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Periodical volume Nr. 269, 15.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Angelegenheiten der Gemeinde zn überweisen mit Aus 
nahme der Entwässerung und des Straßenbaues, welche 
von dem jetzigen Baubureau als Tiefbauamt zu bearbeiten 
wären. Dem Hochbauamt wären von den gegenwärtigen 
Kräften zuzuweisen 1. Herr Architekt Duntz, 2. Herr 
Techniker Heintze (Hilfskraft für vorübergehenden Bedarf), 
3. der Hilfsarbeiter, dem jetzt im Amtsbüro die büro 
mäßige Bearbeitung der Baupolizeisachen obliegt, 4. der 
Hilfsarbeiter, der die Baupolizeiregistratur versieht. Neu 
einzustellen wäre für die büromäßige Bearbeitung der 
Gemeindebausachen mindestens 1 Assistent, wahrscheinlich 
würde aber diese Stelle später zu einer Sekretärstelle um 
zuwandeln sein. Das Tiefbauamt würde Herrn Schöffen 
Draeger unterstellt bleiben. Als sachverständiger Berater 
würde für dasselbe Herr Regierungsbaumeister Püttmann 
beibehalten werden. Sein Personal würde bestehen aus 
1. dem Gemeinde-Bauwart Linke, 2. dem Techniker 
Görlitz (dessen Ernennung zum Assistenten an anderer 
Stelle vorgeschlagen ist), 3. dem Techniker Lentz (Hilfs 
kraft für vorübergehenden Bedarf), 4. einem Hilfsarbeiter. 
An Mehrkosten würden der Gemeinde durch diese Neu 
regelung erwachsen: A An Besoldungen: Dem Baurat 
6000 M., dem Baupolizeiassistenten 2400 M , dem 
Assistenten 2000 M., zusammen 10 400 M.. rund 11000 
Mark; 6 Sächliche Kosten: Da Räume für den Baurat 
Herrn Duntz und das Büro des HochbauamteS auch nach 
der in letzter Sitzung beschlossenen Hinzumietung einer 
neuen Wohnung nicht vorhanden sind, bliebe nur übrig, 
noch eine Wohnung im Amtshause zu übernehmen, 
Jahresmiete für die Diensträume 950 M., für Aus 
stattung der Diensträume 2050 M., zusammen 3000 M., 
in Summa 14 000 M. Anstelle der einmaligen Aus 
stattungskosten treten künftig die laufenden Bürokosten. 
Diesen Mehrkosten gegenüber kommt in Fortfall, die Aus 
gabe für die technische Prüfung der Bausachen mit 
jährlich ca. 4000 M., sodaß ein wirkliches Mehr von 
10 000 M. verbleibt, dessen Höhe sich vielleicht ermäßigen 
ließe durch eine angemessene Erhöhung der Baupolizei 
gebühren. Für das Tiefbauamt sind Mehrkosten nicht zu 
erwarten. Was nun den Baurat anlangt, so wird vor 
geschlagen. einen für Hochbau geprüften Regierungs 
baumeister anzustellen und ein Gehalt von 6000 Mark, 
steigend alle 3 Jahre bis zum Höchstgehalt von 7500 M., 
zu gewähren. Eine Anstellung für Lebenszeit empfehlen 
wir, in Aussicht zu stellen, sich zunächst aber auf eine 
solche für 12 Jahre mit Pensionsberechtigung zu be 
schränken. Nach der Qualifikation der Bewerber würde es 
sich richten müssen, ob eine Probedienstzeit zu verlangen 
wäre oder nicht. Die Gemeindevertretung ersuchen wir, 
sich mit diesen Vorschlägen einverstanden zu erklären, die 
Bereitstellung der zu ihrer Ausführung erforderlichen 
Mittel im nächstjährigen Etat zu bewilligen. Wir würden 
dann die Ausschreibung, die Ergänzung des Ortsstatuts usw. 
sogleich in die Wege leiten. 
