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Periodical volume Nr. 264, 09.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

hervorsprießt und liebliche Blumen die grüne Rasenfläche 
durchbrechen, so werden wir unS gern wieder den schönsten 
Platz Friedenaus zum Aufenthalt erwählen. 
-j- Der Ort Friedenau, so schreibt unS der Vor 
stand der König!. Verkehrs-Inspektion 4, war bis vor 
kurzem mit seinem Güterverkehr lediglich auf die an der 
Ringbahn liegende Güterabfertigung Wilmersdorf-Friedenau 
angewiesen, soweit nicht für den südlichen und südöstlichen 
Ortsteil die Güterabfertigung Steglitz näher war. Diese 
ungünstige Lage in- recht beträchtlicher Entfernung von der 
Eisenbahnladestelle bot häufig — zumeist kommen die 
Empfänger von Brenn- und Baumaterial in Frage — 
recht empfindliche Schwierigkeiten und Nachteile, umsomehr 
als die Ladefristen in Wilmersdorf-Friedenau infolge der 
beständigen Überfüllung des dortigen Bahnhofes für den 
größten Teil des Jahres von 12 auf 6 Stunden herab 
gesetzt waren und bei Überschreitung dieser knappen Ent 
ladezeit Standgelder von der Eisenbahn erhoben wurden. 
Diesen Verhältnissen und der stetig fortschreitenden Ent 
wicklung von Friedenau hat die Eisenbahnverwaltung seit 
1. Oktober d. Js. durch Eröffnung der Station Friedenau 
für den Güterverkehr in Wagenladungen Rechnung ge 
tragen, breite, gut gepflasterte Ladestraßen längs der 
Rembrandtstraße erbaut, die neue Güterabfertigung in die 
für Berlin und nächstgelegene Vororte bestehenden billigen 
Ausnahmetarife aufgenommen und die Ladefrist daselbst 
auf 12 Stunden festgesetzt. Die früheren mißlichen Zu 
stände find damit beseitigt und es darf erwartet werden, 
daß sich auf der neuen Ladestelle bald ein reger Verkehr 
entwickeln wird. 
-j- Postalische Sparsamkeit. Zufolge des Artikels 
des W.-Korrespondenten betreffend: „Abends Uhr im 
„Friedenauer Postamt" hatte ein Berliner Postinspektvr 
uns einen Besuch abgestattet. In einer längeren Aus 
sprache wurden unsererseits die Mißstände^im hiesigen Post 
verkehr gerügt, besonders die unpünktliche Brief- und 
langweilige Packetbestellung besprochen. Der Herr Post- 
iuspektor erwiderte, das die vorkommende Unpünktlichkeit 
der Briefbestcllung darin ihren Grund habe, daß Friedenau 
eine große Bautätigkeit entfalte. Daß Päckete öfters länger 
als nötig auf Reisen sind liege daran, daß die Zustellung 
von Schöneberg erfolge. Wir wandten dagegen ein, daß 
im ersteren Falle mehr Personal angestellt werden müsse, 
und dann unser Ort gerade bei seiner rapiden Entwicklung 
Anspruch auf ein selbständiges Packetamt machen könne. 
Darauf erklärte der Herr Postinspektors: „Hierfür ist kein 
Raum vorhanden!" Wir sind der Meinung, daß darunter 
das Publikum nicht zu leiden Ijat; wenn eine E Weiterung 
im hiesigen Postamt nicht mehr möglich ist, muß eben ein 
zweites Amt errichtet werden. Aber es wird hier seitens 
der Post eine falsch angebrachte Sparsamkeit betrieben. — 
Wir bringen diese Zeilen um dazu beitragen zu wollen, 
daß die Postalischen Verhältnisse bald eine Verbesserung 
erfahren, da uns auf Grund der gestrigen Zuschrift wieder 
verschiedene Klagen bezügl, unreaelmßiger Brief- und 
Packetbestellung zugegangen sind. In einem Falle wurde 
einem Bürger ein Packet mit Lebensmitteln einige Tage 
später zugestellt, wodurch die Waren ungenießbar wurden. 
