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Periodical volume Nr. 252, 26.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Mgemeines. 
Q Seßhafte Speisewagen-Gäste. Es wird viel 
fach darüber geklagt, daß Reisende sich ungebührlich lange 
in den Speisewagen der Eisenbahnzüge aufhalten und es 
dadurch den später kommenden Fahrgästen oft unmöglich 
machen, diese Wagen ihrem Zweck entsprechend benutzen 
zu können. Wo sich derartige Mißstände zeigen, ist die 
Eisenbahnverwaltung genötigt, im Interesse des reisenden 
Publikums einzuschreiten. Die Speisewagen dienen lediglich 
für den vorübergehenden Aufenthalt Reisender zur Ein 
nahme von Speisen und Getränken, nicht aber kann ein 
Verweilen für eine längere Zeit, als es d'eser Zweck 
erfordert, für statthaft erachtet werden. Die Zugbeamten 
und Bediensteten der Wirtschaftsunternehmer sind daher 
angewiesen, solche Reisende, die länger in den Speise 
wagen verweilen, als es nach Lage der Umstände ange 
messen erscheint, aufzufordern, ihre Plätze in den Personen 
wagen wieder einzunehmen. Zur Vermeidung ein 
schneidender Maßnahmen der Eisenbahnverwaltung liegt 
es im eigenen Interesse des Publikums, den Aufenthalt 
im Speisewagen nicht ungebührlich auszudehnen. Außer 
dem sollte doch der Gesättigte schon aus Nächstenliebe 
nicht noch stundenlang am Tische sitzen bleiben und den 
Mitreisenden, die gleichfalls ihren Hunger stillen wollen, 
den Plaß vorenthalten. 
Lokales. 
-f Die Neuwahl eines Stadtverordneten für die 
2. Abteilung des 9. Bezirks (Friedenauer Ortkteil) findet 
am 4. November cr. statt. 
f Zur Beerdigung des Sohnes Richard des Maurer 
meisters Herrn Colosser, über die wir gestern berichteten, 
tragen wir hiermit noch nach, daß die inhaltsreiche Gedenk 
rede Herr Pastor Dr. Becker von der hiesigen Nathanael- 
kirche gehalten hat. 
f- Handels» und Gewerbeverein. In der gestern 
Abend im „Hohenzollern" abgehaltenen ordentlichen 
Monatsversammlung machte der Vorsitzende zunächst 
folgende Mitteilungen: Von Herrn Rektor Hannemann 
ist auf das vom Verein zu besten 10 jähriger Tätigkeit 
an der Gemeindeschule eingereichte Glückwunschschreiben 
ein Dankschreiben zugesandt, in welchem er u. A. seinen 
besonderen Dank ausspricht für die Unterstützung, die der 
Verein der Fortbildungsschule angedeihen läßt. Ferner ist 
von der freiwilligen Feuerwehr eine Einladung zu deren 
Stiftungsfest am 28. Oktober eingelaufen und empfahl 
der Vorsitzende, daß sich die Mitglieder an diesem Fest 
recht rege beteiligen mögen. Von dem Gemeindevorstande 
ist auf den Antrag des Vereins, betreffend Erbauung einer 
Dolksbadeanstalt, das Antwortschreiben zugegangen. (Wir 
haben dasselbe im „Friedenauer Lokalanzeiger" in Nr. 246 
bereits veröffentlicht. D. Red.) Herr Kurt, der s. Zt. 
einen Vortrag über Buchführung gehalten hat, übermittelte 
dem Verein ein Schreiben, indem er Interessenten für seine 
Buchführung bittet, mit ihm in Verbindung zu treten, der 
Herr Vorsitzende erklärt sich bereit, Anmeldungen ent 
gegenzunehmen. An der heutigen Versammlung nicht 
teilnehmen zu können, haben sich die Herren Sadse und 
Homuth entschuldigt. Nach Genehmigung des Protokolls 
wurde Herr Unger als neues Mitglied aufgenommen. 
