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Periodical volume Nr. 248, 21.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Die Könige schenkten nicht nur das Grundstück, sondern 
auH noch vielfach die Baumaterialien, dazu waren die 
Häuser von Abgaben befreit. 
8 Die letzten Lokomotivschuppen des alten 
längst eingegangenen Ostbahnhofs am Küstriner Platz 
werden jetzt abgerissen, während das Bahnhofsgebäude 
selbst, das zu Wohn- und Geschäftszwecken vermietet worden 
ist. nach wie vor bestehen bleibt. Der Ostbahnhof, der 
in den 70 er Jahren entstanden ist und durch die Errichtung des 
Schlesischen Bahnhofes überflüssig geworden ist, galt früher 
als ein ganz hervorragender Bahnhofsbau. 
8 Die Dreifaltigkeits-Kirche, deren innere Um 
gestaltung vor Kurzem vollendet worden ist, hat jetzt auch 
an der Außenseite elektrische Beleuchtung erhalten. Vor 
hem Haupteingange an der Kanonierstraße und den nach 
der Mauerstraße zu gelegenen Nebeneingängen sind an 
Auslegern Nernstlampen angebracht worden. 
8 Auf der Treptow-Sternwarte spricht Direktor 
Archenhold am Sonntag, den 22. Oktober nachm. 5 Uhr 
über: „Weltanschauung und Himmelskunde". In diesem 
Dortrag werden an der Hand von Lichtbildern die alten 
Anschauungen der Babylonier, Hebräer, Egypter etc. er 
läutert. Das Thema für den 7 Uhr Vortrag lautet: „Das 
Geheimnis des Weltenbaues", und für Montag den 23. 
Oktober: „Die Sonne". Mit dem großen Fernrohr wird 
am Tage die Sonne und abends der Saturn und der 
Jupiter gezeigt. Wer noch die Ringe des Saturn sehen 
will, muß die jetzigen Winterabende benutzen, da die 
Ringe sich immer mehr schließen und der Saturn Ende 
des Jahres in den Strahlen der Sonne verschwindet. 
Wilmersdorf. Der hiesige Tierschutzverein (Vor 
sitzender Oberforstmeister a. D. von Oertzen, Berlin W 15, 
Pfalzburgerstraße 12), welcher im Interesse des Tier 
schutzes hier schon viel Gutes geschaffen, hat sein dies 
jähriges Stiftungsfest am Sonnabend, den 28. Oktober, 
in den Prachtsälen des Westens zu Wilmersdorf, 
Spichcrnstraße 3, mit Konzert, Theateraufführung, 
musikalischen Vorträgen und Vorführung eines Phono 
graphen mit daran sich anschließendem Balle. Der Rein 
ertrag soll für Zwecke des Tierschutzes verwendet werden. 
Lichterfelde. Im Westverein sprach sich Unter 
staatssekretär Fritsch gegen die Erweiterung der Bau 
ordnung aus, die den ländlichen Charakter von Groß- 
Lichterfelde ganz zu zerstören drohe. Sowohl gegen die 
Errichtung von Reihenhäusern als gegen die größere 
Bebauung der Flächen müsse aufs entschiedenste protestiert 
werden. Durch Eingaben und Maffenpetitionen sollte den 
Bestrebungen der Terraingesellschaften usw. entgegengetreten 
und auch dem Dispensunwesen ein Ende gemacht werden. 
Die Versammlung stimmte diesen Ausführungen zu und 
faßte folgende Erklärung: „Der Lichterfelder Westverein 
spricht sich, um dem Orte seinen landhausmäßigen 
Charakter zu wahren, entschieden gegen jede Erweiterung 
der baulichen Ausnutzung der Grundstücke, namentlich auch 
durch Zulassung von Reihenhäusern aus und hält es für 
erforderlich, die Bewohnbarkeit der Keller wie der Man 
sarden einzuschränken. Der Westverein ist der Ansicht, 
daß der Dispens von den Bestimmungen der Bauordnung 
nur dann erteilt werden darf, wenn auch die Gemeinde 
behörde sich dafür ausgesprochen hat." Die Petition soll 
mit Umgehung des Jnstanzenzuges direkt dem Regierungs 
präsidenten und dem Minister der öffentlichen Arbeiten 
zugesandt werden. 
