Path:
Periodical volume Nr. 247, 20.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Nachbewilligungen schon machen müssen, eS werden im 
Etat 1904 auch noch verschiedene Überschreitungen vor 
kommen, doch wolle man dem jetzt dadurch entgegen 
wirken, daß zum Oktober jeden JahreS der Gemeinde 
vertretung eine Vorlage gemacht wird, woraus sich ergibt, 
welche Posten eventuell überschritten werden könnten. 
Kleine Nachbewiüigungen werden ja immer vorkommen. 
Die Überschreitung bei den Steuer-Rückzahlungen geschah 
daher, daß die Firma Goerz zu hoch veranlagt war und 
hier Rückzahlung erfolgen mußte. Auf die Frage des 
Herrn G.-V. Schremmer, wie es komme, daßderArmen» 
Etat so hoch überschritten sei, erwidert Herr G.-V. 
Homuth, daß eine Familie allein etwas über 1000 M. 
gekostet hätte, es stehe doch fest, daß durch das Gesetz 
gegen die Armenkosten nichts zu ändern sei, in unserem 
neuen Armeuhause verblieben die Armen auch gern. Durch 
Abstimmung wird die Nachbewilligung dann angenommen. 
Herr G.-V. Homuth will dann die Zahlung der 
Weihnachtsgratifikation an die Gemeindebeamten nicht auS 
dem Unterstützungsfonds für die Beamten genommen 
wissen. Herr Schöffe Bache erwidert, daß dieses immer 
aus diesem Fonds bezahlt wurde und es auch ein s. Zt. 
gefaßter Beschluß sei. Herr G.-V. Hertz er moniert die 
Einstellung eines fremden jungen Mannes als Hilfs 
schreiber bei den Landtagswal,.>1, er glaubt, daß dadurch 
das Amtsgeheimnis nicht gut ge.- />hrt bleibe und ersucht, 
bei späteren Einstellungen doch polizeiliche Atteste über 
derartige Leute einzuholen. Der Herr Bürgermeister 
will dies für späterhin tun, er konnte s. Zt. hier keine 
Hilfskraft, die sehr notwendig war, erhalten. Die Arbeit 
war aber eine rein mechanische, sodaß der Betreffende über 
nichts unterrichtet war. Herr G.-V. Homuth erklärt dann 
auch die Unzulässigkeit der Übertragung eines UberschuffeS aufs 
nächste Jahr. Herr Schöffe Lichtheim entschuldigt diesen 
Fall dahin, daß diese Sache bereits geliefert, aber von 
dem Lieferanten die Rechnung nicht zu erlangen war. 
Hierauf schritt man zur Genehmigung der Gymnastal- 
. Rechnung und ferner der Gemeindeschulrechnung. Auch 
hier mußten einige Positionen nachbewilligt werden. Zur 
Gymnasialrechnung wird noch moniert, daß bei Post- 
anweisungssendungen nicht die Portis mit in Abzug ge- 
bracht wurden, dieses solle von jetzt an erfolgen. 
Über die Rechnung zum Gymnastal-Neubau berichtet 
G.-V. Kunow. Er habe die meisten Beläge mit der 
Rechnung geprüft, aber bei der Fülle des Materials war 
es ihm nicht möglich, alle Beläge ganz sorgfältig zu prüfen, 
im großen und ganzen habe er aber alles aufs peinlichste 
durchgearbeitet. Manche Positionen der Rechnung sind 
jedoch nicht recht klar. Wenn klarere Aufstellungen ge 
macht würden, so wäre die Rechnung viel übersichtlicher 
gewesen. Auch vermisse er die Begründungen bei Über 
schreitungen und Beschlüssen und stelle deshalb folgende 
Anträge: 1. Die Baurechnungen sind so aufzustellen, daß 
sie nach Anschlägen und Titeln getrennt sind, auch sind die 
Positionen des Anschlages auf der der betreffende Posten zu 
übernehmen ist bei jedem Betrag zu vermerken. Die Be 
läge sind in der Reihenfolge deS Anschlages zu heften; 
2. Die Abweichungen vom Anschlag oder Vertrag sind auf 
der Rechnung zu begründen, auch ist der etwa darüber 
getroffene Beschluß deS Vorstandes, Bauausschusses usw. 
