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Periodical volume Nr. 253, 27.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

auch künstlerische Begabung eigen ist, macht sich für jede 
Firma doppelt bezahlt. Ebenfalls sind die Beleuchtungs 
anlagen zu modernisieren. Dabei ist aber zu bedenken, 
daß in der modernen elektrischen und Gasglühlicht 
beleuchtung die Waren, soweit es sich um diffizilere Artikel 
handelt, ein anderes Air erhalten, als in der nüchternen 
Tagesbeleuchtung. 
Wenn der Kaufmann dergestalt nach allen Richtungen 
in umsichtigster Weise seine Maßnahmen getroffen hat, so 
werden ihm späterhin, sobald die winterliche Hochsaison 
eingetreten ist, auch unangenehme Situationen und pein 
liche Selbstvorwürfe erspart bleiben. 
Allgemeines. 
sj Zum Eisenbahner-Ausstand in Rußland 
machte die Kgl. Eisenbahndirektion Berlin Folgendes be 
kannt:- '„Der Zugverkehr zwischen St. Petersburg und 
Wirballen ist von heute Vormittag bis auf Weiteres ein 
gestellt worden. Ob Lokalzüge von näher gelegenen 
Stationen in Wirballen eintreffen oder dorthin abfahren, 
ist noch unbestimmt. Güter-Überführungszüge von Eydt- 
kuhncn nach Wirballen und umgekehrt, verkehren bis auf 
Weiteres. Die Weichselbahnen übernehmen auf dem llber- 
gangspunkte Warschau, Ringbahn, keine Züge. Nach 
Stationen der Weichselbahnen und Hinterbahnen werden 
daher weder Güter angenommen, noch Fahrkarten ver 
kauft und Gepäck abgefertigt. Die Grenzstationen Alexan- 
drowo, Sosnowice und Granica dürfen solche Trans 
porte nicht annehmen. Die Warschau—Wiener* * Bahn 
lehnt die Verantwortung für rechtzeitige Lieferung der 
Güter bis auf Weiteres ab! — Infolge Eissperre auf dem 
Flusse Oku lehnt die Moskau—Kasaner-Bahn die Weiter 
beförderung von Gütern nach Rischni—Nowgorod und den 
dahintergelegrnen Stationen ab; derartige Güter werden 
bis auf Weiteres nicht angenommen." — Infolge der um 
fangreichen Verkehrsbeschränkungen der beteiligten Eisen 
bahn-Verwaltungen sind zahlreiche Reisende, die nach 
Rußland müffen, in arge-Verlegenheit versetzt wordem 
In die amtlichen Reise- und Verkehrsbüros, die sie um 
Rat angehen, konnte ihnen heute nur gesagt werden, daß 
sie von hier bis Eydtkuhnen und Wirballen, vielleicht auch 
noch darüber hinaus nach russischen Stationen, jedenfalls 
aber nicht bis St. Petersburg kommen; noch fraglicher er 
scheine, ob sie dann von Rußland überhaupt zurück 
gelangen können. Man verwies sie auf die Dampfer- 
Verbindungen zwischen Lübeck bezw. Stettin und Reval, 
St. Petersburg, Riga, Libau rc., auf welche die Ausstands 
bewegung in Rußland keinen Einfluß ausübt. 
Lokales. 
ch Neubau der 2. Gemeindeschule. Die Erk 
und Maurerarbeiten für den Neubau der Gemeindeschule 
in der Rheingaustraße sollen in öffentlicher Ausschreibung 
vergeben werden. Die Eröffnung der Angebote erfolgt 
am 30. Oktober, Vormittags 10 Uhr, im Baubüro des 
Armenhauses, Laubacherstraße. 
t Elektrische Straßenbeleuchtung. Von der 
Fabrik sind jetzt auch endlich die Masten eingetroffen. 
