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Periodical volume Nr. 277, 25.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

und gelitten haben?! Darum trauern wir nicht an ihren 
Gräbern in Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, daß wir 
ihren Frieden nicht stören. Gott weiß, warum er sie von 
unS nahm, sein Wille geschehe! Er wird auch den 
Trauernden nahe sein und sie trösten in ihrem liefen Leide. 
.Friede ringS! Gott wird die Wunde heilen, 
Die er schlug. Bedenk' zu jeder Frist. 
Datz ja dort, wo die Verklärten weilen, 
'Nun auf ewig, ewig Friede ist!" 
Lokales. 
t Eine Gemeindevertreter-Sitzung findet am 
nächsten Donnerstag, den 30. November inr Sitzungssaal 
des Gymnasial-Gebäudes statt. 
f Gemeinde-Verordneten-Ersatzwahl Die 
Ersatzwahl für Herrn Schöffen Sad6e ist vom Gemeinde- 
Borstand nunmehr, wie wir gestern mitteilten, auf Montag, 
den 4. Dezember b. IS., Abends von 6—7 Uhr im 
„Rheinschloß" festgesetzt worden. Wie wir hören, neigen 
sich die Meinungen verschiedenen Kandidaten zu, sodaß es 
möglicherweise zu einer interessanten Wahlschlacht kommen 
wird. Nicht unerwähnt möchten wir laffen, daß als Kan 
didat nur ein Angeseffener in Betracht kommen kann, da 
die acht Mandate der Nichtangesessenen sämtlich besetzt sind. 
-j- Ordensverleihung. Dem Geheimen Registrator 
im Kriegsministerium Herrn Schmitz, Handjerystr. 39 
wohnhaft, ist der Kgl. Kronen Orden 4. Klaffe verliehen 
worden. 
-j- Volkszählung. Die Herren Hausbesitzer werden 
gebeten, die Tätigkeit der Herren Zähler bei der bevor 
stehenden Volkszählung zu erleichtern, und machen wir 
hiermit auf die in heutiger Nummer enthaltenen dies 
bezüglichen amtlichen Bekanntmachung noch besonders auf 
merksam. 
s- Kirchliches. Morgen, Totensonntag, Nachmittags 
3 Uhr, wird Herr Pastor Kleine eine Andachr in der 
Kapelle des hiesigen Friedhofs halten. 
fi Schulfreie Tage in den Vororten. Die Kgl. 
Regierung zu Potsdam hat an die Gemeindevorstände 
> der Ortschaften in der nähren Umgebung Berlins ein 
Schreiben gerichtet, das die Schließung der Schulen in 
den Vororten an allen Tagen anordnet, an denen dies auf 
Befehl des Kaisers in Berlin geschieht. 
f Aus Anlaß der filberueu Hochzeit unseres 
Kaiserpaares gedenkt sich auch unsere Gemeinde mit einer 
Schenkung in Gestalt einer wohltätigen Stiftung für un 
sern Ort zu beteiligen, über die Höhe des Betrages 
wird die Gemeindevertreter Sitzung noch beraten, wie wir 
hören, sollen 15 000 Mk. dafür ausgeworfen werden. Als 
Stiftung selbst ist vielfach ein Kinderheim in Vorschlag 
gebracht worden. 
t Weitere Straßen-Benennungs-Vorschläge. 
Gin Sportfreund aus der Rheinstraße wünscht, da auf dem 
ehemaligen Sportpark so viele hervorragende deutsche 
Rennfahrer die Farben Deutschlands eigenartigerweise ver 
treten haben, diesen Helden der Zementbahn unseres 
früheren Sportparks zu Ehren die Straßen wie folgt zu 
benennen: 
Lreno-, Robl-, Demke., Lehr-, Köcher-, Salzmann-, Huberstraße 
und den Platz: Siegesplatz. 
