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Periodical volume Nr. 240, 12.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

der Wahlen gefolgt seien, sich aber bei den Verhandlungen 
reserviert verhalten hätten, um den Mitgliedern des 
Bezirksoereins in heuriger Versammlung daS Wort zu 
lassen. Herr Reinbacher kam dann auf die Schulnot im 
Friedenauer Ortsteil zu sprechen und monierte u. a., daß 
die vprAmdenen Baulichkeiten nicht ausreichen und die 
Klass-il überfüllt seien. Hierauf verlas Herr v. Wussow 
das Protokoll, das angenommen wurde. Nachdem der 
Vorsitzende noch einen kurzen Überblick über den letzten 
Städtetag, dem er selbst zwei Tage beigewohnt hat, 
gegeben, folgte der mit großer Spannung erwartete zweite 
Punkt der Tagesordnung: Besprechung der bevorstehenden 
Stadtverordneten-Wahlen im Friedenauer Ortsteil. Herr 
Reinbacher führte aus, daß in den 3 Abteilungen 4 neue 
Wahlen erforderlich sind. In der gemeinsamen Be 
sprechung, die unter den verschiedenen hierbei interessierten 
Vereinen stattgefunden, habe man den Standpunkt ver 
treten, an die alten bewährten Stadtverordneten festzu 
halten. Durch Ablauf der Wahlperiode bezw. Auslosung 
scheiden aus in der 1. Abteilung Herr Behrendt, 2. Ab 
teilung Herr Treugebrodt, 3. Abteilung Herr Kauzleirat 
Schellack mH Herr Turnlehrer Zobel. Redner gibt noch 
unter allgemeiner Heiterkeit kund, daß die Verbrüderung 
(das Zusammengehen der verschiedenen Vereine) bereits in 
die Brüche ^gegangen und der eingezahlte Vorschuß von 
20 M. wieder zurückgezahlt worden sei. Hierauf wird die 
Diskussion eröffnet. Bevor auf die Sache selbst ein 
gegangen wurde, entspann sich eine Debatte über die Art 
der Abstimmung über die Kandidaten. Herr Dr. Sa ml er 
beantragte geheime Abstimmung, der Herr Reinbacher 
entgegentrat. Herr Lehrer Kunze war dafür und bemerkt, 
daß jeder freisinnige Mann die geheime Abstimmung hoch 
halten müsse. Herr Dr. Samter zog später seinen Antrag 
zurück. Herr Reinbacher fragt nun an, ob wieder für 
Behrendt eingetreten werden soll oder ob man einen 
Herrn wähle, der im Ortsteil wohne. Herr Stadtv. 
Hecht lobte mit warmen Worten die Tätigkeit des Herrn 
Behrendt und schlägt schließlich die Wahl des ehemaligen 
Stadtrats Herrn Leidig vor. Die Herren Wolffski und 
Beer treten ebenfalls für Herrn Leidig ein. Nachdem 
Herr Treugebrodt die Erklärung abgegeben, daß Herr 
Behrendt im Ortsteil nicht kandidieren würde, und Herr 
Nitschke (Bors. des Bezirksvereins Alt-Schöneberg) bekannt 
gab, daß im 7. Bezirk an den alten Kandidaten (Behrendt) 
festgehalten wird, sprach Herr Ingenieur Leidig. Sich hier 
nicht ungeeignet haltend, hält er es für wichtig, bei den 
Wahlen mit dem Bezirks-Verein Südwest, der bereits einen 
großen Einfluß habe, Hand in Hand zu gehen. Es müsse 
im Friedenauer Ortsteil, der das Stiefkind von Schöne 
berg sei, noch viel getan werden. Pflasterung und Be 
leuchtung ließen viel zu wünschen übrig. Bei der nun 
mehr erfolgten Abstimmung war das einstimmige Resultat, 
Herrn Leidig als Kandidaten zu proklamieren. Zur Be 
ratung kam nun die Kandidatur der 2. Abteilung und 
zwar mit besonderer Lebhaftigkeit und Aufregung. Das 
Mandat des bisherigen Stadtverordneten Treugebrodt 
läuft ab, und bei der Wahl ist zu berücksichtigen daß ein 
