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Periodical volume Nr. 216, 14.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

sie hinausfuhren. Auf verschiedenen Kirchhöfen wurden 
Gottesdienste abgehalten, an denen sich viele Personen be 
teiligten. Viele Grabstätten, namentlich auf den zwischen 
dem Blücherplatz und der Bellealliancestraße gelegenen 
Friedhöfen, auf dem Matthäikirchhof an der Großgürschen- 
straße, dem Dreifalligkeits-, Werderschen- und Luisenkirchhos 
in der Bergmannstraße trugen einen ganz hervoriagend 
schönen Blumen- und Kranzschmuck von erlesenem Geschmack 
und großem Werte. Auch die Grabhügel vieler bedeutender 
Männer, wie Adolf v. Menzel, Rudolf Birchow, Theodor 
Mommsen, Staatssekretär Stephan, Max Koner waren 
reich geschmückt. Die Gräber anderer wieder, wie Chamiffo, 
Jffland, Ludwig Tierk, Schleiermacher, E. T. W. Hoffmann 
usw. lagen vergesien und ungeschmückt da. Noch mährend 
der Dunkelheit sah man zahlreiche Menschen auf den 
Kirchhöfen, die gestern später geschlossen wurden. 
f Die Genehmigungs-Urkunde für die elektrische 
Straßenbahn vom Bahnhof Steglitz über Dahlem nach 
dem Gatter des Gruncwalds, mit Anschluß an die Straßen 
bahnlinie Berlin-Steglitz, wird soeben vom Regierungs- 
Präsidenten zu Potsdam veröffentlicht. Sie ist damit auf 
die Zeitdauer von 90 Jahren in Kraft getreten. Die 
Pflichten, welche der Unternehmerin, Gemeinde Steglitz, 
darin auferlegt werden, sind, gegenüber den bisher erteilten 
Genehmigungs-Urkunden, in verschiedeuen Punkten weiter 
gehende. So hat der § 3, Betriebsmittel, den Zusatz er 
halten: „Sämtliche Wagen, mit Ausnahme der nur im 
Sommer verwendeten, müssen mit Heizungs- und Lüftungs- 
Einrichtungen versehen sein." Als höchste Fahrgeschwindig 
keit sind wie in Berlin, 25 Kilometer pro Stunde zuge 
lassen und die Forderung der Anbringung von Geschwindig 
keitsmessern, wie hier, vorbehalten werden. Auch rücksicht 
lich der Beförderungspreise (§ 14) ist ein neuer Zusatz 
beachtenswert. Danach hat sich die Ausschlußbehörde das 
Recht vorbehalten, die Einführung von Abonnements- und 
Fahrpreis-Ermäßigungen (Arbeiter- und Schülerkarten rc.) 
zu fordern. 
f Silbern« Hochzeit. Unser Mitbürger Herr 
Karl Hamann und Gemahlin, Hedwigstraße 2, begehen 
am Donnerstag, den 30. November, die Feier der silbernen 
Hochzeit. Möge das Silberpaar den Jubeltag bei bester 
Gesundheit verleben und sich noch recht lange in unserem 
Ort mohlfühlen. 
t Der Brotkorb wird vom 1. Dezember ab aus 
vielen Berliner Restaurationen auf Nimmerwiedersehen 
verschwinden. Daran ist nach den Erklärungen des Ober 
meisters Vogel von der Berliner Gastwirteinnung in einer 
Freitag abgehaltenen Versammlung in der Müllerstraße 
nicht mehr zu zweifeln. Es haben sich, wie der Vorsitzende 
der Innung mitteilt, 108 Inhaber von großen Etablisse 
ments schriftlich verpflichtet, vom Sonnabend, 2. Dezember, 
ab in ihren Etablissements keine Brotkörbe mehr zu halten, 
sondern jedem Gast zu der bestellten Speise auf Wunsch 
ein Stück Weißbrot oder Schwarzbrot zu liefern. Alles 
was der Gast sonst an Gebäck mehr verlangt, wird be 
sonders mit 2 oder 6 Pfennig berechnet. Um den Gästen 
die Mehrausgabe erklärlich erscheinen zu lassen, sollen die 
Speisekarten mit einem darauf bezüglichen Hinweis ver 
sehen werden; ebenso plant man das Aushängen von 
Plakaten, auf denen die Wirte die Notwendigkeit der Be 
zahlung des Gebäcks begründen. 