Zur Benennung der Plätze und Straßen unseres früheren Sport- 
parkes erlaube ich mir Folgender vorzuschlagen: Die beiden Plätze 
mögen .Auguste Viktoria-' und .Cäcilien'-Platz heißen; die sieben 
Straßen könnten dagegen nach den sieben kaiserlichen Kindern benannt 
werden als Kronprinzen-, Eitel Friedrich-, Adalbert-, August Wilhelm-, 
Oskar-, Joachim- und V ktoria Luise-Straße. Falls eine zu häufige 
Verwechselung mit dem nahen Wtlmersdorfer Kaiserplatz für aus- 
geschloffen gilt, könnten die Plätze auch .Kaiserplatz' und .Auguste 
Viktoria-Platz' heißen. 
Sehr geehrte Redaktion! Nachdem ich gestern in Ihrer geschätzten 
Zeitung verschiedene Vorschläge für Benennung der auf dem ehe- 
maligen Sportplatz entstandenen Straßen gelesen habe, erlaube ich 
mir ebenfalls einen Vorschlag, mit der Bitle um Mitteilung an den 
Herrn Bürgermuster, zu unterbreiten. Bekanntlich ist unser Ort nach 
dem Frankfurtcr Frieden entstanden und hat mit Bezug hierauf seinen 
Namen erhalten, auch sind die zuerst entstandenen Straßen nach dem 
seinerzeit vom Feinde bedrohten Gebiet Rhein-, Lauter-, Mosel-, 
Saar-, Jllslraße benannt worden. Dürfte es sich nicht empfehlen, im 
Anschluß hieran die neu entstehenden Straßen nach den Männern zu 
btnmnen, welche das vorher erwähnte Grenzgebiet vor der Invasion 
des Feindes bewahrt haben? Ich bringe, da wir bereits eine 
Wilheln.straße, Bismarckstraße haben, deshalb folgende Bezeichnungen 
in Vorschlag: „Frankfurter Platz' (in Erinnerung an den Frieden, 
dem unsere Gemeinde ihre Entstehung verdankt) Und weiter zur Aus- 
wähl die Namen folgender Feldherren: Kaiser Friedrich, Roon, 
Moltke, Friedrich Karl, Steinmetz, Manteuffel, Blumenthal, Werder, 
Kirchbach, Hartmann, Kummer. 
Paffende Namen, ehrende Andenken für unsern früheren Sport 
park, wären: Am Sportpark, Robl-, Arend-, Köcher-, Dickentmann-, 
Demke-, Huber-, Görn.mannstraße. Ich bitte auch diese Namen den 
Herrn Gemeindeoorsitzenden zu unterbreiten. Eine Sportsfrcundin 
und Bewohnerin Friedenaus. 
Wenn Sie meine Freundin Jette vont Effen plähdieren ließen, 
darf ick mir woll vor den Durst in't Zeig legen: - Den Platz nennen 
wir nach mir .Nunnc-Platz', un mir verewigen Sie, da in de Mitte 
als 'ne Art Friedenauer Roland, aber uff'n Drehgestell, damit ick nach 
rneine jeweilige Geschmacksrichtung un nach die Witterungsveihältniffe 
dat richtige Getränke vor meine Fantasie habe. Ick wünsche also den 
Ausblick zu haben uf die Alte Nordhäufir-, Danziger Goldwaffer-, 
StonSdorfer Bitter-, Etargarder Mampe-, Berliner Gilka-, 
Holländische Boonekamp- und Dänische Aquavitstraße. Ick hab' et ja 
immer gesagt: wat nützt mir bei Taufen allet Waffer, wenn et nich 
gebrannt is. Mit kollegialischem Gruß Ihr Nunne. k. 8. Unsere 
Brldhauer-Kolonie wird sich nich schlecht nach det neie Roland-Motiv 
reißen; aber det sage ick vorher, unter 80 Pfennige die Stunde 
„stehe" ick nich. D. O. 