Herr Ingenieur Koeltec hatte alle..Mühe angewandt, 
um früher in den Besitz dieser Masten zu gelangen, 
doch erfolglos, da die Fabriken mit Arbeiten überhäuft 
sind. Mit der Aufstellung dieser Masten wird nun 
morgen begonnen werden und steht zu erhoffen, daß 
unsere Straßen in kurzer Zeit im elektrischen Lichte 
erstrahlen. 
ch Schulsparkafse. In das Kuratorium der Spar 
asse unserer Gemeindeschule ist Herr Architekt Gustav 
Graßmann hinzugewählt worden. 
ch Elternabende. Der erste diesjährige Eltern 
abend, seitens unserer Gemeindeschule, findet am 
20. Dezember er. statt. 
ch Die Nosettenfrage an den Häusern zur 
elektrischen Straßenbeleuchtung scheint jetzt bald ihre 
Erledigung zu finden, indem nur noch vier Hauswirte 
sich ablehnend verhalten. Von diesen vier Herren werden 
noch zwei zu bekehren sein, während der Herr mit der 
Jalousie und einer, weil ihm vor mehreren Jahren ein 
hoher Steuerbetrag nicht zurückgezahlt werden konnte, da 
er s. Z. vergessen hatte, zu reklamieren, wohl nicht für die 
Sache der Allgemeinheit zu haben sein werden. DieGemeinde 
hätte über zwei Drittel der gleichfalls zuviel gezahlten 
Einkommen- und Kreissteuern aus den eigenen Steuern 
zusetzen müssen. 
Mit einem lauten Schrei sprang die "Alte auf, schwankte, fiel 
wieder zu Boden und blieb leise, wimmernd zu Füßen Stein 
manns liegen, der verwirrt, betäubt von einem plötzlichen 
Donnern und Prasseln ringsumher, geblendet von einer dichten 
Staubwolke, die ihn umgab, vergeblich nach einem Halt suchte. 
Nicht imstande, sich aufrecht zu halten, sank er halb willenlos 
neben Fortunata in die Knie. Er glaubte, die Besinnung zu 
verlieren, meinte, ihm schwindle, als er Bäume und Busche 
.neben sich in die Tiefe gierten sah, ihm war, als müsse er 
ersticken, sein Athein stockte, es ward dunkel. Die Luft 
sich das alte Weib sonst nicht, eine besondere Veranlassuirg 
mußte vorliegen. Steinmann dachte an den Grafen; eine große 
Angst regte sich in ihm. Was wollte die Alte so weit von 
ihrer Hütte, wohin lenkte sie ihre Schritte? . . . 
Jetzt hatte auch sie ihn gesehen und nickte, die Hand aus 
streckend und mit den steinen rotgeränderten Augen blinzelnd. 
„Ich konnte sie in der Nacht ganz hindurchstecken, da wußte 
ich, es war Zeit für mich." 
Er verstand nicht, was sie damit meinte. „Ist der kranke 
Mann noch inr Hause?" 
„Wird nie wieder herauskommen." Sielachte, murmelte und 
nickte, bis ihr graues Haar über ihr runzliges, braunes Gesicht 
fiel. „Der andere auch nicht, der Teufel holt sie beide. Aber 
Lippone ist gerettet, den habe ich gewarnt. Braucht auch 
nichts mehr zu tun, der Satan macht es ohne ihn fertig. 
Ter Satan und der alte Pietro." 
„Wo ist Lippone und was hat Pietro dabei zu tun?" 
Steinmann ahnte neues Unheil. Sie lachte nur, nickte und 
schlug mit der zitternden welken Hand gegen den Erdboden. 
„Wird schon kommen, der Teufel, und sie alle holen. Lippone 
glaubte der Alten, ihm geschieht nichts. Bei Tagesanbruch 
machte ich mich auf, bin aber alt, kanr langsam vorwärts. 
