Path:
Periodical volume Nr. 267, 13.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

f PreisauSschrcibe«. Auf Deranlaflung einer 
Gönners der Kriegeroereine wird ein Preisausschreiben 
erlassen: 1. für ein allgemeines Kciegervereinslied, 3. für 
ein Lied zum Jubiläum eines KriegervereinS und 3. für 
ein Lied Hur Fahnenweihe eines Kriegervereins, in welchem 
auf deutsche Kameradschaft, auf die Tagesfeier und den 
Wert solcher Feste hingewiesen wird. Das Lied soll in 
der Regel vier Strophen nicht überschreiten, in volkstüm- , 
licher Sprache unter Vermeidung von Fremdwörtern ver 
faßt, nach einer bekannten Melodie singbar und noch nicht 
in einer Liedersammlung oder dergleichen gedruckt sein. 
Jedes Lied ist deutlich zu schreiben, mit einem Kennwort 
zu versehen und einem Briefumschlag, welcher außen das 
selbe Kennwort trägt und den Namen und die Adresse 
des Dichters enthält. Die Lieder sind bis zum 1. Dezember 
1905 an das Bureau des Deutschen Kriegerbundes, 
Berlin W 62, Kurfürstenstraße 97, einzureichen. Für die 
drei besten Lieder werden Preise von 60, 30 und 20 M. 
gestiftet. Die preisgekrönten Lieder gehen in das Eigentum 
des Deutschen Kriegerbundes über. 
-s- Müssen „Entlobte" die gewechselten Briefe 
zurückgeben? Diese interessante Frage behandelt Ober- 
Postinspektor Herzog in einem Aufsatze Uber die „Rechts 
verhältnisse bei Briefsendungen". In einer Abhandlung, 
„Das Recht an Brief und Schrift" von H. Reif, wird 
diese Frage mit der Begründung bejaht, daß bei Briefen 
zwischen Verlobten die Übertragung des Eigentums nur 
für den Fall gewollt wurde, daß die Stellung des 
Empfängers zum Absender als Verlobten tatsächlich noch 
bestehe, daß aber nach Aufhebung der Verlobung diese 
Voraussetzung hinfällig sei. Natter verneint die Frage, 
soweit das Geltungsgebiet des österreichischen B. G.-B. in 
Frage stehe, denn nach diesem ist die Verpflichtung zur 
Rückgabe von Verlobungsgeschenken (die doch meist eine 
größere Bedeutung hätten, als Briefe) ausgeschlossen. 
Herzog bezieht sich auf den § 1301 des deutschen B. G.-B., 
welcher bestimmt: „Unterbleibt die Eheschließung, so kann 
jeder Verlobte von dem andern die Herausgabe desjenigen, 
was er ihm geschenkt oder zum Zeichen des Verlöbnisses 
gegeben hat, nach den Vorschriften über die Herausgabe 
einer ungerechtfertigten Bereicherung fordern. In Zweifel 
ist anzunehmen, daß die Rückforderung ausgeschlossen sein 
soll, wenn das Verlöbnis durch den Tod des Verlobten 
aufgelöst wird." Danach müsse nach deutschem Rechte 
angenommen werden, daß beim Zurückgehen des Ver 
löbnisses — außer im Falle des Todes eines Verlobten — 
für die Verlobten gegenseitig die Pflicht zur Rückgabe der 
empfangenen Briefe bestehe. 
t Hohenzvllern-Theater. Am Dienstag, den 
14. November, geht also, wie schon berichtet, Wilhelm 
Meyer-Försters neuestes Bühnenwerk „Der Vielgeprüfte" 
in Szene. Über die Erstausführung in Berlin schrieb 
s. Zt. der „Berl. Lokal-Anz." : Unter tosendem Beifall des 
übervollen Hauses ging Meyer-Försters, des populären 
Verfassers von „Alt-Heidelberg" neueste Lustspiel „Der 
Vielgeprüfte" in Szene. So viel hat .man noch nie in 
den Räumen des „Deutschen Theaters" gelacht, wie beim 
„Vielgeprüften". Meyer-Förster hat hier ein Lustspiel von 
unendlich feiner Charakteristik geschrieben, daß turmhoch 
über allen inodernen Lustspielen und Schwänken steht. 
