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Periodical volume Nr. 280, 29.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

zu geben und richtet daher der Amtsvorsteher die Frage an 
den Handels- und Gewerbeverein, wie dieser sich hierzu 
stelle. Es wäre vielleicht vorteilhaft, wenn man auf den 
3; Sonntag vor Weihnachten, den sogenannten »kupfernen", 
als offenen Handelstag Verzicht leistet, um so den 31. frei zu 
bekommen, damit man bei den 3 Sonntagen, als freie 
Verkaufstage bleibe. Der Deutsch-nationale Handlungs- 
gehilfenverband, Ortsgruppe Friedenau, hat ebenfalls an 
den Amtsvorsteher ein Schreiben gerichtet, in welchem 
er bittet, diese beiden Tage nicht frei zu geben, damit es 
den Angestellten möglich ist, diese Tage in, Kreise der 
Familie zu verbringen, auch wird in dem Schreiben heran 
gezogen, daß dieser Tagsden Geschäftsleuten doch nicht den 
Profit bringe, als schon die Beleuchtung rc. ausmache, 
und wohl gern darum auf die Freigabe dieser Tage ver 
zichtet werde. Der Herr Vorsitzende meint, daß dieses 
nicht auf Wahrheit beruhe, gerade die letzten Tage sind 
für den Geschäftsmann noch die Gewinnbringendsten. Die 
Angestellten haben doch den ganzen 1. Feiertag frei und 
auch ain 2. Feiertag dürfen die Geschäfte nur kurze Zeit 
offen sein, dann komme auch wieder der Neujahrstag, sie 
haben also doch da genügend Tage frei und müßte man 
es mit Entrüstung zurückweisen, daß noch mehr verlangt 
werde. Der Sylvester insbesondere ist doch in der Haupt 
sache nur ein Tag, der Gelegenheit gibt, die Trinkfestigkeit 
zu erproben. Außerdem sind gesetzlich 6, für den Papier 
handel 7 Sonntage zur Offenhaltung zulässig, wir haben 
hier aber nur die 3 Sonntage vor Weihnachten, verzichten 
somit sowieso schon auf 3 Sonntage, da müßten die An 
gestellten auch erkennen, daß sie dem Geschäft auch 
"Entgegenkommen zeigen. Wenn wir diese Sonntage nicht 
offen haben, wird das Publikum auswärts kaufen gehen, 
da dort die Geschäfte offen find. Um den Angestellten 
schließlich aber doch einen 4. Sonntag vor Weihnachten 
frei zu geben, könne man ja vielleicht als Äquivalent auf 
den »kupfernen" Sonntag verzichten. So müsse man den 
Herrn Anitsvorsteher ersuchen, den 24. und 31. Dezember 
bis 8 Uhr Abends für den Detailhandel offen zu 
halten. — Herr Schultz bemerkt, daß die Frei- 
gebung in den Händen des Herrn Amtsoorstehers liege 
und man eine schriftliche Eingabe machen solle. Für die 
Handelstreibenden sind die letzten 4 Tage das Haupt 
geschäft und würde es ein bedeutender Ausfall für diese 
sein, wenn ihnen diese Tage noch genommen werden. 
