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Periodical volume Nr. 293, 14.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Verringerung deS Luftwiderstandes ringsum umkleidete) 
Wittfeld'sche Schnellzugslokomotive mit ihrem Führer 
standhaus sich gesundheitlich für das Personal empfehlen 
werde, hänge von den Dauerfahrten dieses Sommer- ab. 
Nur erprobte Männer von sittlicher Reife und ernster 
Pflichtauffasiung könnten für würdig befunden werden, die 
Lokomotiven im künftigen Schnellverkehr zu führen, man 
müffe sie aber in angemessenen Zeiträumen von dem auf 
reibenden Dienste entlasten. 
ff Eisenbahnverkehr mit Rutzland. Güter 
sendungen für Station Sosnowice der Warschau—Wiener- 
Bahn, die nach den über Warschau hinaus gelegenen 
Stationen russischer Bahnen bestimmt sind, werden, wie 
die Kgl. Eisenbahndirektion Berlin bekannt gibt, nicht an 
genommen. 
ff Auf der europäischen Fahrplan-Konferenz, 
welche in roriger Woche in Florenz tagte, waren von 157 
eingeladenen Körperschaften 140 vertreten. Auf Vorschlag 
des Generaldirektors Wiegand vom Norddeutschen Lleyd 
wurde zum nächsten Versamnilungsort der Winterfahrplan- 
Konferenz Bremen gewählt. Von den gefaßten Beschlüssen 
interessiert besonders die neue Schnellzug - Verbindung 
zwischen Berlin, der Schweiz und Italien über Stuttgart. 
Einer dieser Züge wird 8 20 Abends von Berlin abfahren 
und 7.53 früh in Stuttgart sein, Wfahrt von da 8.05, 
Ankunft in Zürich 1.08 Nachm. In Stuttgart erhält 
dieser Zug unmittelbaren Anschluß nach Friedrichshafen. 
Des Weiteren werden vom 1. Mai k. Js. ab folgende 
Züge verkehren: Ab Berlin 1.50 Nachm, über Nürnberg 
nach Stuttgart (an 12.50 Nachts), an Zürich 6.30 früh; 
ab Zürich 11.30 Abends, ab Stuttgart 6 Uhr früh, an 
Nürnberg 9.08 Vorm, an Berlin 5.02 Nachm. Dieser 
Zug wird direkte Wagen führen zwischen Berlin und 
Zürich und zwischen Leipzig und Zürich, sowie einen 
Speisewagen zwischen Halle und Nürnberg und einen 
Schlafwagen zwischen Nürnberg und Zürich. Hier wird 
der Zug Anschluß finden nach der Ost-, Zentral- und West- 
Schwei-. 
Lokales. 
-f Der Fluchtlinieuplan Über die Verlegung der 
Nauheimerstraße liegt in der Zeit vom 15.—22. Dezember er. 
im Gemeindezimmer für Interessenten zur Einsicht auS. 
-s Weihnachtsspeude für Südwestafrika. Die 
seitens unserer Gemeindevertretung m der letzten Sitzung 
bewilligte Weihnachtsspende von 500 M. für die in Süd 
westafrika kämpfenden Truppen ist jetzt von unserer Ge 
meinde-Kaffe an das Oberkommando der Schutztruppen 
übermittelt worden. Dasselbe hat für die patriotische 
Gabe seinen verbindlichsten Dank zum AnSdruck gebracht 
und sich gleichzeitig bereit erklärt, dem in der Vertreter- 
Sitzung ausgesprochenem Wunsche, bei der Verteilung in 
erster Linie die Söhne Friedenauer Bürger zu berück 
sichtigen. nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. 
-s Als Sachverständiger über Kraftfahrzeuge und 
über Motors, die mittels Gas, Spiritus, Petroleum oder 
Benzin betrieben werden, ist für das Landgericht I und 
Amtsgericht I für das Kammergericht und den Gerichten 
im Bezirk des Landgerichts II und für das künftige Land 
gericht III der Chef-Ingenieur Jos. Vollmer der Allgemeinen 
Elektrizitäts-Gesellschaft, Automobilfabrik, wohnhaft zu 
Berlin, Claudiusstraße 13, von dem Präsidenten deS 
königlichen Landgerichts I ernannt und vereidigt worden. 
