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Periodical volume Nr. 282, 01.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Zaun am Spielplatz. Der Zaun ist dort zerrissen und 
verlangt der Pächter, der dort eine Eisbahn herrichtet, 
daß der Zaun wieder hergestellt wird. Cr hält rs jedoch 
für vorteilhafter, wenn man einen neuen Drahtzaun von 
1,80 Meter Höhe mit zwei Eingängen, einen für Fußgänger 
und einen Toreingang an der Lauterstraße errichtet. Sr 
veranschlagt die Kosten hierfür auf rund 450 M. Herr 
G.-D. MatthieS bittet, daß auch der Weg reguliert werde. 
ES werden dann in zwei Lesungen die Mittel bis zu 
450 M. zur Errichtung eines Drahtzaunes bewilligt. 
Der Herr Bürgermeister referiert dann zur Er 
weiterung deS Kabelnetzes und Bewilligung d.r Mittel 
hierzu. Das Kabelnetz wäre sehr reichlich ausgedehnt, 
nun haben sich aber auch Anschlüsse in den außer Bereich 
dieses Netzes liegenden Straßen notwendig gemacht, so in der 
Stubenrauch-. Wilhelm und Eschenstraße. Es handele sich 
hier vor allem um den Anschluß des Hauses Nitze. Man 
müsse hier Entgegenkommen zeigen, da auch vielleicht 
verschiedene andere neuen Häuser dort Anschluß wünschen 
werden und man doch nur wünschen könne, mehr 
Konsumenten zu erhalten. Man habe ausgerechnet, daß 
ein Schaden nicht entstehen wird, sondern durch die Strom 
abnahme noch ein Vorteil herauskomme. Er bittet 
deshalb, 3000 M. für Erweiterung des Kabelnetzes zu 
bewilligen. Herr G.-V. Schremmer fragt an, ob diese 
Erweiterung noch zu den alten Sätzen ausgeführt werde, 
oder ob hier neue Preise in Anrechnung kämen. Der 
Herr Bürgermeister erwidert, daß hier neue Sätze in 
Anrechnung kämen. Bis 20 Prozent habe die Gesellschaft 
über die vorgesehene Kabellegung zu alten Sätzen zu 
liefern gehabt, diese 20 Prozent seien aber bereits über 
schritten, dieKosten derKabellegung im Sportparkgeländehabe 
ja die Sponpark Gesellschaft teilweise mitbezahlt. Herr G.-V. 
Haustein fragt an, ob in der Rheingaustraße auch Kabel 
liegen, was verneint wird. Er bemerkt daraufhin, daß 
dort nirgends eine Laterne brenne und sich die Kutscher 
weigern, ddrthin zu fahren. Der Herr Bürgermeister 
erwidert, daß man dem vielleicht durch Aufstellen einiger 
Easlaternen abhelfen wolle. Danach werden die Mittel 
zur Ausdehnung des Kabelnetzes bis zu 3000 Mark 
bewilligt. 
Punkt 3: Genehmigung der Verwendung der 500 M.- 
Beihilfe der Vaterländischen Feuerverstcherungsgesellschaft 
wird auf die nächste Tagesordnung vertagt. 