Horcht, was ist das! Ha, jetzt, jetzt konimt er!" 
f Zwei neue Vorortzüge verkehren von heute 
ab bis einschließlich 31. Dezember d. Js. auf der Strecke 
Berlin-Potsdamer Fernbahnhof-Wildpark und zwar in 
folgendem Fahrplan: ab Berlin, Potsdamer Fernbahnhof 
Abends 7 Uhr. an Wildpark 7.41 Abends; ab Wildpark 
8.08 Abends, an Berlin, Potsdamer Fernbahnhof, 8.50 
Abends. Beide Züge halten unterwegs nur auf den 
Stationen Neubabelsberg, Potsdam und Charlottenhof. 
t Ein neues Einfalltor zum Grunewald 
wird mit der Eröffnung der neuen Grunewaldbahn über 
Dahlem-Steglitz im November geschaffen und ermöglicht 
den Berlinern auch im Winter den Besuch des Grune- 
walds in bequemer Weise. Vom Wannseebahnhof Berlin 
bis Bahnhof Steglitz mit der Eisenbahn, von hier mit der 
neuen Bahn bis ans Wildgatter, erreicht man in 25 Min. 
den Wald ohne sich anzustrengen für 20 Pfennig und 
kann durch die schönsten Grunewaldteile in einer knappen 
halben Stunde Onkel Tomshütte, Paulsborn, Jagdschloß 
Grunewald erreichen. Die neue Bahn kommt der Be 
quemlichkeit des Großstädters auf das äußerste entgegen. 
ch Reformatiousfest. Vom Parochialverein ver 
anstaltet, findet am Montag, den 30. Oktober, Abends 
8 Uhr, im Saale des „Hvhenzollern" die Feier des 
Reformationsfestes statt. Das Programm weist neben 
Konzerlpiecen und gemeinschaftlichen Gesängen einen Vor 
trag des St.Lehrer Herrn Steinmüller über: „Bilder aus 
der märkischen Reformation — Spiegelbilder unserer Zeit", 
auf. Die Vortragsfolge finden unsere Leser im Inseraten 
teil der morgige» Nummer unseres Blattes. Der Eintritt 
zu der Feier ist frei und sind Gäste willkommen. Eben 
falls werden Anmeldungen zum Beitritt in den Verein 
am Vorstandslisch entgegengenommen. 
f Der Zweigverein des evangelischen Bundes 
zu Schöneberg ladet zum Sonntag, den 29. Oktober, 
Vormittags 10 Uhr, zur kirchlichen Feier seines Jahres 
festes in der Nathanaelkirche zu Schöneberg (Rubensstraße) 
alle evangelischen Männer und Frauen von Schöneberg 
und der Nachbarschaft ein. Die Festpredigt hält Herr 
Pfarrer Lic- Dr. Becker. Der Kirchenchor der Nathanael 
kirche unter Leitung des Herrn Musikdirektors Werner hat 
seine Mitwirkung zugesagt. 
f Freiwillige Feuerwehr. Ihr 23. Stiftungsfest 
feiert, wie schon berichtet, die hiesige Freiwillige Feuerwehr 
am Sonnabend, den 28. Oktober, im Saale des „Hohen- 
zollern". Während des Festessens, das um 9 Uhr Abends 
beginnt und zu dem das Gedeck 1,25 M. kostet, werden 
Ansprachen des Oberführers und des Vorsitzenden gehalten 
und die Dienstauszeichnungen verteilt werden; in der 
Kaffeepause werden von den Mannschaften Bilder aus dem 
Feuerwehrleben gestellt. Die Tafel- und Ballmusik wird 
ausgeführt von der Kapelle des Jerrn C. Göldner aus 
Berlin. Da diesmal an die passiven Mitglieder keine 
besonderen Einladungen geschickt worden sind, erlauben 
sich der Vorstand und das aktive Korps, die geehrten 
Vereinsmitglieder auf diesem Wege nochmals herzlich zu 
dem Feste einzuladen. Möchten doch recht viele Freunde 
unserer wackeren Feuerwehr durch ihr Erscheinen bekunden, 
daß das Jntereffe für dieses notwendige und segensreiche 
Institut in unserer Bürgerschaft noch lebendig ist! 
