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Periodical volume Nr. 279, 28.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Friedkliam Cok«l=Jl«!tijrr. 
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Kr. 279. 
Friedenau, Dienstag den 28. November 1905 
12. Iahrg. 
Depeschen. 
Velin Der Reichstag wurde heute Mittag 12 Uhr 
durch den Kaiser mit einer Thronrede eröffnet. 
Frankfurt a. M. Wie dem „Frkf. Volksbl." aus 
Rom gemeldet wird, hat der Papst auf den Antrag des 
Feldprobstes dem Militär-Oberpfarrer Dr. Koch von hier 
die Prälatenwürde verliehen. 
Wien. Wegen der heute stattfindenden Wahlrechts 
demonstrationsumzüge sind alle Geschäfte und Betriebe 
gesperrt. Die Abendblätter werden erst Nachmittags um 
4 Uhr erscheinen. Der akademische Senat beschloß, daß, 
falls sich die Studentendemonstrationen wiederholen 
sollten, mit Schließung der Universität vorgegangen wird, 
was für die Studenten den Verlust eines Semesters 
bedeutet. 
Belgrad. Wie verlautet, sollen die angesehensten 
und verantwortlichen Faktoren, die Obersten Datscha 
Popowitsch und Maschin ihrer jetzigen Stellungen ent 
hoben werden. Ersterer soll zum neuen Direktor, der 
letztere zum Leiter der Militärakademie ernannt werden. 
Rom. Wie verlautet, hatte Kaiser Wilhelm das 
italienische Königspaar eingeladen, zu den Festlichkeiten 
anläßlich der silberne» Hochzeit des Kaiserpaares nach 
Berlin zu kommen. Das Königspaar mußte jedoch in 
ablehnendem Sinne antworten und wird sich durch den 
Herzog von Genua vertreten lassen. 
Paris. Das „Echo de Paris- meldet aus 
Konstantinopel. die Lage in Mazedonien verschlimmert sich 
non Tag zu Tag. Trotz der Aufmerksamkeit der curo- 
päischen Gendarmen begehen bulgarische Banden täglich 
neue Greueltaten. In den Bezirken Monastir und Castoria 
zeigt die Bevölkerung eine auflehnende Haltung, während 
andererseits die türkische Bevölkerung angesichts der 
Flottendemonstration gegenüber den Europäern eine sehr 
gereizte Stimmung zur Schau trägt. 
Paris. Der Erzbischof von Paris scheint den 
Auftrag erhalten zu haben, die französische Kirche nach 
Annahme des Trennungsgesetzes zu rekonstruieren. Er hat 
bereit- verschiedenen Priestern Bischofssitze angeboten. Die 
in AuSsscht genommenen Kandidaten haben sich die Ent 
scheidung noch vorbehalten. 
Warschau. Der hiesige Advokat und Schriftsteller 
Dr. Lepitzky wurde von Witte empfangen. Witte Erklärte 
ihm. Russisch-Polen werde die weitgehendsten Rechte er 
halten und zwar unter Anerkennung der polnischen Sprache 
und Literatur sowie die Gewährung der autonomen Lokal 
verwaltung. 
Petersburg. Der telegraphische Verkehr mit 
Gebastopol ist wieder hergestellt. Rach Nachmittags ein 
gelaufenen Berichten sind die Forderungen der meuternden 
Matrosen und Soldaten ausschließlich wirtschaftlicher Natur, 
weshalb Graf Witte einen Vertreter nach Sebastopol 
entsandte, der sich über die dortige Lage informieren soll. 
Trotzdem die meuternden Soldaten und Matrosen das 
Arsenal wie überhaupt die ganze Stadt besetzt halten, 
wurde die Ruhe doch nicht gestört. Die Matrosen halten 
Ihr erster Gatte. 
Roman von Franz Treller. 
25. 
(HtthTjLd »rttiin.) 
„Tu willst Dich schlagen. Allons?" 
Er war doch überrascht, daß |tc das schon wußte, und 
dachte: nun, das andere wird sie auch schon wissen. 
„Wie kommst Du darauf?" 
