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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Beilage zu Nr. 289 des „Friedenauer Lokal-Anzeiger". 
Sonnabend, den 9. Dezember 1905. 
Sonnlagsptauderei. 
Tagelang haben die grauen Wolken über der Erde 
gehangen, und der Wind hat hoch in den Lüften ge 
pfiffen und geklagt als sei es ihm leid, zum Kehraus auf 
spielen zu müssen. Das jetzt eingetretene nasse Wetter 
läßt alle Erwartungen unserer Geschäftsleute in den 
Hintergrund treten. Wer aber einen Winter genießen will, 
muß, sobald Frostwetler eintritt, einen Abstecher aufs Land 
machen, aber er muß nicht nur die Augen, sondern auch 
das Herz mitbringen, sonst geht er gelangweilt vorüber 
und schilt, daß der Weg nicht gebahnt ist. Für uns, die 
wir draußen groß geworden sind, liegt gerade ein Stück 
Genuß darin, daß er fleckenlos weiß und unbetreten über 
Berge und Täler führt in die Fremde hinein, so weit ihn 
die Sehnsucht nur wandeln mag. 
Wenn der Schnee kommt, zieht die Weihnachts 
stimmung mit ins Dorf ein. Wo das liegt, — ich werde 
es nicht sagen! — Mir soll es nicht gehen, wie anderen, 
die auch geschildert haben, was sie mit Augen voll 
Heimatsliebe sahen, und dann ist jemand mit kalten, 
nüchternen Blicken hinter ihnen dreingegangen und hat 
enttäuscht gesagt: „Es ist ja garnicht so schön!" Wer es 
liebt, wird es schon herauskennen. Im Norden wölbt sich 
waldtragend ein Berg, in lichten Gehölzen fußt er. die 
schließen das Bergißmeinnichttälchen ein, wo im Frühjahr 
die blauen Blumen lachen wie der liebe Himmel. Auf 
der Bergspitze ist ein Stein eingelassen zum Andenken an 
einen, der dort vor langen Jahrzehnten erschlagen wurde. 
So erzählen es die alten Weiber am Waschfasse und die 
Kinder in der Schule. 
Nach links — „Schwarz gegen mausgraue Wolken 
wand mahlt eine Mühle am Himmelsrand." Detlev von 
Liliencron sagt es. Es wird ihn wohl nicht kränken, wenn 
es nicht ganz wörtlich ist. Vorn wehen die schwarzen 
Wipfel der Kirchhofstannen. Weit draußen im Westen, wohl 
eine stunde über das Tal hinweg, liegt ein Erlenbusch 
an der Bahnstrecke, ein kleines Treppchen führt die Damm 
böschung hinauf, davor steht ein weißes, wackliges Dreh 
kreuz. Im Sommer klingt wohl Singen und Sensen- 
klirren von den Feldern her, im Winter ist es ganz still. 
Nur wenn der Zug mit heißem Atem vorüberrast, zittert 
die Erde und die Bäume schütteln sich verdrießlich, daß 
ihnen die Federn um die verschlafenen Köpfe fliegen. 
Weiß angezogen und steif wie die Kinder im Festtagskleide 
stehen die Tännchen in der Schonung. Die haben große 
Gedanken im Kopf, wollen Lichterblumen und goldene 
Früchte tragen und wissen nicht, daß erst der böse, tiefe 
Hieb in die Wurzeln kommen muß, ehe ihnen das gelingt. 
Der Wind zaust ihnen die Ohren und pustet ihnen die 
schönen, weißen Federn herunter. Der hat es gut, keine 
Fessel hält ihn. Er faucht in die Schornsteine und rüttelt 
an allen Türen, er fährt über den Weiher und stößt das 
Schilf, das ledern und eingefroren im Eise steht, mit den 
Köpfen zusammen, und wenn es mit seinen scharfen 
Blätterzungen hinter ihm drein zischt, macht er sich gar- 
nichts. draus. 