f Zur Frage der Teuerungszulagen. Eine 
Teuerungszulage wird auch Schmargendorf seinen Ge 
meindebeamten. sLehrern, Angestellten und Arbeitern ge- 
währen, nachdem kürzlich Wilmersdorf seinen Angestellten 
ein halbes Monatseinkommen bewilligt hat. Die Schöne 
berger Gemeindekörperschaften haben hinsichtlich der Ge 
währung einer solchen Teuerungszulage einen endgrltigen 
Beschluß noch nicht gefaßt. 
-j- Kirchlicher Vortrag. Am Dienstag, den 
14. November, Abends 8 Uhr hält Herr Pfarrer Lic- Dr. 
Becker einen Vortrag über „Jesuitenorden" im Kirchsaal 
der Nathanael-Kirche. Der Eintritt ist frei. 
t Versicherungswesen. Nach einem kürzlich 
erschienenen ausführlichen Berichte der Berliner Börsen- 
Zeitung waren Ende 1904 bei 45 deutschen Lebens 
versicherungs-Gesellschaften in der Kapitalversicherung nicht 
weniger als 8,3 Milliarden Mark versichert. Der weitaus 
größte Teil hiervon entfällt auf die wirtschaftlich wertvolle 
abgekürzte Versicherung, bei welcher der Versicherte, falls 
er ein bestimmtes Alter erlebt, noch selbst in den Besitz 
des Kapitals kommt. Auf diese Weise bietet die Lebens 
versicherung nicht nur eine Versorgung der Hinterbliebenen 
bei vorzeirigem Tode des Familienvaters, sondern auch 
eine praktische Altersversorgung für diesen selbst. Noch 
größer wird der Wert dieser BersicherungSart, wenn auch 
gleichzeitig das Jnvaliditätsrisiko mit eingeschlossen wird, 
Fall? Ich habe nur einen Sohn. Lebt der Reitersmaun 
noch -er war ein sehr verwegener Herr und im 
Zorn zu fürchten und/ sie schauderte leicht zusammen, 
„ich möchte ihm nicht gern begegnen. Dieser Tummlopf von 
Schneider. 
Ich habe das dumpfe Gefühl, als ob ein Unheil mir 
drohe. Zwar, was wollen sie? Ich bin die verwitwete 
Marquise de Fleury, eine geborene Placek — was wollen sie?" 
»Ja/ sagte sie finster, „ich habe meine Existenz im jugend- 
lichen Leichtsinn geopfert, von der Höhe des Lebens sank ich 
zum tiefsten Elend hinab, aber ich hab« die Stellung, die 
mir in der Welt gebührt, wieder erobert. Was kann der 
Freifrau von Manrod drohen? Pah. Und doch ich 
werde ein beängstigendes Gefühl nicht los. 
Um so mehr muß die Angelegenheit mit Alfons geordnet 
werden. Mein Geschmack wäre dieses germanische Gleichen 
auch nicht, aber sie ist reich." 
Die Kammeriungfer trat geräuschlos ei». 
„Der Herr Marquis erwartet die Befehle »o« Madame." 
„Lassen Sie ihn kommen/ 
Gleich darauf, mit seiner gewohnten Eleganz gekleidet, 
trat Alfons de Fleury ein, und die Züge seiner Mutter 
heiterten sich auf. 
„Nun, teuerste Mama, was verschafft mir daS Glück, so 
früh vor Dir erscheinen zu dürfen?" 
„Nimm Platz. Alfons, und verabschiede Deine« grenzen 
losen Leichtsinn auf einige Zeit." 
„O, Mama hat die Absicht, «ir eine Vorlesung über 
Moral und einschlagende Fächer zu halte«. Ich lausche ehr 
erbietig, was Du nur zu sagen hast." 
