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Periodical volume Nr. 296, 18.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

gegen Rückgabe der Quartierbilletts die Verpflegungs- und 
Servisgelder in der hiesigen Gemeindekaffe, Feurigstraße 8, 
Zimmer 15, während der Kaffenstunden abgehoben^werden. 
Beträge, welche innerhalb 3 Monaten nicht erhoben werden, 
fallen wohltätigen Stiftungen zu. 
t Der gestrige „silberne" Sonntag hat sein 
Versprechen gehalten, den Geschäftsleuten das „Silber" in 
den Kasten zu bringen. Klar leuchtete die Sonne bereits 
am frühen Morgen hernieder, in daS Herz manchen Ge 
schäftsmannes einen Hoffnungsstrahl entsendend. Es war 
denn auch der Verkehr in unserm Orte ein sehr lebhafter 
und man sah auch in den Geschäften selbst diesmal sehr 
viele Käufer, sodaß die Hern Geschäftsinhaber im all 
gemeinen über die gestrigen Einnahmen ihre Befriedigung 
ausdrücken konnten. Die letzte Woche vor dem Fest ist 
ja nun angebrochen und wir hoffen, daß noch mancher 
Gegenstand seine Abnehmer findet, damit auch unsere 
Geschäftsleute mit freudigen Gefühlen dem Weihnachtsfeste 
entgegensehen. 
t 10 Uhc-Ladcnschlust Wir machen darauf auf 
merksam, daß bis zum Weihnachtsfest die Geschäfte täglich 
bis 10 Uhr geöffnet sind. 
t Tannenbaum und Fichtenbaum treten nun 
in den Vordergrund des Interesses und auf den Straßen 
wird es wieder grün. Mitten in den öden Häuservier- 
ccken entstehen grüne, duftende Oasen. Der liebe deutsche 
Tannenbaum hat wieder seinen Einzug gehalten. Kein 
Baum wird wohl öfter im Liede genannt, als er. An 
keinen Baum knüpft Sage und Lied so mannigfaltige süße 
und traurige Erinnerungen, als an ihn. Der Tannen 
baum ist die Kinderkreude, welches deutsche Herz fühlt sich 
nicht schon von dem Worte Weihnachtsbaum ergriffen! 
Wem, ob Greis oder Jüngling, würden nicht die un 
schuldigen und glücklichen Kinderaugen wach! Der Weih 
nachtsbaum verrät überhaupt den sinnigen Charakter des 
deutschen Volkes und ist lediglich ihm allein eigen. Da- 
rilm sind wohl auch die Tanne und Fichte, (letztere ver 
tritt nähmlich nicht selten an Stelle der Tanne den Weih 
nachtsbaum) in Sage und Lied verherrlicht worden. Wie 
heißt es doch so schön im Volkslied, daß uns die Weih 
nachtsfreuden vorführt: 
,O Tannebaum, o T-m"kbm,m, Du kannst mir sehr gefallen, 
Wie oft hat Nicht zur Wühnachtszeit 
Ein Baum von Dir mich hoch erfreut — 
O Tannebaum, o lannebaum, Du kannst mir sehr gefallen." 
Noch liegt auf den Zweigen der Tannenbäume, die jetzt 
Straßen und Plätze schmücken, ein Schimmer von Wald- 
romantik, der uns daran erinnert, daß unter den immer 
grünen Bäumchen, die nun bald mit Zuckerhäuschen und 
Pfefferkuchenreiheu .behängen sein werden, kurz vorher 
wirkliche Hasen und Rehe Schutz vor der Winterkälte ge 
sucht haben. .Die schlanken grünen Herolde des Forstes 
finden ühmMM schon regen Absatz und man tut gut, recht 
zeitig einzukaufen. Jetzt hat man noch die 
Auswahl,^W^n den letzten Tagen wird sie immer geringer 
uud man muß schließlich nehmen, was gerade noch da ist. 
