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Periodical volume Nr. 287, 07.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Kreischaussee bis ^ur Grenze mit der Kummersdorfer Forst 
in der Richtung auf die Försterei Fern Neuendorf und 
von dieser bis zur Grenze mit dem Kreis Jüterbog- 
Luckenwalde in der Richtung auf Neuhof. 8. Borlage, 
betreffend die Erwerbung eines Grundstückes zur Ver 
größerung des Kreis-KrankenhauseS in Britz. 9. Vorlage, 
betreffend I. Mehrkosten für den Grunderwecb zum Bau 
deS Teltowkanals; II. Kosten für den Ankauf am Kanal 
adjazierender Grundstücke; III. Kosten für Betriebs 
einrichtungen und Betriebsmittel für den Teltowkanal. 
10. Vorlage, betreffend die Erweiterung der elektrischen 
Anlagen am Teltowkanal. 11. Vorlage. belassend die 
Erweiterung der vom Kreise betriebenen Personenschiffahrt. 
12. Vorlage, betreffend den Erwerb der Siemens und 
Halske'schen Bahnen durch den Kreis. 13. Vorlage, betr. 
die Errichtung einer Stiftung zur silbernen Hochzeilsfeier 
der Majestäten. 14. Vorlage, betr. die Annahme einer 
Schenkung. 15. Feststellung deS von dem Kreisausschuffe 
entwvlfenen Voranschlages der Berwaltungskosten der 
Sparkasse des Kreises Teltow für das Kalenderjahr 1906. 
16. Die Rechnungen: a) der Kreiskommunalkaffe für das 
Jahr 1904, b) der Sparkasse des Kreises Teltow für das 
Kalenderjahr 1904, e) der Schweineverstcherungskaffe für 
1904 und ä) der Krankenversichernngskaffe für Dienst 
boten im Kreise Teltow für das Kalenderjahr 1904. 
f Die Beerdigung des so plötzlich durch eine so 
traurige Veranlassung aus dem Leben geschiedenen Herrn 
Gastwirt Carl Faßmann fand gestern Nachmittag auf dem 
Schöneberger Kirchhof an der Maxstr. statt. Zahlreich 
war die Beteiligung seitens des Gastwirtsvereins, wie 
auch des Bezirksvereins Südwest, und wie große Verehrung 
allseits dem Verstorbenen entgegengebracht wurde, davon 
zeugte auch die große Anzahl befreundeter Leidtragender. 
Herr Pastor lie- Dr. Becker hielt die Gedächtnisrede, in 
der er den lauteren Charakter des Entschlafenen pries, 
der sich in vielen Herzen ein dauerndes Denkmal gesetzt 
habe. Mit stiller Verehrung werden wohl viele an den 
Mann zurückdenken, der jeden ein lieber Freund mar, für 
Arme aber gern eine offene Hand hatte. Er ruhe in 
Frieden I 
-s Ein schwieriges Problem. In den Genehmi 
gungsurkunden der elektrischen Straßenbahn haben sich die 
Aufsichtsbehörden bekanntlich vorbehalten, die Anbringung 
von Geschwindigkeitsmeffern zu verlangen und solche 
sollen ja auch an allen sonstigen Motorfahrzeugen ange 
bracht werden. Leider ist es bisher nicht gelungen, der 
artige Instrumente zu konstruieren, welche allen Anforderun 
gen gerecht werden. Die Preisausschreiben, welche die 
Große Berliner Straßenbahn und andere Gesellschaften 
erlassen hatten, lieferten kein einwandfreies Ergebnis. Jetzt 
meldet die Zeitung des Vereins der Eisenb.-Berw., daß 
eine Firma in Ludwigshafen a. Rh. Geschwindigkeitsmesser 
herstellen laffe, von denen schon 90 Stück an Lokomotiven 
der preußischen Staatsbahn-Verwaltung erprobt würden^ 
auch bei der Marine habe der Apparat schon Eingang gefun 
den, nachdem eine Hamburger Werft ihn nach mehrjährigen 
Versuchen für brauchbar erklärt hat. Die Arbeitsweise 
des Frahmschen Messers beruht, um es kurz zu erwähnen, 
auf der Resonanz, d. h. die Eigenschaft elastischer Körper, 
stark in Schwingungen zu geraten, wenn von sie außen her 
regelmäßige Anstöße empfangen, deren Schwingungszahl in 
der Zeiteinheit mit ihrer Eigen-Schwingung zusammenfällt. 