Der morgige letzte Sonntag des Kirchen 
jahres, im Volksmunde der Totensonntag genannt, ist der 
Erinnerung unserer lieben Toten geweiht. Schon in 
früher Morgenstunde tragen die Glocken mit- ehernem 
Klange die Mahnung über die Stadt hinweg: „Vergesset 
nicht Derer, welche im ewigen Schlummer ruhen." Kränze 
der Liebe und der Dankbarkeit werden auf ihre Gräber 
niedergelegt und damit der Friedhof in einen duftigen 
Blumengarten umgeschaffen. „Am Ruheplatz der Toten, 
da scheint es still zu sein." Wie man an dem noch offenen 
Sarge mit verhaltener Stimme flüstert, als fürchte man 
den Entschlafenen in seiner ewigen Ruhe zu stören, so 
wandeln auch jetzt die in Trauer gehüllten Gestalten durch 
die langen Gräberreihen, um den Platz zu suchen, an dem 
sie vor längerer oder kürzerer Zeit ein geliebtes Herz ge 
bettet haben. Still rieseln fahle, tote Blätter herab von 
den zur Winterruhe rüstenden Bäumen. Hier blühende 
Blumen und prächtige Kränze, dort gelbe Blätter und 
niodernes Laub. Alles mahnt den Ueberlebenden, daß 
auch seine Stunde noch schlagen wird, mahnt ihn an die 
Worte des Psalmisten: „Der Mensch, wie GraS sind feine 
Tage, wie ein Schatten, der vorüberflieht," Ernster Ge 
danken voll verläßt ein jeder morgen den Kirchhof doch 
nicht ohne sich in jener weihevollen Stunde zu der be 
glückenden Erkenntnis durchzuringen: Mit all den Lieben, 
die uns hier zurückließen, gibt es einst ein Wiedersehen — 
droben in unserer ewigen Heimat. 
-j- Adreßbuch-Anzeigen. Für das „Adreßbuch für 
Friedenau und Schöneberger Ortsteil 1906" wird in 
nächster Woche die Jnseraten-Annahme geschloffen. Wer 
nun noch die Absicht hat, eine Anzeige aufzugeben, wird 
gebeten, dies jetzt tun zu wollen. Die Preise sind der 
artig gering, daß die Herren Geschäftsleute und Gewerbe- 
treibende diese vorteilhafte Jnserationsgelegenheit nicht 
außer Acht laffen sollten. 
-j- Neues Marinewerk. Den Titel „Deutschlands 
Kriegsflotte" hat ein von Viktor Laverrenz Herrausgegebenes 
illustriertes Werk erhalten. Dem Werk liegt ein Kunst 
blatt in 11 färb. Druck bei und zwar das von unserm 
Mitbürger. Herrn Prof. Hans Bohrdt gemalte Linienschiff 
„Braunschweig". Der geschmackvolle Einband des Werkes 
ist gleichfalls von Hans Bohrdt entworfen. 
fi Felix Meyer spielt in seinem populären Konzert 
am 27. b. M. außer den beiden Violinkonzerten von 
Beethoven und Ernst noch 2 Stücke von 'Wieniawski und 
Rubinstein. Wie wir schon erwähnten wirken die 
Rezitatorin Frau Frida Fischer, die Konzertsängerin Frl. 
Cilly Müller und der Komponist Herr Adolf Mittel 
hausen mit. 
f Gustav Adolf-Fcstspiel 1905. Ihre Majestät 
die Kaiserin hat zu der heutigen Vorstellung Ihr 
Erscheinen bestimmt durch Telegramm aus Ihrem Kabinett 
zugesagt. Am 5. Dezeniber findet eine Volksvorstellung 
statt, zu der hochherzige Gönnex bereits einen Teil der 
Unkosten gezeichnet haben. Beiträge nimmt das Bankhaus 
von Louis Sixtus L Comp., SW, Lindenstraße 101, ent 
gegen. Über die Eintrittskarten dazu ist bereits verfügt. 
Die letzten öffentlichen Vorstellungen sind Sonnabend, den 
25., Montag, den 27. November. Abends 1 / 2 8 Uhr, 
Sonntag, den 3. und Sonntag, den 10. Dezember, Nach 
mittags 2 Uhr. 
f Vorortvereine. Dem Verein ist, wie in der 
gestrigen November-Hauptversammlung mitgeteilt wurde, 
der Magistrat von Potsdam als körperschaftliches Mit 
glied, vertreten durch die Stadlräte Dr. jur. Over und 
Wernick und die Stadtverordneten Arfelt und Töpfer, 
sowie der Bürgerverein Biesdorf, vertreten durch Kanzlei 
rat Fürstenberg und Gärtnereibesttzer Friedrich, beigetreten. 