„Je mehr Du nur dem Augenblicke lebst, «« so mehr 
muß ich an Deine Zukunft denken." 
sodaß im Falle der dauernden Erwerbsunfähigkeit deS 
Versicherten (einerlei, ob durch Krankheit oder Ünfall) die 
Pflicht der Prämienzahlung aufhört und eventuell noch 
eine Invalidenrente gewährt wird. Diese Kombination, 
die eine vorzügliche Pensionsverstchernng bietet, wird von 
verschiedenen deutschen Gesellschaften betrieben; unter den 
größten ist es besonders die Germania in Stettin, die 
darin bereits einen Versicherungsbestand von fast 68 Mill. 
Mark erreicht hat. 
-j- ZwangsverstcigernngSergebnis. Das Grund 
stück Schmargendorferstraße 26 Hierselbst, der Witwe 
E. Hallatz gehörig. 16,06 Ar groß. Nutzungswert 6300 
Mark. Mit dem Gebot von 25 570 M. und 105 000 M. 
Hypotheken blieb Wirtschafts-Inspektor R. Nitschke in 
KießlingLwalde bei Görlitz, Meistbietender. 
f Gustav Adolf-Festspiel 1905. Der Andrang 
zu den Gustav Adolf-Festspielen wächst andauernd; wir 
bemerken jedoch ausdrücklich, daß eine Verlängerung der 
Spiele über Donnerstag, den 23. November hinaus aus 
vielen Gründen sich nicht ermöglichen lassen wird. Die 
nächsten Vorstellungen finden Mittwoch, den 8., Freitag, 
den 10, abends 1 / 2 8 Uhr und Sonntag, den 12., nachm. 
2 Uhr statt. 
-j- 25 jähriges Stiftungsfest. Die „Schöneberger 
Liedertafel" der auch eine Anzahl Friedcnauer Bürger an- 
gehörrn, feiert am Sonnabend, den 11. d. Mts., ihr Fest 
des 25 jährigen Bestehens im „Lindenpark", Schöneberg, 
Hauptstraße 16. Außer einer Reihe gediegener Chor 
gesänge. die Herr Musikdirektor Max Werner leitet, 
werden vortreffliche Soli? erster Künstler geboten. Es 
wirken mit Fräulein Else Sa nt (Sopran) und Kapell 
meister Robert Erben (Klavier). Es findet nach dem 
ofstziellcn Teil ein Tanzkänzchen statt, und während der 
Kaffeetafel werden Vorträge von Mitgliedern geboten, 
darunter seitens des Herrn Wittig einige Musiknummern. 
Au Überraschungen während des Balles wird es natürlich 
nicht fehlen. Der Verein gibt anläßlich dieses Festes ein 
Erinnerungsblatt heraus, das ein künstlerisch entworfenes 
Titelblatt, die Photographien der ältesten Mitglieder, des 
Vorsitzenden und Dirigenten, das Konzertprogramm, die 
Licdertexte, die Namen der Mitglieder und die Tanz 
ordnung enthält. Der rührige Vergnügungs-Ausschuß, 
unter Führung des Herrn Rektor Drews, hat eben alles 
aufgeboten, um den Besuchern einen genußreichen Abend, 
ein glanzvolles gemütliches Fest zu bieten. 
-j- Verein drr Gast- und Schankwirte von 
Friedenau und Unigegend. Die nächste Monats-Der- 
sammlung findet am Montag, den 13. November, Nachm. 
5 Uhr, beim Kollegen Karl Szylinsky, Stierstraße 13, 
statt. Tagesordnung: Verlesen des Protokolls der letzten 
Sitzung. Verlesen eingegangener Schreiben und Offerten. 
Anmeldung und Aufnahme neuer Mitglieder. Zur An 
meldung gelangt der Kollege Fritz Preuß, Beckerstraße 5. 
