f ®le fUBertte Hochzeit feiern am 7. Januar die
Restaurateur Hegert'scheu Eheleute, Ecke Handjerystraße und
Roennebergstraße. Herr Hegert ist Mitglied des hiesigen Gastwkrthsvereins
und Friedenauer Kriegsveteranen-Dereins.
-j- Kirchliches. Im Befinden des Herrn Pfarrer
Görnandt ist »Übet ein Rückschlag eingetreten, er hat des«
halb seine Absicht, die NeujahrSvredigt zu halten, wieder aufgeben
müssen. An seiner Stelle wird Herr Pastor Becker
eintreten.
i Hohenzollern-Theater. Eine überraschende Nachricht
kommt uns noch in letzter Stunde zu. Der vorjährige
Streit zwischen unserm Direktor, Herrn Hock, und dem Hofschauspieler
Herrn Emil Richard ist in Güte beigelegt worden.
Zum Zeichen der Versöhnung tritt Herr Hofschauspieler Richard
bereits am Freitag in seiner viel bewunderten Glanzrolle als
»Inspektor Brästg" auf. Nachdem das Stück in der vorigen
Saison einen so kollossalen Lacherfolg errungen, ist nicht daran
iu zweifeln, daß auch in diesem Jahre der Erfolg ein gleicher
fein wird. Jedenfalls sehe man sich diesmal wirklich bei Zeiten
mit Billets vor, da der Andrang in der vorigen Saison ein
ganz gewaltiger war.
-j-Grundstücksverkauf. Die Grundstücke Fregestr. 65-66,
jjroi Herrn Steinberg gehörig, sind für den Preis von 225 000
Mark in den Besitz des Bankprokuristen Herrn Benedickt, Hierselbst
wohnhaft, übergegangen.
ch Der Sylvesterkarpfen ist im Verhältniß zu den
Fleischpreisen in diesem Jahre billig. Die Zufuhr war m den
letzten Tagen eine sehr starke. Im Engrosverkehr stellte sich
der Preis für 50 Kilogramm auf 68—72 M.. während im
Detailverkehr die Karpfen mit 0,80—1,10 M. pro Pfund abgegeben
werden.
' f Zum Jahreswechsel sandte eine Freundin unseres
Blattes folgendes Gedicht:
' Die Stunde naht! Wir müssen scheiden,
Aahr wohl, du liebes, altes Jahr,
Du gabst in Glück und Leid in Beiden
Mir reichen Segen immerdar.
Die Stunde naht! Wir müssen wandern
Ins dunkle neue Jahr hinein,
G Herr, von einem Tag zum andern
Laß leuchten mir die Gnade dein.
Erhalte mir im Areuz den Glauben
Daß Leiden kommt aus deiner Hand:
Soll bitt'rer Tod mein Liebstes rauben
So tröste mich am Grabesrand.
Willst du mich führen lichte Pfade
Mir senden Glück und Sonnenschein,
So laß mich preisen deine Gnade
Und lehre mich recht dankbar sein.
Die Stunde macht! Gin dankbar Schauen
Zurück in die Vergangenheit,
Gin Wunsch! In gläubigem Vertrauen
Gott du mein Hort in Ewigkeit.
<£. Lehnerdt-Friedenau.
-J- Den Zehnpfennigtarif will die Große Berliner
Straßenbahn vom 1. Januar allgemein einführen. Da die
Straßenbahnen, die durch Friedenau gehen, den Titel »Westliche
Vorortbahn" führen, aber von der Großen Berliner
Straßenbahn verwaltet werden und auch gehören, so wäre es
nun recht und billig, daß der 10 Pfcnnigtarif auch für diese
Strecken vom 1. Januar eingeführt würde. Für die Vororte
soll aber der alte Satz noch bestehen bleiben.
-j- Briefaufschriften. Wer nach Berlin schreibt, vergesie
nicht, in der Aufschrift den Postbezirk und die Nummer
deö Postamts anzugeben, von dem die Sendung bestellt oder
abgeholt wird. Sebstverständlich ist außerdem auch die Angabe
der Straße, der Hausnummer, des Gebäudetheils und des
Stockwerks erforderlich. Man muß also beispielsweise schreiben:
»An Herrn Kaufmann Karl Müller in Berlin NW. 6,
Albrechtstraße Nr. 7, Hinterhaus III Tr. links."