Gewährung einer Teuerungszulage an die Beamten und Angestellten 
der Gemeinde in zwei'Lesungen. Referent: Herr Bürgermeister 
Schnackenburg. 
Berichterstattung erfolgt mündlich in der Sitzung. 
Allgemeines. 
0 Eisenbahnverkehr mit Österreich. Wie die 
Kgl. Eisenbahndirektion Berlin mitteilt, verweigert die 
Kaiser-Ferdinands-Nordbahn — wegen Einschränkung der 
Güterübernahme durch die österreichische Südbahn und da 
durch entstandenen Güteranhäufung — die Übernahme 
von Eil- und Frachtgütern (mit Ausnahme von lebenden 
Tieren und leicht verderblichen Gegenständen) für die Süd 
bahn und darüber hinaus. Güter (mit den bezeichneten 
Ausnahmen) werden daher nicht angenommen, rollende 
Sendungen vor überschreiten der Grenze angehalten und 
den Versendern zur Verfügung gestellt. Holzsendungen für 
Wien, Stadtbahn-Ges., werden nicht angenommen. 
Lokales. 
f Einen VorortSzuschutz von 200 M. pro Jahr 
haben die Herren Oberlehrer bei unserer Gemeindever 
tretung beantragt. Der Antrag wird in einer der nächsten 
Sitzungen zur Beratung kommen. 
t Der Unterricht fällt am Tage der Volkszählung 
bei Schulen und Klassen (Volks- und Mittelschulen), deren 
Lehrer sich an der Zählung beteiligen, aus. 
t DaS Fest -er filberneu Hochzeit feierten Herr 
Kaiserl. Regierungsrat im Patentamt Dr. K. Schadwill 
In ihm und dem, dessen vollkommenes Abbild er war, 
sah sie nur die bitterste Zeit ihres abenteuerlichen Lebens ver- 
körpett. Dem echt slavischen Naturell der Frau war Germanen 
tum in jeder Form unsympathisch. Jetzt, wo er ihr die Ver 
gangenheit in beständiger Form nahe brachte, mehr als je 
zuvor. 
»Exzellenz haben gewiß recht/ erwiderte sie mit einem 
fast starren Blick, „nur —• 
»Nur/ fuhr die Oberprästdentin lächelnd fort, „daß Sie 
die Romanen den anderen vorziehen' 
»Ich finde das von der Mutter eines so eleganten 
Franzosen ganz begreiflich." 
Frau von Manrod entgegnete nichts. Ihr Blick wechselte 
jetzt zwischen Falkenhain und Alfons, um schließlich an diesem 
mit einem Ausdruck inniger Zärtlichkeit haften zu bleiben. 
Die Musik begann, und die Gruppen im Saale lösten 
sich, um sich gleich darauf in einem Rundtanz zu bewegen. 
Marie tanzte mit Herrn von Lahrbusch, Falkenhain mtt 
Frau von Berge». 
Als der Tanz beendet war, bewegten sich die jungen Leute 
plaudernd durch den Saal oder ließen sich auf der ihn rings 
einfassenden Estrade nieder. 
Herr und Frau von Manrod gingen umher und wechselten 
mit einzelnen Gästen freundliche Worte. 
Da stand Marie und neben ihr der Regierungsrat 
»on Lahrbusch. 
»'Nun, Teuerste, wie amüsierst Du Dich?' 
,O, ganz herrlich, Papa.' 
»Tanze nicht zuviel, Marie." äußerte mit mütterlicher 
Besorgnis ihre Stiefmutter. »Es könnte Dir schaden.' 
