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Periodical volume Nr. 276, 24.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

lichen Brunnen als Homorbrunnen zu bezeichnen, uud die 
7 Straßen nach den Städten, die sich darum stritten der 
Geburtsort Homers !zu sein. Um die unerfreuliche Tat 
sache auS der Welt zu schaffen, daß keine Straße im Orte 
einen weiblichen Vornamen führt, und um gleichfalls 
auch die betr. Komponisten zu rhren, sind die Namen: 
CLcttien-Platz (die heilige Cäcilie ist Schutzheilige der edlen Mufika). 
Martha-, (Fiotow) öeonoren-, (Beethoven) Agathen-, (Weber) Mar 
garethen-, (Gounod) Elsa-, (Wagner) Undinen-, (Lortzmg) Konstanzen- 
Straße (Mozart) 
an dritter Stelle "vorgeschlagen. Ein anderer Vorschlag 
knüpft an die Berlinische Bodengesellschaft an, der als 
Eigentümerin des Sporparkgeländes die Entschließung zu 
verdanken ist und will ein Gegenstück zu dein von ihr 
gegründeten sog. Bayerischen Viertel in unserer Nachbar 
stadt Schöneberg geben, indem er den Straßen die Namen 
oberbayerischer Seeen beilegt, nämlich: 
Ammon-, Walchod-, Kochel-, Brunnen-, Achen-, Eibt-Straße und 
Garda-P!atz. 
Mehrere Bürger Friedenaus unterbreiten gememein- 
schaftlich den patriotischen Vorschlag den Platz 
Auguste Viktoria-Platz und die Straßen: Kaiser Friedrich-, Krön- 
Prinzen-, Prinz Heinrich-, Prinz Leopold-, Prinz Eitel-, Moltke- und 
Roon-Straße 
zu benennen. Auch „Jeheimrats Jette" endlich bringt 
Vorschläge und entnimmt ihre Anregungen aus der Küche. 
Sie will den Platz 
„Präpel-Platz" und tie Straßen des Sportparks folgendermaßen 
genannt wissen: An der Puffertmauer, Psannkuchendamm, Beaf-Steg, 
Pellkartoffeln, und' Herings-Ufer, Am Kuchentaich, Stolzerheinrich- 
Allee, Altemanngaffe. 
Bei unserer Geschäftsstelle sind zwölf Vorschläge ein 
gelaufen, welche wir dem Herrn Bürgermeister unterbreiten 
werden. Von einem hohen Militär wird uns geschrieben: 
Der anregenden Aufforderung in Nr. 274 des Friedenauer Lokal- 
Anzeigers folgend, beehre ich mich unter Berücksichtigung der nahebei 
gelegenen Wilhelm-, Bismarck- und Varziner-Straße, folgende Benenn 
ungen für die 7 Straßen und den Platz auf dem bisherigen Sport- 
Platzgelände in Vorschlag zu bringen: Moltke-, Roon-, Düppel-, 
Königgrätzer-, Sedan-, Pariser-, FriedrichSruhe'-Straße und Kaiser- 
Platz. NB. Anstatt Pariser-, Friedrichsruher-Sliaße möchten sich viel- 
leicht bester „Deutsche", oder „Preußische"-Straße empfehlen. 
Eine'patriotisch Gesinnter wünscht folgende Benennung: 
Sehr geehrte Redaktion! Auf Anregung des Friedenauer Lokal- 
AnzetgerS, erlaube ich mir als ein patriotisch Gesinnter zur Sport- 
Parkstraßen-Benennung folgenden Vorschlag zu machen. Kaiser Wil- 
Helm-Platz, Kronprinz Wilhelm-, Prinz Eitel-Friedrich-, Prinz Adalbert-, 
Prinz August-Wilhelm-, Prinz Oökar-, Prinz Joachim-, Prinzeffin 
Viktoria-Luifen-Straße. 