-s Der ermäßigte Posttarif hat auf den Absatz von
Neujahrskarten einen ganz bedeutenden Einfluß ausgeübt, denn
noch niemals sind diese Karten in solchen Massen vom Publikum
gekauft worden wie in diesem Jahre. In den Papiergeschäften
herrschte besonders am gestrigen Sonntag und auch
am heutigen Tage ein ganz kolossaler Andrang, so daß die
Käufer nur langsam bedient werden konnten. Denn viele Per-{
onen, die in früheren Jahren manchen ihrer Bekannten bei der
christlichen Neujahrs-Gratulation übergangen hatten, schicken in
Folge des billigen Portos diesmal bedeutend mehr Briefe und
Karten ab als sonst. Besonders beliebt sind Neujahrs-Postkarten,
die in diesem Jahre in ganz gewaltigen Massen und
in vielen originellen neuen Mustern auf den Markt gebracht
worden sind und die, mit einer 2-Pfennigmarke frankirt, ein
( ehr bequemes und billiges Gratulationsmittel bilden. Auch die
chönen mit Golddruck versehenen Glückwunschkarten, die ebenfalls
für 2 Pfennige als Drucksache befördert werden und außer
der vorgedruckten Inschrift noch fünf von der Hand des Absenders
geschriebene Wörter erhalten dürfen, erfreuen sich einer
großen Beliebtheit. Natürlich macht die Reichspost trotz des
billigeren Portotarifs bei dieser Massenabsendung recht gute
Geschäfte, wozu noch kommt, daß bei verschlossenen Neujahrsbriefen,
auch wenn dieselben von einer Person in größeren
Mengen am Schalter abgegeben werden, eine Preisermäßigung,
wie dies vor Einführung des neuen Posttariss der Fall war,
nicht mehr eintritt.
ii -, f Die Ursachen von Ofen-Explofionen infolge
Verbrennens von Weihnachtsbäumen wurden dieser Tage in
einer Sitzung der Polytechnischen Gesellschaft erklärt. Tanne
und Fichte sind im Stamm, Zweigen und Nadeln sehr harzreich.
Das Harz enthält Kohlenwasserstoff. Wird der Baum
verbrannt, so entströmt der Kohlenwasserstoff in großer Menge.
Geschieht das Verbrennen in einem Ofen oder Herd mit
starkem Zuge, so verbindet sich der Kohlenwasserstoff mit dem
Sauerstoff der atmosphärischen Luft und es entstehen Gase sehr
explosibler Art, denen der Kachelofen nicht Stand hält. Wie
bedeutend der in den Nadeln des Baumes enthaltene Kohlenwafferstoff
ist und wie kräftig er unter der Einwirkung der
Hitze ausströmt, läßt sich erkennen, wenn man einen mit
Nadeln besetzten Zweig einer Kerzenflamme nähert. Die Ausströmung
des Kohlenwafferstoffes aus den Nadeln, die mnen
eine Röhre besitzen, ist so stark,. daß die Flamme der Kerze
meist auslöscht oder ausgeblasen wird. c
+ Die Ziehung der ersten Klaffe der 204.»Preuß.
Lotterie beginnt am Dienstag, den 8. Januar. Dietzbestellten
und noch nicht abgeholten Loose müssen bis spätestens ^Sonnabend,
den 5. Januar, Abends 8 Uhr. abgehoben werden.
f Die Wagen der Westlichen Vorortbahn verkehren
in der heutigen Sylvesternacht wie folgt: Letzter Wagen
von der Linkstraße Nachts 3 Uhr. Von 12 Uhr ab halbstündlich.
Zwischen Bahnhof Zoologischer Garten—Steglltz
dauert der Verkehr bis 2 Uhr Nachts.
— Neujahrö-Wohnungsfuchcr, d. h. Leute, die
am 2. Januar 1901 ausziehen müssen, aber noch keine passende
Wohnung gefunden haben, find auf eine eigenartige Idee gekommen,
sich ein geeignetes Quartier zu beschaffen. Sie haben
sich nämlich im Gebäude des Amtsgerichts I nach den in
Exmissionsklagen anstehenden Terminen erkundigt, deren leider
beim jetzigen Quartalsschlüsse nicht wenige abgehalten werden.
Aus diese Weise bekommen sie heraus, wo noch Wohnungen
leer werden und bestürmen nun die Wirthe, ihnen nun die
Wohnungen zu vermiethen. Ja, es tteten sogar Agenten auf,
welche diese Art der Ermittelung leer werdender Wohnungen
geschäftsmäßig betreiben.
