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Periodical volume Nr. 245, 18.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

reichten, trat er voll und ganz für deren Interessen ein 
und war auch seinen Beamten ein gerechter entgegen- 
kommender Vorgesetzter. Durch den Verlust ihrer Tochter 
vor mehreren Jahren hatte das Jubelpaar einen harten 
Schicksalsschlag erlitten. Durch ein tückisches Augenleiden, 
das eine Operation nötig machte, legte Herr Major 
Roenneberg nach zehnjähriger anerkennenswerter Tätigkeit, 
also im Jahre 1902, die Amtsgeschäfte nieder. Nach wie 
vor zeigte der Jubilar Interesse für unseren Ort. Man 
weiß von Herrn A. Roenneberg, noch ehe er in Friedenau 
ansässig war, daß er am Maybachplatz Birken gepflanzt 
hat. Der Jubilar weilte im vorigen Jahre freudig unter 
den Teilnehmern an der 30jährigen Jubelfeier des Ortes, 
an dessen Aufblühen er ein gut Teil mit beigetragen hat. 
Der Jubilar ist Ehrenmitglied des hiesigen Kriegs 
veteranenvereins, in dessem Kreise, unter den alten 
Veteranen des Krieges, er sich immer wohl fühlt, wie ihn 
auch seine Kameraden stets gern sehen. Aber nicht nur 
diese ziehen ehrerbietig den Hut vor ihn, sondern jeder, 
der ihn kennt, und das ist wohl eine respektable Zahl, 
grüßt ihn herzlich und wechselt gerne einige Worte mit 
ihm. Unsere Gemeindebeamten haben es sich nicht nehmen 
lassen, heute den Jubilar mit einer prachtvollen Blumen 
spende zu erfreuen. <B-\ dürften denn von allen Seiten 
dem Jubilar Beweise gut». Freundschaft und treuer An 
hänglichkeit zugegangen sein, r. ' ihm wieder Frohsinn und 
neuen frischen Lebensmut bringen werden. Möge nun 
unser ehemaliges Ortsoberhaupt nebst seiner Gattin noch 
viele Jahre unserem Ort bei bestem Wohlergehen als 
unsere Mitbürger erhalten bleiben, das sei unser inniger 
Wunsch, den bestimmt die ihm wohlgesinnte Bürgerschaft 
teilt. Auf jeden Fall wird der Name Roenneberg in 
Friedenau allezeit in ehrendem Angedenken bleiben. 
-j- Das Wohnhaus für den Direktor deS Gymnasiums 
ist nunmehr im Rohbau völlig fertig gestellt und wurde 
bereits mit der Gerüstabnahme begonnen. 
-j- Vom Sportpark. Nunmehr ist auch mit der 
Bebauung der südöstlichen Ecke des ehemaligen Sportpark 
geländes begonnen worden. Die Varzinerstraße hat Guß 
asphalt erhallen. 
-j- Das Reisen in Güterzügeu sist nicht so billig, 
wie man anzunehmen geneigt sein möchte. Es dürfte 
Überhaupt weniger bekannt sein, daß die Mitfahrt in 
Güterzügen zulässig ist. Eine amtliche Vorschrift bestimmt 
darüber Folgendes: „In besonderen Notfällen können 
einzelne Personen zur Mitfahrt im Packwagen der Güter 
züge gegen Lösung von Personenzug-Fahrkarten 1. Klasse 
und Zahlung eines festen Zuschlags von 3 M. für jede 
Person zugelassen werden." Es muß danach tatsächlich 
große Not an schnellen Beförderungsmitteln herrschen, wenn 
jemand, statt im Schnellzug, nach benachbarten Stationen 
den unbequemen und doch so teueren Platz im Packwagen 
wählt. 
f Achtung, der Frostspauuer naht! Mitte 
Oktober kriechen die flügellosen Weibchen aus ihrer in der 
Erde ruhenden Puppenhülse hervor und klettern den Baum 
stamm hinauf bis in die Zweige, wo sie an die Knospen 
ihre Eier ablegen, an je eine Knospe eins. Die Zahl 
richtet sich nach der Kraft des Weibchens. Das schwächste 
bringt eS immer noch zu 250 Eiern, ein starkes bis zu 400. 
