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Periodical volume Nr. 268, 14.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

ble gut ansprachen. Damit war die Tafel beendet und J 
der Tanz trat wieder in seine Rechte. An» Cotillon 
nahmen 90 Paare teil, und war derselbe tadellos 
arrangiert. Der Verlauf de« Festes kann zufolge der 
Rührigkeit des Feftleiters als ein glanzvolles bezeichnet 
werden. Die fröhliche Sängerschar mit ihren dankbaren 
Gästen blieb in der schönsten Eintracht und Harmonie an 
der Gründungsstätte bis in den frühesten Morgenstunden 
beisamnien. Allen Teilnehmern wird dies wahrhaft echte 
Sängerfest noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben. 
Den Sängern aber soll das gelungene Fest ein kräftiger 
Ansporn sein, weiter mit dem bisherigen Eifer das deutsche 
Lied zu pflegen, eingedenk ihres WahrspruchS: ,.Fröhlich 
und treu, wahr ohne Scheu." 
-j- SanilätSkoioune. Die Feier des 3. Stiftungs 
festes beging am letzten Sonnabend unsere Sanitätskolonne 
im festlich geschmückten Saale des „Hohenzollern". Wie 
sehr man allgemein die Bestrebungen dieser Kolonne an 
erkennt. davon zeugte der äußerst gute Besuch dieser Feier 
und die vielen Glückwunschschreiben die eingelaufen waren, 
u. A. von dem Herrn Provinzial Inspektor vom Roten 
Kreuz. Oberstabsarzt Dr. Heering, von Herrn Major 
Roenneberg und vielen hochgestellten Persönlichkeiten und 
auch vom Samariter-Verein Berliner Radfahrer und dem 
Postunter-Beamten-Verein Deutsche Eiche. Das Fest selbst 
gestaltete sich zu einem recht anregendem. Nach einigen 
Mustknummern trug Herr Lindenberg einen Prolog vor, 
der das Wesen, die Ziele und Bestrebungen des Vereins 
erwähnte und allgemein besten Anklang fand. Der Kolonnen- 
führerHerrSadöebegrüßte alsdann die erschienenen Gäste und 
entwarf in seiner Festrede einen Rückblick auf die Tätig- 
keit der Kolonne. Er zeigte wie auch in Friedenszeit die 
Arbeit ernst aufgefaßt werde und wies auf die Verdienste 
hin, die der Samariterdienst im Felde bei den letzten Kriegen 
in S.üdwestafrika, Rußland und Japan sich erworben habe. 
So wirke man in wahrer Nächstenliebe auch für das 
Vaterland. Redner schloß seine begeistert aufgenommene 
Rede mit dreifachem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. 
— Das Volksstück „Vereint durchs Rote Kreuz", wurde 
von Freunden und Mitgliedern der Kolonne sehr gut 
wiedergegeben und fand im Publikum volle Anerkennung. 
Nun folgte manch flottes Tänzchen. In der Kaffeepause 
wurde dann noch die Sanitätskolonne in herzlichsten 
Worten gefeiert und trugen humoristische Beiträge zur 
Unterhaltung bei. Darauf trat wieder die edle Tanzkunst 
an die Reihe und hielt alle Teilnehmer noch bis in die 
frühesten Morgenstunden vereint. 
-f Eine Ausstellung von Schülerarbeiten 
veranstaltet am Sonntag, den 19. d. M., Nachmittags 
von 2—6 Uhr, im großen Saale der neuen Oberreal 
schule zu Steglitz. Elisenstraße 3—5, die Schriftleitung 
der Zeitschrift „Wandervogel", welche vor kurzem unter 
den Anhängern des bekannten Bundes für Jugend 
wanderungen „Alt-Wandervogel" ein Preisausschreiben 
veranstaltete. Alle zu diesen, Wettbewerb eingesandten 
Feder-Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle und Photographien 
wird die Ausstellung enthalten. Abends 6 Uhr wird in 
der Aula derselben Schule ein Lichtbildervortrag über 
„Wander - Erinnerungen" gehalten werden. Zn beiden 
Veranstaltungen ist Jedermann herzlich willkommen. 