Die Schwingungen werden an der Radachse oder Schiffs 
schraube durch einen Weselstromerzeuger auf verschiedene 
keine Stahlfidern übertragen. Ein an der Federbrücke 
angebrachter Anker gerät nun bei der Umdrehung zu einem 
im Stromkreise angeordneten Magneten in regelmäßige, 
der jeweiligen Frequenz des Wechselstromes entsprechende 
Schingungen und beeinflußt zugleich die korrespondierende 
Feder, zwischen denen eine Skala das Ablesen der Ge 
schwindigkeit ermöglicht. Die Frequenz der Federn soll 
sich selbst bei jahrelangem Gebrauch des Instruments nicht 
ändern, so daß die Skala durchaus kontakr bleibt und ein 
Falschanzeigen auch bei langem Gebrauch ausgeschlossen 
erscheint. 
| ES geht auf Weihnachten! Je näher das 
Christfest heranrückt, umsomehr gibt es noch zu tun, damit 
dasselbe würdig gefeiert werden kann. Lange vorher 
schon beginnt deshalb der einsichtige Mann, die verständige 
Frau mit den eigentlichen Weihnachtsvorbereitungen. Wer 
seine Lieben durch selbstgefertigte Arbeiten erfreuen will, 
der benutzt die Wochen vorher zum Anfertigen der Brenn-, 
Mal- oder Handarbeiten, nimmt sich jeden Tag ein 
Stündchen Zeit dazu und wird so in aller Ruhe bald 
fertig. Auch das Einkäufen will vorher gründlich überlegt 
.Ich danke Ihnen, obwohl es kaum notwendig gewesen 
wäre. Können Sie mir jetzt vielleicht Ihre Zeitung geben?" 
Der Gefragte suchte in den Taschen seines Reisemantels, 
dann zuckte er bedauernd die Achseln. 
„Ich muß sie im Eisenbahnzug vergessen haben. Darf 
ich fragen, was Sie so besonders interessiert? Ist es noch 
immer dieser entsprungene Mörder, mit dem sich Ihre Ge 
danken beschäftigen?" 
Rivington glaubte seinen Ohren nicht trauen zu dürfen, 
als er die junge Dame erwidern hörte: 
„Gewiß, ich denke sehr viel an ihn. Eine meiner liebsten 
Freundinnen, die ihn persönlich kennt, ist so fest von Haupt 
mann Rivingtons Unschuld überzeugt, daß auch ich, der er 
fremd ist, eine lebhafte Teilnahme für ihn empfinde." 
Die Augenbrauen des jungen Mannes zogen sich finster 
zusammen, und in gereiztem Tone erwiderte er: 
„Ihr Interesse wendet sich in diesem Falle einem sehr- 
unwürdigen Gegenstard zu. Unser Gerichtsverfahren ist nieot 
mehr von der Art, daß ein Unschuldiger Gefahr läuft, ver 
urteilt zu werden. Man wird diesen Burschen innerhalb 
weniger Tage erwischt haben und wird ihn aufhängen, wie 
er's durch seine Schändlichkeit zehnfach verdient hat." 
Das Thema der Unterhaltung schien ihm nicht angenehm 
zu sein, denn noch ehe Lady Muriel ihm antworten konnte, 
machte er sie hastig auf einen vorüberfahrenden Dampfer auf 
merksam, der ein Transportschiff zu sein schien. 
Man befand sich eben in deni engsten Teil des Solcnt, 
da, wo die lange, seegrasbewachsene Landzunge bei Hurst Castle 
endet und wo die eingeschlossene Strömung wie ein Mühl 
gerinne wirbelt. 
