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Periodical volume Nr. 279, 28.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

übertragen. Wir Bürger der modernen Staaten haben 
e» bequemer als die der römischen Weltreichs zur Zeit 
Christi, an welche ein Gebot erging vom Kaiser Augustus. 
daß alle Welt hingehen solle, «geschätzt" zu werden: wir 
werden gezählt, ohne daß wir unsere Wohnung zu ver- 
lasten haben. 
Diese 5 jährigen Volkszählungen bezwecken lediglich 
die notwendige Kenntnis des allgemeinen Stander und 
Zustandes der Bevölkerung. Bor Errichtung des neuen 
deutschen Kaiserreiches war seit 1834 eine offizielle Zählung 
innerhalb der Grenzen des Zollvereins alle drei Jahre 
üblich; diese hatte einen fiskalischen Zweck, während unsre 
jetzigen Zählungen ein Exempel sind, dessen Facit ziffern 
mäßig getrennt Alter und Geschlecht, Familienstand und 
Religion, Beruf und Erwerb, Staats, und Ortsangehörigkeit 
in einem Gesanrtbilde vereinigt und — war die Haupt 
sache und der Wert der Statistik — vergleichbar darstellt. 
(1870 unterblieb die Zählung, weil Deutschlands wehr 
pflichtige Mannschaft vor dem Feinde stand, und fand 
dafür ein Jahr später statt, die nächste am 1. Dezember 1875.) 
Staat und Reich verlangen mit Recht Klarheit über 
die Gesamtzahl ihrer Männer und Frauen, ihrer schul- 
pflichtigen und wehrfähigen Jugend, ihrer Verheirateten 
und Ledigen, ihrer Witwer und Witwen, ihrer beruf»- 
fähigen und berusslosen Volksgenossen. Wer darüber un 
richtige oder ungenügende Angaben macht oder Personen 
und Tatsachen verschweigt, der fälscht daS Gesamtergebnis 
und verletzt eine wichtige öffentliche Pflicht gegen Ge 
meinde, Staat und Nation! Leider wohl gibt es vor- 
urteilSvolle Menschen noch genug, die dem herannahenden 
Termin der Zählung mit mißtrauischen Augen entgegen 
sehen, da sie in ihr z. B. fiskalische Zwecke argwöhnen, 
während dock Steuer- und auch MilitärfiSkuS ihre Nach 
forschungen ununterbrochen und jährlich wiederkehrend an 
stellen, wozu ihnen ja ganz andere und zuverlässigere 
Mittel und Wege zu Gebot stehen als eine, wie im alten 
Rom, nur jedes Lustrum einmal stattfindende „Schätzung." 
Die Staatsregierung gibt den am Zählgeschäft be 
teiligten Behörden auf, nicht nur zu zählen, sondern bet 
‘ dieser Gelegenheit auch den Inhalt der Zählpapiere zu 
prüfen, sowie die dabei gemachten Wahrnehmungen und 
Erfahrungen, die dabei etwa zu Tage tretenden Ansichten 
und Wünsche zu registrieren, damit sie später im Jntereffe 
des Ganzen berücksichtigt und verwertet werden können. 
Namentlich soll auch die Teilnahme unserer intelligenten 
Bevölkerung am Zählgeschäft selbst, sowie der Umfang der 
Selbstzählung durch richtige Ausfüllung der Zählkarten 
beobachtet werden; denn es handelt sich ja darum, die 
Ergebnisse der Zählung praktisch nutzbar zu machen, sonst 
hätte sie an sich überhaupt keine» ersichtlichen Zweck. 
Es ist daher nötig und dringend geboten, daß wir 
Alle die Behörden und ihre Organe, die Zähler, bei diesem 
ihrem schwierigen und verantwortungSreichen, wichtigen 
Amt unterstützen. Möge daher jeder HauShaltungSvorstand 
und jeder Einzellebende, der eine besondere Wohnung 
inne hat, den ihm in diesen Tagen mit dem Zächlbräes 
zugehenden, für den Haushalt erforderlichen Zählkarten 
sowie dem HaushaltungSoerzeichnisse und der 
(grünen) Wohnungskarte nach Maßgabe der darin 
gegebenen gemeinverständlichen Anleitung sowie der bei 
gefügten Musterbeispiele gewissenhafte, deutliche und 
zweifellose Ausfüllung angedeihen lasten und vom 
1. Dezember Mittags ab alles, schön beisammen, geordnet 
und möglichst sauber, zur Abholung durch die Zähler 
bereithalten. Es ist dringend notwendig — sagte Jemand 
früher mal treffend —, „daß sich die HauSväter gegen die 
Zähler als zuverlässige Nenner zeigen, wenn daS 
Resultat nicht in die Brüche gehen soll!" 
