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Periodical volume Nr. 285, 05.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Wenn mir den Entwurf noch einmal rekapitulieren. I 
so sind die Kreise berechtigt, für Deckung ihrer Ausgaben 
nach Maßgabe der Bestimmungen Gebühren, Beiträge, 
indirekte und direkte Steuern zu erheben. Die Kreise 
dürfen von letzterer Befugnis insoweit Gebrauch machen, 
als die sonstigen Einnahmen aus dem KreiSvermögen rc. 
nicht ausreichen. Durch direkte Steuern darf nur der Be 
darf aufgebracht werden, welcher nach Abzug des Auf 
kommens der indirekten Steuern von dem gesamten Steuer- 
bedarfe verbleibt. Gewerbliche Unternehmungen der Kreise 
grundsätzlich sind so zu verwalten, daß durch die Einnahmen 
mindestens die gesamten, durch die Unernehmung den Kreise er 
wachsenden Ausgaben aufgebracht werden. Der Kreistag 
darf für die Berufung der vom Kreise unterhaltenen An 
lagen, Anstalten, Einrichtungen Gebühren erheben. Be 
hufs Deckung der Kosten für Herstellung und Unterhaltung 
solcher Veranstaltungen kann der Kreistag von denjenigen 
Gewerbetreibenden und Grundeigentümern, denen hierdurch 
wirtschaftliche Vorteile erwachsen, Kostenbeiträge verlangen. 
Indirekte Steuern können gelegt werden; 1. auf den Er 
werb von Grundflücken und von Rechten, für welche die 
auf Grundstücke bezüglichen Vorschriften gelten, 2. auf das 
Halten von Hunden. Die Einführung dieser Steuer be 
rührt nicht das Recht der Gemeinden zur Erhebung einer 
entsprechenden Steuer. Als Maßstab dient das Soll der 
Einkommensteuer und der vom Staate veranlagten Real 
steuer, einschließlich der Betriebssteuer. Die Realsteuern 
sind in der Regel mit dem gleichen Betrage desjenigen 
Prozentsatzes heranzuziehen, mit welchem die Einkommen 
steuer belastet wird. 
Betreffs der Provinzialabgaben werden analoge Be 
stimmungen getroffen. Das Gesetz soll am 1. April 1906 
in Kraft treten. Die Begründung sagt: Die Klage über 
das herrschende Kreisabgabenrecht soll der Entwurf be 
seitigen, die hauptsächlichen Mängel des bestehenden Steuer 
systems sollen fallen. Der Entwurf bildet das Ergebnis 
der von feiten der Staatsregierung zugesicherten Revision 
des KreissteuersystewS. Das Kreissteuerrecht wird auf 
dem System des Gemeindeabgabenrechts aufgebaut und 
damit dem Provinzialabgabenrecht die gleichen Grundlagen 
stchert. 
Allgemeines. — - 
[] Damit der Reifende „ruhig essen" könne, 
hat die „Deutsche Speisewagen-Gesellschaft" jetzt neue 
Wagen bestellt, welche von der bisherigen Bauart insofern 
abweichen, als sie anstelle der vierachstgen Untergestelle 
solche mit 6 Achsen erhalten. Durch diese Anordnung 
werden die Speisewagen wesentlich ruhiger laufen, was 
sich namentlich auf kurvenreichen Strecken angenehm 
für die Insassen bemerkbar machen wird. Der Wagen 
park der Gesellschaft besteht dann aus 50 Wagen, ein 
schließlich der bestellten, welche für die neu über 
nommenen Speisewagen-Betriebe auf den Strecken Berlin- 
Köln, Berlin—Danzig und Berlin—München bestimmt 
sind. Im letzten Geschäftsjahre zahlte die Gesellschaft an 
die Staatsbahn-Verwaltungen nahezu 128 000 M. Pacht, 
das sind 6,4 Proz. des Aktien-Kapitals. Der erzielte Roh- 
Überschuß für Speisen und Getränke bezifferte sich auf 
136 213 M. mehr als im Vorjahre, der Reingewinn auf 
485 331 Mark. Die Gesamtausgaben betrugen über 
eine Million. 