nach Datum und Inhalt anzugeben. 3. Die auf Bau 
kosten unnnttelbar beschafften Baumaterialien sind in einer 
Nachweisung anschlagsweis zusammenzustellen. Bei diesem 
Punkte wurden nun noch die Installation für die elek- 
Irische Leitung des Gymnasiums erwähnt, wo die aus- 
führende Firma Arbeiten mit angegeben haben soll, die 
nicht vorhanden sind. An der Debatte hierzu beteiligten 
sich der Herr Bürgermeister und die Herren Schremmer, 
Kunow, Haustein, Hendrich, Homuth und Draeger. 
Allgemein wird das Gebühren dieser Firma verurteilt und 
soll dieselbe nach nochmaliger genauer Prüfung regreß 
pflichtig gemacht werden. Man glaubt allerdings, daß ein 
Nachweisen mit Schwierigkeiten verbunden sein wird. Bei 
der Prüfung der Rechnung für die Gemälde in der Aula, 
für die 6000 M. gezahlt wurden, sind noch 308,48 M. 
für das Gerüst und 3 M. Stempelgebühren gezahlt 
worden. Herr G.-V. Schultz geht des Näheren auf die 
Gemälde ein, diese werden noch viele Reparatur- und 
Gerüstkosten verursachen, er habe sich die Gemälde auf 
Leinen gedacht und nicht an der rohen Wand. Schon 
jetzt splittert an der Westseite die Farbe ab. Er hält es 
nicht für richtig, daß noch Nachbewilligungen für das Gerüst 
gemacht werden, schließlich verlange man auch noch die 
Farbe. Wenn man einen Anschlag macht, so müsse dort 
eben alles enthalten sein. Herr G.-D. Kunow sagt, daß 
die Rüstung niemals mit einbegriffen sei und man auch 
s. Zt. diese Zahlung mit beschlossen hätte. — ES wurde 
dann noch bemängelt, daß erst jetzt die Rechnungslegung 
von 1903 erfolge, man müsse schon jetzt die Rechnungen 
von 1904 prüfen. Der Herr Bürgermeister hält es auch 
für fehlerhaft, daß erst jetzt die Rechnungen für 1903 zur 
Abrechnung kommen und hofft die Rechnungen für 1904 
noch vor Weihnachten vorlegen zu können. Herr G.-V. 
Schultz vermißt bei den Rechnungen die Vorgänge, wo 
durch die Rechnungen entstanden sind. Herr G.-V. 
Hendrich hält auch die Legung von Stückrechnungen bei 
Bauten für vorteilhaft, doch wird von fachmännischer 
Seite die Unmöglichkeit dieser Ausführung ausgesprochen. 
Darauf werden die Nachbewilligungen nebst den- Anträgen 
Kunow genehmigt. 
Es folgt nun die Beratung deS Voranschlages für das 
Elektrizitätswerk. Der Herr Bürgermeister bemerkt 
hierzu, daß, da der Betrieb erst jetzt eröffnet sei, nur die 
Ausgaben für das erste halbe Jahr Oktober/März an 
gegeben seien. Mit der Kabellegungffür die neu bewilligten 
Straßen ist bereits in der Wiesbadenerstraße angefangen. 
