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Periodical volume Nr. 283, 02.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

t Gemeiudevertreter-Sitzung findet am Donners- l 
'tag, den 7. Dezember mit sehr wichtiger Tagesordnung, I 
die unter amtliche Bekanntmachungen in dieser Zeitung 
zu ergehen ist. statt. 
f Anstellung. In der letzten Gemeindevertreter- 
fitzung wurde beschlossen, Herrn Architekt Duntz vom 
1. Oktober 1906 ab im neu zuerkichtenden Bauamt anzu 
stellen. DaS Anfangsgehalt wird 3600 M. betragen und 
steigt in 12 Jahren auf 4800 M. Drei Dienstjahre 
werden Herrn Duntz bei seiner Anstellung angerechnet. 
-s Die Beleuchtung der Rheinstraße mit elektrischem 
Licht ist gestern Abend erfolgt. Allerdings war es auch 
nur eine Probebeleuchiung. Im allgemeinen brannte das 
Licht vorziiglich, jedoch war man der Ansicht, daß die 
Lampen zu weit auSeinaiiderstehen. Die Lampen auf dem 
Markt müßten gleichfalls vermehrt werden, namentlich an 
der Ecke der Nied- und Rheinstraße herrscht sozusagen eine 
ägyptische Finsternis. 
f Neue Krcisschul-Jnspektionen in den Vororten 
Berlins. Mir dem 1. d Mts. sind die Gemeinden Dt.- 
Wilmersdorf, Schmargendorf, Dahlem. Grunewald. Zehlen 
dorf mit Schlachlensee und Schönow, Gr.-Lichterselde, 
Lankwitz, Lichlenrade und Mahlow zu einem neuen Kreis- 
Schulinspektionsbezirk „Berlin-Dt.-Wilmersdorf" vereinigt 
worden. Die Verwaltung des neuen Bezirks übernimmt 
der Kreisschulinspektor Schulrat Dr. Korpjuhn in Berlin. 
Die Gemeinden Ober- und Nieder-Schönweide, Johannis 
thal, Britz und Tcmpelhof werden zur gleichen Zeit mit 
dem Kreisschulinspektions-Bezirk „Berlin-Teltow" ver 
bunden, dessen Kreisschulinspektor Albrecht in Berlin S.W. 
29, Belle-Alliance-Slr. Nr. 31 wohnt. Die bisherige 
hauptamtliche Kreisschulinspektion „Berlin-Rixdorf" führt 
jetzt den Namen „Rixdorf". 
t Das Fest der silbernen Hochzeit feierte, wie 
wir bereits berichteten, am 30. November unser Mit 
bürger Herr Hamann nebst Gemahlin (Hedwigstraße). 
Zahlreiche Glückwunschschreiben gingen dem Jubelpaare 
aus Nah und Fern zu. Eine Deputation der Friedenauer 
Lvgenvereinigung überreichte gemeinsam mit Vertretern 
anderer Logen Herrn Hamann die silberne Ehe-Jubiläums 
medaille. 
. f Begräbnis. Am Donnerstag Nachmittag fand 
unter feierlichem Geleit die Beerdigung des plötzlich ver 
storbenen Apothekers Herrn Hirt auf dem hiesigen Fried 
hof statt. Dem Zuge, der sich von der Wohnung Wieland 
straße 15 aus bewegte, ging der Krieger- und der Land 
wehrverein, dessen Mitglied der Verstorbene mar, voran. 