[1 Der Eisenbahnverkehr mit Rußland soll 
nach englischen Quellen miede- ins Stocken geraten, da 
angenommen wird, daß die Eisenbahner sich dem Aus 
stande der Post- und Telegraphen-Beamten neuerdings 
anschließen würden. An amtlicher Stelle war darüber bis 
gestern Abend nichts bekannt. Der Kgl. Eisenbahn- 
Direktion Berlin lag vielmehr nur eine telegraphische 
Nachricht vor, nach welcher nunmehr der Güterverkehr 
auch nach allen Stationen der Weichselbahnen, der Peters 
burg-Warschauer- und Moskau-Brester Bahn wieder auf 
genommen worden ist. Die K. K. Lagerhäuser in Triest, 
sowie die österreichische Südbahn übernehmen, wie des 
Weiteren hierher telegraphisch gemeldet wird, bis auf Wei 
teres keine Frachtstücke für Triest, Freihafen, ausgenommen 
Spiritus-Reservoir-wagen. 
~ Lokales. 
f Gemeiudevertreter-Wahl. Bei der gestern 
Abend im „Rheinschloß" stattgehabten Ersatzwahl an Stelle 
ein recht interessantes, wenn auch keineswegs sympathisches 
Gesicht sei. Die Nase war breit und fleischig, und die Wangen 
zeigten jene blühende Fülle, wie man sie gewöhnlich bei 
jovialen, gutmütigen Menschen findet. Tie dünnen geraden 
Lippen aber sprachen von Harte und eiserner Energie, lind 
die grauen Augen blickte», als sie zufällig einmal von der 
Zeitung ausschanren, kalt wie Stahl. 
Die Reise nach Southampton war bald zurückgelegt, 
und Rivingtons Reisegefährte, der unterwegs nicht ein 
einziges Wort mit ihm gewechselt hatte, verschwand alsbald 
in der Menschenmenge auf dem Bahn steig. Der Flüchtling 
wagte nicht, einen Wagen zu nehmen oder in der Nähe des 
Bahnhofes sich nach dem Ziel seines Weges zu erkundigen. 
Erst nachdem er auf's Geratewohl durch eine Reihe von 
Straßen gegangen war, faßte er sich das Herz, einen Vor 
übergehenden nach der Backivater-Street zu fragen. Glück 
licherweise war sie nicht sehr weil entfernt, und der „Pilot" 
machte sich durch sein ■ erleuchtetes Aushängeschild leicht 
kenntlich. 
Das Hotel schien zu jener Gattung zu gehören, die von 
untergeordneten Offizieren der Handelsmarine frequentiert 
wird. Die schmutzige Halle war mangelhaft erhellt, und auf 
der einen Seite befand sich ein Ladentisch, der zugleich als 
Schank und als Bureau diente. Ein ältliches Frauenzimnier, 
das eben damit beschäftigt war, der etwas lebhaften Ausein 
andersetzung zwischen zwei Matrosen zu lauschen, beantwortete 
ziemlich zerstreut die Frage des Neuangekommenen. 
„Herr Herzog? Ja, er ist hier. Seit einer halben 
Stunde. Wenn Sie Herr Tennant sind, so gehen Sie eine 
Treppe hoch und klopfen Sie an die zweite Tür links. Sie 
werden erwartet." 
„Ist eine Dame in seiner Gesellschaft?" fragte Rivington, 
^-nn er hegte noch immer die vermessene Hoffnung, daß Janet 
"ie an seiner Flucht beteiligt sei. Aber ein verdrieß- 
"chütteln der alten Person zerstörte seine Illusion, 
oem Herzen stieg er, ihrer Anweisung folgend, in 
Stockwerk empor. 
des zum Schöffen gewählten Herrn Apotheker Dadöe 
wurde Herr Rentier Fritz Gerken zum Gemeindever- 
ordneten gewählt. Es wurden 29 Stimmen abgegeben, 
die sämtlich auf den Gewählten entfielen. 