„Fürchten Sie nichts, gnädige Frau, Fräulein von Manrod 
ist als echte Tochter Tcrpstchores zur Welt gekommen." 
und Gemahlin. Herr Reg. - Rat Dr. Schadwill ist 
einer der ältesten Einwohner Friedenaus, er besitzt in der 
Handjeryftraße ein Haus und ist wohl bei Jung und Alt 
bekannt und beliebt. Schon in der ersten Zeit der 
Gründung der Kolonie Friedenau machte er sich um unsern 
Ort sehr verdient und war auch ferner bestrebt, für das 
Beste Friedenans zu wirken, obwohl ihn Amtsgeschäfte oft 
daran hinderten, ganz seine Kraft der Gemeinde zu 
widmen. So waren dem Jubelpaare denn auch Glück 
wünsche in großer Zahl zugegangen und wollen auch wir 
wünschen, daß es noch recht lange in unserem Orte weilen 
möge und es ihnen vergönnt sei, auch das goldene Ehe 
jubiläum in Friedenau zu begehen. 
-s- Auf dem ehemaligen Sportparkgelände 
sind zur Zeit noch über 100 Arbeiter beschäftigt, die 
Straßenregulierungsarbeiten fertig zu stellen. Die Straß A, 
von der Handjerystraße zur Varzinerstraße, ist vollständig 
asphaltiert und wird von den Passanten als bequeme 
Verbindungsstraße zum Ringbahnhof fleißig benutzt. Auch 
die Straßen 6 (Varzinerstraße—Bismarckstraße) und 8 
(Handjerystraße—Kaiserallee) sind dem Verkehre bereits 
freigegeben. In den übrigen Straßen v, 8 und F sind 
noch die Bordschwellen zu setzen und Kabel zu legen. 
Mit der Regulierung des Bürgersteiges in der Varziner- 
straße wurde gestern begonnen, sodaß auch der Zugang 
zum Ringbahnhofe sich bald in einem besseren Zustande 
befinden wird. Die Schmuckanlage vor dem Bahnhöfe ist 
seit gestern fertig gestellt. Der vorgerückten Jahreszeit 
halber konnten natürlich nur mehr grüne niedere Blatt 
pflanzen angepflanzt werden, die sich zu einem hübschen 
Arrangement verbinden. Die Anlage wird durch ein 
schmales Eisenband abgeschlossen. In einigen Tagen wird 
auch die Springbrunnen-Anlage in der Mitte des Platzes 
vollendet sein. Die Bebauung des Geländes schreitet rasch 
vorwärts. An der Straße A sind vier Neubauten in 
Angriff genommen. Weitere Grundstücke sind bereits ver 
kauft. Im kommenden Frühjahr wird auch in den 
anderen Straßen die Bautätigkeit einsetzen. Schon heute 
kann man sich aber ein Bild davon machen, wie dort ein 
neuer Stadtteil entstehen wird, der durch seine geschmack 
volle Anlage wohl der schönste der Gemeinde werden wird. 
-]- Durch die Medailleu-Kornrnisfiou der Großen 
Berliner Kunstausstellung haben auch zwei Friedenauer 
Künstler „Ehrenvolle Erwähnungen" erhalten und zwar 
die Herren Maler Johann Bahr und Maler Martin 
Hönemann. 
f Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
angeblich an der Wilhelmshöherstraße 24 belegene, im 
Grundbuche von Friedenau zur Zeit der Eintragung 
des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Kauf 
manns Paul Pohl zu Berlin eingetragene Grundstück am 
9. Januar, Mittags 12 Uhr, versteigert werden. Das 
Grundstück, Wohnhaus mit zwei Seitenflügeln und Hof 
raum. ist bei einer Fläche von 12 Ar 52 Quadratmetern 
mit 9700 Mark Nutzungswert zur Gebäudesteuer ver 
anlagt. 
-ß 3« jähriges Jubiläum. Der „Friedenauer 
Männer-Gesangverein 1875" beginnt morgen mit den 
Festlichkeiten anläßlich seines 30jährigen Bestehens. Morgen 
Abend findet ein Jubiläumskonzert statt, das pünktlich 
um 8 1 / i Uhr seinen Anfang nimmt. Auf das auserwählte 
Programm hatten wir bereits hingewiesen. Für heute 
können wir dem festgebenden Verein nur ein volles Haus 
und ein gutes Gelingen seines Konzerts wünschen. 
