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Periodical volume Nr. 254, 28.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

die Nachnahmen vielfach zurückgehen läßt. Hierdurch ent 
stehen der Gerichtskasse erhebliche Ausgaben, da sie sowohl 
die Nachnahmegebühr für die zurückgekommene Sendung, 
als auch die Einziehungsgebühr zu ersetzen hat. Aus diesem 
Grunde wird vom 1. April ab die Einziehung der Gerichts- 
kosten durch Postnachnahme gänzlich in Fortfall kommen 
und dafür eine Zentralgerichtskasse für Groß-Berlin in dem 
Landgerichtsgebäude in der Grunerstraße eingerichtet werden. 
Die Zahl der Einziehungsbeamten wird von 60 auf 90 
vermehrt, gleichzeitig aber auch den sämtlichen Gerichts 
vollziehern der Kasse das Vollstreckungsrecht übertragen 
werden. Selbständige Verwaltungen behalten nur die 
Amtsgerichtsbezirke Charlottenburg und Rixdors. 
t Ein kleines Flamm lein gibt noch Licht! 
An dieses Berschen wird man unwillkürlich erinnert, 
wenn man am Elektrizitätswerk vorbeigeht und dort von 
einer „Gas"laterne das „ewige Licht" ausstrahlen sieht. 
Soll es bitterer Hohn sein, daß diese Laterne dort in 
unmittelbarer Nähe einer elektrischen Bogenlampe Tag 
und Nacht ihr Licht spendet, oder soll etwa dieses 
„Flämmchen" unsere neue Lichtquelle erst bis zu seiner 
vollen Größe gewissermaßen hinüber „leuchten"! Oder 
will die Gasanstalt in der Abnahme von „Strom" nicht 
hinter unserem Elektrizitätswerk zurückbleiben! Wir 
fragen, wer wird uns antworten?! — Jedenfalls die 
Lampe selbst, indem ihr endlich der Odem — ausgeht! — 
f Elektrische Feueralarm Einrichtung. Das 
klingt besser, als die jetzt noch immer bei der hiesigen 
Freiwilligen Feuerwehr in Gebrauch befindlichen vorsint 
flutlichen Signalhörner. Abgesehen davon, daß diese 
Tuterei wirklich nicht mehr in unsere vorgeschrittene Zeit 
paßt, so müssen die alten Hörner schon aus dem Grunde 
verschwinden, weil diese Signale sehr oft mit den Warnungs 
rufen der Automobile verwechselt werden. Die Schuld, 
daß wir diese moderne neuzeitliche Alarmeinrichtung noch 
nicht haben, trägt aber garnicht unsere Gemeinde, denn 
diese hat schon lange hierfür 0500 Mark bewilligt. Die 
Verzögerung liegt an der Firma Siemens & Halste, die 
sich mit der Lieferung der Justallationskörper viel Zeit 
läßt. Es dürfte sich empfehlen, diese Angelegenheit mit 
mehr Dampf zu betreiben, denn genannte Firma scheint 
dem Grundsatz zu huldigen: „Gut' Ding will lang' Weile 
haben!" 
f Die Arbeiten auf dem neuen Güterbahu- 
hof Friedenau sind jetzt in der Hauptsache beendet. 
Ein Stationsgebäude wird erst später e.richtet werden, 
vorläufig nimmt die Stelle des Dienstraumes ein abgetakelter 
Güterwagen ein, der etwas herausgeputzt worden ist. Der 
Tunnel am Personenbahnhof wird in der nächsten Zeit 
erweitert werden, da ein zweites Gütergleis über ihn hin 
weggelegt werden wird. Die Einfahrt zum Güterbahnhof 
erfolgt jetzt vor dem Hause Rembrandtstraße 10, die Aus 
fahrt gegenüber der Menzelstraße. Die tägliche Entladung 
auf dem Güterbahnhof beträgt 10 Waggons, abgeladen 
werden Pflastersteine, Mauersteine, Kohlen und Heu. So 
gar Unternehmer aus Tempelhof und SUdende benutzen 
den Bahnhof für Entgegennahme ihrer Bausteine. 
