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Periodical volume Nr. 209, 06.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

immer guten Ueberblick über die Dahlemer Feldmark 
mit ihren vielen wissenschaftlichen Instituten und den be- 
kreits entstandenen Privatbauten hat. 
1- Die Brenuzeit der Straßenlaterne« für den 
Monat Dezember ist folgende: Für Richtlaternen: 1.—5. 
von 41/2—7 Uhr; 6.-9 41/2-71/4; 10.—15. 41/2 bis 
71/4 Uhr; 16.-24. 4>/«-7i/,; 25.-31. 4'/,-71/2 Uhr. 
Für Abendlaternen: 1.—9. von 4'/z—1^; 10.—24. von 
4 V4—i 3 /*; 25.-41. 41/2-1»/ 4 Uhr. 
t Der Mann mit der Doppelkrouc. Ein 
geheimnisvoller Borfall hat sich dieser Tage an einem 
Dorortschalter deS Potsdamer Bahnhofs abgespielt. Bei 
großem Andränge warf ein Herr, der es sehr eilig zu 
haben schien, ein 20 Markstück auf das Zahlbrett und oer- 
langte eine Fahrkarte für 10 Pfennig. Unvorsichtigerweise 
ließ die Verkäuferin das Goldstück dort liegen, gab die 
Fahrkarte heraus und zählte daneben 19 M. und 90 Pf. 
auf. Eiligst strich der Herr die 39,90 M. ein und ver 
schwand mit Karte und Geld im Gewühl des Reise 
verkehrs. Zu spät entdeckte die Verkäuferin ihren Schaden, 
der sich auf 20 M. bezifferte. „Die alte Geschichte", 
wird der Leser sagen, — „ein Wechselfallen-Schwindler". 
Keineswegs, die Geschichte fand am anderen Tage ihre 
„Fortsetzung". Just zu derselben Zeit erschien an jenem 
Schalter, an dem jetzt aber eine andere Verkänferin Dienst 
hatte, wieder ein Herr, der es sehr eilig zu haben schien. 
Er forderte eine Fahrkarte für 20 Pf., warf zwei Münzen 
auf den Tisch und verschwand so schnell, wie er gekommen. 
Beim Einstreichen des Geldes erkennt die Verkäuferin zu 
ihrem Erstaunen eine Doppelkrone und ein 10 Pfennigstück. 
Beide Vorfälle mußten natürlich dienstlich gemeldet werden; 
nach strikter Dienstvorschrift liegen sie ziemlich einfach: 
die erste Verkäuferin hat ein Manko von 20 M. in der 
Kasse, das sie ersetzen muß, die zweite hat 19,90 Mark 
Überschuß, welche der Staatskasse zufließen, sofern nicht 
etwa der Eigentümer der Doppelkrone nachweist, daß 
seinerseits ein Versehen vorlag. Die Staatsbahn-Ver- 
waltung ist aber durchaus nicht so bureaukratisch, wie 
immer behauptet wird, sie kann selbst psychologische 
Rätsel lösen. Man nimmt an, daß der geheimnisvolle 
'„Doppelgänger", der die Zehn- und Zwanzigpfennig-Karte 
zur selben Tageszeit an ein und demselben Schalter löste, 
ein und dieselbe Person ist. Vermutlich hat der Un 
bekannte die Doppelkrone am ersten Tage — noieos oder 
vo1en8 — eingestrichen und Tags drauf — aus in jedem 
Falle begreiflichen Gründen — in der geschilderten Weise 
zurückerstattet: er wollte nicht erkannt werden, nickt ein 
gestehen, daß er, versehentlich oder absichtlich Unrecht 
getan. Da er, um nicht aufzufallen, nur zwei Geldstücke 
hinlegte (20,10 M.), so bleibt immerhin ein Defizit von 
10 Pf. Das dürfte die ersterwähnte Verkäuferin wohl 
gern ersetzen und — verschmerzen, wenn, was anzu 
nehmen ist, beide Fälle gegeneinander kompensiert werden. 
f Friedenauer Parochialvereiu. Ein sehr zeit 
gemäßer und lehrreicher Vortrag sowie ein hervorragend 
künstlerisches Programm war es, daß der Verein seinen 
äußerst zahlreich erschienenen Gästen am letzten Unter- 
haltungSabend bot. Der Vorkämpfer des Evangelischen 
Bundes in Berlin Herr Pfarrer Sylvester ließ sich über 
das Thema: Der Evangelische Bund in Bann und Acht 
ungefähr folgendermaßen aus: 
DaS Thema, das von Bann und Acht redet, klingt nicht 
zeitgemäß eS scheint nicht in moderne Verhältnisse zu passen. 