f Gustav Adolf - Festspiele. Der Sonnabend- 
vorstellung im Neuen Kgl. Operntheater wohnte die Kaiserin 
bei. Mit der Kaiserin erschienen Prinzessin Viktoria Luise, 
Prinzessin Alexandra zu Holsteirr-Glücksburg und Prinz 
Friedrich Heinrich, sowie der Hofstaat der Kaiserin. 
Anwesend war außer den Herren und Damen des 
Vorstandes des Vereins mit dem Ehrenvorsitzenden Wirkt. 
Ober-Konststorialrat 0. Faber u. a. auch Kultusminister 
Dr. Studt. Die hohen Herrschaften erschienen während 
des ersten Aktes und verblieben, nachdem im Teezimmer 
das Soupee eingenommen war, bis nach Beendigung des 
vierten Aktes. Ihre Majestät die Kaiserin war sehr 
huldvoll und sprach sich dem Vorstande gegenüber sehr 
anerkennend über die Aufführung aus und gab durch 
sichtlichen Beifall Ihrer Freude Ausdruck. In dem dicht 
gefüllten Hause und unter den Darstellern herrschte eine 
wahre Feststimmung, welche ihren Höhepunkt erreichte, als 
am Schluß des dritten Aktes, die Huldigung, welche im 
Spiel sonst König Gustav Adolf und seiner Gemahlin 
gilt, diesesmal von der Bühne aus Ihrer Majestät der 
Kaiserin durch die Darsteller in einem jubelnden Hoch 
entgegengebracht wurde. Dieser Huldigung schloß sich das 
Publikum in würdiger und anhaltender Weise an. Als 
———— 
erschien sin anbereu Teile des Gebäudes der junge Regierungs 
referendar von Belzig. 
„Melden Sic mich dem Herrn Marquis," wandte er sich 
an den Kammerdiener Schneider und übergab ihm seine .Karte. 
„Der Herr Marquis schläft noch, und ich darf nicht 
wagen, ihn zu wecken." 
Es war eben zwölf Uhr. 
„Sie müssen schon die Freundlichkeit haben, den Herrn 
zu wecke», mein Geschäft ist dringend und die Folgen würden 
für Herrn von Flenry nicht angenehn« sein, wenn ich nicht 
angenommen würde." 
Ter Ernst und die Haltung des jungen Mannes, der im 
schwarzen Rock und Zylinder erschienen war, imponierten dem 
geriebenen Kammerdiener, und er ging mit der Karte zu 
seinem Herrn herein. 
Nach kurzer Zeit kam er zurück: „Der Herr Marquis 
wird Sie sofort empfangen" und führte Belzig in ein Zimmer. 
Gleich darairf erschien auch Alfons de Flenry im unge- 
ordnetert Morgenanzug, sehr übernächtigt aussehend. 
„Entschuldigen Sie, wenn ich Sie saus faijons empfange, 
aber ich wollte Sie nicht warten lassen. Was verschafft mir 
die Ehre?" fragte er französisch. 
Belzig, der höflich gegrüßt hatte, setzte den Hut auf und 
sagte: „Ich nehme an, daß Sie der deutschen Sprache 
mächtig sind?" 
„Ich verstehe sie erträglich," den Besuch eines Sekundanten 
Falkenhains hatte er ja erwartet mid da Belzig sich das 
Haupt bedeckte, ivnßte er, was der wollte. 
„Ich komme. Ihnen die Forderung meines Freundes, 
ves Regierungsassessors von Falkenhain, zu überbringen." 