Gerichtliches. 
k. Der hier wohnhafte Hausdiener Otto Blnmberg verübte im 
Geschäft des Eisenwarenhändlers Hohlendorf eine Reihe von Mnzel- 
Diebstählen. Ihm war zur Last gelegt, 3 Revolver, Schraubenzieher, 
Hundemaulkorb und andere Kleinigkeiten dem H. gestohlen zu haben. 
Bor dem Berliner Schöffengericht war B. geständig, jedoch behauptete 
er, die 3 Revolver nicht gestohlen zu haben. Dem Antrage des 
Staatsanwalts gemäß lautete das Urteil des Gerichts auf 2 Wochen 
Gefängnis. 
Litterarisches. 
„Die Tribüne", Wochenschrift für Aufklärung, Belehrung und 
Unterhaltung. Preis l,20 M. vierteljährlich. (10 Pf. pro Exemplar.) 
Erschein: Mittwoch früh. Derlag der .Tribüne', Berlin 81V, 
Zimmerstraße 95. — Soeben ist Nr. 2 dieser in hohem Grade eigen- 
artigen Zeitung erschienen. Dieselbe enthält folgende Beiträge: Hoch- 
schulen des Verbrechertums, Leitartikel von Karl Schneidt. — Zeit- 
dilder von Satan. — Berliner Guckkasten von Heinrich Bäcker. — 
Der entartete Fürst und der gefürstete Goethe-Kenner von Rudolf 
Lautenbach. — Zur Entstehungsgeschichte des deutschen Anarchismus, 
eine zeitgeschichtliche Studie von Karl S-bneidt. — Erkenntnis, 
Novelle von Elfe Rema. — Feigenblätter im Süden, Ästhetisches von 
Max Nentwich. — Literatur von R. 8. — Eine Lebenswende, 
Erzählung aus dem Proletarierleben von Georg Schütze. — Die 
gelbe Gefahr in Transvaal von Fritz Solthoff. — Das ewige Lied. 
Gedicht von Max Stempel. — Frei, Novelle von Max Arendt- 
Denardt. — Probenummern versendet der Verlag gratis und franko. 
Die Post nimmt Bestellungen entgegen. 
Geschäftliches. 
9tT „Stern von Friedenau", so bez ichnet die Firma 
M. 6, Schnell, Ringstraße 61/62, eine Zigarre, die pro 100 Stück 
nur 4,75 M. kostet. Diese in Brand und Packung gesetzlich geschützte 
Marke ist eine unübertroffene Zusammensetzung aus nur rein über- 
seeischen Tabaken und nimmt vermöge ihres angenehm duftenden 
Aromas, sowie der milden Qualität und dem schneeweißen Vrand 
eine geradezu hervorragende Stellung unter den Erzeugniffen der 
Zigarrenindustrie ein. Wir verweisen auf die heutige diesbezügliche 
Beilage und können nur empfehlen, mit dieser billigen, dabei-guten 
Marke einen Versuch zu machen. 
SV* Weintrinker finden in unserer heutigen Ausgabe eine 
Preisliste der Firma I. P. Trarbach Nachfl., Moselstraße 1|2, die 
eine reiche Auswahl von allen Weinsorten bietet. Der rührige Ver 
treter genannten Weinhauses, Herr Waldemar Reuter, ist darum 
besorgt, seine umfangreiche Kundschaft prompt und koulant zu be- 
dienen und kann obige Weinquelle nur bestens in Erinnerung 
gebracht werden. 
Abbildungen aus Brockhaus kleinem Konservations- Lexikon 
enthält die der vorliegenden Nummer beigefügte Beilage der Wohl- 
thatschen Buchhandlung, Rheinstraße 11. Das Werk ist in 66 Heften 
zu je 30 Pf. oder in 2 Bänden gebunden für 24 M. zu haben. Alles 
weitere besaat der Prospekt. 
CARL RICHARD 
e 
Pohdamersfi 43* 
u in sind Bildn. 
Hierzu eine rvetlage. 