f Verein der Gast- und Sch ankwirte vonFriedenau 
und Umgegend. Gestern Abend hielt der Verein im Lokale 
des Herrn Szylinski, Stierstraße 13, seine ordentliche 
Monatsversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Fechner, 
begrüßte die Versammelten und drückte seine Freude über 
den zahlreichen Besuch aus. Nach Aufnahme des neuen 
Mitgliedes Fritz Preuß, Beckerstraße 5, und Verlesen des 
Protokolls, gab der Vorsitzende ein Schreiben vom Ring 
der Brauereien bekannt, in dem eine Unterstützung für 
Witwen und Waisen zur Weihnachtsbescheerung angeboten 
wurde und nahm der hiesige Verein die Unterstützung gern 
an. Herr Reimann erstattete nun Bericht von der Dele- 
gierten-Sitzung: Auf Antrag des Vorstandes ist Herr 
Rechtsanwalt Dr. Schöps beim Landgericht II zugelaffen 
und bittet er, die Hilfe dieses HerrnZbei vorkommenden 
Fällen in Anspruch zu nehmen. In der Delegierten- 
Sitzung war ferner auch ein Antrag des Vereins Wedding 
eingebracht worden, die Unterstützung des Ring der 
Brauereien nicht anzunehmen, doch wurde dieser Antrag 
abgelehnt und jedem Verein überlaffen, die Unterstützung 
anzunehmen oder nicht. Dann wurde auch über die 
Stiftung der Ehrennadel gesprochen; man wolle nicht nur 
Mitgliedern, die länger als 10 Jahre dem Verein an 
gehören, diese Nadel überreichen, sondern auch Herren, die 
„Haben Sie sich schon nach Ihrer Tischnachbariu um 
gesehen?" 
Und da Falkenhain verneinte, führte er ihn in ein kleines 
Nebengemach, wo ein Tafelplan auslag, auf dem die Plätze, 
die Namen der Inhaber aufgezeichnet waren, und so jeder auch 
die Dame vorgezeichnet fand, die ihm bei Tisch zugeteilt war. 
Lahrbusch hatte rasch die Dame des Assessors ge 
funden. 
„Ah, Sie haben die Ehre, Frau von Bergen zu Tisch 
zu führen, eine reizende Witwe, die gern wieder in den 
Taubenschlag der Ehe zurückkehren würde. Wahren Sie Ihr 
Herz, lieber Kollege. Mir hat man auch ein allerliebstes Wesen 
zugeteilt, weiß Gott, wer die Tafelordnung festgesetzt hat, 
Manrods sind dazu noch zu fremd hier, aber man hat es 
darauf abgesehen, mich unter den Pantoffel zu bringen, das 
macht sich auch hier wieder bemertlich. Na, halten Sie nur 
Ihr Herz fest, ich werde mich schon wehren." 
Während Lahrbusch plauderte, studierte Falkenhain die 
Tafelordnung. Was er suchte, fand er bald, Marie von 
Manrod wurde von einem älteren Präsidialrat zu Tisch geführt. 
„Kommen Sie, ich will Sie Frau von Bergen vorstellen, 
sie ist in einem der Nebenzimmer. Ich setze voraus, daß 
Sie mit Frau von Bergen noch nicht bekannt sind?" 
„Ihre Voraussetzung trifft zu." 
Er folgte dem Regierungsrat und stand bald vor einer 
Dame, deren Aeußeres nicht andeutete, daß sie sich in den 
Dreißigern befand. Eine schlanke Gestalt von anmutiger 
Haltung, ein angenehmes, kluges Gesicht machten die Er- 
scheinung sehr sympathisch. 
Falkenhain erbat sich die Ehre, Frau von Bergen zu 
Tisch führen zu dürfen. 
