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Periodical volume Nr. 274, 21.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Lokales. 
f Die Dezernate unserer Schöffen. Herr Schöffe 
Bache verwaltet: Schulwesen, Schulstifiungen, Mitzcichnung 
aller Kassenanweisungen, die nicht dem Dezernat eines 
anderen Schöffen entstammen, sonstige Kaffensachen (Mit 
verschluß des Depots auf der Deutschen Bank usw.) Für 
die Ausarbeitungen der Kasienanweisung verbleibt Herr 
Schöffe Wossidlo Dezernent, da die Arbeiten dicht vor dem 
Abschluß stehen; Herr Schöffe Draeger: Bausachen, (Hoch 
bau, Straßenbau, Kanalisation); Herr Schöffe Lichtheim: 
Anlagen, Friedhof, Markt; Herr Schöffe Wossidlo: Armen- 
und Waiscnsachen, Armenstiftungen; Herr Schöffe Sadtze: 
Straßenreinigung^, und -Besprengung, Bedürfnisanstalten, 
Feuerwehr, Einquartierungssachen. Um Zweijeln über die 
Grenzen der einzelnen Dezernate zu begegnen, macht der 
Herr Bürgermeister aufmerksam, daß alle baulichen Arbeiten 
durch das Baubüro ausgeführt werden. Werden also im 
Dezernak eines Herrn Schöffen bauliche Arbeiten erforder 
lich, so ist die Sache an das Baubüro zur weiteren Ver 
anlassung abzugeben. Besteht aus irgend einem Grunde 
der Wunsch, von einer Ausführung durch das Baubüro 
abzusehen, oder erscheint es zweifelhaft, ob es sich um 
bauliche Arbeiten handelt, so ist die Sache dem Herrn 
Bürgermeister zur Entscheidung vorzulegen. 
f Tag der Buße soll uns der morgende 
Mittwoch sein. Ernst und feierlich erhebt sich hinter ihm 
der Sonntag, der unseren Toten geweiht ist. Mitten in 
das geräuschvolle Treiben des Weltlebens fällt dieser stille, 
ernste Tag i: it seiner Mahnung zur Einkehr und Umkehr! 
Ruft uns doch jeder Bußtag zu: Suchet was droben ist, 
da Christus ist! Morgen hat jedes rauschende Welt 
vergnügen zu verstummen; morgen ist Kanzel und Altar 
in den evangelischen Kirchen mit tiefem Schwarz umkleidet; 
morgen klingts durch den Gottesdienst wie eine einzige, 
wuchtige und erschütternde Melodie: Tut Buße! Dem 
rastlos im Alltagskampfe dahineilenden Menschen wird 
gleichsam Halt geboten. Halt ein, du Menschenkind, das 
in den äußeren Sorgen und Nöten des Lebens fast 
gänzlich aufgeht, steh still und achte auf den Bußluf dieses 
Tages! Buße heißt Sinnesänderung. Zur Selbstprüfung 
fordert der Bußtag auf. Neue Vorsätze für unser religiös- 
sittliches Leben sollen da erwachen, ein neuer Geist soll 
uns beseelen. Blicken wir um uns in das Leid der Zeit, 
so müffen wir uns wohl gestehen, daß mir manches, das 
uns das Herz beschwert, selber verschuldet haben. Wir 
wollen uns prüfen, ob wir auch allenthalben auf den 
rechten Pfaden wandeln und uns geloben, bessere Wege 
zu beschreiten. Es ist der Tag der Buße. Möge sie ver 
edelnd und versöhnend wirken und Ruhe bringen in wunde 
Gemüter und Frieden den Zerrissenen und Wahrheit den 
Irrenden. Aus der inneren Einkehr möge sich neue Tat 
kraft ergeben zum Guten, zum Besseren! Aus der Nacht 
der Reue erstrahle das Licht der Besserung und der neuen 
Lebensfreude! 