So viele Raupen kriechen im Frühjahr aus und wenn 
gar zehn Weibchen von Oktober bis Dezember ihr Wesen 
auf einem Baum getrieben haben, so bedeutet dies ein 
Heer von 2500—4000 Raupen, stark genug, um uns die 
Obsternte zu verderben. Früher haben uns die Meisen 
solche schlimme Feinde vom Halse gehalten: jetzt, 
wo diese — durch unsere Schuld — rar geworden sind, 
müssen wir selber einspringen. Also auf Papierstreifen 
Teerringe anbringen und alle 14 Tage revidieren, ob sie 
nicht trocken geworden sind! Sonst kriecht das Frost- 
spannnerweibchen darüber hinweg und wir zahlen zum 
Schaden noch die Kosten für den Teer. Auch bis unter 
den Papierring ist die Untersuchung auszudehnen, weil die 
schlauen Weibchen gern hier durchschlüpfen möchten. — In 
Baumschulen empfiehlt sich das Überkalken der Stämmchen 
und Zweige, da bei der angeborenen weiblichen Klugheit 
nicht anzunehmen ist, daß der flügellose 'Schmetterling 
seine Eier an Kalk absetzen wird. Vor allen Dingen aber 
schaffe sich jeder Obstzüchter Nistkästen für Meisen an. Die 
Ausgabe kommt ihm im Obstertrage mit reichen Zinsen 
zu gute., 
-j- Uber das Vermöge« des Schneidermeisters Carl 
Braun, Wielandstraße 9, ist am 31. Oktober, Vormittags 
10 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann 
Goedel in Berlin, Melchiorstraße 24, ist zum Konkurs 
verwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 
2. Dezember 1905 bei dem Gericht anzumelden. 
-j- Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
Ecke Rembrandtstraße 3, Beckerstraße 13/14 und Knaus- 
siraße 1, belegene, im Grundbuche von Schöneberg, zur 
Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf 
den Namen des Subdirektors Franz Obermüller zu Berlin 
eingetragene Grundstück am 6. Dezember 1905, Vor 
mittags 10 Uhr, versteigert werden. Das Grundstück ist 
mit 14 000 Mark Nutzungswert zur Gebäudesteuer ver 
anlagt. 
-j- Wie viele Touriften klettern nicht im Sommer 
keuchend und schwitzend stundenlang einen Berg hinan und 
bekommen oben nichts weiter zu sehen, als ein dichtes 
Nebelmeer, ans dem sie vielleicht noch eine tüchtige Er 
kältung mit herabnehmen. Derartig teuer erkaufte unan 
genehme Überraschungen hat der Tourist, der im Spät 
sommer oder zu Beginn des Herbstes seinen Wanderstab 
flott macht, weit weniger zu befürchten; mit einer geringeren 
Anstrengung erreicht er größere Erfolge. Noch frisch und 
rüstig langt er auf dem Berggipfel an und genießt mit 
Entzücken die herrliche Aussicht, die ihm kein Nebel und 
Dunstschleier verhüllt. Darum findet man auch viele der 
kundigsten Gebirgsreisenden gerade zu dieser Zeit auf dem 
Wege. (Beweis: die im Spätsommer sich häufenden 
Meldungen von „Abstürzen.") Sie haben die Vorzüge 
der Jahreszeit für ihre Zwecke erreicht und außerdem noch 
die Entdeckung gemacht, daß die Herbsttage auf die Preise 
von erfreulich niederdrückendem Einfluß sind; auch wo es 
sich um Naturgenüsse handelt, bleibt „gut und billig" die 
beste Devise. 
