einem längeren Referat des Stadtverordnctenvorstehers Herrn
Gustav Müller-Schöneberg, der auch Vorsitzerder des seit
jetzt- fast eineinhalb Jahren nicht mehr hcrvorgetretcnen EingcmeindungSausschuffes
ist, und nach kurzer Diskussion über
die besonderen Zustände in Weißensee einstimmig folgende
Resolution angenommen: „Die heute im Schloß Weißensee
versammelten Bürger von Alt- und Neu-Weißensee richten
an die König!. Staats» cgierung die dringende Bitte, die
Eingemeindung der Berliner Vororte jetzt energisch in die
Hand nehmen zu wollen." Die Eingemcindungsfrage scheint
also wieder in Fluß zu konnnen und dürfte sehr bald die
betheiligten Kreise in demselben Maße wie früher beschäftigen.
f Unsere Kaiscrallee. Bereits seit etwa J4 Tagen
liegen vor den Grundstücken Kaiscrallee 37 und 38 einige
Haufen recht schlechter Pflastersteine, wie sie vielleicht bei der
Umpflasterung der Handjerystraße herausgenommen sein
könnten, ohne daß jemand etwas Näheres über ihre Verwendung
sagen könnte. Vennuthlich sollen sic dazu dienen,
den einen Reitweg der Kaiserallee zu pflastern, zu deren
übrigem Pflaster Liese Steine vollkommen passen. Allerdings
flickt inan nicht ein altes Kleid mit neuen Lappen, d. h. cs
wäre eine Thorheit, die schlechtgepflastcrte Kaiserallee mit
neuen Steinen „aufzubessern". Aber nach »reiner Meinung
— so schreibt uns ein sich für unseren Ort Jnteressirender —
wäre es doch an der Zeit, daß, wie jetzt endlich die Rheinstraße,
so auch bald möglichst die Kaiscrallee einer vollständigen
Neupflasterung mit Asphalt oder bestem Reihensteinpflaster
unterworfen werde. Zumal da unser junger
Sportpark in ständigem Aufblühen sich befindet und in
diesem und den nächsten Jahren hohen und höchsten Besuch
zu erwarten hat, müßte sich diese westliche Prachtstraße
unseres Ortes, der Lieblingsspaziergang unzähliger Berliner
Familien in schönen Sommer- und Frühlingslagen, in einem
besseren Kleide zeigen.
f Eifrige Berathungen und Erwägungen
bringen diese Tage allen Familien, in denen ein Knabe
oder Mädchen die Schule verläßt. Hat sich der Junge, der
sich schon unbändig darauf gefreut, nun bald ein „Mann"
zu werden, bereits für einen bestimmten Beruf entschlossen,
und das wird bei den meisten der Fall sein, so erwächst den
Eltern die Sorge uin die Ausrüstung an Kleidung re.,
welche der kleine Mann zur Ergreisung seines Berufes
nöthig hat. Der verehrte Jüngling kümmert sich in der
Regel wenig um die Sorgen der Eltern und man kann ihm
das ja auch eigentlich nicht verdenken. Ihm erscheint die
Zukunft in rosigein Lichte, er denkt sich als ein Mann, der
schon die Berechtigung zu der Titulatur „Herr" in sich fühlt!
Verstohlen betrachtet der kleine „Herr" die Cigarren in den
Schaufenstern der Kaufleute, ganz heimlich werden auch
wohl schon einige „Versuche" gemacht, um zu probiren,
welche „Havanna" wohl das feinste Aroma habe und am
besten bekömmlich sei. Ja, die Illusionen der Schüler vor
der Konfirniation sind mannigfacher Art, aber, aber, die
Sache kommt mitunter ganz anders! Wenn erst der junge
Mann von morgens früh bis abends spät am Ambos steht
oder auf dem Schemel sitzt, wird ihm doch wohl dann und
wann schon die Erkenntniß dämmern, daß die heitere, sorglose
Schulzeit unter den» Schutze treusorgeuder Eltern doch
eine herrliche Zeit gewesen sei. Manchem Lehrling wird die
erste Zeit wohl bange werden, ob er dem erwählten Berufe
gewachsen sei, aber nur Muth, Jhrflmgcn Leute,— „Lehrjahre
sind keine Herrenjahre" — aber wenn Ihr init treuem
Fleiß und Redlichkeit Eure Lehrzeit beginnt, so werdet Ihr
bald Freude an Eurem Beruf haben und Euch zu tüchtigen
Männern heranbilden. Und nur für solche ist Platz in der
heutigen Welt!