Das Mädchen hatte sich auf die Bemerkung ihres Begleiters 
sein. Am ratsamsten ist es, man notiert sich die Namen 
aller derjenigen Personen, denen man etwüs schenken will 
und muß und schreibt daneben zur Auswahl einige 
Gegenstände, die für den betreffenden in Betracht kommen 
können. Mit diesem Zettel bewaffnet, begibt man sich in 
die Stadt und mustert die Läden. Da erblickt man schon 
ein reizendes Tee-Service für die Nichte und gar schnell - 
ist der Kauf abgeschloffen: dort lacht uns eine allerliebste 
Puppe, bestimmt, das Töchterchen eineS Freundes zu 
beglücken, aus dem Schaufenster an, und auch sie wird 
unserem Vorrat an Geschenken einverleibt. Auch für den 
Zeitungsjungen, das Milchmädchen, die Waschfrau usw. 
sinder man so etwas Paffendes. Nun heißt es aber, all 
die Überraschungen gut aufbewahren, damit niemand vor 
dem heiligen Abend etwas davon zu sehen bekommt. Das 
ist freilich oft nicht leicht, zumal die Neugierde gerade in 
den Wochen vor dem Feste bei allen Hausbewohnern 
besonders groß ist. Wer die Sachen einschließen kann und 
dann den Schlüssel gut verwahrt, der ist am besten daran. 
Sieht man wirklich einmal etwas, wovon man annehmen 
darf, es unter dem Tannenbaum erst kennen lernen zu 
sollen, so rut man als taktvoller Mensch, der niemandem 
die Freuden verderben will, so, als wäre man blind. 
Seidene Fädchen, kleine Reste von Spitzen usw. bleiben in 
der Eile, wenn ihre Verarbeiterin plötzlich abgerufen wird, 
häufig liegen; noch schlimmer aber ist es. wenn ganze 
Sachen und fertige Dinge umherliegen; jedoch das kann 
jeder durch einige Aufmerksamkeit vermeiden. 
f Die Terraiugescllfchaft Berlin-Düdwesten 
mit dem Sitze zu Berlin, deren Grundbesitz teilweise in 
Friedenau liegt und fast den ganzen Rheingau auf 
Wilmersdorfer Gebiet umfaßt, hat durch Beschluß der 
Generalversammlung vom 25. November 1905 das Grund 
kapital um 6 200 000 Mk. auf jetzt 12 400 000 Mk. erhöht. 
Ferner die in derselben Generalversammlung weiter be 
schlossene Änderung der Satzung. Hierdurch ist bestimmt: 
Der sich ergebende Reingewinn fließt in den Reservefonds: 
sobald dieser die Höhe von 10 Prozent des Aktienkapitals 
erreicht hat, tritt die Auflösung der Gesellschaft ein. 
f Die Antonrobil-Dampfspritze der Schöne- 
bvrger Feuerwehr passierte heute wieder zu verschiedenen 
Malen unsern Ort. Jedenfalls handelt es sich noch immer 
um Probefahrten. Bemerken müssen wir hierzu noch, daß 
das Fahrtempo noch ein schnelleres sein müßte, da die 
mit Pferden bespannten Spritzen wohl sonst diesen an 
Schnelligkeit nicht nachstehen. 
f Das erste Restaurant auf dem bebauten Sport 
parkgelände wird sich in der Mitte der von der Handjery- 
straße zum Ringbahnhof führenden Straße befinden. 
„Kronprinzenkastno" wird sich das mit allem Komfort der 
Neuzeit ausgestattete Restaurant nach seiner Inbetrieb 
nahme benennen. Die Eröffnung soll am 1. September 
1906 erfolgen. 