Am Freitag, den 13. Oktober, Vormittags iCM/j Uhr 
verstarb nach langem, schwerem Leiden unser innigst 
geliebter Sohn und Bruder, der 
cand. ehern. 
Richard Colosser 
im fast vollendeten 24. Lebensjahre. 
Dies zeigen tiefbetrübt an 
A. Colosser und Frau. 
Otto Colosser 1 
Frieda Colosser] 
Schöneberg-Friedenau, den 20. Oktober 1905. 
Wielandstrasse 9. 
als Geschwister. 
[5512 
Die Beerdigung findet am Montag, den 23. Oktober, Nachmittags 
4 Uhr von der Kapelle des neuen Schöneberger Kirchhofes in der 
Maxstrasse ans statt. 
Heute Morgen 1 / 2 3 Uhr entschlief sanft nach kurzem, schwerem 
Kampfe plötzlich mein innig geliebter Mann, unser unvergesslicher 
Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder und Onkel 
Carl Dietzmann 
im 64. Lebensjahre. Dies zeigen tief betrübt an im Namen der Hinter 
bliebenen Emma Dietzmann geb. Fischer, 
5513) Bruno Dietzmann, Max Dietzmann. 
Friedenau, Saarstr. 5II, den 20. Oktober 1905. 
Die Beerdigung findet Montag, den 23. Oktober, '/ 3 4 Uhr, vom 
Tranerhause ans nach dem Friedenaner Kirchhofe statt. 
Filiale 
9. de Ecabla Msciszewsha 
Wieland-Strasse 33 
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Aufwärterin fär 3 st - 
5491] 
Vorm. ges. 
Fregeftr. «I. 
Kindergesuildheit — und Kaffee! 
Acht wissenschaftliche Urteile: 
Das Kaiserliche Gefrrndsseiisarnt in seiner offiziellen Broschüre „Der Kaffee": — „Ein 
„Getränk, welches bei Verwendung kleiner Mengen doch schon die Anfänge der geschilderten vergiftungs- 
„wirkungen des Koffeins in sich trägt, eignet sich nicht zum Genuß für Kinder, nervSse und herzkrank« 
„Personen. Ls ist deshalb ziemlich allgemein üblich, Kindern, die überdies eines nervenanregenden 
„Genußmittels nicht bedürfen, Kaffee vorzuenthalten. Dies stößt um so weniger auf Schwierigkeit, als 
„Kinder im allgemeinen starken, schwarzen Kaffee zurückweisen . . .* 
Dr. med. W. Alcott: — „Kaffee wie Tee schaden Kindern am meisten, und zwar um so mehr, 
„je jünger und zarter sie sind." 
Dr. Heinrich Koch-München: — „Es wäre wünschenswert, den jungen Leuten bis ungefähr 
„zu ihrem 18. Lebensjahre überhaupt keinen Bohnenkaffee zu geben." 
Snnitätsrat Dr. R- Fusse: — „Kindern und Jungfrauen Kaffee zu reichen, ist die größte 
„Unvernunft und wird von allen denkenden Aerzten dagegen gekämpft." 
Dr. Otto Gotlssilf: — „Ganz zu verwerfen ist der in bürgerlichen Familien noch vielfach übliche 
„Kaffeegenuß am Abend. Dadurch werden die Kinder aufgeregt, schlafen schwer ein, träumen unruhig 
„und stehen am anderen Morgen mit matten Gliedern und schläfrigen Sinnen auf." 
©ettcvalobevavjt Dr. H. F. Jticolai: „Für Kinder, deren Gehirn noch in der Entwicklung 
„begriffen ist und daher um so mehr einer reichlichen Zufuhr an Nahrungsstoffen zu seinem Aufbau 
„bedarf, als dasselbe durch die Aufgaben der Schule stark in Anspruch genommen wird, ist Kaffee geradezu 
„schädlich und sollte ihnen gänzlich vorenthalten werden. Ebenso schädlich ist den Kindern der Kaffee 
„aus dem gleich näher zu erörternden Grunde, nämlich der Reizung des Rückenmarkes und der harn- 
,bereitenden und ausführenden Organe, womit eine vorzeitige Erweckung und Reizung des Geschlechts- 
„triebes verbunden ist." 
tyvofefsov KriUnt Savurin-Pnris: — „Alle Väter und Mütter der ganzen Welt haben 
„die Pflicht, ihren Kindern den Kaffee aufs strengste zu untersagen, wenn sie nicht kleine, trocken^ 
„kümmerliche Puppen haben wollen, die mit 20 Jahren schon Alte sind." 