„Ah — ja, durchaus einverstanden," erwiderte der Franzose 
nachlässig. „Ich bin leider zu wenig bekannt hier, um Ihnen 
der Aufbruch der s hohen Herrschaften erfolgen mußte, 
konnte^sich die Prinzessin Viktoria Luise garnicht trennen, 
worauf ihre hohe Kaiserliche Mutter ihr versprach, daß sie 
am kommenden Sonntag dcn 3. Dezember die Nach 
mittagsvorstellung bis zum Schluß sehen dürste. Auch hat 
Ihre Majestät ihren nochmaligen Besuch, falls cs ihr 
möglich wäre, zu dieser Vorstellung in Aussicht gestellt. 
-j- Die diesjährige WeihnachtS»A«Sstellung des 
Vereins Frauen-Erwerb (E. V.) beginnt Freitag, d. 1. Dez., 
Potsdamerstr. 126 parterre, geöffnet 11 bis 7 Uhr. Alles 
nähere durch die Zentralstelle, Lietzenburgerstr. 13. Ein 
lieferung der Arbeiten am 27. und 28. Noo. 2 bis 7 Uhr 
im Ansstellungslokal. 
f Samariterkursus für Dame» Heute Abend 
8 Uhr beginnt im Sitzungssaal des Gymnasiums der 
Unterricht in der ersten Hilfe bei Unglückskällen und in 
der Krankenpflege für Damen. Alle Damen, welche 
Interesse für die edlen Aufgaben des Roten Kreuzes 
haben, werden gebeten, pünktlich zu erscheinen. 
-st Felix Meyer Konzert. Wir verweisen hiermit 
nochmals auf das heule Abend 8 Uhr im Thcatersaal 
„Hohenzollern" statlfindende Populäre Konzert des 
Kammermusikers Herrn Felix Meyer unter gütiger Mit 
wirkung der Konzertsängerin Frl. Cilly Müller, der 
Rezitatorin Frau Frida Fischer und des Herrn Musik 
direktors Adolf Mittelhausen. Da wirklich künstlerische 
Genüsse geboten werden, ist ein Besuch dieses Konzerts 
allen sehr anzuempfehlen. 
-st Hohenzollcru-Theater. Das berühmte Repertoir- 
stück des Berliner Lessing- und Schiller-Theateis „Die 
goldene Eva", das liebenswürdigste und populärste Lust 
spiel Franz von Schönthans, wird am Dienstag, den 
28. November, unsere hiesigen Theaterfreunde wieder 
einmal vollzählig versammeln. Von allen seinen Stücken 
hat Franz von Schönthan, unstreitig einer unserer besten 
modernen Lustspieldichter, mit seiner „goldenen Eoa" den 
größten Erfolg erzielt. Die geistreichen entzückenden 
Verse üben stets auf die Zuschauer eine zündende Wirkung 
aus. Die Aufführung am Dienstag bei uns erhält 
dadurch einen besonderen Reiz, daß in der Titelrolle 
Frl. Trude Mangelsdorff wieder auftreten wird, welche 
vor kurzem als „bezähmte Widerspenstige" hier so glänzend 
gefallen hat. Bekanntlich ist diese Titelrolle eine Glanz 
rolle aller ersten Liebhaberinnen und Frl. Mangelsdorff 
darf sich rühmen, in dieser Rolle überall die schmeichel 
haftesten Kritiken gefunden zu haben. Ferner sind in 
Hauptrollen Frl. Römer, sowie die Herren Stegemann, 
Passarge und Hermann beschäftigt. Die Ausführung der 
„goldenen Eoa" am Dienstag dürfte also ein ganz 
besonderer Kunstgenuß werden. 
