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Periodical volume Nr. 248, 21.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

einen neuen Friedensengel für unser Friedenau erfunden, 
der eine andere Gestalt hat, als der bisherige und mit 
unzähligen Rosen geschmückt ist. Die rechte Hand des 
Engels hält den Lageplan von Friedenau, auf welchem 
mit markanter Linie die Lefövreftraße eingezeichnet ist. 
Oben ist das Brustbild Lefövres in einen Ehrenkranz ein 
gezeichnet, während im unteren Teil des Bildes das 
Gymnasium und das Armenhaus abgebildet ist. 
-f In die Schulkonrmisfiou wurden in der 
geheimen Sitzung am Donnerstag folgende Gemeinde 
vertreter gewählt: Prof. Frölich. Geh. Rechnungsrat 
Hendrich und Geh. Kanzleirat Homuth. 
-j- Der Vertrag mit der Berlinischen Bodengesell- 
schaft wegen Anlegung der Straßenkanalisation, Beleuch 
tung usw., wurde am Donnerstag in geheimer Sitzung 
in 2 Lesungen endgiltig genehmigt. 
f Elektrische Straßenbeleuchtung. Der Aus 
bau des Lichtnetzes zur Straßenbeleuchtung schreitet immer 
weiter vor. Die Rosetten sind jetzt an allen Häusern be 
festigt worden, ausgenommen diejenigen Häuser, deren 
Eigentümer bisher ein Anbringen dieser Rosetten versagten. 
Bei der rührigen Tätigkeit, der mit der Ausführung be 
trauten Firma läßt es bald erhoffen, daß Friedenau in 
nicht zu ferner Zeit ganz im elektrischen Lichte erstrahlt. 
Auch die Zahl der Privat-Konsumenten nimmt immer 
mehr zu. Geschäftslokale, -ie Wohnräume verschmähen 
mehr und mehr die unbequ. °>e Petroleum- und Gas 
beleuchtung und wünschen sich in-'in „besseres Licht" ge 
stellt zu wissenl So steht es fest, daß unserm Orte mit 
Errichtung des Elektrizitätswerkes ein wirklicher Vorteil 
geschaffen wurde, der uns auch in Punkto Beleuchtung 
gestattet, in neuzeitlichem Sinne, den gestellten An 
forderungen gerecht zu werden. 
f Gemeinschaftliche Kanalisation. Das Riesel 
gut Ragow der beiden Gemeinden Schöneberg und Friedenau 
ist soweit aptiert, daß ein Teil zur Probe berieselt werden 
konnte. Einige Änderungen der Anlage, wie größere 
Dichtung der Verschlüsse, stellten sich als notwendig 
heraus. Wenn aber der Kanalisationsbetrieb los gehen 
soll, ist noch nicht bestimmt. Wie uns von eingeweihter 
Seite mitgeteilt wird, ist vor dem 1. Januar an der 
Eröffnung des Betriebes nicht zu denken. 
^ Wahlbeweguug. Die bevorstehenden Stadt- 
verordneten-Wahlen für den Friedenauer Ortsteil von 
Schöneberg (9. Bezirk) werden mit regem Eifer betrieben. 
An die Wähler der 2. Abteilung gelangt jetzt durch Herrn 
Oskar Buchholz ein Rundschreiben zur Versendung, welches 
sich unter dem Vorwurf grober Täuschung gegen die 
Wiederwahl des bisherigen Abgeordneten Treugebrodt 
richtet und die Wahl des Rentiers Stahl empfiehlt. 
t Zum wissenschaftliche« «nd Sprachlehrer 
für die neue Realschule wurde Herr Oberlehrer Or. phil 
v. Seydlitz-Kurtzbach, zur Zeit in Frankfurt a. M. tätig, 
gewählt. Der Gewälte wohnte vor etwa 10 Jahren bereits 
in Friedenau. 