t Die Hauswirte im Schöncberger Octsteil machen 
wir hierdurch aufmerksam, daß wir nun mit der Verteilung 
der Hauslisten für das „Adreßbuch für Friedenau und 
den Schöneberger Ortsteil 1906" beginnen. Wir bitten 
im allgemeinen Interesse für prompte, sorgfältige wie 
deutliche Ausfüllung besorgt sein und die Listen zur Ab 
holung bereit halten zu wollen. 
f Gelöscht ist im Handelsregister die Firma 
C L. Lind & Co. in Friedenau. 
-s In der Freien Hochschule beginnen am nächsten 
Montag, den 30. und Dienstag, den 31., folgende Vor 
lesungen: In der Aula, Ritterstr. 4/5, Montag, Abends 
9—10 Uhr, Theodor Knappstein über: „Deutsche Dichter 
der Gegenwart." Im Rathaus, Zimmer 109 (Eingang 
Jüdenstraße), Montag, Abends 9—10 Uhr, Dr. Apel über: 
„Geschichte und Entdeckung der Naturgesetze." In der 
Friedrich Werderschen Ober-Realschule, Niederwallstr. 12, 
Dienstag, abends 8—9 Uhr, Dr. Rud. Steiner über: 
„Vom Germanenstamm zum Stadtbürgertum (die Grund 
lagen der Kultur im Mittelalter)." Ebenfalls in der Friedrich 
Werderschen Ober-Realschule Dienstag, Abends 9—10 Uhr, 
—— 
wetterharten Gesichte prägte sich Entsetzen nnd Grauen aus. 
„Die Hütte der alten Fortunata ist mit allen, die darin 
waren zerschmettert." 
„Zerschmettert!" rief sic gellend aus. 
Er nickte indem er es wiederholte. „Zerschmettert, mit 
allen —!" Und dann eilte er weiter, so schnell ihn seine 
alten Fuße tragen wollten. Wo solches Granen über die 
Menschen hereinbricht, ist Reden keine Erleichterung, nur Qual. 
Aus der nächsten Bergterrasse saut Monika zu Boden, sie 
konnte nicht weiter, ihr war znm Sterben elend nnd ver- 
zweiflungsvoll zu Akute. Sie legte den .Kops ans einen Stein, 
sie meinte, die Sinne würden ihr schwinden, doch die heißen 
Tränen brachen unaufhaltsam hervor und in lautem Schluchzen 
fegte der namenlose Jammer nun alles hinweg, das sie sich 
als Bollwerk innerlich gegen die Liebe zu Steinmann auf 
gebaut. Nein, sie war nicht gebunden, sie war immer frei 
gewesen, in unfaßlicher, eigensinniger Verblendung hatte sie 
sich und ihm das Leben verbittert, seine Güte mit Undank ge 
lohnt, seine Liebe gekränkt, verletzt und ihn selbst beleidigt, ver 
wundet Erst leise, dann lauter und lauter rief sie seinen 
Namen, fügte die zärtlichsten Liebcsworte hinzu, ja bekannte 
sich selbst, wie heiß, wie innig, wie ausschließlich sie ihn liebe 
und schon lange geliebt habe. Sie schleuderte die Haube weg, 
die sie in einem letzten 'Ansinge von Trotz heute erst wieder 
aufgesetzt; dabei löste sich ihr Haar nnd sank in seiner vollen 
Pracht und Fülle über ihre Schultern. Und dann schlug sie 
wieder die Hände vor ihr Gesicht, um aufs neue in jamniernde 
Klagen auszubrechen. 
Ta berührte eine sanfte Hand ihr gebeugtes Haupt — 
„Monika!" sagte eine wohlbekannte, geliebte und noch eben 
erst so heiß ersehnte Stimme. 