Zu Titel Straßenbeleuchtung sei noch zu bemerken, daß 
hier die Gemeinde als Konsument unter Einnahme steht, 
während das Elektrizitätswerk selbst als Ausgabe für die 
Straßenbeleuchtung verzeichnet stehe. Aus dem Voran 
schlag selbst betrifft a) Einnahme: Abschnitt I Strom 
abgabe: an Private für Leuchtzwecke 11000 M., für Kraft 
usw. -zwecke 3000 M., an die Gemeinde für Straßen 
beleuchtung 6000 M. Der Vorsitzende bemerkt, daß die 
Stromabgabe an Private nur so angenommen sei, eS 
seien bisher 3600 Glühlampen von Privaten angemeldet, 
sodaß zu erwarten steht, daß der ausgeworfene Betrag er 
reicht wird. Abschnitt II: Elektrizitätsmesser, an Miete 
für diesen 100 M. Abschnitt III: Für Bedienung und 
Unterhaltung der Straßenbeleuchtung 6000 M. Ab 
schnitt IV: Zuschuß der Gemeinde zu den Betriebskosten 
des Werkes 12 000 M. Abschnitt V: Bonden Inhabern 
der Dienstwohnungen im Werk je 15 M. 30 M. Un 
vorhergesehene Einnahmen rund 70 M., insgesamt 38 200 
Mark, d) Ausgaben: Abschnitt I: Gehälter und Löhne 
6110 M. Abschnitt II: Sonstige persönliche und sächliche 
Kosten (Invaliden-, Kranken-, Unfall-Versicherung für die 
Angestellten, Feuerversicherungsprämie, Fernsprechanlage, 
Bürobedürfnisse, Drucksachen, unvorhergesehene Ausgaben) 
1100 M. Abschnitt III: Betriebsunkosten 15 150 M. 
Abschnitt IV: Verzinsung, Tilgung und Erneuerung 
15 000 M., Unvorhergesehene Ausgaben 840 M.; Summa 
der Ausgabe 38 200 M. Zu Abschnitt V: Einnahme, 
wurde die Benutzung der Dienstwohnungen usw. von, wie 
veranschlagt, 20 M. auf 30 M. jährlich erhöht. — Aus 
dem Voranschlag geht dann hervor, daß der Hauptetat der 
Gemeinde eine Einnahme von 3000 M. zu verzeichnen 
habe. Nach einigen aufklärenden Bemerkungen wird der 
Voranschlag des Elektrizitätswerkes angenommen. 
Zur Genehmigung des Ortsstatuts für das gemein 
same Kaufmannsgericht für Schöneberg und Friedenau 
macht der Herr Bürgermeister Mitteilung, daß wir, 
nachdem von Schöneberg das Statut bereits anerkannt ist, 
keine Änderungen mehr vornehmen wollen, um die Sache 
nicht zu verzögern. Wir könnten nicht verlangen, daß 
Schöneberg unseretwegen noch Abänderungen vornehmen 
läßt. ES werde zwar vielfach von den Gewerbetreibenden 
angeführt, daß für Friedenau so wenig Rechte eingeräumt 
seien. Wir können dies Schöneberg jedoch nicht übel 
nehmen, als Beisitzer kann aber ebensogut ein Friedenauer 
mit in den Vorstand gewählt werden, um so die Rechte 
Friedenaus zu vertreten. — G.-V. Hertzer bemerkt eben 
falls, daß sich Schöneberg keine Vorschriften werde machen 
lassen und würden wir, wenn wir noch Ausstellungen 
machten, die Sache nur hinziehen. Ec bittet ebenfalls 
um Genehmigung des Statuts. Auch G.-V. Berger tritt 
für Annahme des Statuts ein und wird dieses dann auch 
von der Versammlung genehmigt. 
Zur Vorlage brtr. den Bau eines Verwaltungs 
gebäudes referiert nun der Herr Bürgermeister: Die 
Raumverhältnisse in dem jetzigen Gebäude sind lange nicht 
mehr ausreichend. Letzthin ist erst wieder ein« volle 
Wohnung hinzugemietet worden und zeige sich erst jetzt 
so recht, waS noch fehlt.. Das Publikum habe keine llnter- 
kunftSräume- und treibe sich auf den Korridoren herum. 
Die Sache müsse jetzt anders werden und ist kein Gimnd 
vorhanden, dies noch weiter hinauszuschieben. Seiner Zeit 
habe er selbst für Zurücifftellung dieses Postens gestimmt, 
um zunächst daS Elektrizitätswerk zu: erhalten. Nunmehr 
müßte aber unbedingt an den Baw gegangen werden. 