»Ja, das Geschick hat mich Ihnen zugesellt, Herr von 
I sich wirklich Verdienste um das Gastwirtsgewerbe erworben 
haben, und stellte der Herr Redner zum Schluß seines 
Berichtes den Antrag, den Zentral-Vorstand zu ersuchen, 
daß auch Herrn Fechner in Anerkennung seiner Verdienste 
uin daS Gewerbe diese Nadel überwiesen werde. Die 
Versammlung stimmte diesem Antrage begeistert zu. — In 
die Zeitungskommission des Verbandes wurde Herr Gast 
wirt Schu gewählt. — Zu dem Stiftungsfeste am 23. 
November im Gesellschaftshause gab Herr Kiewitz noch be 
kannt, daß jetzt Listen zum Einzeichnen für die Teilnahme 
an dem Effenherumgereicht werden und der Betrag sofort 
zu bezahlen sei. — Unter Innere Vereinsangelegenheiten 
wurde zunächst Beschluß gefaßt, Herrn Fechner als Gemeinde- 
Vertreter zu beauftragen, in der Gemeinde-Vertreter-Sitzung 
einen Antrag dahin einzureichen, daß die Postbehörde er 
sucht werde, für Friedenau die Benutzung des Nachttelefons 
zuzulaffen. Es wurde an verschiedenen Beispielen klar 
gelegt, daß diese Einrichtung für Friedenau eine Notwendig 
keit sei. — Herr Sieperl bittet, der Vorstand möge doch 
Schritte dahin unternehmen, daß die Billetsteuer abgeschafft 
und die Vergnügungssteuer, wenn sie nicht ganz abzu 
schaffen sei, doch wenigstens eine Ermäßigung erfahre. 
Dem Saalbesitzec erwachsen durch diese Steuer ungeheure 
Kosten und ist der Verdienst durch die vielen Unkosten bei 
einem Feste nur noch ein sehr geringer. Der Herr Vor 
sitzende erklärt sich bereit, in dieser Sache etwas zu unter 
nehmen. — Die Weihnachtsbescheei ung soll am Mittwoch, 
den 19. Dezember in Wilhclmsgarten stattfinden und 
werden die Mitglieder ersucht, sich recht flott an der 
Sammlung zu beteiligen, um den Witwen und Waisen 
eine gute Bescheerung machen zu können. Zum 
Vergnügungsausschuß wurden die Herren Schreiber, Kiewitz, 
Thiel und Thielecke gewählt. Nachdem noch einige unwesent 
liche Fragen ihre Erledigung fanden, wurde die Versamm 
lung gegen 1 / 2 9 Uhr geschloffen. 
f Deutfchnatioualer Handlungsqchilfen-Ver» 
>»aud, Ortsgruppe Friedenau. Am Mittwoch, den 
>5. d. M., pünktlich 9 Uhr Abends, veranstaltet der 
ierein im Vereinshause „Piatcr", Rheinstraße 39, einen 
Vortragsabend. Herr Böhmer von der Firma „Maggi 
ö. m. b. H." wird den sehr interessanten Vortrag über 
„Maggi-Erzeugnisse" halten und durch Kostproben von 
Maggi-Brühe. -Suppen usw. die Vortrefflichkeit beweisen. 
Nach dem Vortrag Geselligkeit. 
-j- Der erste Schnee ist gestern Abend gefallen. 