Über Punkt 4: Erweiterung der elektrischen Beleuchtung 
im Gymnasium referiert Herr Schöffe Bache: In letzter 
Sitzung ist gesagt worden, es solle ein Kostenanschlag auf 
gestellt werden, dieser ist nunmehr aufgestellt worden und 
sind für die Korridorbeleuchtung 389 M. und für die 
Nebenräume der Turnhalle 30 M. erforderlich, hier sind 
jedoch die Birnen und die Installation noch nicht mit 
gerechnet, man wird auch einige Nernstlampen anschaffen 
und bitte er um Bewilligung von rund 550 M. für die 
beiden Sachen. Es wird ja verschiedenes noch nachzu 
bewilligen sein und empfiehlt er vielleicht 800 M. gleich 
im voraus auszuwerfen. Man müsse aber auch ver 
schiedene Reserveteile haben, vor allem Birnen und 
Stöpsel, da in erster Zeit besonders durch das Spielen 
der Kinder vieles zerbrochen werden wird. Ec glaube 
daher nicht zu weit zu gehen, wenn er für alles in allem 
um die Bewilligung von 1000 M. bitte. (Allgemeine 
Heiterkeit.) Herr G.-V. Schremmer meint, man wolle 
doch nicht so viel ins Blaue hinein bewilligen und erst 
Vorlagen abwarten. Herr Schöffe Bache verlangt erst 
500, dann 800 und zuletzt gar 1000 M. Er glaube, 
wenn wir vorläufig 500 M. bewilligen, so genüge das 
vor der Hand. Herr Schöffe Bache bittet, doch wenigstens 
noch etwas für Reserveteile zu bewilligen. Herr Schöffe 
Lichtheim sieht nicht ein, warum man handele. Es ist 
doch besser, gleich die nötige Summe zu bewilligen, als 
später immer die Kleinigkeiten noch nachzubewilligen. 
Rechnung müsse ja doch gelegt werden. Auch Herr 
Bürgermeister .Schnackenburg findet es für richtiger, 
wenn man vorläufig nur das, was in der Vorlage stehe, 
bewillige und vielleicht noch etwas für Reserveteile, er 
schlage ebenfalls 600 M. vor. In zwei Lesungen 
werden denn auch 600 M. für die Erweiterung der 
elektrischen Beleuchtung des Gymnasiums bewilligt. 
Auf Antrag des Herrn G.-V. Homuth wird Punkt 5: 
Gewährung einer Teuerungszulage an die Beamten und 
Angestellten der Gemeinde, in die geheime Sitzung vertagt 
und darnach die öffentliche Sitzung um 7 Uhr geschloffen. 
Mgemeines. 
fj Die Zulassung brieflicher Mitteilungen auf 
der Vorderseite von Ansichtskarten erfährt abermals eine 
Erweiterung. Zu Anfang des Jahres war sie im inneren 
deutschen Verkehr eingeführt morden. Das Reichspostamt 
hatte mit den Postverwaltungen Europas Verhandlungen 
eingeleitet, die im Sommer zu dem Ergebnis führten, daß 
diese Mitteilungen auch im Verkehr zwischen den einzelnen 
Ländern innerhalb des Europäischen Kontinents zugelassen 
wurden. Nur die Niederlande waren lediglich aus for 
mellen Gründen dem Uebereinkommen etwas später bei 
getreten. Von den europäischen Postverwaltungen hatten 
aber bis jetzt Großbritannien und Irland sich noch immer 
ausgeschlossen. Aber auch sie haben jetzt ihren Widerstand 
aufgegeben. 
Lokales. 
Der Monat Dezember erhielt von Karl dem 
Großefi den Namen „Christmonat". Alles dreht sich 
während der ersten Wochen um die Vorbereitungen zum 
Weihnachtsfest und die letzten acht Tage benutzt man zum 
Genießen alles dessen, was der heilige Abend gebracht hat. 
Prächtig geschmückt sind die Schaufenster der großen Läden 
mit den neuesten und herrlichsten Gegenständen aller Art, 
auch die kleinen Kaufleute haben sich angestrengt, um 
gerade jetzt etwas Besonderes zu bieten. „Einkäufen" 
lautet die Parole, die mit Eifer und mehr oder weniger 
Freudigkeit Tag für Tag uns in Anspruch nimmt. Nie 
ist das Hasten und Eilen in den Straßen so groß, wie in 
der Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Wohl stöhnt der 
„vielfache Familienvater", wenn er an die nicht immer 
bescheidenen Wunschzettel seiner Frau und der Kinder 
denkt, aber die gute Mutter weiß ihn zu bereden, daß er 
tiefer in das Portemonnaie greift, als er eigentlich beab 
sichtigte. Wenn des Winters Anfang recht erfrischende 
Kälte uud viel Schnee mitbringt, damit auch die Sport- 
lustigen auf dem EiSplatz zu ihrem Rechte kommen, dann 
hat der Dezember alle Wünsche erfüllt. 
