Kcht lange dauern, so wird Herr von Stubenrauch^ aanr
hervorragende Kraft man an maßgebender Stelle' „ schöllen
veiß, bald weiter befördert wird. Die Thatsache,
Regierungsbezirk Charlottenburg wohl bald gegründet
wird wohl auch Herrn von Stubenrauch die Rcmgechchunä
dringen. "
ch Sylvester und Neujahr verlief in unserem Ort
;m allgemeinen in großer Ruhe. Die Feierlichkeiten waren
rnd blieben mehr auf das Innere der Häuser beschränkt, nach
rußen hin machte sich in der Neujahrsnacht wenig geltend.
Wan hatte die Empfindung, daß ein so bedeutungsvoller Abschnitt
nicht mit lauter Fröhlichkeit gefeiert werden müsse,
ondern daß man mehr ins eigene Herz den Blick wenden
olle und im Reich der Familie das Fest begehe. Dieser
»ehr innerliche Zug machte sich auch schon in der Abendkirche
rm Sylvester geltend, die stark besetzt war und zwar nicht
rur von Frauen, die ja weit mehr Zug nach dem Gotteshaus
)swen, sondern auch von Männern. Herr Pastor Görnandt
fielt eine tiefe gedankenvolle Predigt, in der er darauf hinvies,
daß der Ruf der Glocken jetzt allgemein überhört werde,
ind dennoch gäbe es eine Christenheit. Freilich das Geräusch
rnd der Trubel des schnellen, täglichen Lebens übertäubt leider
etzt zu sehr den Ruf der Glocken. Aber doch für den Nachtlottesdienst,
der um 2/412 Uhr begann, hatte der eherne
Rund der Glocken nicht vergeblich gerufen. Fast unser ganzer
2rt und das benachbarte Wilmersdorf und Schöneberg sandten
loch eine große Zahl ihrer Bewohner. Die Kirche erwies sich
ntschieden als nicht ausreichend für eine so exceptionelle
Zeier. Viele Andächtige mußten vor der Kirchenthür umehren,
tüetl kein Platz mehr zu finden war. Herr Pastor
Äörnandt hielt eine Andacht von großer Feierlichkeit, jeder
ühlte die Nähe des Höchsten in dieser weihevollen Stunde,
oo sich zwei Jahrhunderte schieden. Bezeichnend ist, daß
elbst von Maskenfesten und anderen Vergnügungen die Leute
ich lösrissen, um zur Andacht zu gehen. Das mag vielleicht
mch der Grund gewesen sein, daß die sonst so laute Sylvestertacht
in Ruhe verlief und daß die Schutzmanns- und
Sensdarmeriepatrouillen keine Arbeit fanden.
Das alte Jahrhundert ist dahin, es lebe das Neue!
. Das Jahr 1900 ist ein gemeines Jahr zu 365 Tagen.
Das letzte Schaltjahr war 1896, das nächste wird 1904 sein,
ja die Jahre 1700, 1800, 1900 keine Schaltjahre sind,
nährend das Jahr 2000 wieder ein Schaltjahr sein wird.
Wer also am 29. Februar geboren ist, hat jetzt 8 Jahre
Mg keinen Geburtstag. Der Frühling beginnt am 21. März,
!>er Sommer am 21. Juni, der Herbst am 23. September,
>er Winter am 22. Dezember.
f— Wichtig für Hausbesitzer. Die erste Kammer
>es V. Senats des Oberverwaltungsgerichts hat in ihrer
Os* fctDiO ct'' s
rwril ^jü^ |IU vit rttittW 2yft—
«sttzer wichtige Entscheidung gefällt, daß die Kanalisationslbgabe
von dem Einkommen aus dem Grundbesitz für abzugsähig
gilt. Nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgcrichts
cat die Kanalisationsabgabe den Charakter einer für die Inanspruchnahme
einer städtischen Einrichtung, für die Benutzung
iner im öffentlichen Interesse unterhaltenen Veranstaltung erhobenen
Gebühr. Es sei hierbei auf § 4 des Kommunalbgabengesetzes
hingewiesen, welcher besagt, daß die Gemeinden
die Benutzung der von ihnen im öffentlichen Interesse
arterhaltenen Veranstaltungen besondere Vergütungen (Gesihren)
erheben können. Besteht eine Verpflichtung zur Bcrrtzung
einer Veranstaltung für alle Gcmeindeangchörigen
der für einzelne Klassen derselben, oder sind die Genannten
uf die Benutzung der Veranstaltung angewiesen, so ist unter
Berücksichtigung des öffentlichen Interesses, welchem die Veranlaltung
dient, und der den Einzelnen gewährteu besonderen
.Vortheile eine entsprechende Ermäßigung der Gebührensätze ge-£ame
nur einmal, als ich Dich lies achte, fluchtig aus einem Eurer
Ocille kennen gelernt — sie ist in der That schon und aumulhig,
uid ich hege nicht den geringsten Zweifel, daß sie in jeder Weise
deiner Liebe würdig ist."