-j- Franenharmonie. Unter dieser Spitzmarke schreibt
uns ein Freund unseres Blattes und Bewohner unseres Ortes:
Zu meinem mehrjährigen allgemeinen Kranksein gesellte sich
noch ein Spezialleiden, das mich veranlaßte, ein Krankenhaus
unseres Kreises aufzusuchen. Auf der einen Hälfte des Gebäudes
befinden sich vier Zimmer zur Aufnahme von Kranken
1. und 2. Klasse. In einer dieser Stuben lagen zwei recht
schwer Kranke, eine Frau etwa 45 Jahr und ein Fräulein,
77 Jahre alt. Die gegenseitigen Klagen spitzten sich immer
mehr zu, und führten am zweiten Feiertag zur vollständigen
Trennung. Und die Ursache war — der Weihnachtsbaum.
Jeder Krankensaal erhielt einen Weihnachtsbaum und die
Patienten der 2. Klasse wurden gefragt, ob sie auch in ihrem
Zimmer einen Baum wünschten. Die beiden Damen lagen in
einem ziemlich großen Zimmer und auch an sie wurde die
Frage wegen des Baumes gerichtet. Die Frau stimmte freudig
zu, während das alte Fräulein sich mit Händen und Füßen
dagegen sträubte; sie sagte, es wäre ihr Tod, wenn ein Baum
in das Zimmer gebracht würde; natürlich, wenn sie so wenig
krank wäre, wie ihre Leidensgenossin, dann hätte sie nichts dagegen.
Diese Aeußerung konnte sich die Frau nicht gefallen
lassen, und cs entspann sich ein heftiger Kampf um das Mehrkranksein,
der bis zu Thätlichkeiten ausartere, indem sie sich
gegenseitig von ihrem Lager aus mit Gläsern, Büchern usw.
bombardirten. Das Fräulein bat nun himmelhoch den dirigirenden
Arzt, sie in ein anderes Zimmer zu bringen, wenn er
nicht will, daß sie schleunigst das Zeitliche segnen soll. Dem
Direktor blieb nichts anders übrig, als eine Trennung der
beiden Unversöhnlichen zu veranlassen.
ch Einen traurige« Anblick boten am Sonnabend
drei von einer Frau L. ausgesetzte Kinder. Die Frau, deren
Mann eine längere Freiheitsstrafe absitzt, war wegen ihrer
Unverträglichkeit aus der Cholerabaracke gewiesen, sie nahm nun
ihre drei kleinsten Kinder im Alter von 2—5 Jahren und
setzte sie vor das hiesige Amtsgebäude, wo sie die Kinder verließ,
trotzdem der Regen in Strömen goß. Von der Verwaltung
wurde nun ein Gemeindediener beauftragt, die hilflosen
Wesen in die Cholerabaracke zurückzubringen, welchem
Aufträge der Beamte mit Hilfe einer liebevollen Frau nachkam.
Kchöneberg.
— Der Kricgerverein zu Schönebcrg hielt am
29. Dezember sein Weihnachtsfest mit Bescheerung ab. Das
Fest war sehr gut besucht, es wurden 86 Kinder bescheert und
13 Kameraden mit je 20 M. unterstützt. Die Musik war
von der Kapelle des Eisenbahn-Regiments (Kapellmeister Lebede)
gestellt. Nach einem Klaviervortrag von Geschwister Schley
fand die Ansprache des Vorsitzenden Herrn Müller statt, welche
in einem begeistert aufgenommen Hoch auf Se. Majestät den
Kaiser ausklang. Hierauf wurde die Nationalhymne und
»Deutschland, Deutschland über alles" gesungen. Den Prolog
sprach Frl. Elöbeth Henze. Die Festrede hielt Herr Pastor
Rodatz, derselbe ließ die sämmtlichen Kinder vonreten und ermahnte
sie, gut und brav zu ihren Eltern zu sein. Unteranderem
erzählte er, wie unser Kaiser jeden Heiligabend
spazieren geht und verschiedene Personen, denen er begegnet,
mit Geldspenden beschenkt, so unter anderen die beiden Wachposten
in Sanssouci mit je 20 M. Das Geld wird, da der
Posten unterm Gewehr kein Geld nehmen darf, im Schilderhaus
niedergelegt. Ferner beschenkte der Kaiser einen Bierfahrer
und einen Knaben, der einen Handwagen zog, in
welchen der Kaiser ein Geldstück warf. Als der Junge darauf
aufmerksam gemacht wurde, suchte er das Geldstück und als er
es gefunden hatte, lief er dem Kaiser nach und ries: »Herr
Kaiser, Herr Kaiser". Als der Kaiser stehen blieb und den
Jungen frug, was er wolle, sagte dieser: »Ich danke, mein
lieber Herr Kaiser, für das schöne Geschenk." Nach der Rede
folgte das Chorlied »Stille Nacht, heilige Nacht" und ein
Musikstück. Herr Kamerad Haase trug unter Klavierbegleitung
seines Sohnes, der bei den Gardeschützen steht, ein mit vielem
Beifall aufgenommenes Weihnachtsgedicht .Freud und Leid"
vor. Bei der Bescheerung mußten die Knaben und Mädchen
zu je sechs antreten und ihr Weihnachtsgeschenk in Empfang
nehmen, inzwischen verkauften Töchter der Kameraden die Loose
zur Tombola, wozu jeder Kamerad ein Geschenk gestiftet hatte.