's Kollekte. Der Oberprästdent hat durch Erlaß 
vom 27. November dem Verein „Arbeitsstätte für arbeits 
lose Familienväter und Mütter" in Berlin die Ge 
nehmigung zur Abhaltung einer Hauskollekte in Berlin, 
Charlottenburg. Schöneberg, Friedenau, Wilmersdorf, 
Halensee, Grunewald, Groß-Lichterfelde, Köpenick und 
Spandau in den Monaten Januar, Februar und März 
1906 erteilt. 
t Sonntagsruhe für den diesjährigen Heiligabend 
und Sylvesterlag im Badegewerbe. Die Berliner Bade 
anstaltsbesitzer und deren Angestellte einigten sich in einer 
Sitzung der für das Badegewerbe eingesetzten Schlichtungs- 
kommisston über die Arbeitsordnung für diese beiden Tage 
die diesmal auf je einen Sonntag fallen, daß in den ge 
samten Badeanstaltsbetrieben von Berlin und den Vor 
orten die Annahme von Schwitz- und Massagebädern nur 
bis Mittags 11 Uhr und von Wannenbädern nur bis 
12 Uhr erfolgt, somit gelten diese Tage für das Bade 
gewerbe nicht als Ausnahmetage. Am 2. Feiertag und 
Neujahrstag bleiben die Badeanstalten geschloffen, dagegen 
am 1. Feiertag Vormittags geöffnet. 
-s Für das Auguste Viktoria-Krankenhaus 
kommen jetzt die Stellen des Direktors der inneren Ab 
teilung und des Oberarztes der äußeren Abteilung, sowie 
deS Ober-Apothekers zur Ausschreibung. 
-s Einen Elternabend veranstaltet die hiesige Ge- 
meindeschule wieder am Mittwoch, den 22. Dezember, 
Abends 71/2 Uhr im „Hohenzollern". Herr Rektor Hanne 
mann wird zunächst kurze Mitteilungen, die Schule usw. 
betreffend, machen und einen Vortrag über: „ErziehungS- 
kunst und Kunsterziehung" halten. Des ferneren wechseln 
Chorgesänge, geleitet vom Gesanglehrer Herrn Ukrow, 
mit Deklamationen der Kinder in bester Reihenfolge. 
Diese Elternabende, die geschaffen sind, um Schule und 
Elternhaus einander näher zu bringen, können nur allseitig 
Anerkennung finden und so hoffen wir, daß auch an diesem 
Abend sich recht viele Eltern beteiligen. 
s—Schwimmbadeanstalt. Von einem Freunde 
unserer Zeitung geht uns der Bericht eines Vortrages zu, 
den Professor Laffar aus Berlin in Stettin Uber Schwimmen 
gehalten hat. Wir wollen den Bericht unsern Lesern in 
sofern nicht vorenthalten als auch in Friedenau schon 
öfters die Frage der Errichtung einer Schwimmbadc- 
anstalt angeschnitten worden ist. Der Bericht lautet: 
Nach einem kurzen Rückblick auf die großartigen Baderäume des 
Altertums schilderte Redner die Veihäliniffe im Mittelalter, wo unter 
dem Eindruck der Pest und anderer ansteckenden Krankheiten sowie deS 
80 jährigen Krieges das Laden fast ganz aufgehört habe. Erst die 
Humanisten, dann Rousseau, dann immer mehr und mehr Stimmen 
hätten wikder auf den segensreichen Einfluß des Badens und 
Schwimmens hingewiesen. Der Neuzeit sei es dann vorbehalten ge- 
wesen, hier durch Errichtung öffentlicher Bäder einzugreifen. Immer 
bin stehe man aber hier noch im Anfang. Im ganzen deutschen 
Reiche gebe er auf etwa 60 Millionen Menschen nur 800 Badean 
stalten. Hoffentlich werde nun auch Stettin endlich wenigsten- eine 
Schwimmbaoeanstalt auch für den Winter geöffnet erhalten und nicht 
mehr hinter anderen viel kleineren Städr-.n zurückbleiben, denn das 
Schwimmen sei insbesondere für H rz und Lungen von außerordentlich 
günstiger Wirkung Kerner härte eS ungemein ab. Wenn man de- 
rückstchtige, daß mindestens etwa 8 Proz. aller Menschen an Er- 
kältungSkrankheiten stürben, so sei eine Abhärtung dagegen von 
wesentlicher Bedeutung für die Gesundheit. Ebenso wcfentlich sei 
ab.r auch die Reinlichkeit. Jetzt sorge man für Lust und Licht in den 
Städten. Die Menschen aber lernen, auch für die Reinheit ihres 
eigenen L ibeS zu sorgen, denn die llnreinlichkeit sei eine ebenso groß: 
Ansteckungsgefahr wie zu enge» Zusammenwohnen, oder Mangel an 
genügender Lüftung. Man müffe daher nicht nur Ladeanstalten 
förde n, sondern man müffe auch im Volk für häufigeres Waschen und 
Laden agitieren. Die meisten Menschen wüschen sich täglich nur ein 
mal, mancher auch keinmal (Heiterb.it l). Demgegenüber sei zu 
fordern, deß jeder, Männlein und Weiblein, sich vor jeder Mahlzeit 
die Hände waiche. Es sei kaum zu glauben, waS durch schmutzige 
Hände all»- in den Magen gelangen könne. Ebenso sei zu erstreben, 
daß jeder Deutsche, Männtein wie Weiblein, die Möglichkeit habe, 
jeden Tag ein Bad zu nehmen und zwar zu ganz billigen Preisen, 
ja für Minderbemittelte sogar unentgeltlich. Gewiß koste das Geld! 