-j- Sportparkstraßen-Beuennung. Gemeindcoor- 
stand wie Gemeindevertretung konnte sich bisher über die 
Bezeichnung der Namen für die Straßen im Sportparkge 
lände nicht schlüssig werden. Unser Herr Bürgermeister 
Schnackenburg hegt nun den Wunsch, daß aus der Bürger 
schaft heraus Namen genannt werden, mit denen man evt. 
die Straßen belegt. Es sind 7 Straßen und ein Platz 
vorhanden, und müssen die Namen einen einheitlichen 
Charakter tragen. Wir ersuchen unsere geschätzten Ein 
wohner sich eifrig an der Namenauswahl zu beteiligen 
und die Einsendungen an uns gelangen zu lassen. Herr 
Bürgermeister Schnackenburg wird dann das Ergebnis 
mitteilen. 
f Gerneirrde-Wage Im kleinen Rathause ist jetzt 
die bereits von uns gemeldete Wage untergebracht worden, 
welche zum Abwiegen jedermann zur Verfügung steht. 
t Friedenauer Adreßbuch 1906. Eine Anzahl 
Hausbesitzer im Friedenauer Ortsteil von Schöneberg hat 
die Hauslisten für das neue Adreßbuch noch unbeachtet ge 
lassen und wird ersucht, die Listen nunmehr zum Abholen 
bereit halten zu wollen. — Die Vereine werden gebeten 
ihre Angaben schnellstens einzureichen, andernfalls wird 
angenommen, daß Änderungen nicht eingetreten sind und 
findet dann der bisherige Text wieder Aufnahme. — Die 
jenigen Herrn Gewerbetreibende, Geschäftsleute k., welche 
noch mit einem Inserat im Adreßbuch vertreten sein 
wollen, mögen sich jetzt melden, da der Schluß des An 
zeigenteils bevorsteht. 
t Bei Frostwetter ist es dringend erforderlich, 
daß die im Gebrauche befindlichen Gasmesser gegen die 
Einwirkungen der Kälte geschützt werden, da andernfalls 
eine regelrechte Benutzung des Gases ausgeschlossen ist. 
Alle Gasabnehmer werden daher gut tun, die Gasmesser 
in kalten Räumen durch Einhüllen in Stroh/ wollene 
Lappen und dergleichen gegen das Einfrieren des Wassers 
zu schützen und auch die Fenster der Räume, in denen 
Gasmesser stehen, während der Frostzeit geschlossen zu halten. 
t Was im Butterhandel üblich ist, kam in 
einem Prozeß vor dem Berliner Kaufmannsgericht zur 
Sprache und mag hier zur Erbauung de§ kaufenden 
Publikums mitgeteilt werden Die Verkäuferin eines 
Buttergeschäfts verklagte ihren früheren Prinzipal, den 
Butterhändler Stolp, weil er ihr von ihrer Kaution eine 
größere Summe einbehalten hatte, um sich für ein Manko 
schadlos zu halten, das sie als Filialleiterin gehabt hatte. 
