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Periodical volume Nr. 281, 30.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

«hmigung der Nord-Südbahn vom Magistrat übersandt 
»orden. Für die Ausarbeitung der Spezialpläne ha der 
Magistrat bekanntlich erst jefct die Mittel (30 000 M ) bei 
b« Stadtoerordneten-Bersammlnng beantragt, die sich in 
ihrer heutigen Sitzung mit dieser Vorlage *u beschäftigen 
toben wird. In städtischen Kreisen verlautet, daß - mit 
allgemeine L'uge und unter dem Drucke 
der Verhältnisse lelbst diejenigen Stadtverordneten für 
hie Vorlage stimmen werden, welche sonst die Rentabilität 
städtischer Unternehmungen in 
pflegen. 
den Vordergrund zu stellen 
gerichtliches. 
»"redlich-- -.'lufwärterin in der Perlon der schon 
»gen Diebstahls vorbeNrwlen L ose Homulh mußte sich vor dem 
Echostengencht wrgen DrrdstahtÄ verantworten. Die H. war im 
Di'Nst bei b-ct Fraa Witwe Dietze. Ein s Tag's wollte deren im 
selben Haute wohnende rochier, Frau Wmninger die Müller besuchen. 
Eie oernahm in der Wohnung ein Geräusch, das die «, Wesenheit 
rmer Person verrieth, jedott) wurde ihr wiederholten Klinaelns und 
INopüns unA^acht-t nicht geöffnet Frau W schöpfte «erdacht und 
stellte >rch auf die Lauer. GS d uene garnicht lange, als die Homuth 
«ill der W.hnung herauskam und die Treppe hinunterlchlich. Eie 
mir.'e zur Rede abstellt und gefragt, was das heimliche Einschleichen 
i» die Wohnung bedeuten solle-, aus d ese Weise fand der schon lange 
r iegle Berdacht gegen die H. Bestätigung. ES waren nämlich 
Mark, 20 Mark und 40 Ma k bares G ld zu verschiedenen Zeiten 
«twendet worden. Die H. war schon lange verdächtig, das G-ld ge- 
st».len zn haben. Den Beweis für die Täterschaft lieferte die Ver 
handlung vor dem Schoss ngeilcht. Dem Antrage des StaatSanwalts 
§««tt lautete bad Urteil auf 1 Woche Gefängnis. 
? Der dnich übermäßig schnelles Fahren in der Rhein- 
stiaße am 2. Juni d Z. stattgehabte Straßcnnnfall bschäf-igte 
Gestern das Schöff.ngericht Als Urheber des Unfalls war der Buch- 
Halter Karl Gaillke aus Berlin angeklagt wegen fahrlässiger Körper 
verletzung. — Der Aiigklagte fuhr an dem bezeichneten Tige die 
stheinstraße entlang :>it seinem Talgwagen. Rechts und links am 
Weae standen zwei Wagen, ein Bierwagen und ein Möbelwagen. 
Zwischen diesen beiden drängte G. hindurch in demselben Augenblick 
als der Bierkutscher Sellin einen Flaschenkasten auf das Verdeck 
seines BierwagenS warf. Er wurde von dem G.'fchen Wagen ersaßt, 
umgestoßen und nicht unerheblich verletzt. Bor Gericht entschuldigte 
sich der Angeklagte mit dem Einwände, die schmale Durchlaßstelle 
zwischen jenen beiden an der Seite stehenden Wagen sei ursprünglich roch 
frei gewesen als er sich d m kritischen Punkt näherte, jedoch sei Sellin 
urplötzlich in die Fahrtrichtung eingetreten und an ein Haltenbleiben 
nickt mehr zu denken gewesen. Durch die Beweisaufnahme wurde 
da.getan, daß G. unbedingt in seinem Gewissen sich schuldig fühlen 
mußte, denn er war sofort, nachdem S. beim Überfahrenwerdcn laut 
aufschrie, im schnellsten Karriere daoongesaust. Er wäre sicher auch 
entkommen. Zufällig befand sich an einer Haltestelle ein Straßen- 
bahnwageo. Diesen bestieg ein Augenzeuge des Vorgangs, der Kauf- 
mann Srtcpe. ES gelang diesem, den Wagen d.s Angeklagten ein- 
zuholen und die Firma am Wagen festzustellen. — DaS Gericht 
erachtete Fahrlässigkeit auf Seiten des Angeklagten für erwiesen, die 
darin zu finden sei, daß er übermäßig schnell fuhr, sonst hätte er doch 
rechtzeitig anhalten können. — Das Urteil lautete auf 40 Mark 
Geldstrafe^ 
Ueber Zinsen. 