-j- Betreff» der Teuerungszulage der Friedenauer 
Gemeindebeamten wurde in der gestrigen geheimen 
Gemeindevertretersttzung beschlossen, für die Unterbeamten 
und Gemeindearbeiter eine Zulage im Betrage bis zu 
1500 M. zu bewilligen. Die Verteilung des Betrages 
wurde dem Gemeindevorstand überlassen. 
-f- DaS Gymuafium hat nun auch in den meisten 
Räumen elektrische Beleuchtung erhalten. So erstrahlte 
auch gestern Abend der Sitzungssaal der Gemeinde-Ver 
tretung zum ersten Male in diesem neuzeitigem Lichte. 
Die Anlage, ebenso wie die gewählten Beleuchtungskörper 
sind sehr zweckentsprechend, und ist die einfache und doch 
geschmackvolle Ausstattung der Lampen sehr zu loben. 
f Wegen Asphaltierung der Thorwaldsenstraße 
vor den Grundstücken 13—16 haben die Herren Alrrichtec 
und Genossen beantragt. Die Petitionskommission empfihlt 
dem Magistrat die belr. Petition zur Berücksichtigung zu 
überweisen. 
— Lohntarife. Der Magistrat schlägt der Stadt 
verordnetenversammlung vor, für die im Arbeitsverhältnis 
stehenden Bediensteten des Auguste Viktoria-Krankenhauses 
folgenden Lohutarif festzusetzen: Maschinist, Desinfektor, 
Leichendiener: Mindestlohn 1200 M., steigend viermal alle 
drei Jahre um 150 M. und zweimal alle drei Jahre um 
100 M. bis zum Höchstlohn von 2000 M. Dienst 
wohnung. Pföitner: Mindestlohn 720 M., steigend dreimal 
alle drei Jahre um 60 M. bis zum Höchstlohn von 900 
Mark. Dienstwohnuilg. Heizer: Mindestlohn 660 Mack, 
steigend 5 mal alle 2 Jahre um 60 M. bis zum Höchst 
lohn von 960 M. Vollständig freie Station bei Be 
köstigung vom III. Tisch. Wäcter, Hausdiener, OpecationS- 
diener, Desinfektionsarbeiter: Mindestlohn 396 Mark, 
steigend 4 mal alle Jahre um 36 M. bis zum Höchstlohn 
von 540 M. Vollständig freie Station bei Beköstigung 
vom III. Tisch. Oberköchin, Wäscheverwalterin: Mindest 
lohn 900 M., steigend einmal nach 2 Jahren um 100 M. 
bis zunr Höchstlvhn von 1000 M. Vollständig freie 
Station bei Beköstigung vom II. Tisch. Kücheninädchen, 
Waschmädchen: Mindestlohn 240 M., Höchstlvhn 360 M. 
Vollständig freie Station bei Beköstigung vom III. Tisch. 
(Die Lohnerhöhungen richten sich nach Vereinbarungen 
von Fall zu Fall.) Hausmädchen: Mindestlohn 324 M., 
steigend 4 mal nach 1 Jahre um 36 M. bis zum Höchst 
lohn von 468 M. Vollständig freie Station bei Be 
köstigung vom III. Tisch. Sonstige Arbeiter: Mindestlohn 
3,50 M., steigend zweimal nach 6 Monaten um 0.25 M. 
bis zum Höchstlvhn von 4 Bl. pro Arbeitstag. Sonstige 
Arbeiterinnen: Mindestlohn 2,25 M. pro Arbeitstag. 