Die Kosten könnten einesteils aus den Ueberschüssen be 
stritten werden, andernteilS nehme maw aber auch insofern 
wieder ein, als die jetzige Miete von 6600 Mark gespart 
wird, dann aber auch durch Vermieten vowDienstwohnungen, 
der Kellerräume etc. Friedenau strebe immer mehr zur 
Weiterentwicklungrund macht daS alte Mietshaus keinen guten- 
Eindruck auf den Fremden. Man müsse auch den Fremden 
gegenüber mit einem eigenen Verwaltungsbau imponieren. 
Heute könne zwar noch nicht über den Bau selbst beraten 
werden, es kann heute nur eine Kommission gewählt 
werden, die die Sache ausarbeitet und hoffe er, daß nach 
Ablauf des Mietsvertrages 1908 der neue Bau fertig 
gestellt ist. Zu Kommissiansmitgliedern empfehle er 
3 Herren des Vorstandes und 4 Herren der Gemeinde- 
vert etung zu wählen und schlage vom Vorstand die 
Herren Schöffen Bache,. Draeger und sich selbst, von 
den Gemeindevertretern die Herren Homuth, Kunow, 
Berger und Fechner vor. G.-V. Fechner lehnte jedoch 
ab und wird für diesen Herr Panse gewählt. Die Sitzung 
erklärt sich mit der Wahl dieser Herren einverstanden. 
Unter: Anträge wegen Gewährung von Schadenersatz 
berichtet Herr Schöffe Draeger, daß in der Baukommission 
die Schadenersatzanträge der Frau Landessekretär Obermeit, 
Wilhelmshöherstraße 6 und der Herren Gebr. Biedermann, 
Wilhelmshöherstraße 27/28, abgelehnt wurden und be 
antrage er, daß die Gemeindevertretung die Anträge 
ebenfalls ablehne. Dem Antrage des Schöffen Draeger 
wird stattgegeben. 
Herr Gemeinde-Schöffe Wossidlo stellt dann noch 
einen Dringlichkeitsantrag: Wahl eines Armenpflegers für 
den Armenpfleger Rentier Böhme. Die Dringlichkeit des 
Antrages wurde anerkannt und % dann der in Vorschlag 
gebrachte Schuhmachermeister Kirchhof zum Armenpfleger 
gewählt. Schluß der öffentlichen Sitzung */,10 Uhr^ 
Lokates. 
f Der Sachverständige der Banpolizei, Herr 
Regierungs- und Stadtbaumeister Kriesmann hat der 
Gemeinde die Stellung gekündigt. Wie vertäutet, hat 
man die Absicht, als Nachfolger einen besoldeten Bau 
schöffen (Regierungsbaumeister) zu wählen, da die Amts 
periode des jetzigen unbesoldeten Bauschöffen Draeger 
nächstens abgelaufen ist. 
f Tranerfeier für Gustav Netzdorff. Gestern 
nachmittag fand in der Turnhalle des hiesigen Gymnasiums 
die Trauerfeier für unsern verehrten Mitbürger Gustav 
Retzdorff statt. Zahlreich hatten sich die Vertreter unserer 
Bürgerschaft eingefunden, von nah und fern waren 
Deputationen der Turnvereine, insgesamt mit 11 Fahnen, 
herbeigeeilt, um ihrem verehrten Turngenossen die letzte 
Ehre zu erweisen. Die Feier nahm einen erhebenden 
Verlauf und sprachen Herr Kunzendorf-Zehlendorf im 
Namen des Havelländifchen Gaues, Herr Atzrott im Namen 
des Kreises Illb, der Vorsitzende des Gesangvereins der 
Berliner Turnerschaft, dessen Gründer und Vorsitzender der 
Verstorbene lange Jahre hindurch war und der Vorsitzende 
des hiesigen Männer-Turnvereins, Herr Evers. Bis zum 
Weichbilde Friedenaus gab noch ein großer Zug Leid 
tragender nach Beendigung der Trauerfeier dem Ver 
ewigten das letzte Geleit. Den ausführlichen Bericht 
werden wir noch in einer der nächsten Nummern bringen. 
t Ehrung. Die Gemeindevertretung beschloß gestern 
dem ehemaligen Amts- und Gemeindevorsteher. Herrn 
Major a. D. Roenneberg. anläßlich seiner vor einigen 
Tagen stattgehabten silbernen Hochzeilsfeier ein ehrendes 
Gedenkschreiben nebst Blumenarrangement zu übermitteln. 
