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Periodical volume Nr. 291, 12.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

&ie von der BelastungSzeuzin behauptet waren, zu prüfen. Das Er 
gebnis d«S Lokaltermins wurde im gestrigen Termin kund gegeben. 
Der Verteidiger behauptete wieder, bei der Zeugin habe sich 
in Bezug auf vermeintlich Gesehenes eine Art Auto-Euggestion 
festgesetzt. — Die Strafkammer hob da» erste Urteil auf und sprach 
beide Angeklagten frei 
(:) Ißt da« Abspringen von 1« der Fahrt befindlichen 
Ltratzenbahnwogeu als grobe Fahrlässigkeit anzusehen? Diese 
Frage kam anläßlich de» Rechtsstreite- der Hint-rbliebe.-.en eines 
Herrn M. zu Berlin gegen die Oberrheinische Versicherungsgesellschaft 
in Mannheim zur richterlichen Erörterung. M. war bei der Ge,ell- 
schaft gegen Unfall versichert und zwar im Todesfall mit 10 000 M. 
Am 26. November 1903 gegen *( a 10 Uhr Abends wollte M. an der 
Ecke der Behren- und Kanonierstraße einen Straßenbahnwagen 
besteigen, als dieser die Kurve in die Kanonierstraße einfuhr. Wohl 
infolge des Ruckes bei der Kurve sowie de» Schneetreibens glitt er 
au? und wurde durch Überfahren schwer verletzt, sodaß er in den 
folgenden Tagen starb. Die Versicherungsgesellschaft lehnte die Aus- 
zahlung der Versicherungssumme an die Hinterbliebenen ab, da sich 
der Verunglückte eine grobe Fahrlässigkeit beim Verlassen dcS 
Wagens habe zu Schulden kommen lassen und dies.S Moment laut 
ihrer VeifichrrungSbedingungen die Versicherung ausschließe. Die von 
fc<ri; hieraus erhobene Klage auf Auszahlung 
der 10 000 M. wurde von dem Landgericht Berlin als berechtigt an 
erkannt und die Gesellschaft nach dem Klageanträge verurteilt. Die 
Beru'ung der Verklagten gegen da» Urteil beim Kammergeftcht zu 
Benin wurde zurückgewiesen. In der Begründung föhn daS 
Berufungsgericht aus, daß eine grobe Fahrlässigkeit deS Verunglückten 
nicht vorgelegen habe, da er annehmen durfte, daß der Wagen bei 
der Ku ve langsam fahre und nicht plötzlich schneller fahren würde, da 
sich kurz darauf eine Haltestelle befand. Gegen daS Berufungsurteil 
hatte die Versicherungsgesellschaft Revision beim Reichsgericht eingelegt. 
DaS Reichsgericht konnte in den Ausführungen deS Kammergerichts 
einen Rechtsirrtum aber nicht erblicken und erkannte auf Zurück- 
Weisung der Revision 
Vermischtes. 
* Ermunternd. Al» .Ariosto, der Dichter deS ,Rasenden 
Roland'. einst emsig arbeitend am Schreibtisch saß, ftat ein Besucher 
bei ihm ein, der ihn wohl «ine Stunde lang mi: dem fadesten 
G> schwätz ttaktierte. Ariosto schrieb indeffen ruhig weiter, und alS der 
Gast sich endlich mit dem Bemerken erhob, er störe ihn mit seiner 
Unterhaltung gewiß in der Arbeit, entgegnet« der große Dichter mit 
verbindlichem Lächeln: ,O, bitte, sprechen Sie nur ruhig weiter, ich 
höre doch nicht darauf.' 
HemeinnüHiges. 