von Rechtsanwalt Dr. Mar c. 
Raddruck »erböte». 
(JR. Zinsen sind das Aequivalent für die Gewährung 
und Kreditierung vvn Geld und Geldeslvert. Bei der ge 
waltigen volkswirtschaftlichen Bedeutung des Instituts der 
Zinszahlung dürfte eine rechtliche Betrachtung desselben 
von Interesse sein. 
Im Recht sind hauptsächlich zu unterscheiden gesetzliche 
und vertragsmäßige Zinsen. 
Gesetzliche Zinsen sind diejenigen, welche vermöge eines 
vom Gesetz vorhergesehenen Tatbestandes ohne besonders 
dahingehende Vereinbarung zu zahlen sind. Vertrags 
mäßige Zinsen sind dagegen diejenigen, welche kraft Par 
teivereinbarung zu entrichten sind. 
Besonders wichtig unter den gesetzlichen Zinsen sind 
die Verzugszinsen. Der Schuldner hat nämlich kraft Ge- 
Gefetzes eine Geldschuld während des Verzuges zu ver 
zinsen. Der Schuldner kommt in Verzug, »venu er auf 
eine nach dem Eintritt der Fälligkeit seiner Schuld er- 
solgte Mahnung des Gläubigers nicht zahlt. Der Mah 
nung steht gleich die Zustellung eines Zahlungsbefehls 
oder der Leistungsklage. Dagegen stellt die Uebersendung 
einer Rechnung für sich allein eine Mahnung noch nicht 
dar. Die Mahnung kann schriftlich oder mündlich er 
folgen. Man kann sie auch durch den Gerichtsvollzieher 
( »stellen lassen. Man bediene sich jedoch zwecks Vermei- 
ung der Beleidigung des Schuldners niemals zur Mah 
nung einer offenen Postkarte. 
Auch ohne besondere Mahnung kommt der Schuld 
ner in Verzug, wenn für die ihm obliegende Leistung 
eine Zeit nach dem Kalender bestimmt ist, und er zu dieser 
S eit nicht geleistet hat. Das gleiche gilt, wenn der 
nstung eine Kündigung vorauszugehen hat, und die 
Reit für die Leistung in der Weise bestimmt ist, daß sie 
sich von der Kündigung ab nach dem Kalender berechnen 
läßt. Ist also kraft Gesetzes oder Vertrages eine Schuld 
einen Monat nach Kündigung zahlbar, so kommt der 
Schuldner von selbst in Verzug, wenn er nicht spätestens 
Monat nach Empfang der Kündigung zahlt. 
Der Schuldner kommt nicht in Verzug, wenn die 
Leistung infolge eines Umstandes unterbleibt, den er nicht 
zu vertreten hat. Er ist jeüoch in dieser Beziehung 
beweispslichtig und kaun sich natürlich nicht mit Geld 
mangel entschuldigen. 
Von Zinsen sind Verzugszinsen nicht zu entrichten. 
Der Gläubiger hat jedoch das Recht, Ersatz des ihm durch 
den Verzug mit der Zinszahlung nachweislich erwachsenen 
Schadens zu fordern. In gleicher Weise kann der Gläubi 
ger natürlich beim Verzug des Schuldners mit d»r Kapi 
talzahlung statt der Verzugszinsen Ersatz seines etwaigen 
höheren Schadens verlangen. 
