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Periodical volume Nr. 235, 06.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Büro. — Herr G.-V. Hendrich frägt an, ob auch die 
Prüfung der Beläge diesem Büro unterliege, was bejaht 
wurde. Auch diese Neuanstellung erkennt die Versamm 
lung an. 
Herr Klette, der anderthalb Jahr bei der Gemeinde 
tätig ist, wird als Amts- und Gemeindediener mit Pensions 
berechtigung angestellt. 
Für das Baubüro soll der seit dem 1. November 
1900 in der Verwaltung beschäftigte Techniker Görlitz als 
technischer Assistent' angestellt werden. Herr Schöffe 
Draeger giebt an, daß dieser Herr ein sehr tüchtiger 
Mann sei, er ist gelernter Maurer, hat die Baugewerks 
schule besucht und das Maurermeister-Examen bestanden 
und besitzt auch gute zeichnerische Kenntnisse. Herr G.-V. 
Homuth bittet um Zurückstellung dieser Sache. Herr 
G.-V. Schremmer meint, die Frage müsse noch anders 
behandelt werden. Wir haben im Ortsstatut noch keine 
Vorschriften über die Anstellung derartiger Beamte. Die 
Vorschriften für Bürobeamte sind doch nicht maßgebend. 
Der Herr Bürgermeister bemerkt, daß das Ortsstatut 
wohl Vorschriften gewähre, nach denen eine Anstellung sich 
ermöglichen lasse. Er müßte erst ein Examen machen, 
wenn er lebenslänglich angestellt werden solle. Man 
könne ja ihm ein beschränktes Examen vorschreiben. Es 
ist gestattet, dieses Examen anders zu gestalten. Herr 
G.-V. Schremmer bemerkt, daß ein beschränktes Examen 
überhaupt kein Examen sei. Herr G.-V. Berger bittet 
um Zurückstellung der Sache bis mir erst wissen, wie sich 
das Baubüro gestalte. Herr G.-V. Kunow weist an der 
Hand des Ortsstatuts nach, daß bereits Vorschriften da 
sind, die eine Anstellung zulassen. Er halte ein Examen 
nicht für notwendig, wenn man die Bedingung stelle, daß 
der Betreffende die Baugewerksschule besucht haben müsse. 
Durch das Examen erkennt man doch noch nicht, ob er 
etwas leisten könne oder nicht, es gebe Leute, die kein 
Examen gemacht haben und viel tüchtiger sind, als solche, 
die ein Examen gemacht haben. Herr Schöffe Draeger 
meint, der Assistent könne ja eine Probezeit erst absolvieren. 
Herr G.-V. Berger stellt den Antrag, die Wahl deS 
Assistenten vorläufig zurückzustellen, bis die Angelegenheit 
des Bauamts ihre Erledigung gefunden habe. Herr Schöffe 
Lichtheim erwidert, daß der Assistent ja mit dem Bau 
amt nichts zu tun habe, da man ja ein Hochbauamt 
schaffen wolle und dieser Assistent für das Tiefbauamt be 
stimmt sei. Die Angelegenheit wird dann vertagt. 
Für die Baupolizei-Afsistentenstelle zur Hilfe des 
Herrn Kriesmann, wird dann genehmigt, einen Herrn mit 
einem Monatsgehalt von 180 M. diätarisch einzustellen. 
Der Herr Bürgermeister beantragt nun, für den 
Polizeidienst 2 neue Beamte einzustellen, sodaß die Polizei 
aus dem Wachtmeister und 11 Beamten bestehe. Es müsse 
eine Änderung im Polizeidienst eintreten und für die 
Sicherheit des Ortes wäre es unbedingt notwendig, daß 
die Beamtenzahl erhöht werde. Herr G.-V. Fechner 
frägt an, ob für die Aufsicht auf dem Wochenmarkt nicht 
ein Vollziehungsbeamter beauftragt werden könne, der 
gleichzeitig auch die Gelder einkassiere. Es wird die Ein 
berufung der Beamten zum 2. Januar beschlossen, damit 
diese noch die Polizeischule besuchen, und zum April im 
vollen Umfange tätig sein können. 
