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Periodical volume Nr. 290, 11.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

als Behörden auch frei, die Versteuerung der von ihnen 
zu führenden Verzeichnisse selbst zu bewirken. 
0 Zur Bequemlichkeit deS Publikums, welches 
bahnlagernde Gütersendungen erwartet, ist von der Staats- 
bahn-Berwaltung die folgend?, neue Einrichtung getroffen 
worden: Damit die Empfänger bahnlagernder Güter bei 
Einlösung der Frachtbriefe den bahnamtlichen Rollfuhr 
unternehmern gleich Auftrag zur Abrollung der Sendung 
geben können, werden fortan an den Schaltern der Güter 
abfertigungen, bei denen Bahnspediteure bestellt stnd, neue 
Formulare zur Erteilung solcher Aufträge unentgeltlich 
verabfolgt. Das ausgefüllte Formular kann dann sogleich 
dem Schalterbeamten übergeben werden, der die Zurollung 
des Gutes durch den Bahnspediteur veranlaßt. 
Lokales. 
t Am gestrige» „kupfernen Sonntag zeigte 
sich i»t unserm Ort ein sehr lebhafter Verkehr. Besonders 
wurden die schön ausgestatteten Schaufenster unserer 
modernen Geschäftslokale in der Rheinstraße von Alt und 
Jung stark belagert. Und so manches, was dem Auge 
gefiel, wird wohl am Christabend ans dein Weihnachtstisch 
em Plätzchen finden. Zwar war der Verkehr und die 
Schaulust des Publikums gestern wohl stärker, denn die 
Kauflust, was ja immerhin denkbar erscheint, da man 
zunächst sehen und wähleti will, ehe inan kauft, aber 
wir hoffen, daß auch unsere Geschäftsleute noch manches 
Stückchen in Geld umgewandelt aus ihren Lägern ver 
schwinden sehen. Auch in Berlin hatte der gestrige 
kupferne Sonntag bei der glfnstigen Witterung ganz be 
deutende Menscheninaffen in die Hauptverkehrsstraßen ge 
lockt, und war auch hier die Schaulust größer als die 
Kauflust, denn in den Geschäften mit Ausnahme der 
Warenhäuser sah man nicht all zu viele Menschen, und 
auch in den Warenhäusern, die bereits um 5 oder um 
6 Uhr geschlossen wurden, überwog die Zahl der Schau 
lustigen die der Käufer. Der größte Verkehr herrschte, wie 
immer, in der Leipzigerstraße, wo sich auf den Bürger 
steigen die dichtgedrängten Menschenmassen nnr lang 
sam vorwärts schieben konnten. Auf dem Fahrdamm 
hatten zu beiden Seiten zur Regelung des Wagenverkehrs 
Schutzleute eine Kette gebildet, was sich sehr gut bewährte. 
In den Nebenstraßen, wie z. B. in der Charlotten- und 
Markgrafenstraße, war von irgend welchen außergewöhn 
lichen Verkehr nichts zu merken, dagegen herrschte in den 
Hauptverkehrsstraßen des Norden und Osten, wie z. B. in 
der Rosenthaler-, Brunnen-, Landsberger-, Andreas- und 
Großen Frankfurterstraße ein sehr lebhaftes Treiben. 
ff Unser Mitbürger, der Geheime Baurat und 
Vortragende Rat im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, 
Herr P. Gerhardt, ist zum Geheimen Oberbaurat er 
nannt worden. 
ff Prämien-Verteilung. Nach dem Plan über 
die erfolgte Verteilung von Sparprämien an diejenigen 
Sparer, welche dem Gesindeslande im Sinne der Gesinde 
ordnung vom 8. November 1810 angehören, nachweislich 
während der letzten 5 Jahre bei ein und derselben 
Herrschaft gedient und während desselben Zeitraumes bei 
der Sparkasse des Kreises Teltow Spareinlagen gemacht, 
haben folgende Friedenauer Dienstboten Prämien erhalten: 
Henriette Bahnsen bei Frau Dr. Schramm, 15 M., Martha 
Bartholdt bei Geh. Kanzleirat Müller, 15 M., Luise Beck 
bei Frau Wetzell, 15 M., Ottilie Diehr bei Frau Einsel, 
10 M., Anna Forte bei Dr. Neupert, 10 M., Magdalene 
Freißburger bei Rentiere Niepage, 16 M., Julchen HanS 
bei Hauptmann Bischoff, 15 M., Jda Koch bei Rentier 
Löbner, 10 M., Pauline Lennicke bei Kgl. Lotterie- 
Einnehmer Lichtheim, 15 M.. Pauline Metzner bei Dr. 