Eine Dame aus der Albe-Str. hat fünf Vorschläge 
und um bei der Auswahl der Namen einen Vorschlag 
nicht vorzuenthalten, bringen wir sämtliche und zwar: 
An die Redaktion des Friedenauer Lokal-Anzeiger. 
Infolge Ihrer freund!. Aufforderung an die Fredenauer Bürger 
zur Platz- und Straßinbenennung des ehemaligen Sportplatzes bei 
zutragen, erlaube ich mir. Ihnen folgende Ideen zu unterbreiten: 
Kaiserin Augusta Viltoria-Plah. Friedrich Wilhelm-, Eitel Friedrich-, 
Adalbert-, August-, Oskar-, Joachim-, Viktoria Lutsc-Straße. Nach 
unserer hochverehrten Kaiserin und ihren 7 Kindern. — Richard 
Wagner-Platz. Bach-, Händel-, Haydn-, Mozart-, Beethoven-, W-ber-, 
Schuberl-Straße. Nach berühm en Komponisten in der Reihe ihres 
Geburtsjahres aufgeführt. — Thüringer-P atz. Koburger, Gothaer, 
Weimarer, Eisenach r, Schwarzburger, Rudolstadter, Revtzische Straße. 
Rach den thüringischen Staaten. — Germania-Platz. Preußische, 
Sächsische, Bayerische, Würltembergische, Baeensche, Mecklcnb rgische, 
Oldenburgische-Straßr. Nach Deutschland und den Einzelstarten- 
— Deutscher Platz. Holländiiche, Belgische, Französische, Schweizerische, 
Österreichische, Russische, Dänische Straße. Nach Deutschland und 
den angrenzenden Staaten. 
Ein Anwohner aus der Bismarckstraße schreibt uns: 
Geehrte Redaktion! 
Auf Ihre Anregung, die Benennung der Sportparkstraßen betr.: 
Da der ehemalige Sportpark von der Bismarck- uud d:r 
Varziner-Straße in der ganzen Ausdehnung begrenzt wird, so wird 
der Gedanke nahegelegt, den gesamten neuen Ortsterl der Erinnerung 
an Bismarck za weihen. Z mächst würde dann der Schmuckplatz nach 
der Fürstin Bismarck als Johanna-Platz zu benennen sein, dr>.i ein- 
mündende Straßen nach den Kindern des fürstlichen Paares als 
Herbert-, Bill- (statt Wilhelm) und Marien-Straße. Zwei in die 
Varziner-Straße einmündende Straßen würden nach Bismarcks Ge 
burtsort und AlterSfitz Schönhauser- und Friedrichsruher-Straße be- 
nannt werden können, die beiden übrigen nach seinen großen Helfern 
brim Werke der Einigung Deutschlands, Roon- und Moltke-Straße. 
Dem Ganzen wird die „Kaiser-Allee" den stimmungsvollen Hinter- 
gründ geb>„. Also: Johanna-Platz, Herbert-, Bill-, Marien-, Schön- 
Hauser-, Friedrichsruher-, Roon-. Moltke-Straße. Nach in Bismarcks 
Lebensgeschichte bedeutsameren Orten könnten auch w ch die Benennungen 
Knieghofer-, Frankfurter- und St. Petersburger-Straße (beide letzteren 
nach den Orten seiner historischen Tätigkeit als Gesandter) in Be- 
tracht kommen; nach seinen bedeutendsten Mitarbeitern auf dem 
Gebiete der Züiwerwaltung die Bezeichnungen Delbrück- uud 
Bötticher-Straße. — Ich gestatte mir, noch einen Grund für meinen 
Vorschlag anzuführen. Mir ist vor Jahren vou Herren, die es wiffen 
konnten erzählt worden, daß es auf deS Fürsten Bismarcks aller- 
persönlichstes Eingreifen zurückzuführen gewesen ist, daß das ehemalige 
Sportparkgelände zu dem Zwecke, zu dem die Stadt Berlin cs zunächst 
erworben hatte, nämlich zur Anlage einer GaSfabrik, keine Verwendung 
gefunden hat. Also ist die Entwicklung, welche dieser Ortsteil jetzt 
genommen hat ganz wesentlich dem Fürsten zu verdanken, umsomehr 
Grund, ihn in den Dienst sitnes Andenkens zu stellen. 