(Sonstige Arbeiter und Arbeiterinnen nach den bei der 
städtischen Verwaltung vom 1. Juli d. I. ab bestehenden 
Lohnsätzen.) Flickfrauen: Mindestlohn 1,50 Mark pro 
Arbeitstag. 
f Jubiläum der Goßnerscheu Misfion. Am 
1. Dezember sind 60 Jahre verflossen, seitdem Goßnersche 
Glaubensboten den Grundstein zu der ersten Missions 
station im Lande der Kols gelegt haben. Nach dem 
letzten Zensus zählt sie 66 045 Getaufte und 17 831 
Taufbeweiber. Die Kols kommen in großen Scharen, 
familien- und dorfweise und wollen Christen werden, 
Missionare sind nur sehr wenige vorhanden und 
kommt nur einer auf 2000 Taufbewerber. Ist es 
bei solchem Arbeitermangel wunderbar, so schreibt 
man uns, daß Hunderte von Taufbewerbern, weil sie 
nicht sofort unterrichtet werden können, zurückfallen in 
das Heidentum oder abfallen zu den Jesuiten? Diese 
ganze Not der Goßnersche» Mission könnte wenigstens für 
längere Zeit beseitigt werden, wenn jeder gläubige Christ, 
der dieses liest, zum Jubiläumstage (1. Dezember) eine 
Jubiläumsgabe opferte, und wenn die Herren Geistlichen 
im Advent ihren Gemeindegliedern von dem Segen der 
Kolsmission erzählten und dieselben für dieses Gottesweik 
zu erwärmen versuchten. Die Goßnersche Mission selbst 
feiert ihr Jubiläum am 2. Advent Vormittags und 
Abends in der Kirche zu Friedenau. Jubiläumsgaben 
nimmt dankbarst entgegen, das Kuratorium der Goßner- 
schen Mission, Handjerystraße 19/20. 
t Schlutzfeier des Dreißigjährige«. Mit einem 
Festessen und Ball fand gestern im „Hohenzollern" das 
30 jährige Jubiläum des „Fridenauer Männer-Gesang- 
vereins 1875" einen glänzenden Abschluß. Die Be 
teiligung an diesem Schlußfeft war eine große seitens der 
aktiven wie passiven Mitglieder mit ihren Damen und der 
Freunde des Vereins. Während des Essens wurde eine 
vortreffliche Tafelmusik geboten und erfolgte dazwischen 
eine Reihe von Ansprachen. Der langjährige Vorsitzende 
Herr Ebers begrüßte die Anwesenden und hielt eine 
schwungvolle Rede, in welcher er auf das Wirken des 
Vereins während seines Bestehens und der errungenen 
und bedeutenden Erfolge einging. Redner pries mit 
echtem Sängergemüt die Bedeutung des deutschen Liedes 
bezw. des edlen deutschen Männergesanges. Herr Voigt 
brachte in launiger Weise den Toast auf die Damen aus 
und bemerkte, daß er diese Ehre bereits anläßlich des 
25 jährigen Jubiläums hatte. Im Namen des Krieger 
und Landwehrvereins sprach Herr Geheimrat Hendrich, 
für den Kriegsveteranenverein Herr Fritz Behrend, als 
Vertreter der Schützengilde Herr Wermke, und des Ehren 
mitgliedes, unseres ehrwürdigen» alten Mitbürgers 
Herrn Steinmetz gedachte mit herzigen Worten Herr 
Naumann. Bevor die Festtafel aufgehoben wurde ge 
langte noch ein von Herrn Th. Ferrand verfaßtes komi 
sches Ensemble zur Aufführung, bei welchem die Mitglieder 
Ferrand,« Frapke, Klütz,Thiele, Baarmann und Paul Schmidt 
mitwirke . Die Handlung selbst war originell; der Autor 
hatte es vortrefflich verstanden, Erlebnisse und Mitglieder 
des Vereins humoristisch-satyrisch zu beleuchten, sodaß 
man das ganze Stück eine lustige Dereinsgeschichte nennen 
kann, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Die Darsteller 
machten durchweg ihre Sache gut, wofür ihnen reicher Beifall 
gezollt wurde. Hierauf begann der Ball, der die Teil 
nehmer bis in die frühen Morgenstunden beisammenhielt. 