Die Trauermusik führte die Schützengilde aus. Außer den 
Familienangehörigen hatten sich eine große Anzahl Leid 
tragender dem Trauerzuge angeschlossen. — Aeußerst 
unangenehm berührte es, daß durch unverzeihliche Nach 
lässigkeit des Berliner Fuhrherrn, der den Leichenwagen 
stellte, das Trauergefolge eine volle Stunde unnütz der 
Kälte ausgesetzt war; allgemein war man mit Recht über 
die unerhörte Unpünktlichkeit dieses auswärtigen Fuhr 
unternehmers entrüstet. 
t Die Tätigkeit der Waisenknabe«, die nach 
altem Herkommen bei der preußischen Klassenlotterie das 
Ziehungsgeschäft auszuüben haben, ist, trotzdem gestern der 
letzte Ziehungslag war, noch nicht beendet. Sie werden 
vielmehr noch einige Tage zum Einkleben der Nummern 
verwandt, da auf Grund dieser Arbeit, die natürlich unter 
der Kontrolle von Beamten stattfindet, die Aufstellung 
der amtlichen Hauptgewinnliste erfolgt. Während dieser 
Zeit rreten die 12 Knaben, die für die Dauer jeder 
Ziehung von dem städtischen Waisenhaus zu Rummelsburg 
abgeordnet werden, alle zusammen gleich am Vormittag 
an, bei der Ziehung hingegen sind 6 am Vormittag und 
6 um Nachmittag tätig. Die Verpflegung der Knaben 
findet auf Kosten der Lotterie-Direktion in der alten 
„Lotteriekneipe" in der Schützenstraße unweit des alten 
Zichungsgebäildes statt. 
f Ueber die Schneckenfahrt der Ningbahu- 
züge wird geschrieben: Die Südringzüge vom Pots 
damer Bahnhof nach dem Westen sind, insbesondere bis 
Wilmersdorf und namentlich in den Morgen- und Abend 
stunden, immer sehr stark besetzt. Das zahlreiche auf sie 
angewiesene Publikum muß aber auf der durchschnittlich 
16 Minuten dauernden kleinen Fahrt bis Wilmersdorf oft 
harte Geduldsproben bestehen. Die zu schwachen kleinen 
Maschinen vermögen schon am Potsdamer Bahnhof den 
Zug oft nicht vorwärts zu bringen. Nach einem Notpfiff 
schiebt dann die am Schluß des Zuges im Bahnhof stehen- 
„Sie lieben inimer Ihre kleinen Scherze zu machen, 
Northmoor," stammelte er heiser. „Aber gesetzt, natürlich eine 
bloße Voraussetzung, — daß wir ernsthast sprächen — wie 
ließe sich Ihrer Ansicht nach die Sache machen?" 
„Sie haben doch jedenfalls neulich von dem Mordprozeß 
gelesen? Ein gewisser Hauptmann Arthur Nivington ist wegen 
Toppclmords zum Strang verurteilt worden und sieht jetzt 
inr Gefängnis zu Winchester seiner Hinrichtung entgegen?" 
Ja, sie hatten alle von dem Vorfall gehört. Warum 
sollten sie auch nicht, wo ganz England von der entsetzlichen 
Verworfenheit des jungen Offiziers widerhallte, der überführt 
worden war, kalten Blutes und mit Vorbedacht in kurzen 
Zwischenräumen seine alte Mutter und seine Schwester ver 
giftet zu haben. 
„Nun, in diesem Ungeheuer haben wir, meine Herren, 
das geeignete Werkzeug an der Hand," betvnte der Minister 
des Innern mit Nachdruck. Und nachdem er durch eineil 
Blick auf die Gesichter seiner.Kollegen deren Stimmung er 
gründet hatte, fuhr er fort: „Ohne besonderen Grund, ivahr- 
fcheinlich ans der jetzt Mode gewordenen Gefühlsduselei — 
haben die Geschworenen Nivington der Gnade des Königs 
empfohlen, und die Angelegenheit laß nrir amtlich znr Ent- 
scheiduilg vor. Wie üblich, ließ ich niir den Gcrichlspräsiocnlen 
kommen, der die Sache geführt hat, -- es war zufällig Sir 
James Morrison, bekanntlich der mildeste von der ganzetl 
Gesellschaft. Er ivar entschieden gegen jede Begnadigung, zog 
die Empfehlung der Geschworenen ins Lächerliche, erklärte, 
daß die Schuld des Bernleilte» außer jedem Zweifel sei und 
daß seine Tal das grausamste, verschlagenste und überlegtest« 
Verbrechen sei, über das er jemals zu Gericht gesessen hätte. 