Sie sprang ans. „Nieinals wieder Monika, Jsotta, nur 
Jsotta!" Mit einem lauten, glückseligen Jubclschrei warf sie 
die Arme uni den Geliebten, den Totgeglaubten und ihre 
Lippen stammelten ein heißes Dankgebet. 
„Meine Jsotta!" sagte Steinmann mit enister Innigkeit 
und zog sie an sich. Noch lag die Erschütterung des soeben 
Erlebten über ihm, aber seine Augen verrieten sein Glück, 
seine Freude über ihre Worte. 
Dr. Bruno Wille über: „Biblische Wunder und Mythen 
als Urgedanken der Weltanschauung." In der. Aula des 
Köln. Gymn., Jnselstr. 2/3, Dienstag, abends 8—l0 Uhr, 
Dr. Magnus Hirschfeld über: „Das Geschlechtsleben und 
seine Gesetze. — Programme kostenlos von Loeser L Wolfs 
und Wertheim. Karten zu allen Zyklen in den im Pro 
gramm genannten Verkaufsstellen. 
ch Friedenauer Vereinsweseu. Dasselbe findet 
auch im „Adreßbuch für Friedenau und den Schöneberger 
Ortsteil 1906" wieder seine volle Beachtung. Die Herren 
Vereinsvorstände werden daher höfl. gebeten, eventuelle 
Änderungen bezüglich der Vorstandsmitglieder, des Lokals rc. 
uns baldigst mitzuteilen, damit die neue Ausgabe in 
dieser Beziehung keine falschen Angaben enthält. 
t Die Friedenauer Vereinigung von Logen 
brüdern feierte Donnerstag, den 26. d. Mts., im 
Theatersaal des „Hohenzollern" ihr 3. Stiftungsfest. Jin 
mähren Sinne des Wortes waltete über dieser Veranstaltung 
ein glücklicher Stern — helleuchtend — erstrahlte zum 
ersten Male — die neueste Errungenschaft unseres mächtig 
emporstrebenden Ortes — das elektrische Licht über einen 
fröhlich nnd festlich gestimmten Kreis holder Frauen und 
zu gutem Tun vereinter Männer. Und was geboten wurde, 
war auch helleuchtend — ein Konzert, das in jeder 
einzelnen Numnier eine Perle war. Wir hörten zum An 
fang und als guten Schluß prächtig gewählte Sanges- 
Quartetre des rühmlichst bekannten Berliner Stern-Quartetts, 
reizende Lieder der Konzertsängerin Frl. Hedwig Zimmer, 
virtuos gespielte Vorträge der Pianistin Frl. Ella Müller 
— die auch in liebenswürdiger Weise den ganzen Be- 
gleitnngspart übernommen hatte. — Ferner die von den 
Ehrenmitgliedern der Vereinigung Herrn Kammervirtuos 
Felix Meyer und Kgl. Kammermusikers Adalbert Gülzow 
dargebrachten hochkünstlerischen Violin-Vorträge und last 
not least die zum lauten Applaus herausfordernden 
Gesangsvorträge des Baritonisten Herrn Franz Noack. — 
Es war ein Künstler-Ensemble seltener Art und dein 
Kritiker war es sehr schwer gemacht, wem er die Palme 
des Abends reichen sollte. In der Konzertpause war ein 
von dem Inhaber des „Hohenzollern", Herrn Radler, 
vortrefflich bereitetes Mahl gelegt, gewürzt in den Pausen 
durch zündende Reden auf die Damen, die Gäste und die 
Künstler — und der Tendenz der Logen-Vereinigung ent 
sprechend — zu einer Armen-Sammlung aufforderte. Die 
darauf stattgefundene Sammlung durch Töchter und Söhne 
der Vereinigung ergab ein hocherfreuliches Resultat, wobei 
bemerkl werden darf, daß die so und sonst in diesem 
Jahre gesammelten Liebesgaben speziell zur Unterstützung 
Friedenauer Bedürfligen verwandt werden sollen. Natür 
lich — und nach deutscher Sitte schloß ein Tanz dieses 
wohlgelungene Stiftungsfest — dem wir — getragen von 
seiner edlen Tendenz, der Wohltätigkeit, der Pflege von 
Kunst und von allem Guten und Schönen noch viele Jahre 
der weiteren Entwickelung wünschen. 