Es wurde flott getanzt, und wer das Tanzbein nicht 
schwingen wollte oder konnte, fand reichlich Gelegenheit 
alte Freundschaft zu kräftigen und neue anzubahnen. Der 
Verein spendete den Damen ein schönes Angebinde und 
alle Anwesenden erhielten die von Herrn Voigt gestiftete 
künstl. risch hergestellte umfangreiche Festzeitüng, deren 
interessanter mit Bildern gezierter Inhalt, von den Herren 
Max Schmidt, Franke, Rud. Dittmann und Voigt ge 
wissenhaft verfaßt uud redigiert ist. Die Zeitung enthält 
dauernde Erinnerungsblätter an das 30 jährige Fest. Die 
fröhlichen Sänger ließen auch einige Gesangsstücke ertönen, 
die wieder Herz und Gemüt erfreuten. So hat denn das 
Jubiläum so gut es begonnen, auch glanzvoll geendet, 
und alle die daran teilgenommen haben, werden die 
genußreichen, vergnügten Stunden in angenehmem An 
denken behalten. Die wackere Sär.ocrschar mit ihrem 
tüchtigen Dirigenten Herrn Scheel wird dagegen bestrebt 
sein, den Verein weiter auszubauen und den Gesang 
eifrig weiter pflegen, ihm und dem Ort zur Ehre. 
fDas Angebot von WeihnachtSbäumeu ist in 
diesem Jahre besonders groß. „ Obwohl die Engroshändler 
ihre Einkäufe zumeist längst abgeschlossen haben, werden 
im Harzgebiet noch über 10000 Weihnachtsbäume angeboten, 
auch in verschiedenen Privatförstereien in der weiteren 
Umgebung Berlins werden Käufer für Weihnachtsbäume 
gesucht. Es dürfte demnach in diesem Jahre mit einer 
bedeutenden Anfuhr von Tannen zu rechnen sein. 
t Friedenauer Parochialverein Der heutige 
Unterhaltungsabend, an welchem Herr Pastor Sylvester 
über das Thema: „Der Evangelische Bund in Acht und 
Bann" sprechen wird, findet iw „Kaiser Wilhelmgarten" 
Eingang Ringstraße 1. um 8 Uhr statt. Alle Mitglieder 
und Freunde des Bundes sind zu diesem Abend herzlichst 
eingeladen. Wie bereits auf den Einladungskarten mit 
geteilt, findet an diesem Abend bereits der Vorverkauf der 
Lose (& 25 Pf.) zur Weihnachtslotterie statt. Da diesmal 
der Verkauf der Lose am Verlosungsabende selbst wegfällt, 
bitten wir die Mitglieder ihren Bedarf, soweit tunlich, 
schon heute Abend decken zu wollen. 
f Hohenzollern-Theater. Angeregt durch den 
großen Erfolg, welchen neulich Shakesspeares „Bezähmte 
Widerspenstige" gefunden hat, hat sich Direktor Behle ent 
schlossen, am nächsten Dienstag, den 5. Dezember, das 
beste, klassische, deutsche Lustspiel neu einstudiert in Szene 
gehen zu lassen, nämlich „Die Journalisten" von Gustav 
Freytag. Gustav Freytag ist durch dieses meisterhafte 
Lustspiel in die Reihe unserer populärsten Klassiker gerückt, 
unstreitig ist er aber auch einer der feinsinnigsten und 
geistreichsten deutschen Lustspicldichter. der mit seinen 
„Journalisten" ein unsterbliches Werk geschaffen hat; ja 
geradezu vorbildlich ist dieses Lustspiel für alle späteren 
geworden. Noch heute gehören die „Journalisten" zum 
eisernen Bestand aller deutschen Theater und so oft heute 
noch dies humorvolle Stück auf dem Repertoir des König!. 
