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Periodical volume Nr. 273, 20.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

vorbeipassierender Schnellzug in der Nähe der Station 
Friedenau entgleist und dadurch ein größeres Eisenbahn- 
-Unglück herbeigeftihrt worden sei. Unter dieser Annahme 
wurden die laut Vorschrift für diese Strecke bestimmten 
Hilfszüge der Stationen Potsdam und Berlin, Anhalter 
Bahnhof, telegraphisch angefordert und diese trafen denn 
auch innerhalb der vorgeschriebenen Frist, die bekanntlich 
bis zu 30 Minuten betragen darf, an der vermeintlichen 
Unglücksstelle ein, worauf mit Hilfe der besonders dazu 
ausgebildeten Beamten und Arbeiter Samariter-Übungen 
und Aufräumungsarbeitrn vorgenommen wurden. Die 
Probe-Alarmierung lind Hilfsaktion, welche in allen ihren 
Einzelheiten durchaus exakt und befriedigend verliefen, 
nahmen etwa anderthalb Stunden Zeit in Anspruch, 
worauf die beiden Hilfszüge nach ihren Stationsorten 
zurückgesandt wurden. Auch die Friedenäuer Sanitäts 
kolonne war irrtümlich alarmiert worden und traf die 
erste vollbesetzte Trage bereits nach 12^ Minuten, der 
Rettungswagen 5 Minuten später an der angenommenen 
Unfallstelle ein. Auch die übrigen Mannschaften waren im 
Verlauf einer halben Stunde alle zur Stelle und wurden 
dann gleich zurückgeschickt. Der Herr Präsident war sehr 
befriedigt über die Leistungsfähigkeit unserer Kolonne 
und nahm u. a. auch Bericht über die Alarmordnung 
entgegen. Die „Probe-Alarmierung", welche inmitten 
unseres belebten Bahnhofs-Viertels und noch dazu 
an einem Sonntage, in der Mittagsstunde, vor sich ging, 
hatte begreiflicher Weise eine ansehnliche Menschenmenge 
angelockt, die zunächst glaubte, daß hier tatsächlich „etwas 
los", d. h. ein ernstliches Unglück passiert sei. Im Orte 
selbst war denn auch wirklich das Gerückt von einem 
solchen verbreitet, glücklicherweise aber wich die dadurch 
hervorgerufene Beunruhigung gar bald einer gewissen 
Befriedigung darüber, daß die Staatsbahnverwaltung sich 
stets bereit und gerüstet hält, auch bei so außergewöhn 
lichen Ereigniffen alle ihre Einrichtungen auf der Höhe der 
Zeit zu zeigen. Wenn — was der Himmel verhüten 
möge! — bei Friedenau wirklich einmal ein Schnellzug 
entgleisen sollte, so wird — das haben die gestrigen 
Übungen bewiesen — in kürzester Frist alles zur Stelle 
sein, um nach Menschenmöglichkeit zu helfen und zu 
retten, die Schmerzen zu lindern, die noch drohenden 
Gefahren zu beseitigen. Und von dieser Hilfsbereitschaft 
sich zu überzeugen, war der Zweck der zeitgemäßen und 
wohlgelungenen Übung. 
