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Periodical volume Nr. 271, 17.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Beihilfe von 30 M. bewilligt und auch in der gleich vor 
genommenen 2. Lesung beschlossen. 
Zu Nachbewilligungen erklärt nun Herr Bürgermeister 
Schnackenburg: Man solle sich nicht durch die hohen 
Ziffern beirren lassen. Es sind die Zahlen so hoch bei 
einzelnen Positionen angegeben, ury Nachbewilligungen 
schon verausgabter Gelder ein für alle Mal zu beseitigen. 
Er habe schon s. Zt. angedeutet, daß im laufenden Etats» 
jähr, nachdem man einen Überblick der jedenfalls vor 
kommenden Ausgaben habe, der Gemeindevertretung jetzt 
stets ein Auszug des Etats vorgelegt werden soll, um 
Nachbewilligungen verausgabter Gelder zu vermeiden. 
Man wird schließlich einwenden, eS wird ja doch schließlich 
nachher bewilligt, waruin solle man jetzt schon damit an 
fangen, dies ist aber ein Standpunkt, der ihm durchaus nicht 
paßt. Er kenne eine derartige Einrichtung aus anderen 
Verwaltungen noch nicht. In größeren Verwaltungen läßt 
sich dies wohl auch nicht gut durchführen, aber in unserm 
kleinen Etat ist dies gut möglich. Es wird von den 
Dezernenten der einzelnen Titel festgestellt, was gebraucht 
ist und danach ist dann ersichtlich, ob man mit dem Vor 
anschlag ausreiche oder nicht. Es ist nun Zusammen 
gestellt worden, was in dem abgelaufenen halben Etats 
jahr verausgabt wurde und so bitte er um Nach 
bewilligung für Oktober—April. Die Mittel sind 
bedeutend höher, als angenommen wurde, es 
stehen dem- aber auch selbstverständlich entsprechende 
Überschüsse gegenüber. Eine ganze Reihe von Titeln habe 
Überschüsse zu verzeichnen. Ms Oktober sind schon 300000 
Mark, die Umsatzsteuer betrage gegen den Voranschlag 
168 000 M., mithin mehr 8000 M. an Uberschuß. Er 
eröffne zunächst die generelle Besprechung, um dann 
die einzelnen Pasitionen durchzunehmen. Herr G.-V. 
Hendrich hält es für wünschenswert, wenn Nach 
bewilligungen überhaupt nicht vorkämen, es sollen 
keine Neueinstellungen vorgenommen werden. Man 
kam nun zu den einzelnen Positionen. Zu Vor- 
anschlag I, Abschnitt IV, 2d, Gratifikation für die Hilfs 
arbeiter, fragt Herr G.-V. Hendrich an, wie viel Hilfs 
arbeiter da seien und wie viel jedem zugedacht sei. Der 
Herr Bürgermeister hat die Aufstellung aus dem 
Vorjahre nicht zur Hand, die Zahl der Hilfsarbeiter sei 
26. Die Gratifikation ist bestimmungsweise abgestuft und 
im Vorstand beraten worden. Diese Summe ist nur für 
die Hilfsarbeiter. 
Zu Abschnitt IV, 8 Schreibbedarf findet Herr G.-V. 
Hendrich die Summe von 450 M. sehr hoch und 
wundert sich, daß in einem halben Jahre schon so viel 
verbraucht sei, er bittet um Auskunft, was alles zu diesem 
Titel gehöre und ob nicht irgendwie gespart werden könne. 