Zur Einstellung eines Standesbeamten bittet der 
Herr Bürgermeister diese Einstellung bewirken zu wollen. 
Bisher habe in Vertretung Herr Sekretär Steinicke diesen 
Posten versehen. Der Posten sei doch aber nicht in 
solcher Ruhe zu versehen, wenn man dazu von irgend 
einer Arbeit dazu abgerufen wird und solle z. B. eine 
Trauung vornehmen. Dieser Posten könne vielleicht neben 
amtlich besetzt werden, durch einen pensionierten Beamten 
oder Offizier. Herr G.-V, Homuth erkennt die Not 
wendigkeit an und beschließt man die Anstellung dieses 
Beamten zum Gehalte von 1500 M, 
Für die Kassenverwaltung wird dann auch die An 
stellung eines Assistenten verlangt. Durch das elektrische 
Werk ist auch hier bedeutend Mehrarbeit erforderlich. Herr 
G.-V. Homuth erkennt die Mehrleistungen der Kaffe an 
und plaidiert dafür, die Steuerzahlung ähnlich wie in Char 
lottenburg einzurichten, es würde dadurch viel Arbeit ge 
spart. Blau könne es doch so einrichten, daß für die 
jenigen, die die Steuer selbst zahlen wollen, die Quittung 
zurückbehalten werde. Herr G.-V. Schu hält das für 
nicht zweckmäßig. Viele kleine Leute legen sich den Steuer 
betrag zurecht, um ihn zur Hand zu haben, wenn der 
Steuermann kommt und könnte man dann warten» bis diese 
die Steuern hinbrächten. — Diese Position wurde dann 
ebenfalls genehmigt und noch einige nebensächliche Fragen 
dann erledigt. 
Punkt 5 der Tagesordnung wurde nun überschritten 
und gelangte Punkt 6, Vorlage, betreffend Anstellung 
eines Gemeinde-Baurats zur Verhandlung. 
Der Herr Bürgermeister referiert zu diesem Punkt: 
Der Bauausschuß hat sich bereit erklärt, ein Hochbauamt 
einzurichten und an dessen Spitze einen Regierungsbaurat 
zu stellen. An Gehalt sollen 5—6000 M. für diesen 
Herrn ausgeworfen werden. Dieses Bauamt, dem der 
Baurat, dann Herr Duntz und der noch anzustellende 
Assistent anzugehören hätten, solle als Hochbauamt bestehen, 
während der Bauausschuß die Tiefbauten, also Straßenbau, 
Kanalisation rc., zu leiten hätten. Es solle nun die Stelle 
des Baurats ausgeschrieben werden, sofern die Gemeinde 
vertretung damit einverstanden ist. Er hoffe, daß es 
wohl gelingen wird, einen tüchtigen Herrn zu erhallen, 
der auch schon in Gemeindesachen erfahren ist. Bier 
Wochen wird die Ausschreibung wohl in Anspruch nehmen 
und hoffe er, daß zum April dann die Stelle besetzt 
werden könne, vordem wird es wohl kaum möglich sein. 
Herr G.-V. Haustein hält es für möglich, daß späterhin 
der Baurat auch das Tiefbauamt mit übernehme. Herr 
G.-V. Schremmer schließt sich den Ausführungen des 
Herrn Haustein an. Er hält zwei Bauämter für zu viel. 