Kommt man dann mit einem solchen Spätling, den man 
für schweres Geld erstanden, nach Hause, dann entdeckt 
mau zu seiner großen Überraschung, daß man einen „Vete 
ranen" heim trug, de» der Händler durch Anbringung künst 
licher Gliedmaßen „frisiert" hat. 
f Der Haus- und Grundbesitzer-Verein hielt 
gestern Abend im „Hohenzollern" seine Monatsversammlung 
ab, die sich eines außergewöhnlich guten Besuches erfreute. 
Nach Verlesen nub Genehmigung dc§ Protokolls der letzten 
Sitzung machte der Herr Vorsitzende Mitteilung von einem 
Schreiben des Gemeindevorstandes, worin dieser auf 
die Säumigst it der Hauswirte bei Ausfüllen der Haus- 
Steuerlisten h»weist. — Dann weist der Herr Vorsitzende 
darauf hin, d ß in der Januarsitzung - die Neuwahl bezw. 
Wiederwahl von vier Vorstandsmitgliedern stattfindet 
und daß bis 31. Januar die Mietskontrakte gestempelt 
werden müssen. Angemeldet haben sich vier Hausbesitzer. 
Zu Punkt 3 der Tagesordnung: Abschluß eines Vertrages 
über Versicherung gegen Wasserschäden, führt der Herr 
Vorsitzende an, daß der Vorstand mit folgenden vier 
Versicherungen verhandelt habe: Aachen-Münchener, Frank 
furter, Stuttgarter und „Thuringia". Es hat mit jeder 
Versicherung ein Herr des Vorstandes besonders verhandelt 
und ist man zu dem Ergebnis gekommen, die „Thuringia" 
für einen Versicherungsabschluß zu emvfehlen. Herr 
Schmidt, der mit dem Vertreter der „Thuringia" ver 
handelt hat, erläutert dann des weiteren die Vorteile, die 
diese Gesellschaft bietet. Er habe für heute den Ver 
treter hergebeten gehabt, der über fragliche Dinge noch 
Auskunft geben sollte, doch ist dieser Herr leider nicht 
erschienen. Nach einem letzten Schreiben der Direktion, 
versichert sie gegen alle Wasserschäden bei Rohrbruch, 
jrch Regengüsse, Offensteheulassen der Hähne' rc. und 
ttschädigt auch alle entstehenden Mobiliarschäden der 
ermietcr, wie auch der Mieter bis zum Höchstbetrage 
20 000 M. Reparaturen der Wasserleitung werden 
Rohrstücken bis zu 2 Meter Länge ausgeführt. Die 
eparaturen bis zum Betrage von 100 M. können von 
einem beliebigen Handwerker vorgenommen werden, über 
100 M. ist der Schaden vorläufig notwendig auszubessern 
und alsdann der Gesellschaft sofort Mitteilung zu machen. 
Die Prämie beträgt 20 Pfg. für 1000 M. und für das 
Jahr, bei Mitversicherung der Wasserleitungsschäden 
24 Pfg. der Feuerversicherungssunime. Die Polize ist frei, die 
Stempelgebühren hat der Antragsteller zu bezahlen. 5 Proz. 
der Versicherungsprämie fließen der Kasse des Grunndbesitzer- 
vereins zu. Herr Vorsitzender stellt die Vorteile, die diese Ver 
sicherung gewährt und auch die Prämiensätze den anderen Ver 
sicherungen gegenüber, woraus ersichtlich, daß ein Abschluß 
nur mit der „Thuringia" zu empfehlen sei. Herr Loos 
macht Mitteilung, daß ein Wasserleitungsschaden bei einem 
Bekannten von der „Thuringia" prompt reguliert wurde. 
Herr Ruhemann frägt an, ob bei Regengüssen auch die 
Versicherung in Kraft trete, was bejaht wird. Herr 
Gerken gibt aus einer Polize der Stuttgarter Versicherung 
Auskunft, woraus sich erhellt, daß die ..Thuringia" be 
deutend billiger ist. — Herr Schmidt bemerkt noch, daß 
ihm so in Erinnerung wäre, als gäbe die Gesellschaft 
bei einer Versicherungssuinme über 100 000 M. 5% Rabatt. 