Hausbesitzer gewählt werden muß. In kollegialischer Weise 
sprach Herr Hechts für Treugebrodt. Hierauf ergriff Herr 
Dr. Samter das Wort. Er trat Herrn Treugebrodt scharf 
entgegen und machte Ausführungen über ihn, welche die 
Anwesenden in Erstaunen und Aufregung versetzten. Redner 
warf ihm vor, daß er bei seiner letzten Wahl die Wähler 
belogen, und in Flugblättern die Namen Lohausen und 
Dr. Nathan gefälscht habe. Nach weiteren Angriffen gegen 
die Ehre des Herrn Treugebrodt schlägt Herr Dr. Samter 
als geeigneten Kandidaten Herrn Stahl vor und erklärt 
zum Schluß, daß, im Falle Herr Treugebrodt wiedergewählt 
werden sollte, unverzüglich gegen ihn eine Anzeige wegen 
Urkundenfälschung an die Staatsanwaltschaft abgeht. Herr 
Reinbacher macht Herr Dr. Samter darauf aufmerksam, 
daß es nicht angeht Herrn Treugebrodt als unehrenhaft 
zu bezeichnen, und nimmt später Herr Dr. Samter diesen 
Ausdruck zurück. Herr Gastwirt Reimann ersucht im 
Interesse der Bürgerschaft nicht ffür die Wahl des Herrn 
Treugebrodt einzutreten. Herr Treugebrodt geht des 
Längeren auf seine Tätigkeit ein, wehrt sich gegen die 
Rede des Herrn Dr. Samter ohne jedoch auf dessen Anschuldi 
gungen selbst zu erwidern und bemerkt schließlich daß 
Samters Worte alle an ihm abgeprallt seien. Herr Zobel 
wendet sich ebenfalls scharf gegen Treugebrodt, verliest einen 
Brief Dr. Nathans, in welchem einige Verfehlungen Treu 
gebrodts bestätigt werden; und empfiehlt nur einen solchen 
Herrn vorzuschlagen, der einwandsfrei ist. Herr Naumann 
wünscht wieder einen Handwerksmeister als Vertreter und 
Steinmanns schien ihm unnatürlich, es klang ja beinahe gleich 
gültig. Es stand doch zu viel aus dem Spiele, um es so 
leicht zu nehmen, es ivar unbegreiflich. 
Stcinman verstand ihn und legte ihm die Hand auf die 
Schulter, indem er sagte: „Lieber junger Freund, es handelt 
sich hier um mehr, als ein Scheibenschießen. Und in solchem 
Falle nmß jeder Schuß sitzen. Ist man seiner selbst darin 
nicht sicher, so darf man sich garnicht in solche Lage bringen. 
Meine Erfahrung hat mich gelehrt, daß kein Raubtier den 
zweiten Schuß abwartet, ehe es angreift, und wir haben es 
niit recht bösartigem Raubvieh heute zu thun. Es heißt, 
wir oder sie." 
Etwas beschämt nickte Girolamo — in diesem Augenblicke 
hörte man ein leises Schleichen unter dem Fenster. Jnno- 
cenzo knickte in den Knien zusammen, klapperte mit den 
Zähnen und staiumelte ein Gebet. 
„Still, keinen Laut!" befahl Steinmann kurz und stellte 
sich an das Fenster. Girolanw ging an die Tür; jetzt, lvo 
die Gefahr da war, fühlte er sich ruhig, seine Hand war 
sicher, sein Blick fest; Steinmann sah es erfreut, er hatte das 
sichere Gefühl des Gelingens. Zwei tüchtige, gut bewaffnete 
Männer könnten etwas leisten, ohne Zweifel. Plötzlich blitzte 
es hell durch die obern Fugen der Jalousien auf. „Zündet 
das feige Banditenvolk das Haus an?" fragte Steinmann ent 
rüstet und schwang sich aus das Fensterbrett, um hinaus zu 
spähen. Nein, aber es war das Sparrenwerk des Lauben 
ganges. „Sie haben auf keinen Widerstand gerechnet, ich sehe 
nur vier Leute", sagte er dann. Sein Blick fiel auf Jnuo- 
cenzo, er lächelte. Der Alte hätte allerdings keinen Wider 
stand geleistet. 