Ein Teufel in Menschengestalt, war des gelehrten Richters 
letzles Wort über Arthur Nivington. Ich bin der Meinung, 
daß wir als wahre Patrioten, in einem Augenblick, wo unser 
bleibende Maschine nach! Zwischen Schöneberg und Ebers- 
straße, auf der großen Kurve, geht's im Schneckentempo; 
ein gewöhnlicher Wagen fährt schneller. Mindestens ein 
mal wird ganz angehalten; bei der Gasanstalt auf der 
Fahrt nach Berlin beinahe regelmäßig. Verspätungen und 
Unregelmäßigkeiten im Zugverkehr find sehr häufig, Die 
Strecke wird zum Nachteil der Vororte Wilmersdorf und 
Halensee im Vergleich mit der pünktlich und mit stärkeren 
Maschinen viel schneller fahrenden Wannseebahn auffällig 
schlecht behandelt. 
-j- Eine katholische Kirche scheint Friedenau nach 
mehrerenJahren gleichfalls zu erhaltcn. Wie wirerfahren,sollen 
einige Herren der hiesigen katholischen Kirchengemeinde das 
Dr. Dammersche Grundstück gegenüber dem Neubau der 
Volksschule in der Goßlerstraße gekauft haben. Für die 
Rute sollen 580 Mark gezahlt worden sein. Die Über 
nahme des Grundstücks, das etwa 265 Ruten groß ist, 
wird erst in einigen Jahren erfolgen. 
-f Die neue Güterladestelle auf dem Wannsee 
bahnhof wird, nachdem sie sich anfangs weniger zu 
rentieren schien, jetzt viel benutzt. An dem Ausbau des 
Güterbahnhofes wird noch weiter garbeitet. 
-f Die Bedürfnisanstalt am Friedrich Wilhelm 
platz ist im äußeren Bau nunmehr fertig gestellt und 
macht in ihrem Aussehen einen recht geschmackvollen 
Eindruck. 
-j- In der Freien Hochschule finden die Fort 
setzungen der Vorlesungen von Dr. R. Steiner über: 
„Vom Germanenstamme zum Stadtbürgertum". (Die 
Grundlagen der Kultur im Mittelalter), am Dienstag, 
den 5., 12. und 19. Dezember, Abends von 7 bis 
9 Uhr statt. 
-f DaS Königliche Institut für Meereskunde, 
Georgenstraße 34/36, veranstaltet in der kommenden Woche 
Abends 8 Uhr folgende öffentliche, Herren und Damen zu 
gängliche Vorträge: Montag, den 4. und Donnerstag, 
den 7. d. Mts. spricht Herr Dr. L. Brühl-Berlin über: 
„Lachs und Aal, zwei Wanderfische unserer Meere", mit 
Lichtbildern und Demonstrationen; Sonnabend, den 9. d. M., 
wiederholt Herr Prof. Marshail-Leipzig seinen Vortrag 
über „Die fabelhaften Tie:gestalten des Meeres", mit 
Lichtbildern. Einlaßkarten zum Preise von 25 Pf. pro 
Abend von 12 bis 2 Uhr Mittags und an den Vortrags 
abenden selbst von 6 Uhr ab im Institut erhältlich; außer 
dem in der Zeit von 9 bis 4 Uhr im Deutschen Flotten 
verein, Bernburgerstraße 35 I. Die Einlaßkarten zum 
Vortrag des Herrn Prof. Marshall sind vergriffen. 