Uns Landwildlinge hat er oftmals angesteckt mit 
seiner Wanderlust und wir sind mit ihm durch die tief 
verschneiten Wälder gestrichen, meilenweit und stunden 
lang, den Hals frei und ohne Gummischuh, und sind doch 
gesund wieder heimgekommen. Im Busch haben wir uns 
den besten Platz gesucht, das große, alte Plaidtuch über 
den Schnee gebreitet und Rast gemacht, drei Schwestern 
und die Dogge, friedlich gruppiert und alle vier Butter 
brot kauend. Und was wir dazu getrunken haben war —. 
Kümmel. Poesievoll konnte man es nicht gerade nennen, 
aber zum wärmen war es gut. Erst hatte es einen Zank 
gegeben, weil keine sich herbeilassen wollte, beim Kauf 
mann eine so ordinäre Forderung zu stellen. Das Opfer 
wird dann wohl ausgelost worden sein, ich weiß es nicht 
mehr. Aber die vergnügliche Rast unter den rasselnden 
Haselstecken habe ich nicht vergessen. Ein Bursche ging 
durch den Wald und sang in die helle, scharfe Winterluft: 
„Warum pflückst Du meine Rosen, die doch meine einz'ge 
Freude sind “ und das rotschwänzige Eichhorn schoß 
aufgeregt von Wipfel zu Wipfel. Der Gesang, oder unseres 
lieben Getreuen mißbilligendes Geknurr war ihm wohl in 
die Glieder gefahren. Wenn die Speisekarte draußen gar 
zu mager wird, kommt der niedliche Vagabund in die 
Gärten und forscht auf den Nußbäumen nach, ob man 
dort zu seinen Gunsten etwas vergessen hat. Das kleine 
Federvieh aus den Lüften hat seinen Stammtisch in der 
Veranda, dort turnt es in den Ranken hejpm. unbekümmert 
um die dicke, große Katze, die ihm zusieht. Im Sommer 
hat sie zuweilen einen Spatzen erwischt und ihn gewissen 
haft jedes Mal hereingebracht, aber ebenso gewissenhaft 
hat sie jedesmal eine auserlesene Tracht Prügel bekommen. 
Nun hat sie eingesehen, daß dieser Braten immer zu sehr 
gesalzen wird, und fängt sich in Balletsprüngen lieber die 
Schneeflocken, die ihr um die Nase gaukeln. 
Auf der Straße knarrt der erste Wagen voller Christ- 
bäunie die dunkelgrünen Kronen schleppen lang nach und 
fegen einen breiten Weg. Das ist für die Dorfjugend 
ein Ereignis wie im Frühling der erste Storch, sie trabt 
mit, soweit sie nicht in der Schule sitzen muß, Buben und 
Mädel, jedes drei Käse hoch und fast jedes mit einem 
Tücherbiindel. halb auf dem Arm, halb auf der Schulter. 
Beim näher zuschauen entdeckt man darunter eine winzige, 
rotgefrorene Nase mit allem übrigem Zubehör, das ist das 
betrübende Nachspiel von Freund Langbeins Einzug im 
Dorfe und wird es von den kleinen Packeseln für weit 
weniger süß gehalten, als wie die Pfefferkuchen der ihnen 
der stachlige Waldbaum verspricht, den sie auf seiner Fahrt 
begleiten. Der Kinderengel hat auf dem Dorfe viel zu 
tun und hat schon manch einem sanftmütigen Karrengaul 
ins Ohr gesagt: „Heb die Beine — es liegt gerade eins 
drunter!" Und Karchen oder Manschen kam unversehrt 
unter den Hufen hervorgekrochen. Ich habe darin ganz 
persönliche Erfahrungen, habe ich doch mit fünfviertel 
Jahren selber, dem Mädchen entwischt, im Pferdestall 
weich, wenn auch nicht gerade appetitlich gebetet unter 
dem Braunen gesessen und ihm in meines Herzens allum 
fassender Liebe die Beine geküßt, was der Brave nicht 
durch einen freundschaftlichen Tritt quittiert hat, trotzdem 
er sonst nervös war, wie der echteste Großstadtsprößling. 