Ein tüchtiger Mann wird sich auch bald mit dem Tiefbau 
bekannt machen können, insbesondere, da wir ja nicht viel 
Tiefbauten haben. Flußläufe wären nicht vorhanden und 
für die Kanalisation haben wir ja auch nur den Anschluß 
an Schöneberg zu besorgen. Es wäke also sehr leicht 
möglich, daß ein Baurat für Hochbauten auch den Tiefbau 
mit übernehme und so bitte er, daß dies mit bei der 
Ausschreibung bemerkt würde. Herr G.-V. Homuth 
bemerkt, der Herr Bürgermeister habe s. Zt. erklärt, der 
Herr Baurat habe später nichts zu tun. wenn die einzelnen 
Bauten, Realschule, Töchterschule, Rathaus, fertig seien, 
dann trete eine stille Zeit im Bauwesen ein. Aus diesem 
Grunde hält er auch zwei Bauämter nicht für nötig. Er 
will jedoch noch weiter gehen und hofft, daß der Baurat 
später auch die Leitung des Elektrizitätswerkes mit über 
nehme. ES ist in manchen Orten auch so, warum soll es 
hier nicht auch gehen. Seiner Meinung nach war die 
Anstellung eines Baurats noch garnicht so notwendig, es 
wäre auch noch so gegangen nnd man hätte Kosten gespart. 
Herr G.-B. Schultz meint, man könne die Baugebühren 
schließlich erhöhen. Die Baubeflissenen haben selbst erklärt, 
daß die Baugebtthren in Friedenau sehr niedrig seien und 
würden dadurch die Kosten für das Bauamt der Gemeinde 
nicht so fühlbar gemacht. Herr G.-B. Berger ist der 
Ansicht, daß man sich über die Notwendigkeit der Ein 
stellung eines Baurats wohl vollständig klar sei und man 
sich darüber nicht mehr streiten brauche. Das Gehalt, 
welches angesetzt ist, ist sehr anständig, andere Gemeinden 
bezahlen diese Posten nicht so gut. Wenn wir aber 
einen Herrn anstellen, der solle auch etwas leisten, und 
Leistungen müssen auch bezahlt werden. Bei diesem 
Gehalt könne er aber sehr gut die Leitung des Tiefbau 
amtes und auch des Elektrischen Werkes mit übernehmen. 
Ein Regierungsbaumeister würde sich schließlich auch ein 
Armutszeugnis ausstellen, wenn er dies nicht könne. Ein 
Hochbauamt erfordere doch schließlich mehr Kenntnisse. 
Herr Püttmann wird es wohl gern einsehen, wenn wir 
diese Änderung vornehmen und Herr Draeger scheidet ja 
doch so wie so schon aus. Es müsse bei der Ausschreibung 
schon bemerkt werden, daß diese Posten mit zu übernehmen 
sind. Herr Schöffe Draeger gibt zu. daß jetzt vier 
Herren beschäftigt werden, wenn man aber vergleicht, was 
geschaffen ist, so ist viel geleistet worden. Auch er hält 
es für nötig, daß ein Bauamt geschaffen werden muß. 
Vor allem solle nran aber ein Hochbauamt einrichten. Vor 
läufig ist noch viel zu schaffen und könne der Baurat jetzt 
auch noch nicht das Tiefbauamt übernehmen. Er hält es 
auch für selbstverständlich, daß der Herr in drei Jahren 
vielleicht ganz gut das Tiefbauamt mit übernehmen kann 
und bis dahin so viel Kenntnisse erworben habe. Herr 
G.-V. Kunow meint, man könne ja nach 12 Jahren, auf 
welche Zeit der Baurat ja zunächst angestellt werden solle, 
sehen, ob noch viel zu tun sei, danach ließe sich ja dann 
handeln. Auch hält er es sehr gut für möglich, daß der 
Herr die Leitung des Elektrizitätswerks mit übernehme. 
Der Herr Bürgermeister wendet sich noch einmal seinem 
damaligen Ausspruch zu. Wenn er gesagt habe, der 
Banrat hätte nachher nichts zu tun, so wäre es nur im 
Hinblick darauf gewesen, daß dann Töchterschule, Realschule 
und Rathaus fertig gestellt wären. Aber man könne ja 
nicht prophezeien und wisse nicht, was noch später komme. 
Augenblicklich habe man mit Hochbauten viel zu tun. 