„Fch weiß es, kenne Tein Zusammentreffen ge,lern abend 
mit diesem Menschen. Dieses Tnell, Alfons, dars mcht statt- 
f* ntl *ü$odj sehe ich keine Möglichkeit, es abzulehnen." 
',Es darf leider nicht stattfinden, mache Deine Ent- 
'^Ls'wnrde mich als 4d 3 lin, (anstellen -m° dabei ga- 
ni«,s „atzen, in, foWe «ele>d„nng,n »M ■S 
fchuldigung. Tu wirst doch nicht wollen, dan rch davon aulei 
Es pars nicht statlnirderr," iviederbvlle pe leiden,izalilict^ 
.wenn Du uns nicht alle, mich. Tick,. Alanrod unglücklich 
machen willst" 
Tcutt Mama, ich verstehe Dich gar mcht. .. 
"Ren, das kannst Tn nicht. Ein Verhängn,- brach über 
mich herem. Ick bade gesündigt ">'d bnßen ^ b 
SÄ JÄ7Ä 
«ulvnicl, mi'.uerl.cher Zärtlichkeit enngermaven gernhrt. 
vhne Offiziere die Ordnung aufrecht. Die Mannschaften 
der Panzerschiffe „Rostißlaw" und „Fri-Swiatitelyk- haben 
sich den Meuterern nicht angeschlossen. 
Der Herausgeber und Redakteur des Witzblattes 
„Maschinengewehr", Scheebujew, ist gestern verhaftet 
worden. 
Konstantinopek. Da der Sultan geneigt ist, nach 
zugeben, so haben die vor Mytilene liegenden Kriegs 
schiffe den Befehl erhalten, ihre Truppen zurückzuziehen, 
aber noch im Hafen zu kreuzen. 
Tanger. Das Syndikat französischer Kaufleute, 
welche in Marokko ansässig sind, hat beschlossen, einen 
internationalen Kongreß von Geschäftsleuten zu ver 
anlassen, welche in Marokko Interessen haben. 
Tanger. Der Deputierte Dutheil ist an Bord 
eines englischen Dampfers abgereist und trifft am Freitag 
wieder in Paris ein, wo er dem Ministerpräsidenten 
Rouviers Bericht über die Verhältnisse in Marokko 
erstatten wird. 
Reuyork. Der „Herold" bringt folgende etwas 
mysteriös klingende Meldung aus Buenos Ayres, die 
wohl eine deutsch-feindliche Tendenz in sich birgt. Danach 
veröffentlichte kürzlich das Blatt „Prensa" daS Facsimile 
eines Vertrages, der am 3. März 1871 zwischen Rußland 
und Deutschland abgeschlossen sein soll und der die Unter 
schriften Bismarcks und Westmanns enthalte. Dem 
„Herold" zufolge sei dieser Vertrag vor einiger Zeit dem 
französischen Ministerpräsidenten Rouvier unterbreitet 
worden, welcher erklärte, eS scheine sich um ein 
authentisches- Dokument zu- handeln, und zwar handle eS 
sich um einen Bllianzvertrag, über welchen zu jener Zeit 
zwischen den beiden Staaten verhandelt worden sei, denn 
er trage die Siegel der Kanzleien der beiden Ministerien 
desÄußeren. Nach diesem Vertrage hätteüsterreich eventuellen 
Falles an Deutschland, Böhmen, Schlesien, Mähren und 
Salzburg abtreten müssen, ferner an Rußland, Galizien, 
während Rußland seinerseits an Deutschland die Gebiete 
von Libau, Mytau und einen Teil Kurlands mit Riga 
abgetreten hätte. Dieser angebliche Vertrag sei vor einiger 
Zeit verschiedenen Zeitungen zum Kaufe angeboten worden, 
die ihn aber abgelehnt hätten, weil sie seine Authentizität 
stark bezweifelten, da in dem Vertrage sich eine Anzahl 
Fehler vorfanden. 
Kommunale Angelegenheiten. 
Zur Tagesordnung der Gemeinde-Vertreter-Sitzung 
am 30. November 1905. 
Bewilligung der Mittel für den Grenzzaun des-Turn- und Spiel 
platzes. Referent: Herr Schöffe Bache. 