Eine Friedenauer Hausbesitzerin macht folgenden Vor 
schlag: 
Welche acht Namen paßten wohl bester für diesen in Zukunst 
vornehmsten Teil Fried nau's an dem Fiiedrich Wilhelm-Platz, der 
Bismarck-It.aßc, vor allem ntben der Kaiser-Allee, als der Vrktoiia- 
Platz, die Kronprinzen-, Eitel Friedrich-, Adalbert-, August Wilhelm- 
Oskar-, Joachim-, Viktoria Luise-Straß ? 
Ein Lokal-Patriot vom reinsten Wasser bringt zwei 
Benennungen in Vorschlag, die wir für sehr beachtens 
wert halten. Er empfiehlt: 
Da das Gymnasium sich am eh:maligen Sportpark befindet, 
wurde empfohlen: Gymnasial-Platz, Aristoteles-, Sokrates-, Diogenes-, 
Cicero-, Archimedes-, Homer-, Lykurgus-Straße. — Rennplatz, Turner-, 
Fußball-, Segler-, Ruder-, Athleten-, Hypodrom-, Eislauf.Straße. 
Ein „alter", Germane schreibt uns, und können wir 
diesen Vorschlag gern empfehlen: 
Für die Bennung der 7 Straßen und des Platzes schlage ich 
folgende altgermanische Namen vor: Hagen-, Siegfried-, Dietrich-, 
Günter-, Rüdiger-, Siegmund-. Gudrun-Straße, den Platz Germanen- 
Platz. 
Aber auch der Humor hat in einer Zuschrift eine 
Stätte gefunden. Da durch die Straßenbenennungen sich 
Personen beleidigt fühlen könnten, haben wir die be 
treffende Stelle ausgelassen. 
Redaktion deS Friedenauer Lokal-AnzeigerS, Friedenau. Ihre 
gestrige An esung, betreffs Benennung der 7 Streßen und des Platzes 
auf dem Sportparkgelände, fiel auf keinen unfruchtbaren Boden. So 
fort trat der Stammtisch Kaiser-Eiche ,n einer Extra-Sitzung zu- 
fammen, die infolge deS anregenden Themas bis morgens 4 Uhr 
ausgedehnt werden muß e. In der geheimen Abstimmung kamen 
folg nde Namen zur Annahme, die wir hier der verehrlichen Redaktion 
zur gest. Veröffentlichung unlerb eiien. Für den Platz, Penosen-Pia? 
oder Kraststation rc. Leider mußte wegen der vorgerückten Morgen- 
stunde die Sitzung unterbrochen werden, und soll in einer kommenden 
Sitzung eine weitere Beratung stallfinden, von deren Resultat wir dem 
Lokal-Anzeiger pflichtschuldig Mit eilung machen weiden. Mit gan, 
vorzüglicher Hochachtung: Der Stammtisch Kaiser-Eiche. 
5 GeweknderatSwahl. Der Herr Bürgermeister 
hat die Ersatzwahl zur Gemeindevertretung an Stelle des 
zum Schöffen gewählten Herrn Apotheker Sad6e aus 
Montag, den 4. Dezember, nachm, von 6 bis 7 Uhr 
im Restaurant „Rheinschloß" anberaumt, Herr Sadöe 
war von der 1. Wählerklaffe gewählt worden. Die Wahl 
zeit dauert bis zum 1. April 1908. 
-j- Ein herber Verlust hat die Friedenauer Logen- 
Vereinigung getroffen. Ihr Vorstandsmitglied Herr Kauf 
mann Aug. Julius Trainer ist plötzlich dahingeschieden. 