Nach 4—5 Jahren ist es ja denn vielleicht weniger, sodaß 
der anzustellende Baurat wohl ganz gut auch das Ties- 
bauamt leiten könne. Als Leiter des Elektrizitätswerkes 
wolle er den Herrn eigentlich nicht gern. Jetzt ist dieses 
Werk erst im Aufblühen und wenn dort ein tüchtiger 
Techniker ist, so wird dieser sich von dem Baurat nicht 
viel sagen lassen, also er glaube, daß die Herren sich nicht 
gut vertragen werden. Für später wäre es ja vielleicht 
möglich, wenn alles gut im Lauf ist, daß der Herr dann 
die Oberleitung des Werkes mit übernimmt. Am Gehalt 
können wir nicht ändern. Ein tüchtiger Mann muß schon 
ein derartiges Gehalt beziehen. Es sprachen dann noch 
die Herren G.-V. Berger und Homuth, die sich für 
Ausschreibung mit der Bemerkung, das Tiefbauamt und 
Elektrizitätswerk später mitzuleiten, aussprachen. Es wird 
dann die Ausschreibung des Stadtbauratspostens mit dem 
Hinweis, daß dieser Herr auch später die Leitung des 
Tiesbauamts und des Elektrizitätswerks mit zu über 
nehmen habe, in dieser wie auch in der gleich folgenden 
zweiten Lesung beschlossen. 
Wegen der vorgerückten Stunde wurden die anderen 
Punkte der Tagesordnung vertagt und die Sitzung gegen 
11 Uhr geschlossen. 
Allgemeines. 
[] Der Cifenbahnweg über Alexandrowo wieder 
frei! Gestern Nachmittag ging der Kgl. Eisenbahndirektion 
die telegraphische Nachricht zu, daß der Personenverkehr 
nach Rußland über Alexandrowo wieder aufgenommen 
worden sei; mit der Beförderung von Güterzügen werden 
am heutigen Sonnabend begonnen werden. Zugleich wurde 
gemeldet, daß der Personen- und Güter-Verkehr auf der 
Strecke Warschau-Petersburg nur auf der Reststrecke Gat- 
fchina-Petersburg (45 km) noch gesperrt ist. 
Lokales. 
f Haus- und Grurrdbefitzer-Verei«. In der 
gestern Abend sehr gut' besuchten Monats-Versammlung, 
im „Hohenzollern", gab der Herr Vorsitzende bekannt, daß 
vom Feuerversicherungs-Schutzverband, dessen Vertreter in 
letzter Versammlung hier vorgetragen hatte, eine Anfrage 
eingetroffen ist, ob der Verein dem Verbände beitreten 
wolle. Es würde ein Jahresbeitrag von 18 M. zu zahlen 
sein und die einzelnen Mitglieder bekämen 33 1 / s Prozent 
Rabatt. Ferner gewähre der Verband dann Auskünfte rc. 
Man erklärt sich einverstanden, daß der Vorstand erst die 
Sache durchberate. Ebenfalls wird ein Antrag, der Verein 
möge sich dem Berliner Haus- und Grundbesitzer-Verein 
anschließen, dem Vorstand zur Durchberatung überwiesen. 