Er beantragt deshalb, daß man das Ersuchen stelle, diese 
beiden Sonntage frei zu geben. Herr Wolfs fragt an, ob 
in Berlin der kupferne Sonntag frei sei, was der Vor 
sitzende bejaht mit dem Bemerken, daß in Berlin rc. der 
31. nicht frei sei, da der letztere aber viel wichtiger für 
den Handel ist, wolle man eventuell auf den »kupfernen", 
der doch wenig bringe, verzichten. Herr Lehmann 
bezeichnet den 24. und 31. Dezember auch für die Blumen 
geschäfte als die wichtigsten. Herr Habermann stellt den 
Antrag, die Geschäfte vielleicht nur bis 6 Uhr offen zu 
halten, zieht diesen Antrag jedoch wieder zurück, da 
ihm vom Vorsitzenden bedeutet wurde, daß gerade in den 
Abendstunden das Hauptgeschäft gemacht werde. Hiernach 
kommt man zu dem Beschluß, ein Ersuchen an den Herrn I 
Amtsvorsteher zu richten, den 24. und 31. Dezember bis 
Abends 8 Uhr für die offenen Verkaufsstellen offen zu 
halten und wird eine Kommission, bestehend aus den 
Herren Berger, Lorenz und Wolfs gewählt, die die dies 
bezüglichen Wünsche dem Herrn Amtsvorsteher vortragen 
soll. Dann kommt man zur Festsetzung der freizu 
gebenden Handelstage, bezw. Verlängerung der Offen 
haltung an Wochentagen für 1906. Zur Offenhaltung bis 
10 Uhr Abends werden festgesetzt: 12. und 14. April, 
2. Juni, 17., 18., 19., 20., 21. und 22. Dezember und 
für Bäckerei-, Blumen- und Zigarrenhandlungen noch der 
31. Dezember; als handelsfreie Sonntage zur Offenhaltung 
bis Abends 8 Uhr werden genannt: 9., 16. und 
23. Dezember, für den Papierhandel außerdem der 
30. Dezember. Herr Gerken fragt an, ob noch mehr 
Tage zulässig sind und stellt, als dies bejaht wurde, den 
Antrag, noch mehr zu verlangen. Man verzichtet jedoch 
auf weitere freie Handelstage, da man doch keinen rechten 
Zweck daraus ersieht. — Es werden denn auch die vor 
genannten Tage von der Versanunlung bestätigt. — Zur 
Gemeindevettreterwahl bemerkt der Herr Vorsitzende, daß 
durch die Wahl des Herrn Sadöe zum Schöffen ein 
Gemeindevertreter-Posten der 1. Klasse frei geworden ist. 
Im Haus- und Grundbesitzer-Verein hat man schon über 
diese Wahl verhandelt und erteilt er Herrn Schölzel das 
Wort zur Berichterstattung. Herr Schölzel erklärt dann, 
daß man sich in der Vorstandssttzung auf die Kandidatur 
des Herrn Gerken geeinigt habe. Herr Gerken hat oft 
schon gezeigt, wie er an allen öffentlichen Angelegenheiten 
Interesse nimmt, und hat oft seine Gesinnung bekundet. Der 
Haus- und Grundbesitzer-Verein schlägt deshalb Herrn 
Gerken zur Wahl vor und bittet, daß auch der Handels 
und Gewerbe Verein die Kandidatur unterstütze. Herr 
Schultz unterstützt auch die Kandidatur des Herrn Gerken. 
Herr Gerken ist auch viel in der Welt herumgekommen 
und hat stch aus kleinen Anfängen zu einer angesehenen 
Stellung emporgeschwungen; solche Leute aber müssen wir 
in unserer Gemeinde zur Vertretung haben. Herr 
v. Wrochem bestätigt die Angaben des Herrn Schölzel. 
Herr Ruhemann ist ebenfalls für die Wahl des Herrn 
Gerken, fragt aber an, ob nicht von irgend einer 
anderen Seite Gegenkandidaten aufgestellt werden. Herr 
Matt hi es erklärt, daß wenn hier die Aufstellung 'des 
Herrn Gerken zum Gemeindevertreter genehmigt wird, 
die andere Partei, die noch in Frage käme, keine 
Kandidaten aufstellen wird, so daß also die Wahl 
des Herrn Gerken perfekt wäre. Herr v. Wrochem gibt 
noch an, daß der Haus- und Grundbesitzer-Verein bereits 
Karten hat anfertigen lassen und bittet, daß auch vom 
Handels- und Gewerbe-Verein noch extra Karten herum 
gereicht würden. Herr Gerken wird alsdann als Kandidat 
aufgestellt und sollen Karten an den betr. Wähler gesandt 
werden, die uin die Wahl des Herrn Gecken ersuchen. 