(Fortsetzung folgt.) 
schlägt Herrn Bäckermeister Görl vor. Dieser gibt die Er 
klärung ab, auf die Wahl zu verzichten. Nach einigen 
gegenseitigen persönlichen Einwürfen erfolgte die geheime 
Abstimmung, deren Resultat eine Stichwahl nötig machte 
zwischen Treugebrodt und Stahl. Das Ergebnis dieser 
war 24 zu 24 Stimmen, also resultatlos. In der einzu 
berufenden Wählerversammlung wird dieses bekannt ge 
geben werden und bleibt es demnach den Wählern überlassen, zu 
entscheiden. Bei der 3. Abteilung ging die Sache ebenso 
lebhaft, aber ohne Ehrenkränkungen zu. Mit großer Ma 
jorität wurde beschlossen Herrn Kanzleirat Schellack wieder 
vorzuschlagen. Herr Reinbacher sowohl als auch Herr 
Dr. Rabenow treten mit Wärme und aus vollster 
Überzeugung für Herrn Zobel ein. Ersterer erklärt, daß 
sich Zobel in seiner kurzen Zeit als Parlamentarier tüchtig 
bewährt habe, bereits Mitglied einiger Deputationen ge 
worden und daß er ihn in der Stadtverordnetenversammlung 
gerne als Nachbar behalten möchte. Herr Dr. Rabenow 
sprach in interessanter Weise über Wohlfahrtsbestrebungen 
bezw. -Pflege und erklärte, daß Herr Zobel derjenige ge 
wesen sei, auf dessen Anregung die Stadt Schöneberg die 
Deputation für Wohlfahrtspflege geschaffen, und ist solche 
Einrichtung im ganzen Deutschen Reich und in der ganzen 
zivilisierten Welt, in keiner Gemeinde bisher vorhanden. 
Herr Zobel zeige sich auch hier als eifriges und ver 
ständnisvolles Mitglied für die Sache, so daß er ihn zur 
Wiederwahl nur bestens empfehlen könne. Mit lebhaftem 
Beifall wurde dem Redner gedankt. Herr Kunze trat als 
Gegner von Zobel auf und bezichtigte ihn, daß er öfters 
zu grob mit seinen Mitmenschen verfahre, er behandele 
sie zu brüsk, er sei ein Selbstherrscher und es beliebe ihn 
öfters seinen Gegner sozusagen mit einer geistigen Holzaxt 
vor den Kopf zu schlagen. Herr Dr. Marwitz spricht 
für Zobel und hält ihn gerade mit seiner offnen ehrlichen 
Aussprache für den richtigen Mann. Ein Wechsel der 
Kandidatur könne dem Friedenauer Ortsteil nur schaden. 
Herr Görning tritt in launiger Weise für Zobel ein 
und meint, daß man „ölglatte" (?) Vertreter nicht ge 
brauchen könne. Nachdem auch noch Herr Stadtverordneter 
Hecht kollegialisch die Interessen des Herrn Zobel ver 
treten, wurde Herr Zobel ohne Widerspruch als ein 
stimmiger Kandidat den bürgerlichen Parteien vorgeschlagen. 
Herr Dr. Marwitz stellte den Antrag, da die Kandidaten 
frage der 1. sowohl als auch der 3. Abteilung geklärt 
wäre, nur eine Wählerversammlung für die 2. Abteilung 
einzuberufen. Demselben wurde mit Majorität entsprochen. 
Der letzte Punkt: Jntereffenfragen und Fragekasten wurde 
vertagt und die Sitzung um 1 Uhr geschlossen. 
f Im Nationalen Reichswahlverein für 
Friedenau sprach gestern Abend in einer im Kaiser 
Wilhelm-Garten einberufenen, leider nur mäßig besuchten 
Versammlung Herr Dr. Bovenschen über das Thema: 
„Wie befreien wir unsern Rcichstagswahlkreis von der 
sozialdemokratischenVorherrschaft?" Gegen i/zlOUHreröffnete 
der Vorsitzende, Herr Dr. Kleinecke, die Versammlung 
und begrüßte die Erschienenen. Bevor er dem Redner das 
Wort erteile, wolle er jedoch noch einiges vorausschicken. 