Herr R. Schulz frägt an, ob nicht auch Grundbesitzer des 
Postbestellbezirks Friedenau Mitglieder des Vereins werden 
können. Der Herr Vorsitzende erwidert, daß das Statut 
dies nicht zulasse, außerdem aber auch die Benutzung der 
Wohnungstafel von dem Gemeinde-Vorstand nur für Haus 
besitzer von Friedenau gestattet ist. Zum Punkt 3 der 
Tagesordnung: Versicherung gegen Wasserschäden, bemerkt 
der Herr Vorsitzende, man wolle den Mitgliedern den Vorteil 
zukommen lassen, den ein Abschluß mit einer Versicherung 
bringe. Nach einer Vorlage würde der Versicherungsbetrag 
40 Pfg. für 1000 M. Feuerkasse sein. Bei einer Ver 
sicherung über 100000 treten noch Ermäßigungen ein, 
Dann käme noch eine Vergünstigung von 10 Prozent für 
die einzelnen Mitglieder. Der Verein darf aber mit keiner 
anderen Versicherung abschließen, öfters die Sache im 
Verein bekannt geben, und zum 1. April jeden Jahres ein 
Mitglieder-Berzeichnis der Gesellschaft einreichen. Die 
Vorteile sind: daß die Versicherung für alle Wasser 
schäden aufkomme und auch Entschädigung gibt, wenn 
dem Mieter Schaden zugefügt ist, der den Wirt ersatz 
pflichtig macht. Herr Schulz frägt an, ob jemand schon 
Erfahrungen mit einer derartigen Versicherung gemacht 
habe. Herr Förstner hatte dadurch einen Wasserschaden, 
daß ein Mietet den Hahn offen ließ und das Wasser durch 
3 Zimmer ging. Die Versicherung „Neptun" bezahlte den 
Schaden nicht, weil sie angab, dieser Schaden wäre durch 
„Planschwaffer" entstanden. Herr Schöltzel hatte in 
einem Hause in der Ringstraße zu tun. Dort war durch 
einen Rohrbruch ein Wasserschaden entstanden. Die 
Versicherung hatte diesen reparieren lassen. Der Maler 
hatte die ausbesserung aber so oberflächlich gemacht, daß 
sich der Besitzer noch an ihn (Redner) wandte, um die Sache 
ordentlich herzustellen. Er warnt daher davor, mit der Ver 
sicherung einen Vertrag einzugehen, daß diese den Schaden 
repariere, man soll in dieser Hinsicht freie Hand haben. 
Herr Graßmann giebt auch an, daß die Versicherung 
bei Schaden durch Auflassen des Hahnes nicht eintritt. 
Ebenfalls zahlt die Versicherung nicht, wenn durch Auf 
stehen der Fenster im Winter vielleicht durch Kälte ein 
Rohrbruch entsteht. Herr Obermeit hat mit der Ver 
sicherung Neptun auch trübe Erfahrungen gemacht. Bei 
einem Rohrbruch hat sie nur das Verputzen machen lassen. 
Herr Gärken ist für einen Abschluß mit der Versicherung. 
Es koste dem Verein ja nichts und bleibe doch jedem 
Einzelnen überlassen eine Versicherung einzugehen oder 
nicht. Man solle den Mitgliedern, die versichern wollen, 
doch die Vorteile zukommen lassen. Herr Schmidt ist 
dafür, daß noch Sonderbestimmungen hinzukommen. Nach 
dem noch einige Herren ihre Erfahrungen in Wasser 
schadenversicherung mitteilten, beschließt die Versammlung, 
der Vorstand möge die Sache noch einmal durchberaten 
und in nächster Versammlung mit bestimmten Vorschlägen 
kommen und die beste Gesellschaft aussuchen. — Das 
Eisbeinessen soll noch vor Weihnachten stattfinden. Das 
Ar-angement wurde einer Kommissions bestehend aus den 
Herren Matthies, Bchölzel und v. Wrochen übertragen. Das 
Vergnügen soll jedoch ohne Damen stattfinden. — Unter 
Friedenaus Aufgaben in der nächsten Zukunft, erklärt der 
Herr Vorsitzende, daß er diesen Punkt auf die Tagesord 
nung gesetzt habe, um eine Aussprache herbeizuführen, 
wie man sich die Weiterentwicklung Friedenaus, die Bau 
tätigkeit, die Verkehrsverhältnisse rc. für'die Zukunft vor 
stelle. Es müsse vor allem dahin gewirkt werden, daß 
wir zahlungsfähige Mieter her bekommen, die den Ge 
meindesäckel füllen. Er hätte gehofft, daß heute mehrere 
Gemeindevertreter hier wären, die hierin Auskunft geben 
könnten. Herr Gecken sagt dem Vorstand, dank, daß 
er diesen Punkt auf die Tagesordnung gesetzt habe. Er 
habe s. Zt. gesagt in 6 Jahren habe Friedenau 10 000 
Einwohner mehr. Nach dem jetzigen Stande der Zunahme 
dauert es nicht mehr so lange bis diese Zahl erreicht ist. 
