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Periodical volume Nr. 257, 01.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Zu dieser Resolution äußert sich der Borstand deS 
Handel- und Gewerbevereins folgendermaßen: 
Über die der Resolution zu Grunde Uegenden Materie ist in 
fraglicher Versammlung eingehend diskutiert worden. Die Fassung 
der Resolution ist vom Vorstände im Safttage und in Gemeinschaft 
mit einer aus der Mitte der Versammlung gewählten Kommission 
vorgenommen worden. Es ist ferner der Wunsch geäußert worden, 
dem Gemeindevorstande die Bitte auszusprechen, fragt. Resolution der 
Gemeindevertretung zur Diskussion zu unterbreiten. In der Ver 
sammlung am 25. Oktober find mehrere Gemeindevcrtreter zugegen 
gewesen. Diese Herren haben die Wünsche, sowie die Suffasftng der 
Versammelten bezüglich der bisherigen Zusammensetzung der Bau- 
kommisston mit angehört. Es ist vor allem von seiten der Bau- 
intereffenten der Wui sch geäußert worden, die Zusammensetzung der 
Baukommisfionen nicht auf die Mitglieder deS GemeindevorstandeS 
und der Gemeindevertretung zu beschränken. 
-j- Berlin gegen die Vororte. Die Magistrats 
vorlage, betreffend die Einsetzung einer gemischten Depu 
tation zur Borberatung von Maßnahmen zur Abwehr 
der Forderungen der Bororte in Bezug auf Zuschuß 
leistungen auf Grund des § 53 des Kommunalabgaben- 
GesetzeS, wird die Stadtverordnetenversammlung in ihrer 
Sitzung am Donnerstag beschäftigen. 
f Bjank»Retzdorff - Stiftung Die verstorbene 
Gattin deS Rentiers Herrn W. Retzdorff hat unserer 
Gemeinde eine Stiftung von 25 000 M. vermacht. Diese 
Stiftung bezweckt die Gewährung von Mitteln und Zu- 
schüssey an Friedenauer Volksschüler und -Schülerinnen 
zur Fortbildung. Bis zu seinem Ableben verfügt noch 
Herr W. Retzdorff über daS Vermächtnis. 
f Bibelstuude. Die nächste Bibelstunde wird Herr 
Pastor Kleine am Freitag Abend 6 Uhr im Gemeinde- 
Ürchenhaufe abhalten. 
1° Breunkalender. Die Brennzeit für die Laternen 
in unserer Gemeinde ist' für den Monat November 
folgende; ») Richtlaternen vom 1.—7. B*/ 4 — 6 1 /*; 8.—9. 
5-6»/ 4 ; 10.-15. 5—61/,; 16.-19. 4»/ 4 — 6»/ 3 ? 20,-26. 
4»/ 4 —6*/ 4 ; 27.-30. 4 1 /,—7 Uhr. b) Abendlaternen 
vom 1.-7. 5 l / 4 —l s / 4 ; 8;—15. 5-1»/ 4 ; 16.-26. 4»/ 4 biS 
1«/*; 27.-30. 4 1 /,—l s / 4 Uhr. 