Aber die allgemeine öffentliche Gesundheitspflege sei auch eine der 
lohnendsten uud dankbarsten Aufgaben der behördlichen Kürsorge, die 
Kosten würden sich durch den befferen Gesundheits »stand der Be 
völkerung auch bezahlt machen. Er hoffe daher, daß auch die Väter 
der Stabt sich dem nicht mehr : erschließ n, daß sie insbesondere auch 
einmal ihrer Jugend gedächten und dann auch für die Be.ürfniffe be 
sonders eben de>23ugend sorgten. (Lebhafter Beifall) 
1- HaudelSgerichtliche Eintragung. Bei der 
Firma No. 1493: Deutsche Treuhand-Gesellschaft mit dem 
Sitze zu Berlin: Der bisherige Prokurist, Bankbeamter 
Max Uhlemann zu Friedenau ist zirm stellvertretenden 
Vorstandsmitgliede eriiannt. Seine Prokura ist gelöscht. 
-j- Vom WeihnachtSbaummarkt. Wir brachten 
vor kurzem eine Notiz nach der in diesem Jahre die Weih- 
nachtsbäume sehr billig wären. Der Korrespondent dieser 
Notiz mußte wohl falsch unterrichtet worden sein, denn wie 
wir erfahren, mußten die Klcinhändlrr in diesem Jahre 
noch höhere Preise zahlen als im vorigen Jahre, somit 
tritt also auch fiir den einzelnen Baum eine Preissteigerung 
ein. Die Hoffnung auf Erlangung eines billigen Weih- 
nachtsbanmes. ist somit wieder ins Waffer gefallen. 
Die Schuld schiebt man allgemein dem Betreiben der En 
groshändler zu. 
-j- Der HauS- und Grundbesitzer-Verein hält 
morgen Freitag Abend um 8 l j 2 Uhr im „Hohenzollern" 
feine Monatsversammlung ab. Sämtliche Mitglieder sind 
gebeten, wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung pünkt 
lich zu erscheinen. 
Lichtbilder-Borträge. Zum Besten der Schüle- 
rinnen-Bibliothek finden am Sonnabend, den 16. d. M. 
Nachmittags 5—6 l / 2 Uhr, im großen Saale der Höheren 
Mädchenschule des Herrn Dr. Lorenz, Schmargendorferstr. 25, 
Lichtbilder-Vorträge statt. Unter Vorführung einer großen 
Anzahl von Lichtbildern, gelangen Märchen für große und 
kleine Kinder zum Vortrag: Häusel und Gretel. Rotkäppchen, 
der gestiefelte Kater, Zwerg Rase, Allerlei zum Lachen. 
Eintrittskarten für Schülerinnen zu 25 Pfg., für Erwachsene 
75 Pfg., sind am Freitag und Sonnabend in der Schule 
zu haben. Geschwister und Freundinnen der Schülerinnen 
ist die Teilnahme gern gestattet. 
-j- Eine Kindervorstellung hatte Herr Direktor 
Behle am letzten Dienstag im „Hohenzollern" veranstaltet, 
zu der unsere Jugend in hellen Scharen herbeigeströmt 
war. um dem Märchenschauspiel „Dornröschen" zu lauschen. 