Von der Absendung einer Abordnung wurde Abstand ge 
nommen, weil der Jubilar immer noch sehr leidend ist. 
f Zu de« Stadtverordneteuwahle». Zu Bei 
sitzern für die 3. Wählerabteilung sind den Stadtverordneten 
für den Friedenauer Ortsteil vorgeschlagen Lehrer Walter, 
Wielandstraße 24 und Magistrats-Sekretär Rogatzky, 
Kranachstraße; zu Stellvertretern Kanzleirat a. D. Müller. 
Kranachstraße 64 und Redakteur Schmalfeld, Rembrandt- 
straße 1/2. In der 2. Wählerabteilung zu Beisitzern 
Tischlermeister Halliger; Fregestraße 12 und Rentier Roggatz, 
Fregestraße 13, zu Stellvertretern Maurermeister F. Reimer, 
Stierstraße 12 und Musikdirektor der König!. Oper Graefen, 
Wielandstraße 14. In der 1. Wählerabteilung zu Bei 
sitzern Stadtverordneter Coloßer, Wielandstraße 9, Brunnen 
baumeister Galweit. Wielandstraße 17 und zu Stell 
vertretern Privatier Möhring, Bahnhofstraße 2 und Maurer 
meister Lehmann, Hähnelstraße 16. 
j- Die Waunseebahn-Falle. In letzter Zeit ist 
es oft vorgekommen, daß Fahrgäste der Wannseebahn, 
die von Berlin nach Friedenau wollten, den Zug 5 Uhr 
25 Nachmittag bestiegen hatten, der bekanntlich bis Fehlen-^ 
dorf durchfährt. Das Malheur passiert den Friedenauern 
wohl selten, umsomehr aber Fremden. Vielleicht wäre es 
angebracht, diesen Zug als v-Zug für die Fahrgäste in 
Berlin bemerkbarer zu machen, da die Tafel am Stations 
anzeiger sehr häufig übersehen wird. So wie man auf 
Fernbahnhöfen am Zuge selbst bei den letzten Wagen die 
Tafel sieht „Diese Wagen bleiben stehen, nicht einsteigen!", 
so sollte man auch hier eine dieSbezügliche,Warnung8tafel 
am letzten Wagen, an dem alle vorbeigehen, anbringen. 
t Die Schöncberg-Friedenauer Terraingesell- 
schuft hat neue Terrains zwischen Steglitz, Dahlem und 
Schmargendorf aufgekauft. Das Terrain liegt zwischen 
Gruriewaldstraße in Steglitz, Gemarkungsgrenze Dahlem 
(Kleiststraße) und Rheingau und gehört zum Teil neben 
Steglitz und Schmargendorf, auch noch zu Wilmersdorf, 
bebaut kann es hauptsächlich nur mit Villen und Mittel- 
bauten werden. 
f Der Absatz der preußischen Lotterielose ist 
nach Vereinigung der preußischen mit der mecklenburgischen 
Landeslotterie weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben; 
die fünfte Klasse hat einen großen Ueberbestand an Losen 
aufzuweisen. Obwohl die Zahl der Nummern.der preu 
ßischen Lotterie nur um 28000, vorwiegend in Achtel- und 
Zehntelanteile, vermehrt worden ist, während die einge 
gangene mecklenburgische Lotterie 100000 Nummern zählte, 
hat sich die Unterbringung der Lose als schwierig erwiesen. 