Verbands-Angelegenheiten. Besprechung des Stiftungs 
festes. Innere Vereinsangelegenheiten, Besprechung über 
unsere diesjährige Weihnachtsbescherung. Pause und 
Warenmarkt. Geschäftliches. Fragekasten. 
f In Krämpfe verfiel gestern Mittag auf dem 
hiesigen Wochenmarkt die Schlosserfrau G., Kaiserallee 
wohnhaft. Nachdem sie geraume Zeit dort gelegen 
hatte, erbarmten sich endlich zwei Damen der besseren 
Stände ihrer und trugen sie zur Sanitätswache, wo sie 
sich nach ca. 1 Stunde wieder vollends erholte. ES 
klingt sehr sonderbar, daß gerade zwei Damen die 
unglückliche Frau, nachdem sie dort längere Zeit in 
Krämpfen dalag, zur Sanitätswache schafften, obgleich 
doch wohl Herren zum Versehen dieses Samariterdienstes 
auch zugegen waren. 
f Unfall. Heute Nachmittag verunglückte der 
bei Herrn Maurermeister Lange beschäftigte Arbeiter 
N. Weckwerk auf einem hiesigen Neubau. Bei der 
Arbeit spritzte dem Arbeiter Kalk ins Auge und verletzte 
dieses schwer. Herr Dr. Tarrasch, Kirchstraße 16, leistete 
die erste Hilfe, doch wird die Sehkraft dem Auge wohl 
verloren gehen, h 
f PolizellMicht. Als gefunden ist hier ange 
meldet worden: '^Vamenportemonnaie mit Inhalt. Die 
rechtmäßige Eigentümerin des vorbenannten Gegenstandes 
wird aufgefordert, ihre Ansprüche binnen 3 Monaten im 
hiesigen Amtsbüro, Feurigstraße 8, Zimmer Nr. 26, 
geltend zu machen, widrigenfalls anderweit über das 
Fundobjekt verfügt werden wird. 
„Aha, das Thema von der Heirat/ dachte er, sich behag 
lich in seinen Fautechl zurechtsetzend, und machte ein sehr ehr 
erbietiges Gesicht. 
Frau von Manrod lächelte, ivurde aber dann wieder ernst. 
„Ehe Du »ach Paris zurückkehrst, Alfons, müssen wir 
Deine Verhältnisse zu Marie ordnen." 
„Mein Gott, bestehst d u denn noch immer darauf, Mama, 
daß ich diese zarte deutsche Jungfrau heirate?" 
„Sie ist von gutem Hause und besitzt ein eigenes Ver 
mögen von niehr als 000 000 Fres. ohne das, was sie als 
Erbteil vom Vater erhält Du hast nichts, wenn ich die 
Augen einmal schließen sollte." 
„Aber, Mama, Du überstrahlst an Frische und Lebens 
kraft die Jüngsten." 
„Nein, das ist Schein, und die Ohnmacht, die mich vor 
einiger Zeit überfiel, gibt mir zu denken. Hinterlassen kann 
ich Dir nichts; für Deine Zukunft niuß gesorgt werden. 
Maries Herz ist ein unbeschriebenes Blatt, sie wird gern 
Marquise de Fleury werden." 
„O, Mama, rvillst Du einen Stubenhocker aus mir machen, 
der abends mit anderen Dummköpfen eine solide Ecartö 
spielt?" 
„Schlage das, was ich Dir sage, nicht leichtsinnig in den 
Wind. Du bist rettungslos verloren, wenn mir etwas Mensch 
liches begegnet." 
„O Teufel! Soll ich schon auf Hymens Altar gcopfctt 
werden? — Teuerste Mama, ich weiß ja, wie gut Tu eS 
meinst, welche Fürsorge Du Deinem univürdigen Sprößling 
widmest — — aber laß mir noch etwas Bedenkzeit." 
„Es liegt die Gefahr nahe, daß Dir ein anderer diesen 
Preis entfühtt." 
Schöneöerg. 