-j- Stahl gegen Trengebrodt. Am Mittwoch, den 
25. d. Mts. findet im „Reichskanzler" eine öffentliche 
Versammlung der Wähler der 2. Klaffe zur Schöneberger 
Stadtverordnetenversammlung statt. Die Zusammenkunft 
beschäftigt sich damit, zu entscheiden, wen man von den 
beiden Kandidaten Stahl und Treugebrodt ins Stadt 
parlament schicken wird. 
's Die Linie 08 der Großen Berliner Straßenbahn- 
Gesellschaft, die erst vor kurzem von der Martin Luther 
straße in Schöneberg bis zur Rubensstraße in Friedenau 
verlängert wurde, wird nunmehr auch nach ihrer anderen 
Richtung hin weitergeführt und zwar vom Schloß Weißen 
see bis zum Amtsgericht Weißensee. Die Fahrzeit, die 
anfänglich für die ganze Strecke 63 Minuten betrug, wird 
jetzt nahezu das doppelte betragen. Am 10 Pf.-Tarife 
wird deshalb doch festgehalten werden. 
-{- Berlin—Friedenau per Automobil. Eine 
große Anzahl unserer Mitbürger hat ab und zu die Sehn 
sucht außer im gemütlichen Friedenau auch einmal in 
Berlin einige vergnügte Stunden zu verleben. Die 
Stimmung ist dann vielfach so fidel, daß selbst die Zeit 
überschritten wird, um welche der letzte Wannseezug, der 
sogenannte Lumpensammler, die Nachtschwärmer heim- 
führt. Da muß dann das neueste Verkehrsmittel, das 
Automobil eingreifen, welches gerade von den Friede- 
nauern mit Vorliebe benutzt wird. So hatte z. B. 
während einer der letzten Nächte ein Kutscher vier Fuhren 
nach Friedenau. Dieser erklärte auch, daß er mit den 
Friedenauern die besten Geschäfte macht. Man steht, die 
Friedenauer sind immer nobel und stehen bei den Auto 
mobilführern in bestem Ansehen. 
f 100 Mark-Beihilfe» Die Optische Anstalt von 
C. P. Goerz, A.-G., hat der Freiwilligen Sanitäts 
kolonne zur weiteren Ausrüstung eine Beihilfe von 100 
Mark geleistet, wofür der Firma seitens des Vorsitzenden 
der Kolonne, Herrn Apotheker S adöe, ein längeres Dank 
schreiben übermittelt wurde. 
-j- Rheiuschloß Ende. Wie wir schon s. Zt. be 
richteten, hört der Hotel- und Restaurationsbetrieb im 
Rheinschloß definitiv auf. Es ist bereits eine Bauzeichnung 
eingereicht aus welcher hervorgeht, daß das Grundstück 
Rheinstraße 60 zu Wohnzwecken ausgenützt wird. Dem 
Vorderhause, das 4 Läden erhält, schließen sich noch zwei 
Seitenflügel an. Möglich ist, daß einer der Läden zum 
Bierlokal eingerichtet wird. Mit den , Bauarbeiten soll 
bereits Ende dieses Monats begonnen werden. 
f Aus dem Tierlebeu. Zu dem Tierbestande 
des Schriftsetzers T. in der Laubenkolonie, 26 Tauben, 
einer Anzahl Hühner und Kaninchen hatte sich eine Katze 
gesellt und 8 Junge zur Welt gebracht. Wenn dies an 
und für sich auch kein welterschütterndes Ereignis ist, so 
muß man sich doch darüber wundern, daß sich die ver 
schiedenartig veranlagten Tiere unter den obwaltenden 
Umständen so gut vertragen haben. 
