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Periodical volume Nr. 259, 03.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

nach, daß doch die Einstellung eines Lehrers derjenigen 
einer Lehrerin iwrznztchen fei. Herr HettoxHttnneMnn 
erwidert, daß vor allem eitle MadchsMaffe Kl teiM'fei. 
daß aber eine Lehrerin, wenn ein Liiter etzyerstKht, sie 
an den richtigen Platz zu setzen, sehr zuverlässig und 
ebenso leistungsfähig wie ein Lehrer ist. Außerdem sei 
jetzt immer eine Lehrerin zur Vertretung angenommen' 
worden, sodaß man quasi schon die Pflicht habe, auch 
einer Lehrerin Äle Stelle zu Übertragen. Der Herr 
Bügermeister bemerkt, daß er ebenfalls bestrebt ist, nur 
soviel Lehrerinnen anzustellen, als erforderlich, und im 
übrigen männliche Kräfte bevbrzüge. Hier wäre aber eine 
Lehrerin nach Lage der Sache in der Anstellung zu bevor-' 
zugen. Auch Herr Schöffe Bache spricht sich für die 
Anstellung einer Lehrerin aus. Hierauf wird der Antrag 
angenommen. Die Beratung in zweiter Lesung wird 
sofort vorgenommen und auch hier der Antrag genehmigt. 
Zur Bewilligung von Mitteln für eine Vertreterin 
für die zu teilende 6. Klaffe schätzt Herr Rektor Hanne 
mann den hierfür auszuwerfenden Betrag aus ca. 400 M. 
In 2 Lesungen werden diese Mittel dann auch bewilligt. 
Bei Punkt 3., Nachbewilligung zu Abschnitt I, 41 
des Volksschulvoranschlages, referierte Schöffe Bache, daß 
der katholische Religionsunterricht von 4 auf 8 Stunden 
erhöht werden müsse. Es würden somit jetzt 400 M. 
Mehrkosten aufzuwenden sein. 200 M. gibt die Stadt- 
gemeinde Schöneberg hinzu für den Unterricht, da die 
katholischen Kinder Schönebergs, vom Friedenauer Ortßteil, 
mit an dem Unterricht teilnehmen. Der Herr Bürger 
meister gibt noch an, daß diese 200 M. nur angenommen 
sind, aber nicht höher sein werden, er bittet also um Nach 
bewilligung bis 200 Mk. Die Nachbewilligung wird in 
2 Lesungen genehmigt. 
Herr Bürgermeister Schnackenburg referiert zu Punkt 
4, Erweiterung der Geschäftsräume: Wir haben uns auf 
den Zuzug gefreut, aber mit ihm sind auch höhere An 
sprüche an die Verwaltung gestellt. Er habe schon neulich 
vorgetragen, daß die Räume nicht einmal den allernot 
wendigsten Ansprüchen genügen. Er denke hier vorzugs 
weise an die Wartecäume für das Publikum und wolle 
nun, daß die freistehenden Küchen für Warteräume ver 
wandt werden. Es müssen aber auch noch andere Räume 
geschaffen werden, so u. a. müsse für die Baupolizei ein 
Zimmer geschaffen werden, damit dort ein Beamter ständig 
anwesend ist. Er beantragte nun, daß eine weitere Woh 
nung von 4 Zimmer hinzugemietet werde. Der Miets 
preis ist derselbe wie für die andern Wohnungen, und ist 
nur an den jetzigen Mieter eine Abstandssumme von 
300 M. zu zahlen. In 2 Lesungen wurde dann der An 
trag angenommen. 