Nunmehr kam man zu Punkt 3 der Tagesordnung: Ver 
änderung der Sonntagsruhe. Der Vorsitzende gibt bekannt, 
daß vom Konsistorium an die königl. Regierung ein 
Antrag eingereicht sei, in dem die Geschäftsinhaber auf 
gefordert werden sollen, 1 j 2 Stunde vor Beginn deF 
Gottesdienstes bereits die Läden zu schließen, damit die 
Angestellten noch zum Kirchgang sich umkleiden können. 
Von der Regierung sind nun die Handelskammern und 
von diesen die Gemeindevertretungen aufgefordert worden, 
sich in dieser Sache zu äußern und so hat auch die hiesige 
Gemeindevertretung an den Verein das Ersuchen gestellt, 
seine Meinung abzugeben. Der Vorsitzende bemerkt, daß 
die Handelskammer zu Potsdam beschlosten habe, zu 
antworten, daß die Öffnung der Läden am Sonntag für 
sämtliche Ortschaften eine gleiche sein solle und empfiehlt 
sich da die Zeit von 8—10 und von 12—2 Uhr. Es 
solle das Konsistorium dann gebeten werden, den Gottes 
dienst 1 / 2 Stunde später beginnen zu lassen. Nachdem 
noch von einer Seite für Einführung des Frühgottesdienstes 
und Verlegung der Öffnungsstunden von 9—12 Uhr 
plädiert wurde, beschloß die Versammlung, dem ersteren 
Antrage der Handelskammer Potsdam zuzustimmen. — 
Man kam nun zum wichtigsten Punkt der Tagesordnung: 
Schaffung eines kommunalen Bauamts. Herr 
Graßmann führt an, daß vor 4—5 Monaten bereits ein 
derartiger Antrag ausgearbeitet war, doch mit der Über 
reichung an den Gemeindevorstand gezögert wurde, da 
man annahm, man könnte dadurch die jetzigen Leiter ver 
letzen. Heute stehe die Sache jedoch günstiger, da Herr 
Regierungsbaumeister Kriesmann seine Stellung gekündigt 
und die Wahlperiode des Herrn Draeger abgelaufen sei, 
man könne heute also ruhig zu dem Beschluß kommen, 
ohne welche persönlichen Interessen zu verletzen. Ein 
kommunales Bauamt sei aber Bedürfnis, denn jetzt wüßte 
man nicht, an wen man sich zu wenden habe, entweder 
trifft man einen von den im Bauausschuß befindlichen 
Herren an, oder man trifft niemand an, oder man 
kommt zu ungelegener Sprechzeit. Man wisse also nicht, 
wohin man sich wenden solle. Man wird Einwendungen 
wegen der Kosten machen, doch glaube er, wenn kleinere 
Orte sich ein Bauamt leisten können, Friedenau, es erst 
recht kann. Es liegen jetzt viele kommunale Bauten vor: 
Volksschule, Rathaus, Badeanstalt rc. und fehle doch jetzt 
die Oberleitung, ebenfalls bei Abnahme von privaten 
Bauten. Herr Ruhemann erwidert hierauf, daß er hier 
als Gast anwesend sei und er sich nicht recht klar wurde, 
ob ein Bauamt oder ein Baupolizeiamt gewünscht 
werde, er sehe nun aber, daß man vor allem ein Bau 
polizeiamt sich wünsche. Bisher wurden die Revisionen 
vom Gemeindeoorstand ausgeführt, wenn sich nun in letzter 
Zeit hierin Unzuträglichkeiten herausgestellt hätten, so 
müsse man der Sache auf den Grund gehen und erforschen, 
warum. Für die Handels- und Gewerbetreibenden erachte 
er ein Baupolizeiamt wichtiger, denn ein Bauamt. Er 
möchte auch hören, wie sich die Gemeindevertreter in dieser 
Angelegenheit äußern. Der Herr Vorsitzende gibt an, 
daß er hier nur als Vereinsmitglied spreche, in der 
Gemeindevertreter-Sitzung wäre die Frage noch nicht 
erörtert worden. In Interessentenkreisen ist man aber 
allgemein der Ansicht, daß die Verwaltung der Bau 
geschäfte jetzt eine sehr unvollständige sei. Es wird alles 
in der alten Gemütlichkeit erledigt, wenn man eben keinen 
von den Herren antrifft, so geht man eben wieder, man 
kann auch erleben, daß man so en passant auf dem 
Korridor abgefertigt wird. Die Herren haben ja ihr Bestes 
für die Sache gewidmet. Nun aber Herr Kriesmann 
gekündigt habe, müsse man die Sache angreifen und 
Wandel schaffen. Damit nun die Bürgerschaft sehe, was 
gewünscht wird, habe man den Punkt auf die heutige 
Tagesordnung gesetzt, um eine Aussprache herbeizuführen. 