-f Vortragsabend. Bereits am 30. v. Mts. haben 
wir auf den am Mittwoch, den 6. Dezember, abends 8 Uhr, 
im Restaurant Hvhenzollrrn stattfindenden zweiten Vor 
tragsabend der hiesigen Gemeindebeamten - Vereinigung 
hingewiesen. Der Vortragende, Herr Rezitator Mattsias 
von Erdberg-Berlin, dürfte von dem ersten Vortragsabend 
her noch in guter Erinnerung aller sein, die Gelegenheit 
hatten, seinen interessanten Vorträgen zuzuhören. Die an 
dem Abend sonst noch Mitwirkenden, Fräulein Hedwig 
Radziszewski und Herr Pianist Werner, sind den Friede- 
nauern gleichfalls durch ihre guten Konzerte bestens be 
kannt, sodaß also alle Darstellenden die beste Garantie für 
einen äußerst genußreichen Abend bieten dürften. Der 
rechtmäßige Eintrittspreis für Gäste — 30 Pfg. — setzt 
jeden Friedenauer Bürger in die Lage, sich den Genuß 
eines vorzüglichen Konzerts zu verschaffen. Programme, 
welche zum Eintritt berechtigen, sind zu haben in den 
Buchhandlungen von Koffakowski, Rheinstr. 5 und Ebers. 
Rheinstr. 15, in der Zigarrenhandlung von Schubhan, 
Handjerystr. 64, sowie im Restaurant Hohenzollern. 
f Deutscher Flotteu-Berein. Donnerstag Abend 
um 9 Uhr fand im „Rheinschloß" die angekündigte Ver 
sammlung der hiesigen Ortsgruppe statt, die ungewöhnlich 
gut besucht war. Exzellenz Metzler als Vorsitzender 
erteilte zu Beginn dem Herrn Profeffor Reinhold Steig 
das Wort zu seinem Vortrage über „Die deutsche Aus 
dehnung und die Flotte". Ausgehend von dem die neuen 
Marineforderungen betreffenden Passus der Thronrede, 
legte der Redner dar, daß die gegenwärtige großartige 
Ausdehnung der deutschen Kultur, Industrie, des Handels 
und der Kolonisation etwas geschichtlich Bedingtes, 
Naturnotwendiges und Unaufhaltsames sei Ein unge 
heures Nationalvermögen schwimme auf dem Meere, 
große Jndustrieunternehmungen seien an vielen Punkten 
der Welt angesetzt. Dies alles fordere Schutz, genau so 
wie jedes Grundstück, jedes Vermögen in unserem Lande. 
teures Patenand durch slwäi tichc Nackigiebigk.it dein Gespött 
seiner Feinde preisgegeben werden soll, berechriat sind, jeden 
Teufel, sei es in welcher Gestalt, zu benützen, um einen solchen 
Schimpf zu verhindern." 
Seine Hörer wurden durch seine heroischen Worte nicht 
getäuscht, olnvohl sic sich die größte Muhe gaben, an solches 
hochherzige Gefühl in ihrer eigenen Biust zu glauben. 
„Aber wen» der Bursche aufgeknüpft wird, wie kaun 
er uns — ich meine, dem Laude von 'Nutzen sein?" wagte Lord 
Trevose nach einer Pause zu bemerken. Obgleich er gewillt 
war, weit zu gehen, war der Kriegsminister kein Manu von 
besonderer Erfindungsgabe. Sein Stumpfsinn regte Sir 
Gideon Morste auf, dessen Schliche und Kniffe sprichwörtlich 
waren. 
„Begreifen Sie denn nicht?" rief Sir Gideon. „North 
moor als Chef der Polizeiverivaltung hat das Gefängniswesen 
unter sich. Er wird an der Schnur ziehen und der Mörder 
wird —" 
„Entwischen," unterbrach ihn der Minister des Innern 
und ließ seine Finger knacken. „Marske hat die Situation 
haarscharf erfaßt. Ich kann veranlassen, daß der Käfig offen 
gelassen wird und das; der Vogel hiuausslattert, nur, um sofort 
gefaßt und unserem Zwecke fügsam gemacht zu werden. Herzog 
vom Geheimdienst ist der geeignete Mann, ihn in die Hand 
zu nehmen und ihm klar zu machen, was als Preis für seine 
Freiheit von ihm erwartet wird." 