Der Verstorbene leitete noch das vor kurzem stattgehabte 
Stiftungsfest und besuchte am letzten Sonnabend noch 
seine Loge. Am Sonntag traf ihn ein Schlaganfall, der 
seinem Leben am Dienstag ein Ziel setzen sollte. Die 
hiesige Logen-Vereinlgung wird diese Botschaft mit tiefer 
Trauer empfinden, da der Dahingeschiedene jedem ein 
lieber Freund war. Die Beerdigung findet am Sonn 
abend, den 25. November, Nachm. 3V 2 Uhr, auf dem 
neuen Schöneberger Friedhof an der Maxstraße statt. 
+ $eute vor 250 Jahren wurde Karl XI. von 
Schweden geboren, der Valer jenes berühmten Kriegs 
helden, der sich als Karl XII. ein dauerndes Denkmal in 
der Weltgeschichte gesetzt hat. Karl XI. war bekanntlich 
der Verlierer der Schlacht von Fehrbellin, die am 28. Juni 
des Jahres 1675 stattfand und in der ihm das Heer des 
Großen Kurfürsten gegenüberstand. Für Schweden war 
die Regierungszeit dieses Königs insofern nicht ohne 
Vorteil, als jener verbessernd in das Verwaltungswesen 
eingriff und es verstand, die damals nur allzu bedeutende 
Macht des Adels zu brechen. Karl XI. starb am 5. April 
des Jahres 1697. 
f Die VolkSzähluugS-Abteilung des Königl. 
Statistischen Landesamtes „zieht", da die Räume dieser 
Behörde in der Lindenstraße zur Bewältigung der um 
fangreichen Arbeiten nicht ausreichten, welche das Volks 
zählungsgeschäft vom 1. Dezember bringen wird. Zu 
diesem Zwecke ist in der Wasserthorstraße ein ganzes Haus 
auf längere Zeit gemietet worden, in welchem man die 
zahlreichen Beamten und Hilfskräfte der.Abteilung unter 
bringen zu können hofft. Das Resultat einer Volks 
zählung der Gesamtheit nutzbar zu machen, geht natürlich 
nicht so schnell, wie die Arbeit jeneL Rechenmeisters, der 
ermittelt hat, daß man mit Hilfe des Zählkarten-Stapels 
den Mond wird besteigen können. Ehe die Kisten mit den 
Zählkarten überhaupt hier eingehen, werden gut und gerne 
2 bis 3 Monate verstreichen; denn zunächst müffen die 
Zähler die Karten prüfen, berichtigen und vervollständigen, 
dann werden sie bei den Lokalbehörden einer Revision 
unterzogen, die in der Regel zahlreiche Rückfragen er 
forderlich macht, und danach erst kann an ihre Verpackung 
und Absendung gedacht werden. Auch das Statistische 
Landesamt ist vielfach mit den Antworten nicht zufrieden, 
denn die Zäalungsresultate sollen möglichst genau sein, 
und so kommt es. daß auch von hier aus oft noch Er 
hebungen stattfinden müffen. Das Zählgelchäft selbst ist 
natürlich sehr zeitraubend, denn die Ausnutzung des ein 
gesammelten Materials kann nur successive erfolgen, sodaß 
also die Anzahl der Personen, das Alter, das Religions 
bekenntnis usw. nacheinander festgestellt wird. Um 
wenigstens etwas schnellstens zu liefern, werden den 
Städten in der Regel provisorische Mitteilungen üher die 
Einwohnerzahl gemacht. Es ist diese Feststellung insofern 
von Wichtigkeit, als z. B. die Zahl der Stadtverordneten 
und Schöffen (Stadträte), ferner die Bildung eigener Kreis 
verbände usw. von der Einwohnerzahl abhängt. Freilich 
ist es schon vorgekommen, daß eine Gemeinde zu früh von 
Großstadtgelüsten befallet) wnrde, denn unter ihren 
„mindestens 25 000 Einwohnern" waren die aktiven 
Militär-Personen oder Auswanderer mitgerechnet, die sich 
bei der Zählung nur vorübergehend im Orte aufgehalten 
hatten ... Es ist darum immer beffer, die amtlichen 
Resultate abzuwarten, als auf eigene Faust Statistik 
zu treiben. 