t Das Freie volkswirtschaftliche Seminar, 
das bisher regelmäßig von 150—180 Damen und Herren 
besucht war, beginnt seine wissenschaftlichen Abende am 
28. d. M. A. Pohlmann-Hohenaspe gibt diesmal eine 
populäre „Einführung in die Grundfragen der Volks 
wirtschaftslehre". Programme versendet kostenfrei: Damaschke, 
Lessingstraße 11. Die Sitzungen finden an jedem Sonn 
abend Abend von 8 l /s—10 Uhr in der Aula der Land 
wirtschaftlichen Hochschule, Jnvalidenstraße 42 statt. 
t Die Märkische Gesellschaft von Freunden 
der Photographie (E. V.) in Steglitz eröffnet die Reihe 
ihrer diesjährigen öffentlichen Lichtbilderabeude am Mitt 
woch, den 1. November, 8 l / 2 Uhr Abends, im Restaurant 
„Patzenhofer" in Steglitz mit dem Vortrage des Herrn 
Rittmeister Kiesling: „Eine Frühlingsfahrt durch das 
Mittel- und schwarze Meer." Der Vortragende genießt 
den Ruf eines feinsinnigen Künstlerphvtographen und an 
genehmen Plauderers, sodaß der Abend sicher ein hoch 
interessanter zu werden verspricht. 
-s Männer-Turnverein. Am Sonnabend, den 
4. November findet im „Hohenzollern" das erste dies 
jährige Wintervergnügen in Gestalt eines Kränzchens statt. 
Nach den Einladungen zu urteilen, verspricht dasselbe 
wieder einmal recht gemütlich und heiter zu werden. 
„Ja Tein, Dein für immer! Ich kann nicht leben ohne 
Dich, nimm mich hin!" 
„Und willst Du mir folgen als mein Weib; wohin es 
ei?" fragte er sie und seine Arme umschlangen sie fester, als 
ürchte er noch, sie wieder zu verlieren. 
Doch mit lauter, freudiger Stimme klang es von ihren 
Lippen: „Wohin es sei! Tein Land ist mein Land, Dein 
Volk mein Volk, ich bin Dein im Leben und im Sterben, ich 
gehöre für immer zu Dir." 
Jsotta sank an Steinmanns Brust, ihrer Heimat von 
nun an. 
♦ » 
Als die Sonne mit ihren letzten Strahlen das Kreuz auf 
der kleinen Kapelle vergoldete, verließen vier Menschen den 
Raum, wo Girolamo Laveggi noch auf seinem letzten Lager 
ruhte und den ewigen Schlaf schlief. 
Steinmann und Jsotta, Ercole und Estella hatten Ab 
schied für immer von dem Freunde genommen. Ernst und 
trauernd gingen sie zusammen nach dem Kloster hmab; in 
Estellas Augen perlten Tränen, auf Ercoles Zügen lag tiefer, 
erschütternder Schmerz. Der Verlust Girolamos traf sein 
Herz tief. 
Ein plötzliches Unwohlsein Nicolettas hatte das junge 
Paar zurückgehalten, sich Girolamo anzuschließen, sie waren 
erst mittags nach dem Bergstürze hier angelangt. Sie hatte» 
sich um die Freunde gesorgt, gebangt, für sie gezittert, sie 
dann mit Jubel begrüßt und die schwere Trauerkunde von 
ihnen vernommen. Jetzt wußten sie auch, daß Graf di Boyn 
und Villano mit der Hütte der alten Fortunata zu Grunde 
gegangen waren. 
„Gott hat sie gerichtet," sagte Steinmann tief ergriffen. 
Mit großer, rührender Freude erkannte Jsotta in der 
wunderbar schönen, strahlenden Frau die bleiche, matte Kranke, 
die wie ein Kind sprechen und lesen lernen mußte. Nur der 
innige Dank Estellas bildete die Brücke vom Einst zum Jetzt. 
