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Periodical volume Nr. 266, 11.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

knüpft sich eine Sage, die im Zusammenhang mit der — 
Marlinsgans steht. SU§ man dem fremmen asketischen 
Mönch nämtich den Bischofsstab anbieten wollte, versteckte 
Martin sich hinter einer Gankherde. Die Tiere aber, 
welche bekanntlich durch ihr Schnattern schon die Er 
rettung deS Kapitols im alten Rom herbeiführten, verieten 
auch diesmal durch ihr Schnattern die Anwesenheit des 
Eindringlings. Man fand den frommen. Mann und die 
Christengemeinde rief den edlen Wohltäter zum Bischof 
aus. Als Bischof von Tours erwarb sich Martin die 
größten Verdienste um die Ausbreitung des Christentums 
in Gallien. Durch die vielen Wundertaten, die ihm zu 
geschrieben wurden, ward er einer der populärfteir Heiligen, 
und im er sein oberhirtliches Wirken fast ausschließlich 
Frankreich widmete, ward er zum Schutzpatron dieses 
Landes erhoben. Der heilige Bischof starb am 11. Nov. 
400 — und der Todestag des Heiligen ist es, den die 
christliche Kirche feiert. Martini wird Überall festlich be 
gangen. Martinsfeuer werden abgebrannt und der Martins 
schmaus wird abgehalten, bestehend aus der Martinsgans 
und dem Martinstrunk, wobei der neue Wein geprüft 
wird. Schon 590 sah sich die Kirche veranlaßt, allerhand 
heidnischen Unfug zu verbieten, der am Martinstage ge 
trieben wurde. Aber alles Eifern der Geistlichen war, wie 
immer in solchen Fällen, ganz vergeblich, und so blieb 
nichts übrig, als das heidnische Element allmählich christ 
lich umzudeuten. Die noch heute üblichen Martinsbräuche, 
wie Martinsgans, -Feuer, -Pferd, -Hammer, -Wein, -Gerste, 
-Vogel, -Horn usw. zeigen sämtlich jene eigentümliche 
Mischung von altheidnisch-germanischem Volksglauben, der 
an Odin anknüpfte, mit christlichen Vorstellungen. Die 
Schmausereien am Martinstage, mit denen der alle Welt 
lust abtötende Bischof von Tours doch wahrlich nichts zu 
tun haben kann, hängen unstreitig mit alten deutschen 
Herbstfesten zusammen, wo mau Schlacht- und Trankopfer 
darbrachte. Wenn die Landbevölkerung mit besonderer 
Zähigkeit an Martini noch hängt, so erklärt sich das daraus, 
daß ja um diese Zeit das Einschlachten eines Teiles des 
Viehbestandes so wie so vorgenommen werden muß, und 
da ist's für den Landmann, der jetzt endlich einmal etwas 
ausruhen kann, eine willkommene Gelegenheit zum Feste 
feiern. In einzelnen Gegenden wir!) der Martinstag auch 
in der Bedeutung des „Nikolo" gefeiert. Da erscheint 
das „Martinsmännchen" und beschenkt die braven Kinder 
und bestraft die bösen. In früherer Zeit galt St. Martin 
ferner als Termin des fälligen Wohnungszinses für das 
ganze Jahr. Selbstverständlich beschäftigen sich auch eine 
Reihe von Bauernregeln mit Martini. So heißt es: 
Martinstag trüb, macht den Winter lind und lieb oder 
St. Martinstag feucht macht den Winter leicht. — St. 