Um zu entscheiden, ob das Manko durch Verschulden der 
Verkäuferin entstanden, war ein Gutachten des vereidigten 
Bücherrevisors Meinhardt eingeholt worden, in dem sich 
folgender bemerkenswerte Passus befindet, für den sich der 
Revisor auf ein Gutachten des gerichtlichen Sachverständigen 
Butterhändler Wegener beruft: „Es ist im Butterhandel 
nicht üblich, den Verkäuferinnen einen gewissen Prozentsatz 
für Schwund gutzuschreiben, weil eine geschickte Verkäuferin 
beim Anstich der Butter durch Benetzen der Kelle und des 
Einschlagepapiers mit Wasser soviel herauszuwirtschaften 
versteht, daß ein Manko nicht entstehen kann." (!) Auf 
Befragen des Richters bestätigt die Verkäuferin, daß im 
Butterhandel die Prinzipale Anweisung geben, Kelle und 
Papier recht naß zu machen, damit die Butter schwerer 
wiege. Sie sei aber an oem Manko unschuldig, weil in 
ihrer Filiale ein Lehrmädchen beschäftigt wurde, das den 
Verkauf „nicht richtig verstand" und den gekennzeichneten 
Kniff nicht lernen konnte. Das Kaufmannsgericht beschloß 
in seiner Entscheidung, ein Gutachten der Berliner 
Handelskammer darüber einzuholen, ob es im Butter 
handel üblich sei, Verkäuferinnen einen gewissen Prozent 
satz für Schwund gutzuschreiben. Wünschenswert wäre, 
daß bei dieser Gelegenheit die Handelskammer sich mit 
gebührender Deutlichkeit gegen solche entschieden unreellen 
Manipulationen ausspricht, wie sie der gerichtliche Sach 
verständige als im Butterhandel „üblich" und bei einer 
geschickten Verkäuferin selbstverständlich bezeichnete. 
-j- Uebertragung der Bartflechte durch ein 
Rasiermesser, das gar nicht oder nicht gehörig gereinigt 
ist, ist fahrlässige Körperverletzung. So lautet ein Urteil 
des Landgerichts zu Eisenach, das den Schuldigen zu 
1 Monat Gefängnis verurteilt und jetzt den Sanitäts 
behörden mitgeteilt wird. 
-j- In der Freien Hochschule beginnt am Freitag, 
den 24. d. Mts., in der Friedr. Werderschen Ober-Real 
schule (8 Uhr) Herr Schriftsteller M. H. Baege seinen 
Zyklus: „Die Lebenswunder. Die Vorträge werden durch 
eine große Anzahl Lichtbilder erläutert. Am Sonnabend, 
den 25. (Abends 8^4 Uhr) findet im Bürgersaal des 
Rathauses eiir Einzelvortrag statt. Herr Karl Henckell 
wird eigne Dichtungen vortragen. — Karten zu beiden 
Veranstaltungen in den bekannten Buchhandlungen und an 
der Konzertkasse bei Wertheim. 
-j- Im Königlichen Institut für Meereskunde, 
Georgenstcaße 34—36, spricht am Sonnabend, dem 25. 
d. M., um 8 Uhr Abends Herr Prof. Schellwien-Königs- 
berg über „Die Bernsteinküste und die Kurische Nehrung", 
mit Lichtbildern. Der Vortrag ist öffentlich, Herren und 
Damen haben Zutritt. Einlaßkarten sind zum Preise von 
25 Pf. pro Abend von 12 bis 2 Uhr Mittags und an 
den Vortragsabenden selbst von 6 Uhr ab im Institut er 
hältlich; außerdem in der Zeit von 9 bis 4 Uhr im 
Deutschen Flotren-Verein, Bernburgerstr. 35 I. 
-s Männcr-Turn»er'e:in. In seiner letzten Sitzung 
hat der Turnrat beschlossen, die Weihnachtsfeiern seiner 
Abteilungen wie folgt abzuhalten: am Donnerstag, den 
21. Dezember, die beiden Schüler- und die Lehrlings 
abteilungen, Freitag, den 22. Dezember, die beiden Mädchen- 
sowie die Heilturnabteilungen. Beide Feiern finden in der 
Gymnastalturnhalle statt. Am Freitag, den 29. Dezember, 
findet dann die Weihnachtsfeier der Damen-, Alters- und 
Männer-Abteilung in sämtlichen Räumen des „Hohenzollern" 
statt. — Die alljährlich satzungsgemäße Mitglieder 
versammlung wird am 24. Januar 1906 stattfinden. 
f Krieger- und Landwehr-Verei»». Das den 
Mitgliedern durch' Rundschreiben angekündigte Kartoffel- 
und Heringsessen findet nicht am 23., sondern erst am 
Mittwoch, den 29. November, Abends 9 Uhr, im 
„Hohenzollern" statt. Der Preis beträgt für das Essen 
25 Pfg. und wird ein 3 / 10 Glas Bier für 10 Pfg.. ver 
abfolgt,. ebenso wird fiir Unterhaltung bestens-gesorgt sein. 