„Der Vielgeprüfte" dürfte für alle deutschen. Theater 
wieder ein Schlager aller ersten Ranges werden. Herr 
Direktor Behle hat die Hauptrollen wieder seinen'besten 
Kräften anvertraut. Den beiden brillanten Komikern 
Hermann und Norden, dem flotten Bonvivant Herrn 
Cordes, der feschen, temperamentvollen Soubrette Frl. 
Gebhardt, welche neulich in „Kyritz-Pyritz" so glänzend 
gefallen hat, und Frl Römer. Die Aufführung des 
„Vielgeprüftell" am Dienstag dürfte auch bei unS ein 
übervolles Haus erzielen. — Jedenfalls können wir den 
Besuch aufs Angelegentlichste empfehlen, denn der Name 
des Verfassers Wilhelm Meyer-Förster birgt uns für die 
Güte des Stückes. 
f Haus- und Grundbesstzervereiu. Monats 
versammlung am Freitag, den 17. November 1905, Abends 
8 1 /,, Uhr im Restaurant ..Hohenzollern", Handjerystr. 64. 
Tagesordnung: Geschäftliche Mitteilungen. Aufnahme und 
Anmeldung neuer Mitglieder. Versicherung gegen Wasser- 
stupider Ehrerbietung der Mann vor der biederen deutschen 
Hausfrau steht. Welch eiue Bauernnation sind diese Deutschen.* 
„Also, lieber Herr von Falkenhain, drüben müssen noch 
Laubgcwinde und Tannen hin." 
„Zu Befehl, Exzellenz." 
„Ünd nicht zu sparsam.* 
Sie nickte ihm zu, und er entfernte sich, ohne von Fleury 
irgend welche Notiz zu nehmen. 
Langsam wandte sich die Oberpräsidentin diesem zu. 
Der junge Franzose verbeugte sich artig und sagte mit 
seinem gewinnenden Lächeln — er kannte sehr angenehm 
lächeln: „Ich habe die Ehre, Exzellenz ehrerbietigst zu bitten, 
über meine Dienste zu verfügen, wenn ich irgendwo von 
Nutzen sein kann." 
Die alte Dame sah ihn an mit den klugen Augen und 
äußerte mit k hier Höflichkeit: „Sehr liebenswürdig, Herr von 
Flenry, indessen sind unsere Angelegenheiten bereits so weit 
geordnet, dag ich Ihr Anerbieten mit Dank ablehnen muß.* 
Die Ablehnung lag noch deutlicher in der Haltung der 
alten vornehmen Dame, als in den mit verbindlichem Tone 
gespr chenen Worten. 
Fleury suhlte das sehr wohl. 
„Ich bin trostlos, Exzellenz.* 
„Run, ich hoffe, dieser Zustand wird nicht lange an 
dauern, Herr Marquis. Auf Wiedersehen.* 
Sie nickte ihm leicht zu. 
„Herr von Falkenhain*, wandte sie sich wieder an diesen, 
der eben vom Ende des Saals, wo er Befehle erteilt hatte, 
wieder zurückkehrte, „ich muß noch weiter Ihre Hilfe in 
Anspruch nehmen.* 
Eilig nahie sich dieser, und Alfons de Fleury, der doch 
von dem kühlen Empfang durch die Oberpräsidentin verblüfft 
war. sah wieder in das Teutonengestcht, das, wie der ganze 
Mann, in so bemerkenswertem Gegensatz zu seiner äußeren 
Erscheinung stand. 
Alfons verkörperte den Typus des Südfranzosen. 