v-.;; f I« der Freien Hochschule beginnen am nächsten 
Freitag, den 20. Oktober (8—10 Uhr), die Vorlesungen 
von Dr. Koeppen über: „Hauptprobleme der Malerei (mit 
Lichtbildern), in der Aula der Friedrich Werderschen Ober- 
Realschule, Niederwallstraße 12, und von Friedrich Moest 
(Direktor der Reicherschen Hochschule für dramatische Kunst) 
über die Kunst des Vortrages (7*/, bis 9 l / 2 Uhr), in der 
Reicherschen Hochschule, Grolmannstraße 27 (Eingang 
Stabtbahnseite). Am Montag, den 23. (Abends 8—9 Uhr) 
beginnt Dr. Vielhaber in der Vogeler-Aula, Ritterstr. 4/5, 
seinen Zyklus über: „Moderne kulturgeschichtliche Zeit- 
und Stteitfragen". Programme kostenlos bei Loeser & 
Wolfs und bei Wertheim. Karten in den im Programm 
genannten Verkaufsstellen. 
-j- Der Parochialvereiu hielt Montag Abend eine 
Vorstandssitzung ab, in der die Abrechnung über die Auf 
führung des religiös-historischen Dramas „Maria" erfolgte. 
Nach Abrechnung aller Unkosten ergab sich ein Reinertrag 
von 280 M. Von dieser Summe wurden sofort der Ge 
meindediakonie 150 M. überwiesen, der der Betrag, da 
sie zur Zeit mit einem größeren Defizit arbeitet, höchst 
willkommen war. Der Restbetrag von 130 M. soll zu 
gemeinnützigen Unterstützungen im Orte verwendet werden. 
Das Reformationsfest feiert der Verein am 30. Oktober 
im „Hohenzollern". 
f Der Große Preis von Berlin, welcher am 
letzten Sonntag in Folge andauernden Regens im Sport 
park Steglitz nicht ausgefahren werden konnte, kommt 
nunmehr am Sonntag, den 22. Oktober, nachmittags 3 Uhr 
zur Entscheidung. Die Besetzung des 100 Kilometer- 
RennenS, Robl, Demke, Dickentmann, Guignard, Huber, 
bleibt dieselbe, und auch im übrigen Programm (Flieger 
und Motorrennen) tritt keine Veränderung ein. Die 
bereits gelösten Billets behalten für den nächsten Sonntag 
ihre Gültigkeit, und in den bekannten Vorverkaufsstellen 
sind auch weitere Eintrittskarten erhältlich. — Das 
Training ist von allen Fahrern von neuem in vollem 
Umfange wieder aufgenommen worden. Am eifrigsten 
sind Dickentmann und der Franzose Guignard bei der 
Arbeit, auch Huber und Demke machen alle Anstrengungen, 
um die 100 Kilometer mit Erfolg zu bestreiten. Der 
Berliner wird wahrscheinlich am Sonntag zum ersten Mal 
auch sein neues Motortandem als Führung in Beyutzung 
nehmen, hinter dem er sich noch genügend einzufahren 
hofft. Es wird interessant sein, wie Demke gegen Robl 
und Dickentmann mit seiner neuen Führung bestehen wird. 
-s Konzert. Morgen Abend veranstaltet die blinde 
Pianistin Betty Gottlob unter freundlicher Mitwirkung 
des Herrn Kgl. Kammervirtuosen Felix Meyer (Violine) 
und der Konzert- und Koloratursängerin Frl. Hedwig 
Zimmer im „Hohenzollern" ein Konzert. Das uns vor 
liegende Programm weist Kompositionen von Beethoven, 
Mendelssohn, Verdi, Chopin, Mozart, Liszt usw. auf, so- 
daß einem mustkliebenden Publikum ein genußreicher 
Abend bevorsteht. 
t Empfehlenswerter Kutscher. In voriger 
Woche stellte der Fuhrherr Lönge, Kaiserallee 100, einen 
neuen Kutscher ein, ohne von ihm Ausweispapiere zu 
erhalten. Dieser erhielt nun Auftrag, eine Fuhre nach 
Charlottenburg zu machen, was er auch besorgte. Die 
zweite Fuhre jedoch, die ebenfalls in Czarlottenburg zu 
erledigen war, führte der Kutscher nicht aus, fuhr dagegen 
nach Potsdam, um dort die Pferde zu verkaufen. Bei 
einem Roßschlächter bot er die teuren Pferde für 200 M. 
an. Auf den Kauf ging der Schlächter aber nicht ein. 