f Der November hat heute mit einem lächelnden 
Gesicht seinen Einzug gehalten. Tief blau und klar wölbt 
. sich der Himmel über unS und die Sonne sendet noch 
einmal ihre wärmenden Strahlen zur Erde nieder. WaS 
uns September und Oktober nicht brachten, eS scheint, 
als wollte eS der November tun. Hinaus noch einmal 
in die Natur zu wandern, noch einmal herrliche Fern- 
sichten zu genießen und unS an die Farbenpracht der 
herbstlichen Vegetation zu erfreuen, das ist, vor dem der 
Winter alles mit seiner weißen Decke einkleidet, der 
Wunsch der menschlichen Seele. Es erscheint hier nun, 
als wenn uns in letzter Stunde all dieses noch vergönnt 
fein soll. So hoffen wir denn, daß der November uns 
mit derartig prächtiger Witterung, wie sie sein erster Tag 
aufweist, noch länger treu bleibt. — Nicht so ist der Land 
mann mit einer trockenen Witterung im November zufrieden, 
wie in seinen Bauernregeln dargelegt ist. Trübe und 
regnerische Witterung hat der Landmann im November 
gern, wenigstens heißt eS in den alten Bauernregeln: Im 
November viel Naß, auf den Wiesen viel GraS. — No 
vember hell und klar, ist'S schlimm für'S nächste Jahr. — 
Gewitter können sich in diesem Monat gern noch einstellen, 
denn: Wenn im November der Donner rollt, jo wird dem Ge 
treide Lob gezollt. In der Pflanzen- und Tierwelt ist für 
den November Folgendes von Bedeutung: Haben die 
Hasen ein dickes Fell, so wird der Winter ein harter Ge 
sell. — Baumblüte spät im Jahr, stets ein gutes Zeichen 
war. — Zieht die Spinne ins Gemach, kommt gar bald 
der Winter nach. — Hocken die Hühner in Winkeln und 
Ecken, so wird bald der Winter mit Frost uns erschrecken. 
— Tummeln sich die Haselmäuse, ist's noch weit mit 
Winters Eise. — Trifft man Zippen im Waldgehege, hat's 
mit der Kälte noch gute Wege. — Doch kommen des 
Nordens Bögel an, folgt Frost und Eis schnell ihnen dann. 
— Auf die einzelnen Tage des November haben folgende 
Reimsprüche Bezug. 1. November: Wenn's zu Allerheiligen 
schneit, lege deinen Pelz bereit. — Allerheiligen Reif, 
Weihnacht weiß und steif. — Allerheiligen klar und hell, 
sitzt der Winter auf der Schwell'. — Soll der Winzer 
glücklich sein, tritt Allerheiligen Sommer ein. — Ist Aller- 
heiligen der Buchen- und Birkenspahn trocken, wir im 
Winter hinter dem Ofen hocken. Ist aber der Spahn naß 
und nicht leicht, so wird der Winter lind und feucht. — 
11. November: An Martini Sonnenschein, tritt ein kalter 
Winter ein. — Wenn um Martini Nebel sind, so wird 
der Winter meist gelind. — Wenn die Gänse Martini auf 
dem Eise steh'n, so müffen sie zu Weihnachten im Kote 
geh'n. - Martinstag trüb, macht den Winter lind und 
lieb. — Der heilige Martin, will Feuer im Kamin. — 
St. Martin setzt sich schon mit Dank, am warmen Ofen 
apf die Bank. — 19. November: St- Elisabeth sagt an, 
was der Winter für ein Mann. — 25. November: Wie's 
um Katharina, trüb oder rein, so wird der nächste Hor 
nung sein. — Katharinenwinter, Plackwinter. 
-j- Postalisches. Aus dem Leserkreise geht uns 
schonj wieder eine Klage über eine Unregelmäßigkeit seitens 
der Post zu. Der betreffende Mitbürger erhielt durch die 
Schöneberger Postanstalt dieser Tage Nachmittags 3 / 4 l Uhr ein 
Paket, das bereits einen Tag zuvor zwischen 12 und 1 Uhr 
dem Postamt 42 (Ritterstraße) übergeben war. Auf eine 
Beschwerde an das Postamt in Schöneberg, erhielt der 
Paketempfänger den Bescheid, daß die Verzögerung durch 
„starken Berkehr" eingetreten sei. Auf diese nichtssagende 
Erklärung hin hat sich unser Mitbürger nunmehr an die 
Oberpostdirektion gewandt, um dort zu ergründen, warum 
ein Paket von Berlin nach Friedenau 24 Stunden braucht. 
— Es dürfte sich empfehlen, daß sich das Publikum bei 
allen Vorkommnissen auf postalischem Gebiete, die zu Be 
schwerden Veranlaffung geben, stets direkt an die Ober 
postdirektion wendet; das hilft immer. 
-s- Jubiläum. In diesem Herbste sind es 15 Jahre 
her, daß unser Friedenauer Kircheuchor gegründet wurde. 