Die Vereinsliederbücher sind mitzubringen. Uni die Teil 
nehmerzahl festzustellen,, wird der Byte in diesen Tagen 
vorsprechen und werden Anmeldungen außerdem bet 
Kamerad Wegner, Kirchstraße 15, entgegengenommen. Der 
Vorstand ersucht die Mitglieder, sich recht zahlreich- zu 
beteiligen, da der Überschuß aus dieser Veranstaltung der 
Unterstützungskasse für die Witwen und Waisen verstorbener 
Kameraden zufließt. 
-j- Im Evangel. JüglingSverein findet auch am 
Bußtag Versammlung statt. Es wird ein Vortrag über 
„Indisches Kastenwesen" gehalten werden. 
f Wieder einer Auch das bekannte Geschäft für 
Herrenausstattungen R. Schmeck. Rheinstraße 10, hat jetzt 
elektrische Beleuchtung erhalten und kommt durch die drei 
Bogenlampen, die außen angebracht sind, das vorttefflich 
ausgestattete Schaufenster so recht zur Geltung. 
-j- Hunde au der Leine zu führen wäre für 
unseren Ort auch sehr angebracht. Die Rasenstreifen an 
der elektrischen Bahnlinie und auch andere gärtnerischen 
Anlagen werden von diesen Vierfüßlern gern anfgesucht 
um einem „inneren Drange" Genüge zu tun. Die so 
verunreinigten Rasenftreifen gewähren dem Auge keinen 
guten Anblick. So könnte man nur wünschen, daß es 
den Hunden nicht gestattet sei, ein freis Leben in unseren 
Anlagen und Straßen zu führen. 
-s Kurzschluß. Bei der gestern probeweise in 
Betrieb genommenen Kabelleitung Wilhelmshöherstraße 
trat ein kleiner Kurzschluß in einer Hausanschlußleitung 
auf, der durch gleichzeitiges Eingreifen der Feuerwehr und 
des Oberingenieurs des Elektrischen Werkes schnell be 
seitigt wurde. Schäden sind nicht entstanden und ist nur 
ein Stückchen Kabel verbrannt. Es ist dies der erste 
Kurzschluß, der bei dem großen Kabelnetz bisher vorge 
kommen ist. Gleichzeitig möchten wir noch darauf auf 
merksam machen, Kurzschluß nieinals durch Wasser zu 
löschen, sondern durch Aufschütten von Sand oder trockener 
Erde, da durch Aufgießen vön Wasser der Kurzschluß noch 
größer wird. 
-ß Besserung. Amtlich wird bekannt gegeben, daß 
der Zimmergeselle Lmdenberg von der Liste der Trunken 
bolde gestrichen worden ist. Der ehemalige Alkoholist ist 
nun wieder ein nützliches Mitglied der Gesellschaft ge 
worden. Hoffentlich für immer. 
f WaS einem Geschäftsmann alles passieren 
kann. Herr Scholl. Rheinstr. 9, Inhaber eines Herren- u. 
Knaben-Garderobe-Geschäfts, hatte heute Mittag einen 
neuen Knabenpaletot im Werte von 14 Mk. vor seinem 
Laden auf einer Büste ausgestellt, um so das Publikum 
von der Vorzüglichkeit feiner Ware zu überzeugen. Nun 
kommt da auch ein „Sachkundiger" anstolziert, um sich 
diesen Paletot zu besichtigen, er findet Gefallen daran und 
um ihn auch auf Haltbarkeit vp. zu untersuchen, glaubt 
er am Besten zu handeln, den Paletot gleich mitzunehmen. 