Sarrazin, 15 M., Bertha Möller bei Geh. Registrator 
Borck. 15 M., Pauline Müller bei Kauzleirat Weber, 
15 M., Jda Richter bei Geh. Kanzleirat Homuth, 20 M., 
Anna Rösner bei Kaufmann Förster, 10 M., Luise 
Schönwandt bei Verlagsbuchhändler Schinkel, 20 Mark, 
Auguste Sydow bei Frau Brandt, 10 M., Auguste Weber 
bei Frau Geh. Kanzleirat Leftzvre, 15 M., Kressentia 
Wetschenbacher bei Redakteur Kautsky, 15 M. 
f Kirchenglocken-Jnschriften Wir brachten vor 
mehreren Tagen einen Aussatz über die Inschriften und 
Gewichte von Berliner und auswärtigen märkischen 
Arthur — wohne in „Spriiigthorpe" — muß Dich sprechen, 
ohne daß mein Begleiter es merkt." 
Ihre weiche Hand umschloß, nachdem sie den Tornen- 
ziveig losgelöst hatte, während einer Sekunde seine» Arm. 
Und er rrahm es als ein Zeichen, daß sie ihn ver 
standen hakte. 
* 
6. Kapitel. 
Rivington fühlte, daß mit der Enthüllung seiner Iden 
tität Janet gegenüber seine Angelegenheit in eine neue Phase 
getreten war; aber obwohl ein Hindernis schneller aus dem 
Weg geräumt worden war, als er es gehofft hatte, war er 
daniit doch der Lösung des Geheimnisses nicht näher ge- 
kommen, ivelchcs den Tod seiner Mutter und seiner Schwester 
umgab. 
Obwohl Janet nun wußte, wer er war, und auch wußte, 
daß er in demselben Haus mit ihr wohnte, sah er doch noch 
keine Mögnchkeit, die geheime Unterrredung mit ihr herbeizu 
führen, die notivendig war, um ihren Beistand zu erlangen. 
Diese Unterredung hätte eine beträchtliche Dauer haben 
müsse», um ihr vollständig die Wichtigkeit.erklären zu 
können. Vir er der letzten seltsamen Aeußerung der armen 
Klara in ihrem Todeskampfe beiuiaß. Freilich mußte er auch 
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Kirchenglocken. Die drei Glocken unserer Kirche „Zum 
guten Hirten" sind im Jahre 1893 vom Zehlendorfer Glocken 
gießer Gustav Collier gegossen. Die größte Glocke wiegt 1325 
Kilo und ist Kaiser Wilhelm I., die zweite Kaiser Friedrich 
und wiegt 663 Kilo und die dritte ist Kaiser Wilhelm II. 
geweiht und wiegt 398 Kilo. Zu der letzten Glocke hat 
Herr Pfarrer Görnandt folgendes gedichtet und ist auf 
dem Rand der Glocke mit eingegoffen: „Die dritte Kaiser 
glocke heiß ich, den Herrscher auf dem Throne preis' ich,- 
ich ruf' zu Gott mit jedem Ton: segne Wilhelms Enkel, 
segne Friedrichs Sohn." 
ff Auf der Straßenbahn Steglitz—Dahlem — 
Grnnewald sind AbonnemeiUskarten eingeführt worden. 
Monatskarten kosten 4 M. und nur an Wochentagen 
gültige Monatskarten für Studenten und Schüler 3 M. 
Denn bekanntlich fährt die Bahn bei dem Pharmazeutischen 
Institut der Universität und dem Botanischen Garten vor 
über, welche beiden Institute von Studenten besucht werden. 
Der Preis für eine Arbeiter Wochenkarte beträgt 60 Pf. 
Diese Karten haben aber nur Morgens vor 8 und Nach 
mittags nach 5 Gültigkeit. 
f Haus- und Grundbesitzer-Verein. Monats- 
Versammlung am Freitag, den 15. Dezember. Abends 
8>/z Uhr, im Restaurant „Hohenzollern", Handjerystraße 64. 
Tagesordnung: Geschäftliche Mitteilungen. Aufnahme und 
Anmeldung neuer Mitglieder. Abschluß eines Vertrages 
über Versicherung gegen Wasserschäden. Werbung neuer 
Mitglieder. Juteresseufragen und Fragekasteu. 
ff Deutscher Flotten - Verein, Ortsgruppe 
Friedenau. Am Mittwoch, den 13. Dezember, Abends 
x /j9 Uhr, findet im „Rheinschloß" eine Sitzung des Gesamt- 
vorstandeS statt, zu der an jedSn Herrn besondere Ein 
ladung ergeht. Auf der Tagesordnung steht: 1. Die 
Wahl eines vom Ausschuß zu wählenden Beisitzers. 