f Die gesetzliche Beseitigung der Naupennestcr,
welche jetzt seitens der einzelnen Aufsichtsbehörden
ganz verschiedenartig gehandhabt wird, war in der letzten
Sitzung des „Vereins deutscher Gartenkünstler" — so schreibt
unser Vx-Korrespondent — Gegenstand einer längeren Besprechung.
Allgemein wurde betont, daß auf eine einheitliche
und in jedem Jahre gleichmäßige Art tiefer Beseitigung
hingewirkt werden müsse. Auch sei cs dringend
nöthig, daß in den einzelnen Bezirken den Organen der
Aufsichtsbehörde Fachmänner beigegeben würden, welche die
Ausführung zu überwachen und behufs einer wirklich gründlichen
Raupenvertilgung vor Allein darauf hinzuweisen hätten,
wo die verschiedenen Raupen und sonstigen Schädlinge der
Vegetation zu finden sind und wie deren Beseitigung am
zweckmäßigsten geschehen müsse.
f Deckung des diesjährigen Eisbedarfs.
Trotzdem der diesjährige Winter Deutschland kein Eis gebracht
hat, wird kaum Mangel an diesem für viele Betriebe
und Einrichtungen so nothwendigen Artikel herrschen, denn
aus Norwegen findet gegenwärtig eine ungemein große Eisausfuhr
statt, deren Ziel hauptsächlich Deutschland ist. Wie
geschrieben wird, vergeht kaum ein Tag, «n dem nicht von
Christiania mit deutschen oder norwegischen Schiffen
Ladungen Eis abgehen. Die Verhältnisse ausnutzend, halten
die Norweger hohe Eispreise und einige Handelsleute haben
sich mit dem diesjährigen Eisgeschäft ganze Vermögen erworben.
Aller Nachfrage zum Trotz wird aber schließlich,
wie die „Baltische Schifffahrtsztg.", ein die Interessen des
Ostseeverkehrs vertretendes Blatt, meint, das Angebot den
Bedarf übersteigen, denn zu der Einfuhr von Eis aus Norwegen
gesellt sich nun auch die Eiseinfuhr von Rußland
und Schweden, von denen große Eisangebote, und zwar zu
billigeren Preisen wie aus Norwegen, gemacht wurden.
In der That ist auch in diesen Tagen in Hamburg
die erste große Ladung russischen Eises eingetroffen. Es
kommt aus einem Binnensee in der Nähe von
Reval, und eine Anzahl Dampfer sind befrachtet, die nicht
weniger denn 40 000 Tonnen Eis von Reval nach Hamburg
bringen sollen. Tlotzdein halten die Norweger, wie
man ans norwegischen Blättern ersehen kann, ihre hohen
Preise aufrecht.
Das goldene Nad von Friedenau. Dieses
so benannte Rennen über 100 Kilometer, welches, wie wir
bereits berichtet haben, auf unserer Rennbahn stattfinden soll,
ist nunmehr definitiv auf den 22. Mai festgesetzt. Von englischen
Dauerfahrern werden voraussichtlich Palmer, der Inhaber des
100 Kilometer-Weltrekords, sowie A. Chase theilnehmen.
Mit den französischen Fahrern schweben die Unterhandlungen
noch, von den deutschen Stehern hat bis jetzt nur Alfred
Köcher endgiltig zugesagt, am Start zu erscheinen. — Welch
gewaltiger Apparat zu einem derartigen großen klassischen
Rennen benöthigt wird, erhellt daraus, daß Palmer laut
seinem Schreiben an die Berliner Sportparkgesellschast beabsichtigt,
eine Schrittmachermannschaft von 25 Köpfen aus
England mitzubringen.