„O, sie ist ein Engel", .rief Meinhard, „mit allen edlen
Eigenschaften, die ein Mädchen nur haben kann!"
„Ich habe Dir gesagt und wiederhole es", fuhr der Kamiuer->err
fort, indem er die Krnvatte nnilegte, „daß man sich in
Leinem Älter oft über die Eigenschaften einer Dame und auch
iber seine eigenen Gefühle täuschen kann. Du hast mir geschworen,
daß Du Dir völlig über Dich selbst klar seiest und
licmals eine Andere lieben würdest."
„Ich wiederhole diesen Schwur", ries Meinhard.
„Sinn denn", sagte der Kammerherr, „da es so' ist, so
cheint mir an der Sache nichts mehr zu ändern zu sein. Ich
gestehe es Dir offen, daß, ganz abgesehen von den Vvrtresslichen
ersönlichen Eigenschaften der jungen Dame, die so glücklich war,
Lein Herz zu gewinnen, es mir eigentlich lieber wäre, wenn
neine künftige Cousine einen nnserem Hanse ebenbürtigen Namen
ährte; aber ich bin über engherzige Bornrtheile in dieser Beiehung
erhabeil und Du darfst gewiß sein, daß fleh Deine
Gemahlin ebenso herzlich und ebenso ehrerbietig begrüßen werde,
ils ob sie eine Gräfin vom ältesten Hause lväre. Dein Vater,
)as weiß ich, denkt ähnlich. Lieb freilich wird ihm die Sache
inch nicht sein, aber er wird sich dazu bequemen und ich habe
Dir ja schon meine Unterstützung zugesagt, wenn er mich, wie
ich glaube, um Rath fragen sollte, da ich ja doch der Einzige
hin, der außer Euch noch unsern Namen führt."
„Das habe ich auch geglaubt", sagte Meinhard, „doch so--
i>c meine Hoffnung erschüttert."
warum", fragte der Kammerherr aufhorchend,
andere Pläne mit Dir?" •
, Pläne", erwiderte Meinhard, „aber er
* reiche und zugleich vornehme Heirath
Kd, da ja unsere Linie aus ztvei Augen
1 der Residenz versetzen lassen, um mir
n,. und auch mit Dir darüber sprechen,
.vßes Vermögen nöthig sei, unl unsere
.em alten Glanz zu erheben und es mir
m königlichen Dienst emporzusteigen, statt
stattet; es kann sogar in Fällen dieser Art die Erhebung von
Gebühren unterbleiben. In der Kommissian des Abgeordnetenhauses
bei Berathung des K. A. G. wurden vom Finanzminister
als Beispiel für Anstalten im Sinne dieses Paragraphen
ausdrücklich die Kanalisationen angeführt, sbei denen
man den Hausbesitzern nicht alle Lasten aufbürden könne.
-j-— Das Rieselgut Ragow, über dessen geplanten
Ankauf wir bereits berichteten, ist nunmehr von unserer Stadt
erkauft worden. Der Kaufvertrag ist abgeschlossen worden.
Der Morgen kostet, wie schon berichtet, 320 Mark, was bei
enem Terrain, wie das erworbene, das 2700 Morgen umfaßt,
ein-n Kaufpreis von 891 000 Mark beträgt. Das Druckrohr
nach dem Schöneberger Nieselfelde wird 22 Kilometer lang,
und H man 100 000 Mark Kosten pro Kilometer berechnet,
was in Summa 2 200 000 Mzxk beträgt, so kostet zunächst
die auße-halb der Stadt liegende Kanalisationsanlage 3091000
Mark ohn- die Kosten für Anlegung der Rieselfelder selbst.
-j--^ Tie Miethssteigerungcn in unserem Ort haben
zu Januar nicht so zahlreich stattgefunden, wie im Juli, infolgedessen
wi-d der Umzug zu Ostern wesentlich geringer sein
wie Michaeli v-ugen Jahres. In Charlottenburg müssen die
Wohnungen niüt allein knapp sein, sondern auch theuer.
Zahlreiche_ Charlottenburger waren infolge dessen während der
Neujahrsfeiertage auf die Wohnungssuche gegangen. Aber
man hörte die Wohnungssuchenden klagen, daß auch in
Schöneberg, Friedenau und Wilmersdorf keine Auswahl an
Wohnungen zu haben fei.