Herr Gerken dankt bestens für das Vertrauen, das man 
ihm entgegenbringt und erklärt jederzeit bemüht zu sein, 
für die Interessen der Handels- und Gewerbetreibenden 
einzutreten. — Die Anbahnung deS telefonischen Sprech 
verkehrs kommt alsdann zur Sprache. Herr Wolf hegt 
Bedenken, daß das Telefon dann vielleicht zu unlauteren 
Zwecken gebraucht würde. Herr Graßmann, Gerken und 
Ruhemann sehen aber die Vorteile höher an, denn die 
schließlich einmal vorkommende Bosheit, die dem Be 
treffenden doch auch erhöhte Kosten bereite. Man beschließt 
deshalb, bei der Post vorstellig zu werden, den telefonischen 
Nachtdienst einzuführen. — Unter Jnteressenfragen bringt 
Herr Graßmann noch zur Sprache, daß die Gemeindever 
treter-Wahl so kurz anberaumt sei, so daß man kaum eine 
Versammlung zur Aufstellung eines Kandidaten abhalten 
könne. Herr Ruhemann meint, daß man doch wisse, 
wann eine Neuwahl notwendig sei und man das doch 
schon genügend vorbereiten kann. Herr Schultz bemerkt, 
daß bei den Märzwahlen man wohl rechtzeitig wisse, wann 
die Wahlen erfolgen müffen, doch bei Ersatzwahlen liegt es 
der Hand des Amtsvocstehers die Wahl anzuberaumen. 
Der Herr Vorsitzende hält es nicht für vorteilhaft, zu ver 
handeln, ehe eine Wahl angesetzt sei, man gebe dadurch 
oft die Waffen aus der Hand, so müsse mau unbedingt 
darauf dringen, daß die Wahl mindestens 3 Wochen vor 
her angesetzt werde. Herr Berger teilt dann noch mit, daß 
er von der Post auf seine Beschwerde wegen unzeitiger 
Paketbeftellung ein Antwortschreiben dahingehend erhalten 
habe, daß das Paket wohl vor 8 Uhr bestellt werden mußte, 
sein Geschäft aber da noch geschlossen war, so daß es erst 
bei der Rückfahrt des Wagens ihm übergeben werden 
konnte. Er will jedoch die Sache weiter verfolgen und 
anfragen, ob die Postwagen derartig viele Pakete zu be 
stellen hätten, daß sie von morgens 7 bis nachmittags 
1 Uhr bestellen müßten. — Herr Graßmann weist dann noch 
auf die Jnseratentafel im »Friedenauer Lokalanzeiger" hin 
und ersucht, daß stch doch noch mehr Geschäftsleute mit 
Inseraten beteiligen möchten, da der Preis 7 Pfg. bei 
10 Zeilen und 6 Pfg bei größeren Inseraten doch ein 
sehr niedriger sei. — Nachdem der Herr Vorsitzende noch 
eine Karte des Herrn Kurt betr. des Buchführungskursus 
zur Verlesung brachte und bemerkte, daß stch bisher 
niemand zu diesem Kursus gemeldet habe, schließt er 
gegen 11 Uhr die sehr anregend verlaufene Versammlung. 