Kein Kaiser verhängt mehr die ReichSacht und auch dec Bann de! 
Papstes pflegt in der 8orm nicht mehr aufzutreten wie ehedem. Trotz 
dem hat dies Thema seine Berechtigung. Der „Evangelische Bund", 
diejVereinigungall rbewußtcvangelischenChristenauf dein schemsBoden zur 
Wahrung der deutsch-protestantischen Jnterressen, wird in der Tat von 
seinen Gegnern im uttramontanen Lager, so viel an ihm ist, in Bann 
und Acht gcian. Das lehrt ein Blick hinüb r in das stammverwandte, 
aber unter ultramontanen Einflug stehende Österreich. Mit schlcchr 
verhehlten Grimm sieht man dort zu, wie die Los von R m-Bewegung 
um sich greift. Mit allen Chikanen sucht man die evangelischen Vi 
kare, Sendboten des evangelisch n Bundes zur Verbreitung des 
Evangeliums zu verdrängen auch nicht einwandfreie Mittel unter Um- 
ständen nicht scheuend. Die Staatsue-ralt stellt sich in den Dienst 
der herrschenden Kirche und veiweistt und schölten- Geistliche des 
Landes, nur weil sie evangelisches Christentum zu verbreiten suchen. 
Aber auch in unserm eigenem Vaterland- steht der „Evangelische 
Bund" mit seinem Kampf für evangelisches Christ.ntum in Bann und 
Acht. Päpste haben immer wieder, bis in die neuste Zeit, ihre Ver- 
dammungsvorl ebe gegen die schlimme Ketzeiei des Protestantismus 
geschleudert. Ein Erzbischof von Köln, der öffentlich zum Frieden 
redete, hat in geheimen Erlaß seine Priester angewiesen, sdaß r atür- 
lich an der bisherigen Stellung zum Protestantismus sich nichts änderte: 
Das ist kein ehrlicher Kampf. — Dem Beispiel der hohen Kirchen 
fürsten folgen nur in gröberer Form. die niedere Geistlichkeit und die 
unter ihrem Einfluß stehende ultramontane Presse. Nach der glänzend 
verlaufenen Generalversammlung des evangeli'chen Bundes ,n Ham- 
bürg hat man in geschickter Gestaltung des Sachverhalts versucht, 
den evangeli'chen Bund als Hetzer gegen die erhabene Person des 
Kaisers darzustellen. Zu einer offenen Richtigstellung dec als falsch 
erwiesenen Behauptungen hat man sich nicht aufraffen lönnen. Und 
derselbe Erzbischof von Köln hat ,s fertig gebracht, auf Grund der 
'alschen Zeilungsmeldungen öffentlich in einer Rede zu Düffeldorf 
dem Evangelischen Bund Angriffe auf den Kaiser vorzuwer;en. Auch 
er hat es nicht für nötig gehalten, seinenJrrlum öffentlich ein,uges1eh n. 
Nach all' dem^kann eS niemand wundern, wenn vom Evangelisch n 
Bunde der Kampf aufgenommen wird. Der Kampf gilt aber nicht 
katolischen Form des Christentums an sich, er gilt nur il der unduld 
samen Richtung in ihm, dem jesuitisch becinflußlen, politische Ziel 
verfolgenden Ultromontanismus. Schnell, wo wahrhaft religiöses Leben 
in der fkatotischcn Kirche sich regt, ist auch der Evangelische Bund 
bereit, die Bruderhand zu reichen. Er begrüßt es darum mit herz- 
ltcher Freude, wenn katolische Stimmen sich gegen dieHerrs-t aft des Ultra- 
montanismuS erheben, wie es neuerdings vielfach der Fall ist, nament- 
lick, in den Kirchen d.s „Reformkatolizismus". Herrschend ist und 
bleibt vvderhand der Ulirqmontanismus. Darum muß auch der Evan 
gelische Bund seine Wachter- und Kampfaufstellung behaupten, dies 
um so mehr, je mehr der Ultramontanismus auch in neu pro'estante- 
tischen Gebiete — Berlin z. B. — seine Propaganda hineinträgt und 
ferne Herrschaft geltend zu machen sucht. Der Evangelische Bund 
rst und bleibt noch lange eine Notwendigk.it, wert der Unterstützung 
aller wahrhaft evangelisch und protestantisch denkenden Deutschen. 