Die Geschirre suchte der Kutscher bei einem Trödler unter 
zubringen. Dieser gab 2 M. als Teilzahlung und ver 
langte die Beibringung einer Legitimation, die natürlich 
ausblieb. Inzwischen hatte ein zufällig in Potsdam an 
wesender Bekannter des Herrn Lönge dessen unbespannten 
Wagen gesehen, auch war der Pferdeschwindler im Ort 
schon ruchbar geworden, sodaß die Bürger auf den 
Straßen lebhaft den Vorfall besprachen. Der Kutscher 
ließ die Pferde stehen und suchte schleunigst das Weite. 
Herr Lönge wurde mittels Depesche durch seinen Bekannten 
von dem Sachverhalt in Kenntnis gesetzt. Der Besitzer, 
selbstverständlich höchst verwundert, fuhr noch spät Abends 
mit einem seiner Kutscher nach Potsdam, um sein Gefährt 
zurückzuholen. Von dem geflüchteten Kutscher, den Herr 
Lönge vorher am Teltowkanal aufgegriffen hatte, fehlt 
noch jede Spur. 
Schöneöerg. 
— Verein für Handel und Jndustie. Am 
Freitag, den 20. Oktober, abends 9 Uhr findet im großen 
Saale des Schwarzen Adler eine Mitgliederversammlung 
statt. Tagesordnung: Geschäftliche Mitteilungen. Vor 
trag des Herrn Gustav Kukutsch: „Die Grundstückswerte 
von Groß-Berlin". Dieser Vortrag wird behandeln: Das 
Grundstück als Handelsobjekt, die Entwickelung des Grund 
stücksgeschäft, Verschiedenheiten der Entwickelung in Berlin 
und einzelnen Vororteu, die Feststellung des Grundstllcks- 
wertes, die Verschuldung der Grundstücke, die Entwickelung 
der Verschuldung mit Streiflichtern auf die Verschuldung 
städtischer Grundstücke in Deutschland überhaupt, die 
Subhastationen. 
— Die nächste Monatsverfammluug des Haus 
und Grundbesitzer-Vereins zu Echöneberg findet am 
Donnerstag, den 19. Oktober, Abends S 1 /^ Uhr, im Gast 
haus Lindenpark statt. Tagesordnung: 1. Geschäftliche 
Mitteilungen. 2- Die Stadtverordneten-Wahlen, Referent 
Herr Stadtverordneten-Vorsteher Prof. Heyne. 3. Bericht 
über die Bundesversammlung von Groß-Berlin (Schorn- 
steinfeger-Kehrlohntaxe, Einrichtung einer Hypothekenbank), 
Referent Herr Stadtv. Schüler. 4. Vorführung eines neu 
erfundenen Mittels, um Fugen in Holz (Dielen) und 
Stein (Treppen) dauerhaft zu verkitten, durch Herrn 
Hindorf. 5 Jnteressenfragen und Anträge der Mitglieder. 
6. Fragekasten. Gäste, auch Damen, willkommen. 
— In» Wege der Zwangsvollstreckung soll 
das angeblich Prinz Georgstraße 2 belegene, zur Zeit der 
Eintragung des VersteigerüngsvermerkeS auf den Namen 
des Kaufmanns Adolf Schinski in Berlin eingettagene 
Grundstück am 12. Dezember 1905, Mittags 12 Uhr, 
versteigert werden. DaS Grundstück ist mit 9700 M. 
Nutzungswert zur Gebäudesteuer veranlagt. 
— Firmeneintragnng. Bei Nr. 1981. (Offene 
Handelsgesellschaft Wilhelm Gronau's Buchdruckerei und 
Schriftgießerei, Schöneberg): Die Firma lautet fortan: 
Wühlern GronauS Schriftgießerei. 
Berlin und Wororte. 