2. Vermehrte Werbetätigkeit, Referent Professor Steig. 
3. Vorbereitung für die im Januar 1906 stattfindende 
Generalversammlung. Um allseitiges Erscheinen wird 
dringend gebeten. 
-j-Im Pädagogium für HöheresKlavier- und Violin- 
spiel fand am Sonnabend, den 9. d. M. der 8. Schüler-Vor 
tragsabend statt. Vor den zahlreich erschienenen Eltern 
und den Freunden des JnstituS legten die Vortragenden 
Zeugnis ab von ihren technischen und musikalischen Fort 
schritten. 
f Hohenzolleru-Theater. Auf die Weihnachts- 
Kindervorstellung Direktor Behles, am Dienstag, den 12. 
Dezember, Nachm. 4 Uhr, machen wir nochmals ganz 
besonders aufmerksam und empfehlen den Ellern, welche 
dieselben kleinen Eintrittspreise wie die Kinder zahlen^ 
mit ihren Kindern diese Vorstellung zu besuchen. Das 
Weihnachtsmärchen „Dornröschen", sowie die GratiSver- 
losung mit den vielen prächtigen Gewinnen, wird den 
Kindern eine' große Freude bereiten. Zu der Dienstag 
Abend 8 Uhr stattfindenden Uraufführung des Lüstspiels 
„Das Berlobungsbad" von Frau Oberstleutnant Riesen, 
liegen seit Wochen schon derartig viele Billetvorbestellungen 
vor, daß man sich beeilen möge, sich im Vorverkauf mit 
Billeten zu versehen. Die Besetzung der Novität ist eine 
erstklassige, sodass die Aufführung in künstserischer Hinsicht 
auch diesmal nichts zu wünschen übrige lassen wird, übrigens 
haben zu dieser Premiere viele hervorragende Vertreter der 
Berliner Theaterwelt und Presse ihr Erscheinen zugesagt, 
so daß die Aufführung am Dienstag bei uns ein erst 
klassiges gesellschaftliches Ereignis für Friedenau bilden 
wird. 
ff Bon einem kräftige» Zwillingspaar (Knabe 
und Mädchen) wurde die Frau des Herrn Rich. Knopf 
am gestrigen Sonntag entbunden. Im vorigen Jahre 
hatten diese Eheleute schon die Freude ein Zwillingspaar 
und zwar ebenfalls Knabe und Mädchen beschert zu er 
halten, leider starben diese beiden Kinder. Hoffentlich ist 
diesem Zwillingspaar eine längere Lebensdauer beschieden, 
und bereitetes seinen Eltern noch manche freudige Stunden. 
ff Banernregeln vom Dezember. Kälte und 
Schnee wünscht sich der Landmann für den Dezember, 
denn in den alten Bauernregeln heißt es: Kalter De 
zember und fruchtreich Jahr, sind vereinigt immerdar. — 
Dezember kalt mit Schnee, bringt Korn auf jeder Höh'. 
— Dagegen: Dezember warm, daß Gott erbarm'. — Ge- 
Seltsamerivcise war es Herzog selbst, der von ihnen zu 
sprechen begann, und dies verursachte Rivington eine An 
wandlung von Angst. Die Methode dieses Mannes war 
so raffiniert, daß Rivington nicht sicher sein konnte, ob er 
nicht seine anscheinende Achtlosigkeit gegen die Chilmarks auf 
die Probe stellen wollte. Er war vorausgegangen, als er 
Lady Muriels Kleid während des Spazierganges von dem 
Dornenzweig befreit hatte, aber er gehörte zu jenen Menschen, 
die auch rückwärts Augen haben. 
„Nette Leute — die von gegenüber," bemerkte er mit 
einem verschmitzten Zwinkern seiner unsteten Augen. „Jeden 
falls das Mädchen. Es ist selbstverständlich, daß ich des 
Obersten Bekanntschaft kultivieren muß, ehe unser kleines 
Geschäft erledigt ist." 
„Je weniger wir mit Außenstehenden zu tun haben, desto 
besser ist es," warf Rivington, scheinbar gleichgültig, ein. 
„Was für einen Eindruck hatten Sie von Herrn 
Marske?" fuhr er fort, indem er so plauderte, als ob sie 
genau das wären, wofür sie sich ausgaben — zwei Müßig 
gänger im Seebade, die nichts zu tun haben, als zu 
klatschen. „Er scheint mir in einer ganz bestinmiten Lage 
zu sein." 