Darum bleibt die beste Antwort auf alle Angriffe von drüben, der 
immer feste Zusammenschluß, die immer festere Abwehr auf unserer 
Seite. 
Reicher Beifall folgte den Ausführungen des Redners. 
Der Vorsitzende Herr Oberlehrer Weber knüpfte hieran 
den Dank des Vereins und die Bitte, die gute Sache des 
Bundes durch zahlreichen Beitritt zu demselben zu unter 
stützen. Im musikalischen Teile erfreute die den 
Friedenauern nicht mehr unbekannte Gesanglehrerin Frau 
Schattschneider mit einigen Vorträgen. Die Sängerin 
verfügt über eine volle, umfangreiche Sopranstimme, die 
sie angenehm und wohlklingend von sich gab. 'Auch dies 
mal erntete die Dame reichen wohlverdienten Beifall. Die 
Herren Max Felix Bruch (Klarinette) und Johannes Stirz, 
welche dem Verein schon so oft wertvolle Dienste geleistet 
hatten, bewiesen, daß sie außerordentlich Fortschritte in 
ihrer Ausbildung gemacht haben. Die jungen Künstler 
trugen die einzelnen Stücke mit einer Eleganz und Wärme 
vor, die die feinfühligen, verständnisvollen Künstler verrät. 
Sie verstanden ihren Instrumenten Töne hervorzuzaubern, 
welche das Publikum in eine begeisterte Stimmung ver 
setzte, sodaß, wie bei der Sängerin, auch bei diesen 
Künstlern wiederholt Zugaben gemacht werden mußten. 
Zum Schluß machte der Vorsitzende bekannt, daß das 
WeihnachtSfest am 18. Dezember im „Kaiser Wilhelm 
garten" gefeiert werden soll. Die Verlosung findet schon 
am Nachmittag, die Verteilung der Gewinne am Abend 
während der Feier statt. Der Bedarf an Losen möge 
daher recht bald gedeckt werden. 
t ©in Opfer seines Berufs. Der bekannte, 
sehr geachtete Gastwirt Herr Karl Faßmann, Inhaber 
des Restaurants „Zum Dürer", ist im Lichterfelder Kranken 
haus verschieden. Seinem Beruf fiel der in den besten 
Jahren stehende brave, kräftige Mann zum Opfer. Vor 
einigen Monaten geriet der Verstorbene, wie wir schon 
berichteten, in seinem Lokale mit einigen Gästen in Diffe 
renzen. Im Verlaufe des Streites, den der Dahinge 
schiedene nicht verschuldet hatte, wurde letzterer über das 
Billard geworfen, wobei ihm eine Rippe brach und er 
auch andere innere Verletzungen erlitt. Nachdem Herr 
Faßmann woch.nlang die schwersten Leiden ertrug ver 
schlimmerte sich der Zustand derart, daß seine Überführung 
nach dem Lichterfelder Krankenhause nötig wurde. Hier 
erlöste ihn bald der Tod von seinen Qualen. Alle. die 
den beliebten Mitbürger kannten, beklagen mit seiner 
Familie den herben Verlust, der diese durch das bedauer 
liche Mißgeschick betroffen hat. Mögen sich die trauernden 
Hinterbliebenen trösten in dem Bewußtsein, daß der Ver 
storbene mit seinem edlen Charakter und Menschenfreund 
lichkeit, sich bei allen, die ihn ka nten und schätzen gelernt 
haben, ein bleibendes, ehrendes Andenken bewahrt hat. 