8 Mit dem Tnunelprojett der Große» 
Berliner Straßenbahn-Gesellschaft werden sich die 
zuständigen Vertreter der Aufsichtsbehörden am künfttgen 
Sonnabend beschäftigen. Für diesen Tag ist eine Kon 
ferenz anberaumt worden, zu welcher auch die Direktion 
der Straßenbahngesellschaft eingeladen worden ist. Dem 
Vernehmen nach wird es sich in dieser Konferenz nur um 
eine allgemeine Vorbesprechung des umfangreichen Projektes 
und seiner Ausführung handeln, sodaß definitive Beschlüsse 
in materieller Hinsicht bei diesen Erstberatungen selbst 
verständlich nicht zu erwarten sind. In einer bereits am 
vergangenen Mittwoch stattgehabten Konferenz ist lediglich 
die geschäftsmäßige Behandlung der Angelegenheit fest 
gesetzt worden. 
Z Die Errichtung eines großen Konzert- und 
Vergnügungslokals in der Bellevuestraße, dem alten Tier 
gartenweg, erinnert an die vielen längst eingegangenen 
Tiergarten-Lokale, die sich meistens ganz in der Nähe an 
der Südseite des Tiergartens befanden. Entsprechend den 
Zelten auf der Nordseite waren auch längs der heutigen 
Tiergartenstraße Wirts- und Kaffeehäuser entstanden, wo 
man in freundschaftlichen Zusammenkünften, fröhlichen 
Gastmählern und munteren Tänzen seine Freude suchte 
und Gelegenheitsfeste feierte. Die älteste dieser Gastwirt 
schaften lag an der Ecke der Bellevue- und Tiergarten 
straße. Hier befand sich schon zur Zeit König Friedrich 
Wilhelms I. die Schänke „Zum letzten Heller". Der 
Traiteur Richard erweiterte dann das Gehöft und legte 
darauf den berühmten, nach ihm benannten Garten, den 
späteren „Kemperhof" an, über den vom Kemper Platz 
aus der Viktoriastraße im Jahre 1857 hinweggejührt wurde. 
Auf der ehemaligen Besitzung deS Obersten v. Kleist, Tier 
gartenstraße 5 und 6, hatte der Traiteur Michaelis einen 
prächtigen Garten angelegt, über den seit 1846 die 
Matthäikirchstraße führt. Nummer 10 und 11 lag die 
Teronesche Gastwirtschaft, die zuletzt unter den Namen 
„Elysium" bekannt war und 1836 bei der Anlage der 
Bendlerstraße einging. Andere Wirtschaften waren die 
Bayersche Nr. 35, Trichmanns Blumengarten Nr. 25, wo 
man Donnerstags für 4 Groschen Kurant ein schönes 
Konzert anhören konnte, ferner das Etablissement von 
George Nr. 9, wo sich die gutsituierte Gesellschaft des 
Westens Mittwochs zur frischen Wurst zusammen fand. 
Von den anderen Lokalen sei nur noch der „Hofjäger" 
erwähnt, der auf dem Gelände der heutigen Friedrich 
Wilhelmstraße lag und in dem große Militärkonzerte unter 
Wieprechts Leitung stattfanden. 
8 Eine Umgestaltung erfährt jetzt der Potsdamer 
Platz auch westlich von dem alten Dreifaltigkeits-Kirchhof, 
wo der Weg zur großen Freitreppe des Hauptbahnhofes 
führt. Hier zieht sich längs der Kirchhofsmauer ein be 
sonders .breiter Bürgersteig entlang, an dessen Ostseite 
zwei große Buden standen, die vor Kurzem beseitigt worden 
find. Dieser Bürgersteig wird um etwa 3 rn verkürzt und 
der kassierte Teil zur Erweiterung des Straßendammes 
benutzt. Die hier an der Bordsteinschwelle stehenden, be 
reits ziemlich entwickelten Bäume werden herausgenommen 
und vor der Kirchhofsmauer neu eingesetzt. Auf dem 
Kirchhof, von dem. wie bereits gemeldet ist, der nördliche 
Teil beseitigt werden wird, sind die Abholzungen beendet. 