Martinstag hell, macht's Waffer zu Schell, oder: Wenn 
die Gänse um Martini auf dem Eise stehen, müßen sie 
Weihnachten im Kote gehen. — 
f Kirchliches. In den Kirchenrai der Nathanael- 
Kirche wurde Herr Dr. Vogel und an dessen Stelle in 
der Gemeindevertretung Herr Dr. Carl Fischer, Becker- 
straße 6a, gewählt. 
f DaS Schinkelsche Kalthaus im alten botanischen 
Garten, das erst abgerissen werden sollte, wird jetzt zu einer 
Restauration ausgebaut. DaS Viktoriahaus, das in der 
letzten Zeit schon etwas baufällig geworden war, wird 
gründlich ausgebessert, mit einer Veranda versehen und in 
ein Cafö umgewandelt. Die Gräben, in denen daS flüssige 
Element schon seit einiger Zeit verschwunden ist, werden 
neu ausgeschachtet und in Zukunft auf künstliche Weise 
mit Waffer gespeist werden. Die „GebirgSzüge" deS 
Alpinums an der Südseite werden in eine TeraffeneiSbahn 
verwandelt, sodaß man also hier im Winter „Gletscher- 
Partien" unternehmen kann. 
-j- Auch das Bier soll teurer werde«? Unter 
Bezugnahme auf die immer zunehmende Steuer- und 
Zollbelastung der Brau-Jndustrie stellt der soeben 
erschienene Geschäftsbericht der Schultheiß-Brauerei eine 
Erhöhung der Bierpreise in Aussicht. Der Bericht schließt 
wie folgt: „Ob es angängig und durchführbar sein wird, 
die angeführten Mehrbelastungen wenigstens zum Teil 
durch eine Erhöhung des Bierpreises auszugleichen, läßt 
sich heute noch nicht beurteilen. So bedauerlich die Ver 
teuerung eines für weite Volkskreise unentbehrlich 
gewordenen Nahrungs- und GenußmittelS wäre, so kann 
es doch dahin kommen, daß daS Braugewerbe sich zur 
Erhaltung seiner Lebensfähigkeit auf diesen Weg gedrängt 
sehen wird." Bekanntlich bringt der neue am 1. März 
Namen von Falkenhain scheint der Herr Affessor mit Recht zu 
führen — er ist aber in Mühlheim geboren" — 
Frau von Manrvd beschaute ihre Nägel und schien dem 
Berichte nur geringe Aufmerksamkeit z» schenken, 
als Sohn eines Wachtnieisters Weber." 
Hätte Schneider das Gesicht seiner Herrin sehen können, 
würde er über dessen seltsamen Ausdruck wohl betroffen gewesen 
sein, aber es war von ihm abgewendet. 
Was sie gefürchtet, war zur Gewißheit geworden. Sie 
fuhr mit der Hand nach der Stirn und sagte: 
„Reichen Sie nnr einmal das Flakon dort, Schneider — 
da hab ich meine Migräne wieder." ■ ■ 
Schneider reichte ihr das Kristallslakon. Sie rieb sich 
ein wenig die Stirn, zog den Dust der Flüssigkeit ein und 
sagte dann: „Was sagten Sie, Schneider, ich habe nicht aus-" 
merksam zuhören können, wessen Sohn ist der junge Herr?" 
„Eines Wachtmeisters Weber, gnädige Frau.' '• - 
„Wie ist das möglich, er ist doch Edelmann?'- 
„Nach allem, was ich ermitteln konnte, hat der Sohn 
Webers, der in Münster das Gymnasium besuchte, aus der 
Universität den Namen von Falkenhain geführt und zwar mit 
Erlaubnis der Behörde." 
„Vielleicht ivar seine Mutter von diesem Geschlecht und 
ein Verwandter von dieser hat den Sohn adoptiert.' 
„Nein, gnädige Frau, die Umstände müssen doch anders 
sein. Seine Mutter war eine Schauspielerin, die freilich den 
adligen Namen von Steinbach führte. Sie lief dem Wacht- 
nieister nach einiger Zeit davon.' 
„Das sind in der Tat etwas dunkle Verhältnisse, die 
Vorsicht im Umgang mit dem Herrn Assessor gebieten. Lebt 
dieser Wachtmeister noch dort?' 