f Hoherrzollern-Theater. Es ist wohl ganz na 
türlich, daßWustav Freytags „Journalisten" welche bei 
uns am Dienstag, den 5. Dezember, neu einstudiert in 
Szene gehen, dadurch eine neue Anziehungskraft erhalten, 
daß Direktor Behle das Stück mit neuen Kostümen aus 
gestattet hat und zwar genau wie im Kgl. Schau 
spielhaus in Berlin, mit Biedermeierkostümen. Die Wir- 
ung dieses geistreichen und so überaus humorvollen Schau 
spiels ist durch diese eigenartige Kostümierung noch eine 
viel größere. So erregten die Damen in ihren urkomi 
schen Krinolinen im Kgl. Schauspielhaus jeden Abend 
die stürmischste Heiterkeit. Erst vor kurzem hat Sr. Majestät 
der Kaiser einer solchen Aufführung der „Journalisten" 
beigewohnt und heute werden dieselben an allen deutschen 
Hoftheatern in dieser Einrichtung gegeben. Von unsern 
bewährten und beliebten Kräften spielen die Hauptrollen 
die Damen Mangelsdorff, Römer, Suhr und die Herren 
Cordes, Hermann, Stegemann und Günther. Freytag's 
„Journalisten" sind eine köstliche humorvolle Satyre, wie 
sie^in gleicher Vortrefflichkeit von keinem anderen späteren 
Lustspieldichter auch nur annähernd erreicht worden ist. 
Wir wollen nochmals betonen, daß die Aufllhrung durch 
die neue Kostümausstattung besonders originell und sehens 
wert wird. 
-f Eine geistliche Mufikaufführung veranstaltete 
am gestrigen Sonntag der hiesige Kirchenchor, Abends 
8 Uhr, in der Kirche „Zum guten Hirten". Wie sehr die 
Bestrebungen dieses Chors Anklang finden, zeugte der sehr 
gute Besuch dieses Konzerts. Wie aber der Chor in allem 
fortschreitet, läßt sich auch daraus ersehen, daß diesesmal 
die Solopartien pp. nicht von besonders engagierten 
Künstlern, sondern von Mitgliedern des Vereins ausgeführt 
wurden. Fehlte diesen Solisten auch oftmals die Kraft 
der Stimme, wie wir sie bei künstlerisch-geschulten Sängern 
gewohnt sind, so können wir doch lobend anerkennen, daß 
die Stimmen von schönstem Klang und vorzüglicher Rein 
heit waren. Das Programm wies vor allem Kompositionen 
des alten berühmten Kirchenkomponisten Bach auf, ferner 
von Mendelssohn, Becker, Weber u. a. Herr Harriers- 
Wippern erfreute durch sein wundervolles Orgelspiel, so 
wohl in den einzelnen Konzertstücken, als auch in der Be 
gleitung. Er versteht es vortrefflich, die Begleitung den 
gegebenen Verhältnissen vollends anzupassen. Als sehr 
gute Violinistin zeigte sich Frau Dr. Hollmann, deren 
sicheres Auftreten vor allem imponierte. Von den Solisten 
verdienen Frau Dr. Hartleib und Frau Ernst besonderer 
Erwähnung. Auch Frau Pastor Görnandt, Frau und 
Herr Seeler verfügen über gute Stimmen. Herrn Amts- 
gerichtsrat Dr Richter (Geige) müssen wir ebenfalls 
lobend hervorheben. Die Chorgesänge waren einfach 
großartig, nur fehlt bei dem Chor noch immer die stärkere 
Besetzung der Baßstimmen. Vielleicht finden sich Herren, 
die Interesse für unseren Kirchenchor haben, bereit, diese 
Stimme durch Beitritt zu verstärken. Nur mit Befriedigung 
können wir der gestrigen geistlichen Musikaufführung ge 
denken und dem Leiter dieser Veranstaltung besten Dank 
wissen für alles Gebotene. Wir haben gesehen, daß der 
Chor selbst über ausgezeichnete Kräfte verfügt, sodaß er 
diesesmal die enormen Ausgaben für Künstler ersparen 
konnte. Aus diesem Gunde war wohl auch der Eintritts 
preis in diesem Jahre ein sehr mäßiger. Der so gute 
Besuch dieses Konzerts wird aber auch Zeuge dafür sein, 
wie große Anerkennung der Kirchenchor in Friedenau 
findet. 