So viel Zuschauer hatte wohl der Saal noch nie gefaßt, 
als an diesem Tage, und Viele, sehr Viele, mußten wieder 
nach Hause wandern, da cs unmöglich war, allen ein 
Plätzchen anzuweisen. Mit Spannung lauschten die Kleinen 
den Worten der Schauspieler und in lebhaften Tempo be 
wegten sich ihre Händchen bei jedem Akt zum Beifalls- 
klatschen. Zum Schluß gab es eine Gratisverlosung, zu 
der Direktor Behle viele sehr schöne Geschenke gestiftet 
hatte und manches Kind hatte die Freude, einen Gegen 
stand mit nach Hause zu nehmen. — Für diejenigen aber, 
die am letzten Dienstag keinen Platz fanden, ist Gelegen 
heit geboten, am nächsten Dienstag dem Märchenspiele 
„Hänsel und Gretel" zu lauschen, das Herr Direktor Behle 
auf Grund des gehabten Erfolges im „Hohenzollern gibt. 
Wir können nur empfehlen, daß sich jeder rechtzeitig mit 
Billets versieht. 
Schöneöerg. 
— Die Deputation für daS höhere Schulwesen 
hat dem Magistrat gelegentlich der Voranschlagsberatung 
für daS nächste Jahr die beiden Leiter des Helmholtz- und 
des Werner Siemens-Realgymnasiums zur Wahl als 
Direktoren zum 1. April 1907 vorgeschlagen. 
Merlin und Mororte. 
8 Eine neue Passage, die größte Berlins, ist in 
der südwestlichen Luisenstadt zwischen der Alten Jakob 
und Alexandrinenftraße entstanden. Sie geht über acht 
Höfe hinweg und verbindet die in der Alten Jakobstraße 
neu entstandene Handelsstätte „Bergmannshof" mit der 
Handelsstätte „Deutschland" in der Alexandrinenftraße. 
Auch sonst herrscht in dem Berliner Industrie-Viertel, wie 
der südliche und südwestliche Teil der Luisenstadt mit Recht 
genannt wird, eine sehr lebhafte Bautätigkeit. Ueberall 
entstehen an Stelle der alten schlichten Häuser neue monu 
mentale Gebäude und Handelsstätten, die den verschiedensten 
Zweigen des Handels und der Industrie dienen sollen. 
Das größte dieser Gebäude wird auf dem umfangreichen 
und vor einiger Zeit freigelegten Grundstück Alte Jakob 
stratze II und 12 errichtet und soll den Namen „Handels 
stätte Südwesten" führen. Auch der südlichste Teil der 
Alexandrinenftraße zwischen der Gitschinerstraße und der 
Waterloo-Brücke, wo früher teils unansehnliche niedrige 
Fabrikgebäude, teils gar keine Häuser standen, ist mit 
einer Anzahl von „Meßpalästen" bebaut worden. 
8 Der Handel mit mechanischen Figuren hat 
diesmal auf den Straßen Berlins einen ganz bedeutenden 
Umfang angenommen. Namentlich am Potsdamer- und 
am Leipziger Platz haben viele Händler unter freiem 
Himmel ihre Läger aufgeschlagen und setzen die Puppen 
vor den Augen des Publikums in Bewegung. Zu den 
alten Figuren ist manche neue hinzugekommen, so ein 
Kopfläufer, ein Betrunkener, der um eine Laterne herum 
läuft. Keulen- und Kugelschwinger, Japaner, Ruffen und 
andere mehr. Manche Händler betreiben die Sache im 
Großen und engagieren sich junge Leute als Verkäufer und 
Aufpaffer. 
Steglitz. In der letzten Gemeindeoertretersttzung 
stand u. a. die Erhöhung der Mietsentschädiguug für die 
Lehrer auf der Tagesordnung, die schon im Frühjahr d. 
I. unter Begründung einer Privatstatistik von dem Ge 
meindevertreter Weinhausen befürwortet wurde. Damals 
erhob sich bei der Mehrheit Widerspruch; man bezweifelte 
die Richtigkeit der Weinhausenschen Statistik und beschloß, 
die Angelegenheit zu vertagen, bis eine amtliche WohnungS- 
statistik über die Drei-Zimmer-Wvhnungen vorlag. Dies 
war nun in der letzten Sitzung der Fall, und wenn sie 
auch die Weinhausensche Statistik in allen Punkten be 
stätigte. so stellte sie doch fest, daß von 1736 dreizimmerigen 
Wohnungen mit einem Durchschnittspreis von 572,50 M- 
— 186 von ihnen standen leer — nur 386 Wohnungen 
den Anforderungen der Lehrer, die einen Mindestflächen 
raum von 69,77 beanspmchen können, genügten, und zwar 
zu einem,Preise 624 M. Da die Lehrer bisher nur 600M. 