Herr Kn nak bittet, daß es freigestellt würde, die Ver 
sicherung auf den Taxwert des Gebäudes, oder auf die 
Feuerversicherungssumme vornehmen zu können. Herr 
homuth wünscht, daß erst der Vertreter hier noch einmal 
Vortrag hält. In diesem Sinne beschließt denn auch die 
Versammlung. Der Herr Vorsitzende berichtet dann über 
den Punkt 4, Werbung neuer Mitglieder. ES sei vorteil 
haft und wünschenswert, wenn alte Hausbesitzer Mitglieder 
des Vereins würden. Er empfiehlt zu diesem Zwecke Ein 
teilung Friedenaus in 4 Bezirke, wodurch es ermöglicht 
wird, daß man mehr Fühlung mit den einzelnen Herren 
bekomme. Für diese 4 Bezirke, die er noch näher bezeichnete, 
sind als Vorsteher die Herren Schölzel, v. Wrochem, 
Prasser, und Knaak vorgesehen, die sich bereit erklärt 
haben, einen derartigen Posten anzunehmen. HerrSchremmer 
wünscht zur Werbung neuer Mitglieder ein ähnliches Ver 
fahren wie früher. Man schickt Schreiben an die Herren, 
in denen ihnen Mitteilung gemacht wird, wenn sie inner 
halb 14 Tagen keine Antwort geben, daß sie dann Mit 
glied des Vereins sind. Es würde manchem ein Gefallen 
dadurch erwiesen, da viele oft zu bequem zum Schreiben 
wären, an die 4 Bezirke könne trotzdem festgehalten werden. 
Für den Antrag Schremmer noch der Herr Vorsitzende, 
Herr Geheimrat Franzelius, Herr Gerken. Gegen 
den Antrag sind die Herren Geheimrat Homuth, der 
diese Hand-lungsweise als eine Art Bauernfang bezeich 
net, Herr Kaiser, Schulz und Schmidt wünscht das 
Interesse für die Versammlungen durch Veranstaltung 
von Lichtbildervorträgen rc. zu heben. Man beschließt, 
die4 Bezirke einzuteilen und erwählt auch die oben genannten 
Herren zu Bezirksvorstehern. Der Antrag des Herrn 
Geheimrat Schremmer findet dann ebenfalls Annahme. 
Unter Jnteressenfragen drückt zunächst der Herr Vorsitzende 
noch seine Freude über den so guten Besuch der letzten 
Versammlung in diesem Jahre aus und bittet um Be 
kanntgabe von Wünschen für das neue Jahr. Herr Ruhe 
mann wünscht, daß die Kreisverlreter gebeten werden, 
vielleicht durch Vorträge über die Kreistagssitzungen Bericht 
zu geben, da doch sehr interessierende Fragen auch für die 
Hausbesitzer dort zur Verhandlung kommen. In dieser 
Sache sprechen die Herren Homuth und Schultz und will 
der Herr Vorsitzende versuchen, einem der Herren Kreis 
tagsabgeordneten um einen Vortrag zu bitten. Herr Ge 
heimrat Homuth gedenkt noch einmal des so schön ver 
laufenen Eisbeinessens und stattet dem Vergnügungsaus 
schuß besten Dank ab. Herr Kaiser frägt an wegen 
Schließung der Häuser durch die Nachtwächter, was als 
vom Gemeindevorstand genehmigt bestätigt wird. Herr 
Geheimrat Schremmer wünscht die Schaffung eines 
Arbeitsnachweises, in der Hauptsache für Dienstpersonal. 