Auf Bitten zahlreicher Gemeindemitglieder wurde er im 
Jahre 1890 ins Leben gerufen, um zur Verschönerung 
der Gottesdienste beizutragen, die damals noch in der 
Turnhalle in der Albestraße abgehalten wurden. Herr 
Harriers-Wippern wurde von den gründenden Damen und 
Herren gebeten, die Leitung deS Chors zu übernehmen. 
Obwohl in der ersten Zeit nicht sonderlich stark, leistete der 
Chor doch Außerordentliches unter der Leitung des ge 
nannten Herni. — Herr Harriers-Wippern hat im Laufe 
der Zeit den Chox auf eine hohe Stufe der Leistungs 
fähigkeit gebracht unh sowohl durch sein liebenswürdiges 
Wesen wie durch sein energisches Amtieren als Chormeister 
es verstanden, die Mitglieder zu halten. Die Kirchen 
konzerte wie die weltlichen Konzerte des Kirchenchores 
bilden schon seit Jahren den Höhepunkt der musikalischen 
Darbietungen unseres Ortes. Wir erinnern nur an die 
Aufführung der „Schöpfung" von Haydn, sowie an den 
„Tod Jesu" von Grann, welche beiden Konzerte bei den 
Mitbürgern wohl noch in frischem Gedächtnis sind. Möge 
der Kirchenchor wie bisher so auch in Zukunft sich des 
weitgehendsten Jntereffes der Gemeinde erstellen. 
f Die neue Straßenbahnlinie Wannseebahu- 
hof Steglitz—Grunewald wird am 15. November zu 
nächst bis zu dem biologischen Institut deS Kaiserlichen 
Gesundheitsamtes, das noch ein guteS Stück über den 
botanischen Garten hinausliegt, eröffnet werden. Die 
Gleise sind jedoch bereits bis zum Dorfe Dahlem gelegt 
worden, auch stehen bis dorthin schon die Trägermasten 
zur Anbringung der Drähte. Im Dorfe, wo jetzt anstatt 
der alten holperigen Chauffee wohl gepflasterte Fahrdämme 
hergestellt werden, wird die Bahn zweigleisig um die alte 
Dorfaue herumgeführt werden. 
f Hohevzolleru-Theater. „Kyritz-Pyritz", Posse 
mit Gesang in 5 Akten von H. Willen und O. Justinius, 
war für gestern Abend auf den Theaterzettel gesetzt worden 
und hatte diese Posse auch wieder in Friedenau ihre ganze An- 
ziehungskraft ausgeübt. Ein ausverkauftes Haus zeugte 
hiervon. In unserer leichtlebigen Zeit amüsiert sich eben 
halt jeder einmal gern und wünscht nach den Bitterniffen 
des täglichen Lebens auch wieder einmal das Leben in 
seiner ganzen Fröhlichkeit dargestellt zu sehen. Ein Drama 
unserer älteren und neueren Dichter findet deshalb im 
Publikum, man möchte sagen „leider", weniger Anklang. 
Die große Maffe will etwas lustiges, estoaS leichte-, tolles, 
von Humor durchwÜrzteS vorgesetzt haben, um so den 
angespannten Nerven einmal etwas anderes zu bieten. 
Nun, alle diejenigen, denen daran gelegen war, sie fanden 
gestern im Hohenzollerntheater die beste Gelegenheit. 