„Aber wie steht's mit Herzog selbst?" fragte der Lord 
Trevose mit einem Gefühl des Unbehagens. „Ich weiß Ver 
schiedenes aus der Vergangenheit des Burschen —, er ist ein 
geriebener Hallunke. Wir würden uns deni Kerl einfach mit 
gebundenen Händen ausliefern, wenn wir von ihm verlangten, 
in solch einer Sache den Vermittler zu spielen." 
(Fortsetzung folgt.) 
Diesen Schutz könne nur eine große, achtunggebietende, 
wachsende Reichsflotte gewähren. Diese zu schaffen, sei 
die nächste vorzüglichste Aufgabe des deutschen Volkes. 
Die Versammlung folgte mit Aufmerksamkeit dem Vortrage 
und dankte durch Beifall. Sehr schöne Lichtbilder aus 
Ostafrika führte darauf Herr Geheimrat Sturtz den 
Anwesenden vor, durch ernste und launige Bemerkungen 
das Verständnis vermittelnd. Der Herr Vorsitzende konnte 
die Mitteilung machen, daß in ungefähr 5 Wochen, 
jedenfalls nach dem Feste, ein neuer genußreicher Vortrag 
mit kinematographischen Vorführungen instchrerAusstcht stehe. 
-j- DeS Hausbesitzers Leid und Freud — das 
-erstere allerdings nur in Worten und Liedern, die letztere 
dagegen in unverfälschter Natürlichkeit und treuem Empfinden 
— konnten wir gestern Abend gelegentlich des Eisbein 
essens des Haus- und Grundbesitzer-Vereins im „Hohen 
zollern" beobachten. Während wir sonst eigentlich im all 
gemeinen uns den Hauswirt als einen griesgrämigen, 
„nischtmachenlassenwollenden" „Brummbär" vorstellen, 
hatten wir gestern die beste Gelegenheit, ihn als den 
gemütlichsten und lustigsten Menschen der Welt zu be 
wundern. Eine solch unverholene, herzliche Freude haben 
wir wohl selten an ihm gesehen, als wie er sie gestern 
zeigte, dafür hatte er aber auch sein „Schwein" und wenn 
der Mensch das hat, ist er auch „quietschvergnügt". — 
Gegen 9 Uhr begrüßte der Vorsitzende Herr Hauptmann 
Lehment, die sich in so großer Zahl eingefundenen Mit 
glieder und Gäste des Vereins und wünschte allerseits 
guten Appetit. Es wurden dann nach dem Essen 3 all 
gemeine Lieder gesungen; nach einem von Herrn Ferdinand 
Warnte gedichteten wurde, diesem verstorbenen Mitglieds 
ein stilles Glas geweiht. Herr Lichtheim feierte in 
einer Ansprache den Verein und brachte zum Schluß ein 
Hoch auf den Vorstand aus. Herr Lehment toastete auf 
die Herren Homuth und Lichtheim. Herr Berger sprach 
als Mieter, er meist darauf hin, daß der Haus- und 
Grundbesitzer-Verein eine ehrende Stelle einnehme, bemerkt 
dann, daß zwischen Mieter und Vermieter doch auch oft 
und gerade in Friedenau, sehr gutes Einvernehmen herrsche, 
und wünscht, daß der Haus- und Grundbesitzer-Verein und 
der Handel- und Gewerbe-Verein in öffentlichen Angelegen 
heiten Hand in Hand gehen. Sein Hoch gilt dem Verein. 
Herr Homuth gedenkt der alten Mitglieder und läßt seine 
Rede in ein Hoch auf Herrn Haustein sen. ausklingen. 
Von den ferneren Darbietungen wollen wir insbesondere 
die Gesangs-Vorträge des Herrn Kunkel, verschiedene 
humoristische Vorträge des Herrn Haustein sen. und des 
Herrn Schnitze hervorheben. Herr Berger erwähnte dann 
in einer launigen Rede die Tätigkeit einer Zeitungtzredaktion 
und hob besonders die Tätigkeit des Herrn Kunkel hervor. 