In derselben Sitzung hielt Justizrat Bürkner-Rixdorf einen 
Vortrag über „Groß-Berlin in seiner Verwaltung und 
seinen Finanzen". Seine sehr beifällig aufgenommenen 
Ausführungen gipfelten in der Forderung, daß das geo 
graphische Groß-Berlin auch zu einem kommunalen Groß- 
Berlin verschmolzen wird. Das Beispiel von London 
bezeichnete der Redner 'als nachahmenswert für Berlin, 
abgesehen von der Mictssteuer, die für uns nicht mehr 
zur Wiedereinführung zu empfehlen sei. In der Debatte 
wurde hauptsächlich gegen die großen Armen- und Schul 
lasten, die einige Vorortgemeinden zu tragen hätten, Ein- 
spruch erhoben und der direkte Wunsch ausgesprochen, daß 
der Staat mindestens die Schullasten übernehmen müßte. 
Herr Verbandssekretär Dr. Pabst hielt zum Schluß einen 
Vortrag über daS Brandenburgische Pfandbriefinstitut und 
empfahl die Förderung desselben durch die Vereine. 
f WaS beim Bierausschank verdient wird. 
Die Direktion der Aktiengesellschaft Aschinger hat dem In 
haber der Potsdamer Bierhalle, Herrn Karbitz, für die 
Räumung seines Geschäftes 250 000 Mark Abstand ge 
boten, damit sie das einzige von den neun durch sie an 
gekauften und demolierten Häusern noch bestehende Ge 
bäude umlegen könne. Herr Karbitz erklärte jedoch, daß 
seine Potsdamer Bierhalle ihm jährlich ohne besondere 
Anstrengung 80 000 Mk. trage, was in den drei Jahren, 
die er dem Kontrakte nach als Mieter noch vor sich habe, 
eine Summe von 240 000 Mk. ergebe. Er verlange daher 
350 000 Mark Abstand. Daraufhin hat die Aktiengesell 
schaft Aschinger auf die Räumung des genannten Hauses 
verzichtet. 
■f Der Toilettenluxus in Gesellschaften ist in 
den befferen Kreisen leider immer noch Mode. Die liebe 
Eitelkeit hat ihn erfunden und die Sucht, sich hervor 
zutun, andere durch Reichtum und Eleganz der Kleidung 
zu überstrahlen, findet in ihm einen willkommenen Anlaß 
zu ihrer Betätigung. Gewiß ist es eine Freude, eine 
Dame in feiner geschmackvoller Toilette zu sehen: aber das 
Überladene, das sich so gern breit macht, das raffiniert 
Gekünstelte, kann auf die Dauer nicht fesseln. Besonders 
groß darin sind ja meistens solche Frauen, die aus ein 
fachen Verhältnissen stammend, mit ihrem Manne gleich 
sam weiter avanciert sind und die darum das harmonische 
Maßhalten nicht kennen. Einfach und doch elegant aus 
zusehen ist dagegen das Ideal der geistig vornehmen Frau. 
Sie wird Farbe und Schnitt der Kleidung nach den Ge 
setzen der Schönheit und zu der eigenen Persönlichkeit 
paffend, auswählen, selbstverständlich muß sie mit der 
Mode fortschreiten, jedoch weiß sie genau, daß sie nicht 
jede Laune derselben mitzumachen braucht. Hat sie heran- 
wachsende Töchter, so erzieht sie diese zu den gleichen An 
sichten, die ihr selbst Leitsterne im Leben sind, und so 
kommt es, daß sich ein gediegener Geschmack auch ver 
erben läßt. Die Toilette soll nicht Selbstzweck sein, wohl 
aber einen paffenden Rahmen für die Persönlichkeit 
abgeben. 
f Handels- nnd Gewerbeverein Die nächste 
Monatssitzung findet am Dienstag, den 28. November, 
Abends 9 Uhr, im „Hohenzollern" statt. Verhandelt soll 
werden über die Offenhaltung der Geschäfte am Sonntag, 
den 24. und 31. Dezember d. I. und werden daher 
sämtliche Ladeninhaber zu dieser Versammlung eingeladen. 