-s VolkSzähluugSergebuiS Nach dem vorläufigen 
Ergebnis der Volkszählung betrug die Einwohnerzahl 
Friedenaus am 1. Dezember 1905 7736 männliche und 
10 291 weibliche, zusammen 18 027 Personen. Am 
1. Dezember 1900 wurden festgestellt 4733 männliche und 
6429 weibliche, zusammen 11 162 Personen. Mithin hat 
Friedenau in den letzten 5 Jahren eine Zunahme von 
6865 Personen oder etwa 61 Prozent zu verzeichnen. Im 
Jahre 1895 ergab die Volkszählung 7852 Bewohner, 
1890 = 4211, 1885 = 2137, 1880 --- 1302 und 1875 
-- 1104. 
+ Sprechstunde« in baupolizeilichen Angelegen 
heiten sind biS auf weiteres wie folgt festgesetzt: 1. Herr 
Regierungsbaumeisler Kriesmann täglich von 8—9 Uhr 
Morgens (Privatwohnung, Niedstraße 6): 2. Herr Bau- 
polizeiasststent Wilhelm täglich von 11 — 1 Uhr Vor 
mittags, Amtsgebäude, Ecke Feurig- und Handjerystraße, 
3 Treppen, Zimmer 31. 
t Die rauhe Wiuterzeit naht. Der Mensch 
kann sich durch Kleidung, durch Zuflucht in warme Lokale 
hiergegen schützen. Ganz anders dagegen die Zugtiere, 
diese treuen, nützlichen, allen tyrannischen Launen der 
Menschen widerstandslos unterworfenen Tiere! Jedem 
Wetter sollen sie trotzen können, wie wenn sie aus Eisen 
und Stahl, anstatt aus Fleisch und Blut beständen! Weil 
sie es nicht mit Worten klagen können, wenn der Frbst, 
die nasse Kälte, der eisige Wind sie durchschauect, so meinen 
gedankenlose Menschen, daß das nicht zu berücksichtigen 
sei. Darum steht man so oft solche stummen Dulder eine 
halbe bis mehrere Stunden ungeschützt am Fuhrwerk 
stehen, indes der ohnehin warm bekleidete Fuhrmann sich 
in Wirtschaften gütlich tut. Mit einem bischen mehr 
Liebe wäre den Tieren leicht geholfen. Es genügt ja, nur 
folgendes zu beobachten: Die Tiere nicht ungebührlich 
lange im Freien stillstehen zu lassen; während solchen 
Aufenthaltes ihnen eine große, warme Decke überzuwerfen. 
Den ermüdeten Zughunden zum Niederlegen das Geschirr 
zu lockern und eine trockene Matte unterzubreiten, ihnen 
auch bei Kälte eine trockene Decke überzuwerfen. Allen 
Zugtieren aber nach getaner Arbeit einen gut geschützten 
Stall mit frischer trockener Streu, sowie genügendes, gutes, 
nicht verdorbenes Futter zu bieten. 
f Zur Müllabfuhrfrage geht uns folgendes 
Schreiben aus den Grundbesttzerkreisen Charlottenburgs zu: 
Ein neues Wirtschaftsmonopol in Eicht! Welche unerquicklichen 
Folgen die Monopolisierung einer tief in die wirischaftlichen Interessen 
eingreifenden Verkchrseinrichtung nach sich zieht, hat die Sieichshauptstadt 
an der Groß n Berliner Slraßenbatin ur Genüge du chkosten müssen. 
Schon wiedrr droht dem Berlin.! VeikchrLw^cu ein Monopol, d ssen 
Folgen noch nicht abzusehen sind: die Mrtschasts-Genossenschaft 
Berliner Grundbesitzer monopolisiert die Berliner Müllabfuhr! Be- 
kanntlich hat der Bundesrat durch eine Verordnung festgesetzt, daß 
das Müll in die Eisenbahnwagen nur noch in besonderen von dem 
Unternehmer zu bauenden Berladehallen eingeladen weiden darf, 
damit jede Staubentwicklung verhindert wird. Es ist klar, daß die 
kleineren Müllabsuhr-Unternehmer, deren es noch eine ganze Anzahl 
gibt, sich eine solche kostspielige Vertadehalle nicht bauen können. 