„Kyritz-Pyritz" ist ein Stückchen, daS der Vergnügungslust 
seiner Zuschauer vollkommen gerecht wird. Kyritzer Männer 
„beschwindeln" ihre Frauen und dampfen nach Berlin, um 
einmal ein tolles Leben ohne die zärtliche Aufsicht des 
Ehegespans zu führen. Die Weiber erhalten jedoch „Wind" 
und gondeln nach. Im Gasthof „Zum goldenen Löwen" 
ist daS Absteigequartier. Die Frauen finden sich dort ein, 
um ihre Männer abzufaffen. Zufälligerweise treffen auch 
3 Männer von Pyritz ein, die für die Kyritzer gehalten 
werden. Der Neffe deS StadtkämmererS von Pyritz. ein 
Sekundaner, liebt die Tochter der Löwenwirtin und so 
macht auch er die Reise mit, die Männer und Frauen 
immer im Schach haltend. Die Frauen postieren sich die 
Nacht über vor das Zimmer, in denen anscheinend die 
Kyritzer untergebracht sind, sind aber erschreckt, am Morgen 
statt derer die Pyritzer anzutreffen. Sie wollen abreisen, 
jede hat aber noch für sich eine besondere Liebhaberei und 
so kommt es denn schließlich, daß noch ein Zusammen 
treffen stattfindet. Alles löst sich zum Schluß in Wohl 
gefallen auf und zurück gehts nach Kyritz bezw. Pyritz. — 
Den Hauptanteil an dem vortrefflichen Gelingen der Dar 
stellung trugen unstreitig die Soubrette Frl. Elise Gebhardt 
(Sekundaner Emil) und der ausgezeichnete Komiker Herr 
Karl Hermann (Rux) davon. Ebenso vorzüglich waren die 
Herren Alwin Cordes, Felix Meinhardt (letzterer könnte in 
der Aussprache sich ein wenig verbeffern), dann die lustigen 
Sangesbrüder von Pyritz, Herren Paul Passarge (Klobig), 
Willi Lengling (Schwefelmann), Herm. Norden (Nante). 
Auch die Damenrollen waren gut verteilt und möchten 
wir hier ganz besonders Frau Joh. Suhr (Ulrike) und 
Frl. Mia Werner (Susanna) hervorheben. Auch alle 
andern entledigten sich ihrer Rolle aufs beste, sodaß ein 
flottes Grsamtspiel erzielt wurde, das das Publikum zu 
stürmischen Beifallsbezeugungen hinriß. Nicht unerwähnt 
wollen wir aber auch die neuartige Kostümausstattung, 
in der Zeit des Biedermeierstils, lassen, die diese Posse 
noch uiehr zur Wirkung brachte. 
-f Gegen die LihrlingSvereine hat die Friedrichs 
felder Gemeindevertretung Stellung genommen. Ge 
meindevorsteher Locchert erklärte es für geradezu unerhört, 
daß Fortbildungsschüler sich zu einem Verein zusammen 
tun, um die Zustande in der Schule zu kritisieren. Im 
Orte habe man dos Abhalten von LehrlingSversamm- 
lungen verboten, auf RummelSburger Gebiet werde aber 
das Treiben fortgesktzt. Einzelne Gemeindeverordneten 
gaben dem Wunsche Ausdruck, die Polizeibehörde möge die 
ganze „Lehrlings-Vereinsmeierei", die zu nichts Gutem 
führen könnne, unterdrücken. 
t Sanitätskolonne. In den Vorstand ist als 
Beisitzer Herr Leo Schultz hinzugewählt worden. — Am 
Sonnabend, den 11. d. Mts., findet das 3. Stiftungsfest 
im „Hohenzollern" statt. Das reichhaltige Programm 
bietet Konzert, Theater und Ball. Eintrittsgeld wird von 
den Gästen nicht erhoben. 
-f Friedenauer Stenogropheuverein (Einig. 
„Stolze—Schrey"). Monatliche Hauptversammlung am 
Freitag, den 3. November, Abends 9 Uhr, im Restaurant 
„Piater", Rheinstraße 39. Tagesordnung: Aufnahme neuer 
Mitglieder. Voranschlag für das Jahr 1906. Stiftungs 
fest am 2. Dezember d. IS. Allgemeines. 
-j- Abendtisch. Herr Zitzmann, Restaurant „Roland", 
Rheinstraße 28, veranst, Itet am Sonnabend, den 4. No 
vember, in seinem Lokale einen Abendlisch, ingestolt eines 
„FricassSe-Essens". Neben einem guten „Hoppen-Päppen" 
wird Herr Zitzmann auch mit ff. Getränken aufwarten 
und ebenfalls dafür sorgen, daß es feinen Gästen nicht an 
angenehmster Unterhaltung mangele. Es ist deshalb zu 
erhoffen, daß recht viele Gäste an diesem Abend im Re 
staurant „Roland" anzutreffen sind. 