In dem Falle hatte zweifelsohne ich das Glück und er 
den Verstand. 
Das Klingeln der Schlittenglocken wird immer zarter 
und leiser und der Kinderjubel verhallt allmählich. Die 
alte Kirchuhr, die sich mit der Zeit so garnicht recht einigen 
kann, schickt zwölf verschlafene Schläge in die Luft und sie 
hat es zufällig einmal getroffen, vom Dominium lärmt 
gleichzeitig die schrille Mittagsglocke. Aus der Schule 
stürmt die wilde Jagd, aber nicht jene zu Mutters Suppen 
topf, sondern in den Schnee hinein, wo er am tiefsten ist. 
Die Wintersonne sieht auf die fröhliche Balgerei-herunter; 
der blaue Himmel lacht, der Schnee funkelt, von der Kirch- 
linde winkt der dunkelgrüne Epheu darin, und Deutschlands 
rotbackige Zukunft quietscht vor Vergnügen. Ich glaube 
nicht, daß die Natur schläft, und wenn sie es tut —: Da 
draußen hat sie wenigstens einen recht angenehmen 
Traum. 
Ausschlafen. 
O Schlaf! o holder Schlaf! 
Du Pfleger der Natur! 
~ ; ' Shakespeare. 
Nervosität und ihre schlimmste Folge, den Wahnsinn, 
kann man ja durch Verbesserung und Vermehrung der 
Heilanstalten und Irrenhäuser bekämpfen. Es scheint mir 
aber weder praktisch noch rationell, den Kampf herauf zu 
beschränken; ich halte es für klüger und bifliger, die 
Quellen jener bösen Erscheinungen zu verstopfen. Damit 
niemand meine, ich wolle weit ausholen und mit dem 
Leser eine Exkursion zu all jenen schlimmen Quellen 
unternehmen, so sei hier vorweg bemerkt, daß ich nur 
eine Einzelerscheinung zu besprechen im Sinn habe und 
mir • höchstens einbilde, ' eirr Daukastenstcinchen zu der 
Sperrmauer herbeizuschleppen, die die Öffentlichkeit dem 
beängstigenderweise anschwellenden Strome der Geistes 
krankheiten entgegentürmen muß. 
Die Einführung der mitteleuropäischen Zeit war 
gewiß ein Fortschritt; aber für den Westen hatte sie doch 
einen schweren Nachteil im Gefolge: sie zwang die Schul 
jugend eine halbe Stunde früher aufzustehen, im Sommer 
ganz gut. im Winter ein Fluch, ein nervenzerrüttender 
Unfug. „Je mehr geistige Anstrengung, desto notwendiger 
ist der Schlaf," so die Gesundheitslehre. Wie ist's möglich, 
daß unsere Schulbehörden das nicht wissen! Schon um 
6 Uhr früh in dunkler Nacht treiben sie gewaltsam viele 
Kinder aus dem Bette. 
Eine und dieselbe Hand verfügt und steigert die 
geistige Anstrengung und versagt das Korrelat: den Schlaf. 
Die rage de nombre herrscht eben nicht nur in Armee 
kreisen. Daß man im Wintersemester von 9—12 Uhr 
Morgens statt wie im Sommer von 8—12 Uhr unter 
richten und auch vier Fächer auf drei Stunden verteilen 
und dabei Genügendes leisten und sogar die Nerven noch 
in vollem Maße beanspruchen kann, ist für einen Schul- 
bureaukratrn einfach unfaßbar. 
Verschärft wird der Ubelstand noch für viele 
Schüler durch weite Schulwege, durch unzulängliche 
Nahrung und Kleidung, durch die Unbilden der 
Witterung; verschärft wird er besonders durch die Kultur- 
sünde des Abend- und Nachtlebens, die unsere Be 
leuchtungstechnik auf dem Gewissen hat; verschärft wird er 
am allermeisten durch die sogenannte Schnlmesse für die 
katholische Schuljugend, die dadurch noch mehr, 1 bis 
2 Stunden, an Schlaf einbüßt. Daß die Schulmesse nach 
dem Willen der Behörden nur an zwei Tagen besucht 
werden soll, ist für die meisten Pastoren (zugleich Qrts- 
schulinspektoren!) nur ein dichterischer Ausdruck für die 
ganze Woche: der Teil für das Ganze! Daß die Ver 
fügungen nur die Oberklassen der Volksschulen zum 
Kirchenbesuch verpflichten, geniert die Herren auch wenig. 