Die Flocken gingen, als sie die Mutter Erde berührten, 
wieder zu Wasser. Aber der erste Schnee bedeutet der 
offizielle Einzug des Winters, der sich nun bei uns 
häuslich niederzulassen und ganz nach seinem Gutdünken 
einzurichten gedenkt, wenig bekümmert darum, was etwa 
die Menschen zu seinem Verhalten sagen. Glücklich der, 
welcher sich gegen seine Tyrannei und seine Herrscher- 
laune zu schützen weiß. Ihm ist der grinline Winter gar 
kein so schlimmer Gast. Bald wird sich auch die glatte 
Eisdecke beleben mit lustige», schnell dahinfliehenden Schlitt 
schuhläufern, die niit geröteten Wangen in frischer, kühler 
Luft sich ganz der Winterlust hingeben, im Wohlgefühl 
der Gesundheit und des Lebensmutes. Ja, der Winter 
bringt wieder Leben. Bewegung. Freude in die herbstlich 
verödete Natur. Aber die ernste Seite des strengen 
Herrschers liegt tiefer. Mancher Familienvater schaut be 
sorgt in das tändelnde Spiel der weißen Flocken. Er sieht 
wohl, der Himmel ist bemüht, der schutzlosen Erde eine 
weiche wärmende Decke von weißen Federn nach seiner 
Art zu geben, um das junge, zarte Kornhälmchen gegen 
die Unbill des rücksichtslosen Winters zu schützen. Allein, 
wer sorgt für ein warmes Lager für seine Kleinen. Sie 
müffen hinaus in Kälte, Schnee und Wind, nur not 
dürftig gekleidet, ja, der Winter hat mit ihnen kein Mit 
leid. In die Stube zurückgekehrt, haben sie kaum Kleider 
zum Wechseln der durchnäßten, schlechten Schuhe und 
Strümpfe. Nur spärliche Wärme spendet der Ofen, denn 
die Kohle muß gespart^werden. Der Winter ist ein Feindfge- 
meinsam auch gegen alle Menschen. Wäre es da nicht 
ganz in der Ordnung, daß gerade diese sich gegenseitig 
unterstützten im Kampf gegen die Unzuträglichkeiten der 
schlimmen Jahreszeit. Nicht umsonst fällt mitten in die 
kalte Zeit das Fest der Menschenliebe, das holde, selige 
Weihnachten. Es soll jeden an seine menschlichen Pflichten, 
wenigstens an Rücksichtnahme erinnern. 
t Hottchül Prämien in Höhe von 100 M. find 
von der „Freien Vereinigung der Fleischermeister Berlins 
und Umgegend" ausgesetzt worden für Anzeigen aus dem 
Publikum, die sich auf Pferdewurst beziehen, überall wo 
Falkenhain, und Sie müffen schon mit dem zufrieden sein, 
was man Ihnen, bei Tische, zur Seite gesetzt hat." 
Der Regierungsral ging weiter und Falkenhain war 
bald mit der munteren Frau, die recht angenehm zu plaudern 
verstand, in eine lebhafte Unterhaltung begriffen. 
Mit der ihm eigenen nonchalanten Zuversicht trat nach 
einiger Zeit der Marquis zu der Gruppe, in deren Kreis 
Frau von Bergen und Ialkeuh.rin weilten. 
„Ich bin ganz untröstlich, Madame, daß ich nicht die 
Ehre haben kann, Ihr Kavalier bei Tische sein zu dürfen,* 
äußerte er mit seiner siegesgewissen Miene. 
In den Augen von Frau von Bergen blitzte es, bei der 
Anrede des Franzosen, wie Spott auf. 
„Ich hoffe. Sie werden von Ihrer Trostlosigkeit keinen 
dauernden Nachteil haben, Herr von Fleury,* sagte sie lächelnd. 
„Uebrigens ist Ihre Aeußerung nicht gerade schmeichelhaft für 
Ihre Dame." 
Der schwatzhafte Franzose nahm etwas verblüfft die mit 
einem Lächeln erteilte Zurechtweisung hin. 
„O Himmel, Madame, das Glück, die Ehre zu haben, 
mich Ihrer Bekanntschaft zu erfreuen, sprach aus mir.* 
„Die Herren kennen sich natürlich?* 
Falkenhain neigte zustimmend das Haupt ein wenig und 
Alfons sagte nachlässig: 
„Ach ja ich erinnere mich, ich habe schon 
die Ehre gehabt." 
Frau von Bergen fühlte die beleidigende Art und Weise 
aber Falkenhain saß niit so unbewegtem Gesicht da, 
als ob er weder höre noch sähe. Das Eintreten des Ober 
präsidenten machte dieser Situation ein Ende. 