Auf Bauamt und Baupolizeianit komme es hier nicht an. 
Für die gesteigerte Bautätigkeit in Friedenau müsse man 
eben einen tüchtigen Oberleiter, einen sogenannten verant 
wortlichen Redakteur, für kommunale und private Bauten 
haben, und an der Tatsache solle festgehalten und Be 
schluß gefaßt werden. Herr Rechtsanwalt Uhlenbrock 
wünscht festgestellt zu wissen, ob ein Tief- oder ein Hoch 
baumeister angestellt werde» solle, er glaube auch, daß der 
Herr dann nicht alles ausführen könne. Herr Schölzel 
bemerkt, daß die einzelnen Arbeiten wie auch jetzt an 
Unternehmer zu vergeben seien, der Baumeister solle eben 
nur die Oberleitung über alles haben. — Wegen Hoch- 
und Tiesdauamt ist man allgemein der Ansicht, daß ein 
Hochbauami doch wohl vorzugsweise in Frage komme. 
An der weiteren Debatte beteiligten sich dann noch die 
Herren Borrmann, Uhlenbrock, Schölzel, Haustein, 
Fechner, Ruhemann, Graß mann, Gerken, Wolgien 
und wurde das jetzt herrschende System im hiesigen kom 
munalen Bauwesen lebhaft besprochen und verurteilt. 
Ganz besonders wurde die größte Verwunderung aus 
gesprochen, daß der Gemeindevorstand davon in Unkenntnis 
sei, daß der von der Gemeinde besoldete Bautechniker, in 
dessen Vertrag die Beteiligung an privaten Unter 
nehmungen ausgeschlossen ist, noch nebenbei eine Stelle 
zur Beaufsichtigung von Bauten bei der Schöneberger 
Genossenschaftsbank inne habe, die ihm 1500 M. ein 
bringe. Man wolle hier nicht die Person angreifen, 
sondern nur das System geißeln. Es wurde allgemein 
anerkannt, daß die Gemeinde in ihrem Techniker eine aus 
gezeichnete Kraft besitze. Aus alledem gehe hervor, daß 
die Schaffung eines kommunalen Bauamts oder die An 
stellung eines besoldeten Bauschöffen unbedingt erforderlich 
sei. Um einen diesbezüglichen Antrag gründlich aus 
arbeiten zu können, stellt der Vorsitzende den Antrag, eine 
Kommission zu wählen, die eine Petition, betreffend Er 
richtung eines kommunalen Bauamts, an den Gemeinde 
vorstand verfassen soll. Herr Gerken empfiehlt, den Vor 
stand hierzu zu beauftragen und ihm die Heranziehung 
tüchtiger Fachleute freizustellen. Herr Schultz und Herr 
Schölzel erklären jedoch, daß die Sache dringend sei und 
man daher eine Kommission wählen möge, sonst wird die 
Sache wieder auf die lange Bank geschoben, da der eine 
oder andere Sachverständige wieder Ausflüchte machen 
könnte. Es wurden dann die Herren Ruhemann, Graß 
mann und Schmidt in die Kommission gewählt und 
wird den Herren anempfohlen, sobald wie möglich die 
Petition auszuarbeiten. Unter Jnteressenfragen bringt 
der Vorsitzende postalische Mängel zur Sprache. Ein 
Paket von Berlin sei 24 Stunden unterwegs gewesen. 