f Bezirksverein „Südwest". Die Versammlung, 
die Freitag Abend im „Reichskanzler" stattfand, eröffnete 
Herr Justizrat Reinbacher um l/^io Uhr. Er teilte mit, 
daß ein von Herrn Dr. Rabenow beabsichtigter Vortrag 
nicht gehalten werden könnte, wegen Verhinderung des 
Referenten. Der Herr Vorsitzende begrüßte die Erschienenen 
und bemerkt, da die Versammlung schwach besucht, daß 
weniger Interesse vorhanden, da die schlimme Zeit ja 
wieder vorüber sei. Alle Kleinigkeiten mögen außer Acht 
gelassen werden, da der Verein große Ziele vor Augen 
habe. Herr v. Wuffow verlas hierauf das Protokoll, 
das einwandsfrei Annahme fand. Neu aufgenommen 
wurde Herr Göring, Rubensstraße 16. Herr Reinbacher 
bringt infolge einer Zuschrift eines Anwohners der Knaus 
straße die Frage der Bepflasterung dieser Straße und Bepflan 
zung mit Bäumen zur Sprache. Was die Pflasterung anbe 
lange, so solle diese demnächst erfolgen, übrigens nicht 
auf Kosten der Stadt, sondern auf deren der Schöneberg- 
Friedenauer-Teraingesellschoft. Wegen der Bepflanzung 
mit Bäumen wird ein Schreiben an die Verkehrsdeputation 
gerichtet werden. An der Aussprache beteiligten sich die 
Herren Hecht in längeren Ausführungen, sowie Friedrich 
und Weßlau. Zu Puukt 2 der Tagesordnung: „Mit 
teilungen aus der Stadtverordnetenversammlung" erwähnt 
Herr Vorsitzender zuerst die stattgehabten Stadtverordneten 
wahlen bezw. derenResultate. Dann sprachen weiter über den 
Abzug des Gemeindevorsteher in Weißensee gewählten 
Herrn Dr. Woelk, die Wahl des Herrn Rentier Pfeffer 
in die Kanalisationsdeputation, insbesondere wegen Ver 
wertung des Rieselgutes, die Wohnungszuschußangclegen- 
heit der Beamten und über das Kaufmannsgericht in 
Schöneberg. Nach seinen Erfahrungen wäre mit diesem 
Gericht einem dringenden Bedürfnis nicht abgeholfen, 
dreiviertel der Angelegenheiten seien Klagen der Bäcker- 
und Schlächtermädchen, während Kaufmannssachen sehr 
wenige vorkämen. Unter „Jnteressenfragen" führt Herr 
Direktor Woiwode, da er persönlich nicht erscheinen 
konnte, schriftlich Beschwerde darüber, daß die Bedürfnis 
anstalt Becker- Ecke KnanSstraße, sich noch immer in dem 
alten, bedauerlichen Zustande befindet. Hierzu äußern sich 
die Herren Dr. Samter, Reinbacher und Hecht. Letzterer ver 
spricht. daß im nächsten Jahre die Anstalt ein Aussehen 
erhalten wird, wie es die Zukunft erfordert. Herr Rein 
bacher bedauert den Ausfall der Stadtverordnetenwahlen 
bei denen die Sozialdemokraten die Erfolge größtenteils da 
durch errangen, daß sich die bürgerlichen Parteien zu 
wenig um die Wahlen bekümmert hätten. Herr Göring 
ist der Meinung, daß die Mietssteigerungen an der Gleich 
giltigkeit bei Wahlen schuld seien. Die schlechte Beleuchtung 
am Wanseebahnhof bringt der Vorsitzende zur Sprache 
und erklärt, daß zunächst ein breiterer Ausbau erfolge. 
Herr Göring konstatiert, daß die bewußte alte Petroleum 
funzel am Ausgang nach dem Dürerplatz, nachdem sich 
der „Fr-edenauer Lokal-Anzeiger" kürzlich der Sache an 
genommen habe, jetzt wenigstens brenne. Er empfehle 
wegen Abstellung der Mißstände am Wannseebahnhof ein 
Schreiben an die Eisenbahndirektion zu richten/ Herr 
Busch ist ebenfalls fiir ein geharnischtes Schreiben. 
Die Zustände seien geradezu skandalös. Die drei Laternen 
am Zugang von der Sponholzstraße werden garnicht ge 
reinigt, sodaß das Licht nur spärlich durchkommen kann 
und die alten Glühstrümpfe in erbärmlicherweise weiter 
gebrannt würden. Herr Friedrich äußert sich dahin, 
daß eine systematische Sparsamkeit von oben herab 
vorherrsche, wofür er ein kraffes Beispiel anführte. So habe 
man s. Zt. als sich noch die Zigarrenverkaufsbude am 
Ringbahnhof Wilmersdorf-Friedenau befand, die am Ein 
gang des Bahnhofs befindliche Lampe seitens der Bahn- 
leitung immer erst dann angezündet wenn der 
Higarrenhändler seine Bude znmachte, also um 10 bezw. 