Dr. I. Meigl-München: — „Für Kinder jeden Alters ist der Kaffeegenuß sehr gesundheits- 
„schädlich. Lr darf ihnen unter keinen Umständen gestattet werden, wie der lähmende Einfluß der 
„geistigen Getränke, so stört auch der aufregende Reiz des Kaffees und Tees die natürliche Entwicklung 
„des kindlichen Körpers. Die Frühreife und Nervenschwäche, die Reizbarkeit und Blutarmut so vieler 
„Kinder haben ihre kjauptquelle in dem zu frühen, alltäglichen Mißbrauche des Bohnenkaffees." 
Diese acht Warnungen von berufener Seite, die aus einer langen Reihe gleichlautender Urteile 
herausgegriffen sind, dürften jeder einsichtsvollen und sorgsamen Mutter die Augen über den Bohnen 
kaffee öffnen. Gebt den Rindern keinen Raffeei 
Mir besitzen in Rathreiners Malzkaffes ein vollwertiges, in jeder Einsicht unübertreffliches Ersatz- 
getränk für Rinder, dessen wertvolle gesundheitliche Eigenschaften von den ersten Autoritäten der Wissenschaft 
(t>. peüenfofcc, v. Ziemssen, Eulenburg u. a.) einstimmig anerkannt worden sind. Richtig zubereitet, 
so daß sich sein würzig milder kaffeeähnlicher Wohlgeschmack voll entwickelt, und bis zur Hälfte mit 
Milch genossen, ist Rathreiners Malzkaffee allen Rindern ein unersetzliches, jederzeit willkommenes und 
angenehmes Getränk, bei dem sie gesund bleiben und prächtig gedeihen. 
Altere- Lchnlmädchen für die Nachm 
Stunden z.Beschäftiqung eines kl. Mädchens 
gesucht. Franks, Beckerste. 14. [5497 
Gaubere Fra« von 8—10 zur Auf. 
Wartung sofort gesucht. [5501 
Noreikat Maybachplatz II I Trep. 1. 
«ufwarlerin verl. Vorm. [5500 
Thorwaldsenstr. 15 I Gth. 
Gesangsunterricht 
erteilt [5354 
Hedwig Radzlszewska, Mcnzelstratze 7. 
Spr-chzät 12—1 Uhr. 
Zither- und Klavier-Unterricht 
erteilt Wilmersdorf 
5478] Durlacherstr. 4 v. 1 Trep. l. 
M'nvierteHrerin 
Schülerin erster Meister, unterrichtet jede 
Stufe. Honorar mäßig. Offerten unter 
AI. R. Exped. b. Ztg. erbeten. [5466 
Klavierunterricht 
Jobs. Sandl jssoi 
Friedenau, Nönnebergftr. 2 Pt. 
Sprechstunde 4—5 Uhr, außer Montag 
u. Donnerstag. 
ejj Vermischte Anzeigen. || 
Verloren. 
Portemonnaie mit Inhalt Donnerstag nach 
mittag in der Bahnhofstrabe. Gest. abzu- 
geben gegen Belohnung Fregestr. 51« 
»amen- u. Kinderkleider sowie sämtliche 
Änderung, u. Ausbeff. zu soliden Preisen. 
M. SmoliMki, Schmargendorf erst. 34 Stfl.L 
werden gestimmt und 
^ZtNNINo repariert. [5480 
Cranachstr. 5«, H. Kaufmann. 
Schicke, eleg., geschmacko. Kostüme 
fertigt zu foliben Preisen [5077 
Frau firzybowskä, Rheiustr. IS« 
Günstige 
klakäustgrlegenbrlt 
für Weihnachtsgeschenke. 
Weste in ersten Stoffen 
staunend billig. [5511 
A. Miarmeister 
Handjetystr., Ecke Niedstr.
        
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