-f- Die Veranstaltung des Konzertes Felix 
Meyer am 27. d. M. hat uns daran erinnert, wie selten 
die in unserm Vorort zahlreich wohnenden Künstler und 
Gelehrten sich dazu verstehen, in hiesigen Sälen ihre Mit 
bürger an ihrer Kunst und Wiffenschaft teilnehmen zu 
lassen. Es hat dies, abgesehen von dem pekuniären Risiko 
im allgemeinen, welches mit solchen Unternehmungen ver 
bunden ist, seinen Grund hauptsächlich in der Unzuläng 
lichkeit unserer Saal-Räume. Der Hohenzollern-Saal an 
stch erscheint zwar bei bescheidenen Ansprüchen so ungeeignet 
nicht. Indessen fehlt es ihm zunächst- an einem Podium, 
für welches die Bühne keinen hinlänglichen Ersatz bieten 
kann. Vor allem aber ist die Einrichtung der Garderobe 
von einer derartigen Dürftigkeit und mit so großen Un 
bequemlichkeiten für die Besucher verknüpft, daß wirklich 
schon dieser eine Umstand für Manchen hinreichen wird, 
einem im Hohenzollern-Saal veranstalteten Konzerte fern 
zubleiben. Es konnte auch nur einem Künstler von dem 
Rufe Felix Meyer's gelingen, trotz der entgegenstehenden 
Schwierigkeiten ein zahlreiches Konzert-Publikum um sich 
zu versammeln. Schon der geschickte Aufbau des 
Programms wirkte anziehend. Nach einem Violinvortrag 
folgte immer zunächst eine deklamatorische und darauf eine 
Gesangsnummer. Felix Meyer zeigte in dem Violin 
konzert v-äur von Beethoven und dem Konzert patdstiquo 
von Ernst nicht allein sein bekanntes Talent, sondern ^r 
bewies uns auch, wie er durch unablässiges, fleißiges 
Studium auf der Höhe der Kunst zu bleiben versteht. 
Die Wahl des Herrn Musikdirektor Adolf Mittelhausen 
zum Begleiter am Flügel war eine glückliche zu nennen. 
Denn Herr Mittelhausen verstand es, den Violin-Konzerten 
den musikalischen Gehalt zu geben, was, wenn es sich wie 
hier um die Wiedergabe einer ganzen Orchestermustk 
handelt, besonderer Sorgfalt bedarf. — Frau Frida 
Fischer, die Rezitatorin des Abends, verfügt über ein 
ausdrucksfähiges Stimm-Organ, eine ausgereifte Vortrags- 
Technik und gute Auffassung. Mit feinen Wirkungen 
führte sie sich durch die Deklamation des Richard Dehmel'schen 
„Vierter Klaffe" zwar nicht ein. Es gibt zahlreiche zart 
sinnigere Gedichte dieses Autors, der es in dem erwähnten 
Opus lediglich darauf abgesehen zu haben scheint, Schrecken 
zu erregen. Dagegen konnte man sich mit der Mehrzahl 
der übrigen Vorträge der Frau Frida Fischer innig 
befreunden. Am meisten gefiel wohl »Nachtigall und 
Ibis" von Wildenbruch. — Frl. Cilly Mueller schließlich 
vervollständigte durch den Vortrag der Arie Mio 
Fernando aus der „Favoritin" von Donizetti und einiger 
Lieder von Wolf und Brahms, von denen sie den 
„Schmied" zweimal singen mußte, das Gelingen des 
Abends. Sie verfügt über eine senore Altstimme von 
bedeutendem Umfange und eine feine künstlerische Durch 
bildung. Frl. Ella Müller begleitete sie auf dem Flügel 
diskret und — was noch wertvoller ist — unter richtiger 
Hervorkehrung des Tongefüges. Den Schluß machte der 
Konzertgeber mit einer Romanze von Rubinstein und 
einem Kuiawiak von Wieniawski. Hiermit und mit der 
auf stürmische Hervorrufe zugegebenen Serenata von 
Piernö war er der liebenswürdige Romantiker, der da 
weiß, daß auch musikgewohnte Hörer nach anstrengenderen 
Genüssen der Erholung bedürfen. S-R- 
f Jubiläums-Ständchen. Ans Anlaß zehn 
jähriger Mitgliedschaft zum „Friedenauer Männer-Gesang- 
verein 1875" wurde Herrn Geh. Rechnungsrat Hendrich 
gestern Abend ein Gesangsständchen gebracht. Die Sänger 
waren zahlreich angetreten und erfreuten den Jubilar mit 
drei zu Herzen gehenden Liedern. Herr Hendrich dankte 
für die Ehrung mit bewegten Worten und lud die Sänger 
zu einem Schoppen ein. Die osfizielle Feier, bei welcher 
dem Jubilar auch das übliche Geschenk zu teil wird, 
veranstaltet der Verein voraussichtlich im Januar nächsten 
Jahres. 
f Mitwirkende Friedenauer. Der Vaterländische 
Frauenverein veranstaltet am Freitag, den 1. Dezembek, 
im Neuen Operntheater (Kroll) ein großes Wohltätigkeks- 
fest, betitelt Niklasfest. Bei diesem wird auch eine Ab 
teilung des bekannten Friedenauer Mädchenchors des Frl. 