Schöneöerg. 
— Handel-gerichtliche Eintragungen. Bei 
Nr. 2789. Berliner Berkehrsbank Gesellschaft mit be 
schränkter Haftung. Durch Beschluß vom 1. Oktober 1905 
ist die Gesellschaft aufgelöst. Liquidatoren sind die bis 
herigen Geschäftsführer Kaufmann Carl Hille in Schöne 
berg, Kaufmann Franz Hille in Schöneberg. — Nr. 27 663. 
Firma Salo Schendel, Schöneberg, Inhaber Solo Schenkel, 
Kaufmann, Schöneberg. 
— Der „Neue Frauenbund de- Westens" ver 
anstaltet am Sonnabend, den 4. November, im Künstler 
hause, Bellevuestr. 3, ein Wohltättgkeitskonzert mit daran- 
schließendem Ball zum Besten einer WeihnächtSbescheerung 
armer Kinder. Eine Anzahl hervorragender Künstler, die 
Konzertsängerinnen Frau Professor Blanck-PetetS, Frau 
Sörrenfen-Klein. Großh. Braunschw. Hofopernsängerin, die 
Opernsängerin Frau Olga Orsella und die Königliche Hof 
schauspielerin Fräulein Sophie Wachner, ferner Herr 
Biolinoirtuose Richard Czerwonky, Herr Rudolf Eichhom, 
Königl. Sächs. Hofopernsänger, Herr Weissenborn, Herr 
Prof. Oskar Schubert, Herr Harfenvirtuose Kgl. Kammer 
musiker Ziegenheim, haben bereits ihre Mitwirkung zu 
gesagt und steht mithin den Besuchern deS Konzertes ein 
genußreicher Abend in Aussicht. Eintrittskarten zu 3 M. 
sind an den bekannten BerkaufSstellen zu haben. Alle- 
Nähere täglich von 12—2 Uhr im Bureau deS Derein», 
Schöneberg. Stubenrauchstr. 4 L 
Berlin und Bororte. 
8 Schwerbestrafter Leichtst»«. Ein hiesiger 
Gemeindeschul-Rektor T. wurde vor einigen Jahren 
wiederholt dabei ertappt, wie er sich während und nach 
den Schulstunden in seinem Amtszimmer mit einer 
inzwischen entlassenen Gemeindeschullehrerin E. in unziem 
licher Weise aufhielt. DaS Provinzial - Schulkollegium 
ordnete auf erstattete Anzeige hin die Einleitung eine- 
Disziplinarverfahrens an. das zur Dienstentlassung de- 
Rektors und Entziehung der Hälfte seiner Pension führte. 
DaS Staatsministerium hat diese Entscheidung de- 
DiSziplinar-GerichtShofeS bestätigt. Die Hälfte der gesetz 
mäßigen Pension hatte man dem Entlassenen zugebilligt 
in Rücksicht auf dessen 37jährige, vorwurfsfreie Amts 
führung und seine erfolgreiche Unterrichtstätigkeit. T. ver 
mochte sich indeß mit der kargen Pension nicht einzu 
richten, hatte auch wenig Erfolg in einem von ihm be 
gründeten SpedltionS- und Zigarren - Geschäft. Die 
Schuldenlast häufte sich derart, daß seine Gläubiger auf 
einen Teil seiner Pension Beschlag legen und ihn schließlich 
auch alles entbehrliche Mobiliar abpfänden ließen. Dabei 
kamen auch die von seiner Eheftau eingebrachten Sachen 
mit unter den Hammer. Bon allen Mitteln entblößt, 
starb T. in diesem Jahre im Krankenhause. Seine Ehe 
frau, die auf Witwengeld keinen Anspruch hat. hinterließ 
er in der bittersten Not. Unter Schilderung ihrer traurigen 
Lage, in die sie unverschuldet geraten, hat sich die Ärmste 
jetzt an den Magistrat um Gewähr einer Unterstützung 
gewandt. In Erwägung, daß der Verstorbene in seiner 
langjährigen Amtsführung sich nicht das geringste zu 
Schulden hat kommen lassen und daß er, bei Norgesetzten, 
wie Untergebenen selten beliebt, im Dienste der Stadt- 
gemeinde stets nur Gutes geleistet hat, will der Magistrat 
daS traurige Los der Hinterbliebenen Witwe erleichtern 
helfen und hat daher bei der Stadtverordneten-Bersammlung 
die Zubilligung einer Unterstützung befürwortet. 