Herr Ruhemann fragt an wegen die Feuermelder, deren 
Aufstellung in Kürze in Aussicht gestellt wird. Herr 
Gerken wünscht die elektrische Beleuchtungsanlage be 
schleunigt und macht dem Gemeindevorstand den Vorwurf, 
daß er nicht forscher gegen die Firma vorgehe. Die 
Herren Homuth und Schremmer treten für den Ge 
meindevorstand ein, es ist getan worden, was möglich war, 
wenn die Firma dennoch so nachlässig handele, so läßt sich 
hier garnichts gegen machen. Herr Prasser bezeichnet die 
Konventionalstrafe als zu niedrig, aber man könne hierin 
keinen Vorwurf dem Gemeindeoorstand machen, zu er 
reichen wäre schließlich nur dadurch etwas, daß man irgend 
wie einen Schaden nachweisen kann. — Eine Frage bittet 
um Zustimmung des Gesetzes für Sicherung der Bau 
forderungen. Herr Ruhemann widerspricht dem jedoch, 
da für das Baufach hierdurch ungeheuere Schwierigkeiten 
sich ergeben. Herr Schmidt fragt an, ob das Licht der 
elektrischen Beleuchtung so bleibt, es könne diese Farbe 
nicht als besonders gut gewählt bezeichnet werden. Damit 
war die Tagesordnung erledigt. Der Herr Vorsitzende 
wünscht nun allseits vergnügte Feiertage und frohes 
Wiedersehen im neuen Jahre, und schließt gegen 12 Uhr 
die sehr anregend verlaufene Versammlung. 
-s Sanitätskolonne. Am letzten Sonnabend Abend 
hielt die Kolonne ihre Monattzversammluug in der 
„Kaisereiche" ab, die sich eines sehr guten Besuches er 
freute. Nach Eröffnung derselben durch den Kolonncn- 
führer, Herrn Apotheker Sadöe, der ein Hoch auf unser 
Kaiserpaar ausbrachte, erstattete Herr Dr. Tarrasch Bericht 
von der vorher gehabten Uebung. Herr Sadöe erteilte 
dann noch einige Instruktionen. Betreffend der Weih 
nachtsfeier wurde beschlossen, diese am Dienstag, den 
26. Dezember, im oberen Saale des „Rheinschlosses" ab 
zuhalten. Auch zu dieser Feier steht ein guter Besuch zu er 
warten und die Kolonne wird auch hier durch eine Be 
scherung ihr schönes Ziel der Nächstenliebe betäligen. 
-ß Die Weihnachtsfeier des Evangelischen Arbeiter 
vereins findet am 3. Januar im „Kaiser Wilhelmgarten" 
statt. Arbeiter sowie Arbeitgeber, welche sich von dem 
Zweck des Vereins überzeugen wollen, haben Zutritt. Herr 
Pastor Kleine wird die Weihnachtsrede halten. Aufnahme 
von Mitgliedern findet daselbst statt. 
t Der Evangcl. Jünglings Verein veranstaltet 
seine Weihnachtsbescherung anr 2. Wcihnachtsfeiertag, 
Dienstag, den 26. Dezember, Abends 8 Uhr im kirchlichen 
Gemeindehause. 
t Hohenzollern-Theatcr. Auf allgemeinen Wunsch 
veranstaltet Herr Direktor Behle am Dienstag, den 
19. Dezember, Nachmittags 4 Uhr, nochmals eine Kinder 
vorstellung zu ganz kleinen Preisen (60 und 30 Pfg.) 
Zur Aufführung wird das bekannte Märchen „Hansel und 
Gretel" gelangen. Hieran schließt sich auch diesmal 
wieder eine große Gratisoerlosung mit vielen prächtigen 
Gewinnen, welche den Kindern am vorigen Dienstag so 
unendlich viel Freude bereitet hat. — Für die am Abend 
8 Uhr stattfindende Vorstellung, in welcher bekanntlich 
Sudermanns berühmtes „Glück im Winkel" neueinstudiert 
in Szene geht, herrscht allgemein das größte Interesse. 