-j- Volksbibliothek. In ihrer letzten Sitzung hat die
Bibliothekskommission auch beschlossen, die Bücherausgabe auf
2 Tage in der Woche auszudehnen. Fortan werden die
Bücher am Sonntag von 11'/ 2 bis 12 1 / 2 Uhr und Mittwoch
von 12 1 / 2 bis iVa Uhr im Lehrerzimmer der Gcmeindeschule
ausgegeben. Die nächsten Ausleihtage sind also Mittwoch, den
3. und Sonntag den 6. Januar. Da der Bücherbestand auf
592 Bände angewachsen ist, so verniögen wir auch die Anforderungen.
eines größeren Leserkreises zu erfüllen. Die
langen Winterabende sind ganz besonders zum Lesen guter
Lektüre geeignet. Wir hoffen, daß auch im neuen Jahre die
Zahl unserer Leser eine größere und die Benutzung der Volksbibliothek
eine regere werden wird. Geeignete Werke für die
Bibliothek .werden jederzeit mit Dank von uns angenommen.
-j- Die silberne Hochzeit unseres Amtsrendanten
Herrn R. Schulze verlief in der besten Stimmung. Der beliebte
Jubilar erhielt zahlreiche Glückwünsche, Blumenspenden
und Geschenke. Besonders hervorgehoben zu werden verdient
ein Silberkranz auf silbernem Untergrund der Gemeindebeamten.
Herr Amtsvorsteher Roenneberg und zahlreiche Gemeindevertreter
und Schöffen gratulirten persönlich und bis
gegen Mitternacht blieben die Gäste mit dem Jubelpaar zusammen,
und ein großer Theil ging alsdann zum Nachtgottesdienst
in die Kirche.
f Eine reizende kleine Feier fand vor einigen
Tagen in dem Hoffer'schen Pensionate in der Fregestraße statt.
Das auch von Ausländern vielbesuchte Institut ging kürzlich
in die Hände zweier Damen über, die zur Einführung eine
kleine Festlichkeit veranstalteten, an der etwa fünfzig geladene
Personen, Die Accn.cNi^t-„ hkcftg.ic ~cyellnahmen.
Die gestellten lebenden Bilder: öte ^>cpuhprobe aus;
Aschenbrödel, die heilige Cäcilie, Aennchen und Agathe aus
dem Freischütz, die drei Pagen und die als Charade gedachte
Gruppe: der Sommernachtslraum ernteten großen Beifall. Zur
Belohnung der Zöglinge, bie nahezu sämmtlich an den lebenathmenden,
herrlichen Gruppen mitgewirkt hatten, fand dann
ein kleiner Ball statt, der das gute Einvernehmen zwischen
Lehrerinnen und Schülerinnen und das unschuldige Glück der
lebenslustigen Jugend so recht zum Ausdruck brachte. Ein
wohl besetztes Büffet füllte die Pausen aus. Den Theilnehmern
wird der schöne Abend für immer in der Erinnerung
bleiben.
-j- Hohen,zollcrn-Tlicater. Umständehalber kann das
Gastspiel des Reuter - Interpreten Herrn Emil Richard, der
Onkel Bräsig nach Fritz Reuters „Ut mine Stronitib* vortragen
wollte, nicht stattfinden.
's Die Liedertafel ist zu einem Sänger-Wettstreit nach
hier »Hierein ziqammeiigenHliivlzencii Gruuvvcni.r eine vescheidene
Existenz abzugewinnen. Er hat vielleicht Recht, er weiß jn
nicht, daß mein Herz nicht mehr frei ist, aber ich kann und
werde niemals dem Ehrgeiz nieine Liebe opfern. Was soll ich
thun, darf ich aus seinen Plan auch nur siiUpIgvcigenb eingehen
und ihm später die Täuschung um so schmerzlicher machen? Ich
war im Begriff, ihm Alles zu gestehen und ihn zu beschwören,
mich in »reiner Weise mein Lebensglück finden zu lassen, als Tu
mit Marianne kamst und unser Gespräch abbrachst."
Der Kammerherr hatte voller Ausmerlsamkeit zugehört.
„Tann ist es ja ein Glück gewesen", sagte er schnell, „daß
ich Euch unterbrach, Nein, nein, mein lieber Vetter, jetzt so
ganz unerwartet und unvorbereitet Deinem Vater ein Gestäubniß
zu machen, »das seinen Plänen, die an sich ja ganz vernünftig
und wohl begründet sind, so scharf entgegen tritt, wäre thöricht.