Die Herren Zähler aber müssen sich vor Adressierung 
der Zählbriefe in jedem Hause ihres ZählbezirkS vom 
Besitzer oder Verwalter ein Verzeichnis aller HauShaltS- 
vorstände mit der Ziffer der Kopfzahl erbitten, wenn 
ihnen nicht auch hier, wie in Berlin, eine solche Liste von 
der Gemeinde zur Benutzung überlassen wird. Auch ist e» 
gut, wenn der Adressat des Zählbriefs die Wohnung 
seiner Zählers erfährt, damit er sich zur Not an diesen 
wenden kann. Selbstverständlich wird die Besorgung deS 
ZählgefchäftS auf Grund einer offiziellen HauSliste zu 
verlässiger erfolgen als ohne Liste. 
Wenn auch für viele Zwecke die Kenntnis der bloßen 
Zahl der Bewohner genügen mag, so ist sie doch nur ein 
Minimum besten» was der Staat von seinen Bürgern 
wissen muß, da der Mensch, wo eS auch sei, gleichzeitig 
ein wirtschaftliches und soziales, hierdurch aber wiederum 
«Um Goltes Willen, Schneider, wohin fährt der Mar 
quis?" 
«Wenn ich recht verstanden, nach den schwarzen Tannen." 
Mit einer verziveisiungsvollen Energie befahl sie: „Lassen 
Sie sofort anspaiuien, die Traber, den Jagdwagen, rasch, 
rasch, ein Menschenleben hängt davon ab. Zehn Napoleons, 
Schneider, weiln ich zur rechten Zeit koiilnie." 
Alit beflügelter Eile entfernte sich der Kammerdiener 
nach dem Stall, ivo schon Leben herrschte. Zehn Minuten 
später fuhr Frau von Manrod, ihre alte Dienerin neben 
sich, nach den schwarzen Tannen. 
Noch ein anderes Wesen verlebte zu gleicher Zeit 
Stunden tiefer Herzensangst im Manrod'schen Hause. 
Marie von Manrod war durch das Geräusch im Hofe 
geweckt worden und hatte ihre Mutter fortfahren sehen im 
frühen Tagesschein. 
Was bedeutete das? 
Sie ließ Schneider rufen und fragte ihn nach dem, was 
vorging. Der Kammerdiener verehrte die junge Dame sehr. 
Der Mann wußte natürlich alles, denn selbstverständlich hatte 
er auch gehorcht, als der Kartellträger Falkenhains da war. 
„Ich vermute, die Frau Baronin ist davongefahren, 
um den Herrn Marquis an einem blutigen Abenteuer zu 
verhindern." 
.Wie? Schlägt sich Alfons? Mit wem denn?" 
«Herr von Falkenhain, den er sehr beleidigt haben muß, 
hat ihn fordern lassen." 
Sie wurde totenbleich. 
„Und Mama?" 
„Wird wohl, von mütterlicher Besorgnis getrieben, nach 
den schwarzen Tannen sein." 
Fast betäubt von der Schreckensnachricht, daß der Geliebte 
ein politisches Leben lebt. Die Zahl spricht nur von der 
Existenz der Einwohner, das Zählpapier aber von deren 
Beschaffenheit. Die Volkszählungen sind daher da» 
wichtigste Mittel zur Messung deS Volkswohlstands. 
Da die Bevölkerung selbst immer einen hewor- 
ragenden Teil deS BolkSwohlstandS bildkt, so wird die 
Volkszählung zur eigentlichen Beschreibung des Volkes. 
Der Internationale Statistische Kongreß hat deshalb 
Normen vereinbart, die die Vergleichung der in den ver 
schiedenen Kulturstaaten gewonnenen Resultate ermöglichen 
und erleichtern. 
Die Volkszählung hat mithin eine sehr wichtige 
und bedeutende Mission: sie ist der zuverlässigste, weil 
grundlegende, Beitrag zur Kenntnis der vaterländischen 
Verhältnisse; ihre Unterstützung ist also eine patriotische 
Pflicht, deren wir eingedenk sein wollen! 0- L- 
Lokales. _ 
f Anf dem ehemaligen Sportparkgclände sind 
nunmehr sämtliche Straßen mit Bäumen bepflanzt. Um 
die jungen Bäume bei der jetzt so regen Bautätigkeit vor 
dem Anfahren durch Lastfuhrwerke zu schützen, wurden die 
Bäume an den besonders gefährdeten Stellen mit Schutz 
latten umgeben. 