Körprrübnugeu und Gesundheit« Die LebenSbedingungen 
der Menschen sind ebenso uralt wie die körperlichen Übungen. Ent- 
sprechend dem Wandel der Zeit haben sie, v n kulturellen Bedürfnissen, 
sozialen Verhältnifien und von der Mode beeinflußt, andere 
Gestaltungen und Fermen angenommen. Das Bewußtsein ihrer 
Bedeutung für das Volkswohl nimmt mehr und mehr alle Kreise für 
sich ein, und körperliche Übungen werden allgemein für vollberechtigte 
Faktoren im Volksleben angesehen. Für gewöhnlich nimmt derjenige, 
der sich da» ganze Jahr hindurch in schlecht gelüfteten Räumen — 
BüroS, Fabriken — die von Menschen überfüllt find, aufhält und 
dort arbeiten muß, nur einen ganz geringen Teil neuer Luft in seine 
Lunge auf. Dadurch werden viele untätige Lungenbläschen unelastisch 
und widerstand-unfähig. Auf diese Weise bilden sie ein-n acfähr- 
lichen Nährboden für alle krankheitserregenden Bakterien Wie groß 
dagegen find die Vorteile beim Atmen in freier Luft, besonders bei 
den damit verbundenen Leibesübungen. Die sportlichen Übungen 
wirken infolge der stärkeren Sauerstoffzufuhr, dcS erhöhten Luft 
wechsel» und der Beschleunigung der Blutzirkulation nicht nur auf die 
Lungen und da« Herz allein sehr günstig, sondern auch auf ten 
gesamten Mechanismus des Körpers. Eine höhere Spannung de» 
Körper» und des Geistes wird dadurch erzielt, der Appetit wird 
gesteigert und ein angenehmes Wohlbefinden tritt ein. Aber nicht 
bloß körperliche Vorteile sind die Folge der körperlichen Übung n 
sondern auch nicht minder bedeutsame physische Einwirkungen. So 
werden Willenskraft und Geistesgegenwart angeregt, Charakter und 
Gemüt vorteilhaft beeinflußt, Selbstbeherrschung und Geschicklichkeit 
gefördert. Man kann sich in der Tat für alle Leidenschaften und 
ungesunden Triebe keine beffere Ablenkung denken als tüchtige Leibes- 
Übungen. Besonders dem Städter muß daS Turnen die einzige 
gesunde Erholung sein. Selbstverständlich treten alle dr.se günstigen 
Wirkungen nur dann ein, wenn zwischen Anstrengung und Leistung»- 
fähigkeit ein gcwiffeS Verhältnis besteht, denn auf keinen Fall 
dürfen die körperlichen Übungen übertrieben werden. Hierin ein 
bestimmtes Maß zu finden, lehrt die Übung und die Natur, denn 
waS der eine spielend leicht überwindet, ist dem andern zu schwer. 
Da, wo ein Übermaß stattfindet, tritt Ermüdung ein, entweder hat 
man Herzklopfen und der Atem versagt, oder aber das Nervensystem 
ist erschöpft. Darum.sollen wir die sportlichen Übungen richtig an- 
wenden, sie von jedem Übermaß und leidenschaftlicher Ausartung frei- 
halten. Sie find für unseren Organitmus und unser Wohlbefinden 
ebenso wichtig wie Nahrung und Schlaf, denn .Bewegung macht 
Schlaf'. 
Standesamts Nachrichten. 
Friedenau. 
W che vom 4. dis 10. Dezember 1905. 
Geburten.- Ein Knabe: 
Kaufmann Israel B-ffer 
Ein Mädchen: 
Stukkateur August Hahn. Mechaniker 
»zcl Sjöiandec. Amts- und Gemeinde- 
die er Hermann Nasebandt. Kaufmann 
»do Fritz •. Bankbeamten MathiasKempken» 
Aufgebote: 
Kaufmann \ iihelm Siebörgeru.Karoline 
Zimmermann, ohne Beruf. Arbeiter Karl 
Rud.stph und Auguste Markgraf, ohne 
Beruf. Handlungsgehilfe Gustav Borgner 
und Elisabeth Weinert, Blumenbinderin. 
Eheschließungen: 
Kymnasialzeichenlehrer Alfred Brunzlvw 
mir Maria Geh ke, chne Beruf. Brot 
händler Otto Ehlert m t Marie Meert, 
ohne Beruf. Maurer Paul Bungert mit 
Marie AhrenS, Dienstmädchen. Königs. 
Domänen-Pächte. Hans Moeller mit Anna 
Schmcl,er, oyne Beru'. 
Sterbefälle: 
Marga-ete Grambsch, ohne Beruf, 33 I. 
Heute morgen i.m 4 Uhr entschlief 
nach langem sehr schwerem Leivcn 
un'ere innigstgelieite Tochter und 
Schwester 
Leite 
im li. Lebensjahre 
Hat stilles Beileid bitten 
6. Pollin und Frau. 
Friedenau, l2. Dezember 1?05 
Ring- u. Hedwigst'. Ecke. 
Die Beerdigung findet Freitag, 
den 15. d Mts., Nachmittags a Uhr 
von der Leichenhalle des Friedenauec 
Kirchhofes aus statt. 
Stellengesuche. 
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Frau Möller, Fearigstr. l2 2 Tr. >6462 
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