f Schöne sonnige Herbsttage erfreuen uns jetzt 
und wie dankbar ist auch noch ein Sonntagsausflug ins 
Freie oder auf die Berge. Ruhe und trauliche Stille ist 
in die Natur eingekehrt. Nicht wird man mehr belästigt 
von der sommerlichen Hitze und abmattenden Schwüle, von 
Gewittern und plötzlichem Regen, von übermäßigem 
Schweiß und unaufhörlichem Durst, Klare reine Luft, 
wie in dem Maße sonst zu keiner Zeit des Jahres, 
gestattet die großartigsten Fernsichten, erheitert den Sinn 
und macht das Gemüt leicht. Der Himmel mit seinem 
malten Blau und die Natur mit ihren kräftigen, bunten 
Farben in Wald und Feld erfüllt uns noch nicht mit 
Trauer und Wehmut, wie sie beim Rascheln der fallenden 
Blätter so leicht des Menschen Herz beschleichen. Freilich 
hat Mutter Natur schon ihr grünes sommerliches Kleid 
mit einem anderen vertauscht, doch erscheint sie in ihrem 
neuen bunten Schmuck, beladen mit der Fülle ihrer Gaben, 
noch nicht bereit, ihr Szepter aus der. Hand zu legen. 
Es ist um diese Zeit des Herbstes noch, als ob die Luft 
von feinem flüssigen Golde schwämme, und die Natur 
selbst erscheint wie eines jener auf goldenem Grunde 
gemalten Bilder alter Klosterbücher, so rein, so leuchtend, 
wie von einem Heiligenschein umflossen. Der Naturfreund 
und sinnige Beobachter versteht die herbstlichen Schön 
heiten der Natur. Freuen wir uns des Lebens und der 
Natur, so lange uns das im Freien noch möglich istl 
Nur zu bald tritt ein Umschlag im Wetter ein und dann 
denken wir mit Wehmut der Zeiten, in denen wir noch 
Ausflüge machen, den Blick in die Ferne schweifen lassen 
konnten. 
-j- Im Sportpark Steglitz fand sich in den letzten 
Tagen des Trainings ein derart zahlreiches Publikum 
ein, daß man dem am Sonntag Nachmittag 3 Uhr statt 
findenden 100 Kilometer-Rennen um den Großen Preis 
von Berlin einen vollen Erfolg voraussagen kann. 
-f Konzert. Wie alljährlich veranstaltet auch in 
diesem Jahre Frl. Hedwig Radziszewska am Mittwoch, 
den 25. Oktober 1905, abends 8 Uhr, im Saale des 
„Hohenzollern" einen Konzert-Abend. Zu diesem Konzert 
haben die Rezitatorin Frau Frieda Fischer und Herr Kgl. 
Musikdirektor Wilhelm Klinke ihre gütige Mitwirkung 
zugesagt. Fräulein Hedwig Radziszewska gab uns schon 
oft das Vergnügen, ihrer sehr sympatisch anheimelnden, 
wohlklingenden Sopronstimme zu lauschen und erübrigt 
es sich eigentlich, darauf hinzuweisen, daß uns wieder ein 
erhöhter Genuß bevorsteht. Frl. Radziszewska wird außer 
Kompositionen von Schumann, Brahms, Händel, Weckerlin, 
u. a. auch solche des mitwrrkenden Herrn Kgl. Musikdirektors 
Klinke und zwar: „Wenn nicht die Liebe wär", und 
„Lehn Deine Wang", zum Vortrag bringen. — Auch auf die 
Rezitatorin Frau Frida Fischer wollen wir empfehlend 
hinweisen. Frau Frida Fischer ist ja uns ebenfalls keine 
Unbekannte und so werden wir auch mit Vergnügen den 
zum Vortrag kommenden Dichtungen Dr. v. Liliencron's 
(Der Blitzzug) H. Seidels (Der Liebesbrief) I. Metz's 
(Mirjams Abendgebet) lauschen. Herr Kgl. Musikdirektor 
W. Klinke vervollständigt das Programm und wird auf 
einem Ibach-Flügel uns neben Kompositionen berühmter 
Meister auch eigene Kompositionen zu Gehör bringen. 
