heit oder Unfall) die Pflicht der Prämienzahlung aufhört 
und der Versicherte event!, eine bis zur Fälligkeit der ver 
sicherten Summe laufende Invalidenrente erhält. , Unter 
den größten deutschen Gesellschaften führt die Stettiner 
„Germania" diese Versicherungsari bereits über ein Jahr 
zehnt mit besonderem Erfolg. Kommt zu der Jnvalidi- 
tätsverstcherung in dieser Form noch die Freiheit von 
Reise- und Aufenthaltsbeschränkungen, ferner die Unan 
fechtbarkeit und Unverfallbarkeit, wie sie speziell die 
„Germania" in hervorragendster Weise ausgebildet hat, so 
bietet eine derartige Polize eine Bersorgungsmöglichkeit, 
wie sie für die Familie und für das Alter oder die Er 
werbsunfähigkeit des Versicherten selbst nicht günstiger 
gedacht werden kann. 
•j- Karpfen essen Morgen Abend von 7 Uhr ab 
findet im Rheinschloß „Großes Karpfenessen" statt. Für 
beste Unterhaltung und gute Getränke, wie auch andere 
vorzügliche Speisen wird bestens gesorgt sein. sodass wir 
Herrn Hoffmann zahlreichen Zuspruch wünschen. 
f Eine eigenartige Verkehrsstörung erlitt 
gestern Morgen der Stadtring. An der Stelle wo die 
Untergrundbahn den Nordring in Charlottenburg-Westend 
in der Gegend der Epiphanienkirche mittels einer großen 
Eisenbrückeüberschreitet. DieBrücke,bisher durchHolzkonflruk- 
tion gestützt, sollte durch eiserne Säulen ihren Halt em 
pfangen. Als nun eine der zentnerschweren Säulen auf 
gestellt werden sollte, gaben die^ Ketten nach, und in 
diesem Augenblick kam ein Zug des Nordrings vorbei. 
Die Säule stürzte auf die Lokomotive und zertrümmerte 
diese vollständig, jedoch wurde niemand vom Zugpersonal 
verletzt. Der Zug erhielt eine halbstündige Verspätung, 
da erst eine Reseroemaschine herangeholt werden mußte. 
-s Aus der Haft entlaffeu. In Angelegenheit 
der Firma A. Druckenmüller G. m. b. H., S.W. 11, 
Halleschestr. 35. waren am Sonnabend, den 10. d. M. in 
Haft genommen der Lieferant, der Verwalter Jhreke und 
der Wägemeister Großmann, sämtliche Verhafteten wurden 
am Montag, den 18. Nachm, wisder aus der Haft ent 
lassen gegen große Kautionsstellung. Es handelte sich um 
Unterschleife von 20 000 Stück eiserne Platten im Werte 
von 130 000 M. Der Wägemeister soll schon ein Ge 
ständnis gemacht haben, daß er 2000 M. empfangen hat, 
der Lieferant will ihm aber dieselben nur geliehen haben, 
wegen der Krankheit seiner Frau. In diesem Fall handelt 
es sich aber um die Beamten des großen Werkes in Schöne 
berg, Tempelhofer Weg Nr. 46—47. 
-j- Eine Quetschung der rechten Hand beim Balken- 
abladen auf dem ehemaligen Sportparkgelände zog sich 
gestern Nachmittag der Arbeiter Markgraf aus Schöneberg, 
Sedonstr. 8, zu. Auf der hiesigen Sanitätswache wurde 
ihm ein Notoerband angelegt. 
t Von der Elektrischen erfaßt! Der Kanonier 
Künzel vom 2. Garde-Feldartillerie-Regiment zu Berlin, 
wurde gestern Nachmittag gegen 4 Uhr am hiesigen Markt 
platz beim überschreiten der Geleise von der Elektrischen 
angefahren und zur Seite geworfen. Dabei zog er sich 
erhebliche Verletzungen am Kopf und Gesicht und auch 
innere Verletzungen zu. Nachdem ihm ein Notverband 
auf der hiesigen SanitätSwache angelegt, wurde er mittels 
Droschke nach der Kaserne überführt. Der Kanonier war 
beim hiesigen Postamt zur Hilfeleistung abkommandiert, 
und freute sich, noch ein paar Groschen zu verdienen, um 
den Urlaub im Elternhause verbringen zu können. Nun 
ist ihm leider diese Freude verdorben worden. 