Nunmehr lagen noch zwei Dringlichkeitsanträge vor, 
und zwar: 1. Bewilligung von Mitteln für den Bau des 
neuen Volksschulgebäudes. Die Dringlichkeit dieses An 
trages wird anerkannt und referiert Herr Dräger: Die 
veranschlagten Kosten für den Bau des Gebäudes haben 
sich, nachdem noch nach Beschluß der Kgl. Regierung zu 
Potsdam eine Abänderung vorgenommen werden mußte, 
erheblich erhöht. Die Kg. Regierung zu Potsdam hat 
nun das abgeänderte Projekt anerkannt und kann so an 
die Ausführung herangegangen werden. Da die Sache 
sehr eilt, weil zum Oktober nächsten Jahres das Gebäude 
fertiggestellt sein soll, so müsse heut darüber beschloffen 
werden. Der Anschlag würde sich also auf 325000 M. 
erhöhen. Die Gas- und Wasseranlagen sind in diesem 
Anschlag noch nicht enthalten, ebenfalls nicht der Bau der 
Turnhalle, der mit 100000 M. inkl. Ausrüstung veran 
schlagt ist. Zuerst hatte man im Dachgeschoß eine Turn 
halle geplant, doch ist man späier davon abgekommen, da 
dieses nicht zweckmäßig. Der Entwurf ist von Herrn 
Duntz ausgearbeitet, und habe Herr Kunow und er dies 
revidiert. Er ersuche also um Bewilligung und Über 
tragung der Ausschreibungen an die Baukommission. G.-V. 
Haustein frägt an, ob nicht die freitragende Konstruktion 
im Dachgeschoß durch eine andere ersetzt werden könne. 
G.-V. Kunow und Bürgermeister erklären jedoch, daß im 
letzten Entwurf diese Konstruktion schon fortgefallen sei. 
Das Gebäude sei sehr einfach und jeder Luxus fern 
gehalten. Man hat alles auf das Praktischste aus 
genutzt; die einzige Zierde ist wohl der Giebel, aber 
man wolle doch keinen Kasten hinsetzen, sonst ist 
hauptsächlich Wert auf die Dauerhaftigkeit gelegt. 
G.-V. Homuth ist das Dach zu hoch angelegt, swenn der 
Raum des Dachgeschosses doch keine Verwendung findet, 
konnte doch auch das Dach niedriger sein. G.-V. Kunow 
erwidert, daß der Bau im modernen Barokstil gehalten 
sei. Wolle man das Dach niedriger legen, müsse wieder 
eine reichere Fassade angelegt werden, sodaß die Kosten 
sich auch nicht verringern würden. — G.-V. Hendrich 
frägt an, ob in der Summe die Ausstattungsgegenstände 
mit einbegriffen sind, was verneint wird. Der Herr 
Bürgermeister stellt nun folgende 3 Punkte fest, über 
welche Beschluß zu fassen sei: 
1) Ob die Gemeinde-Vertretung mit dem Bau einver 
standen ist. 
2) 325 000 .Mark Kosten aus der Anleihe zu ent 
nehmen. 
3) Die Ausführung des Baues der Baukommisston 
innerhalb dieser Grenzen zu übertragen. 
Zu diesem letzteren Punkte wünscht G.-V. Hendrich, daß 
alle Submissionsausschreibungen der Gemeinde-Vertretung 
zur Genehmigung vorgelegt werden sollen. G.-V. Kunow 
hält das für unmöglich, er kann auch keinen Grund darin 
finden, wenn der Betrag bewilligt und der Baukommission 
die Sachen übertragen sind, was denn die Gemeinde- 
Vertretung dann noch will. Es würden da nur Ver 
zögerungen eintreten. G.-V. Matties hält es wohl für 
möglich, daß bei rechtzeitiges Vorlegen die Gemeinde- 
Vertretersitzungen darüber Beschlüsse fassen könne, es 
müsse nur rechtzeitig in Angriff genommen werden. Der 
Herr Bürgermeister erwidert, daß sich die Sache, weil 
der Plan solange bei der kgl. Regierung lag, so verzögert 
hatte. Wir könnten dem Bauausschuß doch volles Ver 
trauen entgegenbringen und wisse auch er nicht recht, aus 
welchem Grunde noch die Gemeinde-Vertretung hinzuge 
zogen werden solle. Man wütde den Bau nur dadurch 
aufhatten. , Ä.-B. Haustein hält es ebenfalls für möglich, 
'daß.MnnÄMrechjzeitigtnAngriffEenommen und richtig dls- 
pöniett würde.'die Getneijide-Vertreiung wohl die Sachen erst 
durchberaten kann. G.-B. Schremmer stellt den Antrag, 
daß bei MrgebuNg Non Arbeiten, die einen höheren Be 
trag wie 5000 Mk. ausmachen, die Gemeinde-Vertreter 
sitzung zu fragen sei. Nachdem noch für diesen Antrag 
dieHerrenH eN)»rtch .Berger,Haust ein, undgegen denselben - 
die Herren Draeger, Kunow, Fröhlich gesprochen haben, 
wird derselbe mit 12 gegen 10 Stimmen abgelehnt, und 
hiernach die Gesamt-Vorlage angenommen. 