Direktor Behle hat die Hauptrollen nur mit seinen ersten 
Kräften besetzt. „Das Glück im Winkel" wird sicher auch 
bei uns dieselbe überwältigende Wirkung ausüben, wie an 
allen andern Theatern. Wir wollen den Wunsch aus 
sprechen, daß unser hiesiges theaterliebendes Publikum die 
Ausführung recht zahlreich besucht. — In der Hauptrolle 
der „Elisabeth" tritt wieder Frl. Dsclar auf, die noch 
von früher her durch ihre große Künstlerschaft bekannt sein 
dürfte. Diese Vorstellung wird die letzte in diesem 
Jahre seinl 
f Eine Quetschung des Daumens der linken 
Hand erlitt in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag 
gegen 2 Uhr der Bahnarbeiter L. beim Abladen von 
Schienen auf dem hiesigen Ringbahnhof. Auf der hiesigen 
Sanitätswache wurde ihm ein Notverband angelegt. 
-f Verletzt. In vergangener Nacht verletzte sich in 
einem Wilmersdorfer Restaurant der Posteleve Bartz, 
Berlin, Kurfürstenstraße wohnhaft, den Zeigefinger der 
sinken Hand durch Zerplatzen einer Seltersflasche. Dem 
Verletzten wurde auf der hiesigen Sanitätswache ein Not 
verband angelegt. 
-j- Verhaftet. Der 35 Jahre bei der Firma 
A. Druckenmüller, Schöneberg, beschäftigte und lange Jahre 
dort als Lagerverwalter tätige Kaufmann Hermann Jhreke, 
Tempelhoferstraße 11, sowie der bei derselben Firma seit 
10 Jahren angestellte Wägemeister Großman« wurden am 
Sonnabend Nachmittag 4 Uhr verhaftet. Dem Ver 
nehmen nach sollen sich Unregelmäßigkeiten im Lager 
herausgestellt haben. 
Schöneöerg. v 
— Für die Errichtung eines GeuefungSheriMs 
sucht die Stadt ein in gesunder Lage befindliches Gelänge 
von etwa 300 Morgen Größe, wovon zwei Drittel am* 
besserer Waldung bestehen müssen; außerdem soll das' 
Grundstück eine bequeme Bahnverbindung besitzen. Mit 
dem Bau des Genesungsheims beabsichtigt man möglichst 
schon im nächsten Jahre zu beginnen. 
— Für das Werner Siemens-Realgymnasium 
ist Oberlehrer Wetekamp vom Magistrat zum 1. April n. I. 
zum Direktor gewählt. 
— Aufgehoben wurde die Zangsversteigerung der 
Grundstücks Georgstr. 2,dem Kaufmann Ad. Lehnisky gehörig. 
— In dem Konkursverfahren über das Ver 
mögen der Spar- und Dikcvntbank iu Schöncberg, Ein 
getragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht zu 
Schöneberg, soll mit Genehmigung des Gläubigeraus- 
schusscs eine Abschlußverteilung vckn 30 Proz. erfolgen. 
Dach dem niedergelegten Verzeichnisse sind dabei 172 973,20 
Mark nicht berechtigte festgestellte Forderungen zu berück 
sichtigen, wofür ein Bestand von 51 891,96 M. vor 
handen ist. 
Wertin und Wororte. 
8 Aus Anlast der Silberhochzeit des Kaiser- 
paares beabsichtigt der Vorstand des Bundes der Berliner 
Grundbesitzer-Vereine die Stiftung eines angemessenen Be 
trages zu Gunsten der Hinterbliebenen verunglückter Feuer 
wehrleute in Vorschlag zu bringen. 