-j- Die 20. Wanderausstellung der Deutschen 
Landwirtschafts-Gesellschaft zu Berlin - Schöneberg vom 
21. bis 26. Juni 1906. Im Jahre 1906 wird die 
Deutsche Landwirtschafts - Gesellschaft ihre 20. Wander 
ausstellung in der Hauptstadt des Deutschen Reiches, in 
Berlin, und zwar, wie wir des öfteren mitgeteilt haben, 
auf einem von der Stadt Schöneberg zur Verfügung 
gestellten Gelände, nahe dem Wannseebahnhofe Friedenau, 
in den Tagen vom 21. bis zum 26. Juni abhalten. Es 
ist dies eine Veranstaltung, die nicht nur das größte 
Interesse für die Landwirtschaft desjenigen Gaues hat, in 
der sie abgehalten wird, sondern auch bei ihrer großen 
volkswirtschaftlichen Bedeutung die Aufmerksamkeit der 
städtischen Bevölkerung in gleichem Maße wie die der 
ländlichen auf sich ziehen sollte. Denn wie einerseits die 
Ausstellungen der Deutschen Landwirtschafts - Gesellschaft 
fruchtbringend auf die Tätigkeit der ländlichen Bevölkerung 
wirken, haben sie anderseits auch den Zweck, die landwirt 
schaftliche Tätigkeit der städtischen Bevölkerung näher zu 
führen, letztere über die Art und Weise solcher Arbeiten 
»Woran die vollendete Kunst des Herrn von Lahrbusch 
das größte Verdienst hat." 
»Nun, mein teuerstes Schivesterchen," rief Alfons, „ich 
erkläre Dich für meine Gefangene, der nächste Tanz ist mein." 
„Du irrst, Alfons, für den nächsten Tanz ist Herr von 
Falkenhain angeschrieben." 
»Und verbriefte 'Rechte sind unantastbar," sagte der näher- 
ttetende Assessor und verbeugte sich vor Marie. 
In den Augen Frau von Manrods und in denen des 
Marquis blitzte etwas auf, das nicht auf Wohlwollen für 
den Hinzutretenden deutete. Beide bemerkten auch recht gut 
den freudigen Blickdes jungen Mädchens, als Falkenhain hinzutrat. 
»Recht, Herr von Falkenhain," ließ sich der Präsident freund 
lich vernehmen, »bestehen Sie auf Ihren Schein. Der Marquis 
wird seine brüderliche Zärtlichkeit zu bändigen wissen.' 
Falkenhain bot Fräulein von Manrod den Arm und 
ging mit ihr davon. 
Ein Wonneschauer durchriesette das Mädchen, als es so 
mit ihm durch den Saal schritt. 
Der Regierungsrat bemerkte, wie Alfons de Fleury 
nervös an seinem Bärtchen zupfte und mit zusammengezogenen 
Brauen dem Paare nachsah. 
»Was hat denn der französische Affe?' brummte Lahr 
busch vor sich hin. 
Während der Präsident und seine Gattin weiterschritten, 
erklang es dicht an Lahrbuschs Ohr: 
»Es ist doch stark, daß eine ältere Dame genötigt ist, den 
ihr verpflichteten Tänzer aufzusuchen." 
»Bei Gott, gnädige Frau, war gerade im Begriffe, Sie in 
dem Gewühl mit allen meinen Kräften ausfindig zu machen/ 
(Fortsetzung folgt.) 
aufzuklären und zu zeigen, wie große wirtschaftliche Werte 
durch die Gütererzeugung der Landwirtschaft geschaffen 
werden. 