Der zweite Dringlichkeitsantrag betrifft die Einrichtung 
der Klassen des Gymnasiums mit elektrischem Licht. Die- 
Dringlichkeit wird auch hier anerkannt und referiert Herr: 
Schöffe Bache, daß die Installation fertig gestellt sei und 
nun für die Anlage der elektrischen Beleuchtung in den 
Klassen und für die Beleuchtungskörper, welches die Firma 
Imme & Löbener ausführen soll, der Betrag von 2300 Mark 
zu bewilligen sei, was er hiermit zum Antrag erhebt. 
Der Herr Bürgermeister erklärte noch hierzu, daß die 
jetzigen Gasarme bestehen bleiben sollen und mit zur Ver 
wendung gelangen. Zur Beleuchtung habe man 25kerzige 
Glühbirnen ausersehen. Schöffe Sadöe und G.-V. Schultz 
plaidieren für Nernstlampen. Schöffen Lichtheim, Bache 
und Draeger halten diese Lampen jedoch für nicht dauer 
haft genug. Es wird angeregt, vielleicht versuchsweise in 
einer Klasse diese Lampe unter Benutzung von Döcken- 
beleuchtung einzuführen. Der Herr Bürgermeister hält 
jedoch Glühbirnen für das Praktischste. Es werden hier 
nach dann die Mittel von 2300 Mark bewilligt und sollen 
dieselben dem Dispositionsfonds entnommen werden. 
Nachdem noch Anfragen, welche Arbeiten vom Volks 
schulbau bereits vergeben sind, beantwortet wurden, schloß 
der Herr Bürgermeister die öffentliche Sitzung. 
Allgemeines. 
sj Die Uniforme« der Exekntivbeamteu der 
ländlichen Polizeiverwaltungen werden jetzt denen der 
städtischen Polizecbeamten angepaßt. Der Kaiser hat ge 
nehmigt, daß von den Exekutivbeamten der ländlichen 
Polizeiverwaltungen Litewken und Umhänge getragen 
werden dürfen, wie solche für die städtischen Polizei 
beamten eingeführt sind. Die Uniformen der ländlichen 
Polizeibeamten unterscheiden sich von denen der städtischen 
jedoch dadurch, daß die Litewken ohne Achselklappen, 
Armelausschläge und goldene Kragentressen mit blanken 
Knöpfen hergestellt werden. Sind mehrere Beamte bei 
derselben Polizeiverwaltung vorhanden, so können die 
etwa erforderlichen Dienstnummern vorn auf beiden Seiten 
des umgelegten Kragens befestigt werden. Die Beamten 
der Polizei-Verwaltungen auf dem Lande, welchen die Ge 
nehmigung zur Ausrüstung mit der für die städtischen 
Polizei-Exekutiv beamten vorgeschriebenen Uniform erteilt 
worden ist, tragen gegebenenfalls die Litewka der städtischen 
Polizeibeamten. 