Es gibt Schulen, wo die Oberklasse mit dem ersten Schul 
jahre anfängt! 
Auf die hohe Blüte des Volksschulwesen bildet man 
sich in Preußen viel ein, läßt sich diese auch gelegentlich 
auf Ausstellungen bescheinigen, sieht vielleicht auf rück 
ständige Länder, wie Spanien, furchtbar selbstgefällig 
herunter. Aber in dem einem Punkte ist man in Spanien 
nicht so weit zurück, wie hier. Ich fand auf einer Reise, 
daß man in dem Lande schon im Oktober den Unterricht 
um 9 Uhr beginnt. Ebenso war es in Südfrankreich. 
Wir vergeben uns nichts, wenn wir auch einmal von 
einem rückständigen Volke etwas lernen. Gleichgiltig kann 
uns die Frage nicht sein: Handelt es sich doch um unser 
Liebstes, unsere Kinder, um deren Bestes, körperliche und 
geistige Gesundheit! 
Laßt euch erweichen, Schulräte: Faßt euch kein Mit 
leid mit den armen Schülern, die schlaftrunken, oft nüchtern 
und frierend vor dem Hahnenschrei auf euer Geheiß aus 
dem Hause müssen, so erbarmt euch der vielgeplagten 
Mütter, die Morgens früh im Winter durch das Angst- 
geschrei des Kindes jäh aufgeschreckt werden . . . 
Die Furcht vor dem Zuspätkommen und der Strafe 
verfolgt das Kind im Schlafe und bereitet der Nervosität 
gründlich den Boden. 
Wenn wir wollen, daß ein nervenstarkes Geschlecht 
dereinst unser nervös belastetes ablösen soll, so muß die 
Parole lauten: 
Ausschlafen lassen! 
Gerichtliches. 
P. Ein Heiratsschwindler in der Person des kürzlich zu 1 
Zahl Zuchthaus vorbestraften Arbeiters August Thelemann wird aus dem 
Zuchthause in Celle dem Berliner Landgericht vorgeführt. — Es 
handelte sich um eine ganz frivole Heiratsschwindelei, welcher der des 
Betruges angeklagte Th. sich schuldig gemacht hatte. — Aus dem 
Bahnhof in Nordhausen machte Th. die Bekanntschaft des in Friedenau 
"wohnhaften Dienstmädchens Anna Wurm. Er erzählte ihr, daß er 
verheiratet sei von seiner Ehefrau getrennt lebe und sich scheiden 
' lasse» wolle, um die Wurm zu heiraten, wemit sie auch einverstanden 
gewesen wäre, wenn nicht etwas dazwischen gekommen wäre. 
Der W. gegenüber hatte sich Th. als Bahnangestellter ausgegeben. 
Eines Tages sandte er ihr ein amtlich beglaubigtes Schriftstück in- 
haltsdeffen er von der Eisen'ahn-Direktion Uebzen noch 600 M. zu 
fordern habe. Unter Hinweis hierauf ersuchte T. die W. ihm 360 M. 
zu leihen, die er zur Bestreitung der Kosten des Ehescheidungs-Pro- 
zesscs verwenden wolle. Tatsächlich ist dann später auch die Ehe 
geschieden worden, aber T. dachte garnicht daran die W. zu Frau 
Thelemann zu machen. Nur im Hinblick auf das amtliche Schrift- 
stück hatte die getäuschte Braut ihm das verlangte Geld und dann 
noch weitere 60 M. hergegeben. Aus dems lben Grunde hatten auch 
die Eltern der W. dem T. auf dessen Wunsch noch 125 M. geborgt. 