f Mäuner-Turnverein. Am Sonnabend, den 
4. November, veranstaltet der Verein im „Hohenzollern" 
sein erstes Winter-Vergnügen in diesem Jahre in Gestalt 
eines Kränzchens. Fröhliche Lieder, humoristische Vor 
träge rc. werden jeden Teilnehmer angenehm unterhalten 
und Terpsichore dafür sorgen, daß die Stunden gar zu 
schnell verfließen. 
f Hohenzollern-Theater. Eine höchst interessante 
und originelle Ausführung veranstaltet Direktor Behle am 
Dienstag, den 31. Oktober. Es wird nämlich die alte 
berühmte Poffe „Kyritz-Pyritz" von Willens neueinstudiert 
in Szene gehen. Im Sommer d. I. hat das Lustspiel 
haus in Berlin mit dieser humorvollsten und lustigsten 
aller Possen einen geradezu glänzenden Erfolg erzielt, 
denn mehr als 100 Mal hintereinander fand das amüsante 
Stück vor ausverkauften Häusern den denkbar größten 
Beifall und genau nach dieser Aufführung in Berlin hat 
Direktor Behle das Stück in Szene gesetzt. Das 
Jntereffante an dieser Vorstellung wird nämlich, daß diese 
unverwüstliche Posse mit vollständig neuer Kostüm- 
ausstattung aus der Biedermeier - Zeit zur Aufführung 
gelangt. Die urkomische Krinoline, die Korkzieherlöckchen, 
die Haubenhüie, die altväterischen hohen Zylinder, die 
Vatermörder, überhaupt die ganzen Biedermeierkostllme 
ward nach und nach wieder klarer, er konnte Atem holen 
und kam zu sich. Das Wimmern der Alten war verstummt... 
Endlich erhob sich Steinmann und sah sich um. Er rieb 
sich die Augen. — War es möglich! Ein Bild der Ver 
wüstung ringsumher. Der Pfad war verschwunden, durch 
über einander getürmte, machtvolle Blöcke verschüttet, kräftige 
hohe Bäume ivie schwache Ruten geknickt, und als er sich zwei 
Schritte weiter vorgearbeitet, sah Steinmann das Meer in 
einer niächtigen, brausenden Woge Heranrollen, die Schiffe 
wie Nußschalen empor schleudern und im Zurückweichen ver 
nichten, ivas noch zu vernichten war, was der Bergsturz noch 
nicht zertrümmert und hinab gestürzt hatte. 
Erschüttert sank Steinmann auf einen Stein nieder. 
War das entsetzliche Naturereignis zu Ende oder hatten sie 
noch weiteres zu befürchten? Und wohin sich wenden, wo 
Rettung suchen! ... Es blieb jetzt still, es schien vorbei. . . . 
Erst nach längerer Zeit hatte er den entsetzlichen Eindruck so 
iveit überwunden, um sich den 'grausigen Vorgang zu erklären. 
Ein Bergsturz. . . . Tie Felsblöckc auf dem Wege waren die 
Vorboten gewesen, und vielleicht hatte das alte Weib das 
Unglück geahnt, wie manche Tiere es tun, deshalb Lippone 
gewarnt und selbst ihre Hütte verlassen. 
Steinmann sah sich'nach Fortunata um. Sie lag noch 
ebenso regungslos da. Erschreckt bückte er sich zu ihr nieder. 
Die Augen waren geschlossen, der Atem stand still, das Herz 
hatte ansgehört zu schlagen. Sie war an dem Schrecken, dem 
sie hatte entfliehen wollen, gestorben. Beschädigt war sie nicht. 
Von allen Seiten waren sie von Felsen und Erdmassen 
umgeben, die Gottes allmächtige Hand so gnädig gelenkt, daß 
auch Steinmann nicht getroffen war. Noch einmal beugte er 
seine Knie, überwältigt von einer so barmherzigen Fügung, 
i deren er sich so unwert fühlte. ... 