„Wieso das?" fuhr Rivington auf, denn Herr Marske 
machte ihm ein wenig Sorgen. 
„Er scheint mir dem gewissen Grautiere zwischen zwei 
Heubündeln zu gleichen," grinste Herzog. „Mit anderen 
Worten: ich betrachte ihn als einen Mann, der pflicht 
schuldigst der einen den Hof macht, während seine wirkliche 
Aufmerksamkeit der anderen gilt." 
„Und welcher kann der Gegenstand der — wie Sie es 
' nennen — „pflichtschuldigen" Liebe sein?" 
„Lady Muriel natürlich; sie ist vom Heiratsstandpunkte 
aus der Treffer für einen Menschen ohne Geld." 
„Eine Art Blaubart also," sagte Rivington mit erzwun 
gener Sorglosigkeit. 
„Ja, sein Schuldkonto auf diesem Gebiet würde eine 
ganze Straße verdunkeln, und das Unangenehme ist, daß... 
witter im Dezember lassen auf alles mögliche schließen, 
denn: Wenn im Dezember Donner grollt, im Frühjahr 
Wind und Regen tollt. — Donner in» Winterquartal, 
bringt kalte Tage ohne Zahl. — Wenn Donner im 
Dezember hausen, im nächsten Jahr viel Winde brausen. 
Apf die einzelnen Tage im Dezember haben folgende 
Äl'imsprüche Bezug: 4. Dezember: Auf Barbara die Sonne 
weicht, auf Lucä (13.) sie wieder herschleicht. — 6. De 
zember: Regnet's an St. Nikolaus, wird der Winter 
streng und graus. — 24. Dezember: Liegen Adam und 
Eva im Klee, so liegen sie Ostern im Schnee, — Jst'S in 
der heil'gen Nacht hell und klar, so giebt'S ein segens 
reiches Jahr. — Vom Eis eine Brücke muß, zu Weihnacht 
haben Bach und Fluß. — Wenn es in der Christnacht 
schneit, dann der Hopfen gut gedeiht. — Grünen am 
Christtag Feld und Wiesen, wird sie um Ostern der Frost 
verschließen. — Jst's am Weihnachtstag gelind, sich noch 
viele Kält' cinfifid't. — Weihnachten naß, leer die Scheune, 
leer das Faß. — Wenn's stürmisch ist zur heil'gen Nacht, 
ein froh Gesicht der Winter macht. — Ist auf Weih 
nachten viel Wind, im nächsten Jahre voll Obst die 
Bäume sind. 
Wertin und Wororte. 
8 Ueber die Rechtsgiltigkeit der Polizeiver 
ordnung vom 23. d. M., betreffend den Verkehr unbe 
setzter Droschken in der Leipziger- und Friedrichstrabe, am 
Potsdamer Platz rc., gegen welche die Fuhrherren und 
Kutscher beim Minister des Innern Beschwerde führen, 
wird uns von unterrichteter Seite geschrieben: Wenn die 
Beschwerdeführer die Rechtsbeständigkeit der Verordung 
aus dem Grunde anzweifeln, weil vor Erlaß derselben 
die Interessenten vom Polizeipräsidenten nicht gehört 
worden seien, so verkennen sie den Charakter der neuen 
Vorschriften, die übrigens im Einvernehmen mit dem 
Minister des Innern ergangen sind. Nach einem Ministerial 
erlasse, von 1894 sollen die Interessenten gehört werden, 
wenn Angelegenheiten der in den 88 37 und 76 der Reichs- 
Gewerbeordnung gedachten Art in Frage stehen. Es sind 
dies die Unterhaltung des öffentlichen Verkehrs als Ge 
werbe, sowie die Festsetzung von Taxen hierzu durch Polizei- 
und Gemeindebehörde, also Materien, wie sie di« neue 
Droschken-Fahrordnung enthält, vor deren endgiltiger 
Fassung bekanntlich auch die Fuhrherren und Kutscher 
gutachtlich gehört worden sind. Die vorliegende Verord 
nung dagegen ist im Interesse der glatten Abwickelung deS 
Straßenverkehrs gegeben, im Grunde also nichts anders, 
als eine Ergänzung der Straßen-Polizciverordnung; sie 
wurde angeregt von der städtischen Berkehrsdeputation, vor 
ihrem Zustandekommen aber haben noch amtliche Gv- 
s Hebungen stattgefunden, wobei u. a, festgestellt wurde, daß 
die Zahl der leeren Droschken, welche z. B. auf dem 
Potsdamer Platze, Jagd auf Fahrgäste machen, eine er 
schreckend große war, sodaß der sonstige Fährverkehr auf 
das Empfindlichste gestört wurde. Die Droschkenkutscher 
geben in ihrer Beschwerde zu, daß gerade der Potsdamer 
Platz die lohnendste Stelle für die Aufnahme von Fahr 
gästen sei. Diese wissen die Wagen aber auch auf den 
benachbarten Halteplätzen zu finden. 'Die Vorteile der 
neuen Verordnung, welcher übrigens auch die Gemeinde 
behörden zugestimmt haben, überwiegen, wie sich schon 
jetzt erkennen läßt, bei weitem die kleinen Unbequemlichkeiten, 
welche den Droschkenkutschern dadurch erwachsen, übrigens 
dürfte die ueue Polizeiverordnung sofort aufgehoben werden, 
sobald die Verkehrskalamität auf dem Potsdamer Platz rc. 