-j- Verkehrswüusche von Steglitz und den süd 
westlichen Vororten. Dies Thema behandelte in der 
gestrigen Mietervereinssttzung in Steglitz Herr Eisenbahn- 
Ingenieur vr. Ml. et jnr. Kollmann.. Aus dem reichen 
Gedankeninhalt des Vortrages ist Folgendes hervorzuheben: 
Die manchesterliche Doltorir, daß öffentlich: BerkehrSetnrtchtungen 
beffer gedeihen in Händen von Privaten als in denen des Staates 
und den Genre nden, hat angesichts der gemachten Erfahrungen au;, 
gehört, die öffentliche Meinung zu beherrschen. Die Neuzeit sieht in 
erster Linie auf den wirtschaftlichen und sozialpolitischen Nutzen sür 
die Gesamtheit und erst in zweiter aus die Verbilligung der Betriebe. 
Wohnungsfrage, Bodenpol tik und Verkehrswesen stehen in engem 
Zusammenhange. Nur durch gemeindlichen Betrieb von Lokalbahnen 
läßt sich eine gesunde Reform ermöglichen. Jeder Vorort von Berlin 
kann eine Straßenbahn billiger betreiben, als die Große Berliner. 
Für den Bau der Steglitzer „Waldbahn" verlangte die Große Berlin-r 
4t Pfg. sür das Wagenkilometer, während die Firma Siemen« und 
Haiske, welcher auf 3 1 /, Jahren dec Betrieb dieser Bahn überlassen 
ist, nur 27'/, Pfg. berechnete und dabei roch auch noch verdienen will. 
Redner weilt hierbei aus die Nachteile hin, welche das Berliner 
Publikum erleidet, wenn der Großen Berliner ihre Konzession auf 
weitere L0 Jahre verlängert würde: „Weitere 700 Millionen würden 
dann dieser in den Schoß geworfen." Die Steglitzer Bahn konnte 
auch uitt dem besten W-genmateiial versehen werden. Die Große 
Berliner und besonders die westliche Vorortbahn haben dagegen 
schlechtes Wagenmaterial. „Eine Fahrt durch die Echloßstratze mit 
t em Wagen d.r Westlichen Vorortbahn ist als eine gute Vorbereitung 
sür eine längere Seefahrt mit einem möglichst unbrauchbaren Segel- 
schiff anzusehen." (Heiterkeit). Daß Steglitz den Betrieb nicht auch 
gleich übtrnimmt, liegt an der Kleinheit des Unternehmens. Die 
Uebernahme seitens der Gemeinde wird wahrscheinlich nach 8»/, Jahren 
erfolgen. Bis dahin ist derselben durch Berlrag ein voller Einfluß 
gesichert. Am ersten Tage der Eröffnung wird bas Publikum ganz 
frei befördert weiden, ein Fall, der bisher in Europa noch nicht da- 
gewesen ist. Die Große Berliner würde jedenfalls für den ersten 
Tag den doppelten Betrag als Fahrgeld erhoben haben (Heiterkeit). 
Die Steglitzer Waldbahn gibt ein grundsätzliches Vorbild sür Groß- 
Berlin, so klein auch daS Unternehmen an sich ist. DaS neue große 
Projekt der Berliner ist für die Vororte völlig wertlos; es liegt so- 
gar die Gefahr vor, daß die Beförderung noch verlangsamt wird. 