Schöneöerg. 
— Die gutmütigen Sparkaffenbeamteu Die 
Frau des Tischlers Endhoff aus der Steinmetzstraße 45 
ging gestern Nachmittag aus, um Weihnachtseinkäufe zu 
niachen und ließ die Wohnung ohne Aussicht. Als sie zu 
rückkehrte, fand sie sie erbrochen. Auch alle Behältnifle 
waren mit Gewalt geöffnet und durchwühlt. Aus dem 
Vertikow hatten die Einbrecher ein Buch der Schöneberger 
Sparkasse über 190 M. erbeutet, aus anderen Behältnissen 
einen goldenen Trauring und den Militärpaß des Woh 
nungsinhabers. Frau Endhoff eilte gleich nach der Spar 
kasse, um das Buch sperren zu lassen, kam aber schon zu 
spät. Kurz vor ihr waren die Einbrecher, zwei Männer 
schon dagewesen. Sie hatten die Kasse schon geschlossen 
gefunden, die Beamten aber noch angetroffen. Diesen 
klagten sie, daß sie einen Todesfall in der Familie hätten 
und ge-wungen seien, Geld abzuheben, um die Beerdigung 
des Angehörigen besorgen zu können. Die Beamten ließen 
sich erweichen, öffneten die Kasse noch einmal und zahlten 
die gewünschten 100 M. auf das Buch aus. Dieses warfen 
dann die Einbrecher, weil es für sie keinen Wert mehr 
hatte, in dem Haule Hauptstraße 146 weg. Dort 
fand es ein Schüler, der eS der Polizei übergab. Den 
Vorstandsmitgliedern der Schöneberger Genossenschaftsbank 
hätte so etwas nicht passieren können, die sind zu „helle"! 
— Die nächste Mouatsversamwlnng des 
Schöneberger Haus- und Grundbesitzervereins findet am 
Donnerstag, den 21. Dezember, Abends 8 1 /, Uhr, im Gast 
haus „Lindenpark", Hauptstr. 16, statt. Tagesordnung: 
1. Geschäftliches. 2. Vertrag mit der Berliner Wohnungs 
zeitung über Ermäßigung der Jnsertionspreise für die 
Mitglieder. 3. Das Stiftungsfest. 4. Die im Januar 
stattfindenden Stadtverordnetenwahlen. Referent Herr 
Stadtv. R. Schneider. 5. Vertrag wegen der Friedenauer 
Ortstafel für leerstehende Wohnungen. Referent Herr 
Dr. Nathan. 6. Die Notwendigkeit der Vermehrung der 
Schutzmannschaft in Schöneberg. Referent Herr Stadt 
verordnetenvorsteher Prof. Heyne. 7. Jnteressenfragen und 
Anträge der Mitglieder. 8. Fragekasten. Um zahlreiches 
Erscheinen wird ersucht. Gäste, auch Damen, sind will 
kommen. 
Wertin und Wororte. 
8 Einweihung der Thaborkirche. Die feierliche 
Einweihung der Thaborkirche am Görlitzer Ufer fand heute 
Mittag in Gegenwart deS Kaisers und der Kaiserin statt, 
die ^oon Potsdam kommend auf dem Görlitzer Bahnhof 
angelangt waren und von dort- eskortiert von eine- 
Schwadron der 2. Garde-Dragoner zu Wagen nach der
        
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