durch unterirdische Führung der Straßenbahnen beseitigt 
sein wird, und das ist bekanntlich nur noch eine Frage 
der Zeit. 
8 Ein Zukunftsbild vom Spittelmarkt entwarf 
jüngst der Magistratsvertreter in der Sitzung des Stadt- 
verocdneten-Ausschusses, der sich mit der Verbreiterung der 
Wallstraße beschäftigte. Vom Spittelmarkt linker Hand 
zielst sich bekanntlich ein schmales Ufer-Grundstück am 
Kanal hin, das von der Firma Raven« im EnteignungS- 
vsrfahren für 1 041 856 M. erworben worden ist. Dies 
soll nicht wieder bebaut, sondern in einen kleinen Schmuck 
platz umgewandelt werden, unter dem dann der neue 
Unterpflasterbahnhof der elektrischen Schnellbahn Potsdamer- 
Alexanderplatz liegen wird. Der Ausschuß hat dem zu- 
Aber nein, wovon rede ich! Ich spreche über diese Tinge mit 
einem, den die Erinnerung an Schnldregifier eine unangenehme 
sein muß. Ich bitte Sie taujeudmal um Entschuldigung, 
mein Freund, ich wollte Sie nicht absichtlich verletze«»." 
Seine Besorgnis, Rivingtons Gesühle zu verletzenwohl 
verstanden. die Gefühle eines Menschen, den er für einen 
grausamen Mörder hielt — war, das fühlte Rivington genau, 
nur ein Vorwand, uni einen Satz abzubrechen, der nicht für 
seine Ohren bestimmt war. Es war eine Neuheit für Riving 
ton, daß dieser kluge Verschwörer sich einer derartigen Schwäch« 
schuldig machen konnte, seiner Zunge freien Laus zu lassen. 
Er konnte nicht glauben, daß er dies anders als in der stärk 
sten Erregung tun konnte, aber was mochte Gemeinsames 
zwischen diesem Verschwörer gegen den Premierminister und 
dem Sohne eines Kabinetsmitgliedes sein? ... Er konnte 
das Rätsel nicht lösen, aber Rivingtoit wollte es nicht auS 
den Augen verlieren. 
„Kommen Sie." sagte Herzog, als sie ihre Mahlzeit be 
endigten, „lassen Sie uns in das Hotel hinübergehen und 
eine Partie Billard spielen oder wenigstens zusehen, wenn wir 
das Billard nicht bekommen können. Es darf uns nichts Ge 
heimnisvolles umgeben; an einem Platze wie diesem den Ein 
siedler zu spielen, kann nnr die Aufmerksamkeit auf sich lenken, 
und das würde dazu führen, daß . . ." 
Er nahn: seinen fetten Hals in seine weiße, geschickt aus 
sehende Hand und machte eine Bewegung, als wollte er den 
selben würgen. Rivington verstand diese bedeutungsvolle An 
spülung und fügte sich, obwohl es ihm unangenehm war, daS 
Hans verlassen zu müssen. Er hatte während der ganzen 
Mahlzeit gehofft, daß sie im Garten sitzen würden oder in 
ihren« Wohnziiilincr bei offener Tür, so daß er eine Gelegen 
heit finden oder herbeiführen konnte, um mit Janet zu sprechen. 
Der Gedanke, daß sie gerade gegenüber jenseits dieses engen 
Ganges weilte und sich vor Sehnsucht verzehrte, diese Gelegen 
heit zu erlangen, war danach angetan, ihn zum Wahnsinn 
j zu bringen. 
I (Fortsetzung folgt.)
        
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