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Periodical volume Nr. 256, 31.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

sammluug war man sich nun einig, daß auf keinen Fall 
eine Verlängerung der Verträge zustande komme und der 
Biirgermeist r von Berlin erklärte, daß mit dem Jahre 
1919 sämtliche Straßenbahnlinien' in die Verwaltung der 
Stadt Berlin übergehen. Berlin wolle auch bei der Unter- 
tunnelung einen Zuschuß leisten, sich aber auf keinen Fall 
zu einer Verlängerung der Verträge hingeben. Mit dem 
Jahre 1919 würde somit der ganze Betrieb der Straßen 
bahnen an Berlin übergehen und sollen auch die Vorort- 
Linien in die Hände der betr. Borort-Verwaltungen über 
gehen. Die Berechnung geschieht dann nach den Straßen 
und der Kilometerzahl, die die Wagen zurücklegen in 
jeder Gemeinde. Es wurde zum Schluß eine Kommission 
gewählt, die die Sache in die Hand nimmt und 
untersucht. Alle anwesenden Vertreter hatten dem zu 
gestimmt und so bitte er. daß auch die Gemeinde-Vertre 
tung hier ihre Zustimmung zu den Beschlüssen dieser Ver 
sammlung gebe. 
Herr Bürgermeister Schnackenburg glaubt, daß in der 
Versammlung das einigende Band in der Hauptsache das 
war, daß man die Berkehrsverhältnisse Berlins und der 
Vororte auS der Hand einer ErwerbSgesellschaft nehme, 
dies ist in soweit auch ganz richtig. Ob nun aber dies 
auch in der Zukunft ausreichen wird, ein einigendes Band 
zu bilden, müsse dahingestellt werden. Es ist für eine 
Erwerbsgesellschaft leichter, als für ca. 15 Gemeinden 
einen derartigen Betrieb aufrecht zu halten. Aber er ist 
auch der Meinung, daß wir den gleichen Standpunkt ein 
nehmen, wie die Versammlung, es würde hier einmal 
Klarheit geschaffen werden über die grundsätzlichen Dinge, 
welcher Rechtsboden besteht usw. Viele Gemeinden kennen 
ihre Verträge nicht einmal, man benutzt wohl hin und 
wieder einmal einige Paragraphen daraus, sonst aber sind 
sie meistens unbekannt. Es werden sich interessante Dinge 
ergeben, die Gesellschaft hat mit jeder Gemeinde extra 
Verträge geschlossen und läuft ein Vertrag dann, der anderen 
wieder dann ab, so daß ein großer Wirrwarr entstehen 
wird. Aber er hält den Gedanken ebenfalls für den richtigen, 
daß man Leute hinschickt, die die Sache einmal untersuchen, 
und man versucht, dre Gesellschaft die Verwaltung aus den 
Händen zu nehmen. — HerrG.-V. Schremmer bedauert, daß 
der Magistrat Berlins s. Zt. nicht schärfer vorgegangen 
sei. Er mußte darauf dringen, daß die Große Berliner 
nicht mit den einzelnen Gemeinden extra verhandelte. 
Jetzt wird es heißen, die Vororte haben Schuld. Herr 
Schöffe Draeger bestätigt, daß auch diese Frage erörtert 
wurde und man der Meinung war, daß mit dem Jahre 
1919 auch alle übrigen Konzessionen erlöschen. Auch alle 
neueren Berliner Bahnen sind nicht länger konzessioniert. 
Der Herr Bürgermeister bittet, da ja vorläufig doch 
weiter nichts passiren könne, man dem Beschlusse der Ver 
sammlung der Vertreter der Gemeinden zustimme, Es 
wird dann auch dem Antrage gemäß beschlossen. 