„Aller Wahrscheinlichkeit nach ist er noch am Leben," der 
Kopfschmerz der Baronin schien heftiger zu werden, „er ist in 
1906 iu Kraft tretende Zolltarif nicht unerheblich Zoll 
erhöhungen auf alle zur Prodnk.io.i des BiereS erforder 
lichen'Stoffe. 
f Der hiesigen SauitätSkolsnne ist von Herrn 
Oberstabsarzt Dr. Hering. Provinzial-Inspekteur vom 
Roten Kreuz, eine fahrbare Transportbahre für Verunglückte 
zum Geschenk gemacht worden. 
-j- Wir leben jetzt in der Zeit schroffer 
Temperaturunterschiede. Vom warmen Zimmer 
kommen wir auf die vom rauhen Ost durchtobte Straße, 
vom gluterfüllten Ball- und Gesellschastssaal in die kalte 
Nachtluft. Da heißt es denn, speziell für Leute, die 
Neigung zu Brustkrankheiten haben, gegenwärtig doppelt 
vorsichtig sein. Eine kleine Veranlaflung erzeugt bei vor 
handener Neigung leicht eine wesentliche Verschlimmerung. 
Übrigens erschwert weniger die kalte, als vielmehr die 
dicke, unreine Luft das Atmen. Gegen die kalte Luft 
schützt man sich am besten durch Schließen des Mundes 
und Einatmen durch die Nase. Gegen die dicke Stuben- 
und Schlafziinmerluft dient das Öffnen der Fenster auch 
im Winter, ja besonders im Winter. Die kalte Luft ist 
besonders rein, weil der Frost alle Miasmen und unsicht 
baren Bazillen vernichtet. Kalte, reine Luft wird am 
schnellsten durchwärmt und erzeugt dann das Gefühl des 
Wohlbehagens durch die Leichtigkeit des Atmens, darum 
ninimt sie anch die Lunge weniger in Anspruch und 
reinigt die Luft. Besonders Schlafzimmer, vollgefüllte 
Lokale, Tanzsäle bedürfen reichlicher Ventilation. Die 
Engländer schlafen oft bei offenen Fenstern und haben in« 
Ofen Feuer dazu. Das ist nicht etwa unsinnig. Denn 
das geöffnete. Fenster sorgt für reine und der geheizte 
Ofen für warme Luft, beides dient zur Gesundung der 
Lunge. Gesunde Lungen werden gestärkt durch viel Be 
wegung im Freien, auch wenn die Luft kalt ist. Die Be 
wegung verursacht genügende Körperwärme und tiefes 
Einatmen. Die Tänzerinnen iverden leicht krank und be 
kommen Hüsteln durch die dicke staubige Luft, di« Schlitt 
schuhläufer haben frisch gerötete Wagen und Briefträger 
bleiben gesund durch die Bewegung in der reinen Luft. 
Die Lungenschwindzucht ist heilbar, wenn der „Kandidat" 
gleich tägliche AtmungS-, Bade- und Bewegungskuren 
anwendet. 
-j- JubiläumS-Konzert. Der „Friedenauer Männer 
gesang-Verein 1875", der mit dem Ort aufgewachsen ist 
und sich ebenfalls gut entwickelt hat, feiert jetzt sein 
30 jähriges Bestehen. Die Feier nimmt ihren Anfang mit 
einem Jubiläumskonzert, das am Donnerstag, den 
16. d. Mts. Abends 8 1 /* * Uhr im „Hohenzollern" statt 
findet. Es werden mitwirken Herr Kgl. Kammermusiker 
Prill (Flöte), Herr Oratoriensänger Max Rothenbücher 
und unser Mitbürger Herr Musikdirektor F. Lubenow. 