Den Schluß bildete ein Tanzkränzchen mit Kaffeepause, in
welcher deklamatorische und Gesangsvotträge von Kindern der
Kameraden abwechselten.
— Kriegsveteranenverein Schöneberg. Die
nächste Versammlung findet am Donnerstag, den 3. Januar
1901 im Wilhelmshos statt.
— Der Alarmruf »Feuer in der Mai8on.de santd*
rief am gestrigen Sonntag Nachmittag nicht nur die gesammte
Schöneberger, sondern auch einen Theil der Berliner Feuerwehr
nach der bekannten in der Hauptstraße 17/18 gelegenen Heilanstalt.
Es waren ein Zug von der Apostel-Kirche und der
Dampffpritzenzug vom Schöneberger Ufer zur Stelle, die jedoch
sofort wieder abrücken konnte, da nur in einer Zelle ein
Strohsack in Brand gerathen war und das dadurch entstandene
Feuer von der Schöneberger Wehr sofort gelöscht wurde.
Kerlin nnd N*r»rte.
Wannsee. Eine neue Villenkolonie ist auf der sogen.
Rehwiese im Entstehen begriffen. Die Rehwiese war bisher
den wenigsten Gruncwaldbesuchern bekannt und diejenigen, die
sie kannten, liebten die Gegend wegen ihres ungestörten Naturfriedens.
Hier konnte man in weihevoller Ruhe, fern vom
Getriebe der Menschen zwischen Wald, Wiese und Wasser
wandern, dem Gesänge der Vögel lauschen und das scheue
Wild sich tummeln sehen. Die Rehwiese verbindet gewissermaßen
den Schlachtensee mit dem Wannsee und bezeichnet so
die letzte Strecke des alten Spreebettes, wie es einstmals mitten
im Grunewald lag. Im Bogen zieht es östlich der unweit
Beelitzhof sich kreuzenden Eisenbahnen hin und endet an dem
hohen Bahndamme kurz vor dem Bahnhöfe Wannsee mit dem
kleinen Nikolassee, dessen glitzernder Spiegel freundlich zu den
unablässig dort oben hinrollenden Bahnzügen hinaufschaut.
Nur eine halbversteckte Sägemühle liegt an jenem langgestreckten
Fenn; sonst stört nichts den reinsten Naturgenuß. Seit
Kurzem rührt sich nun auch hier geschäftig die Axt, um
Straßen und Wege durch den Waldgürtel der Rehwiese zu
bahnen, und bald wird an Stelle des stillen Forstes sich eine
Villenkolonie erheben. Schon beginnt man an der Kreuzungsstelle
der Bahnlinien mit dem Neubau eines Doppelbahnhofes,
der den Bewohnern der neuen Kolonie erlaubt, sowohl mit der
Stadtbahn wie mit der Wannseebahn Berlin zu erreichen.