Man sollte daher ein gemeinsames Berkehrsamt sür Groß-Berlin 
schaffen, in dem jede Gemeinde nur eine Stimme haben müßte. Das 
Publikum kann verlangen, daß seine Wünsche berücksichtigt werden, 
namenilicb zugunsten der arbeitenden Klaffen. Man darf nicht immer 
die Selbstkosten vorrechnen, denn den gesamten Verkehr machen 
schließlich die Abonnenten, nicht die Fremden. Die heutige Geschwindig- 
kett der Berliner Bahnen beträgt kaum 18 Km, soviel wie John 
Stephenson seine erste L-komoiive in Stockion laufen licß und do.'r 
w :re die heutige E eknolechik in der Lage, ohne übermäßige Erhöhung 
der Betriebskosten 40 bis 50 Km. in der stunde zu erzielen. Das hängt 
mit der WohnungSftage aufs engste zusamen. Weiter abseits vom 
Industriezentrum kann der Arbeiter beffer und billiger wohnen. Red 
ner erörtert eingehend die hier in Betracht kommenden irchnischen 
Fragen. , B. über die ,5 Pfennigstrecke", über den Nachtprei», über 
den MctoromnibuS rc. «nd erntet zum Schluß lebhaften, andauernven 
Beifall. 
Rach eingehender Aussprache beauftragt die Bersamm- 
lung »den Vorstand des Mieteroereins, alsbald Schritte 
zur Schaffung eines gemeinschaftlichen Verkehrsamtes für 
Groß-Berlin einzuleiten. Sie ersucht außerdem den Vor 
stand, durch Verhandlungen mit den Landtagsabgeordneten 
des Wahlkreises und durch andere geeignete Maßnahmen 
eine Besserung unserer Verkehrsoerhältnisse ins Auge zu 
fassen. 
-s- Eine Baumschule hat Friedenau plötzlich er 
halten. Nämlich auf dem Gemeindeacker am Armcnhause 
hat man die zur Anpflanzung bestimmten Bäumchen vor 
läufig eingesetzt. Der stattliche Baumpark gewährt so 
allerdings das Ansehen einer Baumschule. 
-j- Unser bekannter Mitbürger, Herr Bildhauer 
Max Meißner, Laulerstraße Nr. 32, hat anläßlich der 
großen Uhrenausstelluilg in Nürnberg im Juli d. Js. von 
dem Deutschen Uhrmacherbund für den von ihm ge 
schaffenen Peter Henlein Brunnen (Erfinder der Taschen 
uhr) die goldene Medaille erhalten. 
t Herrenkommers. Einen solchen hatte der 
„Friedenauer Männer-Gesangverein 1875" anläßlich seines 
30 jährigen Bestehens im „Kaiser Wilhelmgarten" veran 
staltet. Ter große Saal war festlich geschmückt und die 
Teilnehmerzahl eine große- Außer der zahlreichen Sänger 
schaar und ihren Gönnern hatten sich eingefunden der 
Turnverein mit einer stattlichen Anzahl von Mitgliedern, 
Vertreter des Krieger- und Landwehrvereins, Haus- uud 
Grundbefitzervereins.Parochialvereins, der freiwilligen Feuer 
wehr, Schützengilde, des Roseschen Gesangvereins und deS 
Kegelklubs „Glatte Bahn". Das Programm war wieder 
ein reichhaltiges und wenn sich der Festverein am Konzert 
abend in voriger Woche in gesanglicher Hinsicht so hervor 
ragend zeigte, so ließ er gestern inbezug auf Pflege von 
Gemütlich- und Geselligkeit, Darbietungen in origineller, 
humoristischer Beziehung wirklich nichts zu wünschen übrig. 
Nach einigen Musikstücken begrüßte der Vorsitzende, Herr 
Ebers, die Anwesenden aufs herzlichste. Er gab einen 
kurzen Rückblick auf die Verhältnisse im Ort zur Zeit der 
Gründung des Vereins und gedachte dabei deS noch vor 
handenen einzigen Mitbegründers- Herrn Berg, der an 
wesend war. Redner prieS den Verein als eine vorzüg- 
liche Pflegestätte edler Sangeskunst im Ort und schloß 
seine von treuem Sängerherzen gekommenen Worte mit 
einem Hoch auf das deutsche Lied. Der Vorsitzende 
des Turnvereins, Herr Rechnungsrat Evers brachte die 
besten Glückwünsche zum Ehrentage dar. Ec führte u. a. 