Hiernach versteht sich von selbst, daß das Programm ein 
erstklassiges ist. Der Verein bringt zum Vortrag: „Hoch 
empor" (Curti), „Der Soldat" (Silcher), „Der Alpen 
jäger" (Pfusch), „Der Fahlmann" (Sturm), „Heimkehr" 
(Gelbke), „Wie hab ich sie geliebt" (Möhring), „Heut ist 
heut" (v. Weinzierl) und „Stillleben" von Kirchl. Einige 
dieser Chorlieder werden vom Verein zum erstenmal ge 
sungen, während die übrigen neu einstudiert sind. Der 
Chvrmeister. Herr Scheel, dessen erfolgreiche musikalische 
Leitung bestens bekannt ist, hat mit großem Eifer das 
Studium mit seinen Sängern betrieben, sodaß der Verein 
am Konzertabend das Beste zu leisten vermag. Mit den 
drei Solisten ist auch eine glückliche Wahl getroffen; man 
hat es mit nur tüchtigen Künstlern zu tun, die auch in 
Friedenau schon einen guten Ruf haben. Es ist dem 
Verein, der sich bei allen Gelegenheiten im Dienste der 
guten Sache gestellt hat, zahlreicher Besuch seitens der 
Bürgerschaft an seinem Ehrenabend zu wünschen. 
f Bezirksverein Süd-West. Durch ein Mitglied 
des Vereins waren wir von dem Abhalten der nächsten 
Versammlung falsch unterrichtet worden. Dieselbe fand, 
entgegen unserer Ankündigung, gestern nicht statt. Wir 
möchten hiermit gleichzeitig noch aufmerksam machen, daß 
es empfehlenswert wäre, wenn unS' der Vorstand des 
Vereins, regelmäßig über abzuhaltende Versammlungen rc. 
rechtzeitig in Kenntnis setzte, damit derartige Irrtümer, 
hervorgerufen dadurch, daß wir auf Treu und Glauben 
oft eines Einzelnen angewiesen sind, nicht vorkommen 
können. 
-f- Die Lehrlings-Abteilung des Männer-Turn- 
vereins veranstaltet am morgigen Sonntag die sogenannte 
,.Kartoffel- und Herings-Partie" nach Teltow, um dort die 
den Jivildienst getreten und hat mehrfach Ort und Stellung 
gewechselt, doch werd« ich in den nächsten Tagen genaue Nach 
richt über sein Verbleiben haben.' 
„«Äe'haben sich Blühe gegeben, Schneider, und es ist 
immer gut, daß wir einige Kenntnisse von der Herkunft deS 
Herrn haben. Vermögen ist natürlich auch nicht da?" 
„Nein, gnädige Frau. die Leute waren arm.' 
„Gut, ich danke Ihnen. Ihr Lohn soll Ihnen nicht ent 
gehen ich muß jetzt Ruhe haben ah diese fatale 
Migräne, ich danke Ihnen. Ich bin mit Ihnen zufrieden, 
Schneider.' 
Der Mann verbeugte sich geschmeichelt; daß seine Herrin 
mit ihrer Belohnung nicht kargte, wußte er, und in diesem 
angeiiehmen Bewutzlscin entfernte er sich. 
Kaun, hatte sich die Tür hinter ihni geschlossen, als Frau 
, von Manrod sich hastig aufrichtete und niit einein Blicke vor 
sich hiirstarrte, in dem sich eine tödliche Angst ausdrückte. 
„Also er ist es es ist der Knabe! Alle bösen Geister 
bäumen sich plötzlich gegen mich auf, nachdem sie io lange 
geschlafen hatten. Warum bin ich unter diese verwünschten 
Deutschen zurückgekehrt. — — Also das war er? Ja. unver- 
kennbar sein Sohn. Da redet man von einer Stimme der 
Natur er saß da — — und nichts sagte ihm, daß er 
vor der Mutter, die ihm das Leben gegeben, saß. Und ich? 
Ich gönne ihn feinem Vater. Wenn der noch lebt — - und 
es scheint so — — wenn er erfährt, daß ich in seines 
Sohnes Nähe weile, wenn er ? Er ist zu allem fähig. 
Die Zukunft hängt drohend über mir und nieinand kann 
wissen wo und wann der Blitz einschlägt. Soll ich die 
Position, die ich mir erobert habe, verlieren und wieder in 
die Weit der Abenteurer hinausgestoßen werden?'' Sie ging 
hastig auf und ab. 
„Die Heirat z,vi,chen Alfons und Marie muß beschleunigt 
„Schneiderkarp*"'" Wir wünschen der fröh 
lichen Schar recht schönes Wetter zu dieser Tour und vor 
allem guten Appetit! 