9 Uhr. Da nun am Wannseebahnhof jetzt eine Zigarren 
halle eröffnet wird, müffen schnelle Schritte getan werden, 
sonst könnte evtl, auch hier dieses Sparsamkeits-Verfahren 
eintreten. Redner rügte noch, daß während der Neujahrs 
nacht der Zugverkehr so früh eingestellt wird. Die Ver 
sammlung erklärte sich einstimmig damit einverstanden, 
daß der Eisenbahn-Direktion das Mißfallen des Bezirks 
vereins über die traurigen Zustände am Wannseebahnhof 
ausgedrückt wird. Der Vorsitzende gibt bekannt, daß für 
das neue Etatsjahr ein Bürgerdeputierter aus dem Frie- 
denauer Ortsteil vorgesehen sei. Es sei bedauerlich daß 
die Stadt bisher wenig oder garnichts für diesen Ortsteil 
getan habe. Herr Hecht hat daß Gefühl, daß außer der Knaus- 
str. bestimmt zuerst die Cranachstr. reguliert wird, ob ganz 
oder geteilt, das könne er noch nicht voraussagen. Herr 
Göring tritt für Schaffung eines Überganges am Dürer- 
Platz zum Wannseebahnhof ein. Herr Bartelt hält das 
Asphaltieren der Menzel- und Cranachstraße für notwen 
diger. Herr Göring wünscht den 5 Minuten-Verkehr der 
Wannseebahn während der Abendstunden, des großen Ver 
kehrs wegen bis 9 Uhr ausgedehnt. Nach kurzer Aus 
sprache wird diese Angelegenheit bis zu einer der nächsten 
Versammlungen vertagt. Über die im nächsten Jahre 
stattfindende Landwirtschaftliche Ausstellung erfolgten noch 
Äusserungen dahingehend, ob sie der Stadt Vorteil bringt 
oder nicht, worauf um 12 Uhr die Sitzung geschloffen 
wurde. 
-s Probefahrten. Auf der neuen Straßenbahn 
Steglitz-Dahlem haben heute die ersten Probefahrten statt 
gefunden. Die Eröffnung der Bahn, die am 15. d. Mts. 
stattfinden sollte, mußte auf kurze Zeit verschoben werden, 
da in der verlängerten Straße Kuligkshof, wo sich nahe 
der Birkbuschstraße das Bahnhofsgebäude erhebt, die 
Kanalisationsarbeilen nicht fertig geworden waren. Die 
Bahn fährt vom Wannseebahnhof Steglitz durch die 
Albrechtstraße, überschreitet dann die Schloßstraße beim 
Rathause und gelangt durch die Grunewaldstraße und die 
Dahlemer Chauffee an dem Pharmazeutischen Institut der 
Universität, dem neuen botanischen Garten, dem biologi 
schen Institut des Reichsgesundheitsamts und der könig 
lichen Gärtner-Lehranstalt vorbei nach Dahlem. Später 
wird die Bahn bis zum Grunewald verlängert werden. 
-j- Selbstabyoluug der Güter von den Berliner 
Jnnen-Bahnhöfcn und Ringbahnstarionen. Den Empfängern 
von Eil- und Stückgütern, welche diese von den Bahn 
höfen selbst abholen oder durch andere als die bahnamt 
lichen Rollfuhr-Unternehmer abfahren laffen, ist nach- 
gelaffen worden, die z. Zt. schon hinterlegten Vollmachten 
durch eine bis zum 16. Dezember d. I. bei den zuständigen 
Güter-Abfertigungsstellen abzugebende Erklärung, daß eine 
Änderung in der Zuführung der Güter nicht gewünscht 
wird, für das nächste Jahr zu verlängern, sodaß also eine 
neue Vollmacht nicht erforderlich ist. Formulare zu der 
erwähnten Erklärung (welch letztere übrigens nicht 
stempelpflichtig ist) sind bei den Abfertigungsstellen kosten 
los zu haben. Die Vollmachten gelten auch fernerhin 
immer für ein weiteres Jahr, falls bis zum 16. Dezember 
des laufenden Jahres jene Erklärung abgegeben wird. 