Schauspielhauses in Berlin erscheint, ist das Theater aus 
verkauft; ein Beweis dafür, daß „Die Journalisten" auch 
heute noch nicht ihre alte Anziehungskraft verlieren und 
noch heute als das beste Lustspiel der deutschen Bühne 
anerkannt werden. Besonders interessant wird die Auf 
führung bei uns dadurch, daß Direktor Behle das Stück 
genau nach der Einrichtung des Königl. Schauspielhauses 
zur Aufführung bringt und zwar im Kostüm der Ent 
stehungszeit (1850) also in der höchst originellen und kleid 
samen Biedermännertracht. Den hiesigen Kunstfreunden 
wollen wir den Besuch dieser Aufführung ganz besonders 
empfehlen. 
-st Sternenhimmel im Dezember. Merkur, im 
Schützen, anfangs 1 Stunde nach Sonnenuntergang sicht 
bar, dann unsichtbar, zum Schluß morgens 1 Stunde vor 
Sonnenaufgang sichtbar. — Venus, in der Wage und im 
Skorpion, Morgenstern, geht aufangs um 6 Uhr, zum 
Schluß um Y 2 8 Uhr Morgens auf. — Mars, im Stein 
bock, geht bald nach 8 Uhr Abends unter. — Jupiter, im 
Stier, die ganze Nacht bis früh Morgens am Himmel 
sichtbar. — Saturn, im Wassermann, geht anfangs um 
10 Uhr, zum Schluß um 8 Uhr Abends unter. — Am 
1. Dezember Abends gegen 8 Uhr stehen in Berlin in der 
Richtung von Süden nach Norden folgende Sternbilder: 
Fische, Widder, Andromeda, Casstopeja, kleiner Bär, großer 
Bär. Im Osten: Stier, Perseus, Zwillinge, Fuhrmann. 
Im Westen: Pegasus, Schwan, Leier, Herkules. — Dauer 
der Dämmerung im Dezember 46 Minuten, 
t „Zur Moselburg" nennt Herr Gastwirt Hermann 
Noack sein morgen im Hause des Herrn Schlothauer, Ring- 
Ecke Moselstraße neu eröffnetes bürgerliches Restaurant. 
Herr Noack, der lange Jahre Oberkellner in den Rheinischen 
Winzerstuben war, ist tüchtiger Fachmann und wird daher 
seine Gäste nur aufs beste bedienen. Zum Ausschank ge 
langen gutgepflegte hiesige Biere, ferner Spatenbräu und 
Pilsener Urquell. Auch für eine vorzügliche Küche ist 
bestens gesorgt. So können wir nur wünschen, daß das 
Restaurant „Moselburg" allgemeinen Zuspruch findet und zu 
jeder Zeit einen guten Besuch aufweist. 
f Vom Schillerplatz. Der Zuzug nach dem Schiller 
platz wird immer belebter, was natürlich auch die Ein- 
richtung von Geschäften erfordert. Zuerst finden sich ge 
wöhnlich die der Nahrungsmittelbranche ein und so wird, 
morgen, Sonnabend, den 2. Dezember in dem vornehmen 
Hause Schillerplatz Ecke Wiesbadenerstr. eine Feinbäckerei, 
Konditorei und Casö in modernster Art eröffnet. Der In 
haber des Hauses als auch des Geschäfts ist Herr Topo- 
linski, der vordem in der Schmargendorferstr. 5 eine 
Konditorei inne hatte. Herr Topolinski wird nur gute 
Ware liefern und seine Kundschaft promptest bedienen. In 
dem behaglich eingerichteten Caf6 ist auch Bier, Wein und 
Liqueur zu haben. So wird denn der Inhaber genannten 
Geschäfts alles aufbieten, um das Publikum zufrieden zu 
stellen 'und rechnet daher auch auf rege Unterstützung. 
t Ein Frühstücksmarder treibt wieder seit einiger 
Zeit in unserem Ort sein Unwesen. So. hat er erst vor
        
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