Herr Scholl hatte von alledem leider nichts gesehen und 
so war er erstaunt, nach einiger Zeit die Büste vor seinem Laden 
leer zu sehen. Der Liebhaber des Paletois aber hatte seine 
Visitenkarte auch nicht zurückgelassen, vielleicht haben ihn 
Passanten der um diese Zeit sehr lebhaften Verkehr 
aufweisenden Rheinstraße beobachtet, sodaß sie Herrn 
Scholl mit näheren Angaben dienen können, damit der 
Letztere seinen ungebetenen Kunden eine Rechnung über 
mitteln kann. 
£ f AIs ein roher und gemeiner Charakter 
kennzeichnete sich der im Keller des Hauses Albestraße 23 
wohnende Arbeiter August Pfister. In der Nacht vom 
Sonnabend zum Sonntag rempelte Pfister an der Kirch- 
straßen-Ecke zwei junge Leute, die sich auf dem Wege nach 
Steglitz befanden, an, mit der Frage, was sie von ihm 
wollten. Die jungen Leute hatten sich gär keine Be 
lästigung zu Schulden kommen lasserl und baten daher um 
Jnruhelassung. Das Raubein schlug nun dem einen Herrn 
ins Gesicht, daß diesem die Nase anschwoll und das Blut 
herausfloß, dann flüchtete er mit noch 2 vorher nicht be 
merkten Komplizen. Der Geschlagene benachrichtigte einen 
Sicherheitsbeamten, der den Unhold, als er mit seinen 
Komplizen aus einer Kneipe trat, feststellte und da dieser 
einen falschen Namen angab, ihn zur Wache brachte. Eine 
strenge Bestrafung wäre dem rohen Patron sehr zu 
wünschen. 
Schöneöerg. 
— Verein für Handel «nd Industrie in 
Schöueberg, eingetragener Verein. Am Freitag, den 
24. November. Abends 8»/z Uhr. findet im großen Saale 
des „Schwarzen Adler", Hauptstraße 134, die Monats- 
Versammlung des Vereins statt, zu welcher auch die 
Damen eingeladen sind. Gäste find gleichfalls herzlich 
willkommen. Einen interessanten Vorttag wird Herr Dr. 
A. Kaegbein. Nationalökonom und Assistent des literarischen 
Büros der Hamburg-Amerikalinie über „Die Entwicklung 
und gegenwärtige Bedeutung der Hamburg-Amerika-Linie" 
halten. Der Vortrag wird die historische Entwicklung der 
Gesellschaft in großen Zügen behandeln und ein möglichst 
vollständiges Bild ihrer Geschäftspolitik geben, namentlich 
seit 1886, jener Zeit, in der unter der Leitung des Herrn 
Generaldirektors Ballin die Hamburg-Amerika-Linie begann, 
das zu werden, was sie heute ist. Der Herr Vortragende- 
wird in den Kreis seines Vortrages- namentlich ein 
beziehen Flotte, Liniennetz, Transportleistuugen, Verhältnis 
zur Industrie, zum Handel, zunr Verkehr. Für diejenigen, 
welche den Betrieb einer Reederei nicht aus eigener An 
schauung kennen, dürften die Lichtbilder, welche zu Beginn 
des Vortrags vorgeführt werden, und welche die Schiffe 
und den Hafenbetrieb vergegenständlichen, von besonderem 
Interesse- sein. Verknüpft wird mit dem Vortrag eine 
Ausstellung von Photographien, farbigen Bildern, Karten, 
Plakaten, sehr wirksam illustrierter; Handbüchern und 
Drucksachen. Von letzteren können etwaigen Liebhabern 
eine Anzahl dauernd zur Verfügung gestellt werden. 