f OrtSkrankenkaffe für Friedenau. Mittwoch, 
den 29. November, Abends 8 l / t Uhr findet im „Gesellschafts 
haus", Rheinstraße 14, eine Generalversammlung statt. 
Die Tadesordnung ist folgende: 1. Verlesung des Proto 
kolls der letzten Generalversammlung. 2. Bericht des 
Vorstandes. 3. Wahl des Ausschuffes zur Prüfung der 
Jahresrechnung, (1 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer). 5. Er 
satzwahlen für den Vorstand. 5. Verschiedenes. 
f Aufruf! Der hiesige Kriegsveteranenverein, der 
seit dem 18. April 1896 besteht, hatte unserer vorgestrigen 
Ausgabe ein Rundschreiben beifügen laffen, in welchem 
die Kriegsveteranen von 1848, 64. 66 und 70/71 ge 
beten' werden, dem Verein als Mitglieder beizutreten. 
Weiter heißt es in dem Aufruf: Kameraden! 35 Jahre 
sind verfloffen, seit ein Deutsches Reich in Herrlichkeit er 
standen ist und das Vaterland seine Söhne ins Feld ge 
sandt hat, so wollen auch wir ein gleiches Denken und 
Fühlen, wie unsere Väter von 1813, 14 und 15 in 
unseren Herzen haben, die Erinnerungen an die Kriegs 
jahre im Kreise alter Kriegskameraden immer und immer 
wieder aufleben zu lassen, zu des Vaterlandes Wohl und 
zu unserem Besten, bis der Tod auch die Letzten von uns 
abberufen haben wird. Kameraden von Friedenau und 
Umgegend, die dem Verein beizutreten gedenken, können 
dies bei den, unter dem Aufruf verzeichneten Vorstands 
mitgliedern erwirken. Die nächste Sitzung findet am 
Sonnabend den 2. Dezember im Restaurant „Zur Kaiser 
eiche" statt. 
f Elektrizitäts-Abnahme. Unser Elektrizitäts 
werk ist mit dem bisherigen Resultat sehr zufrieden, es 
ist eine laufende Annahme der Konsumenten zu ver 
zeichnen. Außer zahlreichen Hausbesitzern, sind bereits 
eine große Anzahl Ladeninhaber an das Werk an 
geschlossen. So hat in letzter Zeit elektrische Beleuchtungs 
anlage das Herren-Garderobengeschäft I. Scholl, Rhein 
straße 9, und vor einigen Tagen das bekannte Schirm 
geschäft Kümmel, Rheinstraße 18. Beide Geschäfte machen 
Abends mit dem modernen Licht einen effektvollen 
Eindruck. 
f Geistliche Mufikaufführung findet am Sonntag, 
den 3. Dezember, Abends 8 Uhr in der Kirche zum guten 
Hirten statt. Veranstalter ist der Friedenäuer Kirchenchor 
und werden mitwirken: Solisten des Chores Frau Dr. 
Hartleib, Frau Seeler, Frau Ernst, Frau Pastor Görnandt, 
Herr Seeler, Frau Dr. Hollmann (Geige), Herr Amts 
gerichtsrat Dr. Richter (Geige), Herr Harriers-Wippern (Orgel). 
Der' Uberschuß ist für die Diakonie bestimmt Das reich 
haltige auserwählte Programm werden wir später ver 
öffentlichen. 