Blochte es dieser Gegensatz, mochte es der Unterschied 
sein, den die Oberpräsidentin in der Behandlung der beiden 
lungen Leute machte, der Mann war ihm unangenehm. 
schäden. Beschlußfassung über das EiSbeinessen. Friede 
naus Aufgaben in der nächsten Zukunft. Jnteressenfragen 
und Fragekasteii. 
f Die AlterSasttekluug des hiesigen Männer- 
Turnverein« veranstaltet morgen. Dienstag, nach der, 
Turnstunde das alljährliche Eisbeinessen. Für Vorträge 
und sonstigen Unterhaltungsstoff ist reichlich gesorgt. Ein i 
guter Besuch, wie immer, bei dieser jährlichen Veranstaltung ! 
ist zu erwarten. 
f Rheiuschlost-Theater. Das wieder eröffnete 
■ Rheinschloß belebt sich immer mehr. So hält am Mittwoch 
die Gesellschaft des „Brandenburger Städtcbund-Theater" 
dort ihren Einzug und wird gleich zu Anfang uns einen 
vorzüglichen Genuß in der Wiedergabe des Operetten- 
Lustspiels „Don Cesac" bieten. Für die Hauptrollen sind 
zwei ausgezeichnete Kräfte als Gäste engagiert worden, 
Frl. Johanna Gerdemann, ehem. Lessingtheatcr (Naritana) 
und Herr Reinhold Flügel, Meining'scher Hofschauspieler 
a. D. (Don Cesar). Die Direktion des Theaters wird 
für diese erste Aufführung Freikarten gegen Erstattung der 
Billetsteuer und Entnahme eines Programms verausgaben, 
um so dem Publikum entgegenzukommen und Gelegenheit 
zu bieten, sich von der Leistungsfähigkeit des Theaters 
überzeugen zu können. Wir hoffen, daß recht viele hier 
von Gebrauch machen und am Mittwoch dem Rheinschloß- 
Theater ein volles Hans bringen 
f Aus dem Armenhaus. Der viel berüchtigte 
Münch, der seine Familie von der Genieinde im Arinen- 
haus ernähren läßt, versuchte trotz des Verbotes am 
Sonntag zum wiederholten Male sich dort Eintritt zu 
verschaffen. Der Ausweisung durch den Verwalter leistete 
er nicht Folge, so daß der ungebetene Gast gewaltsam 
entfernt und zuletzt dem Polizeigewahrsam zugeführt 
werden mußte. 
f Selbstmordversuch. Die l6 Jahre alte Schülerin 
Liddy Gr. aus Friedenau versuchte sich an dem Treppen 
geländer des Hauses Brückenallec 29 an einer Zuckerschnur 
zu erhängen, wurde jedoch durch den Portier des Hauses 
rechtzeitig abgeschnitten. Nadein angestellte Wieder 
belebungsversuche von Erfolg begleitet waren, schaffte man 
das lebensmüde junge Mädchen nach dem Krankenhause 
Moabit. Motiv noch unbekannt. 
Schöneöerg. 
— Brandmeister und Feuerwehrmann. Unter 
dieser Überschrift berichteten wir vor einiger Zeit über ein 
Renkontre auf der Hauptwache der Schöneberger Feuer 
wehr. Der Feuerwehrmann Volk hatte bei seinen Vor 
gesetzten eine Anzeige gegen den Brandmeister Meyer ein 
gereicht, in der angegeben wurde, Meyer habe dem Volk 
einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Brandmeister Meyer 
gab hierauf zu Protokoll, er sei in einem schmalen Gange 
von dem Wchrmann angerempelt worden und habe dabei 
den Volk zurückgestoßen. Volk hatte sich infolge des Vor 
gangs krank gemeldet. Wahrscheinlich im Anschluß an 
diese Affäre sind jetzt, wie die ,,Bcrl. Morgenp." berichtet, 
bei der Schoneberger Feuerwehr folgende Personaloer 
änderungen vorgenommen worden: Der Brandmeister 
Meyer ist auf unbestimmte Zeit beurlaubt und weilt zur 
Zeit auf dem Gute seines Vaters. Stadtrat Gremmler, 
der Dezernent für das Fenerlöschmesen und Vorgesetzte des 
Brandmeisters, hat einen dringenden schriftlichen Antrag 
gestellt, ihn von dem Dezernat zu entbinden. Diesem 
Antrage ist auch entsprochen worden. Der Feuerwehrmann 
Volk, der kurz nach der Affäre als Telephonist tätig war, 
hat das Sanatorium in Zehlendorf aufgesucht. 