1 Aber wie jetzt weiter kommen? Hinauf oder hinab war 
geben ein unwiderstehliches, komisch-altväterliches Bühnen 
bild, wodurch der Reiz der stets so gern gesehenen, 
geradezu klassischen Poffe noch erhöht wird. Eine 
besondere Anziehungskraft dieser Aufführung wird noch 
dadurch entstehen, daß der von voriger Saison hier so 
beliebte Komiker Herr Hermann Norden wieder auftreten 
wird und zwar in der urkomischen Rolle des Nauke. 
Kein Freund gesunden Humors sollte versäumen, sich 
„Kyritz-Pyritz" anzusehen. Die alte, aber urkomische 
Poffe wird jeden Besucher köstlich amüsieren. Wir ver 
weisen noch auf die Kostümbilderausstellung im Schau 
fenster unserer Geschäftsstelle, Rheinstraße. 
f Führmann * Walde - Säuger. Unwiderruflich 
zum letzten Male in diesem Jahre werden die beliebten 
Sänger im „Kaiser Wilhelm-Garten" morgen Abend auf 
treten. Leider ist es nicht mehr möglich, daß sie uns in 
diesem Jahre mit ihren fröhlichen Aufführungen erfreuen, 
da der Saal nun jeden Sonnabend mit anderen Ver 
anstaltungen besetzt ist. So werden wir morgen noch 
einmal gern ihren munteren Gesängen rc. lauschen und 
ihnen ein frohes Wiedersehen im nächsten Sommer zurufen. 
f Schlachtfest findet morgen Sonnabend, den 
28. d. Mts., im Restaurant „Bellevue", Handjerystraße 77, 
statt. Die vorzüglichsten Speisen werden aufgetischt, sowie 
Weine und Biere bei aufmerksamster Bedienung serviert. 
Für Unterhaltung der Schlachtfest-Teilnehmer ist bestens 
gesorgt, es ist also ein vergnügter Abend zu erwarten, so- 
daß die Bemühungen des Wirtes, Herrn Schieschan, durch 
reichen Zuspruch belohnt zu werden verdienen. 
f Vom Schlaganfall betroffen wurde am Montag 
Mittag im Eisenbahnzuge zwischen Schlachtensee und 
Nikolassee eine ältere Dame. Der Zug hielt und die 
Unbekannte wurde vorläufig in eine Wärterbude getragen. 
f Vergiftet. Der bei Herrn Bethge. Kirchstraße 18, 
beschäftigte Barbiergehilfe Krumey suchte sich gestern Nach 
mittag 4 Uhr im Restaurant von Laue, Handjerystr. 60/61, 
mittels Lysol zu vergiften. Nachdem er das Gift zu sich 
genommen, zeigte er noch Fröhlichkeit und sang das Lied: 
„Was nützet mir ein schönes Mädchen" usw., dieses wohl 
aus Ironie, weil ihm seine Braut, die am Vormittag aus 
Charlottenburg zum Besuch bei ihm weilte, kein Geld ge 
liehen hatte. Krumey wird als ein sehr leichtsinniger 
Charakter geschildert. Herr Sanitätsrat Dr. Beutin leistete 
die erste Hilfe und pumpte den Magen aus. Von Herrn 
Polizeiwachtmeister Meier wurde alsdann die Überführung 
des Selbstmordkandidaten ins Lichterfelder Kreiskrankenhaus 
angeordnet, doch erscheint eS zweifelhaft, ihm am Leben zu 
erhalten. 
f Polizeibericht. Als gefunden sind hier ange 
meldet worden: 1 Peitsche und als zugelaufen ein Jagd 
hund. Die rechtmäßigen Eigentümer vorbenannter Gegen 
stände werden aufgefordert, ihre Ansprüche binnen drei 
Monaten im hiesigen Anitsbüro, Feurigstraße 8, Zimmer 
Nr. 26, geltend zu machen, widrigenfalls anderweit über 
die Fundobjekte verfügt werden wird. 