-f Mäunerturnvereiu Friedenau. Am Mittwoch 
den 22. d. Mts. unternimmt die Damen-Abteilung einen 
Ausflug. Abfahrt 9.39 vom Wannseebahnhof Friedenau 
nach Potsdam. Von dort zu Fuß nach den Rabensbergen, 
Teufelssee, Templin. Nach kurzer Rast, Rückkehr auf 
Waldwegen, über Brauhausberg nach Potsdam. 
f Hoheuzollern-Theater. Tine neue Sensation 
unserer diesjährigen so überaus erfolgreichen Saison 
bedeutet die Aufführung deS eigenartigen Schauspiels 
„Die Brüder von St. Bernhard" von Anton Ohorn am 
Dienstag, den 21. November. Ungeheure Beifallsstürme 
begleiteten f. Zt. die Premiere dieser Novität am Deutschen 
Theater in Berlin. Nach jedem Akte mußte der Dichter 
immer wieder vor der Rampe erscheinen, um die kolossalen 
Ovationen des begeisterten Publikums entgegenzunehmen. 
So wird nur einem Dichter zugejubelt, der das Volk 
wirklich zu packen versteht und das hat Ohorn in seinen 
„Brüdern von St. Bernhard" meisterhaft verstanden. Die 
Seelenkämpfe des jungen Bruders Paulus sind von 
gewaltiger, dramatischer Wirkung. Eine solche hervor 
ragende Dichtung von dieser Größe wird sicher auch bei 
uns ihres Erfolges sicher sei. Die Hauptrolle des Paulus 
liegt in Händen des Herrn Cordes und wird diesem 
Künstler damit Gelegenheit geboten, seit längerer Zeit 
wieder sein Talent in vollstem Lichte zu zeigen. Neben 
den alten bewährten Kräften, welche in diesem Stücke 
vollzählig beschäftigt sind, hat Direktor Behle noch einige 
neue Künstler engagiert, um „Die Brüder von St. 
Bernhard", unstreitig das interessanteste Bühnenwerk der 
Neuzeit, bei uns in mustergiltiger Darstellung aufführen 
zu können. Unseren hiesigen Kunstfreunden mag es 
besonders empfohlen sein, sich diese Novität am Dienstag 
anzusehen. 
j- Kindervorstellungen. Die Vorstellungen im 
„Lindenpark", zu denen beim Einkauf im Warenhaus 
A. Weiß & Co., Hauptstraße 11, Eintrittskarten umsonst 
ausgegeben werden, finden im „Lindenpark", Hauptstraße 
16, Nachmittags, nicht um 5 1 / 2 , sondern V2 5 Uhr statt. 
Ofeneinsturz. Am gestrigen Sonntag stürzte unter 
gewaltigem Gepolter ein Ofen im Hause Rheinstr. 38 ein. 
Glücklicherweise wurde niemand verletzt, trotzdem der Ofen 
bis auf das Gesims zusammengebrochen ist. Immerhin 
ist der dadurch angerichtete Sachschaden nicht unerheblich. 
Da mit Steinkohlen oder dergl. nicht geheizt worden war, 
so dürfte das Malheur nur auf die mangelhafte Bauart 
zurückzuführen sein. Erst kürzlich meldeten wir von einem 
infolge falscher Anlage des Ofens entstandenem Brande. 
Derartige Nachrichten sind nicht gerade geeignet, Wohnungs 
suchende anzulocken. 
-j- Polizeibericht. Gemeldet wird uns als zuge 
laufen ein schottischer Schäferhund, und als gefunden ein 
Hammer. Die Eigentümer wollen sich im Polizeibüro 
melden. 
Schöneöerg. 