ES wurde dann die 2. Lesung der Schaffung neuer 
Stellen zum neuen Etatsjahr vorgenommen. Hier be 
merkt der Herr Bürgermeister, ob man auch jetzt die 
s. Zt. zurückgestellte technische Assistentenstelle für daS Tief 
baubüro, für welche der Techniker Görlitz vorgesehen war, 
beschließen wolle. Herr G.-V. Schremmer meint, man 
statte das Bauamt miss zu viel Beamten aus, man solle 
doch erst warten, bis der Baumeister angestellt sei und 
dann erst an die Zusammenstellung des Bauamts gehen. 
Herr G.-V. Kunow bemerkt, daß doch dieser Herr für 
den Tiefbau Verwendung finden soll und das neu zu 
bildende Bauamt doch ein Hochbauamt sei. Herr G.-V. 
S chremmer bestreitet, daß man ein Hochbauamt beschlossen 
hätte, es sei nur ein Bauamt beschlossen worden. Herr 
G.-B. Hendrich steht dem Standtpunkte des Herrn G.-V. 
Schremmer entgegen und hält die Besetzung der Stelle für 
nötig. Der Herr Bürgermeister hält ebenfalls diese 
Stelle für eine dauernde, die schon jetzt besetzt sei, also 
doch ganz gut zur Assistentenstclle erhoben werden könne. 
Da diese Frage schließlich zur Personalfrage wird, beschließt 
man diese Angelegenheit in geheimer Sitzung zu beraten. 
— Die Besetzung der übrigen Stellen wurde alsdann 
beschlossen. 
Herr G.-V. Uhlenbrosck brachte alsdann als Dring 
lichkeitsantrag ein, für die Krieger in Südwest-Afrika 
eine Weihnachtsspende von 500 M. zu bewilligen. 
Die Dringlichkeit wird anerkannt. Herr G.-V. Uhlen 
brock begründet seinen Antrag damit, daß wir, wo wir 
jetzt vor dem Weihnachtsfest stehen, auch der Leute ge 
denken, die in Not und Gefahren in Afrika im Felde 
stehen. Herr G.-V. Schultz erkennt sehr die Berechtigung 
Frau Krance zögerte mit ihrer Antwort. Ihre kleinen, 
vogelähnlichen Augen schienen jeden Zug von Rivingtons 
Gesicht zu studieren, und vor ihrem durchdringenden Blicke 
zitternd, fürchtete er. daß etwas an seiner Verkleidung nicht 
in Ordnung war. Aber er bestaub die Prüfung, und sie ließ 
ihn eintreten. 
»Ja Dr. Barrables, die Ziinmer sind vollständig bereit. 
Ich bin sicher, daß Sie alles nach Belieben finde» werden," sagte 
sie rasch, als sie die Tür des Zimmers öffnete, das dem 
jenigen, in welchem der Oberst saß. gegenüberlag. 
„Ich mußte nur eine Veränderung an den von Ihnen 
gcwünlchten Einrichtungen treffen; ich 'kann Sie unmöglich 
beide in demselben Schlafzimmer einquartieren." 
„Aber das war der wesentliche Teil der Abmachung, 
Frau Krance," sagte Herzog in unzufriedenem Tone. 
„Ich kann nichts dafür mein Herr," erwiderte die Hans- 
frau. Das Dorf ist so überfüllt und es ist eine solche Nnch- 
frage um gemietete Ertrabeltstellcn geivesen, daß ich niir keine 
zwei kleinen verschaffen konnte, die statt des großen Bettes 
in das von Ihnen gewählte Schlafzimmer hineingegangen 
wären; und für die einzige andere Bettstelle, welche ich habe, 
die ebenfalls sehr groß ist, wäre absolut kein Raum. Herr 
Martin wird das Zimmer neben Ihnen bewohnen müssen, 
außer Sie ziehen es vor, sich anderswo umzusehen, obwohl 
ich nicht glaube, daß im Orte freie Wohnungen sind." 
„Hat das Zimmer, welches Sie für Herrn Martin vor 
schlagen, denselben Ausblick ivie das meine?" sagte Herma 
nach einer Pause. 