f Rheinschlotz-Cabaret. Herr Direktor Weiß hatte 
sich gestern wieder eingefunden, um mit einer großen Zahl 
anerkannt erstklassiger Künstler aufzutreten. Leider, müssen 
wir sagen, wurden seine Bemühungen schlecht belohnt, in 
dem nur wenige erschienen waren, um den wirklich guten 
Darbietungen zu lauschen. Es ist sehr bedauerlich, daß 
daS Friedenauer Publikum so wenig Interesse für eine 
solche Veranstaltung zeigt, denn was Herr Direktor Weiß 
gestern mit seipem Künstlerpersonal bot, war wirklich nur 
lobenswertes. Es würde zu wett führen, alle die Künstler 
hier namhaft zu machen und so wollen wir — unbeab 
sichtigt den Einen oder den Anderen zurücksetzen — nur 
einige hier anführen. Da ist z. B. der Heldenbariton 
Herr Arincenior aus Valparaiso, der sich mit seinem Impre 
sario Herrn Professor Schirrmann vorübergehend in 
Europa aufhält, der spanische und deutsche Gesänge vor 
trug und dabei eine wundervolle, kräftige, alles über 
tönende Barritonstimme erkennen ließ, dann Rezitatorin 
Frau Dolores, die besonders mit ihrer im sächstischen 
Dialekt gehaltenen Rezitation: „DaS Pinktchen", gefiel, 
weiter die Chansonette Frl. Clair Grimmont, die Soubrette 
Frau Bülow, die oft auch im Duett mit dem Komiker 
vom Lindenkabaret Herrn Suttner auftrat und Vorzügliches 
bot. auch den Humorist Herrn Stege vom Paffage-Cabaret 
wollen wir nicht unerwähnt lassen. Alles in Allem wurde 
nur das Beste geboten, wie es her verwöhnteste Berliner 
nicht anders verlangen kann. So hoffen wir denn, daß 
die Direktion am nächsten Freitag mehr Zuspruch findet, 
damit sie unsern Ort ständig für ihre Darbietungen erwähle. 
fi Sonnabend- und Sonutag-Beranstaltnugeu. 
Heute eröffnet Frau Ww. Margarete Klahr im Hause 
Wilhelmshöherstr. 6 eine Weinprobierstube, verbunden mit 
Flaschenverkauf engros und endätail. — Der Männer 
gesang-Verein „Concordia" veranstaltet Morgen, 
Sonntag Nachmittag 5 Uhr im Saale des Kaiser Wilhelm- 
Garten ein Vokal- und Instrumental-Konzert, das einen 
sehr anregenden Verlauf zu nehmen verspricht. — 
Kabale und Liebe giebt es dann noch Morgen Abend 
im „Rheinschloßtheater" und können wir einen Besuch 
dieser Vorstellung nur empfehlen, da ein vorzügliches 
Künstlerpersonal engagiert worden ist, das dieses Sttick 
unseres berühmten Schiller in tadelloser Darstellung 
wiedergeben wird. 
fi Hohenzollern-Theater. Eins der reizendsten 
und gern gesehensten Lustspiele der deutschen Bühne wird 
am nächsten Dienstag, den 28. November neu einstudiert 
zur Aufführung gelangen, nämlich „Die goldene Eva" 
von Franz von Schönthan. Dieses entzückende, geistreiche 
Verslustspiel hat s. Zt. im Berliner Lessing-Theater mehr 
als 200 Aufführungen erlebt und noch heute gehört es 
zum ständigen Repertoirstück aller deutschen Theater. In 
letzter Zeit hat dasselbe wieder von neuem im Berliner 
Schiller - Theater die Zuschauer durch seine graziöse 
Handlung entzückt. Daher wird es jeder Theaterfreund 
mit Freude begrüßen, daß uns Direktor Behle dieses 
allerliebste. Stück wieder einmal zur Aufführung bringt. 
Man amüsiert sich stets aufs Beste bei diesem so überaus 
erfolgreichen Lustspiel und hat Direktor Behle dasselbe in 
vielen Proben aufs sorgfältigste vorbereitet und mit voll 
ständig neuer, glänzender KostllmauSstattung versehen. 