— Drei Stadtverordneten-Nachwahleu müffen 
für die dritte Abteilung vorgenommen werden. Bei der 
Hauptwahl am 2. November war im dritten Bezirk 
(Grunewald- und Goltzstraße) der Stadtverordnete Post 
sekretär R. Schneider I gewählt worden, deffen von ihm 
vertretenes Mandat im zweiten Bezirk (südöstlicher Berliner 
Ortsteil in der Umgebung der Hohenstaufenstraße) erst 
1907 abläuft; hier hat eine Nachwahl zu erfolgen. Der 
sozialdemokratische Stadtverordnete Restaurateur Ernst Obst, 
deffen Mandat im achten Bezirk (der südlichen Insel) bis 
1909 geht, war im sechsten und im siebenten Bezirk (der 
Gegend der Bahnstraße bezw. der nördlichen Insel) ge 
wähltworden; hier haben also zwei Nachwahlen stattzufinden. 
— Die elektrische Straßenbeleuchtung unserer 
Stadt ist bereits sehr umfangreich und wird auch weiter 
ausgedehnt. Fast jede neu angelegte Straße ist in den 
letzten Jahren gleich mit elektrischer Lichtanlage ausgestattet 
worden. In allernächster Zeit werden nun auch noch die 
Maaßen-, Goltz- und Akazienstraße im elektrischen Licht 
erstrahlen. 
— Ortskrankenkaffe von Schöueberg. Am 
Mittwoch, den 29. November, Abends 8 Uhr, findet im 
Klubhaus zu' Schöneberg, Hauptstr. 5-6, eine ordentliche 
Generalversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht 
außer dem Bericht vom Dresdener Krankenkaffentag die 
Wahl der Revisoren für die Prüfung der Jahresrechnung, 
die Wahl von Vorstandsmitgliedern und Beschlußfassung 
über die Beleihung des Grundstücks. 
Werlin und Vororte. 
§ Die ersten Fahrten der beiden Automobil- 
Omnibusse auf der Strecke Hallesches Tor—Chausseestraße 
Ecke Luisenstraße bildeten am gestrigen Sonntag ein Er 
eignis für Berlin. In dichten Scharen hatte sich das 
Publikum an den beiden Endhaltepunkten angesammelt 
und betrachtete mit Wohlgefallen die trotz ihrer Größe 
sehr eleganten Wagen, die bei ihrer Ankunft sofort gestürmt 
wurden, so daß die vorhandenen 37 Plätze (18 auf dem 
Verdeck, 16 im Innern und 3 Stehplätze auf dem Hinter 
perron) im Nu in Beschlag genommen waren. Die Ein 
nahme war um die Mittagszeit bereits größer als die 
Durchschnittstageseinnahme der Zweispänner-Omnibusse. 
f Die Zentralstelle für die Kontrolle der Wohl 
tätigkeitspflege, welche der städtischen Stiftungsdeputation 
angegliedert ist, hatte im abgelaufenen Geschäftsjahre nicht 
weniger als 102 666 Sachen zu erledigen, es haben sich 
namentlich die Anfragen und die Mitteilungen von Be 
hörden, Vereinen rc. erheblich vermehrt. Auf die Zahl 
der Unterstützungsgesuche ist von 20 auf 21000 gestiegen. 
Das Karten-Archiv verfügt gegenwärtig über 175 323 
Karten. 
§ Stiftungen. Die Freifrau Julie von Cohn- 
Oppenheim hatte in ihrem Testament der Stadtgemeinde 
Berlin die Summe von 50 000 und 100 000 M. ver 
macht; die erstere sollte für wohltätige Zwecke Verwendung 
finden, die letztere für die Zwecke der Berliner Tierschutz 
vereine, welche am geeignetsten erscheinen, die Zinsen an 
gemessen zu verwenden. Die Gemeindebehörden haben 
beschlossen, daß die Zinsen der 50 000 M. zu lausenden 
Unterstützungen an Hilfsbedürftige verwandt werden sollen. 
Die Stiftung hat die landesherrliche Genehmigung er 
fahren; über die Verwendung des für den Tierschutz aus 
gesetzten Kapitals liegt ein Beschluß noch nicht vor. — Das 
vom Kommerzienrat Hermann Frenke! aus Anlaß seiner 
Silberhochzeit gestiftete Kapital von 20 000 M., das zur
        
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