„Genau denselben, mein Herr; es geht auf unseren kleinen 
Garten, über den hinweg man auf das Grundstück von Ard- 
more sieht und einen kleinen Ausblick auf das Meer genießt' 
war die Antwort. 
dieser Spende an, fragt aber, ob die Gemeinde ein Recht, 
hätte, eine derartige Spende zu bewilligen. Herr G.-V. 
Hendrich bemerkt, das 1870 ebenfalls die einzelnen Ge 
meinden Spenden bewilligt hätten. Der Herr Bürger 
meister erkennt die Gemeindevertretung ebenfalls als 
berechtigt, dies beschließen zu können. Er habe auch 
für diese Krieger etwas übrig, da diesen Truppen insbe 
sondere nicht die Anerkennung zu teil werde, wie sie ei 
verdient haben. Es ist für jeden Bürger eine Beruhigung, 
wenn wir hier etwas bewilligen. Es kommt zwar den 
Einzelnen wenig zu gute davon, aber schon der Gedanke, 
daß etwas gegeben wurde, ist ehrend. Herr G.-V. 
Hendrich gibt noch an, daß auch Friedenauer Kinder mit 
in Afrika sind. Herr G.-V. Schremmer hätte gewünscht, 
daß der Antragsteller Fühlung zuvor mit einigen Herren 
genommen härte, der Antrag komme jetzt so plötzlich, daß 
er wohl manchem sonderbar vorkommt. Er erkennt aber 
ebenfalls diese Spende an, und wird Friedenau wohl der 
erste Vorort Berlins sein, der eine derartige Spende gibt. 
Auch Herr G.-V. Homuth schließt sich dem an. Herr 
G.-V. Matthies frägt an, wie man sich die Verwendung 
der Spende denke. Herr G.-V. Schremmer hält es nur 
für vorteilhaft, wenn der Beitrag der Kolonial-Gesellschaft 
überwiesen werde, die ihn dann bei einer dortigen Bank 
anweist, damit keine Portokosten rc. entstehen. In zwei 
Lesungen wird alsdann diese Spende von 500 M, ein 
stimmig genehmigt. — Schluß der öffentlichen Sitzung 
7.10 Uhr. 
Allgemeines. 
0 Die erste Beratung des KreisabgabengesctzeS 
findet Morgen im Abgeordnetenhause statt. Der Entwurf 
wird an eine Kommission überwiesen werden. 
Lokales. 
f Offener Handelstag für 31. Dezember nicht 
genehmigt. Wie unS von amtlicher Seite mitgeteilt 
wird, ist, um dem Wunsche der hiesigen Gewerbetreibenden 
entgegen zu kommen, bei der Aufsichtsbehörde der Versuch 
gemacht worden, an Stelle des 10. Dezember für den 31. 
Dezember eine Verlängerung der Geschäftszeit für sämt 
liche Geschäftszweige bis 7 Uhr zu erwirken. Dieser An 
trag ist jedoch mit der Begründung abgelehnt worden, daß 
von der durch den Kgl. Polizei-Präsidenten zu Berlin 
getroffenen Festsetzung der verlängerten Geschäftszeit zu 
Gunsten einer Gemeinde nicht abgewichen werden kann. 
— Im amtlichen Teil dieser Zeitung finden unsere Leser 
eine Bekanntmachung über das Offenhalten der Geschäfte 
an den Sonntagen vor Weihnachten. 