Das Schriftstück war aber gefälscht. Der Staatsanwalt beantragte 
gegen T. wegen Urkundenfälschung und Betruges 1 Jahr 3 Monate 
Zuchthaus. Der Gerichtshof gewann die Überzeugung, daß der An 
geklagte von vornherein, als er die Bekanntschaft mit der W. ge- 
schloffen, darauf ausgegangen war, sie in schnöder Weise auszubeuten. 
Zusätzlich der oben erwähnten Freiheitsstrafe erkannte der Gerichtshof 
auf noch 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus und 3 Jahr Ehrverlust. Der 
Verurteilte hat somit insgesamt 2 Jahr 6 Monate Zuchthaus zu 
verbüßen. 
Gemeinnütziges. 
Grünkohl mit Lahne. 6 Personen. 3—4 Stunden. Drei 
Pfund Kohl werden von den Stielen gestreift, in Salzwaffer weich 
gekocht und fein gehackt. Dann läßt man 3 Löffel geriebene Semmel 
in 50 Gramm Butter gar werden, gibt den Kohl dazu, läßt ihn unter 
fortgesetztem Umrühren langsam aufkomen und fügt nach und nach 
l / t Liter kochende Sahne, sowie nach Geschmack etwas Zucker dazu. 
Zuletzt würzt man das Gericht mit '| 3 Teelöffel Maggi's Würze und 
vermischt oder umlegt den Kohl beim Anrichten mit kleinen ganz' 
gebratenen Kartoffeln. 
Die Gefährlichkeit enger uud hoher Krage«. Gerade 
bei unserer heutigen Jugend findet man mehr als je das Wiederauf 
leben der hohen Vatermörder in erhöhtem Maße, daneben auch noch 
eine Enge derselben, daß man nach Entfernung des Kragens eine 
rote Rinne am Halse sieht, wie bei einem Erhängten und namentlich 
bei mit reichlicherer Fettanlage Gesegn-.t n ein häßlicher Wulst über 
den Kragen hervorquillt. Enge Kragen allein findet man häufig bei 
jungen Leuten, welche im Wachstum begriffen sind und es versäumen, 
entsprechend der zunehmenden Dicke des Halses, neue Kragen anzu- 
schaffen. Ebenso wird solches bei Leuten vergessen, welche lange 
mager und krank gewesen sind, und dann wieder zunehmen. Oft sind 
die Kragen so eng, daß man kaum einen Finger zwischen Hals und 
Kragn bringen kann. Die Folgen solcher törichtenHandslsweife sind 
nicht unerheblich. Da das Blut vom Gehirn durch Blutgefäße zu- 
rückgeführt wird, welche an Halse ganz oberflächlich liegen, so entsteht 
beim Zusammenpeffen derselben durch enge Kragen eine übermäßige 
Biutsülle in allen Teilen oberhalb des engen Kragens. Im Halse zeigt 
sich das durch eine dunkle Röte und heftige Rei barkeit des Schlundes 
und des Kehik.Pfes In der Nase führr die Halsumschnürunz zu 
häufig wiederkehrenden Nafenblusen. Die Augen quellen hervor, so 
daß oft der ganze Kopf gedunsen aussieht. Natürlich leidet dann 
auch das Gehirn und quittiert für diese Torheit mit Kopfdruck, Ohren 
sausen, Schwindelgesühl Ganz besonders ist bas noch der Full, wenn 
sich der glückliche Träger des Marteiinslrumenls mit demselben M t- 
tags zu einem Schläfchen auf dem Sofa, niederlegt. — Wichtig für 
die Singstimme ist die Beseitigung des Übelstandes sofern, weil sich 
sonst der Kehlkops nicht frei genug bewegen kann. Dasselbe gilt vom 
vorlesen, und dann namentlich bei solchen Leuten, die schon durch 
Blutarmut oder Nervosität geschwächt sind, wie Erzieherinnen und 
Gouvernanten. 
Amtliche Anzeigen. 