f Prüfungsball. Das unter der bewährten Leitung 
des Tanzlehrers Herrn G. Kinder schon seit 10 Jahren 
Hierselbst bestehende Tanz-Lehrinstitut Friedenau veran 
staltete am vorigen Sonnabend in beiden Sälen des 
Restaurants „Hohenzollern" einen Prüfungs-Ball. Derselbe 
erfreute sich eines überaus zahlreichen Besuches. Vor der 
Kaffepause wurden von den jetzigen und ehemaligen 
Schülerinnen und Schülern mehrere neue Figuren-Tänze 
ausgeführt, unter anderen der „Highlanol Skotch", der 
außerordentliche Anforderung in betreff Grazie und 
Schnelligkeit in den Bewegungen stellt. Hier bewiesen 
die Schülerinnen und Schüler, daß sie unter bewährter 
Leitung in die Künste Terpsichore« gut eingeführt sind. 
Herr H. Schlötzow, ein Schüler des jetzigen Kursus, fand 
als Kunstradfahrer durch seine vorzügliche Leistungen, 
großen ungeteilten Beifall. Während der Kaffepause, die 
mit einer Ansprache des-Herrn Kinder eröffnet wurde, 
führten 9 Damen den reizenden Schwank «Die Tante aus 
der Provinz- und 4 Herren „Die lustigen Arrestanten" 
auf. Die Mitwirkenden belohnte reicher Beifall für ihr 
gelungenes Spiel. Dann wurde in bunter Reihenfolge 
bis zum frühen Morgen weiter getanzt und lange nach 
dem Erlöschen der elektrischen Lampen, mußte der rührige 
und beliebte Kapellmeister Herr Heymann noch manches 
Stückchen zugeben. Mit diesemj Prüfungsball hat die 
Kinder'sche Tanzschule aufs neue bewiesen, welch schöne 
Erfolge in ihr erzielt werden, die dem Lehrer nur zur 
Ehre gereichen. 
-f 2. Stiftungsfest. Dasselbe beging gestern unter 
zahlreicher Beteiligung der Kegelklub „Kalte Neune" im 
„Rheinschloß". Dem Fest voran ging ein Preiskegeln, das 
zufolge der prachtvollen Prämien einen guten Zuspruch 
hatte. Den^ersten Damenpreis, einen Fächer, erhielt Fräulein 
Jung und den weiteren ersten Preis, ein Liqueurservice, 
Herr Schramm. Die übrigen Preise fielen natürlich auch 
in gute Keglerhände. Die Stimmung war eine sehr ge 
mütliche, welche durch das sich anschließende gemeinschaft 
liche Abendessen mit darauffolgendem Tanz noch bedeutend 
gehoben wurde. Wohlverdienten Beifall fanden die de 
klamatorischen Voriträge des Herrn Ingenieurs Wilhelm 
Fehlerl. Er hatte zur Unterhaltung der Gesellschaft be 
deutend beigetragen. Die Tanzmusik führte eifrig Herr 
Robert Schmidt aus. In schönster Harmonie und ver 
gnügtester Laune blieben die Festteilnehmer lange bei 
sammen. Frohe Stunden habeü sie alle'verlebt und dem 
Verein wurde zum Schluß von einem Gast in einer An 
sprache ferneres Blühen, Wachsen und Gedeihen gewünscht. 
Gut Holz! 
-j- Im Rausch. Am Sonnabend Abend gegen 8 Uhr 
fiel am Friedrich Wilhelmplatz ein Kutscher zufolge totaler 
Betrunkenheit von seinem Steinwagen und zog sich dadurch 
erhebliche Verletzungen zu, sodaß ärztliche Hilfe in Anspruch 
genommen werden mußte. 
Schöneöerg. 
— Ueber das Vermögen des Kaufmanns Rein 
hard Will, Martin Lutherstr. 15, ist am 2. Dezember 
nachmittags 12 J / 2 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der 
Kaufmann Goedel in Berlin, Melchiorstr. 24, ist zum Kon- 
nkurSverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis 
zum 27. Januar 1906 bei dem Gericht anzumelden. 
— Firmeneiutragungeu. Nr. 27 794. Firma G. 