P Die neue Südring-Station zwischen den Bahn 
höfen Schmargendorf und Halensee, von deren Ge- 
nehmigung durch den Eisenbahnbahn-Minister ein Bericht 
erstatter zu melden mußte, liegt, wie uns vou unter 
richteter Seite mitgeteilt wird, noch weit im Felde. Ein 
Blick auf die Karte lehrt, daß die genannten Stationen 
fast doppelt so weil von einander entfernt liegen, wie die 
Nachbar-Stationen, z. B. Wilmersdorf und Ebersstraße 
und daß daher sehr wohl, etwa am Berliner Platze (Hohen- 
zollern-Damm) eine neue Station zwischen Schmargendorf 
und Halensee eingeschaltet werden könnte. Dieser schon 
vor Jahren einmal ventilierte Plan scheiterte aber daran, 
daß die interessierten Gemeinden Schmargendorf und Wil 
mersdorf, zu den Kosten der geplanten Haltestelle nichts 
beizusteuern vermochten. Neuerdings scheinen sich die 
finanziellen Verhältnisse derselben gebessert zu haben, denn 
e§ schweben tatsächlich Verhandlungen, welche die Anlage 
einer Südringstation am Hohenzollern-Damm bezwecken; 
zu einem positiven Ergebnisse haben dieselben aber bisher 
nicht geführt. 
f Klebepflicht. Nach einem Bescheide des Berliner 
Magistrats, Abteilung für Invalidenversicherung, sind auch 
Erzieherinnen, Stützen der Hausfrauen selbst dann ver 
sicherungspflichtig, wenn sie kein Gehalt beziehen, sondern 
nur freien Unterhalt und Gratifikation in Gestalt von 
Geschenken zu Weihnachten, Geburtstagen rc. erhalten. 
f Die Banarbeiten am Bahnhof Gruuewald 
führt ein Vorortsblatt darauf zurück, daß die Absicht be 
stehe die genannte Station mehr nach Südwesten, in den 
Grunewald hinein, zu verlegen und stellt damit den 
Grunewaldbesuchern die Abkürzung des Weges nach Pauls 
born und Hundekehle in Aussicht. Wie wir an zuständiger 
Stelle erfahren, ist eine „Verlegung" des Bahnhofs Grune 
wald nicht beabsichtigt; es wird dort nur ein „Abstell- 
Bahnhof" erbaut, also eine Verlängerung der Gleisan- 
„Run gut, wir mülsen uns damit abfinde::." sagte Herzog 
mit augenscheinlichem Widerwillen. „Sie können uns einen 
kleinen Imbiß heraufschicken, und dann werden wir wahr 
scheinlich spazieren gehen." 
Sobald sie allein im Zimmer waren, kam Herzog auf 
Rivington zu und seine Hände auf seine Schultern legend, sah 
er ihm voll in die Augen. 
„Ich glaube nicht, daß Sie so töricht sind, einen Vorteil 
aus dem Mißgriff bezüglich der Zimmer zu ziehen, mein 
Freund: aber ivenn Sie ivirklich etwas dergleichen planen, 
so vergessen Sie nicht, daß, wenn Sic damit Erfolg haben, mir 
heimlich zu entwischen, Ihr nächster Erfolg darin bestünde 
— aufgehängt zu werden." sagte er sanft. 
„Weshalb spielen Sie beständig darauf an?" erwiderte 
Rivington, „so lange mein Schlafzimmerfenster in Schußweite 
des -.'trdmore-Terrains sind, haben Sie keinen Grund, zu 
brummen. Ich spiele um einen höheren Einsatz als Sie, 
das missen Sie ja." 
Er schien zufrieden zu sein und schlug vor. die Stiege 
hinaufzugehen und das neue Arrangement in Augenschein 
zu nehmen, das so unerwartet seine Absicht durchkreuzt hatte. 
Nachdem er einen Blick in das Zimmer getan hatte, das 
ursprünglich zu ihrem beiderseitigen Gebrauch ausersehen ge 
wesen, trat er in das nächste, ein etwas kleineres, das nicht 
so gut eingerichtet war. 