-ß Gustav Adolf-Festspiel. Am Freitag, den 
17. November findet die Vorstellung auf Allerhöchsten 
Befehl Ihrer Majestät der Kaiserin statt. Ihre Majestät 
die Kaiserin hat Ihr Erscheinen in sichere Aussicht gestellt. 
f Hohenzollerntheater. Wilhelm Meyer-Förster, 
dessen „Alt-Heidelberg" soviel Freunde in deutschen Gauen 
gefunden hat, welches Stück man sich zu jederzeit gern 
wieder vorsetzen läßt, kam gestern Abend bei uns in dem 
Lustspiel „Der Vielgeprüfte" wieder zur Sprache. Mit 
dieser neueren Komödie hat Wilhelm Meyer-Förster eben 
falls ein vortreffliches Werk geschaffen. Wie schön sind 
dort die einzelnen Figuren gezeichnet, der Referendar, dem 
die Gesetzesparagraphen den Kopf verwirren, der zu früh 
geheiratet hat und nun cs nicht mehr fertig bringt, sein 
Assessor-Examen zu machen, sein liebes Weibchen, die ihm 
zu jeder Stunde beisteht, die seine Begabung hochschätzt 
und glücklich ist in der Liebe zu ihrem Gatten. Dann 
der Schwiegerpapa, der im Stolz auf seinen Stadtrattttel 
die Schmach der ganzen Familie voraussieht, wenn der 
Herr Referendar wieder als Familienvater „durchs Examen 
fällt", der versucht, vielleicht durch Bestechung etwas zu 
erreichen. Die Mama, die mit leidet unter den widrigen 
Verhältnissen ihres Schwiegersohnes, die ihrem Gatten die 
ganze Ruhe rauben. Aber auch wunderbar schön gezeichnet 
sind die Stadträte, ist ferner die Amme und nicht zu ver 
gessen der Reporter Blobel, der die Gesetzesparagraphen 
besser im Kopfe hat, denn der Herr Referendar. Von 
urkomischem Humor zeugen alle diese aus dem Leben ge 
griffenen Bilder. Die Kleinstadt, die in jedem kleinen 
Vergehen ein furchtbares Verbrechen erblickt und im Gegen 
satz die Großstadt, in der manche verlorene Existenz es 
wieder auf andere Weise zu etwas Hohem bringt. — 
Die Handlung selbst ist kurz angedeutet die folgende: 
Der 5 Jahre verheiratete Referendar Rauch, Familienvater 
von 3 Kindern, bereitet sich zum zweiten Male zum 
Assessor-Examen vor. überall wird er belästigt und gestört, 
das Harmonikaspiel soll ihm das Lernen erleichtern. Der 
Schwiegerpapa, Stadtrat Bookemann, ermahnt ihn, nun 
die ganze Kraft anzuwenden, um seine Familie vor 
Schande zu wahren. Aber auch beim zweiten Examen 
fällt Rauch durch und so finden wir ihn in Berlin in ge 
drückter Stimmung wieder. Seine ganze Familie mit 
Schwiegereltern trifft ein. Sein Weibchen sucht nichts 
anderes, denn ihren lieben Mann in ihm, der Schwieger 
papa aber sieht nun das Elend kommen, noch einmal soll 
Rauch das Examen vornehmen, aber letzterer pfeift auf 
die Juristerei. Durch seinen Zimmervermieter, Reporter 
Blobel, wird er auf die Journalistik hingewiesen und so 
wird er denn auch Journalist. Sein Schwiegerpapa ist 
wegen Belästigung der Frau Blobel in Berlin verurteilt 
worden, man erfährt hiervon in Neuburg und soll er nun 
den Titel des Stadtrats abgeben, diese Schmach macht ihn 
zum gebrochenen Mann. Sein Schwiegersohn langt auf 
eine Depesche in Neuburg an. Er will auf keinen Fall 
die Schwiegereltern wie früher wieder bei sich in Berlin 