Von den zahlreichen anderen Fällen gesetzlicher Zins 
zahlungsPflicht seien z. B. folgende genannt: Verwendet 
ein Beauftragter Geld für sich, das er dem Auftraggeber 
herauszugeben oder für ihn zu verwenden hat, so ist 
er verpflichtet, es von der Zeit der Verwendung an zu 
verzinsen. Der Auftraggeber kann aber natürlich Ersatz 
des ihm etwa durch die unrechtmäßige Verwendung er 
wachsenen höheren Schadens verlangen. Wie ferner be 
kannt sein dürfte, darf der Vormund Mündelgeld nicht 
für sich verwenden. Tut er es doch, so hat er es von der 
Zeit der Verivendung an zu verzinsen. Zu bemerken 
ist an dieser Stelle, daß das Darlehen im Gebiet des 
bürgerlichen Rechts nicht schon von Gesetzes wegen ver 
zinslich ist. Der Darlehnsgeber kann also Zinsen nur 
verlangen, wenn Verzinsung vereinbart ist/ Kaufleute aber 
können für in Ausübung ihres Handelsgewerbes gewährte 
Darlehen ohne weiteres vom Tage der Leistung an fünf 
Prozent Zinsen berechnen. 
Die Höhe der gesetzlichen Zinsen ist verschieden, je 
nachdem.Bürgerliches Recht, Handelsrecht oder Wechselrecht 
in betracht kommt. Im Gebiete des bürgerlichen Rechtes 
sind für jedes Jahr vier vom Hundert zu entrichten. Da 
gegen ist die Höhe der gesetzlichen Zinsen bei Geschäften, 
die auf seiten beider Parteien Hani^lsgeschäfte sind, fünf 
vom Hundert. Das gleiche gilt für die Fälle, in denen das 
Handelsgesetzbuch die Verpflichtung zur Zinszahlung ohne 
Bestimmung des Zinsfußes besonders ausspricht. Der 
säumige Wechselfchuldner hat sechs vom Hundert zu zahlen. 
Was nun die aus Grund besonderer Vereinbarung 
zu entrichtenden Zinsen betrifft, so unterliegt auch ihre 
Höhe der freien Vereinbarung, so weit nicht die noch zu 
erwähnenden Bestimmungen entgegenstellen. Ist zwar die 
Zinszahlung an sich, nicht aber auch die Höhe der Zinsen 
vereinbart, so greift die Höhe des gesetzlichen Zinsfußes 
Platz. Es sind also im Gebiet des Bürgerlichen Rechts 
vier, für eine Schuld aus beiderseitigen Handelsgeschäften 
fünf voni Hundert für das Jahr zu zahlen. 
Ist ein höherer Zinssatz als sechs vom Hundert sür 
das Jahr vereinbart, so kann der Schuldner nach dem 
Ablauf von sechs Monaten das Kapital unter Einhaltung 
einer Kündigungsfrist von sechs Monaten kündigen. Dieses 
gesetzliche Recht des Schuldners kann nicht durch Ver 
trag ausgeschlossen oder beschränkt werden, es gilt jedoch 
nicht für Schuldverschreibungen auf den Inhaber. Daß 
fällige Zinsen wieder Zinsen tragen sollen, kann nicht im 
Voraus vereinbart warben. Eine Ausnahme gilt nur für 
Sparkassen, Kreditanstalten und Inhaber von Bankge 
schäften. Diese können mit Rechtswirksamkeit im voraus 
vereinbaren, daß nicht erhobene Zinsen von Einlagen 
als neue verzinsliche Einlagen gelten sollen. Ferner 
dürfen Kreditanstalten, die berechtigt sind, für den Be 
trag der von ihnen gewährten Darlehen Schuldverschrei 
bungen aus den Inhaber auszugeben, sich bei solchen 
Darlehen die Verzinsung rückständiger Zinsen versprechen 
lassen. Der nach Fälligkeit von Zinsraten getroffenen 
Vereinbarung, diese wieder zu verzinsen, steht natürlich 
nichts im Wege. — Bemerkt sei hier noch, daß, wenn 
jemand mit einem Kaufmann in sogenanntem Kvntvkur- 
rent steht, derjenige Teil, dem beim Rechnungsabschluß 
ein Ueberschuß gebührt, von dem Tage des Abschlusses 
an Zinsen von deyr Ueberschusse verlangen kann, auch 
soweit in der Rechnung Zinsen enthalten sind. 