— Im Wege der Zwangsvollstreckung soll 
das in Schöneberg, angeblich Berchtesgadenerstraße be- 
legene, im Grundbnche vor^ Schöueberg, zur Zett der Ein 
tragung des VersteigerunZsvermerkes auf den Namen 
des Kaufmanns Otto Schmiedicke in Gharlottmburg ein 
getragene Grundstück am 9. Januar 1906, Vormittags 
10 Uhr, versteigert werden. Das in der Gemarkung 
Schöneberg belegene Grundstück — Acker (Vorgarten) ist 
mit 1,53 9R- Reinertrag und einer Fläche von 8 Ar 
08 Quadratmeter zur Grundsteuer veranlagt. 
Wertin und Wororte. 
§ Zum Wechsel im. Justizministeritt« wird 
uns noch gemeldet: Justizmürifter Dr. Schönstedt wird sich 
dem Vernehmen nach schon morgen von seinen Räten und 
Beamten verabschieden. Zugteich dürfte sein Nachfolger, 
der bisherige Oberlandesgerichts-Präfident Dr. Beseler- 
Breslau, in Berlin eintreffen, um hier in sein neues Amt 
eingeführt zu werden. Der neue Justizminister ist, wie 
wir hören, Witwer, seinem Hauswesen steht eine erwachsene 
Tochter vor, welcher vorzügliche Eigenschaften, nachgerühmt 
werden. Der scheidende Juftizminister beabsichtigt, wie 
schon angedeutet, in Berlin wohnen zu bleiben. 
8 Dis Fortsetzung des Baues der Uutergrund- 
bahu nach dem Westen ist nun soweit gefördert, daß die in 
Aussicht genommenen Endtermine für den; Beginn deS 
Betriebes, 1. Januar 1906 bis Wilhelmptatz Charlotten 
burg, 1. Juli 1906 bis Westend. strikte eingehalten werden 
können. Die Arbeiten auf der Strecke vom Knie bis zum: 
Wilhelmpbatz sind zum größten Teil bereits fertig, und. 
auch die Gleislegung geht ihrer Vollendung entgegen. 
Die Eindeckung des TunnÄs ist bis auf drei kleine 
Stellen ausgeführt worden, sodaß demnächst mit der Re 
gulierung der Straßen begonnen werden Ccmn. Auch auf 
der Strecke nach Westend zu ist jetzt die Ausschachtung 
fast vollendet und der Tunnel, der sich über das frühere 
Exerzierfeld des ElisaberhMegiments hiuzieht. ist bsreitS 
überwölbt worden. Auch die 3 westlichen Bahnhöf» am 
Sophie-Charlottenplatz» bei der Bismarckbrücke und am 
Platz B in Westend, sind in ihrer äußeren Gestaltung 
fertig und werden jetzt mit den Eisenkonstruktionen versehen 
8 Auf polizeiliche Anordnung ist die wichtige- 
Straßenbahnhaltestelle auf der Südseite des Leipziger 
Platzes verlegt worden. Während sie sich früher in der 
Nähe des südlichen Steuerhauses befand, ist sie jetzt weiter 
nach Osten zu verschoben worden und. liegt nicht mehr 
vor, sondern hinter dem Wrangel-Denkmal. Es ist das 
mit Rücksicht darauf geschehen.'sdaß bei der Einmündung 
des Leiziger- in den Potsdamer Platz ber Wagenverkehr 
sich oft zu stauen pflegt. 
' 8 In der neuen Schmuckanlage» die im vorigen 
Jahre auf dem Werderschen Markt entstanden ist. werden 
Ruhebänke aufgestellt. 
8 An der Nordseite der Werderschen Kirche 
sind jetzt 12 hohe Grabsteine angebracht worden, die sich 
früher an der Südseite befanden. Hier lag einst der 
Werdersche Kirchhof, auf dessen Gelände kürzlich ein 
Maschinenhaus für die neue Heizanlage des Gotteshauses 
errichtet worden ist. Die Grabsteine, die von einem 
kleinen Ziegeldache überragt werden, sind sämtlich mit 
charakteristischen Ornamenten versehen und tragen lange 
Jnschrifien, zum Teil in lateinischer Sprache, Sie stammen
        
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