sj Konferenz der Staatsbahu - Direktions- 
Präsidenten. Im Ministerium der öffentlichen Arbeiten 
findet heute und morgen eine Konferenz statt, an der 
die Präsidenten der Preußischen Staatsbahndirektionen, 
sowie der Kaiserlichen Generaldirektion in Straßburg teil 
nehmen werden. Wie im Vorjahre, so sollen auch bei 
den diesjährigen Besprechungen wichtige Fragen des 
Eisenbahnwesens zur Erörterung gelangen und Gelegenheit 
geboten werden, die in einzelnen Direktionsbezirken 
gemachten praktischen Erfahrungen auszutauschen und zu 
beleuchten. Am Sonnabend Abend findet bei Herrn 
von Budde ein Essen statt, zu welchem, außer hier 
weilenden Direktions-Präsidenten, auch eine größere Anzahl 
von,- Ministerial-Beamten mit ihren Damen geladen ist. 
sj In der Beförderung der Luxus-Züge 
Paris (London)-Ostende-Aachen-Cöln-Hannover-Berlin-Eydt- 
kuhnen(-Petersburg) und zurück ist, wie die Königliche 
Eisenbahndirektion Hannover mitteilt, soeben eine Änderung 
eingetreten. .Danach verkehren die Luxuszüge 11 und 12 
(an Berlin, Friedrichstraße. 7.28 Vorm. bezw. ab Friedrich 
straße 11.01 Abends) ferner nicht zwei-, sondern dreimal 
in der Woche zwischen Berlin und St. Petersburg (Berlin 
ab Dienstags, Donnerstags und Sonntags, Petersburg 
an Mittwochs. Freitags und Montags, ' von Berlin nach 
Warschau Freitags, Petersburg ab Montags, Mittwochs 
und Sonnabends, Berlin an Dienstags, Donnerstags und 
Sonntags, von Warschau . nach Berlin Sonnabends). 
Zwischen Ostende-Paris und Berlin verkehren sie nach wie 
vor täglich. Die Luxuszüge führen bekanntlich nur erster 
Klasse, zu dem Fahrpreise tritt noch der Zuschlag für die 
Schlafwagen der internationalen Schlafwagen-Gesellschast. 
0 Der Eisenbahner-Ausstand in Rußland 
wirkt namentlich in Rücksicht auf den Grenz- und Durch 
gangsverkehr, noch immer störend auf den Postdienst ein. 
Das Reichspostamt sieht sich daher veranlaßt, darauf hin 
zuweisen, daß. da die Postbesörderung im Durchgänge 
durch Rußland noch nicht möglich ist, alle Briefsendungen 
nach Persien und China bis auf Weiteres auf dem See 
wege durch den Suez-Kanal zur Absendung zu bringen 
sind. Die nach Persien bestimmte Korrespondenz soll den 
Bahnposten München—Kufstein und Frankfurt—Karls 
ruhe—Basel zugeführt werden, welche direkte Brieskarten- 
schlüsse nach Buschir und Teheran über Bombay ab 
fertigen; der Weg über Konstantinopel—Trapezunt ist nur 
auf Verlangen des Absenders zur Beförderung zu benutzen. 
Briefsendungen nach Peking, Tientsin, Tongku und Tschin- 
wangtau dürfen, selbst wenn sie den Leitvermerk „über 
Rußland" tragen, bis auf Weiteres nicht mehr an die 
russische Postverwaltung ausgeliefert werden. 
Lokales. 
t Die Klage des Magistrats von Berlin gegen 
den Gemeindevoistand in Friedenau ist zu Ungunsten der 
Stadtgemeinde entschieden worden. Der Magistrat bean 
tragt den gemeinen Wert des sogenannten Sportpark 
geländes auf 1254600 M. festzusetzen. Der Kceisausschuß 
hat diesem Antrage aber nicht stattgegeben, sondern die 
Veranlagung des Gemeindevorstandes nach einem gemeinem 
Werte von 2122000 M. als richtig befunden. Inzwischen 
ist das Grundstück Mr 2875000 M. verkauft worden. 
f Dem Geheime» Oderbanrat Dr. Otto 
Sarrazin ist. wie wir in Ergänzung unserer gestrigen 
Mitteilung noch bemerken wollen^ die Oberleitung der im 
Ministerium der öffentlichen AtoeiteN erscheinenden bau- 
wissenschastlichen Zeitschriften übertragen und zwar des 
„Zentralblatts der Bauverwaltung", der „Zeitschrist für 
Bauwesen" und der „Denkmalpflege". 