Wo die Gewerbetreibenden soviel Tribut dem Postwesen 
zahlen, könne auch erwartet werden, daß man besser be 
dient werde. Er empfiehlt Beschwerden bis zur letzten 
Instanz durchzuführen. Auch die Herren Gerken, Schultz, 
und Schölzel haben bittere Erfahrungen in der unzeitigen 
Postbestellung gemacht. Herr Borrmann empfahl poch 
die Handelskammer und Handwerkerkammer zu veranlassen, 
daß Beschwerden an die Oberpostdirektion eingereicht 
werden. Zum Schluß der sehr gut besuchten und lebhaft 
verlaufenen Versammlung meldeten sich 5 Herren zum 
Verein, deren Aufnahme in der nächsten Versammlung 
erfolgen wird. 
f Treugebrodt oder Stahl? Das war die Parole 
der gestrigen Wählerversammlung, die der Bezirksverein „Süd 
west" im„ Reichskanzler" einberufen hatte. DerBesuchderVer- 
sammlung war ein sehr guter, sogar 11 Stadtverordnete 
hatten sich eingefunden. Herr Justizrat Reinbacher be 
grüßte die Anwesenden und dankte für das zahlreiche 
Erscheinen. Er gab bekannt, daß der Kandidat der 1. Ab 
teilung Herr Ingenieur Leidig ist, für die 3. Abteilung die 
Herren Kanzleirat Schellack (Hausbesitzer), sowie Herr 
Turnlehrer Zobel (Mieter) kanditieren und über den Kan 
didaten der 2. Abteilung, Stahl oder Treugebrodt, die 
Versammlung entscheiden soll. Bevor in die Verhand 
lungen eingetreten wurde, äußerte sich Herr Professor 
Althaus dahin, daß es richtiger sei, wenn an der Be 
sprechung nur die Wähler der 2. Abteilung sich beteiligten. 
Der Vorsitzende erklärte demgegenüber, daß es bisher 
üblich im Verein gewesen märe, daß jeder sprechen könne, 
so soll es auch wieder sein. Selbstverständlich könnten 
an der Abstimmung nur die Wähler der 2. Abteilung 
teilnehmen. Auf die Nachfrage seitens des Vorsitzenden, 
ob weitere Kandidaten vorgeschlagen werden, meldete sich 
Herr Wiehler, der Herrn Baumeister Lukas empfahl. Dieser 
dankte aber „energisch". Hierauf sprach Herr Treugebrodt 
während einer Stunde über die gegen ihn erhobenen An 
schuldigungen. Er erklärte u. a., daß er die Namen 
fälschungen in dem Falle Nathan und Dr. Lohausen nicht 
begangen habe, was Herr Stadtverordneter Schneider, 
sowie Herr Blaß-Berlin bestätigen könnten, und machte 
dann längere Ausführungen über seine Tätigkeit als 
Stadtverordneterund Mitglied derverschiedenenDeputationen. 
Redner entwarf auch ein Bild über Schöneberg, ehe es 
Stadt wurde, über das damalige kleine Dorfparlament 
und schilderte die damaligen Verhältnisse als sehr ungünstige. 