Er könnte sich zu einem heftigen Widerspruch hinreißen lassen
und dann würde er, wie ich ihn kenne, sehr schtver wieder davon
abzubringen sein."
„Aber was soll ich thun?" fragte Meinhard traurig. „Soll
ich das Opfer annehmen, das er für meine Versetzung nach der
Residenz bringen muß, wenn ich doch fest entschlossen bin, seinen
Plan, auch wenn sich mir die Gelegenheit dazu böte, nicht auszuführen?"
„Xiu sollst warten", sagte der Kammerherr. „In allen
schwierigen Lagen ist die Zeit das beste Mittel, Alles ins Gleiche
zu bringen. Ein vorzeitiger Widerspruch würde Alles verderben.
Deine Versetzung wird sich ja auch nicht von heute bis morgen
machen lassen und wir werden es überlegen, wie wir die Sache
Deinem Vater, der Dich ja liebt, am besten beibringen. Auch
ich werde darüber nachdenken uud verspreche Dir nochmals
meinen kräftigsten Beistand."
„Dank — tausend Dank, lieber Vetter", rief Meinhard, die
Hand des Kammerherrn schüttelnd.'
„Die erste Sorge Deines Vaters", sagte dieser lächelnd,
„geht doch dahin. Eure Linie von den verhüngnißvollen vier
Augen abzubringen und wieder auf eine stärkere Descendenz zu
stellen. — Ist diese da, so kaun ja die Wiederaufrichtung des
alten Glanzes, den ich ja auch unserem Namen von Herzen
wünsche, einer künftigen Generation überlassen bleiben; aber
einen Rath will ich Dir sogleich geben", sagte er nach kurzem
Weißensee eingeladen. Das Sängerfest wird im Juni d. I.
stattfinden. Es sind zu dem Sängerstreit drei erste Geldpreise
ausgesetzt und zwar 150, 100 und 50 M., ferner Ehrenpreise
wie ein Pokal, Trinkhorn u. A. Zu dem ersten
Stiftungsfest des Vereins, am 20. Januar, im Saale des
Rheinschlosses haben die Herren Hermann Balcke (Pianist)
und Theodor Elsner (Violinist) ihre Mitwirkung zugesagt.
Einlaßkarten zu dem Fest sind zu haben bei Bote und Bock,
Leipzigerstraße in Berlin, in den Buchhandlungen der Herren
Wohlthat, Schultz und Kosakowsky in der Rheinstraßc, Weinhandlung
Gebr. Habel, Hauffstr. 8 und Droguenhandlung von
D. Hermann, Dürerplatz 5.
P Kriegsveteranen-Verein von Friedenau und
Umgegend. Die Monatsveisammlung im neuen Jahrhundert
findet Sonntag, den 7. Januar, Nachmittags 4 Uhr
im oberen Saale des Rheinschlosses statt. Die Tagesordnung
wird in der Sitzung bekannt gegeben.
f Friedenauer Stenographen - Verein (Einigungssystem
Stolze-Schrey). Die erste Monats-Hauptversammlung
findet am Freitag, den 5. Januar 1900, Abends
8V2 Uhr im Vereinslokal .Rheinschloß", Rhcinstraße 60,
unterer Saal statt. Tages-Ordnung: Wahl des Vorstandes; sämmtlicher
Ausschüsse und der Vertreter zum Gaubund. 2. Lesung
der Statuten-Aenderung. Besprechung über Abhaltung eines
Vergnügens im Februar oder März. Einrichtung von Bezirken:
1. Abtheilung: Steglitz; 2. Abtheilung: Schönebcrg
3. Abtheilung: Wilmersdorf. Allgemeines.
— Das Rcformgymnasiurn hat von den projektirten
4 Oberlehrerstellen bereits zwei besetzt. Gewählt wurden die
Herren Dr. Pohlenz und Dr. Sommer, letzterer aus
Bromberg.
— Als Vorbereitung zur Einweihung des
Reformgymnasiums erfolgt jetzt der Umzug der Klassen
aus der Apostel Paulusstraße in den prächtigen Neubau in der
Belzigerstraße. Die Knaben betheiligen sich an dem Umzug,
indem sie Kleinigkeiten tragen. Die größeren Schulbedürfnisse
werden mittels Möbelwagen fortgeschafft.
