Path:
Periodical volume Nr. 1, 02.01.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Gleichzeitig Organ für den Hriedenauer Grtsteil von Schöneberg nnd den Vezirkrverein Süd-Deß. 
Unparteiische Zeitung für Kommunale 
Bezugspreis 
bei Abholung aus der (Expedition, Rhein- 
K 15, l,30 M. vierteljährlich; durch Boten 
>aus gebracht oder durch die Post be 
zogen I M. 50 Pf., monatlich 50 Pf. 
Bestellungen 
tn der Expedition, bei sämtlichen Zeitungo- 
spcditeuren und Postanstalten. 
Fernsprecher: Nr. irr». 
Erscheint täglich abends 
besondere 
Jeden Mittwoch: 
ZHiiGkettt „Seiferrbtnsen". 
Druck und Verlag von 
i? e o Schultz in Friedenau. 
und bürgerliche Angrlegenlikitkn. 
Erscheint täglich abends 
Beilagen 
Zeden Lvuuabend: 
Wl'älter für deutsche Aruueu. 
Verantwort!. Redakteur: 
v e o Schultz in Friedenau. 
Anzeige« 
werden bis l Uhr mittags angenommen. 
Preis der 5 gespaltenen Zeile oder deren 
Raum 25 Pf. 
Die Reklamezetle kostet 60 Pf. 
Anzeigeuannahoee 
in der Expedition, Rheinstratze l5, sowie 
in allen Annoncenexpeditionen. 
Fernsprecher: Rr. 1LS. 
V 1 
Friedenau, Montag den 2. Januar 190 
12. Jahrg. 
Depeschen. 
Belgrad. Gestern Nachmittag artete eine von einem 
unbekannten Ausschuß zur Verurteilung der Haltung der 
oppositionellen Presse cinberufene Volksversammlung in 
einen Tumult aus. Unter Pfeifen und Gejohle nahm die 
Mehrheit der Teilnehmer Slellung gegen die Einberufer, 
die man prügeln wollte. 
Liducy. Die Tongaische Staatskasse ist angeblich 
leer. Die Europäer sollen allgemein eine englische Ver 
waltung erhoffen. — Die nach den Fischiinseln deportierten 
Minister werden als politische Gefangene behandelt. — 
Bezüglich der vom Norddeutschen Lldyd geplanten Ver 
mehrung der Australienfahrten bedauert der „Herald" die 
Interessen der Ausländer befördernde Ignoranz der 
Arbeiterpartei — Durch die große Hitze entstanden Wald 
brände. Es wurden ganze Landstriche verwüstet. Die 
Ansiedler sind enorm geschädigt Die Ortschaft Gnndagas 
ist bedroht. 
Vom Russisch-Japanischen Kriegsschauplatz. 
Tokio. Amtlich wird gemeldet: Port Arthur 
hUtzheutc nach Erschöpfung seiner VerteidignngS- 
Bitif ' unter ehrenvollen Bedingungen für die 
Beft.^ung kapituliert. 
Kunstgewerblicher Unterricht in Lehrwerkstätten. 
Vr n Minister für Handel und Gewerbe ist unterm 
15. De, 'ber d. Js. ein Erlaß ergangen, dem wir nach- 
solgcnde .n.nehnteu: 
Die neuere Entwickelung des kunstgewerblichen Unter 
richts hat dazu geführt, den Lehrwerkstätten eine vermehrte 
Bedeutung zuzuerkennen. Eine Anzahl kunstgewerblicher 
Lehranstalten ist bereits dazu übergegangen, die praktische 
Fertigkeit in kunstgewerblichen Arbeitsweisen in besonders 
dafür eingerichteten Lehrwerkstätten zu vermitteln. Ja. 
Hinblick auf den günstigen Einfluß, der hiervon auf da 
Kunstgewerbe zu erwarten ist, empfiehlt es sich, diese 
Bestrebungen auch fernerhin besondere Aufmerksamkeit 
widmen. 
Der Unterricht in Lehrwerkstätten wird das Mit 
an die Hand geben, dem Schüler die notwendigen 
Ziehungen zwischen Werkstoff' und Form nachdrücklich , 
Bewußtsein zu bringen und ihn dazu erziehen, fei 
ttmtwurf sachlicher, wirtschaftlicher und zweckmäßige 
entwcke.,.. ^"T^.^'^.PeschäfligU!,g mit dem Mo 
wird ferner im Schüler vi?uf Abwege führende 
stellung beseitigt werden, als oö'e Herstellung ä 
gefälliger Zeichnungen ein erstre't^'E^s ;V 
ohne Rücksicht daraus, ob fit dem Mater 
Eigenart gehörig Rechnung tragen. Auch r 
wird die Werkstäne neue wertvolle Anregunge 
können, die sich statt aus äußerlich übermitte. 
(Bin dunkkee (Aäkset 
Roman von Alfred Wilson. 
in autorisiert:r !l b-ichmig von Johanna Znnk-F: 
?! ver : 'o 
Alte nickte und gab seinem Gaule einen 
Schlag. Lerse wiehernd setzte sich das Pstro miede 
»egung und die Jagd ging weiter. 
An den Minories hielt der Kutscher plötzlich an 
»ach nn,gen Sekunden fuhr er schoii wieder leeiter 
l»gte vorsichtig hinaus. Er konnte von Usher nicht- 
sehen; aber als er durch das gegenüberliegende Wagei. 
vnckte. bemerkte er ihn drüben auf der Seite schuc 
Straße hinuntereilen. Für die Schlauheit bekommt > 
Kutscher ein Extratrinkgeld, dachte Gordon. 