-st Handels» nnd Gewerbevereiu. Ordentliche 
Monatsversammlung am Dienstag, dcn 28. November cr., 
pünktlich Abends 9 Uhr im Restaurant „Hohenzollern", 
Handjerystr. 64. Tagesordnung:. Verlesen des Protokolls 
der letzten Sitzung, Aufnahme und Anmeldung neuer 
Mitglieder, Neuwahl eines Revisors, Offenhaltung offener 
Verkaufsstellen am 2. und 31. Dez. cr., Gemeind'evertreter- 
wahl, Anbahnung des telephonischen Nachtverkehrs, Jnter- 
essentenfragen. 
-st Deutscher Flotteu-Vereiu. Wie wir erfahren, 
hält die hiesige Ortsgruppe am Donnerstag Abend 9 Uhr 
(30. November) im Rheinschloß eine Versammlung ab. 
Herr Professor Steig hat den Vortrag übernommen,- am 
Schluffe findet eine Vorführung von Lichtbildern statt. 
Das Nähere bleibt der Einladung vorbehalten, die an 
jedes Mitglied besonders ergeht. Bei dem neu belebten 
Interesse, das gegenwärtig wieder die Flottenfrage be 
ansprucht, ist eine zahlreiche Beteiligung zu wünschen und 
erwarten. Gäste, von Mitgliedern eingeführt, sind will 
kommen. 
-st Heut früh mit Fünf« kam der Buchhalter F. im 
angeheiterten Zustande von Steglitz her nach Friedenau. 
In der Nähe der Kaisereiche wurde er von jungen Burschen 
angerempelt, die mit ihren Stöcken derartig auf ihn ein 
hieben, daß sein Kopf voller Beulen war und er vom Nacht 
wächter zur Sanitätswache gebracht werden mußte. Nach 
dem dem Verletzten hier die erhaltenen Wunden mit einem 
Pflaster versehen wurden, konnte er seinen Heimweg an 
treten. 
-st Wiederholt eingebrochen wurde in der Herrn 
Marek, Rheinstraße 21. gehörenden Laube am Armen 
hause. Wir berichteten vor kurzem erst über einen Einbruch 
in dieser Laube, in einer der letzten Nächte nun schlachteten 
die Einbrecher dort wieder drei Kaninchen ab, nahmen 
sofort einen »reiner Freunde nennen zu können, der das Nötige 
mit Ihnen vereinbart. Stehe natürlich zu Gebote. Floret 
wäre mir das Angenehmste." 
Mit einem verächtlichen Lächeln erwiderte Belzig: 
.Diese Waffe führen wir in Deutschland nicht im Zwei 
kampfe. Uns bleibt nur Säbel oder Pistole, und da Sie ja 
Offizier sind, ivird Ihnen eilte von diesen Waffen genehm sein." 
„Gewiß. Mein Beistand wird Sie so rasch als möglich 
aufsuchen. Morgen früh könnte das ja vor sich gehen — 
Zeit und Ort überlasse ich Ihnen.' 
Belzig grüßte und verließ das Zimmer. 
Alfons de Flenry, dem es nicht an körperlichem Mute 
fehlte, war eben im Begriff, sich anzukleiden, als er dringend 
zu seiner Mutter gerufen wurde. 
„Mein Gott, was will denn Mama? Hoffentlich hat 
man ihr die gestrigen Vorfälle iticht erzählt." 
Er ging dann zu seiner Mutter hinüber und erschrak 
über deren verstörtes Aussehen. 
„Was fehlt Dir, teuerste Mama?" 
Sie sprang auf und umarmte ihn mit leidenschaftlicher 
Zärtlichkeit. „Kind, Kind" und brach dann in krampfhaftes 
Schluchzen aus. 
Alfons wußte nicht, was er aus diesem hysterischen Anfall, 
wie es ihn deuchte, machen sollte. Zu seinem Erstaunen 
endete er nicht in sanften Klagetönen, sondern in einem Wut 
anfall, der rasch die Tränen trocknete. 
„Wenn ich könnte," sagte sie mit flammenden Augen. 
Dann wandte sie sich wieder zu ihrem Sohn: „Armes Kind." 