-fi Die Gerneiudebearuten-VereiuigunA ver 
anstaltete gestern Abend im „Hohenzollern" ihren zweiten ; 
öffentlichen Vortragsabend, der, wie s. Zt. der erste, 
wieder deklamatorische und musikalische Vorträge brachte. , 
Die ausübenden Künstler waren der Hofschauspieler a. D. j 
und Rezitator Herr Matthias von Erdberg, die Sängerin 
Frl. Radziszewska, der Pianist Herr Werner und ein 
bisher unserer Bürgerschaft noch unbekannter Violinist 
Herr Leopold Ganz. Die dem außerordentlich zahlreich 
erschienenen Publikum gebotenen geistigen Genüsse waren 
von wirklich vornehmer und gediegener Art. Herr 
von Erdberg, wohl einer der besten deutschen Rezitatoren^, 
verstand es, durch die außerordentlich künstlerische Art 
seiner Vortragsweise die Zuhörer sowohl bei den tiefernsten 
wie bei den heiteren Dichtungen in vollstem Maße zu 
fesseln. Am größten erscheint er uns in seinen ernsten 
Vorträgen, wie in „Sulamitt", jenem ergreifenden Gedicht 
des Prinzen E. zu Schönaich-Carolath. Auch die anderen 
Künstler boten uns ganz ausgezeichnete Leistungen. 
Fräulein Radziszewska erfreute die Zuhörer durch ihre 
weiche, klangvolle Stimme und Herr Pianist Werner durch 
sein bereits allbekanntes hervorragendes Klavierspiel. Zu 
den besten musikalischen Nummern gehörten der „Zwie- 
gesang" von Bradsky und die „Cavatine" von Raff, 
ersterer vorgetragen von Frl. Radziszewska unter Be 
gleitung des Violinisten Herrn Ganz, und letztere von 
Herrn Ganz ausgeführt. Dieser noch junge Herr, der 
nebenbei erwähnt nicht Berufskünstler, sondern Volontär 
in unserer Gemeindeverwaltung ist, verfügt über ein 
bedeutendes Talent. — Auf Wunsch der zahlreichen Gäste 
des ersten Vortragsabends fand nach Erledigung deS 
Programms ein Tanzkränzchen statt, das die Teilnehmer 
b————gai 
bin umgewendet, um das mächtige Schiff zu betrachten, das 
sich in rascher Fahrt näherte. Dabei mußte sie eine unvor 
sichtige Bewegung gemacht haben, denn sie verlor das Gleich 
gewicht und fiel ins Meer. Eine ungeheure Verwirrung ent 
stand aus dem kleinen Schiff. Der Kapitän ließ die Maschine 
stoppen, und man lief nach einer Rettungsboje. Aber bei der 
Heftigkeit der Strömung wäre die aus solche Art gebotene 
Hilfe wahrscheinlich viel zu spät gekommen. Und die junge 
Dame wäre sicherlich verloren gewesen, wenn nicht ein todes 
mutiger 'Retter ihr nachgesprungen wäre, sich mit starken 
Armen durch die Wellen zu der Versinkenden hingearbeitet 
und sie gerade in dem Augenblick erfaßt hätte, da die eigene 
Kraft sie verließ. So lange hielt er sie und sich selbst über 
Wasser, bis ein Boot sie erreicht hatte und sie in Sicherheit 
brachte. Wenige Minuten später half man den beiden 
Gcrctten an Bord des Uebcrfahrtdampfers. Hauplmann 
Rivington — denn kein anderer war Lady Muriels Lebens 
retter gewesen — war durch die übermenschlichen Anstrengungen 
aufs Aeußerste erschöpft. Aber unter den Beniühungen Herzogs 
und einiger Stewards, die sich seiner sofort angenommen 
hatten, erholte er sich bald. Sobald er sah, daß sein Schütz 
ling feines Beistandes mehr bedurfte, schickte Herzog die bienst»j 
baren Geister aus der Kabine und wandte sich an Rivington.j 
„Sie hätten sich durch diesen unüberlegten Edelmut leicht; 
alles verderben können, mein Freund; hätten wir Ihren- 
falschen Bart nicht mit Federn, sondern mit einem Kleb- 
stoff befestigt, so würde man Sie vermutlich in einem sonder« ? 
bar verwandeltem Zustand aus dem Wasser gezogen haben. . 