Es war hauptsächlich das Fenster, das ihn interessierte 
und Rivington nicht weniger; denn unmittelbar darunter be 
fand sich der schmale Hintergarten des Hauses, in dem sie waren, 
und jenseits desselben, durch eine Hecke getrennt, war ein 
reizender Ausblick auf wohlgepslcgte Wiesen und Gesträuche, 
und ein großes modernes Landhaus schimmerte zwischen den 
Bäumen hervor. Rivington war entschlossen, Herzog dies- 
mal zuvorzukommen. (Fortsetzung folgt.) 
lagen vorgenommen, die dazu dienen sollen, die zahlreichen 
Züge aufzustellen und umzurangieren usw. Natürlich wird 
dabei der durch die neue Bahnhofsanlage abgeschnittene 
nach dem Teufelssee führende Weg eine neue Unterführung 
erhalten müssen. 
f Staust zeitig ein nnd kauft möglichst am 
Platze, möchte man laut ausrufen. Je eher man an die 
Besorgungen für das Fest geht, um so größer-ist überall 
die Auswahl, und sollte man wirklich etwas nicht so 
finden, wie man es sich gedacht hat, so kann man Be 
stellungen aufgeben oder anderweitig darnach suchen. Die 
Hauptsache aber ist, daß man Ruhe genug hat, um 
langsam, nach und nach einzukaufen und deshalb mit viel 
mehr Muße ans Werk gehen kann, als wenn man das 
Einkäufen bis auf die letzten Tage verschiebt, wo man oft, 
um nur überhaupt noch fertig zu werden, irgend einen 
Gegenstand nimmt, der vielleicht seinen! Zweck, Freude 
bereiten zu sollen, garnicht entspricht. Ein Unrecht gegen 
die heimische Industrie ist eS, alles von anderen Städten 
zu beziehen. Jeder Kaufmann will leben und gerade die 
große Mühe und Arbeit, die sich auch der kleine Mann 
gibt, seine Kunden zu befriedigen, verdient Anerkennung. 
Man hat zudem noch den Vorteil, selbst auswählen zu 
können, während man bei auswärtigen Bestellungen oft 
enttäuscht werden kann. 
P Hohenzoller«-Theater. Am Dienstag, den 
12. Dezember, Nachmittags 4 Uhr, veranstaltet Direktor 
Behle auf allgemeinen Wunsch eine große Weihnachts- 
kinderoorstellung, und zwar zu ganz kleinen Preisen. 
(Sperrsitz 60 Pf.. 2. Platz 30 Pf.) Zur Aufführung wird 
das reizende Weihnachtsmärchen „Dornröschen" gelangen. 
Um den Kindern eine ganz besondere Freude zu bereiten, 
schließt sich an diese Aufführung noch eine große Gratis 
verlosung an mit vielen prächtigen Gewinnen. Wir 
empfehlen den Eltern, mit ihren Kindern diese Vorstellung 
zu besuchen. Erwachsene zahlen auch nur dieselben 
kleinen Preise. Abends 8 Uhr findet eine hochinteressante 
Premiere statt. Es wird nämlich daS neue Lustspiel 
„Das Verlobungsbad" zum ersten Male zur Aufführung 
gelangen, dessen Verfasserin die in der Berliner Gesellschaft 
bestbekannte Frau Oberstleutnant Riesen ist. Die Ver 
fasserin hat bereits mit anderen Werken auf vielen 
deutschen Bühnen schöne Erfolge erzielt, und soll ihr 
neues Lustspiel „Das Verlobungsbad" eine ganz besonders 
humorvolle Handlung, verbunden mit einer hervorragend 
vortrefflichen Charakteristik der einzelnen Personen haben. 