Von den nach Mecklenburg überwiesenen LoSanteilen ist, 
da die dortige Bevölkerung der Neuerung gegenüber sich 
mißtrauisch zeigte, ein bedeutender Überbestand an die 
Lotteriedirektion zurückgeschickt worden, der nunmehr bei 
den Berliner Kollekteuren zur Verteilung gelangt. Es 
hat sich aber gezeigt, daß es leichter war, die verbotenen 
mecklenburgischen Lose in Berlin unterzubringen, als die 
der preußischen Klassenlotterie. Wenn auch im Laufe der 
Ziehung der fünften Klasse noch eine Anzahl Anteile ver 
kauft werden, wird doch ein erheblicher Rest bleiben. 
f Jur Sportpark Steglitz hat das Training in 
den letzten Tagen einen derartigen Umfang angenommen,, 
daß am Sonntag in dem 100 Kilometer-Rennen um den 
Großen Preis von Berlin ein außerordenUich scharstr 
Kampf erwartet werden kann. Alle fünf Fahrer haben 
hinter ihren Motoren eine Schnelligkeit entwickelt, die aus 
ein durchaus gleichmäßiges Können schliern läßt, sodaß! 
es noch garnicht abzusehen ist, wem der Sieg in der 
großen Konkurrenz zugesprochen werden kann. Sowohl 
der Franzose Guignard als auch Robl, Dickentmann, 
Huber und Drmke haben Runden in 20 Sekunden hinter 
sich gebracht, was einem- Tempo von 90, Kilometer ent 
spricht. Das Interesse für daS letzte große Rennen ist 
infolgedessen ein so großes,, daß der Sportpark auf einen 
Massenbesuch rechnen kann. 
f Hotzenzolleru-Theate«. Schon längst war es 
der Wunsch aller hiesigen Theaterfreunde, daß, Dir. Behle 
wieder einmal ein Werk unseres z. Zt. grüßten deutschen 
Dichters Gerhard Hauptmann zur Aufführung bringt. 
Diesem Wunsche wird nun in der nächsten Vorstellung 
am Dienstag, den 24. Oktober, entsprochen, indem Gerhard 
HauptmannS berühmtestes und genialster Werk zur Auf 
führung gelangen wird, nämlich „Fuhrmann Henschel". 
Man entsinnt sich noch, welches gewaltige Aufsehen dieses 
überwältigende Werk z. Zt. bei der Erstaufführung im 
Deutschen Theater in Berlin erlebt hat. Alle Welt mußte 
„Fuhrmann Henschel" gesehen haben und in den letzten 
Jahren war es daS Berliner Schiller-Theater, welches 
diesem Werke einen seiner stärksten Erfolge verdanken 
darf. Bei jeder Aufführung standen die Zuschauer von 
Anfang bis zu Ende im Banne dieser genialen Dichtung 
und verdient es jedenfalls die größte Anerkennung, daß 
Herr Dir. Behle unser theaterliebendes Publikum mit 
einem solchen hervorragenden Kunstwerke bekannt macht 
und sei bereits heute der Besuch der Aufführung von 
„Fuhrmann Henschel" ganz besonders empfohlen und wäre 
es nur zu wünschen, daß neben dem künstlerischen Erfolge 
dieses interessanten Theaterabends auch der materielle ein 
großer sein möge. 
f Die „Fuhrmann - Walde - Säuger" treten 
morgen Abend, wie auch in acht Tagen wieder im Kaiser 
Wilhelmgarten auf. Diese so beliebte Sängertruppe hat 
ja hier stets guten Anklang gefunden und so steht auch 
für diesmal zu erwarten, daß uns dort köstliche Stunden 
geboten werden. Das Repertoir ist ein vollständig neu 
gewähltes. Nicht unerwähnt aber wollen wir lassen, daß 
Herr Führmann uns morgen Abend Gelegenheit geben 
wird, ihn selbst in seinen Vorträgen zu bewundern. Allen 
Freunden fröhlicher, munterer Sangeskun» »a«—-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.