Mietsentschädigung erhalten, so beschloß die Ver 
sammlung für die Lehrer im nächsten Etat die Mietsent 
schädigung zu erhöhen. 
Schmargendorf. Eine Weihnachtsfreude hat unsere 
Gemeinde ihren ortsangehörigen Armen bereitet. Die 
Gemeindevertretung hat nähmlich beschloffen, jedem Armen 
eine außerordentliche Unterstützung von 10 M. zu Teil 
werden zu laffen. 
Lankwitz. Für die Anlage eines jüdischen Fried 
hofes sind hier Unterhandlungen angeknüpft worden. Das 
Gelände ist 80 Morgen groß und liegt nach der Marien 
dorfer und Marienfclder Grenze zu. Ueber den Kaufpreis 
steht bestimmtes noch nicht fest. Die Lankwitzer Ge 
meinde-Vertretung wird sich in einer ihrer nächsten 
Sitzungen mit der Angelegenheit beschäftigen und einen 
eudgiltigen Beschluß fassen. Es ist hierbei übrigens die 
Frage angeregt worden, ob es sich nicht, falls der Kirch 
hof angelegt wird, ermöglichen ließe, die Leichen mit der 
elektrischen Straßenbahn auf besondere» Wagen hinauszu- 
brrngen. In der Bevölkerung ist man vielfach der An 
sicht, daß es bester wäre, das fragliche Gelände der Be 
bauung vorzubehalten, als es für Kirchhofszwecke her 
zugeben. 
Zuschriften. 
Berichtigung! Der .Friedenauer Lokal-Anzeiger' berichtete in 
Nr. 270 über einen .unerhörten Vorgang', der darin bestehen soll, 
daß der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Berband zu Hamburg 
einen Redner deS Vereins der deutschen Kaufleute wegen Diebstahl» 
eine» Buches bei der Staatsanwaltschaft angezeigt habe, nur, weil 
der betr. Redner Kenntnis von eiuigen markan'cn Bestimmungen 
dieses BuchrS gehabt habe. Dieie Darttellung Ist unrichtig. Richtig 
ist dagegen, daß der Redner sich in Danzig r or vielen Zeugen deS 
Besitzes deS Buches gerühmt hat, das d-.n Ausdruck trägt? .Diese» 
Buch ist nicht käuflich und bleibt Eigentum deS Verbandes.' Richtig 
ist ferner, daß der Redner daS Buch trotz dieses Aufdrucke» dem recht- 
mätzigrn Besitzer mdjt zurückgegeben hit!!! Richtig ist, daß daraufhin 
Anzeige bei der Staatsanwaltschasi erfolgt ist. Unrichtig ist aber, 
daß tue Anzeige auf Diebstahl lauiete, da ja nicht ohne weiteres fest- 
gestellt werden konnte ob der betr. Redner sich selber deS Diebstahls 
schuldig gemacht, ober nur einen von anderer Seite ausgeführten 
Diebstahl verheimlicht und benutzt hat. Unrichtig ist schließlich, daß 
unsere Beamten Roth und Strauchmann eS ausgesprochen hätten, 
daß wir un» nur eines unbequemen Gegner» durch die Anzeige hätten 
entledigen wollen. Einen Beamten Etrauchmaun h den wir über- 
Haupt nicht und Herr Roth hat, wie hunderte von Zeugen beweisen 
können, niemals eine derart.ge Äußerung gemacht. Deutjchnationaler 
HandlungSgehilfen-Verband (juristische Person). Die Berwaliung für 
äußere Angelegenhciien. 
Henchlüches. 