§ Ueber Raubfischer an der Oberspree hört man
aus den betheiligten Kreisen wieder lebhafte Klagen. Die
Fischpiraten haben es trotz der größten Wachsamkeit seitens der
zum Fange berechtigten Fischer bisher verstanden, ihre Räubereien
ungehindert auszuführen und zwar geschieht dies besonders zur
Nachtzeit. Die Fischer finden oft genug ihre am Rummelsburger
See und anderen fischreichen Stellenausgelegten Netze und
Raufen am Morgen geleert, aber sonst in ordnungsmäßigem
Zustande vor. Gerade in der Weihnachts- und Ncujabrszeit,
der lohnendsten Fischverkaufszeit des Jahres, macht sich die
Dieberei für die Fischer recht empfindlich bemerkbar, da die
Räuber die vielen gestohlenen Fische unmöglich selbst verzehren
können, so werden sie jedenfalls verschwiegene Abnehmer finden.
§ Ein Mordversuch und Selbstmord wird aus
Charlottenburg gemeldet. Dort betreibt in der Bcrlinerstraße
Nr. 57 ein junges Fräulein namens Griebe ein Cravattengeschäft.
Heute Morgen 8 Uhr kam ihr früherer Bräutigam, der
Kaufmann L. zu ihr mit dem Verlangen, das frühere Verlöbniß
wieder herzustellen. Auf die Weigerung des Fräulein
Griebe gab L. drei Schüsse aus eincni Revolver aus sie ab.
Ein Schuß ging dem Mädchen in den Kopf, einer in die
Brust dicht unter der Schulter und ein Schuß ging fehl.
Während sich eine Aufwärterin um die Verwundete bemühte,
schoß sich L. eine Kugel in die Schläfe, die ihn sofort tödtete.
Frl. G. befindet sich jetzt im Krankenhause, sollt: sie wieder
hergestellt werden, so wird sie wohl auf einem Auge blind
bleiben.
Gerichtliches.
(:) Eine wichtige Entscheidung für die Berliner
Vororte hat das Oberverwaltungsgericht in Betreff der Zahlung
zu den Kosten für die Verwaltung der Kriminal- und Sittenpolizei
gefällt. Nach einer Berechnung des Oberpräsidenten
sollte die Gemeinde Treptow für die Verwaltung der Kriminalund
Sittenpolizei, die vom Minister dem Polizeipräsidenten von
Berlin übertragen ist, jährlich 2442 M. zahlen. Die Gemeinde
Treptow beschritt jedoch mit Erfolg den Klageweg beim Oberverwaltungsgericht,
das erklärte, Treptow habe überhaupt nichts
zu zahlen. Nach § 6 des Polizeikostengesetzes trete in denjenigen
Gemeinden, denen gewisse Zweige der Ortspolizei-Derwaltung
zur eigenen Verwaltung überwiesen seien, eine der
Minderausgabe des Staates entsprechende Ermäßigung des Beitragssatzes
ein. Da nach tz 5 des Polizeikostengesetzes der
höchste Satz für den Kopf in Gemeinden von weniger als
40 000 Einwohnern sich auf 70 Pf. belaufe, so käme von
diesem Satze der Betrag in Abzug, der sich ergebe, wenn man
die Minderauszabe des Staates (21 000 M.) durch die Bevölkerungszahl
(2829) dividire — 7,42 M. Demnach habe
Treptow nichts zu zahlen, weil 7,42 M. von 0,70 M. nicht
abzuziehen sei. Treptow zahlt für seine Polizeiverwaltung schon
etwa 21 000 M.
Das Kild der Grirmerrrng.
Eine Skizze zum Jahresschluß von Kurt Menzel.
(Nach dem Französischen). (Nachdruck verboten.)
Monatelang pflegte ich am frühen Morgen zu arbeiten.
O, wie unglücklich würde ich gewesen sein, wenn der frühere
Miether gekommen wäre, um sein Bild wegzuholen! Ich ließ
es jetzt in einen weißen Rahmen setzen und schmückte es jeden
Tag beim Morgengrauen mit einem einzigen Primel, einem
Vergißmeinnicht oder einem halb entfalteten Moosröschen. Und
unter dem engelsgleichen, kindlichen Dufte des wonnigen
Weibes, welches mich, schon auf der Neige meines Lebens, mit
ihrer Liebe beglückt hatte, belebten sich meine Gedichte mit
einem frischen Hauche, dem Anzeichen kommender Kälte.
Aber allmählich überkam mich ein gewisser Ucberdruß an
den von mir bereits vollendeten Werken und ein Widerwille,
neue zu schaffen. - Ich wohnte nun schon lange in jenem Logis,
und das Bild glich immer weniger dem holden jungen Weibe,
das unter den Todten weilte, bis es schließlich gar keine Aehn-