— Wintcridyll in der Laubenkolonie. Eine
sonderbare Entdeckung machte in der jetzt verödet dastehenden
Laubenstadt an der Heinrich Kiepertstraße der Laubenkolonist
M., der bort eine feste Bretterlaube besitzt. Er war hinaulgewandert,
um von seinem hübschen Bestände Grünkohl,
welcher bekanntlich am besten mundet, wenn er auf dem Felde
tüchtig durchgefroren ist, eine Mahlzeit zu holen. Zu seinem
Leidwesen fand er aber den größten Theil der schmackhafl.n
Köpfe abgenagt. Die Vermuthung, daß ein dem tödtlichen
Blei entronnener Langohr auf dem Felde seine Zufluchtsstätte
gefunden, bestätigte sich insofern, als M. zwar kein Häslein,
aber ein stammverwandtes, frisches Karnickel aufscheuchte, das,
als es sich entdeckt sah, durch ein Loch in die Laube flüchtete.
-T‘ ~ii x-i-'sf.im versecoen' zeigce ftcy dem eritaunten Herr» All
ein köstliches Familienidyll. In einer Kiste, wo Hyazinthenzwiebeln
in Stroh verpackt lagen, that sich ein ganzes
Völkchen junger Kaninchen an einem großen Kopfe Grünkohl
gütlich. Die Familie war ganz ungenirt und äugte den
verdutzten Besitzer des Grünkohls an. Herr M. wollte anfänglich
ein großes Blutbad unter den Grünkohlfreunden anrichten,
überlegte sich jedoch die Sache anders und wird nun
allsonntäglich, so lange der Vorrath reicht, sich von Muttern
einen schmackhaften Kaninchenbraten machen lassen.
— Der Ecntralverein selbständiger Handel- und
Gewerbetreibender von Schöneberg feierte am 29. Dezember
vorigen Jahres im „Schwarzen Adler", Hauptstraße 134, sein
Weihnachtssest. Der Vorsitzende Herr Kaufmann Petow eröffnete
um 9 Uhr nach kurzer Begrüßung der Anwesenden die
Feier. Nach Absingung des Liedes „.Stille Nacht, heilige
Nacht" hielt der Vorsitzende eine Ansprache, welche in folgendem
gipfelte. Christ ward geboren, freue dich 0 Christenheit
Besinnen. „Wie stehst Du mit der Dame Deines Herzens —
habt Ihr Euch erklärt?"
„O, sie weiß es wohl, daß ich sie liebe, und ich, ich weiß
es auch, daß sie mich wieder liebt."
„Sie tvürde einen schlechten Geschmack haben, wenn sie es
nicht thäte", sagte der Kammerherr. „Also eine Erklärung hat
nicht stattgefunden?"
„Wir nicht sind dazu gekommen", erwiderte Meinhard, „ich
zögerte, bis ich einmal Gelegenheit gefunden haben würde, mit
meinem Vater zu sprechen."
„Umgekehrt, umgekehrt, mein Lieber", sagte der Kammerherr
lebhaft, „Du mußt Dich erklären, so schnell wie möglich, und
Tein Wort verpfänden, damit Du Deinem Vater sagen kannst,
daß Deine Ehre engagirt sei. Das wird für ihn bestimmend
sein, und welche andere Wünsche er auch hegen möchte, er wird
niemals von Dir verlangen, daß Du Deinem Worte untreu
werden sollst."
„Aber darf ich das", fragte Meinhard zögernd, „da ich
doch weiß, daß mein Vater anders denkt? O, sie wird niemals
dulden, daß meine Liebe zu ihr mich in eine» Konflikt mit
meiner kindlichen Pflicht bringt." 3
„Das wird nicht geschehen", warf der Kammerherr mit zuversichtlichem
Tone ein. „Glaube mir, Tein gegebenes Wort
wird Tein Vater achten, cs wird dadurch für ihn eine vollendete
Thatsache hergestellt und ich werde scsi Dir zur Seite flehen, ich
werde dazu Gelegenheit und vielleicht ein Recht haben, denn
auch ich habe Dir ein Bekenntniß zu machen."
„Ein Bekenntniß?" fragte Meinhard verwundert.
„Ich habe seit lange", fuhr der Kammerherr fort, „eine
tiefe Verehrung und warme Neigung für meine Cousine
Marianne in mir getragen, ich bi» überzeugt, daß ich keine
bessere Gemahlin finden kann und daß ich nur mit ihr glücklich
sein werde. — Ich bin über daS Alter der Jugendschwärmerei
hinaus, um so fester uud zuverlässiger ist aber meine Neigung
— ich habe heute zum ersten Mal Gelegenheit gefunden und
gewagt, ihr meine Gefühle anzudeuten; aus der Art, wie sie.
das aufnahm, habe ich die Hoffnung geschöpft, von ihr nicht abgewiesen
zu werden, und ich bin fest entschlossen, Deinen Vater
um ihre Hand zu bitten."
(Fortsetzung folgt.)