P. Strafbarer Mißbrauch der EÜohltätigkeit. Eine schnöde 
Spekulation auf die Mildtätigkeit gutherziger Damen kühlte die Ar- 
tistin un; Schauspielerin Marie Angerer vor Gericht. Wegen Betruges 
im Rückfalle mußte die sich vom GerichtSgefängniS in LandSberg a. W. 
nach Berlin transportierte A. vor der 3. Strajkammer deS Land 
gerichts II. verantworten. Am 24. November d. I. war die An 
geklagte zu Krau Oberleutnant H. nach Schöneberg in die 
Wohnung gekommen und hatte unter gut gespielten Tränen der Not 
um Näharbeit gebeten. Frau Oberleutnant H. stellte ihr für den 
nächsten Tag Arbeit in Aussicht und den weiteren Bitten der A. nach 
gebend. gewährte sie dieser 4 M. Vorschuß Dle Dame erhielt dagegen 
das Versprechen ster A. an einem bestimmten Tage zur Arbeit zu 
kommen. Die „Näherin-Schauspielerin' hielt aber ihr Versprechen 
nicht, sond rn ging zu einer anderen Dame, um weiter zu schwindeln. 
Bei der Malerin Krl. Thea von Schleußner, in Friedenau glückte es 
der „Schauspielerin' durch den Vortrag derselben Rolle als Näherin 
6 M. Vorschuß und ein ,um Umaibeiten bestimm'es schwarzes Sammet- 
k eid zu erschwindeln Dann aber wurde der Angeklagten die weitere 
Gelegenheit zur Betätigung ihres Schauspielert« ents dadurch entzogen, 
daß sie von der Berliner Kriminalpolizei verhaftet wurde. Wegen 
ähnlicher Betrügereien wurde sie zu l Jahr 7 Monat und 3 Wochen 
Gefängnis vom Landgericht I. verurteilt. — Vor dcr Strafkammer 
des Landgerichts II. beantragte der Staatsanwalt wegen der beiden 
oben erwähnten Kalle 1 Jahr Ge'ängnis. Unter Einrechnung der 
schon erkannten anderweitigen Freiheüsfirastn. erkannte die Straf- 
kamm'l aus eine G samtstrafe vo.i '2 Jahren und 3 Wochen Ge- 
fängnis. 
P. De» Zusammenstoß zweier Ltratzcnbahuwageu ver 
schuldet zu haben, war der Straßenmororführer Wolf vor dem Schöffen 
gericht zur Last gelegt. In der Kai erallee stand am '29. September d. Js., 
Morgen» 6 Uhr 43 Mn. ein Wagen und ein Anhängewagen der 
Linie 19, der zurückgerückt weiden sillte. weil er, meine sattche Weiche 
eingefahren war. Zu diesem Zeitpunkt kam' der Angeklagte von 
hinten und fuhr gegen den Anhängewagen, sodaß ein Zusammenstoß 
«.folgte. Daraufhin war W. wegen sah-lässiger Transportgefährdung 
zur Verantwortung gezogen worden. Der Angeklagte bestritt fahr 
lässig gehandelt zu haben, der Zusammenstoß sei erfolgt ohne lein 
Verschulden, weil die Bremse seines Wagens, die er schon auf 20 Meter 
Abstand angesetzt hatte, einfach versagte und der in voller Fahrt 
laufende Wagen ohne Strom weiter rollte. (Die Angaben des An- 
geklagten wurden in der Beweisaufnahme bestätigt. Dem Antrage 
d.s StaatSanwaUS gemäß lautete das Urteil auf Freisprechung. 
(:) Kür „VerfichcrungSklrbrr" ist eine Entscheidung des 
9. Zivilsenats deS Kammergerichts von Interesse, da darin die Frage 
behandelt wird, ob auS der Unterlaffung der Verwendung von Ver- 
sicherungsmarke» eine Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers herzuleiten 
ist. DaS Kammergericht tat in dem in den ,Bl. für Rechtspfl.' mit- 
geteilten Urteil anerkannt, daß die in Frage stehende Porticrfrau ver 
sicherungpflichtig war und der Verklagte grob fahr'äjsig handelte, wenn 
er die Einrichtung der Versicherungsbeiträge »nteriieß. Andererseits 
— so wird weiter ausgesübrt — trifft auch die Klägerin ein großes 
Verschulden bei der Abwendung des Schadens. Sie war im Besitze 
einer VersichernngSkarte und sie war sich ihrer VersicherungSpfiicht 
bewußt. Unterließ sie cs dennoch, fortgesetzt auf die Verwendung der 
Marken zu bestehen, so konnte und mußte sic ohne jede Anstrengung 
der Aufmerksamkeit voraussehen, daß ihr daraus wegen späterer An- 
spräche auf Alters- oder Invalidenrente Gefahr erwachsen würde.
        
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