f Ballon-Aufstieg. Am morgigen Sonntag, Vormittags
10 Uhr, wird vom Sportpark aus wiederum ein
Freiballon auffahren.
f Fener-Allarm. Das Allarm-Signal unserer freiwilligen
Wehr „Feuer im Ort" ertönte nach kurzer Pause
gestern Abend nach 8 Uhr in den „friedlichen" Straßen
und brachte die Mannschaften in gewohnter Fixigkeit in die
Uniformstücke und zum Spritzcnhause, aus welchem bereits
l0 Minuten nach Meldung der von Feuerwehrleuten gezogene
Geräthewagcn abrücken konnte. Es handelte sich
diesmal glücklicherweise nicht uin einen wirklichen Brand,
sondern eine voreilige Meldung. Aus dem Schornstein des
Kühnc'schen Grundstücks am Friedrich-Wilhclmsplatz waren
Funken herausgeflogen, die bei Passanten den Glauben erweckt
hatten, es brenne das-Dach. Ein im Lokal anwesender
Herr allarmirtc darauf die Feuerwehr. Eigenthümlicher
Weise hatte sich auch, noch bevor die Wehr
eintraf, der Bewohner eine gewisse Panik bemächtigt, indem
ein Einwohnerin behauptete, auf ihren» Boden brenne es.
Die unvcrinuthete Allarmirung zeigte übrigens, daß unsere
Wehr in nur anzuerkennender Weise auf dem Posten ist.
-j- Eine sog. amerikanische Lnftschaukcl mit
fünf Schiffen hat sich aus dem der grünen Linde gegenüber
liegenden Eckgrundstück in der Kaiscrallee etablirt und
gedenkt, sobald die polizeiliche Abnahme erfolgt ist, den
„Betrieb" aufzunehmen.'
J. Deutsch - nationaler Handlungsgehilfen-Verband
(Ortsgruppe Friedena»»). An Stelle der am
2. Donnerstag im Monat ausgefallenen Mitgliedersitzung
veranstaltete die Ortsgruppe am Sonnabend, den 10. d. M.,
Abends 91/2 Uhr, im Kaiser Wilhelmgarten eine öffentliche
Versainmlung, zu welcher verhältnißmäßig nur wenige Gäste
erschienen waren. Als Redner hatte der hiesige Zrveigverein
Herrn F. Schneider-Hamburg gelegentlich seiner Anwesenheit
in Berlin gewonnen, der in vorzüglichen Ausführungen über
das Thema sprach: „Wie ist dem Handelsstande zu seinem
früheren Ansehen zu verhelfen? Zweck und Ziele des
D. H.-V.". Redner führte in längeren Ausführungen an,
wie der Handclsstaud im Allgemeinen in den letzten Jahrzehnten
heruntergekommen sei und wie besonders in den
letzten Jahren durch das unheilvolle Emporschießen der großen
Bazare in fast allen großen Städten die kleineren Geschäfte
zu Grunde gerichtet würden. Redner beleuchtete die Geschäftsführung
dieser Waareirhäuser, die, auf die Dumurhcit
der Kauflustigen spekulirend, einerseits Massemirtikel zum
Einkaufspreise, ja sogar mit Verlust abgeben, andererseits
dagegen die vom Publikum schwer zu schätzenden Sachen
mit einen» ungeheuren Nutzen verkaufen. Das kaufende
Publikum sei durch die Billigkeit der ersteren Artikel so geblendet,
daß cs auch die übrige Waare für so preiswerth
wie nirgendwo halte. Redner erklärte ferner, wie d»»rch das
Eindringen unfähiger Elemente infolge der heutigen Lehrlingszüchtere»