— Da» Magiftratskollegium hat jetzt, nachdem 
Stadttat Dr. Woelk zum Gemeindevorsteher von Weißensee 
gewählt worden ist, fünf unbesetzt« Stellen, und zwar die 
deS zweiten Bürgermeisters, des Kämmerers, eines be 
soldeten und zweier unbesoldeten Stadttäte. Die Wahlen 
für den Posten deS Bürgermeister» und deS Kämmerers 
wird die Stadtverordneten-Versammlung demnächst vor 
nehmen,. während die Wahlen fiir die drei Stadtratstellen 
nach Neujahr erfolgen werden. Nach Vervollständigung des 
Magistratskollegiums wird dieses dann auS 19 Mitgliedern 
bestehen, aus sieben besoldeten und 12 unbesoldeten. Seit 
der Stadtwerdung im Jahre 1898 gehören dem Magistrat 
an die sieben Mitglieder: Oberbürgermeister Wilde, Syn 
dikus Blankenstein, Stadtbaurat Gerlach, und die unbe 
soldeten Stadträte: Stadtältester Heyl, Raether, Leonhard 
und Kloß. 
— Vierzig Einbrüche in einer Woche. ^Dor 
die Sicherheitsoerhältniffe in unserer Nachbarstadt Schöne^ 
berg scheint es schlecht bestellt zu sein. Im Laufe der 
letzten Woche sind dort nicht weniger als 40 Einbrüche 
verübt worden. Aus der Art der Ausführung der Dieb 
stähle geht hervor, daß es sich hier um eine wohl orga 
nisierte Bande handelt, die systematisch „arbeitet". Die 
Burschen suchen sich die nächtlichen Stunden zu ihrem 
verbrecherischen Treiben aus. Mit geradezu verblüffender 
Frechheit gehen sie dabei zu Werke. Es sei hier ein Bei 
spiel aus der Sponholzstraße gegeben. Die Bande,.ver- 
schaffte sich zunächst mittelst Nachschlüssels Eingang in den 
Hof, drückte dann die Fensterscheibe der Parterrewohnung 
ein und raubte dort aus den Zimmern, was irgend 
welchen Wert hatte. Nicht einmal das Schlafzimmer, in 
dem der Wohnungsinhaber zu Bette lag, verschonten die 
dreisten Gesellen. Hatten sie die Parterrewohnung ab 
gegrast, so gingen sie hinauf zur ersten Etage, und wenn 
hier die Beute nicht ihren Wünschen entsprechend ausfiel, 
so brachen die Diebe auch noch in der 3. und 4. Etage 
ein. Im Laufe einer Nacht nahinen die Einbrecher in 
einem Straßenzuge gleich mehrere Häuser vor. So suchten 
sie in der Hauptstraße die Grundstücke 132, 135 und das 
Eckhaus Helm- und Hauptstraße heim, und in der Spon 
holzstraße brachen sie in einer Nacht in den Häusern 6, 
8 und 9 ein. Auch Bodendiebstähle verschmähte die Bande 
nicht, und nicht einmal naffe, zum Trocknen aufgehängte 
Wäsche verschonten die Langfinger. Ebenso befaßte sich 
das Konsortium mit Ladeneinbrüchen. Hierbei hatten sie 
jedoch oft Pech, da sie bei ihrer Arbeit gestört wurden. 
Bei den nächtlichen Raubzügen rissen die Diebe auch Tür 
klinken von den Häusern und goldene Buchstaben von den 
Schaufenstern ab und nahmen sie mit. Das Gleiche taten 
sie mit elektrischen Glühbirnen. Auf diese Weise wurden 
>ine Reihe von Hausbesitzern und Geschäftsinhabern in 
der Kolonnen- und Gustav Müllerstraße empfindlich ge 
schädigt. Die Mitglieder der Einbrecherbande, die von 
Nachtwächtern schon mehrfach beobachtet wurden, bestehen 
aus halbwüchsigen Burschen. Die Polizei fahndet eifrigst 
nach den Räubern. 