Treugebrodt schloß seine Rede mit der Versicherung, daß 
er im Falle einer Wiederwahl nach wie vor seine Schuldig 
keit tun werde. Der zweite Kandidat, Rentier Stahl, 
tat in kurzen Worten kund, daß er die Interessen des 
Friedenauer Ortsteils speziell, als auch die der Stad; 
Schöneberg selbst stets wahrnehmen würde. Er werde sich 
immer als ehrenhafter Bürger betragen, so daß er jedem 
allezeit offen und ehrlich ins Gesicht schauen kann. Herr 
Haase wendet sich gegen Treugebrodt, nach dessen Er 
klärungen die damaligen Gemeindevertreter nicht ihre volle 
Schuldigkeit getan haben sollen. Gegen diesen Borwurf 
verwahrt sich Redner und nimmt die alte Vertretung in Schutz. 
Herr von Frankenberg sagt, man solle schmutziges Wasser 
nicht eher ausgießen, bis man reines hat. Treugebrodt habe 
als Stadtverordneter seineSchuldigkeit getan und mansollean 
ihm festhalten. Herr Lukas spricht ebenfalls für Treugebrodt. 
Herr Zobel nimmt gegen Treugebrodt Stellung, geht auf 
die bekannte Angelegenheit des Namensmißbrauchs ein 
und erklärte diejenigen, die ihre Stimme dem nicht ain- 
wandsfreien Kandidaten Treugebrodt gaben, für keine 
Deutschen Männer von Schrot und Korn. Gegen Treuge- 
-brodt trat auch Herr Reimann auf. Herr Dr. Marwitz 
erläuterte die drei gegen Treugebrodt erhobenen Vorwürfe, 
und ersuchte im Interesse der Bürgerschaft und des Stadt- 
verordneten-Kollegiums Treugebrodt die Stimme nicht zu 
geben. Herr Rentier Schmuder will Männer ins Stadt- 
Parlament geschickt wissen, die Ehre haben. Wäre er 
Wähler der 2. Abteilung, so würde Treugebrodt seine 
Stimme nicht erhalten. Herr Schneider teilt mit, daß 
Treugebrodt Gesamtvollmacht für die Namensunterschriften 
hatte. Dieser habe im guten Glauben gehandelt und sei 
im klebrigen stets für die Interessen des Friedenauer Orts- 
teils eingetreten. Her Blaß erklärte, er sei nicht Schöne 
berger, habe wie jetzt, auch voriges Mal die Wahlen für 
Treugebrodt gemacht und hierin große Erfahrungen. Es 
entspräche nicht den Tatsachen, daß die Namen gefälscht 
sind. Herr Linikus meint, daß es den Wählern des 8. 
Bezirks s. Zt. nicht angenehm gewesen sei, daß Treuge 
brodt sein Mandat niederlegte, bevor es abgelaufen war, 
ist aber für diesen, ebenso Herr Behrend. Als letzter 
Diskussionsredner hatte nochmal Herr Zobel das Wort. Er 
wurdejedoch, trotzdem er sehr sachlich sprach, durch andauernde 
Unruhe, Zwischenrufe etc. in unliebsamer Weise gestört. 
Nunmehr erfolgte die Abstimmung, die das Resultat 
brachte, daß von 28 abgegebenen Stimmen (Wähler der 
2. Klasse), 17 auf Treugebrodt und 11 auf Stahl fielen. 
Damit hatte die lebhafte Versammlung, in der viel 
schmutzige Wäsche gewaschen wurde, um 12 Uhr ihr Ende 
erreicht. 
f Ein Postbuch für Berlin und Umgegend wird 
bekanntlich seit einer Reihe von Jahren durch die Ober- 
Postdirektion Berlin alljährlich herausgegeben. Die dies 
jährige Neuausgabe kann demnächst bei allen Postanstalten 
des Ober-Postdirektionsbezirks Berlin und durch die Brief 
träger zu dem bisherigen billigen Bezugspreise von 50 Pf. 
für das Exemplar bezogen werden. 
-j- Die plötzliche Einstellung des Hundefanges 
in den Vororten durch den deutschen Tierschutzverein, 
die für die beteiligten Gemeinden um so überraschender 
kam, als der Verein in den früheren Jahren aus dem 
Hundefang in den Vororten Überschuß erzielt haben soll, 
hat diese Gemeinden in eine unangenehme Lage versetzt. 