Ter Wagen folgte Usher die ganze Straße hindurc.,. 
wieder nne Strecke weiter, ,mmer wriler und weiter. 
„Wo, zum Kuckuck, geht der bloß hin?* fragte sich Gordon. 
ai» jener ,n immer ödere und abgelegenere Gassen einbog 
Jetzt wandte er sich Minden Lane, einer berüchtigten 
engen Gaffe Londons zu! Der Wagen vermochte ihm nicht 
H^ehr zu folgen, du die Durchfahrt viel zu schmal war. — 
. -Sie können ihm hier nicht folgen/ sagte der Kutscher, 
^denn Sie können sich unmöglich vor ihm verbergen; er muß 
S« ja sofort in der menschenleeren Gasse hören und sehen.' 
Gordon biß sich auf die Lippen. 
„Was, beim Himinel, fange ich denn an? Ich inuß es 
probieren, koste es, ivas es wolle.' P 
,3$ roeij} schon Rat,' eutgcgnete ihm der Alle. nachdem 
rr einen Moment überlegt halte. ^ 
- Bt cm■ Okhl bestimmt in irgend ein 
^^s. denn Minden Lane ist eine Sackgasse. Sie bleiben bei 
oem Wagen und ich folge jenem! 
„Gut,' erwiderte Gordon. „Gehen Sie. aber nochmals, 
vorsichtig, er ist ein gewandter Mensch nnd entschlüpft 
aus die durch eigene Tätigkeit gewonnene Einsicht in die 
Gestaltungsmöglichkeiten des Materials gründen. 
Die Angliederung von Werkstattunterricht wird endlich 
dazu beitragen, die bisher öfter genügte einseitige Aus 
bildung von Kunstgewerbezeichnern, welche das Material 
nichl kennen und der handwerksmäßigen Tätigkeit ent 
fremdet sind, einzuschränken und auf diesem Wcge auch 
auf Förderung des Handwerks hinwirken. 
Bei der Einrichtung von Lehrwerkstätten empfiehlt 
es sich. in erster Linie die örtlichen Industrien zu berück 
sichtigen und zunächst solche Arbeitsweisen ins Auge zu 
fassen, bei denen der künstlerische Wert vornehmlich auf 
der eigenen Arbeit des Künstlers beruht. Von der Ein 
richtung solcher Werkstätten dagegen, die kunstgewerbliche 
Gegenstände in größerer Zahl oder von größerem Umfange 
ausführen sollen, ist der Regel nach abzusehen. Auch ist 
daran festzuhalten, daß der Werkstattunterricht, soweit er 
für Handwerkslehrlinge und Gehilfen bestimmt ist, regel- 
niäßig eine Ergänzung und nicht einen Ersatz der Meister- 
lehre bilden soll, und daß bis auf weiteres nur in Aus 
nahmefällen und unter Berücksichtigung besonderer örtlicher 
Verhältnisse von dieser Regel abzuweichen sein wird. 
Neben den schon in weiterem Umfange bestehenden 
Werkstätten für Treiben, Ziselieren und Holzschnitzen werden 
sich an Kunstgewerbeschulen zunächst etwa das Knnst- 
schmiedcn, die Lithographie, der Schriftsatz, das Buchbinden, 
die feinere Holz- und Metallbearbeitung jeder Art und 
die weiblichen Knnsthandarbeiten für den Werkstättenbe- 
frtfiS Ptopnrn 
1 
i 
! 
N 
i- 
auch hier der Schüler ans das Künstlerische hinzuweisen 
und namentlich sein Sinn für die logische Entwickelung 
der Form aus der Konstruktion zu wecken ist, so wird es 
sich bei Schulen dieser Art im Allgenieinen doch um die 
Ausführung vorhandener Entwürfe handeln. Es ist dann 
jedoch peinlich darauf zu achten daß nur Entwürfe von 
künstlerisch guter und technisch einwandfreier Art hierfür 
gewählt werden. 
In allen Fällen empfiehlt es sich, den Werkstätten 
betrieb zunächst in kleinem Rahmen zu beginnen und 
Erweiterungen erst auf dem Boden der gewonnenen 
Erfahrungen vorzunehmen. Beim Planen von Neubauten 
ist jedoch auf die Anlegung von Werkstätten von vornher 
ein Rücksicht zu nehmen. Dabei werden, wo die Verhält- 
niffe dies zulaffen, solche Werkstätten, in denen geräusch 
volle Arbeiten ausgeführt werden, zweckmäßigerweise in 
ein Untergeschoß oder, wenn möglich, in ein Nebengebäude 
zu verlegen sein. 
Die in Schulwerkstätten erzeugten Gegenstände dürfen 
nicht in einer Weise veräußert werden, daß daraus dem 
Handwerk oder Industrie ein Wettbewerb erwächst. Sie 
können den Anfertigern gegen entsprechenden Entgelt, der 
zum mindesten die Materialkosten zu decken hat, überlaffen, 
der Sch^lsammlung einverbleibt oder anderen Anstalten 
für deren Sammlungen oder als Unterrichtsmaterial gegen 
Ersatz der Selbstkosten abgetreten werden. Soll eine 
Veräußerung zu anderen als den vorerwähnten Zwecken 
stattfinden, so ist diese nicht unter dem Marktwert zuläffige 
und bedarf derGenehmigungderSchulv'-rstäridesKuratorien?
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.