aus, daß der Gesangverein stolz sein könne auf die'zurück 
gelegte Zeit und errungenen Preise. Auch die Turner 
seien Freunde des Gesanges, der sie bei allen Gelegen 
heiten begleite. Zum Schluß der allerselts gut auf 
genommenen Rede brachten die Turngenossen ein kräftige- 
„Gut Heil" aus auf weitere glänzende Entwickelung deS 
Gesangvereins und ein freundschaftliches Nebeneinander- 
wirken. Hierauf wechselten allgemeine Gesänge mit Chor 
liedern (dirigiert jvon Herrn Scheel) und Musikvorträgen 
der Herren Rob. Schmidt und Bergemann, bis die 
Urfidelitas, geleitet von Herrn Kistenmacher, nach allen 
Regeln der Kunst in ihre Rechte trat. Da war „Stoff" 
genügend vorhanden und der Verein kann mit seinen Mit 
gliedern auch nach dieser Richtung hin sehr zufrieden sein. 
So gab Herr Beyer einige Klarinett-Solis zum Besten, 
während Herr Baarmann für Deklamation sorgte. Herr 
Bergemann zeigte sich als guter Violinspieler und 
Humorist. Was aber die vergnügte Stimmung ganz be 
sonders hob, war die Hauskapelle, die einige Märsche ge 
lungen erklingen ließ, wofür ihr lebhafter Beifall zu teil 
wuroe. Dem Kapellmeister Rob. Schmidt übergab der 
Kneipwart der Turner, Herr Schiesche, in feierlicherweise 
und mit humorvoller kurzer Ansprache für die vortreffliche 
Direktion einen Kranz. So war also für Abwechselung 
bestens gesorgt und lange blieb die lustige Gesellschaft die 
mit ihren, vom Verein gespendeten interessanten Kopf 
bekleidungen ein buntes Bild abgab, beisammen. Der 
Vergnügungsausschuß hatte eben alles aufgeboten, dem 
Abend ein gutes gemütliches Gepräge zu geben, das auch 
geglückt ist, und so hat sich dieser Herrenkommers der 
ersten Veranstaltung anläßlich des 30 jährigen Jubiläums 
würdig angereiht. 
-j- Verein der Gast- uud Schankwirte. Gestern 
fand im Etablissement „Gesellschaftshaus", Rheinstr. 14. 
das achte Stiftungsfest bei reger Beteiligung der Mit 
glieder und Gäste statt. Die Gründungsfeier wurde mit 
einem Essen eingeleitet. Der Vorsitzende,HerrFechner begrüßte 
die Erschienenen herzlichst und endete mit einem Hoch auf 
die Gäste und den Verein. Herr Schn munterte auf, sich 
kollegialisch zusammen zu schließen und brachte ein Hoch 
auf die Kollegen aus. Ein besonders zu dem Fest enga 
gierter Humorist amüsierte mit seinen gediegenen Vorträgen 
die Anwesenden aufs Beste. Einige Tafellieder wurden gesungen 
und dann trat der Tanz in seinem Rechte. Die Damen er 
hielten ein schönes Blumensträußchen als Spende vom 
Verein. Das Fest verlief in schönster Harmonie und 
blieben die Teilnehmer von der gemütlichsten Stimmung 
beseelt, bis in die frühen Morgenstunden hinein beiein 
ander. Alles war seitens des Vereins gut veranstaltet, 
und dem Lokalinhaber Herrn Thiel kann nachgesagt 
werden, daß er mit seinen schmackhaften reichlichen Speisen 
seinen Herren Kollegen mit ihrem Anhang bestens zu 
friedengestellt hat. 
-j- I« dem Konzert von Felix Meyer am 27. d. 
im Hohenzollernjaale, in dem die Rezitatorin Frau Frida 
Fischer mitwirkt, wird Frl. Cilly Müller eine Arie von 
Bruch und Lieder von Wolf und Brahms zu Gehör bringen. 
-j- Der Männer-Gesangverein „Concordia"- 
Friedenau. veranstaltet am kommenden Sonntag (Toten 
sonntag) Nachmittags 5 Uhr im Saale deS „Kaiser
        
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