8 DaS städtische Friedrichs-Gymnafinm in der 
nördlichen Friedrichstraße soll verlegt werden, zugleich mit 
der damit verbundenen Vorschule. Das Lehrerkollegium 
beider Anstalten hat nun an die Stadtverordneten-Ver- 
sammlung eine Petition gerichtet, in welcher gebeten wird, 
die Anstalten an ihrer jetzigen Stelle belassen zu wollen. 
8 Von einer „Verstadtlichung" de- Berliner 
RettungSweseuS ist in den letzten Tagen wieder viel 
die Rede gewesen. Wie von maßgebender Stelle mitge 
teilt wird, ist in den Kreisen der städtischen Verwaltung 
durchaus keine Neigung vorhanden, Weiteres zu tun, als 
einen Nachweis der in den Krankenhäusern freien Betten 
im RathauS einzuführen. Diese Maßnahme ist dadurch 
nötig geworden, daß der von der Berliner Rettungsgesell 
schaft eingerichtete Nachweis doch wohl nicht allen An 
forderungen entsprochen hat. Dagegen wird keineswegs 
beabsichtigt, die Rettungswachen, ftpfallstationen oder das 
Krankentransportwesen des Verbandes für xrfte Hilfe in 
städtische Verwaltung übssrgehxn zu lqssen, auch liegt bet 
der Mehrzahl der' beteiligten Faktoren nicht die geringste 
Neigung vor, ihre Einrichtungen der Stadt zu übergeben. 
8 Der Potsdamer Platz hat jetzt eine Verstärkung 
der elektrischen Beleuchtung erhalten. Auf der Schutzinsel 
gegenüber dem Fernbahnhof, wo sich die Uroniasäule er 
hebt, ist ein 12 Meter hoher Trägermast für eine elektr sche 
Bogenlampe errichtet worden. Diese Maßregel ist dadurch 
nötig geworden, daß die beiden in der Mitte des Platzes 
stehenden mächtigen Kandelaber ihr Licht nur in geringem 
Maße bis hierher werfen. Ferner wird südlich von der 
Schutzinsel auf dem Fahrdamm, der sich bis zum Haupt 
eingang des Fernbahnhofes hinzieht, demnächst ein 
Droschken-Halteplatz errichtet werden. Man hat zu diesem 
Zwecke den Bürgersteig, der an der Nordseite der alten 
Kirchhofsmauer liegt, um mehr als 3 l / 3 Meter verkürzt 
und das auf diese Weise gewonnene Stück zum Fahr 
damm hinzugenommen, eine Arbeit, die bereits in den 
nächsten Tagen ihr Ende erreicht haben wird. 
Wilmersdorf. Die Gemeindevertretung bewilligte 
einstimmig in ihrer Sitzung am Montag Abend auf An- 
trag der Gemeindeverwaltung den Gemeindebramten, 
-Lehrern und -Arbeitern eine einmalige Teuerungszulage 
in Höhe eines halben Monatseinkommens, damit „sie die 
schweren Tage der Teuerung der wichtigsten Lebensmittel 
überstehen können"; diese Zulage beläuft sich insgesamt 
auf 50 000 M. Der Antrag der Großen Berliner Straßen 
bahn auf Erteilung einer neuen Konzession auf die Dauer 
von 90 Jahren wurde der GemeindeverkehrSdeputqtion, 
zum Zwecke einer eingehenden Vorlage an die Versammlung, 
überwiesen; sämtliche Redner sprachen sich aber schon jetzt
        
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