Herr Schöffe Bache erklärt, daß eine scharfe Kontrolle 
geübt werde, es also nicht möglich sei, daß auf unreelle 
Weise etwas verbraucht würde. Vor allein ist der Papier 
verbrauch ein sehr hoher. Auch der Herr Bürgermeister 
erklärt, daß kein Unfug getrieben werden könne durch die 
Kontrolle. Herr G.-V. Hendrich bemerkt, er glaube, daß 
die Vorlage der Nachbewilligungen doch wohl zu früh 
komme, es wäre ja sehr schön, wenn man schon vor Ver 
ausgaben der Mittel mit Nachbewilligungen komme, es 
scheine aber, als wenn es doch jetzt zu früh sei. Der 
Herr Bürgermeister führt an, daß öfters Kontrolle des 
Voranschlages vorgenommen werden solle, die zweite 
jedenfalls im Januar erfolge. Er hofft, bei der nächsten 
Etatsberatung eine bessere Aussicht zu haben und bittet, 
nicht zu sehr zu knapsen. Die Nachbewilligung wird dann 
in Höhe von 450 M. angenommen. 
Abschnitt IV, 9 Drucksachen. Herr G.-V. Hendrich 
fragt an, ob nicht an Formularen gespart werden könne. 
Herr Schöffe Wossidlo sagt, daß jedes Formular an 
Arbeitskraft spare. Der Herr Bürgermeister hofft, 
daß im nächsten Jahre nicht solch eine hohe Summe für 
diesen Titel gefordert werde. Herr G.-V. Schultz bittet, 
die Vergebung der Drucksachen immer rechtzeitig bewirken 
zu wollen, da es oft kaum möglich ist, die Lieferungsfrist 
rechtzeitig einzuhalten, besonders beim Etat. Herr Bürger 
meister Schnackenburg gibt als Grund für die späte 
Jndruckgebung deSEtatsan, daß immer die Steuer abgewartet 
werden müsse. Der Betrag von 1000 M. wird auch 
nachbewilligt. 
Titel Bücher und Buchbinderarbeiten: Es ist besonders 
die Bibliothek einer Aufbesserung sehr bedürftig und 
werden die 200 M. Nachbewilligung anerkannt. 
150 M. für Zeitungsbekanntmachungen werden eben 
falls genehmigt. 
Abschnitt IV, 15: Ausstattungsgegenstände für die 
Gemeinde-Verwaltung 500 M. Herr G.-V. Hendrich 
fragt an, ob die Anschaffung auch dergestalt erfolge, daß 
man die Gegenstände auch später im Rathause gebrauchen 
könne. Der Herr Bürgermeister will die Sachen für 
die jetzt neu hinzugemietete Wohnung so anschaffen, um 
auch später Verwendung im Rathaus dafür zu haben. 
Herr Schöffe .Bache hält den Betrag, wenn man die 
Sachen auch für das neue Rathaus gebrauchen will, für 
zu gering. Es wird dann der ausgeworfene Betrag an 
genommen. 
Für Zubehör zur Reinigung der Diensträume werden 
50 M. nachbewilligt. 
An Lohn für Reinigung der Diensträume sind 700 
Mark nachzubewilligen, dies für eine neu angestellte 
Hilfskraft, der Betrag wird genehmigt. 
Für die Ausrüstung und Einkleidung der neu ange 
stellten Nachtwächter sind die Kosten zu niedrig bemessen 
worden, sodaß noch 400 M. nachbewilligt werden. 
Es werden dann noch nachbewilligt: Für Drucksachen 
und sonstige Bedürfnisse der Amtsverwaltung 200 M., für 
Benutzung der Fernsprechanlagen 50 M., für Ausrüstung 
der zwei neu eingestellten Amtsdiener 200 M. 