der Handlungsgehilfenstand herabgesetzt würde, und
machte eine Anzahl auswärtiger Firmen namhaft, wo das
Lchrlingsunwescn besondere Blüthen triebe, und erwähirte,
zu welchen Arbeiten die angehenden Jünger Mercurs als
billige Arbeitskräfte herangezogen würden; besonders kennzeichnend
war die Aufforderung einer Firma an ihren
Lieferanten, die Svdasäcke nicht über 75 Kilo zu liefern,
da die Lehrlinge solche sonst nicht in den Lagerraum zu
schaffen vermöchten! Kaufmännische Fortbildungsschulen an
Tagesstunden und der Zlvang, daß die Chefs, welche Lehrlinge
heranbilden, selbst gelernte Kaufleute sein müßten, seien
hierfür geeignete Maßnahmen. Herr Schneider sprach sodann
eingehend über die stetig zunehmende Konkurrenz der Frauenarbeit
im Handelsgewerbc, schilderte die sittliche Seite derselben
lebhaft und sprach sich für die Beschränkung der
Handlungsgehilfinnen auf diejenigen Zweige aus, wo dieselben
aus Gründen des Anstandes unbedingt erforderlich
seien. Die Einführnng einer gleichen Lehrzeit »vic bei den
männlichen Gehilfen müsse gleichfalls erstrebt werden. Ganz
zu verwerfen seien die Ansichten der Angehörigen der sozialdemokratischen
„Freien Vereinigung der Handlungsgchilsen"
und des sogenannten „Vereins der Deutschen Kaufleute".
Hieran knüpfte Redner die Forderungen des ,D. H.-V."
bezüglich Regelung der Arbeitszeit und Errichtung kaufmännischer
Schiedsgerichte nach Art der Gewerbegerichte,
die sich zur Hälfte aus Prinzipalen und zur Hälfte
aus Gehilfen zusammensetzen sollen. Nur durch derartige
wirthschaftliche Forderungen auf gesetzlichem Wege
könne dem Kaufmannsstande geholfen werden. Nur
durch den festen Zusammenschluß aller Kaufleute nach Art
anderer Vereinigungen, z. B. der Buchdrucker, lasse sich
etwas erreichen! Die Berufsgenossenschafl „Deutschnationaler
Ha»»dlungsgehilfen-Verband", der im August 1895 in ganz
Deutschland erst 500 Mitglieder zählte, habe heute bereits
12,000. Zum Schluß forderte Redner zum Beitritt auf
und verwies auf die uninittelbaren Vortheile des Verbandes.
Für den geringen Beitrag von M. 3.— halbjährlich wird
den Mitgliedern kostenfrei eine über das ganze Reich verbreitete,
den deutschen Grundsätzen angepaßte Stellenvermittelung,
Rechtsschutz in Berufsangelegenheiten und den
nothleidenden Kollegen Hilfsgelder gewährt. Außerdem ist
jedes Mitglied ohne Nachzahlung nach eiirjähriger Mitgliedschaft
gegen Stellenlosigkeit versichert. Der Beschluß zur
Einführung einer eigenen Krankenkasse steht auf dem 3. Verba,»dstage
an den Osterfeiertagcn in Leipzig als fest gesichert
bevor. Den Ausführungen des Redners folgte lebhafter
Beifall. Nachdem verschiedene Punkte in der freien
Aussprache ihre Erledigung gefunden und einige Gäste sich
als Mitglieder eingezeichnet hatten, war kurz vor 1 Uhr
die Versammlung zu Ende.