Heinickes Sohn, Gustav Heinicke, Zehlendorf, Zweignieder 
lassung Schöneberg. Inhaber: Gustav Heinicke, Maschinen 
fabrikant, Schöneberg. — Bei Nr. 9255. Firma Adolf 
Maaß, Schöneberg: Dem Albert Maaß in Schöneberg ist 
Prokura erteilt. 
Berlin und Bororte. 
8 Über die Ergebnisse der Fürsorge-Erziehung 
im Stadtkreise Berlin, enthält der soeben erschienene 
Jahresbericht der städtischen Waisenhaus-Verwaltung sehr 
beachtenswerte Angaben. Im letzten Jahre wurden der 
Stadt wiederum 519 Minderjährige (gegen 575 im Vorj.) 
zur Fürsorge-Erziehung überwiesen. Ein großer Teil 
derselben gehört zu den „hochgradig verwahrlosten" und 
mehrfach vorbestraften Minderjährigen, darunter Ge 
wohnheitsdiebe, Vagabunden, Zuhälter und Dirnen, bei 
denen die Hoffnung auf Besserung so gut wie aus 
geschlossen erscheint. Von den 200 Zöglingen der Lichten- 
berger Anstalt z./B. waren 68 bereits mit Gefängnis 
bestraft, 64 standen im Alter von 18 bis 21 Jahrenl 
Solche Elemente in Schach zu halten, ist natürlich nicht 
leicht, und so darf man sich nicht wundern, daß Revolten 
ausbrechen, die nur mit äußerster Energie bekämpft 
werden können. In einem Falle sind die Rädelsführer 
zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Unter 
den überwiesenen Burschen befinden sich solche, die ihre 
eigenen Eltern mit Todschlag bedrohten, die wegen 
Raubes, Sittlichkeits-Verbrechens rc. aufgegriffen sind. 
Der Bericht bezeichnet es daher als wünschenswert, den 
Schwerpunkt der Fürsorge-Erziehung auf die Rettung der 
im kindlichen Alter befindlichen, noch unverdorbenen, aber 
von der Verwahrlosung bedrohten Jugendlichen zu legen. 
Im Hinblick auf die Rechtsprechung des Kammergerichts 
lasse sich dies Ziel aber ohne Änderung des Gesetzes nicht 
erreichen. Bezüglich der jugendlichen Prostituierten, welche 
ebenfalls in großer Zahl überwiesen wurden, hat die 
Verwaltung Erwägungen angestellt, wieweit sich etwa hier 
die Familien-Erziehung empfehlen würde. Über das 
Ergebnis dieser Versuche, deren Erfolg bei dem Mangel 
geeigneter Familien immerhin zweifelhaft ist, läßt sich ein 
Urteil noch nicht abgeben. Für besonders schwierig zu 
erziehende ältere Dirnen werde die Anstallszucht kaum zu 
entbehren sein. 
8 Senor Don Kirschner. Dem jugendlichen 
Könige von Spanien scheint der Empfang, der ihm in der 
deutschen Reichshauptstadt geworden ist, und wohl auch 
die Begrüßungsansprache, die der Vertreter der Berliner 
Bürgerschaft in deutscher Sprache an ihn richten durfte, 
sehr gut gefallen zu haben. König Alfons hat nämlich, 
wie die „Reichsh. Corr." meldet, dem Oberbürgermeister 
Kirschner das Ritterkreuz des „Königl. amerikanischen 
Ordens Jsabellas, der Katholischen" zugedacht, welchen 
König Ferdinand VII. am 24. März 1815 „zur Be 
lohnung bewährter Königstreue und bewiesenen Eifers für 
die Erhaltung der irdischen Besitzungen, sowie verdienter 
Staatsmänner in Spanien" gestiftet hat. „Isabella Cato- 
lica“, 1474 vermählt mit Ferdinand V-, dem Katholischen, 
trug — durch Unterstützung des kühnen Seefahrers Christoph 
ColumbuS — bekanntlich wesentlich zur Entdeckung 
Amerikas bei und unter ihrer und ihres Gemahls kraft 
voller Regierung ward der eigentliche Grundstein zu 
Spaniens Macht und Größe gelegt. Das rot emaillierte
        
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