Wiedemann mitwirken und ist zu wünschen, daß ihr 
neben dieser Ehre auch der beste Erfolg zu Teil wird. 
-ß Kunstabend. Theodor Storm dem unvergeßlichen, 
dabei so oft vergessenen herrlichen Poeten, vielleicht be 
deutendsten Lyriker nach Goethe hat die städtische Kom 
mission der Kunst-Abende in Schöneberg den nächsten 
Volkskunstabend am Sonntag, den 3. Dezember bestimmt. 
Neben vorzugsweise Lyrik gelangen auch Bruchstücke aus 
seinen Prosawerken und zahlreiche Kompositionen seiner 
Gedichte von Brahms, Strauß u. a. zum Vortrag. Erste 
Sprecher und Sänger haben stch hierfür zur Verfügung 
gestellt. Die literarische Würdigung in einem Vortrage 
besorgt der Dichter Paul Remer, ein Freund des toten 
Künstlers. Karten ü 0,30 M. sind in allen Schöncberger 
Buchhandlungen, sowie im Verein zur Förderung der 
Kunst, Genthinerstr. 17 und Dürerhaus, Kronenstr. 18 
zu haben. 
-f- Die goldene Eva, dieses fröhliche Vers-Lustspiel 
von Franz von Schönthan, gab es gestern wieder einmal 
im „Hohenzollern-Theater". Die lieblichen, wohlklingen 
den Berschen dieses Stückes finden wohl immer wieder 
ihre Freunde, und so wurde auch gestern das Stück mit 
reichem Beifall bescheert. Die goldene Eva fühlt in ihren 
Adern fürstliches Blut> rollen und möchte so gerne in 
höheren Kreisen schalten und walten, als über die Gesellen 
und Lehrlinge ihrer Goldschmiede zu herrschen. Ein ver- 
hungerier Graf möchte sie gern zur Frau, da ihr »Gold" 
ihm sehr am Herzen liegt, doch Frau Eva wendet stch 
von ihm und giebt ihremfröhlichen, treuoffenen Gesellen Peter 
die Hand zum Lebensbunde. Das Spiel war ausgezeichnet. 
Die Titelrolle hatte Frl. Trude Mangelsdorff inne und 
war es wohl jedem eine Freude gerade diese Rolle in 
einer so vorzüglichen Darstellung zu sehen; wie so natür 
lich war in ihrem Spiel die Freude über zu teil gewordene 
Ehre, wie natürlich das erwachende Gefühl der Liebe, das 
ihr nachher den geliebten Mann trotz vorherigen Hochmuts 
zu eigen macht. Ganz allerliebst nahm sich vor allem 
auch Frl. Else Römer als Lehrjunge Friedel. aus. Frau 
Joh. Suhr (Barbera) gab die alte verliebte Wirtschafterin 
treffend wieder, auch Frl. Martha Hoffmann war als 
Gräfin Agnes sehr gut. Herr Ernst Stegemann war ein 
fach großartig in dem zum Handwerk zurückgekehrten Kunst 
jünger, Peter, der in offener Treuherzigkeit die Liebe zu 
seiner Meisterin kundgab. Nicht ganz so gefiel diesmal 
Herr Karl Herrmann (Graf Zeck). Die Maske wirkte ab 
stoßend, auch erschien die Wiedergabe des verhungerten, 
vom Juden ausstaffierten Grafen, etwas zu affektiert. 
Herr Paffarge hätte etwas „ritterlicher" sein können, im 
großen und ganzen befriedigte das Spielen der beiden 
Herren aber doch. Herr Abicht (Altgeselle) gab seine 
Rolle auch gut wieder und war das Gesamtspiel ein Vor 
zügliches, so das reicher Beifall die Darsteller belohnte. 