-j- Friedenauer Schützengilde. Wie wir bereits 
meldeten, feiert die Gilde am Mittwoch, den 15. November, 
im „Hohenzollern" ihr 3. Stiftungsfest. Viele eingeladene 
Vereine haben ihr Erscheinen bereits zugesagt, so daß ein 
zahlreicher Besuch zu erwarten steht. Das Programm ist 
ein äußerst reichhaltiges, und wohl Sorge getragen, daß 
ein Jeder bestes Vergnügen findet. Hinweisen möchten 
wir aber noch darauf, daß das Konzert Punkt 8 Uhr, und 
das Festessen Punkt 9 Uhr beginnt. 
-j- Eine öffentliche Volksversammlung hat der 
sozialdemokratische Wahlvcrein für Dienstag, den 14. Nov. 
Abends 8 Uhr. im Gesellschaftshaus, Rheinstraße 14, ein 
berufen. Tagesordnung: Der Kampf des Reichsverbandes 
gegen die Sozialdemokraten. Referent: Reichstagsabgeord 
neter Fritz Zubeil. 
-s- Konzert. Unserer rühmlichst bekannter Mitbürger, 
der Kgl. preuß. Kammervirtuose Herr Felix Meyer ver 
anstaltet Montag, den 27. d. Mts., im Theatersaale des 
„Hohenzollern" cin populäres Konzert unter Mitwirkung 
der Konzertsängerin Frl >Cilly Mueller, der Rezitatorin 
Frau FridaFischer und des Komponisten Herrn Musikdirektors 
Adolf Mittelhausen. Wir machen auf die heutige An 
nonce aufmerksam. 
-j- Franenhilfc. Freitag, den 17. November, 
Abends l / 2 8 Uhr, wird im Theatersaal der Königl. Hoch 
schule für Musik (Charlotienburg, Fasanenstraße 1) ein 
Konzert staitfinden, dessen Ertrag für die Station XIII 
der unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin 
und Königin stehenden „Frauenhilfe" bestimmt ist. Die 
Großherzoglich-hessische Kammeroirtuosin Frau Frida Kwast 
Hodapp, die Konzertsängerin Fräulein Klara Erler, Herr 
Kammersänger Ludwig Heß und der Königl. Konzertmeister 
Herr Bernhard Dessau haben ihre gütige Mitwirkung in 
liebenswürdiger Weise zugesagt. Billette zum Preise von 
5, 4, 3 und 2 Mark sind zu haben in der Hofmusikalien 
handlung von Ed. Bote u. G. Bock, Leipzigerstraße 37, 
bei dem Kastellan der Königl. Hochschule und bei den 
Vorstandsdamen Frau Oberverwaltungsgerichtsrat Frowein, 
Kurfürstendamm 20/21, Frau Konsistorialrat Jacobt, 
Schöneberg, Hauptstraße 129, Frau Stadtrat Leidig, 
Friedenau, Wielandstr. 14, Frau Alma Müller, Schöncberg, 
Hauptstr. 43, Frau Pfarrer Mirbt, Schöneberg, Klixstr. 2, 
Frau Oberst Mock, Halensee, Karlsruherstr. 3, Frau 
Pfarrer Rodatz, Schöneberg, Klixstr. 2, Frau Major 
Roenneberg, Friedenau, Kirchstr. 8. Frau Polizeipräsident 
Gräfin von Westarp, Schöneberg, Hauptstr. 10, Frau 
Moeller, Friedenau, Ringstr. 41, Frau Pfarrer Delbrück, 
W, Würzburgerstraße 6. 
f Deutschuatioualer HandlungSgrhilfen-Ver» 
band, Ortsgruppe Friedenau. Morgen Sonntag, Vor 
mittags 11 Uhr, Besichtigung der Meierei von Bolle, 
Alt-Moabit 99/105. Treffpunkt 10 l / 4 Uhr „Wannsee 
hallen", Link- und Eichhornstraßen-Ecke. Gäste willkommen. 
t Zur Eröffnung deS „RheiufchloffeS" oer- 
anstaltet Herr Hoffmann sen. morgen Sonntag ein 
großes Künstler-Konzert bei freiem Eintritt. Nach dem 
„Winterschläfchen" wird somit daß „Rheinschloß" zu neuem 
Leben erwachen, wird Frau Musika morgen wieder ihren 
fröhlichen Einzug in die so lange Zeit öden Hallen halten 
und freudiger Menschen Stimmen die Räume durchtönen. 