Es wird also eine regelrechte Premiere am Dienstag sein, 
jedoch kann die Verfasserin von vornherein auf einen 
großen Erfolg des Stückes rechnen, denn die vortrefflichen 
Künstler und Künstlerinnen deS Behle'schen Ensembles 
werden jedenfalls ihre volle Kraft einsetzen, um dem 
Stücke zu einem vollen Siege zu verhelfen. Man versehe 
sich rechtzeitig zu dieser Aufführung mit Billetts, da an 
diesem Tage ein ganz besonders großer Andrang 
herrschen wird. 
f Nette Befcheerung. Während dieser Tage die 
Frau eines jungverheirateten Ehepaares, in der Menzel 
straße wohnhaft, im Wochenbett lag, erschien in der Woh 
nung eine Dame, die einen 5 Wochen alten Kn«ben 
niederlegte und schnell verschwand. Beigelegt war ein 
Zettel mit der Aufschrift, daß der Junge nur mit Hafer 
grütze zu ernähren sei. Die betr. Dame hatte wohl schon 
früher von der Verheiratung ihres ehemaligen Geliebten 
erfahren und ihm aber absichtlich zu dieser unpassenden 
Gelegenheit den Streich aus Rache gespielt. Das zu 
gebrachte Kind wurde dem Waisenhaus überwiesen. 
t Polizeibericht. Als zugelaufen ist hier ge 
meldet worden: 1 Teckel. Der rechtmäßige Eigentümer 
wird aufgefordert, seine Ansprüche binnen 3 Monaten 
im hiesigen Amtsbüro, Feurigstraße 8, Zimmer Nr. 26, 
geltend zu machen, widrigenfalls anderweit verfügt 
werden wird. 
Schöneöerg. 
— Für die Ausschmückung deS Barbarossa» 
Platzes im Westgelände von Schöneberg hat man die Er 
richtung eines — Denkmals in Vorschlag gebracht. Hoffent 
lich bleibt es bei diesem einen Denkmal; es wäre besser 
gewesen, den Barbarossaplatz mit Bäumen und Blumen 
zu schmücken. 
Werlin und Wororte. 
8 Der Bund Deutscher Bodenroformer hat an 
das Abgeordnetenhaus folgende Petition gesandt: Die 
Unterzeichneten bitten das Hohe Haus der Abgeordneten 
ergebenst unter Bezugnahme auf tz 16 des Gesetzes, betr. 
die Herstellung und den Ausbau von Wasserstraßen noch 
in dieser Session diejenigen Schritte zu unternehmen, 
welche geeignet sind, das an die neu zu erbauenden 
Kanäle angrenzende Land vor verteuernder Spekulation zu 
schützen, damit für die deutsche Arbeit hier billige und 
gesunde Wohn- und Werkstätten möglich werden. Die 
Petition wird wie folgt begründet: Es ist eine bekannte 
Tatsache, daß an den Ulern ueuerbanter Kanäle die 
Grund- und Bodenpreise ganz bedeutende Werterhöhungen 
aufweisen, wodurch nicht nur die Anlage neuer industrieller 
Unternehmungen sehr erschwert wird, sondern auch der 
Bau von Wohnstätten, deren erste Vorbedingung billiges 
Land ist. So ist bei Brunsbüttelkoog (Kaiser Wilhelm 
kanal) der Hektar von 4000 auf 80—120000 Mark 
gestiegen, am Teltowkanal von 12 000 auf 30—60000 M. 
bei Rudow, von 7500—12000 auf 30—40000 M. bei 
Teltow, von 5000—10000 auf 20—40000 M. bei 
Klein-Machnow, von 16 700 auf 100 000 M. bei Wannsee, 
Stolp, Kohlhasenbrück. Es liegt klar auf der Hand, daß 
der Vorteil dieser großen Kulturarbeit, die der Kanalbau 
vorstelle, für die deutsche Arbeit fast völlig verloren gehr, 
wenn die Ufergelände in die Hände von Bodenspekulanten 
fallen, die sich alle Vorteile der Verkehrserleichterung von 
werktätigen Ansiedlern in erhöhten Bodenpreisen bezahlen 
lassen. Die Regierung darf die Kanalgebiete nicht der 
Privatspekulation ausliefern, sondern diese im wohl 
verstandenen öffentlichen Interesse enteignen, damit »sie in 
der Lage sei, für gewerbliche Zwecke sowie für Wohn-
        
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