Die Umwährung des Turn- und Spielplatzes, welche 
s. Zt. von der Stadt Berlin als damaliger Eigentümerin 
errichtet worden ist, bedarf der Erneuerung, da sie infolge 
der Anlage des Maybachplatzes und Regulierung an der 
Lauterstraße ungenügend geworden ist und einen sehr 
unschönen Anblick gewährt. Wir beabsichtigen deshalb 
einen zweckentsprechenden und der Umgebung zur Zierde 
gereichenden, mit Eingangstor versehenen Drahtzaun von 
Wenn er auch nicht daran dachte, sich dem Zusammen 
treffen mit Falkerrhain zu entziehen, dies auch gar nicht 
konnte, ohne sich für immer in der Gesellschaft und der Armee 
unmöglich zu machen, ivollte er doch seine so tief erregte 
Mutter, von deren Exaltation er Schlimmes befürchte» durste, 
wenn er auf seinem Willen ihr gegenüber beharrte, beruhigen 
und sagte: 
„So gern ich auch diesen! Herrn, der es wagt, seine Augen 
zu Marie zu erheben, eine wohlg.zielte Kugel zusende, so 
will ich doch Deinetwegen alles aus freundlichem und ganz 
kavaliermäßigem Wege ordnen." 
„Sicher, Alfons, sicher?" 
.Verlaß Dich daraus." 
Sic atinete auf. 
„Doch, teuerste Mama ich brauche Geld — —" 
„Nimm nimm alles, was ick habe." Sie ging 
an einen Sekretär und holte wertvolle Schmucksachen hervor, 
Diamanten, Perlen „die nimm, mache sie zu Geld." 
Fleury raffte sie ein und sagte: „Du sollst sie wieder 
haben und nun beruhige Dich," er küßte sie, „ich will 
jetzt zunächst meine Spielschulden bezahlen und dann d-e 
Schritte tun. Adieu, teuerste Mama." 
Die von der Aufregung, ihrer Angst, ihrer Leidenschaft 
gänzlich erschöpfte Frau sank fast ohmnächtig in einen Lehn 
stuhl. Fleury aber, der wie gesagt körperlichen Mut besaß, 
begab sich zunächst zu einem Landsmann, dessen Bekanntschaft 
er hier gemacht hatte, und bat diesen, sein Zeuge zu sem und 
das Notiveiidiaste mit Herrn von Pelzig zu ordnen. 
Dann ging er, die Schinucksachen zu verwerten. 
In der Wohnung Webers herrschte trotz der Nachricht, 
die Frau Steiumüller mitgebracht, große Erregung. 
Daß das Duell rückgängig gemacht werde, daran ziveiselteu ‘ 
1.80 Meter Höhe ausstellen zu lassen. Die Kosten hierfür 
werden rund 450 M. betragen. Wir ersuchen, die Auf 
stellung des Zaunes zu genehmigen und die Mittel auf 
Abschnitt 19, 7 des Voranschlags in zwei Lesungen zu 
bewilligen. 
Erweiterung des Kabelnctzes und Bewilligung dcr Mittel. Referent: 
Herr Biirgrnnnster Schnackenburg. 
Um die Anschlüsse der Grundstücke Blankenbergstraße 
(Nitze), Stubenrmichstraße Ecke Fehlerstraße (Hoepke) und 
Goßlerstraße (Steinbach) an das Kabelnetz zu ermöglichen, 
ist die Erweiterung des letzteren erforderlich. Die hier 
durch errtstehenden Kosten werden etwa 2—3000 Mark 
betragen. Der Elektrizitäts-Ausschuß hat sich grundsätzlich 
auf den Standpunkt gestellt, derartige Erweiterungen im 
Interesse des Werkes tunlichst nicht abzulehnen. Wir 
ersuchen die Gemeindevertretung, sich hiermit ebenfalls 
einverstanden zu erklären und die Mittel bis zum Betrage 
von 3000 M aus der Anleihe in zwei Lesungen bewilligen 
zu wollen. 
Genehmigung -ur Verwendung der 500 M. Beihilfe der Vater 
ländischen Feuer - Versicherung^ - Gesellschaft. Referent: Herr 
Schöffe Sadör. 
Berichterstattung erfolgt mündlich in der Sitzung. 