Bisher vermochten sie dem drohmden Unheil noch dadurch zu ent 
gehen, daß sie in der Stralauer Allee auf dem städtischen Abladeplatz 
ihren Müll in Schiffen verluden Sobald der Frost eintritt und die 
Schiffahrt unmöglich macht, in diese Art der Verladung ausgeschlossen. 
Damit tritt dann das faktische Monopol der Wirtschalts-Genofsewchaft 
Berliner Grundbesitzer in Kraft. Diese Entwickelung soll ün eren 
Stadtoätern durchaus erwünscht sein, da die Stadt so am bequemsten 
die gesamte Müllabfuhr mit einem Schlage in städtische Regie würde 
übernehmen können. In den Kreisen der Genossenschafter der Wirl- 
schafts-G.esellschaft rechnet man schon jetzt auf einen fetten Verdienst 
bei der Übernahme des gesamten Betriebes durch die Stadt. Eine 
andere Frage ist, wie die Hausbesitzer Berlins über die Neuordnung 
denk<n werden. Wird die gewaltsame Vernichtung der freien 
Konkurrenz dazu beitragen, die Müllabfuhr zu verbilligen? Oder 
werden sich nicht vielmehr sehr bald die unerwünschten Folgen jedes 
privaten Wirtschaftsmonopols: He-auf'etzung der Preise, rücksichtslose 
Behandlung der Abnehmer usw. geltend machen? Darum Augen auf, 
Hausbesitzer Berlins! 
P Der 2. Übungsabend des Samariterkursus 
für Damen wurde gestern Abend unter großer Beteiligung 
abgehalten. Meldungen können jederzeit noch an den 
ferneren, Montags stattfindenden, Übungsabenden erfolgen. 
-j- Kriegsveteranenvereiu. In der letzten Monats 
versammlung wurde mitgeteilt, daß sich 4 Kameraden zur 
Eine scharfe Stimme ließ auf sein Klopfen kurz und be 
fehlend die Aufforderung zum Eintritt ergehen, und eine 
Sekunde später sah er sich zu seiner grenzenlosen Uebcrraschung 
dem Reisegefährten mit den dünnen Lippen und den kalten 
Augen gegenüber. 
Er saß an einem Tisch, auf dem eine Whiskyflasche und 
eine Zigarrenschachtel standen. Mit einem langen prüfenden 
Blick niaß er das Gesicht und die Gestalt des Eintretenden. 
Sein Kopf hatte sich leicht nach vorne geneigt, seine Augen 
schienen Rivington wie einen zum Kauf angebotenen Gegen 
stand abzuschätzen. Dann ging es plötzlich wie ein Aufzucken 
spöttischer Laune über sein fleischiges Antlitz. 
„Viehmen Sie Platz!" sagte er, indem er auf einen Sessel 
an der anderen Seile des Tisches wies. „Sie haben sich 
vorhin im Zuge vor mir gefürchtet, mein Freund, aber ich 
kann Ihnen versichern, daß diese gemeinsame Reise auch für 
mich nicht sonderlich behaglich gewesen ist." 
„Nun, ich denke, in meinem Aussehen oder meinem Be 
nehmen iväre kaum etwas Beängstigendes gewesen." 
„Nicht in Ihrem Benehnien, Hauptmann Rivington! 
Aber es ist doch ein eigen Ding zu wisse», daß nian allein 
mit einem Doppelniürder ist, der noch keine 'Ahnung davon 
hat, wieviel Tank er einem schuldet." 
Rivington fuhr auf. Wae es möglich, daß dieser Mann, 
in dein er ohne Zweifel seinen Befreier zu suchen hatte, trotz 
dem an seine Schuld glaubte? Es schien undenkbar, und doch 
beivies der kalte, tückische Glanz dieser listigen Augen, das 
verächtliche Kräuseln dieser dünnen Lippe», daß es gewiß 
nicht das Verlangen, eineni Unschuldigen zil helfen, gewesen 
ivar, was die aufopfernde Handlungsiveise des Mannes be 
stimmt hatte. 