— Der Freisinnige Volksvcreiu von Schöne 
berg und Umgegend wird am 15. d. Mts. eine Versamm 
lung nach dem „Schwarzen Adler'- einberufen, in welcher 
der Reichstags- und Landtagsabgeordnete Dr. Wiemer 
über „Mittelstandspartci und Liberalismus" sprechen wird. 
Merlin und Wororle. 
§ Der schneearme Winter des letzten Jahres 
hat bei der städtischen Straßenreinigung Berlins zu 
erklecklichen Ersparnissen gefiihrt. Wiederholt mußte die 
———M—M—B——W—M—w 
Er wandte sich dann ab und sah sich nach seiner Schwester um. 
Marie war mii der Einrichtung ihrer Krambude beschäftigt, 
der Marquis ging dorthin. 
Zwischen Kisten, Körben und der munteren Damenwelt 
hindurch suchte er vorsichtig seinen Weg. 
„Kann ich Dir jetzt beistehen. Teuere?" 
„Auch jetzt nicht.* 
Da einige der Damen in ihrer Nähe weilten, sah sie sich 
genötigt Alfons diesen vorzustellen. 
Diese, denen der elcgame Franzose mit dem alten Namen 
durchaus nicht mißfiel waren gleich darauf in lebhafter Unter 
haltung mit ihm begriffen. Es ivar ihnen gleichzeitig Freude, 
ihr Französisch aus der Pension zu probieren. 
Marie ivar in ihrem Stand beschäftigt. 
Da die Gruppe der mit Alfons plaudernden Damen den 
Eingang deckte, bemerkte sie die Annäherung Falkenhains nicht, 
der vor der Gruppe stehen blieb, harrend, bis er sich hindurch- 
zuwinden vermochte. 
Eine der Damen sagte, das bemerkend: „Fräulein von 
Manrod, der 'Adjutant Ihrer Exzellenz, Herr von Falkenhain, 
scheint Sie sprechen zu wollen.* 
Es war die Dame, die von den die Herzensneigung 
deutlich verratenden Augen des Assessors gesprochen hatte. 
Die Erinnerung hieran trieb ihr heftig das Blut in die 
Wangen, und sie wandte sich nicht ohne Verlegenheit zu 
Falkenhain. 
Dies entging ihrem Stiefbruder, der Falkenhain wohl 
bemerkt hatte, ohne ihn bemerken zu wollen, nicht. 
„Oho," dachte er, „was ist das? Hat das Gleichen Feuer 
gefangen? Wer ist denn dieser Bursche?* 
Und während er anscheinend dem Geplauder der Dame 
lauschte, richtete er seine verstohlene Aufmerksamkeit aus seine 
Schwester und Falkenhain. 
„Exzellenz ist besorgt, mein gnädiges Fräulein, daß Sie 
sich überanstrengen möchten." 
„O nicht doch,* erwiderte sie, und ein Lächeln verschönte 
ihre Züge, während sie die Augenlider gesenkt hielt. „Die 
Tätigkeit bereitet mir Freude. Meines Bruders Hilfsangebot 
habe ich bereits abgelehnt. Marquis de Fleury, Herr von 
Stadt in ftü(krcn Jahren für Schneeabfuhr eine halbe 
Million. einmMsogar 900000 M-, und für HfffSarbeiter 
hunderttausend (einmal sSgar 224 134) Mark austyenden. 