Das gesetzliche Kündigungsrecht des mehr als sechs 
vom Hundert' schuldigen Schuldners, sowie das Verbot 
des im voraus vereinbarten Zinseszinses bezwecken, wie 
ohne weiteres ersichtlich, Schutz des Schuldners. In noch 
höherem Maße gilt letzteres von dem gesetzlichen Verbot 
der Wucherzinsen. Wie bereits gesagt, ist ein gesetzliches 
Zinsmaximum, bei dessen Ueberschreitung etwa Wucher 
vorliegen würde, nicht aufgestellt. Wucher liegt vielmehr 
dann vor, wenn das Zinsversprechen unter Ausbeutung 
der Notlage, des Leichtsinns oder der Unersahrenheit er 
langt ist, und die Zinsen derartig hoch sind, daß unter 
Berücksichtigung der gesamten Umstände ein auffälliges 
Mißverhältnis zwischen dem Wert der Kupitalshingabe 
und den zu leistenden Zinsen besteht. Wann die gedachte 
Ausbeutung, das gedachte Mißverhältnis vorliegen, läßt 
sich natürlich nicht durch abstrakte Sätze ein für allenial 
festlegen. Es ist vielmehr die Frage, ob Wucherzinseii ver 
einbart sind, je nach der Lage des Einzelsalls zu ent- 
scheiden. Die gleiche Höhe der Zinsen kann in dem 
einen Falle Wucher sein — z. B. einem leichtsinnigen 
Studenten gegenüber —, während sie in dem anderen 
Falle, etwa einem kapitalsuchenden Geschäftsmann gegen- 
.über die Grenzen des Erlaubten keineswegs zu über- 
schreiten braucht. Das Wuchergeschäft ist — von der straf- 
rechtlichen Seite abgesehen — zivilrechtlich nichtig. Die 
Erfüllung desselben kann also nicht erzwungen werden 
Die Nichtigkeit ist eine totale. Es kann also auch nicht 
Erfüllung zum Teil, etwa innerhalb der Grenzen ge 
fordert werden, bei deren Jnnehaltung Wucher nicht vor 
gelegen hätte. Die etwa auf Grund des wucherlichen 
Geschäfts erfolgten Leistungen können aus dem Gesichts 
punkt der ungerechtfertigten Bereicherung, und zwar nach 
der herrschenden Ansicht beiderseits, zurückgefordert wer 
den. — Erwähnt sei nach, daß die gewerbsmäßigen Pfand 
leiher an Zinsen zwei Pfennig für Monat und Mark bei 
Darlehnsbeträgen bis zu 30 Mark, und einen Pfennig für 
jeden Monat und jede den Betrag von 30 Mark übersteigend« 
Mark vereinbaren dürfen. 
Zinsrückstände verjähren in vier Jahren. Die Ver 
jährungsfrist beginnt mit dem Schluß des Jahres, in dem 
der Zinsanspruch fällig geworden ist. Mit dem Haupt 
anspruch verjährt auch der Anspruch auf die Zinsen, 
auch wenn die Verjährungsfrist sür die einzelne Zins 
rate noch nicht abgelaufen ist. 
Vermischtes. 