Zu Abschnitt XI, 4», Straßenreinigung, erklärt 
Herr Schöffe SadHe, daß zur Verbesserung der Straßen 
reinigung die Anstellung von 1 Aufseher und 4 Arbeitern 
erforderlich sei. Das Straßenfeld erweitere sich immer 
mehr und muß da eine vollständige Neuregelung in der 
Reinigung eintreten. Vor allein müsse ein Aufseher an 
gestellt werden, da er (Schöffe) nicht die Zeit habe, um 
eine genügende Aufsicht jederzeit vorzunehmen. Er 
bemerke auch, daß die Position nicht ganz genau stimme, 
es vielmehr noch Mehrkosten erfordere. Es wären auch 
viele alte Leute unter den Arbeitern, denen nun jüngere 
zur Hand gehen müßten. Herr G. - D. Haustein 
bemängelt es, daß so viele ältere Leute für die Straßen- 
reinigung angestellt sind. Wenn 17 Arbeiter vorhanden 
sind, müßten eigentlich die Straßen besser aussehen, 
besonders die Kaiserallee. Er glaube, daß die Arbeiter zu 
vielen anderen Arbeiten noch verwandt werden. Herr 
Schöffe Draeger sagt, daß die Arbeiter nur zu kleinen 
Hilfeleistungen mal mit herangezogen werden. Herr G.-V. 
Hendrich bemängelt auch die schlechte Verfassung, in der 
die Straßen sind. Stundenlang liegen oft die Kehricht 
haufen da. Der Herr Bürgermeister will die Straßen 
reinigung vollständig neu organisiert wissen, er habe mit 
Herrn Sad6e schon gesprochen und wird im nächsten Etats 
jahre dann auch mit neuen Vorschlägen kommen. Es sind 
unter den 15 Arbeitern wohl 5—6 alte Leute, die nicht 
mehr so recht leistungsfähig sind. Herr Schöffe Lichtheim 
ist ebenfalls für Anstellung eines Aufsehers, der auch die 
Lohnsachen rc. in Ordnung zu halten hätte. In dieser 
Sache sprachen noch die Herren G.-V. Homuth, Panse, 
Berger, Kunow, welch letzterer besonders die miserablen 
Zustände in der Kaiserallee zur Sprache brachte. Herr 
Schöffe Draeger erwidert hierauf, daß man jetzt mit der 
Rohr- und Kabelleitung zu Ende sei und die Pflasterung 
des Bürgersteiges morgen in Angriff genommen werden 
solle. Man hätte sonst immerfort das Pflaster aufreißen 
müssen. Es werden dann, nachdem noch einige Herren die 
Verbesserung der Straßenreinigung für sehr notwendig 
erachteten, anstatt 2900 M. 3400 M. nachbewilligt. 
Herr Schöffe Lichtheim spricht dann zur Nachbe- 
willigung von 1400 M. für die Gärtnerei. Das Terrain habe 
sich bedeutend vergrößert und machen sich Neuanpflanzungen 
notwendig, ebenso müssen 8 Dtz. Frühbeetfenster neu an 
geschafft werden. Es macht sich überall ein großer Ver 
brauch notwendig, wie nicht vorauszusehen war. Auch 
müßten 2 Gärtner neu eingestellt werden. Herr G.-V. 
Homuth hält die Frühbeetfenster für zu viel, wenn man 
eine solche Gärtnerei anlegt, kann man ganz Friedenau 
mit Blumen versorgen. Er frägt an, ob auch Lorbeer 
bäume in den Gewächshäusern gehalten werden, um auch 
bei Beerdigungen armer Leute Pflanzenschmuck anbringen 
zu können. Herr G.-V. Panse hält Herrn Körte zu sehr be 
schäftigt. Herr Schöffe Lichtheim bespricht die Anlegung 
der Rasenstreifen an der elektrischen Bahnlinie, bemerkt, daß 
von Herrn Büsing Pflanzen geschenkt wurden und man 
im oberen Saal des Armenhauses einen Wintergarten her 
gerichtet habe. Er hält ferner auch die Aufbesserung des 
Obergärtners für notwendig. Der Herr Bürgermeister 
vergleicht dann die Stadt Friedenau mit einem Geschäft 
und die gärtnerischen Anlagen mit dem Schaufenster. Je 
schöner unsere Anlagen, desto mehr wird Friedenau 
Freunde finden. Man müsse daher in der Ausschmückung 
der Stadt mit gärtnerischen Anlagen nicht sparsam sein. 