In den meisten Ortschaften ist ein Provisorium dadurch 
geschaffen, daß die Polizeibeamten angewiesen worden 
sind, auf maulkorblos in den Straßen umherlaufende 
Hunde zu achten und deren Besitzer zur Anzeige zu 
bringen, damit ihnen Strafmandate zugeschickt werden 
können. Einzelne Gemeinden hatten schon früher einem 
„Privatunternehmer" den Hundefang übertragen, und 
zweifellos wird dieser, der bei Ausübung seines Berufes 
eine schöne Einnahme erzielt, sein „Geschäft" wesentlich 
erweitern. Mehrere Ortschaften haben bereits beschlossen, 
den Hundefang selbständig ausüben zu lassen. 
-j- Konzert. Das gestern Abend von der Konzert 
sängerin Fräulein Hedwig Radziszewska im „Hohen 
zollern" veranstaltete Konzert erfreute sich eines sehr guten 
Besuches. Wie wir schon voraussagten, waren es wirklich 
künstlerische Genüsse, die uns geboten wurden. Fräulein 
Radziszewska verfügt über eine herrliche, wohlklingende 
Sopranstimme, die in den höchsten, wie in den tiefsten 
Tonlagen an Reinheit und Klangfülle nichts entbehrt. 
Ohne Schwierigkeiten, ohne Störung und Mißklang über 
windet ihr wundervolles Organ die Uebergänge, und so 
lauschte das Publikum mit Wohlgefallen den wie hervor 
gezauberten Lauten und geizte nicht damit, seine An 
erkennung in stürmischem Beifall zu bezeugen. Auch die 
Rezitationen der Frau Frida Fischer fanden wohlverdienten 
Beifall. Frau Fischer lebt in ihren Vorträgen ganz auf 
und empfinden und fühlen wir bei ihrem Vortrag wirklich 
alles mit, was der Dichter in Worte gekleidet hat. Last 
not least wollen wir aber den Kgl. Musikdirektor Herrn 
Wilhelm Klinke nicht unerwähnt lassen. Mit tiefem 
Empfinden verstand er es, dem klangvollen Ibach-Flügel 
wirklich wunderbare Akkorde zu entlocken. Ganz besonders 
wollen wir aber noch seine eigenen Konipositionen hervor 
heben, vor allem derjenigen von Frl. Radziszewska vor 
getragenen: „Lehn' Deine Wang", die ein dankbares Pu 
blikum fanden. Wir können dem Frl. Radziszewska für 
das uns Gebotene nur besten Dank wissen und geben 
gern der Hoffnung Raum, noch oftmals derartige Kunst 
genüsse zu Ohr zu bekommen. 
t Feueralarm ertönte vorgestern nachmittag gegen 
6 Uhr im Orte. Angeblich sollte im Kreiskrankenhaus ein 
größerer Brand zum Ausbruch gekommen sein. Wie wir 
hören, liegt dem Sachverhalt folgender Tatbestand zu 
grunde: Ein Lohnkutscher, der kurz vor 5 Uhr die Berlin — 
Potsdamer Chaussee passierte, bemerkte über dem Kreis 
krankenhaus dicke, schwarze Rauchwolken. In der Annahme 
es sei daselbst Feuer ausgebrochen, alamierte er die Steglitzer 
Feuerwache, die, ohne sich zu orientieren, den Angaben 
Glauben schenkte. Infolge des Alarms rückte auch die 
Friedenauer Wehr nach dem angeblichen Brandherd aus, 
mußte jedoch bald umkehren, als man erkannte, daß die 
Rauchwolken durch erneutes Anheizen der umfangreichen 
Dampfkesselanlagen hervorgerufen waren. 
f Bubenstreich. In der vergangenen Nacht zwischen 
12 und 1 Uhr hatten es einige Burschen unternommen,
        
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