Erweiterung der elektrischen Beleuchtung im Gymnasium. Referent: 
Herr Schöffe Bache. 
Es handelt sich um die Deckenbeleuchtung der 
Korridore und die Beleuchtung des Borraums der Turn 
halle, wofür nach der vom Kuratorium des Gymnasiums 
gittkehmigten AuSführurrg bis zu 500 M. Kosten entstehen 
werden. Die näheren Erläuterungen werden von dem 
Hekrn Referenten in der Sitzung mündlich gegeben werden. 
Wir ersuchen, die Erweiterung genehmigen und die Mittel 
bewilligen zu wollen. 
Zur bevorstehenden Wolkszählung 
erhalten wir folgenden Beitrag: 
Am 1. Dezember wird die achte, alle fünf Jahre 
wiederkehrende Zählung der Bevölkerung im ganzen 
deutschen Reiche stattfinden. Diese Zählung ist eine der 
wichtigsten Staatshandlungen im Leben aller Nationen, 
also auch unserer Nation. Die „Zahl" ist .nach der 
Statistik und für letztere der Grund alles Daseins, für die 
Wirtschaft der Staats aber die Basis aller Berechnungen, 
z. B. behufs Ermittelung des Nationalvermögens. Gleich 
wohl sollen und dürfen die aus der Zählung gewonnenen 
Resultate für den Einzelnen nicht zu anderen als rein 
statistischen Zwecken, namentlich nicht für Zwecke der Be 
steuerung z. B. verwertet werden; darauf karrn sich Jeder, 
der gezählt wird, felsenfest verlassen I 
Also ein wichtiger Akt steht uns bevor: Alle auf 
deutscher Erde Weilenden werden am 1. Dezember auf 
Millionen von Zählkarten und Haushaltungslisten ver 
zeichnet, von da auf die Hauptbücher der Ernzelstaaten 
und endlich nach vieler Mühe und Arbeit gereift in die 
zur Veröffentlichung kommenden tabellarischen Übersichten 
sie nicht, aber mit dem so nahe drohenden tragischen Vorgang 
war in de» beiden Leuten alles in vollster Stärke erwacht, 
was sie einst unglücklich gemacht hatte. 
Am Abend erwartete man Rudolf, aber er kam nicht. 
Ties beunruhigte Weber, und er ging nach Rudolfs 
Wohnung, um ihn zu sprechen, erfuhr aber von dessen Wirtin, 
daß der Herr Assessor einen Ausflug aus das Land geinacht 
halte, von dem er erst morgen wrederkehrte. 
Rrrdolf, dem es sehr schiver ankam, sich mit einem Manne 
zu schießen, der dem Mädchen, das seine Seele liebte, nahe 
stand, hatte der Wirtin den Auftrag gegeben, dies zu sagen, 
wenn nran nach ihm fragen sollte. Daß ihn sein Vater aus 
suchen würde, setzte er nicht voraus, so wenig wie daß dieser 
Kenntnis vor» dein Duell haben könnte. 
Weber ging beruhigt nach Hanse, brachte aber doch eine 
unruhige Nacht zu. 
Noch unruhiger war der Schlaf Frau von Manrods, 
die von gräßlichen Traumgesichtern geängstigt wurde. 
Wiederholt stand sie auf nnd ging ans und ab, mochte 
aber doch ihre Kammerzofe nicht wecken. Zwischen fünf und 
sechs Uhr, kaum zeigte sich das erste Morgengrauen. bemerkte 
sie einen gcschlosseneil Wagen, der unweit ihrer Villa hielt. 
Ein Herr stand neben denr Schlage und schien zu ivarlen. 
Zu ihrem Entsetzen erkannte sie plötzlich Alfons, fast 
nur an Gang und Haltung, der irr Begleitung Schneiders, 
der ein Kästchen trug, ans den Wagen zuging, in diesem 
mit dem Frenrden Platz nahm und davon fuhr, während 
der Kammerdiener langsam zum Hause zurückkehrte. 
Jetzt loste sich die schreckensvolle Erstarrung der Frau, 
sie stieß einen Schrei aus und stürzte, wie sic.war, im Nacht- 
gewande hinaus und rief über die Treppcnivange „ach 
Schneider, der gleich darauf vor ihr stand.
        
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