8 Für die städtische Nord-Süd-Nnterpflaster- 
bahn wird, ibie aus dem jetzt gedruckt vorliegenden 
Protokoll des Stadtverordneten-Ausschusses erhellt, ein 
neuer Plan ausgearbeitet, nach welchen! die Bahn zwischen 
Weidendammer-Brücke und Belle-Allianceplatz im Zuge der 
Friedrichstraße geführt werden soll, weil diese Linien 
führung „für die Rentabilität der Bahn von ausschlag 
gebender Bedeutung" sei; dem Publikum erwachse zudem 
der Vorteil, an einem Zentralpunkte der Friedrichstadt auf 
Stationen der anderen projektierten Unterpflasterbahnen 
bequem übergehen zu können. 
8 Gegen das Kollekten-Wesen. insbesondere die 
Kollekten des „StadtauSschusses für innere Mission", wendet 
sich das „Grundeigenth." in scharfer Weise, weil dasselbe 
zu einer „Belästigung der Berliner Bevölkerung und nicht 
zum wenigsten der Berliner Grundbesitzer ausgeartet" sei. 
8 Einen „Weihnachts-Wunschzettel" von ziem 
licher Reichhaltigkeit will der Hausbesitzer-Verein „Süden" 
der Großen Berliner Straßenbahn-Gesellschaft überreichen. 
Iu demselben wird u. a. verlangt: Bau von „Warte 
hallen" (wo? D. Red.), Änderung der Abonnements, die 
auf Arbeiter und Geschäftspersonal beschränkt werden 
sollen (und die übrigen Fahrgäste? D. Red.), Einrichtung 
von Umsteigc-Billetts, Schaffung „geeigneter Räume für 
Raucher ani Vorder- und Hinterperron der Wagen" re. 
8 Das geplante Mädchen-Gymnasium soll in 
den südlichen Bezirken der Stadt errichtet werden. Die 
dortigen Vereine bereiten eine Petition an die Stadt 
verordnetenversammlung vor, in welcher gebeten wird, die 
Anstalt auf dem städtischen Gelände am llrbanhafcn 
errichten zu lassen. 
8 Nachklänge zum Kirchenbanstrcit. Die zwangs 
weise von der Stadt Berlin beigetricbenen 1 653 838 M. 
Kirchenbaukosten nebst 262 281 M. Zinsen hat die 
Synodalkasse nunmehr auf Grund des Reichsgerichtsurteils 
vom 23. Juni 1904 an die Stadthauptkaffe zurückgezahlt. 
8 An die „Ablösung" der Neujahrs-Gratu 
lationen erinnert auch in diesem Jahre die städtische 
Armendirekion. Sie erinnert an die alte Sitte, anstatt 
den Freunden und Bekannten durch die Post Glückwunsch 
karten beim Jahreswechsel zu übersenden, ein Geldgeschenk 
dem städtischen WohltätigkeitSfouds zu.übermitteln. 
8 DaS Preisgericht des Rudolf-Virchvw Denk- 
mals veröffentlicht jetzt ein Ausschreiben zu einem Wett 
bewerb um den Denkmals-Entwnrf. Die Preise betragen 
3000, 2000 und 1000 M. Vorsitzender des aus 13 Mit 
gliedern bestehenden Preisgerichts ist der Oberbürgermeister 
von Berlin. 
8 Mit dem Abbruch des Rederusche» Palais 
ist jetzt am Pariser Platz in der Südostecke neben dem 
Arnimschen Palais begonnen worden. Der vollständige 
Abbruch des Hauses wird erst zu Ostern stattfinden, da 
bis zu dieser Zeit die Schultesche Gemälde-Galerie, auf 
deren Neubau an der Ecke der „Linden" und Neuen 
Wilhelmstraße am Sonnabend die Richtkrone aufgesetzt 
worden ist, die Parterreräume des alten Hauses gemietet 
hat. Auf dem weiten Hinterlande, das früher zum Teil 
mit schönen Bäumen bestanden war, erhebt sich bereits 
eine Anzahl neuer Gebäude, die ihrer äußeren Vollendung 
entgegen gehen. Anstelle des Palais, das durch Umbau 
eines älteren Hauses von Schinkels Meisterhand entstanden
        
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