„Was fehlt Dir denn, Mama? Du ängstigst mich." 
Sie war jetzt ruhiger geworden. 
(Fortsetzung folgt.» 
jedoch nur eins mit. Aller Vermutung nach waren die 
Halunken von einem Hunde begleitet. Jede Bemühung 
zur Ergreifung der Verbrecher blieb bis jetzt erfolglos. 
Der Besitzer sichert eine Belohnung demjenigen zu. der ihm 
die Diebe nahmhaft macht. 
Schöneöerg. 
— Die Angelegenheit deS Schönebrrger Rat 
hauS-NeubauS beschäftigt gegenwärtig die städtische 
Grundeigentumsdeputarion, die Ermittelungen über ge 
eignete Plätze anstellt und auch die Preisfrage zum 
Gegenstände ihrer Untersuchungen macht. Für das neu 
zu erbauende Rathaus kommen hauptsächlich drei Grund 
stücke in Betracht: das bereits im städtischen Besitze be 
findliche Gelände an der Martin Luther- und Mühlen- 
straße und dem Platz R in der Nähe des Wartburgplatzes 
und des zukünftigen Stadtparkes, ferner das Bergmann'sche 
Grunstück an der Ecke der Haupt- und Mühlenstraße, 
neben der alten Dorfkirche, und schließlich das Ludwig 
Richnowsche Grundstück, an der Ecke der Haupt- und 
Eisenacher Straße, das sich mit seinem nördlichen Teile 
bis zur Hohenzollernschule erstreckt. Ter Wunsch der alten 
Schöneberger Besitzer geht dahin, daß das neue Rathaus 
an der ehemaligen Dorfaue errichtet werde. Das alte 
Rathaus am Kaiser Wilhelmplatz ist schon seit langer 
Zeit viel zu klein, sodaß für die Unterbringung der Ge 
schäftsräume wiederholt in größeremjUmfange in Wohnungen 
Privathäusern haben gemietet werden müssen. 
— Die Schöneberger Schloßbrauerei hat bei einem 
Aktienkapital von 3 Mill. Mark sfür daS abgelaufene Ge 
schäftsjahr einen Uberschuß von 313 917, 50 M. 
— Im Verein für Handel und Industrie 
sprach am Freitag Abend in der im „Schwarzen Adler" 
abgehaltenen Monatsversammlung Herr Dr. A. Kaegbetn, 
Nationalökonom und Assistent im literarischen Büro der 
Hamburg—Amerika-Linie, über das Thema „Die Ent 
wickelung und gegenwärtige Bedeutung der Hamburg— 
Amerika-Linie." Eine zahlreiche Zuhörerschaft, bestehend 
aus Mitgliedern und Gästen des Vereins mit ihren Damen, 
zeigte, welch reges Interesse man diesem Vortrage entgegen 
brachte. Zunächst wurden an einer Reihe von Lichtbildern 
die Rhederei, der Hafenbetrieb, die Schiffe rc. der Ham 
burg—Amerika-Linie dargestellt. Redner gab dann ein 
interessantes Bild von der historischen Entwickelung der 
Gesellschaft, erläuterte die Geschäftspolitik Und zeigte vor 
allem, wie seit 1886 unter Leitung des Herrn General- 
direktors Ballin, die Hamburg—Amerika-Linie sich empor- 
rang zu der Stufe, auf der sie gegenwärtig steht. Herr 
Generaldirektor Ballin hat in unermüdlichem Streben, in 
seltenem Pflichteifer und mit ausgezeichnetem Scharf 
blick der Gesellschaft einen Platz in der Welt verschafft, 
der die Bewunderung aller Völker hervorruft. Herr Dr. 