Es werden uns also wirklich künstlerische Genüsse darge 
boten, sodaß wir einen Besuch dieses Abends einem 
kunstliebenden Publikum nur anempfehlen können. 
t Musikverein „Kleinert scher Bläserbund" 
(Dirigent L. Kleinert), jeden Dienstag, Abends 9 Uhr, 
Ubungsstunde Schöneberg, Ebersstraße 80, im Restaurant. 
Neue Mitglieder willkommen. 
f Führmann-Walde-Sänger Wir verweisen 
hiermit nochmals auf die heute Abend stattfindende Soiree 
der Führmann-Walde-Sänger im Kaiser Wilhelmgarten. 
Da Herr Führmann selbst heute mit auftritt, so können 
wir den Besuch allen Freunden fröhlicher Sangesweise 
noch besonders empfehlen. 
f Verbrechen. Die 19 jährige Tochter eines hiesigen 
Bauunternehmers wird beschuldigt ein Verbrechen gegen 
das keimende Leben begangen zu haben. Sie ist dieser- 
halb schon im Berliner Polizeipräsidium vernommen 
worden. Mit dieser Angelegenheit hängt auch die von 
uns vor einigen Tagen mitgeteilte Verhaftung des jungen 
Kaufmanns K. aus der Roennebergstraße zusammen. 
-j- Unglücksfall. Gestern Nachmittag erlitt der 
Arbeiter Kothe aus Berlin bei den Asphaltierungsarbeiten 
in der Fröaufstraße eine erhebliche Handquetschung. 
Der Verletzte erhielt in der hiesigen Sanitätswache die 
erste Hilfe. 
-j- Polizeibericht. Als gefunden ist im hiesigen 
Polizeibüro, Feurigstraße, abgegeben worden: 1 Brille 
nebst Futteral. Der rechtmäßige Eigentümer des Fund 
objekts wird aufgefordert, seine Ansprüche binnen ■ drei 
Monaten geltend zu machen. 
Schöneöerg. 
— Sitzung der Stadtverordneten am Montag, 
den 23. Oktober, Nachmittags 6 Uhr. Tagesordnung: 
1. Zur Auslegung gelangen die Berichte vom 18. d. MtS. 
über die Prüfung der Stadt-Haupt-Kasse, der Stadt-Steuer- 
Kasse, der städtischen Sparkasse. 2. Wahl von Beisitzern 
und Stellvertretern in die Wahlvorstände für die im No 
vember d. Js. stattfindenden Stadtverordneten-Wahlen für 
die in Betracht kommenden Wahlbezirke der III., II. und 
I. Abteilung. 3. Beschlußfassung über die Vorlage des 
Magistrats, betreffend Beitritt der Stadtgemeinde Schöne 
berg zum Deutschen Städtetage. 4. Desgl., betreffend 
Nachbewilligung von 205,32 M. zur Bestreitung der 
Kosten für die in den Sommerferien abgehaltenen Ferien 
spiele. 5. Desgl., betreffend Bewilligung von 1960 P. 
zur Erweiterung der Anzucht- und Überwinterungsein 
richtungen der Stadtgärtnerei. Desgl., betreffend Be 
willigung von 700 M. zur Anbringung einer Schalttafel 
und zweier Wasserstrahlgebläse in der physikalischen Klasse 
des Schulgebäudes in der Hohenstaufenstraße. 7. Desgl., 
betreffend Nachbewilligung von 111,11 M. zum Schul- 
Etat 8 und von 820 M. zum Schuletat 6. 8. Desgl., 
über den Antrag der Stadtverordneten Lohausen und Gen., 
betreffend Vorlegung aller abzuschließenden Verträge über 
den Ausbau von Straßen, Straßenteilen und Plätzen. 
9. Desgl., über den Antrag der Stadtverordneten Kauf 
mann und Gen., betreffend Wahl je eines Bürgerdepu 
tierten in die Tiefbau- und Kanalisationsdeputation. 