Es werden an 1400 Mark für Neupflanzungen und 
1300 Mark an Lohn für Gärtner nachbewilligt. 
Zur Aufbesserung des Fußbodens der Kapelle auf dem 
Friehofe werden 70 Mark genehmigt. 
. Es kamen nun noch für Invaliden- und Kranken- 
Versicherung 40,— Mk., Pauschvergütung für den Direktor 
36,— Mk. und für Zeitungsbekanntmachungen 50 Murk zur 
Nachbewilligung. (Schluß folgt.) 
Mgemeines. 
0 Über die Milch-Tankwagen, welche feit 
kurzem zwischen Dänemark und Deutschland verkehrten, 
äußert sich ein Sachverständiger, daß diese garnicht unter 
den Begriff der „Kessel"- oder „Gefäß"-Wagen, wie sie 
der Eisenbahn-Tarif im Auge habe, fielen, weil die 
MilchbassinS frei in den Wagen ständen: mit demselben 
Recht könnte man die Versendung von Bier in Fässern 
verbieten. Das Verbot der Milch-Tankwagen lasse sich 
darum nicht aufrecht erhalten und dürste vielleicht schon 
in den nächsten Tagen aufgehoben werden. Das ist zum 
Teil ganz richtig: Tankwagen im eigentlichen Sinne sind 
offene Eisenbahn-Güterwagen, auf denen ein Walzenkessel 
(mit Expansions-Dom oder Mannloch) liegt und diese 
dienen zum Transport von Petroleum, Spiritus, Säuren rc., 
deren Beförderung in Fässern oder anderen Gefäßen für 
den Eisenbahn-Verkehr gefährlich wäre. Diese Wagen 
haben daher die Absonderlichkeit, daß sie im Eisenbahn- 
Verkehr mit großer Vorsicht behandelt und nach ihrer 
Entladung nicht benutzt werden, also leer zurücklaufen 
müssen, was natürlich für die Wirtschaftlichkeit des Güter 
verkehrs kein Vorteil ist. Die dänischen Milch-Transport 
wagen sind nun keine eigentlichen „Tankwagen", sie 
verlangen aber dieselbe Behandlung, wie solche, wollen 
ebenfalls leer zuiückbefördert und nach dem für jene 
gefährlichen Flüssigkeiten festgesetzten Tarif eingeschätzt 
werden. Daß das nicht zulässig, ja direkt ungesetzlich ist. 
liegt auf der Hand und man kann sich nur darüber 
wundern, wie man den Milchtransport auf diese Weise 
überhaupt hat zulassen können. Der Hinweis auf Bier- 
Sendungen trifft danach absolut nicht zu; auch Milch ist 
seit langen Jahren in Fässern und Kannen per Eisenbahn 
befördert worden. Der Fehler in der eisenbahnamtlichen 
Tarifierung und Behandlung der neuen Milchtransport 
wagen ist übrigens zuerst von der dänischen Staatsbahn- 
Verwaltung beanstandet worden. An eine Aufhebung des 
Verbots ist sonach nicht zu denken, es sei denn, daß die 
Tarifvorschriften geändert würden. 
sj Eisenbahnverkehr mit Rußland. Zu den 
noch offenen Übergangsstationen ist seit gestern Nachmittag 
noch Prostken getreten; auch dort werden, wie ein amt 
liches Telegramm besagt, Transitgüter zur Ausfuhr nach 
Rußland wieder angenommen. Offen sind ferner, wie 
schon mitgeteilt, die Strecken Eydtkuhnen—Wirballen 
(gesperrt dagegen Wirballen—St. Petersburg). Brody, 
Poswoloszyoke und Mlawa—Jllowo; gesperrt die Über 
gänge über Granica und Norvo—Sielitza. 