f Zur Bewältigung de» diesjährigen Weih» 
uachtS-Päckerei-Verkehr» hat die Reichspostverwaltung 
neben ihrem Bestand an eigenen Wagen 300 Güter- 
waggonS von der Eisenbahnverwaltung tagweise über 
nommen, um die Zusammenstellung besonderer Postzüge 
für den Päckereivcrkehr zu ermöglichen. Von Mitte 
Dezember ab werden von resp. nach Berlin täglich 
16 Postsonderzüge verkehren. Außerdem werden derartige 
Züge zwischen den größeren Städten innerhalb deS 
ReichspostgebieteS von Osten nach Westen und umgekehrt 
abgelassen werden. Über die Stadtbahn werden all 
nächtlich vier Sonderzüge fahren. 
f Sportpark-Ltraßen Namen hierfür sind nun 
mehr in so großer Anzahl eingegangen, daß der Gemeinde 
vorstand jetzt schon die richtige Wahl wird treffen können. 
Wir nehmen daher von weiteren Veröffentlichungen Ab 
stand und sagen allen Einsendern für ihre Bemühungen 
verbindlichsten Dank. 
f Todesfall Am Totensonntag, Abends 10 Uhr, 
verstarb Herr Apotheker Albert Hirt, Kgl. Ober-Apotheker 
der Landwehr. Der Verstorbene hatte die erste Apotheke 
in unserem Ort, die „Adler"-Apotheke. Rheinstrabe 16, 
im Jahre 1893 eingerichtet und bi» 1903, also 10 Jahre 
selbst verwaltet. Nach Verkauf derselben zog Herr Hirt 
nach dem Schöneberger Ortsteil, Wielandstraße 15, von 
wo aus am Donnerstag, um 3 Uhr die Beerdigung nach 
dem hiesigen Friedhof stattfindet. 
■f Sin Vermächtnis für die Kriegerwaisen» 
Häuser. Wie die „Parole" mitteilt, hat die am 12. 
August in WandSbeck gestorbene Frau Mathilde Brämer zur 
Erinnerung an ihren inzwischen ebenfalls gestorbenen Sohn, 
den Oberstleutnant a. D. Max Brämer, der Kronprinz- 
und Kronprinzessinstiftung des Deutschen Kriegerbundes 
für dessen Waisenhäuser ein Legat von 20000 Mk. testa 
mentarisch vermacht. 
t OrtSkrankeukafse Die morgen Abend */,9 Uhr 
im .„Gesellschaftshaus", Rheinstraße 14, stattfindende 
Generalversammlung wird hiermit nochmals in Erinnerung 
gebracht und die Delegierten der Wichtigkeit der Tages 
ordnung wegen ersucht, pünttlich und vollzählig zu erscheinen. 
t Felix Meyer-Kouzert. Das gestern Abend von 
unserm verehrten Mitbürger. Herrn Kgl. Kammermusiker 
Felix Meyer im Hohenzollern veranstaltete populäre Konzert 
erfreute sich eines sehr guten Besuches. Wir wollen heute 
auf die einzelne Darbietungen nicht weiter eingehen, da 
wir Morgen eine ausführliche Rezension bringen werden. 
Nur soviel sei gesagt, daß Herr Felix Meyer, wie auch 
die durch gütige Mitwirkung ihn unterstützenden Frl. Cilly 
Mueller (Konzertsängerin), Frau Frieda Fischer (Rezita- 
tonn) und Herr Musikdirektor Adolf Mittelhausen uns an 
erkannt vorzügliche künstlerische Gennüsse boten, die das 
Publikum zu stürmischem Beifall Veranlassung gaben. 
-f Tamariterkursus für Damen. Zu dem von 
der SanitätSkolonne einberufenen ersten Übungsabend 
für Damen zur Ausbildung in erster Hilfeleistung bei 
Unglücksfällen und Krankenpflege, hatten sich gestern Abend 
im Sitzungssaals des Gymnasiums eine derartig große 
Anzahl von Damen eingefunden, daß der Saal sie kaum 
zu fassen vermochte. Unter den Anwesenden bemerkten 
wir u. a. Frau Bürgermeister Schnackenburg und die 
sich im Zweikampfe mit Fleury den: Tode aussetze, wankte 
sie zurück in ihr Schlafzimmer. . 
„Heute scheint hier eine Revolution zu herrschen," dachte 
der Kammerdiener, „was ist denn daran gelegen, wenn zwei 
Verrückte sich die Knochen entzwei schießen." 
•;* * 
Rudolf von Falkenhain war mit Referendar Belzig und 
einem Arzte bei den schwarzen Tannen eingetroffen, einem 
abgelegenen Ort, wo gemeinhin die Ehrenhändel ausgesochten 
wurden. 