Wahlergebniß. Im Wahlbezirk des Friedenauer 
Ortsteils von Schöneberg, in d?m ein Mieter und ein 
Hausbesitzer zu wählen war, wurden die Siadtverordeten 
Kanzleirat Schellack und Tunlehrer Zobel mit je 259 
Stimmen wiedergewählt; die Sozialdemokraten Obst und 
Reiche brachten es auf je 132 Stimmen. 
f Verkehrs-Verbesserung ans dem Nord-Ring. 
Die in letzter Zeit auf den Stationen des Nord-RingeS 
aufgetretene außerordentliche Verkehrssteigerung, die sich 
besonders in den Stunden des starken Arbeiter-Verkehrs 
bemerkbar macht und die darauf zurückzuführen ist, daß 
nach Beendigung der Arbeitseinstellung bei den elektrischen 
Werken die Arbeiterzahl der in der Nähe des Nord-Rings 
gelegenen Fabriken beträchtlich vergrößert worden ist, hat 
dem Vernehmen nach die Königl. Eisenbahndirektion Berlin 
veranlaßt, die Züge auf dem Nord-Ring weiter zu ver 
stärken und die baulichen Anlagen auf einigen Stationen, 
namentlich soweit sie den Ab- und Zugang vermitteln, zu 
verbessern. 
f Bei den elektrischen VersuchSfaHrte« auf der 
Strecke Nieder-Schöneweide-Spindlersfelde, so schreibt uns 
unser übe. Korrespondent, handelt es sich zunächst um die 
Prüfung verschiedener Neuerungen an den für die Ham 
burger Stadtbahn bestimmten Triebwagen. Ehe diese in 
den regelmäßigen Bahnverkehr eingestellt werden können, 
müssen an ihnen noch mancherlei Änderungen vorgenommen 
und erprobt werden. Die Versuchsfahrten werden daher 
noch einige Zeit andauern, und da die Staatsbahn- 
Verwaltung danach erst auf den Hamburg-Altonaer 
Strecken Erfahrungen zu sammeln beabsichtigt, liegt die 
Umwandlung der Berliner Stadtbahn für den elektrischen 
Betrieb noch in ziemlich weiter Ferne. Interessant ist die 
Gesamt-Anordnung der neuen elektrischen „Zugeinheit", 
wie sie für den Stadt- und Vorortbetrieb gedacht ist. Sie 
besteht aus zwei kurzgekuppelten, langen Wagen und ent 
hält drei Motoren, von denen zwei an dem.Zugende 
liegen, an welchem die Stromentnahme — durch zwei 
Bügel — erfolgt. Diese Anordnung empfahl sich, weil so 
zwei Gefahrenpunkte (der Strom in der Oberleitung hat 
bekanntlich 6000 Volt Spannung) dicht beieinander liegen. 
Der Arbeitsstrom gelangt zunächst in die Umformerkammer 
und wird von hier erst den Motoren in einer Spannung 
von 750 Volt zugeführt. Bei der Fahrt arbeiten die vorn 
und hinten befindlichen Motors gleichzeitig. Es gewährt 
nun einen eigenartigen Anblick, wenn, bei umgekehrter 
Fahrtrichtung, der Einzelmotor an der Spitze des Zuges 
läuft, während ihm die beiden Stromabnehmer die Energie 
von hinten zuführen. Auf den Betriebs-Bahnhöfen ist 
eine Stromspannung von nur 300 Volt vorgesehen, für 
welche die Triebwagen auch noch mit Rollen-Strom 
abnehmern (Trolleys) ausgerüstet sind. Die Wagen sind 
dreiachsig und so angeordnet, daß bei der Zugeinheit je 
zwei Achsen mit Drehgestell an den äußeren Enden stehen. 