Lokales. 
f Jubiläums-Kouzert. Der älteste Verein unseres 
Ortes, der „Friedenauer Männer-Gesangverein 1875", gab 
gestern im „Hohenzollern" ein Konzert anläßlich seines 
30jährigen Bestehens. Vollzählig war der Sängerchor 
erschienen und zahlreich hatten sich die Gönner des Vereins 
eingefunden. Von den Gästen sei besonders Herr Rektor 
Hannemann und der ehemalige Dirigent Herr Tollert 
erwähnt. Die Sänger, von einer freudigen Festesstimmung 
beseelt, leiteten den Abend mit dem vom Chormeister 
Herrn Scheel verfaßten stimmungsvollen Wahrspruche: 
„Das Lied voll Seele, das Herz voll Mut, im Denken 
und Handeln frei, edel und gut" ein. Darauf begannen 
die Chorgesänge, die mit großer Sicherheit und von so 
vorzüglichem Stimmenmaterial zum Vortrag gelangten, 
daß die bisherigen langjährigen guten Leistungen bei 
weitem übertrvffen wurden, ein Beweis, daß die Sänger 
weitere Fortschritte gemacht haben. Die auf dem Programm 
verzeichneten Lieder waren neue, zum erstenmal gesungene 
bezw. neueinstudierte. Als erstes bekamen'wir zu hören 
„Hoch empor" (Franz Curti) und das alte bekannte Volks 
lied „Der Soldat" von Fr. Silcher zu hören. Beide 
Kompositionen sprachen gut an und fanden reichen Beifall. 
Die Vortragsweise verriet eine eifrige, gewissenhafte 
Schulung seitens des musikalischen Leiters Herrn Scheel, 
die auf die Kenner und Freunde des edlen deutschen 
Männergesanges einen vorteilhaften Eindruck machte. Die 
Sänger schenkten ihrem Führer die größte Aufmerksamkeit, 
wodurch auch die Leistungen so vorzügliche Wirkungen 
hervorriefen. Die Einsätze wurden präzise gebracht, körte 
und piano bestens beachtet und Wert auf harmonievolle 
Ausiöuung gelegt. Was aber außerdem die kunstverständige 
aufmerksame Zuhörerschaft angenehm berührte, war die 
deutliche Aussprache der Sänger, die so oft in vielen 
Vereinen vermißt wird. Unter Berücksichtigung aller dieser 
vortrefflichen Eigenschaften in technischer Beziehung wurden 
noch zu Gehör gebracht: „Der Alpenjäger" (Pfusch), „Der 
Fahlmann" (Sturm), „Heimkehr" (Gelbke), „Wie hab' ich 
sie geliebt (Möhring), „Heute ist heut" (v. Weinzierl) und 
„Stilleben" (Kirchl). Das letzgenannte Lied mit seinem 
originellen Text bayerischer Mundart, ansprechender Melodie 
und eigenartigem Rytmus riß das Publikum zu derartig, 
stürmischem Beifall hin, daß eine Wiederholung erfolgen 
mußte. Selbstverständlich setzten neben den Sängern auch 
bedeutende Solokräfte ihr bestes Können ein. So zeigte 
sich der Königl. 'Kammermusiker Herr Emil Prill als 
erstklassiger Flötist. Er behandelte sein Instrument mit 
einer Technik, die ihresgleichen sucht. Die vollste Aner 
kennung wurde dem tüchtigen Musiker zuteil. Weitere 
Kunstgenüsse bot der uns bereits vorteilhaft bekannte 
Oratoriensänger Herr Rothenbücher. Bei seinem Erst 
auftritt sang er die Löwe'sche Ballade „Der selt'ne Beter", 
die ein klangvolles umfangreiches Organ erfordert, wie es 
eben der ausgezeichnete Baß-Barytonist in mustergiltiger 
Weise besitzt. .Seine angenehme Stimme, die in allen 
Lagen eine bewundernswerte Ausdauer und Sicherheit 
zeigte, kam auch bei den weiteren Vorträgen: Romanze 