Daß wir steuerfähige Mieter herbekommen, lasse sich nur 
dadurch erreichen, daß nur große Wohnungen geschaffen 
werden, um so die kleinen Leute von Friedenau fern zu 
halten. Es wären dies auch ein Vorteil für die Besitzer 
älterer Häuser, da doch, wenn mehr kleine Wohnungen ent 
stehen, diejenigen im neuen Hause bevorzugt werden. Er be 
zeichnet Friedenau als finanziell sehr gut fundiert. Es sind 
so viele neue Einnahmequellen da und auch in Aussicht, daß 
Friedenau einer finanziell sehr guten Zukunft entgegen gehe. 
Herr Prasser zeigt die Entwicklung unseres Ortes, geht dann 
auf die Bautätigkeit über und was für Bauten aufgeführt 
werden müßten. Auch müsse für günstige Verkehrs- 
Verhältnisse gesorgt werden. Herr v. Wrochen bittet, 
den Vorstand, zu beantragen, daß die elektrische Bahn- 
verwaltung für einen längeren Nachtverkehr der Linien 88, 
60 und auch der L'-Linie, die besonders die Verbindung 
mit dem westlichen Teile und den Theatern darstelle, sorge. 
Herr Graß mann wünscht eine Schnellbahn-Verbindung 
und solle man versuchen, Anschluß an die über Schöneberg- 
Wilmersdorf geplante Linie bei der Ausführung zu er 
halten. Herr Schmidt ersieht aus der Schnellbahn-Ver- 
bindung keinen Vorteil, da die Bahn doch wohl weiter 
geführt werden würde und Viele dann weiter hinauszögen. 
Herr Gerken und Herr Graßmann befürchten so etwas 
nicht, da mehr Verkehr auch mehr Mieter bringe. Man 
beschließt, an die elektrische Bahnv.erwaltung heranzutreten 
mit dem Antrag später Nachts und auch früh Morgens 
Wagen der Linien 88, 60 und der §-Linie laufen zu 
lassen. — Herr v. Wrochen bittet, daß sich die Bürger 
schaft mehr an die Gemeinde-Vertreter-Sitzungen beteilige, 
und mehr Interesse für Gemeindeangelegenheiten zeige. 
Eine Frage behandelt die miserablen Verhältnisse in der 
Kaiserallee. Herr Gerken und Herr Matthies gaben 
bekannt, daß dort nun bessere Verhältnisse eintreten 
werden, da sich auch die Gemeinde-Vertretersitzung mit 
dieser Angelegenheit befaßt habe. Eine Frage des Herrn 
Obermeit behandelte die Angelegenheit der Entschädigung 
für durch Grundwasser entstandenen Schaden, ob dafür 
die Gemeinde nicht verpflichtet sei, aufzukommen, da doch 
der Schaden hauptsächlich durch die mangelhafte Kanali 
sation entstanden sei. Herr Dr. Schultz bemängelt die 
Postpaketbestellung in Friedenau. Allgemein ist man dxr 
Ansicht, daß in der Paketbestellung eine Änderung ein 
treten müsse, vor allem, daß diese Bestellung nicht vom 
Schöneberger sondern vom Friedenauer Postamt erfolgen 
solle. Ebenfalls wolle man beantragen, daß eine drei 
malige, anstatt jetzt zweimalige Bestellung der Pakete er 
folge. Nach Erledigung einiger unwichtiger Fragen weist 
der Herr Vorsitzende auf die jeden Dienstag Abend in der 
Kaiser-Eiche stattfindenden geselligen Abende hin, die zur 
Besprechung von allgemein interessierenden Fragen sehr ge 
schaffen sind, und schließt dann hie Versammlung.
        
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