Nicht unerwähnt aber wollen wir auch die prächtigen 
Kostüme lassen, die dem Spiele noch besonderen Glanz 
verliehen. 
-f Festessen und Ball bilden morgen Abend im 
„Hohenzollern" den Schluß der 30 jährigen Jubiläumsfeier 
des »Friedenauer Männer-Gesangvereins 1875". Der 
Vergnügungs-Ausschuß hat alles aufgeboten, um das be 
deutungsvolle Fest glänzend vor stch gehen zu lassen, und 
wird e§ auch an Überraschungen nicht fehlen. U. a. ge 
langt auch eine inhaltsreiche Festzeitung zur Ausgabe die 
unter der Redaktion der Mitglieder Max Schmidt und 
Franke nach mühevoller Arbeit vortrefflich gelungen ist. 
t Eisbeiuesseu. Der Haus- und Grundbesitzer- 
Verein veranstaltet alljährlich ein Eisbeinessen und findet 
das diesjährige am Freitag, den 1. Dezember, im »Hohen 
zollern" pünktlich um 8 Uhr statt. Es sind bis jetzt etwa 
100 Personen gemeldet, eine derartig starke Beteiligung, 
wie sie noch in keinem Jahre war. Die Eisbein-Essen 
deS Vereins waren aber auch stets sehr gemütlich, so daß 
die Mitglieder tatsächlich etwas versäumen, die nicht daran 
teilnehmen. 
f Endgültig geschloffen wird am Sonnabend, 
den 2. Dezember der Anzeigenteil des „Adreßbuch für 
Friedenau und dem Schöneberger Ortsteil für 1906". 
Durch das rapide Wachstum der Einwohnerschaft gewinnt 
das vorteilhafte Nachschlagewerk immer mehr an Wert und 
werden alle Interessenten, die noch Inserate aufzugeben 
gedenken, gebeten, dies fbis zu angegebenem Termin zu 
tun. Evtl, verlange man den Besuch unseres Vertreters. 
f Ei» feiner Kunde. Der ehemalige Redakteur 
Dr. Pastg, der wegen Vergehen gegen § 175 des R. Str. 
Gesetzbuches in Haft sitzt, wird sich nach Aussage einer 
Mitbürgerin, Fräulein Kr. auch noch wegen weiterer 
Straftaten zu verantworten haben. Wie Fräulein Kr. 
angibt, hat sie bei P. gewohnt und wurde wegen eines 
Darlehns von 800 M. angegangen. Falls das Geld nicht 
gegeben werde, drohte P. die Kr. zu verleumden. Die 
Kr. hat stch natürlich nicht verblüffen lassen. Dagegen ist 
eines Tages plötzlich aus ihrem Zimmer ihre goldene Uhr 
verschwunden und bei P. ein Pfandschein über diese ge 
funden worden. Fräulein Kr. hat nun Anzeige wegen 
Erpressung und Diebstahl gegen P. erstattet. 
t Die Selbsterkenntnis des Anonymen. Ein 
Anonymus, de. sich über einen politischen Artikel in der 
„Post" geärgert hat, schreibt diesem Blatt: „. . . solche 
Ochsen wie Schreiber dieses . . ." Wir haben, so bemerkt 
die „Post", gegen diese Selbstcharakteriesierung nichts ein 
wenden. 
Schöneöerg. 
— Die Handelskammerwahl der dritten Abteilung 
des Wahlbezirks Charlottcnburg-Schöneberg, welche gestern 
in der Zeit von 11 bis 2 Uhr im Restaurant „Schultheiß", 
Bülowstraße 108a stattfand, hatte folgendes Ergebnis. 
Aufgestellt waren das bisherige Mitglied der Kammer, 
Martin Michalski und Brauereidirektor Max Fincke. Von 
diesen erhielten Michalski 224, Direktor Fincke 68 Stimmen, 
demnach ist Michalski gewählt. Gegen die Wahl Michalski 
ist aus verschiedenen'Gründen sofort Protest eingelegt worden.
        
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