Mit tief empfundenen, ernsten Worten besprachen Stein- 
mann und Ercole die Erlebnisse dieses kurzen Jahres, das so 
ereignisreich und von so eingreifenden Folgen für alle ge 
wesen war. Ercoles Dank für die tätige Hilfe Steinmanns 
Werden sowohl Damen- als auch Männer-Abteilung es 
sich wiederum nicht nehmen lassen, den Anwesenden 
turnerische Leistungen vor Augen zu führen, während die 
im Anfange d. I. gegründete Sangesriege unter der tadel 
losen Leitung ihres Dirigenten lustige Lieder zum Vortrag 
bringen und schließlich gar auch noch ein lustiger Turner 
schwank zur Erhöhung der Fröhlichkeit beitragen wird. Es 
ist somit Garantie genügend geboten, daß alle Teilnehmer 
wieder einmal ein paar frohe Stunden in diesem Verein 
verleben werden und wünschen wir dem Turnverein von 
ganzem Herzen an diesem Tage ein recht volles Haus. 
f Im Sportpark Steglitz beabsichtigt Anton Huber 
am Sonntag, den 29. Oktober, Nachmittags 3 Uhr, mehrere 
Rekordversuche zu unternehmen. Der Münchener will zu 
nächst den 500 Meter und den Kilometer-Weltrekord mit 
fliegendem Start angreifen, sodann die deutschen Zeit- 
bezw. Welt-Rekords von 1 — 10 Klm.; bei günstigem 
Resultat soll die Fahrt bis zu 20, 30, resp. 50 Klm. fort 
gesetzt werden. Huber hofft auf Gelingen seines Vorhabens, 
nachdem er am letzten Sonntag im Großen Preis von 
Berlin durch schnellen Antritt und Erlangung der Spitze 
die deutschen Wettfahr-Rekords bis zu 3 Klm. schlagen 
konnte. Zwischen den Rekord-Versuchen werden die be 
kannten Chauffeure Willi Wolff, Krüger und Cantieni zwei 
Rennen über 5 und 10 Klm. auf Rennmotoren ausfahre«. 
f Ueber den Einfluß -es Alkohols auf das 
Familienleben wird auf Veranlassung der Ortsgruppe 
des deutschen Bundes abstinenter Frauen, am Montag, 
den 30. d. Mrs., abends 8 Uhr in der Aula des Real 
gymnasiums Charlottenburg, Schillerstraße 27/32 Herr 
Dr. nied. Magnus Hirschfeld einen Vortrag halten. Jeder 
mann, Damen und Herrn sind willkommen. Eintritt 
frei. Diskussion. 
f Dr. Pafig verhaftet! Wie wir in Erfahrung 
gebracht haben, ist der hier bekannte ehemalige Redakteur 
Pr. Pafig, der vor längerer Zeit Friedenau verlassen hatte, 
verhaftet worden. P. soll sich an dem za. 17jähriaen 
Sohn des hiesigen Zahnkünstlers R. vergangen haben. 
Letzterer hat die Anzeige selbst erstattet. Vor dem Unter 
suchungsrichter streitet sowohl P., der in sehr leidendem 
Zustand vorgeführt wurde, als auch der junge R., ent 
schieden die strafbare Tat ab. Die Untersuchung wird 
jedenfalls Licht in diese dunkle Angelegenheit bringen. 
-j- Beim „Über-Otto" eingebrochen. In der 
Nacht vom Freitag zum Sonnabend wurde in der Restau 
ration „Uber-Otto", Friedenauerstraße, eingebrochen. Die 
Spitzbuben haben erst ordentlich gegessen, getrunken, und 
dann noch einen Posten Eßwaren, Getränke und Zigarren 
mitgehen heißen. Wer die nächtlichen Besucher mit dem 
guten Appetit waren, weiß bisher noch niemand. 
f Die Lysol-Affäre, bezüglich des vergifteten 
Barbiers K., über die wir gestern berichteten, hat noch ein 
mal gut geendet. Jt- kann bereits geheilt das Lichter 
felder Krankenhaus verlassen. 