10. Bericht des Ausschusses für Petitionen über die 
Petttionen Nr. 20 des Gewerbe- und Kunstgewerbeverei«^ 
Schöneberg-Berlin um unentgeltliche Überlassung vo» 
Schulräumen und Gewährung einer jährlichen Beihilfe vo« 
1000 M. (Berichterstatter: Stadtv. Gottheiner), Nr. 21 
der Deutschen Mittelstandsvereinigung. Ortsgruppe Schöne 
berg und Umgegend, gegen die Verfügung der Schul- 
Deputatton, betreffend Beibringung von Attesten in Krank 
heitsfällen der Lehrpersonen (Berichterstatter: Stadtv. 
Dr. Marwitz), Nr. 23 des Bezirksvereins „Alter Berliner 
Ortsteil" um baldige Asphaltierung der Goltzsttaße. 
11. Bericht des Etatsausschusses über die Vorlagen des 
Magistrats, betreffend g.) Nachbewilligung von 300J M. 
zu Titel II, Ansatz 1 des Schuletats A I für 1905 
(Berichterstatter: Stadtv. Seele), b) Einführung ortho 
pädischen Turnunterrichts an den Volksschulen (Bericht 
erstatter: Stadtv. Zobel). 12. Beschlußfassung über die 
Vorlage des Magistrats, betreffend Verstärkung der Mit 
gliederzahl der Kanalisationsdeputation. 
— Gewählt. Stadtrat Dr. Woelk hatte sich zum 
Gemeindevorsteher von Weißensee gemeldet und ist auch 
von der für die Wahl eingesetzten Kommission einstimmig 
der Gemeindevertretung empfohlen worden. 
— In der Ortsgruppe der deutschen Mittelstands 
vereinigung für Schöneberg und Umgegend sprach Herr 
Mittelschullehrer Richard Kunze über das Thema: „Welche 
Bedeutung hat die Mittelstandsvereinigung für Schönebergl" 
In Schöneberg sei der Hausbesttz eine Ware und sein 
Inhaber in seiner Eigenschaft als Kaufmann ein Zins- 
und Frohnknecht des Großkapitals und der Bodengesell 
schaften; deren Interessen allein würden auch vertreten 
und so komme es denn, daß wichtige Lebensfragen für 
die Einwohnerschaft vollständig unberücksichtigt bleiben. 
Den Kleingewerbetreibenden und dem Kleinkaufmann 
müßte geholfen, der Wochenmarkt beseitigt werden. Die 
Vertreter der Bürgerschaft im Stadtparlament seien in 
ihren Entschlüssen vollständig souverän, weil weder eine 
Rathausfraktion, noch eine Organisation der Bürgerschaft 
vorhanden sei, die über die Ausführungen der gegebene» 
Wahlversprechungen Rechenschaft einfordern. Diese Auf- 
gäbe wolle jetzt die Mittelstandsvereinigung erfüllen. Die 
Verhandlungen wurden dramatisch belebt) als Gymnastal- 
oberlehrer Bahr und der Vorsitzende Buchhülz auf Einzel 
heiten in den Schöneberger Zuständen eingingen. Zum 
Schluß ergriff der Vorsitzende Buchholz noch das Wort, 
um aus sittlichen und nationalen Gründen für die Inter 
essen der Schöneberger Feuerwehr einzutreten, bei der 
auch vieles verbesserungsbedürftig sei. 
— Firmeneiutragung. Nr. 27 601. Offene 
Handelsgesellschaft Max Gens & Co., Berlin, und als 
Gesellschafter Max Gens, Kaufmann, Schöneberg und 
Oswald Witt, Kaufmann, Schöneberg. Die Gesellschaft 
hat am 3. Oktober 1905 begonnen. 
Berlin und Wororte. 
8 Zwei Polizei-Verordnungen. Bett. die Ord 
nung auf dem städtischen Vieh- bezw. Schlachthofe zu 
Berlin, werden soeben veröffentlicht und danach am 3. 