Der greise Herr begrüßte artig die Damen und mit 
flüchtiger Neigung die Herren. (Fortsetzung folgt.) 
Pferdefleisch unter falscher Deklaration verkauft wird, sollen 
Untersuchungen angestellt und die Schuldigen zur Anzeige 
gebracht werden. Wie in der Versammlung der Schlächter 
meister mitgeteilt würde, hat der Pferdefleischhandel unte.' 
falscher Flagge einen großen Umfang angenommen. In 
vielen Fällen besieht die billige Wurst zum größten Teil 
aus Pferdefleisch und anderem minderwertigen Material. 
Auch die Berliner Fleischer-Innung hat sich mit der Pferde 
fleischfrage in ihrer letzten Versammlung beschäftigt. Sie 
beschloß, beim Bundesrat vorstellig zu werden, er möge 
einen Gesetzentwurf vorbereiten, wonach die Versendung 
und der Verkauf von Fleischwaren, welche Pferdfleisch ent 
halten, nur unter Deklaralionszwang erfolgen darf. 
-j- Die Bettlerplage nimmt mit Eintritt der kälteren 
Witterung im Orte wieder recht überhand. Testern wurde 
der 57 Jahre alte Hirte August Schulz erwischt, 
als er bei einem Bäckermeister in der Rheinstraße 
bettelte. Da Sch. Obdachlos war, wurde er in Polizei 
gewahrsam genommen. Sch. ist schon so oft wegen Land 
streicherei und Bettel vorbestraft, so daß er die Anzahl 
der Vorstrafen nicht anzugeben vermochte. 
1° Tierquälerei. Der Kutscher Rudolf Müller fuhr 
gestern Nachmittag mit einem hoch mit Steinen beladenen 
Wagen durch die Handjerystraße. Vor dem Hause 16 
brachten die ermatteten Pferde den Wagen nicht mehr 
von der Stelle. Der Fuhrknecht hieb nun dermaßen auf 
die Pferde ein, daß sich unter den Paffanten laute Ent 
rüstung bemerkbar machte. Ein Poltzeibeamter stellte fest, 
daß der Wagen 20 Zentner Übergewicht geladen hatte. 
Anzeige ist erstattet. 
-f Bauunfall. Gestern Nachmittag fuhr dem am 
Schulhaus-Neubau beschäftigte Italiener Bernardo ein Kies 
wagen über den linken Fuß, wodurch dieser erheblich ge 
quetscht wurde. Dem Verunglückten wurde in der Sani 
tätswache ein Notverband angelegt, von wo aus man ihm 
nach dem Lichterfelder Krankenhaus schaffte. 
t Sinnlos betrunken lag gestern Mittag 2 Uhr 
der Gürtler Brendel vor dem Hause Handjerystraße 93. 
Zur eigenen Sicherheit wurde B. in Polizeigewahrsam 
gebracht, wo er in Ruhe seinen Rausch ausschlafen konnte. 
-f Das Schaufenster einzuschlagen drohten 
gestern die Arbeiter Balg und Pukura vor der Schank- 
wirtschaft Pascherat in der Lauterstraße. Durch einen 
Polizeibeamten wurde die Ausführung dieser Drohung 
noch rechtzeitig verhindert. 
f Wegen groben Unfug und Widerstand wurde 
in der Nacht vom Sonntag zu Montag der Arbeiter 
Albert Thurau in Polizeigewahrsam gebracht. Th. be 
lästigte fortgesetzt Paffanten in der Rheinstr., in dem er 
sie beschimpfte und beunruhigte. Der Wächter Sternbiehl 
vermahnte ihn zur Ruhe, mußte aber, da die wiederholten 
Verwarnungen vergeblich waren, zur Festnahme des Bur 
schen schreiten. Hierbei leistete er dermaßen Widerstand, 
daß Privatpersonen dem Wächter Hilfe leisten mußten 
um den renitenten Burschen zur Wache zu bringen. 