Im letzten Winter dagegen-verutfachten die unbedeutenden 
Schneefälle nur einen Kostenaufwand von '72 709 Mark 
und 10 147 M. Arbeitslöhne sür die Hilfsarbeiter^ Ein 
gestellt waren in den Abfuhtetat 800 000 M. und 150 000 
Mark sür Hilfsarbeiter; daraus allein schon resultiert' eine 
Ersparnis von 267 144 M. Im ganzen erforderte die 
Straßenreinigung gegen den EtatSansatz 864 814 Mark 
weniger Zuschuß. 
8 Bor dem Berliner Gcwerbegericht gelangten 
nach drm soeben-erschienenen Jahresbericht 12069 Klagen 
(147 mehr als im Vorjahre) zur Verhandlung; 768 waren 
von Arbeitgebern angestrengt. Erheblich vermehrt — ver 
mutlich infolge der lebhaften Bautätigkeit — haben sich 
die der dritten Kammer (Baugewerbe) überwiesenen Klagen; 
ihre Zahl betrug 1750, d. h. 386 mehr als im Vorjahre. 
Durch Vergleich wurden 5989 Klagen erledigt, durch 
Klagezurücknahme 2061, durch Versäumnisurteil 1568 etc., 
sodaß nur in 1145 Sachen »ach kontradiktorischer Ver 
handlung ein Urteil erging. 
tz Die neue Kraukerrstattou am Urban ist nun 
mehr fertig eingerichtet. Unter Aufwendung von rund 
40000 M. hat die Stadtgemeinde 60 neue Betten auf 
stellen lassen, sodaß sür jetzt insgesammt 120 Kranke 
untergebracht werden können. Bekanntlich hat die Stadt 
dus ehemalige Erziehungshaus anr Urban käuflich erworben; 
der Verein zur Erziehung verwahrloster Kinder, dem es 
bisher gehörte, halte einen Teil der Räume dem Verein 
„Wöchnerinnenheim" mietefrei überlassen. Dieser benutzte 
die Räunie zu einer Entbindungsanstalt und Wöchnerinnen- 
pflege; es ist ihm zu diesen Zwecken ein Jahresbeitrag von 
5000 M. bewilligt worden. 
8 DaS Grab Scharnhorsts auf dem alten Jn- 
validenkirchhofe in der nach dem großen General benannten 
Straße, wo sich ein von Rauchs Meisterhand geschaffenes 
Deukmal erhebt, mar gestern am 150. Geburtstage de« 
Verewigten das Ziel vieler Spaziergänger. Leider wies 
die Grabstätte auch nicht den geringsten Schmuck auf, 
ebenso blieb das Standbild Scharnhorsts neben der Neuen 
Wache ungeschmllckt. 
8 Dem KaualisationSverbaude der Landgenieinden 
Lichtenberg und Boxhagen-Rummelsburg im Kreise Nieder- 
Barnim hat der König nach einer Bekanntmachung des 
Regierungspräsidenten von Potsdam die Rechte einer 
öffentlichen Körperschaft beigelegt. 
8 Die 75 Rettungsstationen an den Wasserläufen 
Berlins sind jetzt mit 17 Kähnen, 26 Bällen nnd 30 
Rettungsringen ausgerüstet. Sie wurden im letzten Jahre 
in 26 Fällen zur Rettung von Menschen benutzt. 
8 Gustav Adolf-Festspiel 1905. Der Vorstellung 
am Freilag wohnte im Austrage Ihrer Majestät der 
Kaiserin die Hofdame Frl. von Gersdorf bei. Sie hat, 
wie wir hören, den allergünstigsten Eindruck mit hinweg 
genommen. Wahrscheinlich wird Ihre Majestät zu. einer 
Vorstellung in der nächsten Woche erscheinen. Spieltage 
der nächsten Woche sind: Sontag, den 12. Nachm. 2 Uhr, 
Dienstag, den 14., Mittwoch, den 15., Donnerstag, den 16., 
Freitag, den 17, Abends 1 / 2 8 Uhr. Durch Streichungen 
ist die Vorstellung jetzt wesentlich abgekürzt. 