Wie aus der Karte ersichtlich, gehört die hiesige Orts 
gruppe zum Reichsverbande gegen die Sozialdemokratie. 
In unserem Kreise versuchte man dadurch der Sozial 
demokratie entgegenzuwirken, daß man einen gemäßigten 
Konservativen, Hammer, aufstellte, mit welchem Erfolge, 
haben wir gesehen. Die bürgerlichen Parteien müssen 
geschlossen dastehen. Wie mir nun der Sozialdemokratie 
entgegen arbeiten können, daß wird im fernerem Herr Dr. 
Bovenschen uns noch näher erklären. Herr Dr. Boven- 
sschen führte nun ungefähr folgendes aus: Unser großer 
deutscher Staatsmann, Fürst Bismarck, sagte einmal im 
.Norddeutschen Bundestage: „Setzt Deutschland nur in den 
Sattel, reiten wird es schon können." Die Worte haben 
sich erfüllt und Deutschlands Kaiserkrone ist auf den 
Schlachtfeldern neu gegründet worden. Deutschland galt 
sonst nur als das Land der Dichter und Denker in dem 
kein Handeln war, heute stehen wir jedoch im Reiche der 
Völker mit als die ersten da, und unsere Leistungen rufen 
das Staunen der ganzen Welt hervor. Die Sozial 
demokratie wirkt nun immer darauf hin, unser wirtschaft 
liches Leben zu untergraben. Hier müssen wir einwirken. 
Die Sozialdemokratie kann uns hierbei als Muster gelten. 
Finden wir in ihrem Innern auch, daß Streit und Haß 
herrscht, so steht sie nach außen doch als geschlossene 
Phalance da. Die Sozialdemokratie behauptet sich als 
die Arbeiterpartei., sie hat jedoch gegen sämtliche sozial 
politischen Gesetze gestimmt, will also den Segen dieser 
Gesetze nicht anerkennen. Die Arbeiter bilden aber auch 
selbst Verbände, um gegen die Sozialdemokratie zu wirken. 
Streiks, die entstanden, sind Leistungen der Sozialdemo 
kratie, so auch der jetzige Berliner Streik in den Elek 
trizitätswerken. Die Sozialdemokratie scheine also nicht 
zum Segen, sondern zum Schaden der Arbeiterschaft zu 
wirken. Redner bezeugte,' wie der ReichSve band schon 
zum Besten gewirkt hätte; in den stattgehabten Ersatz 
wahlen zum Reichstage ist dann auch schon ein Erfolg 
der bürgerlichen Parteien zu erblicken, nur in Essen nicht, 
wo aber auch der Reichsoerband nicht tätig war. Der 
Vortragende zeigte dann noch das Wirken deS Reichsver 
bandes an verschiedenen anderen Orten, wo die bürger 
lichen Parteien geschlossen dastanden. Wir müssen nicht 
nur zur Zeit der Wahlen tätig sein, nein auch in der 
übrigen Zeit in regem Verkehr mit den gesamten bürger 
lichen Parteien stehen. Nun ist die Frage, ob auch in 
unserem Kreise ein Erfolg zu erzielen sei. 1903 zählten 
wir 183 000 Wähler. Das Wahlrecht übten jedoch 
nur 139 204 Wähler aus. Die Sozialdemokratie hatte 
15 804 Stimmen -mehr als die bürgerlichen Parteien. 