Schöneöerg. 
— Vom neuen Theater. Die langwierigen Ver 
handlungen der Schöneberger Magistrats- und Stadt 
verordneten - Versammlungs - Vertreter mit den Bevoll 
mächtigten des Konservatoriums in der Theater-Kommisston 
sind nunmehr sowohl betreffs des Baues als auch der 
Verwaltung und Leitung des auf dem ^k-Platz zu er 
bauenden Schöneberger Stadttheaters soweit zum Abschluß 
gelangt, daß sie demnächst den städtischen Behörden zur 
definitiven Beschlußfassung unterbreitet werden können. 
Die endgültige Genehmigung vorausgesetzt, wird Ober 
regisseur Edmund Heineck Direktor des Theaters. Herr H. 
ist sieben Jahre hindurch als Oberregisseur im Schiller- 
Theater tätig gewesen. Bereits im nächsten Monat soll 
mit dem Bau des neuen Musentempels begonnen werden, 
sodaß er am 1. Oktober k. Js. eröffnet werden kann. Die 
Pläne sind von dem Architekten Moritz-Köln entworfen. 
Der Znschauerraum, der amphithcatralisch erbaut wird, 
soll 1380 Personen fassen. An den Seiten werden Logen 
angebracht, über denen sich die Ränge befinden. Nach 
zwanzig Jahren wird das Theater unter allen Umständen 
in den Besitz der Stadt übergehen. 
———— 
ward von dem ältern Freunde kauni angenominen, er wehrte 
ihm und versicherte, ein jeder an seiner Stelle hätte so ge 
handelt. 
„Nnd jedem wäre ich dann ebenso verpflichtet," ant- 
wartete Ercole ernst. „Nehmen Sie mir nicht das Schönste, 
das der Mensch in sich fühlt, die Empfindung eines Dankes, 
der bleibend ist und uns für immer verbinden muß. Lassen 
Sie mir das Glück, dem Lebenden auch den Dank mit ab 
zutragen, der dem Toten nicht mehr abgetragen werden kann. 
Doch sein Einfluß wird unverwischt, seine Lehren unvergessen 
bleiben. Mein Leben, meine Zukunft gehören Italien, so 
wie Girolamo es hoffte und wünschte. Ich werde sein An 
denken hoch halten, wenn ich die dunklen Mächte bekämpfe, 
die sich auch gegen einen solchen Mann wie Girolamo Laveggi 
erheben durften. Sein Andenken soll mir stets ein neuer 
Ansporn sein, und fordre ich einst Sühne für meines Vaters 
Tod, so werde ich seiner gedenken, der mich zuerst auf den 
Weg dazu hingewiesen und mir den Blick geklärt. Ihm danke 
ich das Erwachen an jenem Tage, der mich meinem Glücke 
entgegen führte." 
Mit inniger Hingabe lehnte sich Estella an ihren Ge 
mahl und so vereint, blickten sie hinab nach der Teufels 
schlucht, in der sich ihr Geschick entschieden und Ercole mit 
starkem Arme sein Glück aus dem Schatten des Todes an 
das belle Licht getragen hatte. 
Und leise schmiegte sich Jsotta an den Mann, der ihr 
einsames Leben mit Freude erfüllt, ihr Herz zu Liebe und 
Glück geweckt und es für immer unsäglich reich gemacht. 
Langsam sanken die Abendschatten nieder, der Mond 
schwebte über den Bergen und ein leises Wehen ging durch 
die dämmernde Welt. Ein Wehen, das von der Hoffnung 
auf bessere Zeiten erzählte, von dem Glauben an den endlichen 
Sieg des Rechten und Edlen, von der unergründlichen Liebe, 
die alle Härten mildert, alle Tiefen überwindet und alle 
Gegensätze ausgleicht. 
End 8,
        
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