November d. I. in Kraft tteten. Sie bringen, gegenüber 
den bisherigen Vorschriften im wesentlichen die nach 
folgenden Aenderungen: Auf dem Viehhofe sollen der 
Rinder- und Schafmarkt in den Stunden von 7 Uhr 
Vorm, bis 1 Uhr Nachm., der Kälber- und Schweinemarkt 
dagegen von 8 Uhr Vorm, bis 1 Uhr Nachm, stattfinden; 
mit der Fütterung der zum Verkauf aufgetriebene» 
Schweine muß spätestens eine Stunde vor Beginn deS 
Marktes aufgehört werden, das Melken der Kühe und 
der Verkauf der dabei gewonnenen Milch wird der Auf 
sicht der Viehhofsverwaltung unterstellt. Bezüglich deS 
Schlachthofes wird festgesetzt: Der Schlachthof ist Werktags 
von 5 Uhr früh bis 10 Uhr abends, an den Sonnabenden 
der Sommermonate zur Schlachtung von Großvieh bis 
11 Uhr abends und an den Sonn- und Feiertagen von 
6 . bis 8 Uhr Vorm, geöffnet. (Wegen Verbots der Sonn 
tags-Schlachtungen bemerkt es bei der Polizei-Verordnung 
vom 29. v. Mts.): Notschlachtungen außerhalb der frei- 
gegebenen Stunden sind, soweit die Tiere transportfähig 
sind, im Polizei-Schlachthause vorzunehmen. Bezüglich 
des Melkens der Kühe etc. gilt das oben Gesagte auch 
für den Schlachthof. 
8 Die nenen elektrischen Triebwagen,^nach denen 
die Wagen der Hamburg-Altonaer und evtl, auch die 
Berliner Stadt- und Vorortbahnen gebaut werden sollen, 
sind nunmehr von der A. E.-G. in der Tempelhofer Werk 
statt mit den elektrischen Ausrüstungen versehen und nach 
Nieder - Schöneweide überführt worden, um auf der 
Spindlersfelder Bahnstrecke ihre Probefahrten zu beginnen. 
Zwei schmucke dreiachsige Wagen, welche als Zugeinheit 
eng zusammengekuppelt laufen. Sie sind etwas kürzer 
als die Motorwagen der Lichterfelder Strecke, welche vier- 
achstg und 18 Meter lang sind; der neue Doppelwagen (Zug- 
einheit) mißt in der Länge nicht ganz 30 Meter. 
8 Das neue Projekt der Hochbahn-Gefellschaft, 
betreffend die Unterpflaster-Bahnstrecke Potsdamer Platz- 
Spittelmarkt - Alexanderplatz - Ringbahnhof „Schönhauser 
Allee", welches, wie gemeldet, den Unterausschuß der 
städtischen Verkehrsdeputatton am 18. d. MtS. beschäftigte, 
liegt, wie wir hören, auch schon der Aufsichtsbehörde zur 
Genehmigung vor. 
8 Eins der letzte« alten „Freihänserdas 
an der Straße am Zeughaus No. 1 gegenüber der Eisernes 
Brücke gelegene, in dem sich früher das nach der Dorotheen- 
Straße 6 verlegte orientalische Seminar befand und wo 
bis vor Kurzem eine königliche Bauinspektion untergebracht 
worden war, steht jetzt vollständig leer und wird abge 
brochen werden. Mit dem alten Hause, das, wie eine 
Inschrift meldet, aus dem Jahre 1753 stammt, wird auch 
Möllers Gasse, die kleine Verbindungsstraße zwischen den 
Straßenzügen Hinter dem Gießhause und Hinter dem 
Zeughause, an der die Hinterfront des alten FreihauseS liegt, 
umgestaltet werden. Auf dem freigelegten Grundstück 
wird ein Erweiterungsbau der Preußischen Central-Genoffen- 
schaftskasse errichtet werden. Die „Frei-Häuser" deren es 
nur noch wenige in Berlin gibt, sind unter der Regierung 
Friedrich Wilhem I. und Friedrich des Großen entstanden.
        
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