Herr Hoffmann läßt es sich angelegen sein, auch für eine 
tadellose Bewirtung seiner Gäste zu sorgen. Beste Weine, 
Biere und sonstige Getränke, eine vorzügliche Küche, dabei 
angenehme musikalische Unterhaltung werden geben, daß 
sich ein Jeder wieder im „Rheinschloß" wohl fühlt und 
wünschen wir, daß Herr Hoffmann eine reiche Zahl Gäste 
morgen in seinem Hotel-Restaurant begrüßen möge. 
t Im Zeichen der Geselligkeit steht die Welt 
jetzt wieder, und ehe wir uns deffen noch recht bewußt 
geworden find, hat auch uns die Woge ergriffen und mit 
fortgeriffen in den Strudel der Vergnügungen. Sowie es 
im Heim gemütlich und warm ist, empfinden die Menschen 
den Drang, einander zu besuchen und einzuladen, Lang 
sam beginnen die Bisttenkarten in unser Heim zu fliegen, 
und neben den alljährlich wiederkehrenden Namen finden 
wir auch neue darunter: frischgebackene junge Herren, die 
beruflich hierher versetzt worden find, ballfähige Töchter 
unserer Bekannten, ja hin und wieder taucht einmal der 
Name auf, mit dem uns liebe Kindheits- oder Jugend 
erinnerungen verknüpfen und deffen Besitzer jetzt nach 
werden dann ist Alfons gesichert. Es müßte schlimm 
hergehen, wenn ich das nicht zustande bringe» sollte. Wenn 
ich nur wüßte, wo der Mensch weilt? In der Nähe seines 
Sohnes wird er sich schwerlich aufhalten. 
Verwünscht, daß wir die Vergangenheit nicht abstreifen 
können gleich einem Handschuh!' 
* * 
Zwei außerordentliche Ereignisse sehten die Gesellschaft 
der Negierungshauptstadt in lebhafte Bewegung, der von der 
Frau Oberpräsidentin vorbereitete Wohltätigkeitsbasar und der 
in Aussicht stehende erste EmpfangSabend im Manrod'schen 
Hause. 
Die Elite der Gesellschaft war bei dem Basar beteiligt 
und der Regierungspräsident hatte eine große Anzahl Ein- 
ladungen ergehen lassen. 
Der Basar sollte im großen Saal der Stadt abgehalten 
werden, und Tischler, Tapezierer und Dekorateure waren 
vollauf beschäftigt, die Räume malerisch und geschmackvoll 
nach den vom Assessor von Falkenhain angegebenen Ideen 
herzurichten. 
Eine Fülle jüngerer und älterer Damen bewegte sich in 
dem Saale, von denen die ersteren zu Verkäuferinnen aus- 
ersehen, sich um spezielle Einrichtungen bemühten, während 
die älteren vorzugsweise als Ehrenwache dienten, was indes 
nicht verhinderte, daß sie mit Kennermiene Kritik übten. 
Unter den jungen Damen befand sich auch Marie von 
Manrod, in deren Begleitung Fräulein Becker anwesend war. 
Auch Rudolf von Falkenhain war da, um daS Ganz« 
zu überivachen. 
Die elegante und doch männliche Erscheinung deS jungen 
Regierungsaffeffors blieb nicht ohne Wirkung auf die Töchter 
. des Landes, eine Wirkung, die durch seine liebenswürdigen 
, Umgangsformen nur ßcfteiant wurde. (Fortsetzung folgt.)
        
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