Schöneöerg. 
— Der zweite volkstümliche Kunstabeud im 
„Hohenzollern - Gymnasium" findet am Sonntag, den 
5. November cr. statt. Auf dem Programm steht Gorki- 
Abend und russische Musik (Volkslieder). 
— Der Entwurf eines neuen Lehrplanes für 
die Genieindeschulen, welcher auf der 7 stufigen Gemeinde 
schule aufgebaut ist und sich im großen und ganzen an den 
Lehrplan der Berliner Gemeindeschulen angliedert, liegt 
augenblicklich unserer Schuldeputaiion vor. Der Entwurf 
ist bereits von dem Kreisschul-Juspektor und den Rektoren 
unserer Schulen in gemeinschaftlicher Sitzung durchberaten 
und nach einigen kleinen Abänderungen von diesen gut 
geheißen worden. 
— Zwangsversteigerungsergebnis. Monumenten- 
straße 37 in Schöneberg, dem Malermeister Theodor Lenz, 
hier, gehörig. 12,60 Ar. Nutzungswert 16 200 M. Mit 
dem Gebot von 201 000 M. blieben die Kaufleute Beruh, 
und Paul Engel, Klopstockstraße 15 bezw. Händelstraße 2, 
Meistbietende. 
— Firmeneintragnng. Nr. 27 617. Offene 
Handelsgesellschaft: Chr. Becker & Söhne, Schöneberg, und 
als Gesellschafter die Tischler zu Schöneberg Christoph 
Becker, Paul Becker und Gustav Becker. Die Gesellschaft 
hat am 27. September 1905 begonnen. 
gleich schwierig/ denn hart vor ihm gähnte der Abgrund. Es 
blieb nur die Möglichkeit, durch Uebcrklettern der Fels- und 
Erdniassen einen Ausweg aus diesen! ringsumher aufgetürmte« 
Walle zu erzwingen. 
* * 
* 
Monika hatte Steinmann weggehen hören. Sie sank auf 
einen Stuhl in der Eingangshalle. Eine rics-ngroße Angst, 
ein namenloses Bangen bedruckte ihre Brust. Wenn man jetzt 
auch ihm etwas antäte! Eine Woge grauenhaftester Vor 
stellungen, durch ihre erregte Fantasie noch entsetzlicher ge- 
macht, brach über sie herein. Schaudernd schlug sie ihre 
Hände vor die Augen und stöhnte laut. Hier sitzen sollen, 
warten, bis man ihn sterbend oder vielleicht schon todt herein 
brachte. . . . Einmal hatte ihn Pietro behütet, ihn durch sie 
gewarnt. Ein zweites Mal — O, sie durfte es nicht hoffen, 
und dann — 
Sie lief in entsetzlichster Aufregung auf und ab, eine 
Beute schrecklicher Ahnungen. Ter Gedanke an Girolamo 
Lavcggi tauchte wieder auf. Wie gut war er immer geivcsen 
gegen sie, gegen alle gewesen, er hatte keinen Feind gehabt, 
nein, er hätte keinen haben dürfen. Ein Grauen durchbebte 
sie bei der Möglichkeit, seine Mörder vielleicht zu kennen. 
Nein, sie konnte nicht länger hier sitzen bleiben, sie mußte 
hinaus, mußte Steinmann zu schützen, zu verteidigen versuchen! 
Sie rüttelte an dem Tore, cs war stark und fest, ihre kleinen 
Hände waren viel zu schivach, um es zu eiffchüttern. Und 
was konnte sie denn tun, wenn sie draußen war? Mit solchen 
geringen Kräften? . . . Monika brach in bittere Tränen aus. 
So machtlos, so unnütz; so unwert all' seiner Güte, seiner 
Sorgfalt! .... Aber, konnte sie ihm auch nicht helfen, ihn 
nicht schützen, so doch sein Schicksal teilen. . . . 
(Schluß folgt.)
        
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