Augenblicklich ist man damit beschäftigt, die Grabsteine zu 
entfernen, während die noch vorhandenen Reste menschlicher 
Gebeine nicht ausgegraben werden, sondern in dem Erd 
reich verbleiben. 
Gerichtliches. 
/:) Uuderberg-Boouekamp. Daß jetzt auch in Deutschland 
den Inhabern von Warenzeichen gegen Nachahmer seitens der Gerichte 
energischer Schutz zu Teil wird, beweist ein am 13. Oktober er. durch 
das Reichsgericht endgiltig erledigter Sttafprozeß. Der Inhaber der 
Firma B. U.-J. in Moers war wegen Verletzung von Warenzeichen 
der Firma H. Underberg-Albrecht in Rheinberg, welche den welt 
bekannten .Underberg-Boonekamp' fabriziert, bereits zweimal zu 
empfindlichen Geldstrafen (darunter einmal zu 1500 M.) rechtskräftig 
verurteilt worden. Am t Juli 1904 hatte sich derselbe Angeklagte 
zum dritten Male wegen Verletzung der Zeichen der Firma H. Under- 
derg.Albrecht und zwar in dies m Falle weg-n Nachahmung der ein 
getragenen Wortmarke .Underberg-Boonekamp' vor der 10. Straf 
kammer des Landgerichts I Berlin zu verantworten. Er wurde zur 
höchsten zulässigen Geldstrafe von 5000 Mark, sein Berliner General- 
Vertreter A. R. zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Außerdem war der 
geschädigten Firma H. Underberg-Albrecht in Rheinberg dass Recht 
zuerkannt worden, den Tenor des Urteils auf Kosten der Vcmrteiltm 
in 8 Zeitungen zu veröffentlichen. Die von den Verurteilten hier 
gegen eingelegte Revision ist vom Reichsgericht am 13. Oktober er. 
verworfen worden. Es ist zu hoffen, daß so hohe Strafen ihre ab 
schreckende und erziehliche Wirkung haben, damit die Sucht gewisser 
Gewerbetreibender von dem guten Rufe großrr Firmen durch Nach. 
ahmung von Zeichen, Ausstattungen usw. mitzuprofitieren, endlich ver 
schwindet. 
Vermischtes. 
' Die Feuer-BestattuagSfeage ist im Herzogtum Sachsen- 
Meiningen in überaus einfacher Werse gelöst worden. Das Herzogt. 
Staatsministerium, Abteilung für Kirchen- und Schulsachen, hat, der 
.Flamme' zufolge, den Magistrat zu Sonnebcrg dahin beschieden, 
daß gegen die Benutzung eine« auf dem dortigen Friedhöfe zu 
erbauenden Krematoriums .keinerlei kirchliche Bedenken' beständen, 
und daß es f. Zt. der Geistlichkeit freigestellt werden würde, bet den 
Einäscherungen in einem kirchlich ausgestatteten Raume ihres Amtes 
zu walten. — Der preußische Kultusminister hat eS den Geistlichen 
bekanntlich untersagt, am Sarge eines Anhängers der Feuerbestattung 
im Talar zu amtieren. Dies Verbot hat in Wiesbaden zu der Ab 
sonderlichkeit geführt, daß die Geistlichen zu der HauSandacht für ver- 
storbene Krematisten ohne Amtstracht erscheinen und dort gleichsam 
als Privatpersonen sprechen, während sie im Mainzer Krematorium im 
Talar erscheinen, weil sie hier nur die Vertreter der Mainzer Geist- 
lichkeit sind, deren Placet sie jedesmal einzuholen haben. — Im 
letzten Vierteljahr sind in den deutschen Krematorien 430 Leichen ein 
geäschert worden — gegen 350 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. 
' Do war'S nicht gemeint. Patient: (in die Apotheke 
tretend): Geben Sie mir ein Zugpflaster! — Apotheker: Wollen Sie 
eins hinter die Ohren? — Patient: Sie sind ein Grobian, Adieu!
        
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