Tanken Sie dem Himmel, daß alles so gut abgelaufen ist, und \ 
daß Sie, ohne es zu ahnen, uns der Erreichung unseres 
Zieles soqar um ein großes Stück näher gebracht haben." 
noch einige Stunden in gemütlicher Stimmung zusammen 
hielt. Mit diesen Vortragsabenden» die eigentlich vor 
läufig nur Versuche sein sollen, hat stch unsere Beamten- 
vereinigung unzweifelhaft schon jetzt den Verdienst 
erworben, der gesamten Bürgerschaft bei ganz geringem, 
die Unkosten deckenden Eintrittsgeld, etwas wirklich 
Genußreiches und Gediegenes, Herz und Gemüt Veredelndes 
zu bieten. * 
f Evangelischer Arbeiterverein fnr Friede 
nau und Umgegend. Nachdem in den letzten Wochen 
die nötigen Vorverhandlungen gepflogen waren, hat stch 
am Montag, den 4. Dezember im „Kaiser Wilhelmgarten" 
ein Evangelischer Arbeiterverein gebildet. Mit einer schon 
die 20 übersteigenden Milgliederzahl tritt der junge Verein 
ins Leben, zu den schönsten Hoffnungen berechtigend. — 
Niemand, der ein offenes Auge für die sittlichen und 
sozialen Nöte unserer Zeit hat und eine Besserung allein 
durch gewissenhafte Arbeit auf dem Boden des Christen 
tums und der bestehenden Staatsform erwartet, kann die 
Daseinsberechtigung, ja Notwendigkeit solcher Vereine be 
streiten. Will man nicht tatenlos zuschauen, wie die 
Arbeiterkreise immer mehr von der Sozialdemokratie er 
faßt und eingefangen werden, dann muß man ihnen die 
Möglichkeit eines Zusammenschlusses zur edlen Unter 
haltung, Belehrung und gegenseitigen Unterstützung auf 
evangelisch-christlicher Grundlage bieten. Das aber ist die 
Hauptaufgabe eines Evangelischen Arbeitervereins. Wer 
nach Aufklärung in den brennenden sozialen Fragen ver 
langt, soll sie hier finden, wer nach der sauren Arbeit 
Anregung und Unterhaltung wünscht, soll sie in den 
Vereinssitzungen haben, wer sich weiterzubilden wünscht in 
den weilen Gebieten der allgemeinen Bildung, soll die 
Gelegenheit dazu bekommen. Und wer in Rot gerät, soll 
der treuen Unterstützung mit Rat und Tat sicher sein. 
Der neue Verein steht nicht für stch alleine, er tritt in 
den großen Verband der Evangelischen Arbeitervereine in 
der Provinz Brandenburg ein, dessen Vorsitzender, Herr 
Pastor Niedlich-Sorau in der Versammlung anwesend war, 
und die Verhandlungen durch seine reiche Erfahrung aufs 
förderlichste unterstützte. Die Mitglieder nehmen teil an 
den Vorteilen, die dieser Verband gewährt. Zunächst ist 
eine Sterbekaffe von Bedeutung, welche gegen den geringen 
Beitrag von 20 Pf. monatlich nicht nur den Familien 
vater, sondern auch seine Ehefrau und sämtliche Kinder 
bis zum 18. Lebensjahre derart versichert, daß im Todes 
fall eine ansehnliche Beihilfe zu den Begräbniskosten ge 
zahlt wird. Andere Vergünstigungen werden voraussicht 
lich bald hinzukommen. — Der Verein als solcher bemüht 
sich, den Mitgliedern Preisermäßigungen beim Bezug von 
Brennmaterial und Lebensmitteln zu erwirken (wie es 
z. B. auch von Beamtenvereinen rc. geschieht). Einige er 
freuliche Erfolge nach dieser Richtung in Angebot und 
Nachfrage konnten in der Montagssitzung bereits ver 
zeichnet werden. Die Versammlung genehmigte mit 
geringen Änderungen die von dem geschäftsführenden Aus 
schuß vorbereiteten Statuten und wählte den aus 9 Mit 
gliedern bestehenden Vorstand die Herren Becker, Schlaffer, 
1. Vorsitzender, Goldbach. Grlbgießer, Niedlich, Kaufmann, 
Klette, Bureaudiener, Dr. Rothstein, Oberlehrer, Haber 
mann, Handelsmann, Strehler. Marmorschleifer, Kleine, 
Pastor, Schulze, Arbeiter; in der Mehrzahl, wie man sieht, 
Arbeiter, zur Unterstützung einige aus anderen Kreisen. 