8 Orgelkonzert. Am Mittwoch, den 15. Noviember, 
Abends ?V 2 Uhr, veranstaltet der Königl. Musikdirektor 
Bernhard Jrrgang in der St. Marien-Kirche das nächste 
Orgelkonzert unter Mitwirkung von Frau Dr. Gertrud 
Pfeiffer (Sopran), Fräulein Else Krau-Bewert (Alt) und 
Herrn Kurt E. Wieck (Violine). Der Eintritt ist frei. 
Wilmersdorf. Ein neuer Friedhof für unfern Ort 
wird auf Schniargendorfer Gebiet angelegt werden, wo 
die Wilmersdorfer Gemeindeverwaltung ein umfangreiches 
Gelände erworben hat. Der jetzige Kirchhofan der 
Berliner Straße reicht zwar noch-für eins Reih«, von 
Jahren, ist aber nicht erweiterungsfähig. Dev alte-Dorf 
kirchhof in der Gasteinerstraße soll in einen.Park um» 
gestattet werden. ' - • ■ :• ■ A-- 
Steglitz. In der StadtwerdungSfrage beschloß die 
hiesige' Gemeindevertretung irr ihrer vorgestrigen. Sitzung, 
Falkenhain," stellte sie jetzt vor. „Das ist der liebenswürdige 
Kavalier, Alfons," sagte sie französisch, „der'Mama einen 
solch großen Dienst geleistet hat." . 
„Ah, so haben wir alle Ursache, dem Herrn dankbar zu 
sein," sagte der kleine Marquis mit einer nachlässigen Höflich 
keit, die etwas Geringschätziges an sich hatte. 
Falkenhain richtete das ruhige, klare Auge auf den Bruder 
Maries und erwiderte in gutem Französischr „Tie Herren von 
jenseits der Vogesen, sind so vollendete Kavaliere, daß ihnen 
ein Akt einfacher Höflichkeit ganz selbstverständlich erscheinen 
muß." 
Der Herr Marquis nahm nur durch eine leichte Kopf- 
bewegung von dieser Antwort Notiz. 
„Da Du meinen Beistand absolut ablehnst, teuerste Marie, 
bin ich gezwungen, den Rückzug anzutreten. Ich werde zu 
Hause berichten, wie Du Dich für das allgemeine Wohl auf 
opferst." Er nickte ihr freundlich zu, verneigte sich vor den 
umstehenden Damen, grüßte Falkenhain mit einem herab 
lassenden Neigen des Hauptes und schritt zum AuSgang, durch 
den er gleich darauf verschwand. 
Marie, die durch die Haltung ihres Bruders, Falkenhain 
gegenüber, verletzt war, sah verstohlen nach dessen Gesicht, ge 
wahrte aber da nichts, was aus Verstimmung deutete. 
Ihr sanftes Auge schien um Entschuldigung zu bitten, als 
sie jetzt den Blick zu ihm erhob, und er fühste diesen Blick 
tief im Herzen. 
„Wenn das gnädige Fräulein keine Befehle für mich hat, 
darf ich also Exzellenz beruhigen?" 
„Durchaus. Ich bin meiner Aufgab« gewachsen." 
„Ich werde sofort Meldung abstatten." 
Während er sich entfernte, zerstreuten sich auch die jungen 
Damen. 
Fräulein von Hochheim sagte zu ihrer Freundin: 
„Wenn die beiden nicht ineinander verliebt sind, will ich 
nie mehr einen Tanzsaal betreten.* 
Während de Fleury den Saal verließ, beschäftigten sich 
keine Gedanken niit den Zurückgebliebenen. 
(Fortketzung folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.