Die vereinbarten Bedingungen waren nicht sehr schwer. 
Fünfzehn Schritte Distanz, glatte Pistolen, zweimaliger Kugel 
wechsel, Feuer gleichzeitig auf Kommando. 
Dem jungen Mann war nicht leicht um's Herz. Nicht, 
daß er die Kugel des Gegners gefürchtet hätte, aber er de- 
zahlte das Duell mit dem Bruder Mariens vielleicht teuerer. 
Er hätte nach der Schwere der Beleidigung auf härtere 
Bedingungen bestanden, aber die Besorgnis, seine stillen, 
fast traumhaften Hoffnungen auf immer zugefährden, hatte 
ihn davon zurückgehalten. 
Die Herren waren genötigt, einige Minuten zu warten. 
Dann hörte man einen Wagen anrollen und Fleury 
erschien mit seinem Sekundanten, einem französischen Fecht 
meister und ehemaligen Offizier, der sich in der Provinzialhaupt 
stadt niedergelassen hatte. 
Der Unparteiische, ein Offizier der Garnison, fehlte 
noch. 
Doch traten die beiden Sekundanten zusammen, bestimmten 
die Stellung der Duellanten, maßen die Entfernung ab und 
\ luden die von ihnen ausgesuchten Pistolen. 
(Fortsetzung folgt.) 
Damen des Ausschusses, ferner die Herren Schöffe SadSe, 
Dr. Töpfer, Beisitzer Radtke und Rehmer von der Sanitäts 
kolonne. Nach 8 Uhr eröffnete Herr Dr- Töpfer die Ver 
sammlung. Er begrüßte die Damen und sprach ihnen 
den besten Dank für das Erscheinen auS, besonderen Dank 
widmete er aber der Frau Bürgermeister Schnackenburg 
und den übrigen Damen des Ausschusses, welche so regen 
Anteil genommen haben an dem Zustandebringen des 
Samariter-KursuS. In klarer und erschöpfender Weise 
beleuchtete Herr Dr. Töpfer nun den Zweck und die Ziele 
der Samariter. Er legte auch dar, wie notwendig eS ist, 
zu erkennen, wenn ärztliche Hilfe erforderlich ist. Sehr 
oft wird hierin gesündigt und der Arzt zu spät herbei 
geholt. So bilden die Sanitätskolonnen und die Samarite- 
innen die Stützen und Gehilfen des Arztes, an ein Kur 
pfuschen, wie oft früher vorgeworfen worden, ist nicht zu 
denken. — Hiernach wurden unter lebhafter Zustimmung 
die Unterrichtsabende für jeden Montagabend 8 Uhr 
im Sitzungssaal des Gymnasiums festgesetzt. Die nöti 
gen Bücher werden besorgt werden und sind am nächsten 
Uebungsabend zu haben. Dann hielt Herr Dr. Töpfer 
noch einen Vortrag, der in großen Zügen den Aufbau deS 
menschlichen Körpers behandelte und plastische Darstellungen 
gaben hierzu die nötigen Erläuterungen. Reicher Dank 
belohnte den Vortragenden für seine interessante Ausführungen. 
Zum Schluß wurde der Jahresbeittag noch auf 3 Mk. fest 
gesetzt und soll dieser in einer der nächsten Sitzungen 
erhoben werden. — Mit Freuden begrüßen wir den Eifer 
unserer Damenwelt, den sie für die hehren Aufgaben des 
Roten Kreuzes zeigen. Es ist eine schwere Aufgabe, die 
sie auf sich genommen haben. So hoffen wir, daß dieses 
Unternehmen einen festen Aufbau erfahre und jederzeit 
wirke zum Segen der gesamten Menschheit, besonders aber 
zum Segen Friedenaus. 
f Handels» und Gewerbevereiu. Wir verweisen 
hiermit nochmals auf die heute Abend 9 Uhr stattfindende 
Monatsversammlung des Vereins, zu der besonders alle 
Ladeninhaber eingeladen sind, da über die Offenhaltung 
der Geschäfte am 24. und 31. Dezember cr. verhandelt 
werden soll. 
f Krieger- und Landwehr-Verein. Aus dar 
morgen Mittwoch Abend 9 Uhr im Hohenzollern statt 
findende Kartoffel- und HeringSessen sei hiermit nochmals 
hingewiesen mit dem Bemerken, daß diejenigen Kameraden, 
welche sich bei dem Boten zur Teilnahme noch nicht ge 
meldet haben, dies noch schleunigst bei Kamerad Wegner, 
Kirchsttaße 15 I bewirken wollen, um die Teilnehmerzahl 
möglichst, vorher festzustellen. Das Gedeck kostet 25 Pfg. 