haben, wie Bookemann andeutete, und so verteidigt er 
seinen Schwiegerpapa vor der Kommission der Stadträte 
mit solchem Erfolg, daß diese denselben wieder in ihre 
Reihen aufnehmen. Gern möchte Bookemann noch einmal 
nach Berlin, aber die ganze Familie bedeutet ihm: er 
dürfe „nie wieder nach Berlin." — Das Behle'sche En 
semble zeigte sich gestern auf der Höhe seiner Leistungs 
fähigkeit. Herr Alwin Cordes (Alexander Rauch) hat 
wohl noch nie so gut gespielt, als gestern, sodaß er mitten 
im Spiel oft von tosenden Beifallsbezeugungen nnter- 
brochen wurde. Aber auch Frl. Else Römer (Lilly) gab 
die für Gatten und ihre Kinder besorgte Frau in natür 
licher Treue wieder. Herr Karl Hermann (Stadtrat Booke 
mann), Frau Johanns Suhr (Henriette) waren einzig in 
der Wiedergabe ihrer Rollen, ebenso Herr Hermann 
Norden (Blobel) und Frl. Elise Gebhardt (Amme 
Bertha), die das Publikum zu nicht enden wollenden 
Heiterkeitsausbrüchen hinrissen. Auch Fräulein Mia 
Werner (Käthchen) war allerliebst in ihrer Rolle, wie 
auch der kleine Abicht (Fritz) durch sein junges Talent all 
gemein erfreute. Aber auch Frl Emmy Detschin (Frau 
Blobel), FranzVoß(Adolf), Ernst Stegemann,(Robert) und Isst 
not lenst die den Bürgermeister (Herr Unger) und die 
Stadträte verkörpernden Herren Rasch, Abicht, Geister 
wirkten in ihrer Rolle das Beste. 
f VokSverfarnrnluug. Gestern Abend fand im 
„Gesellschaflshaus" eine öffentlicheBolks Versammlung statt, 
die gut besucht war. Auf der Tagesordnung stand ein 
Referat: „Der Kampf des Reichsverbandes gegen die So- 
zialdemokratte" des Reichstagsabgeordneten Zubeil, an 
dessen Stelle jedoch der Reichstagsabgeordnete Dr. Süde- 
kum erschienen war. Der Herr Referent sprach über die 
wirtschaftlichen und politischen Kämpfe der Sozialdemokratie, 
über die Taktik der bürgerlichen Parteien und entwarf ein 
Bild über den Werdegang des Reichswahlverbandes. 
Dieser gebrauche im Kampfe gegen die Sozialdemokratie 
die niedrigsten Mittel. In Flugschriften würden die gröbsten 
Unwahrheiten verbreitet. Hierfür gebe es nur zwei Er 
klärungen, entweder Unkenntnis oder Lüge. Zu fürchten 
wäre der Reichswahlverband nicht, da der Kreis Teltow- 
Beeskow eine Hochburg der Sozialdemokratie sei. Der 
Vorsitzende verliest hierauf einen Brief des Herrn Dr. 
Kleinecke, der zur Versammlung eingeladen war. In 
diesem Schreiben erklärt Herr Dr. Kleinecke, daß er künftig 
ohne Not sozialdemokratische Versammlungen nicht mehr 
besuche. An der Diskussion beteiligten sich die Herren 
Thielecke, Bungnus, und Böttcher im Sinne des Referenten. 
Zum Schluß gelangte einstimmig eine Resolution zur An 
nahme, die sich energisch gegen den Reichswahlverband 
richtet. Mit einem Hoch gingen die Anwesenden aus 
einander. 
-ß Am heimische« Herd ist es niemals so traulich, 
als im November, wo das Feuer lustig im Ofen brennt und 
, uns das Heizen selbst noch mit dem Reiz der Neuheit um» 
| kleidet erscheint. Wie wohltuend berührt es uns, wenn 
1 wir von unserer Berufs!ätigkeit nach Hause kommen und
        
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