Herr Direktor Behle versteht es wirklich vortrefflich in 
dieser Saison, sein Repertoir zusammenzustellen und dürfte 
ihm am Dienstag wiederum bei der „goldenen Eva" ein 
ausverkauftes Haus beschieden sein. 
fi DaS EiSbeinefsen des HauS- und Grundbesitzer- 
Vereins findet am kommenden Freitag, den 1. Dezember, 
Abends 8 Uhr im großen Saale deS „Hohenzollern" statt. 
Nachdem was wir vom Ausschuß erfahren konnten, wird 
dieser Abend einer der vergnügtesten und unterhaltendsten 
werden, sodaß zu hoffen steht, daß möglichst alle Mit 
glieder zu diesem Essen erscheinen. 
fi Tlerschutzverei« Am Freitag. 1. Dezember d. I., 
Abends 8 Uhr, findet im Restaurant „Pavillon", Chaussee 
straße 111 in Lichterfelde, eine öffentliche Versammlung 
statt, in der Herr Prof. Dr. Gurlitt-Steglitz einen Vortrag 
über den sittlichen Wert der Tierschutz-Vereine hallen 
wird. Hieran soll sich eine freie Aussprache über die 
Zweckmäßigkeit und die Voraussetzungen einer Ausdehnung 
der Tätigkeit des genannten Vereins auf die Gemeinde 
Groß-Lichterfelde, sowie über die zum Schutze der Pferde, 
Hunde und Vögel zu treffenden Maßnahmen anschließen. 
fi Kunstausstellung. Man sieht feit dem Herbst 
d. I. ein geschmackvolles Schild an der Ecke der Hedwig- 
und Frege-Straße mit den Worten: „Akademie Fehr". 
Was darunter zu verstehen ist, dürfte manchem nicht klar 
sein. Es ist eine Kunstschule für Damen und Herrn, die 
in Berlin seit 1890 bestehende „Akademische Schule für 
bildende Künste" von unserm Mitbürger „Conrad Fehr" 
gegründet, die er neuerdings in der Hauptsache nach Frie 
denau. in seine Villa, Fregestraße 5 verlegt hat. Welcher 
Vorteil Friedenau daraus erwächst, daß ein derartiges 
Institut hierher übersiedelt, wird einem klar, wenn man 
hört, daß nicht nur einzelne Personen, sondern auch ver 
schiedene Familien von außerhalb ihren Haushalt nach 
Friedenau verlegt haben, ja, sich hierorts schon angekauft 
haben, um bequemer den Unterricht in der Akademie von 
Herrn Fehr zu genießen. Augenblicklich hat Herr Fehr 
seine Bilder des letzten Jahres in seinem Atelier, Frege- 
Straße 5, ausgestellt und wird jeder, der sich für Kunst 
intereffiert, zur Besichtigung freundlichst aufgenommen. 
fi Eine Extra Weihuachts - Vorstellung findet 
am Dienstag, den 28. November, Abends 6 Uhr, im Kaiser 
Wilhelmgarten statt. Zur Aufführung gelangen die 
Märchenspiele: „Die 7 Raben" und die „Gestohlene 
Pastete". Da der Eintrittspreis nur 10 Pfg. beträgt, ist 
guter Besuch zu erwarten. 
fi Verunglückt ist gestern eine Aufwärterin in der 
Fregestraße. Beim Ausklopfen von Teppichen stellte sie 
sich auf einen Hauklotz. Dieser kippte nnn um, wobei die 
Frau so unglücklich fiel, daß sie sich den Fuß brach. Herr 
Dr. Samter leistete die erste Hilfe und legte der Ver 
unglückten einen Verband an. worauf sie von zwei 
Männern nach ihrer Wohnung getragen wurde. 
fi Unfall. Auf einem Neubau in der Wilhelmstraße 
wurde gestern der Maurer Dringwitz aus Berlin, von 
einem Kollegen aus Unvorsichtigkeit mit einer Eisenstange 
in das rechte Auge gestoßen, so daß dieses schwer verletzt
        
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