2. Kapitel. 
„Sie halten mich also für einen Schurken, und dennoch 
haben Sie mir auf die Gefahr schwerer Bestrafung hin zur 
Flucht verholfen?" 
„Regen Sie sich vor allen Dingen nicht auf, und bedienen 
Aufnahme gemeldet haben. Am 21. Dezember soll die 
Weihnachtsfeier stattfinden. 
f Deutschnationaler Haudlungsgehilfen-Ver- 
baud, Ortsgruppe Friedenau. Mittwoch, den 6. Dezember, 
im Bereinshause Piater & Co., Rheinstraße 39, Abends 
9 Uhr, wichtige geschäftliche Sitzung. Tagesordnung: 
1. Schriftführer-Ersatzwahl. 2. Ausnahmetage für 1906 
und der Handels- und Gewerbeverein. 3. Verein der 
deutschen Kaufleute. 4. Werbearbeit für die Schackspende. 
5. Verschiedenes. Geselligkeit. Kaufleute als Gäste will 
kommen! 
f DaS Künstler-Cabaret, Direktion Weiß, findet 
diesen Mittwoch, den 6. M.. im „Rheinschloß" statt. Erste 
Kräfte wirken mit. 
f Der evangelische Arbeiterverein für Friede 
nau, dessen Gründung wir bereits mitteilten, tagte 
gestern im „Kaiser Wilhelmgarten" unter Vorsitz des 
Kaufmanns Herrn Niedlich. Es wurden zunächst die 
Satzungen beraten und angenommen. Die Mitglieder des 
Vereins sollen Vergünstigungen beim Kartoffel- und Kohleu- 
einkauf erhalten usw. Anfangs Januar soll die nächste 
Versammlung staltfinden. 
1- Leichenfund. Durch Frauen bezw. Kinder wurde 
im benachbarten Steglitz am Freitag Nachmittag gegen 
4 Uhr in der Schadenrute die Leiche eines neugeborenen 
Kindes gefunden, welche in Mull und braunes Packpapier 
gehüllt war. Die ärztliche Untersuchung hat ergeben, daß 
man es mit einem verhältnismäßig sehr kräftigen sieben- 
monatigen Kinde männlichen Geschlechts zu tun hatte, das 
lebensfähig gewesen wäre. Die grausige Annahme, daß 
ein Mord an dem hilflosen Wesen begangen wurde, ist 
nicht von der Hand zu weisen. Freilich muß die Sektion 
der polizeilicherseits beschlagnahmten Leiche erst noch Sicheres 
ergeben. Man ist behördlicherseits der Meinung, daß die 
Frevellat von einem an der Fundstelle vorüberfahrenden 
Zuge der Wannseebahn aus perübt wurde, was ja auch 
eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich hat. Alle Versuche, 
des Täters habhaft zu werden, sind bisher erfolglos ge 
blieben. Zweckdienliche Angaben sind an Polizeikommissar 
Hoffmann auf Zimmer 8 des Steglitzer Rathauses zu richten. 
P Polizeiliches. Als gefunden gemeldet wurde ein 
Portemonnaie mit Inhalt, welches vom rechtmäßigen 
Eigentümer im Polizeibüro abgeholt werden kann. 
Schöneöerg. 
— Die Stadtverordneten-Versammlung be 
schäftigte sich in ihrer gestrigen Sitzung mit einer Reihe 
von Petitionen. Die der Oberlehrer der Stadt um Gleich 
stellung um Gehalt mit dcn Oberlehrern Berlins, wurde 
dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen. Stadt 
verordneter Kuznitzky als Berichterstatter wies darauf hin, 
daß die Schöneberger Oberlehrer den Berlinern im Ge 
halt zwar gleich ständen, daß ihnen jedoch die, den Ber 
linern gewährte Ortszulage von 200 M. nicht gezahlt 
werde. Da sie ein volles Oberlehrerzeugnis beibringen 
müßten und die Stadt alle Ursache habe, mit ihren Lei 
stungen zufrieden zu sein, so könne es nur als ein Akt 
ausgleichender Gerechtigkeit betrachtet werden, wenn auch 
sie eine solche Ortszulage erhalten. In einer zweiten 
Petitton bat der Verein der Beamten der Stadtgemeinde 
um Erhöhung der Mietsentschädigung für die Beamten 
der Klaffe I. und für die nicht verheirateten Beamten. 