Der Beitrag wurde auf monatlich 40 Pf. (darin sind die 
20 Pf. für die Sterbekasse eingeschlossen) festgesetzt. Am 
3. Januar wird zunächst eine steine Weihnachtsfeier ver 
anstaltet werden, an berauch die Familien der Mitglieder 
teilnehmen sollten, damit auch so der notwendige engere 
Zusammenschluß gefördert werde. Es ist kein Zweifel, daß 
in Friedenau und Umgegend eine große Zahl an Arbeitern 
und Handwerkern sich finden, die gern einem solchen Verein 
stch anschließen. Jeder unbescholtene evangelische Mann, 
der das 18. Lebensjahr zurückgelegt hat, ist herzlich will 
kommen. Möge jeder kommen, der Lust dazu hat, und 
sich überzeugen von dem, was der Verein will und treibt. 
Anmeldungen, auch schriftliche, werden vorläufig am besten 
an den Vorstand des Evangelischen Arbeitervereins von 
Friedenau und Umgegend gerichtet. Je größer der Verein 
wird, > um so besser kann er seine Aufgaben erfüllen, um 
so mehr Vorteile bietet er auch dem Einzelnen. 
f Friedenauer Steuographen-Verei» Stolze- 
Schrey. Monatliche Hauptversammlung am Sonnabend, 
den 9. Dezember, Abends 9 Uhr, im Restaurant „Piater", 
Rheinstraße 39. Tagesordnung: Aufnahme neuer Mit 
glieder. Teilnahme der Mitglieder am Stiftungsfeste. 
Allgemeines. 
Rivington sah ihn verständnislos an. 
„Ter Erreichung unseres Zieles?" fragte er. „Ich weiß 
nicht, was Sie damit meinen." 
„Die junge Dame, die Sie gerettet haben, ist Lady Muriel 
Craivshay, Lord Alphingtons Tochter. Sie werden mir 
zugeben, daß sich eine bessere Chance, unauffällig in die Nähe 
des Mannes zu gelangen, für Sie nicht wohl darbieten 
könnte." 
Heißer als je zuvor stieg der Zorn gegen diesen nichts- 
würdigen Menschen in Rivingtons Herzen auf. Und vielleicht 
würde es ihm in der Erregung, die noch in seinen Nerven 
nachzitterte, schwer geworden sein, seine wahre Gesinnung zu 
verbergen, wenn ihr Gespräch nicht durch das Erscheinen von 
Lady Muriels Kammerjungfer unterbrochen worden wäre. Sie 
kam, um im Aufträge ihrer jungen Herrin sich nach dem Be 
finden ihres Lebensretters zu erkundigen und ihm die Hoffnung 
aussprechen zu lassen, daß sie noch vor der Landung des 
Dampfers Gelegenheit finden würde, ihm persönlich zu danken. 
Diese Hoffnung aber ging nicht in Erfüllung, denn sobald 
die Landungsbrücke vom Schiff nach dem Quai hin angelegt 
worden war, zog Herzog seinen Schutzbefohlenen eilig ans 
Land. 
„Es wäre töricht gewesen, die Sache hier mitten im Ge 
dränge zu erledigen," meinte er. „Die Angelegenheit hätte 
damit ein vorzeitiges Ende finden können. Jetzt muß !pady 
Muriel oder ihr Later uns in unserer Wohnung aufsuchen 
lassen, und es wird sicherlich nicht an uns liegen, wenn die 
Bekanntschaft nicht gedeiht." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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