Bekanntmachung 
Im Handelsgeweibe, jedoch niit »us- 
fdjlug der Bank-, Wechsel- und Lotter.e- 
-«schäfte, dürfen, abwe chend> von der all- 
-emein festgestellten sonntäglichen Br- 
sthtstigungSzeit, Gehilfen, Lehrlinge und 
Arbeiter an den drei letzten Sonntagen v r 
Weihnachten, nämlich am 1« » 1«. •«» 
•I Derembe d. I- von 8 bis >0 Uhr 
vormittags und von 12 bis 8 Uhr Nach 
«ittags befchäf.igt werde«. 
Der verkauf von Back- und Kondilor- 
»om. von Fletsch und Wurst der M.lch- 
Handel u. der Betrieb der Borkosthandlungen 
ist an den genannten drei Sonntagen 
schon vor Beginn der allgemeinen Ver 
kaufszeit und zwar von 5 Uhr morgens 
ab zulässig. 
Der Handel mit Brennmaterialien ist 
an den drei obigen Sonntagen jedoch 
nur von 5 bis 10 Uhr Vormittags 
gestattet. 
Von dem allgemeinen Verbot der Be- 
lchäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und 
Arbeitern am 25. Dezember 1905, dem 1. 
Weihnacht-feiertage, werden soweit der 
Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen 
stattfindet ausgenommen: 
») der Handel mit Milch während der 
Zeit von 5 bis 10 Uhr vormittags und von 
12 bi- 2 Uhr nachmittags, 
d- der Handel mit Back- und Konditor 
waren, mit Konfitüren sowie mit Fleisch. 
waren von 5 btS 10 Uhr Vormittags;' 
e) der Handel mir Kolonialwaren, mit 
Vorkostwaren, mit Blumen, mit Bier und 
Wein, mit Tabak und Zigarren während 
der Zeit von 8 bis 10 Uhr vormittags; 
ä) die ZeitMgSspedition während der 
Zeit von 5 biS 10 Uhr V-.mittags. 
Soweit nach Vorstehendem Gehilfen 
Lehrlinge und Arbeiter in offenen Ver 
kaufsstellen nicht beschäftigt werden dürfen, 
ist ein Gewerbebetrieb in denselben über 
haupt rerboten. 
Am 28. Dezember 1905 dem 2. Witz- 
nachtsfeicrtage, gelten die allgemeine Vor- 
fchriftcn über die sonntägliche Beschäftig ng 
von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern 
im Handelsgewerbe. Z . 
Mit Rücksicht da-auf, daß in diesem 
Jahre der Sylvestertag auf einen Sonntag 
fällt, dürfen ferner im Papieehaudel 
am 31. Dezember 1801, Gehilstn, 
Lehrlinge und Arbeiter in der Zeit von 
7 bis i0 Uhr Vormittags und von 12 bis 
7 Uhr Nachmittags beschäftigt werden. 
Friedenau, den 8. Dezember >905. 
Der AmtS-Vorsteher. 
Schnackenburg. 
Bekanntmachung. 
Die Neuauflage des im Kaiserliche« 
Gcsundhei>sam!e bearbeiteten Pilzmerk- 
blalts, enthaltend die wichtigsten eßbaren 
und schädlichen Pilze, ist soeben erschienen. 
Der Text des Me-kblattes ist gegen 
üb r der ersten Auflage um die Beschrei 
bung drei weiterer Pilzarten vermehrt; 
die Abbildungen der Pilrtafel haben zum 
größ'en Teile eine röllige'tUm.zetchnung 
erfahren. W W 
Behöid n, gemeinützige 'Körperschaften 
und Vereine können Abzügej dieses Merk- 
blatiS vom Kaiserlichen Sesund'qertsamte 
unentgeltlich beziehen. Das Merkblatt 
ist ferner im Berlage von Julius Springer 
zu Berlin N., erschienen, der Preis de- 
trägt 10 Pf., v:n 50 Exemplaren 4 M. 
100 7 M. und !020 60 M. eI 
Berlin, den 14. November 1905. 
Der Landrat. von Stubenrauch. 
Veröffentlicht: > '3 
Friedenau, den 30. November 1905. 
Der Amts-Vorsteher 
Schnackenburg.
        
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