Man wirft so schnell mit Titeln herum, hier märe einmal 
ein Titel am rechten Fleck. Einstimmig wurde Herr 
Kunkel dann zum Direktor ernannt, welchen Titel 
Herr Kunkel dankend akzeptierte. Nach einer Polonaise 
unter Vorantritt der „HauSkapelle", folgten noch viele 
humoristische Vorträge. Zu früher Morgenstunde trennte 
man sich erst, aber wohl alle mit dem Bewußtsein, noch 
nie so vergnügte Stunden verlebt zu haben, als gestern. 
-j- Parochialvereiu. Der gestrige Unterhaltungs 
abend iw Kaiser Wilhelmgarten war außerordentlich gut 
besucht. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. 
Die Künstler leisteten ge adezu Hervorragendes. Den 
ausführlichen Bericht bringen wir in einer der nächsten 
Nummern. 
-j- Im Nheiuschlotz findet morgen Sonntag ein 
großes Künstler-Konzert statt, und da^Entree frei ist, so 
wird gewiß der große schöne Saal überfüllt sein :!für vorzügliche 
Getränke, Bier und Wein, sowie für geschmackvolle gute und 
billige Küche sorgt der Wirt Herr Hoffmann. — Gestern 
abend hat der zweite Konzert Abend des Direktor Weiß 
daselbst stattgefunden und war das Publikum von den 
gebotenen Leistungen höchst befriedigt. Auf vielseitiges 
Verlangen wird von nun an statt des Freitags der Mitt 
woch dazu ausersehen. Außerdem dürften noch zwei 
Neuerungen unseren geehrten Leserkreis interessieren. 
Erstens wird von nun an das Cabaret im traulichen 
oberen Saale abgehalten — zweitens das Entree auf 
50, im Vorverkauf auf 40 Pfg. ermäßigt. 
f Durch einen Milchwage« wurde gestern die 
siebenjährige Tochter des Nadlermeisters Maibaum aus der 
Mommsenstraße totgefahren. Die Kleine überschritt mit 
mehreren Schulfreundinnen auf dem Heimwege den Fahr- 
damm der Rheinstraße und rannte, als sie einem Hand 
karren ausweichen wollte, blindlings gegen einen Milch 
wagen. Das bedauernswerte Kind wurde vor den Augen 
ihrer entsetzten Freundinnen überfahren und starb bald 
darauf. 
Schöneöerg. 
— Der PetitionsauSschuh der Schöneberger Stadt- 
verordneten-Versammlung hat sich in seiner letzten Sitzung 
mit verschiedenen Petitionen städtischer Beamter beschäftigt. 
Die Petition der Oberlehrer um Gleichstellung im Gehalt 
mit den Oberlehrern Berlins soll dem Magistrat zur Be 
rücksichtigung überwiesen werden, trotzdem dieser die Pe 
tition für dieses Jahr abgelehnt hat. über die Petition 
des Vereins der Beamten der Stadtgememde Schöneberg 
um Erhöhung der Mietsentschädigung für Klasse I und 
Gewährung einer Teuerungszulage wurde entsprechend 
einem Beschlusse des Magistrats zur Tagesordnung über 
gegangen, da kein Grund vorliege, über die in der vor 
letzten Stadtverordnetensitzung bewilligte Teuerungszulage 
und Erhöhung der Mietsentschädigung für die unteren 
Beamtenklassen hinauszugehen. Auch über die Petition 
des deutschen Volksrats in Böhmen um Gewährung einer 
Unterstützung wurde zur Tagesordnung übergegangen. 
— In» Sitzungssaal der Stadtverordnetenver 
sammlung wird ein Dildnis des verstorbenen ersten Stadt 
verordnetenvorstehers der Stadt, Gustav Adolf Müller, 
angebracht werden. Das Bild wird in Lebensgröße vom 
Professor Ernst Hildebrandt ausgeführt und ist fast fertig, 
so daß es mit Beginn des neuen Jahres in dem Sitzungs- 
saale seinen Platz finden wird. Das neue Geschäftshaus 
der Schöneberger Genossenschaftsbank in der Hauptstraße,
        
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