Die Zugeinheit hat ein Gewicht von nicht weniger als 
71 Tonnen = 1420 Zentnern. (Bei stärkerem Verkehr 
sollen zwei und mehr Zugeinheiten aneinander gereiht 
werden.) Die Triebmaschinen sollen, bei 115 Pferdekräften, 
den Zug auf einer Fahrgeschwindigkeit von 50 Kilometern 
per Stunde erhalten können. 
f Krieger- «nd Laudwehrvereiu. Zur Feier 
des zweiten Stiftungsfestes des Vereins ehem. Kavalleristen 
zu Steglitz am Sonnabend hat der Verein eine Ein 
ladung erhallen. Der Vorstand häli es für sehr wünschens 
wert, wenn der Verein bei dieser Feier möglichst zahlreich 
vertreten wäre, da auch einige Kameraden des Friede 
nauer Kriegervereins Mitglied des festgebenden Vereins 
sind. Kameraden, die sich beteiligen wollen, werden ge 
beten, sich um 8 Uhr im „Hohenzollern" oder später im 
Festlokal „Schloßpark" einzufinden. Die Feier beginnt 
um 9 Uhr. Das Vereinsabzeichen ist anzulegen. 
f Der Evangelische Jünglingsvereiu begeht die 
Feier des Reformationsfestes am nächsten Sonntag, Abends 
8 Uhr, im Saale des Gemeindehauses. Herr Pastor Kleine 
wird einen Vortrag halten über „Das Lutherhaus zu 
Wittenberg". 
f Hohenzollern-Theater. Zum 1. Male in dieser 
Saison gibt Direktor Behle am Dienstag, den 7. November 
ein klassisches Werk unserer Bühncnliteratur, nämlich: 
Shakespeare's weltberühmtes Lustspiel, „Die bezähmte 
Widerspenstige". Bekanntlich gehört dieses Werk zu den 
schönsten unserer klassischen Literatur und werden es alle 
hiesigen Theaterfreunde gewiß dankbar anerkennen, daß 
Direktor Behle sein Repertoir auch auf solche Werke 
unser großen Klassiker ausdehnt. Es tollte niemand sich 
die Gelegenheit entgehen lassen, sich Shakespeare's herr 
liches Lustspiel „Die bezähmte Widerspenstige" anzusehen, 
bekanntlich eines der gern gesehensten und stets übervolle 
Häuser erzielenden Repertoirstücke aller deutschen Hof- und 
Stadttheater. Besondere Anziehungskraft für diese Vor 
stellung entsteht noch durch das Auftreten eines berühmten 
Gastes nämlich: Frl. Trude Mangelsdorff vom Königl. 
Schauspielhaus in Berlin, welche Herr Direktor Behle 
eigens für die äußerst schwierige Titelrolle mit großen 
Mühen und Kosten engagiert hat. Daß uns das Behle'sche 
Ensemble mit seinen ausgezeichneten Kräften auch diesmal 
einen Kunstgenuß allerersten Ranges bieten wird, darüber 
werden alle hiesigen Theaterfreunde einig sein und sicher 
auch am Dienstag das Haus bis auf den letzten Platz 
füllen. 
f Kaiser Wilhelm-Garten. Da für diesen Sonn 
abend ein Verein das abzuhaltende Vergnügen abgesagt 
hat, so veranstaltet Herr Siepert an diesem Tage eine 
Tanz-Reunion. Der Beginn ist auf Abends 8 Uhr fest 
gesetzt und ist Entree frei. Wir hoffen, daß sich diese 
Veranstaltung des besten Besuches erfreut.
        
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