Kaegbein erläuterte sdann den gegenwärtigen Stand der 
Flotte, das Liniennetz und gab an der Hand von statistischen 
Tabellen Auskunft über die Transportleistungen rc. der 
Gesellschaft. Er zeigte darnach die Bedeutung derHandelS- 
fchiffahrt im Verhältnis zur Industrie, zum Handel und 
Weltverkehr, besonders aber die Bedeutung, die unserem 
Reiche und der Stadt Hamburg durch die Hamburg— 
Amerika-Linie geworden ist und auch ferner wird. Reicher 
Beifall belohnte den Redner für seine interessanten Aus 
führungen und sagte der Herr Vorsitzende dem Vor 
tragenden im Namen des Vereins für das Gebotene besten 
Dank. Die ausgestellten Photographien, farbigen Bilder, 
Karlen und Drucksachen, fanden allseitig Beachtung. 
— Im Wege der Zwangsvollstreckung soll 
daS angeblich an der Eisenacherstraße belegene, im Grund- 
buche von Schöneberg, zur Zeit der Eintragung des Ver 
steigerungsvermerkes auf den Namen des Kaufmanns 
Otto Schmiedicke in Charlotienburg eingetragene Grund 
stück am 30. Januar 1906, VocmittagS 10 Uhr, ver 
steigert werden. Das Grundstück, Wohnhaus mit Seiten 
flügel, Quergebäude und Hofraum, ist bei einer Fläche 
von 6 Ar 96 Quardratmeter mit 10 700 Mark NutzungS- 
wert zur Gebäudesteuer veranlagt. 
— Firmeneintragnug. No. 27 773. Firma Carl 
Theile, Berlin, Inhaber Carl Theile, Bücherrevisor, 
Schöneberg. 
Wertin und Wororie. 
8 Schnl-Persoualieu. Die Kandidaten des höheren 
Schulamts Dr. Gustav Becker und Kleine sind als Ober 
lehrer an der Chartottenschule bez. an der 12. Realschule 
zu Berlin angestellt worden. — Der Lehrer Garmatz ist- 
als Rektor an der 263. Gemeindeschule und die Gemeinde 
schullehrer Woitscke bezw. Flactmann als Turnlehrer am 
Dorotheenstädtischen Realgymnasium bezw. als Zeichen 
lehrer an der 8. Realschule zu Berlin angestellt worden. 
8 Der neue Justtzminister Dr. Beseler hat 
am vorgestrigen Sonnabend die Amtsgeschäfte übernommen. 
Vor der üblichen 11 Uhr-Sitzung, welcher Minister Dr. 
Schönstedt nicht mehr beiwohnte, ließ sich Dr. Beseler 
die Räte und Beamten des Ministeriums vorstellen. Dr. 
Schönstedt hat mit seinem Umzuge begonnen. 
8 Die Schnellbahn »Projekte schießen jetzt wie 
Pilze aus der Erde. Der bekannte Chef-Ingenieur und 
Pionierhauptmann a. D. Jmmeckenberg hat dem Magistrat 
die Pläne für ein ganzes Netz von „Untergrund-Schnell 
bahnen rc. für Groß-Berlin" eingereicht und bittet um 
„genaue Prüfung" derselben. An die Stadtverordneten- 
Bersammlung richtet Herr I. das Ersuchen, seinen Antrag 
befürwortend zu untersuchen. Die Gesellschaft, welche er 
vertritt, gibt die Stadtverordneten-Vorlage, kurz, wie folgt 
an: „Berliner Tiefbahn-Unternehmen, Untergrund-, Unter- 
straßen- rc. Schnellbahn rc. für Berliner Tiefb.-Gesellschaft". 
8 Um Teuerungszulage« in Form einer „Grati- 
fikation" bezw. um eine den Verhältnissen entsprechende 
..Geldmittel-Beihilfe" petitionieren jetzt auch die stätischen 
Markthallen-Aufseher und die Schuldiener der höheren 
Lehranstalten beim Magistrat und bei der Stadtver 
ordnetenversammlung. 
-j- Das Grab der Eltern Paul HeyseS auf dem 
Dreifaltigkeits-Kirchhof an der Bergmannstraße war am 
gestrigen Totensonntag, der zugleich der 50. Todestag des
        
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