Wertin und Wororle. 
8 Die vom Verein zur Beförderung de» 
Gartenbaues in den königl. preußischen Staaten ver 
anstaltete „Große Deutsche Chrysanthemum-Ausstellung" 
wurde heute Mittag um 12 Uhr durch den Vorsitzenden 
Frhr. von Cramm-Burgdorf mit einer Ansprache eröffnet, 
die in ein Hoch auf den Kaiser, dem Protektor deS 
Vereins, ausklang. Es folgte dann ein Rundgang durch 
die Ausstellung, die ein prachtvolles Bild darbietet. ,Am 
Eingänge von der Straße Alt-Moabit tritt der Besucher 
in eine große Empfangshalle, welche von den ersten 
Firmen Berlins mit Palmengruppen und japanischen Vasen, 
gefüllt mit Chrysanthemen, geschmückt worden ist. Im 
nächsten Saal haben wir zu ebener Erde die golden- und 
bronzefarbigen Chrysanthemen, während an den Pfeilern 
und zwischen den Fenstern große Dattelpalmen stehen. 
Sich links wendend hat das Auge eine 60 Meter lange 
und 14 Meter breite Saalfluchtlinie vor sich, welche in 
ihrer Mitte und an den beiden Seiten mit Chrysanthemum 
pflanzen bestellt ist und in einer äußerst reizvollen, noch 
nie gesehenen Farbenabtönung einen ganz hervorragenden 
Eindruck macht. Den grünlichweißen Farbentönen schließen 
sich die reinweißen, diesen die mattgelben Farben an. In 
mannigfachen Schattierungen folgen dann die ziegelroten, 
rosa- und amarantfarbenen, roten, violettroten und dunkel- 
„Pah, wenn ich es darauf anlege, fällt sie mir anbetend 
zu Füßen." 
„Nun, so zeige Deine Nuiviberstehlichkeit", sagte st« 
lächelnd. „Nimm es nicht leicht, Kind. Glaube mir, ich habe 
gewichtige Gründe, Deine Verlobung stattfinden zu lassen, ehe 
Du nach Frankreich zurückkehrst.' 
Er warf ihr einen überrascht fragenden Blick zu. 
„Teufel, das klingt ja bedentlich. Ja, Mama, aber wenn 
ich mich entschließe, diese Jungfrau zu heiraten, nieinst Du 
denn, daß Heri von Manrod einwilligen wird?" 
„Ich glaube es." 
„Nun ja, er steht ja in Deinem Zauberbann. O—, o —, 
ich komme ja um mein ganzes Renominee, wenn ich als Ver 
lobter nach Paris zurückkehre." 
„Alfons, werde vernünftig; es ist Zeit — dar sagt Dir 
Deine Mutter, die Dich leider zu sehr verzogen hat." Sie 
äußerte das mit einem Ernst, der doch seine Wirkung auf den 
charakterlosen Menschen nicht verfehlte. 
„Ja, ich weiß es — ich fühle es — nun, wenn einmal 
geheiratet sein muß, meinetwegen, ich will sie nehmen." 
„Du mutzt liebensivürdiger und entgegenkommender sein, 
als bisher, schon ihres Vaters wegen." 
„Was opfere ich nicht alles — ah, ich gebe mein ganzes 
mir so wertvolles Selbst hin! Bist Du zufrieden? Du formst 
mich ja gleich Wachs zu jedem Bilde, selbst z« dem eines 
soliden Ehemannes." 
Sie lächelte und küßte ihn. 
„Du ivirst mir noch dankbar sei«." 
„Teuerste Mama, solltest Du nicht irgend«» einige dieser 
pöbelhaften Hundertmarkscheine haben? Ich muß wirklich 
etwas Erholung in aufgeklärter Gejellschaft suche«/ 
(Fortsetzung folgt.)
        
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