Zum Andrea-tage Der letzie No:embertag, nach dem heili 
gen Andreas benannt, gehört zu jenem volkstümlichen Tagen, an 
welche sich im Saure der Zeiten ganz eigenartige Sitten und Bräuche 
knüpften. Mit dem Andreas ag fängt nach 'dem Vol'smunde der 
kigentliche Winter an. eine Ansicht, die aus der Heikenzeit stammt, 
denn bei ihnen begann mit der Winierjonnenwende, dem Julfest, 
bereits das neue Jabr. Um die'e Zeit nun verheiralete man sich 
am liebsten, damit^man, wenn die Nächte wieder kürzer wurden und 
die Feldarbeit begann, dann gleich mit der Frau auf die Äcker hin 
ausziehen tonnte. Vier Wochen vor dem Julfest bgann nun wie 
gesagt, der Winter und die Neugierde der jungen Mädchen, zu wissen, 
wer ihr zukünftiger Gatte, Herr und Gebieter werde, ist daher ver 
zeihlich. Andreasseiern finden sich fast überall, die ältesten in Polen, 
was sich dies aus dem Umstande eiklären läßt, daß der heilige An 
dreas der Schutzpatron der Slaven ist. Auch bei den Russen, die 
Andreas einst für das Christentum gewann, ist dieser Heilige in 
großem Ansehen. Die Bedeutung, die Petrus für die römisch-kato- 
lische Kirche, hat Andreas sät d e griechisch-russische. So ist daher 
auch der höchste Orden in Rußland der Andreasorden. Dec heilige 
Andreas war bekanntlich ein Apostel und Petri Bruder und wohl 
auch ursprünglich ein Fischer am See Genezureth wie jener. Daß 
man aber nun gerade .seinen Tag" auf den 80. November legte, 
und daß er selbst schon sehr frühe in Bildwerken mit der Mutter 
Maria zusammengestellt wird, das ist jedenfalls auf germanische 
Mythologie zurückzuführen Wie dem auch sei. fest steht, daß bei 
uns der heilige Andreas nach alter Bolksfitte als ein Hort der Schätze 
(Andreasberg, Andreasschacht) und der F uchtbarkeit, zugleich aber 
auch als ein Schützer der Bräute, als ein: Art Eheprokurator für 
junge Mädchen betrachtet wird. Man greift daher an dem ihm ge- 
weihten Ahend nach mancherlei Orakel», welche die Zukunft verraten 
und den Schleier aller Geheimnisse lüsten müssen. Am beliebtesten 
ist dabei das Bleigi ßen, aus dessen Figurendildungen auf das Ge- 
werbe des Liebsten geschloffen wird Daneben findet sich daS Lichtet- 
schwimmen, d. h. auf Nußschalen werden kl ine Sichler gesteckt uud je 
nachdem die in einer mit Wasser gefüllten Schüssel hin und herschwimmen 
den Dingerchen einander nahen, werten sich die dabei gedachten 
Menschenkinder kriegen, oder auch nicht. Anderwärts werden Tonkügelchen 
mit kieinen Zetteln ins Wasser geworfen, oder es wird mit kleinen 
Näpfen aus Eilberblech, dem Nappelfang, versucht. Im Harz erforscht 
man auch gleich die Richtung, wo die Wohnung des Geliebten -liegen 
wird. Es muß da in stiller Abendstunde der Ecbzaun im Garten 
geschüttelt und dazu gesprochen werden: .Srbzaun, ich schüttle dich, 
ich rüttle dich, wo mein Liebster wohnt, da regt fich's; kau» er, sich 
nicht selber melden, so laß nur ein Hündchen bellen!" Dann wird 
fich's in der Gegend, wo der Gesuchte wohnt, irgendwie regen. Oder 
es sprechen dort die Mädchen vor deui Schlafengeh-n: „Bettspond, 
ich trete dich, Sankt Andres, ich bitte dich, laß doch erscheinen den 