-j- Abgefaßt von dem Schuldicner wurde gestern 
Mittag ein etwa 20 jähriger Bursche, als ec im Begriff 
war, die in den Korridoren des Gymnasiums aufgehängten 
Überzieher der Schüler nach Beute zu durchsuchen. Der 
Bursche wurde der Polizei übergeben. 
f Selbstmordversuch. Zu dem von uns gestern 
gemeldeten Selbstmordversuch eines 16jährigen Mädchens 
in Berlin können wir noch melden, daß die Lebensmüde 
die Tochter der Modistin Witwe Grzybowska, Rhein 
straße 12/13, ist. Das Mädchen soll sich schon öfter vom 
Elternhause entfernt haben. 
Schöneöerg. 
— Stadtverordneten-Versammlung. In der 
gestrigen Sitzung teilte der Stadtverordnete Gutsche mit, 
daß er sein Mandat aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt 
hat. Die Petitionen des deutschen Volksrat in Böhmen 
um Gewährung einer jährlichen Spende für nationale 
Zwecke in Böhmen und der städtischen Oberlehrer um 
Gleichstellung im Gehalt mit den Oberlehrern Berlins 
wurden dem Petitionsausschuß überwiesen. Der Bezirks 
ausschuß zu Potsdam hat den Beschluß der städtischen 
Körperschaften betr. der Angelegenheit der Besetzung 
der Stelle des 2. Bürgermeister und eines Kämmerer- 
bestätigt. Die Stellen sind bereits ausgeschrieben worden, 
und es haben sich für die Bürgermeisterstelle 74 und für 
die Kämmererstelle 81 Bewerber gemeldet. Dem Be 
schlusse der Stadtverordneten-Versammlung, den Magistrat 
zu ersuchen, eine Denkschrift Uber die voraussichtliche Aus 
gestaltung des Verwaltungswesens' der Stadt in den 
nächsten 3 Jahren, sowie ferner über die der Stadt in 
demselben Zeitraum obliegenden notwendigen Aufgaben 
und die dadurch entstehenden Kosten für die Unterhaltung 
und die Betriebsführung auszuarbeiten und der Stadt 
verordneten-Versammlung vorzulegen, ist der Magistrat 
beigetreten. Bei der Besprechung dieser Angelegenheit 
wurde von mehreren Stadtverordneten der Wunsch ausge 
sprochen, daß der Etatsentwurf der Versammlung in Zu 
kunft nicht, wie bisher üblich, bruchstücksweise, sondern im 
ganzen zugestellt werden möge. Stadicat Eckelberg gab 
die Versicherung, daß, soviel an ihm liege, dieser Wunsch 
nach Eintritt des neuen Kämmerers erfüllt werden solle. 
Ebenso wird die erbetene Denkschrift erst ausgearbeitet 
werden, sobald die Kämmererstelle besetzt worden ist. Die 
Petition der Schöneberger Rettungswache um Gewährung 
deS bisherigen Zuschusses in Höhe von 2000 M. für da- 
Etatsjahr1906 wurde dem Etatsausschuß zur Berücksichtigung 
überwiesen. Ferner wurden der Rettungswache zur Be 
schaffung von Krankenapparaten für das Verleihinstitut 
von Krankenpflegeapparaten 100 M.' bewilligt. Den Unter- 
beamten und Bediensteten, welche eine Mietsentschädigung 
von 450 M. beziehen, wurde für 1905 eine einmalige, 
sofort zahlbare Teuerungszulage von je 60 M. bewilligt. 
Auf Antrag des Stadtv. Bäumler wurde diese Teuerungs 
zulage auch den bediensteten Arbeitern und Arbeiterinnen 
gewährt, die entweder gar kein« Mietsentschädigung oder 
eine solche unter 300 M. beziehen. Der Stadtv. Rein 
bacher und Genoffen richteten an den Magistrat die Anfrage, 
ob wegen Errichtung neuer höherer Schulen sobaldige
        
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