Hinsichtlich der verheirateten Beamten beschloß die Ver 
sammlung über die Petition zur Tagesordnung über 
zugehen, da die jetzt gezahlte Mietsentschädigung voll- 
kommeng ausreichend sei. In Betreff der unverheiraten 
Beamten, entspann sich eine längere Debatte, in der die 
Stadtverordneten von Frankenberg und Reinbacher diese 
Verkürzung der Mietsentschädigung für die Unverheirateten 
als eine Ungerechtigkeit bezeichneten, während Oberbürger 
meister Wilde, sowie die sozialdemokratischen Stadtverord 
neten Küter und Hoffmann den Unterschied für vollkommen 
berechtigt hielten. Auf Antrag des Stadtverordneten Dr. 
Marwitz wurde dieser Teil der Petition dem Etalsaus- 
schuße zur Beratung überwiesen. Dasselbe Schicksal hatte 
eine andere Petition um Gewährung einer Teuerungszu 
lage für die Beamten der I. II. und Hl. Klaffe. Ober- 
Bürgermeister Wilde erklärte, daß er nicht gerade gegen 
die Gewährung einer Teuerungszulage sei und es daher 
der Versammlung überlasse, so zu entscheiden, wie es der 
Sie sich nach Ihrem Gefallen mit Whisky und niit einer Zi 
garre. Sie werden eine kleine Herzstärkung recht gut brauchen 
können. Wir wollen uns keine Flausen vormachen, das 
würde zu nichts führen. Von einer Begnadigung, von einer 
Rehabilitierung oder dergleichen ist natürlich nicht die Rede. 
Auf Grund der sonnenklaren Beweise Ihrer Schuld sind Sie 
verurteilt worden und dabei wird es natürlich sein Bewenden 
haben. Wäre ich naiv genug, an Ihre Schuldlosigkeit zu 
glauben, so würde es mir nicht im Traum eingefallen sein. 
Sie zu befreien. Ihr Leben ist verwirkt, und Sie haben nicht 
das Geringste zu verlieren, wenn Sie sich jetzt bereit finden 
lassen, es durch die verzweifelte Tat zu retten, die man von 
Ihnen verlangt." 
Einer raschen Eingebung folgend, hatte sich Rivington 
entschlossen, diesem brutalen Gesellen gegenüber aus alle 
weiteren Unschuldsbeteuerungen zu verzichten. Vor allem 
mußte es ihm ja darauf ankommen, die Lösung des Rätsels 
zu erhalten und zu erfahren, was man von ihm begehrte. 
„Und wenn ich mich weigerte?" fragte er. 
Ohne sich beirren zu lassen, fuhr der andere in dem 
vorigen, überlegenen Tone fort: 
„Sie werden gut tun. nicht zu vergeffen, daß Sie in 
diesem Augenblick noch genau so ein Gefangener sind, wie wenn 
Sie in der Zelle der Verurteilten zu Winchester säßen. Der 
leiseste Versuch einer Auflehnung würde Sie dahin zurück 
bringen, woher Sie gekommen sind. Sie gehören mir mtt 
Leib und Seele, und wenn Sie sich sttäuben, die Arbeit zu 
tun, die ich Ihnen zugedacht habe, so werden Sie noch vor 
Ablauf des dritten Tages sehr unerfreuliche Bekanntschaft mtt 
der Schlinge des Henkers gemacht haben." 
Wollen Sie mir dann die Gunst erweisen, mir mitzuteilen, 
worin meine Arbeit bestehen soll." 
„Sie haben zwei Frauen getötet, die Ihnen verwandt 
schaftlich sehr nahe standen, und Sie haben es um schnöden 
Gewinnstes willen getan." 
(Fortsetzung folgt.»
        
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