Rechnen wir nun von den 50 000 Wählern, die ihr 
Stimmrecht nicht ausübten, noch 10 000 zur Sozial 
demokratie, so können wir doch damit rechnen, daß bei 
Beteiligung aller an der Wahl die bürgerlichen Parteien 
als Mehrheit dastehen. Bei der Stichwahl müssen wir 
also vor allem dahin wirken, daß auf einem bürgerlichen 
Kandidaten sich die Stimmen aller bürgerlichen Wähler 
i vereinigen. Wir können ruhig im einzelnen Vereine unsere 
politischen und religiösen Gesinnungen pflegen, im Reichs 
verbande aber wollen wir geschlossen dastehen gegen die 
Sozialdemokratie. — Der Vorsitzende sagte dem Redner 
besten Dank für seine Rede, die durchtränkt war vön 
echter Vaterlandsliebe. Auch der Versammlung spricht er 
den besten Dank aus für das Erscheinen, doch sei es 
jammerschade, daß nicht ein größerer Teil hier heute er 
schienen sei. Wir müssen in Versammlungen -auch außer 
der Wahlzeit, reger sein, solches können wir, wie schon der 
Herr Redner ausführte, von der Sozialdemokratie lernen. 
— Eine Diskussion fand nicht statt. — Der Vorsitzende 
forderte dann auf, dem Verein beizutreten und schloß 
gegen x /g 11 Uhr die Versammlund. 
-j- Die deutsche optische uud photographische 
Industrie hat einen neuen Erfolg errungen und eine 
internationale Anerkennung gefunden, u. z. hat die führende 
Firma dieses Industriezweiges — die Optische Anstalt 
C. P. Goerz Aktiengesellschaft hieselbst — auf der Welt 
ausstellung in Lüttich den „Grand Prix" erhalten, nach 
dem ihr schon auf der St. Louis'er Weltausstellung 
ebenfalls der Grand Prix zuerkannt wurde. Die Firma 
Goerz hatte eine reichhaltige Kollektion ihrer photogra 
phischen Objektive und Apparate ausgestellt, unter denen 
besonders das „Alethar", ein neues Objektiv für Repro 
duktionen und ein außerordentlich verbessertes Modell der 
bekannten Goerz-Anschütz-Klapp-Kamera bemerkenswert 
sind. Ferner kamen Goerz'fche Tele-Objektive für Hand- 
und Balgen-Kameras, Photo-Stereo-Binocles, Sektoren- 
Verschlüffe usw. zur Ausstellung. Auf rein optischem und 
mechanischem Gebiet brachte die Anstalt ebenfalls ver 
schiedene Neuheiten, unter denen die Panoramafernrohre 
und Zielfernrohre für Geschütze besonderes Interesse er 
regten. Die bekannten Goerz-Trieder-Binocles -waren in 
einer ganzen Anzahl Modellen für alle erdenklichen Zwecke 
des Fernsehens vertreten. 
f Beleuchtet die Treppe«. Da die Tage jetzt 
schon merklich kürzer werden, tritt wieder die Notwendigkeit 
an die Bewohner heran, Abends die Treppen zu be 
leuchten. Mit Rücksicht auf die große Bedeutung der 
Frage, deren Nichtbeachtung unter Umständen zu den 
schlimmsten und unliebsamsten Verwickelungen führen kann, 
geben wir hier folgendes bekannt: Die Beleuchtung, 
welche sich auf alle jedermann zugängliche, tatsächlich dem 
Verkehr dienenden Treppen und Flure zu erstrecken hat, 
muß das ganze Jahr hindurch, also ohne Unterschied der 
Jahreszeit, mährend derjenigen Stunden erfolgen, in 
welchen es an ausreichender Erleuchtung durch natürliches 
Licht mangelt, und zwar bis 10 Uhr Abends. Als aus 
reichend wird die Erleuchtung nur dann anzusehen sein, 
wenn sie ein deutliches Erkennen der betreffenden Räume 
ermöglicht. Verpflichtet zu der Beleuchtung und der 
Polizei gegenüber ist der Eigentümer des Grundstücks, 
gleichviel, ob etwa nach dem Inhalt von Privatverträgen 
ein anderer diese Verpflichtung übernommen hat. In 
diesem Sinne sind bisher die gerichtlichen Entscheidungen 
ergangen. 