Herzallerliebsten meinen!" Sehr einfach ist das auch an andern 
Lostagen gebrauchte Andreasorakel: „Gackert der Hahn, so krieg' ich 
en Mann, gackert die Hern', io krieg' ich noch kenn!" Die wendischen 
Mädchen essen vor dem Zuvettegehen eine Apfelhälfte und daun 
erscheint ihnen im Traum der Liebste und bekundet sich als solche», 
indem er die andere Hälfte verspeist, llm den künftigen Geliebten 
und Gatten im Traum erscheinen zu sehen,' haben die Mädchen in 
Schwaben früher vor dem Einschlafen in der Andreasnacht den Bett- 
zipfel in die Hand genommen, ihn geschüttelt und dabei gesprochen: 
„Heilige Andreas, ich bitte dit>, Bettzipf.l ich schüttle dich, laß mir 
erscheinen den Meinen.' Ein anderer Spruch lautet: „Heiliger 
Andreas, ich bitte dich, Beltst-ll' ich trete dich, laß mir doch erscheinen 
den Herzallerliebsten meinen, wie ex werbend vor mir steht und mit 
mir zur Kirche geht!" Früher haben auch Mänmr das Andreasorakel 
befragt. Es wird da u. a. von einem jungen G:afen berichtet, der 
„ein jar vor der heiialhkabredt' den Andreasbrauch auch probiert; 
ihm sei dann Fräulein von Edelstein, daS er nachher geheiratet, „tot 
Traum wirklich fürkommen'. In Schlesien werfen die Mädchen am 
Andreasabend, mit dem Rücken nach der Tür gewendet, ihren Pan- 
toffet rückwärts über den Kopf. Liegt der Pantoffel mit der Spitze 
nach der Stube zu, so kommt im Laufe eines Jahres ein Fleier. In 
Böhmen geht das Mädchen, das die Zukunft erforschen will, Abends 
durch die Gaffen, bi" es zu einem Hause kommt, wo in einer Stube 
zu ebener Erde g.sprechen wird. Da bleibt es stehen, klopft mit 
b m Zeigefinger der rechten Hand leise an den Fensterrahmen und 
spricht: „Ich klopfe an, ob ich diess Jahr bekomme den Mann?" 
Hierauf lauscht es aufr erkiam, ob es im Laufe des Gesprächs aus 
der Siube das Wörtchen .Ja" oder „Nein" vernimmt. 
" kstanl terrible. Vater: „Bitte nehmen Sie doch Platz, 
verehrte Frau Baum, uieine Frau wird gleich kommen und sich sehr 
freuen! -- -Cast Du denn gesagt, Karl, daß Frau Baum hier istl" 
— Karl: .Fa, Pap»/ — Vater: „Nun kommt sie denn bald, war 
sag'.e sie?" — Katlr „Sit sagte: Ist denn das alte Klatschmaul 
schon wieder dal' 
Ȋsen 3 M an 
Hckseurücken, Läufer. Keulen 
Euch gehäutet u. gespickt 
Wehwilö 16215 
Keulen Rücken Blätter 
IK in 5 M. an l,25M. an 
Gänse Enten, Hühner 
Tauben, Kapaune 
Spießer u. Wildschwein 
zerleg« F.eitag im Laven 
Nh Schlösser 
Aßeintz». 22 h. d. Kirchstr. Telephon 183 
Mtümch «.Sonnabend auf hiesigem Markt 
Tanzschule Jeslel 
ßnrtenau, AheiuSr. «O, Rheiischloß. 
Pri» taute.richt für eincelne Personen 
Mira AllerS Walzer lehre 2stündlich 
stk Rundtänze 4stündlich, sämtliche Tä-fie, 
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i>i,r lllüpiv „ach haudgestrickt. Füß 
lings z. selbstannähen sowie In. Strick 
garn' am Laaer. Ha»bfervAe«ke 85. 
Reparaturen 
jeder Art, auch Gas, und Waffe», führe 
bißiaft aus B. Schul« 
6206J Fritz Reuterstr. 5 H. 4 Tr. 
HWothelcnvcrlehr. M 
M. SO OVO X n \ gt 
zu v rgeb- Gest. Adr .sub F. D. 1 Beilin, 
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