und 8 /i 0 GlaS Bier 10 Pfg,; es steht also ein genußreicher 
Abend in Aussicht. 
f Tierschutzverein für Friedenau und Um 
gegend. Eine öffentliche Versammlung findet am Freitag, 
den 1. Dezeniber, Abends 8 Uhr im „Pavillon-Restaurant", 
Groß-Lichterfelde, Chausseestraße 111, statt, Die Tages 
ordnung lautet: 1. Vortraq über den sittlichen Wert der 
Tierschutzvereine, Herr Prof. Dr. Gurlitt. 2. Freie Aus 
sprache. 3. Sonstiges. Um zahlreichen Besuch der Mit 
glieder und Tierfreunde wird ersucht. 
f Sine schwere Verletzung am Vorderkopf zog 
sich gestern Mittag der Portier H. eines Hauses in der 
Friedenauerstraße zu. H. wollte den auf dem Dache 
arbeitenden Telegraphenarbeitern von der Dachluke auS 
etwas mitteilen, hierbei schlug die Klappe zu und brachte 
ihm eine derartig schwere Kopfverletzung bei, daß da» 
Blut herniederrieselte. Durch den starken Blutverlust 
stellte sich bei H. eine große Schwäche ein, sodaß man zur 
Sanitätswache schickte. Herr Bethge legte dem Verletzten 
in dessen Wohnung dann einen Notverband an. 
f Beim Betteln abgefaßt wurde in der Lauter- 
straße der stellenlose Arbeiter N. und in Polizeigewahrsam 
gebracht. N. steht seiner Überführung nach Moabit ent 
gegen, da er schon so oft vorbestraft ist, daß er die Anzahl 
seiner Vorstrafen nicht angeben konnte. ' 
Schöneöerg. 
— Echöueberger Stadtverorduetenfitzung. In 
der gestrigen Sitzung entspann sich eine längere und ziem 
lich heftige Debatte über die durch die Krankenhausbau 
deputation erfolgte Beantwortung der Anfrage, der Stadtv. 
Zobel und Genossen betr. die Inbetriebnahme des Kranken 
hauses. Die Deputation schreibt, daß für die Fertigstellung 
deS Krankenhauses der 1. Juli 1906 in Aussicht genommen 
worden war. falls die Witterungsverhältnisse sich günstig 
gestalteten und keine unvorhergesehenen Arbeitsunter 
brechungen eintreten würden. Durch das regnerische Wetter 
im Sommer und Herbste, durch das frühzeitige Eintreten 
des Winters, sowie durch Ausbruch eines Streiks bei den 
Kessellieferungen, habe infolgedessen die Bauausführung so 
erhebliche Störung erlitten, daß daS Krankenhaus erst zum 
1. Oktober 1906 mit Sicherheit dem Betrieb übergeben 
werden kann. Die Stadtv. Zobel, Kuznitzky und Band 
mann erklärten, sich mit dieser Beantwortung nicht zu 
frieden geben zu können. Das Verwaltungsgebäude, mit 
dessen Bau zuerst begonnen worden sei, stehe noch heute 
ohne Putz und Fenster da. Was die Witterungsoerhätt- 
nisse anlangt, so sei entgegen der Behauptung der De 
putation der vergangene Sommer für die Aufführung von 
Bauten recht günstig gewesen. Stadtbaurat Egeling wies 
darauf hin. daß das Projekt für den Krankenhausbau am 
23. November 1903 genehmigt worden sei. Am 17. Okt. 
desselben JahreS habe man mit dem Bau deS Verwaltungs 
gebäudes und Anfang Mai 1904 mit der Errichtung der 
9 Pavillons begonnen, deren letzter im Oktober 1904 
fertiggestellt worden sei. Der Bau des Krankenhauses 
werde also, wenn es zum 1. Oktober 1906 in Betrieb ge 
nommen sein wird, noch nicht 2 J / 2 Jahre gedauert haben, 
während das Charlottenburger Krankenhaus bis zu seiner 
Fertigstellung ein Zeitrauni von 3'/ 2 Jahren erfordert habe. 
Zwei Petitionen der städtischen Lehrer und Lehrerinnen 
um Gewährung einer Teuerungszulage wurde dem 
Petitionsausschuß überwiesen. Der Magistratsvorlage betr. 
die Übernahme der Kosten für die Beschaffung und Unter 
haltung der Dienstanzüge der Etraßenausseher und deS 
Kanalaufsehers auf die in Frage kommenden Spezialetats
        
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