f Der Graste Preis von Berlin hatte in den 
letzten Tagen schon zahlreiches Publitum zum Training 
nach dem Sportplatz Steglitz gelockt, wo die Dauerfahrer 
eifriger Arbeit für das letzte und größte Ereignis der 
Saison oblagen. Der erste Start Dickentmanns auf der 
Steglitzer Bahn gegen so große Konkurrenz, wie sie ihm 
am Sonntag gegenübertritt, macht die 100 Kilometer-Fahrt 
um so interessanter, als der Holländer von seiner großen 
Schnelligkeit nichts eingebüßt hat. Weiter kamen auch 
Huber, Demke und der Weltrekordmann Guignard ver 
schiedentlich über die Bahn, während Robl sein Training 
erst am Donnerstag aufnehmen konnte, da seine Führungs 
maschinen aus Dresden noch nicht angekommen waren. 
-j- Eine Zerstörungswut müssen wieder eine 
Anzahl halbwüchsiger Jungen gehabt haben. Im „Kleinen 
Rathaus" hatten sie in der Nacht von Sonnabend zu 
Sonntag die elektrische Lichtanlage vollständig zertrümmert, 
so daß die Beleuchtungskörper sämtlich ersetzt werden mußten. 
-j- UngluckSfall. Als heute gegen Mittag der 20 
Jahre alte ledige Arbeiter S. der Blusenfabrik Kohn, 
Berlin. Königgrätzerstr., mit einem Handwagen die Rhein 
straße an der Goerzschen Fabrik passierte, wurde er von 
einem entgegenkommenden Sandwagen erfaßt und nieder 
geworfen, wobei das Hinterrad über ihn fortging und den 
linken Fuß schwer verletzte. Die Mitglieder der Sanitäts 
kolonne Niedergesäßs und Möbius luden den Verletzten 
auf eine Tragbahre der Goerzschen Sanitätswache und 
brachten ihn nach dem Flur der Adler-Apotheke, von wo 
er dann nach seiner Wohnung, Berlin N-, Elbingerstraße. 
geschafft wurde. Die Schuld an dem Unfall trifft den 
Führer des Sandwagens, der trotz der gerade mit Fuhr 
werken angefüllten Straßenstelle sich die Durchfahrt in 
entgegengesetzter Richtung verschaffen wollte. Der Name 
des Wagenlenkers konnte noch nicht ermittelt werden. 
t Dreifacher Sittlichkeitsverbrecher. Der bei 
seinen Eltern im Armenhause wohnende Arbeitsbursche 
Wilhelm N. hatte sich auf dem Felde an einem 12 jährigen 
Mädchen, im Armenhause wohnend, sittlich vergriffen. 
Die Eltern versuchten nun das Kind als Lügnerin hinzu 
stellen, und drohten sogar den Hausverwalter wegen 
falscher Anschuldigung zu verklagen. Inzwischen ermittelte 
der Verwalter mit Hilfe des Gendarm Schulz zwei weitere 
Verbrechen, ebenfalls von N. begangen an Schulkindern. 
Als der Übeltäter merkte, daß ihm der Boden zu heiß 
wurde, suchte er seit gestern das Weite um sich seiner 
Festnahme zu entziehen. Im Arinenhause durfte er seine 
unsittlichen Handlungen wohl nicht erdreisten,, denn dort 
herrscht bekanntlich strenge Ordnung. 
f Zu den 4fachen Bod>'ndiebstählen in der 
Stubenrauchstr. 19 berichten wir noch, daß die Diebe, eine 
organisierte, erprobte Bande, vielleicht aus 4 Köpfen be 
stehend, diesen Diebstahl in der ' Nacht vom 9. zum 
10. d. Mts. verübten und gegen - 2 1 / 2 Uhr, mit einem, 
mit einer Stoßstange versehenen, b'raungestrichenen, zwei 
rädrigen Handwagen ihre Beute 'fortfuhren. Gestohlen 
wurde unter anderem ein wertvoller Damennerzpelz mit 
schwarz gemustertem Überzeug, eine wertvolle grüne Plüsch 
tischdecke mit Handstickerei und, grünem Tuchfutter, 
1 Nerzpelzmuffe, ein Livreeanzug, auf dessen vergoldeten
        
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