„Odysseus". „Kleine List", beides von Sommer und 
„Heimliche Aufforderung" (R. Strauß) wirkungsvoll zur 
Geltung. Die Begleitung dieser beiden Künstler erfolgte 
in entgegenkommendster Weise durch unseren Mitbürger, 
Herrn Musikdirektor F. Lubenow, dessen Solovorträge 
ebenfalls hochbefriedigten. Seine Darbietungen auf dem 
tadellosen,, gutgestimmten Jbach'schen Flügel: „Röve 
Angälique" (Rubinslein), sowie „Schweizerreisen" (Raff) 
zeugten von einer ausgesprochenen Virtuosität, die von 
den Friedenauern stets anerkannt und von unS wieder 
holt lobend erwähnt wurde. Auch ihm wurde kräftiger 
Applaus gespendet. So hatte also das offizielle Programm 
einen glanzvollen Verlauf genommen. Es folgte nun 
noch ein gemütliches Beisammensein und Tanzkränzchen, 
das den Jnbiläumsabend würdig abschloß. Nach einer Be 
grüßungsansprache seitens des Vorsitzenden Herrn Ebers, 
der den Verein, welcher als der beste in der Mark gilt, 
seit mehr den zwanzig Jahren geschickt und erfolgreich 
leitet, machte Herr Baarmann einige deklamatorische 
Vorträge. Zwischendurch wurde wieder ein flottes Tänzchen 
gemacht, so daß für Abwechslung auch während der Fidelitas 
bestens gesorgt war. Noch lange nach Mitternacht 
blieben die Teilnehmer in der vergnügtesten Stimmung bei 
sammen. Den Sängern als auch Gästen wird der bedeut 
same Ehrentag des „Friedenauer Männer-Gesang-Vereins 
1875" noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben. 
Gezeigt hat der Verein, daß er auf der Höhe der Zeit 
steht. Wirklich vortreffliche gesangliche Darbietungen 
wurden geboten, und bedenken wir noch, daß alle diese 
tüchtigen Sänger Männer sind, die am Tage ihrer 
Arbeitspflicht genügen und nicht immer in der Lage sind, 
nur für die Pflege des Gesanges zu wirken, so müssen 
wir ihre Leistungen noch viel höher anschlagen. Vor 
allem müssen wir das bewundernswerte Talent ihres 
Dirigenten, Herrn Scheel, anerkennen, der aus ihnen so 
vorzügliche Sänger machte und es verstanden hat, jeden 
an den Ort zu stellen, wo er das Beste zu bieten vermag. 
So klingt unser Lob, dem gesamten Verein, möge er noch 
recht oft uns durch seine schöne Sangesweise erfreuen, 
möge er sich so weiter fortentwickeln und es ihm ver 
gönnt sein, noch viel derartig herrliche Gründungsfeste zu 
feiern. 
f Mäuner.Turnverein (Lehrlings-Abteilung.) 
Am Sonntag, den 12. Nov. 1905, ünternahm die Lehr 
lings-Abteilung ihre erste Kartoffel- und Heringsfahrt. 
Von ziemlich gutem Wetter begünstigt fuhren- die Teil 
nehmer Morgens gegen 8 Uhr unter Leitung des zweiten 
Turnwarts R. Fiedler nach Zehlendorf, von hier aus ging 
die Fußwanderung mit einem fröhlichem Lied die Pots 
damer Heeresstraße entlang nach Wannsee. Zu sehen 
gabs allerdings nicht mehr viel, der herannahende Winter 
macht sich auch hier schon recht bemerkbar, dafür aber gab 
es frische gute Waldluft, die die Lungen ordentlich blähte 
und das Blut schneller durch den Körper laufen machte. 
Die roten Backen und die fröhliche Stimmung zeigten, 
wie wohl den jungen Leuten, die tagsüber im Geschäft,
        
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