P Quittung. Für die am letzten Dienstag erwähnte
Familie Blaczynski in de» Feurigstraße sind uns von einen»
ungenannt sein wollenden Freunde 6 M. übergeben worden,
ferner von einer Dame 4 M. und Kleidungsstücke. Wir
haben die Gaben dem Eheinann der verunglückten Familienmutter
übergeben, welche inzwischen nach einem Krankenhause
gebracht worden ist, und bitten, etwaige weitere Gaben
nicht uns, sondern den Handjerystraße 29 wohnetiden
Diakonieschwcstern zu übergeben; letztere werden gerne
bereit sein, sich der mutterlosen Kinder nach Möglichkeit
anzunehmen.
f Für .Militäranwärter. Für 70 Postämter
bezw. Postagmtnren der Provinz Brandenburg, darunter
auch i» 18 Vororten von Berlin, werden gegenwärtig von
der Postverwaltung Militäranwärter als Briefträger, Landbriefträger
und Postschaffner verlangt. Desgleichen beabsichtigt
die Eisenbahn-Verwaltung, am 1. April 50 Militäranwärter
als Fahrkartenverkäufer anzustellen, die beim Eintritt
1184 M. diätarischc Jahresbesoldung und später bei
etatsmäßiger Anstellung außer den» WohnungSgeldzuschuß
ein Jahresgehalt von 1100 bis 1500 M. erhalten sollen.
Zuschrift.
Wi» werden um Veröffentlichung folgender Zeilen ersucht:
„Dein Herrn Amtsvorsteber und den Herren Gemeindevcrordncten,
die in der letzten Gemeinderathssitzung für das
Klecmannsche Projekt des Umbaues der Neinstraße, das ich
gleichfalls für das beste und einzig richtige halte, gestimmt
haben, fühle ich mich gedrungen Dank und Anerkennung
dafür anszusprcchen.
Ein Miether in der Rheinstraße."
Aus den Nachbarorten.
* Schöneberg. Die heißen Wahlkämpfe zur Stadtverordnetenversammlung
fanden einen Nachklang vor dem
Schöffengerichte am Amtsgericht Berlin II. Zu der bei den
Stadtverordnetenwahlen unterlegenen Partei gehörte auch der
Kaufmann und Hausbesitzer Robert Baer. In seinem
Groll über seine eigene und seiner Partei Niederlage ließ er
sich eines Abends am Stammtische des Schöneberger RathSkellers
zu schweren Beleidigungen der Gegner hinreißen.
Besonders bezeichnete er den Stadtverordnetenvorsteher
Oientner Mülle» und die Stadtverordneten Rathszimmermeister
Schmid, Rentner Hecht und Schlächtermeisters Haase als
„Schwindler und Bctiügcr". Die Beleidigten erfuhren und
strengten einen Privatbeleidigungsprozeß an. Vor dem
Schiedsrichter kan» ein Vergleich nicht zu Stande, dagegen
bat der Verklagte vor dem Schöffengericht um Entschuldigung,
versicherte, daß seine beleidigenden Behauptungen jeder Begründung
entbehrten, übernahm fämmtliche Gerichts- und
außergerichtlichen Kosten und erklärte sich auch bereit, dem
gegnerischen Anwalt 50 M. Gebühren zu zahlen. Unter
diesen Umständen zogen die Kläger ihre Klage zurück.
— Bei der Etatsberathung in voriger Woche wurde die
Hundesteuer, welche bisher 16 M. betragen hat, auf 20 M.
erhöht. Es giebt in Schöneberg ca. 1500 Hunde. Die
direkten Steuern betreffend, sollen dem Vorschlage des Gemeinde-Vorstandes
entsprechend für dasRcchnungsjahr 1898/99
im Genieinde-Bezirk folgende Steuerzuschläge erhoben
worden: a) 100 pCt. zur Staatseinkommensteuer und den
fingirtcn Sätzen der Einkoniinen von über 420 bis 900 M.
sowie von den Forensalcinkoinmen, b) 100 Prozent Zuschlag
zur Betriebosteuer und der Gewerbesteuer der Klassen III
und IV, e) 150 Prozent Zuschlag zur Gewerbesteuer der
Klassen I und II, (I) zwei pro Mille Grundwerthsteuer.
— Für das Schöneberger Reforingyinnasium, das zu
Ostern d. Js. zwei Jahre besteht und gegenwärtig in den
bis jetzt eingerichteten drei Vorschulklassen nebst Sexta,
Quinta und Quaita bereits von fast 400 Schülern besucht
wird, soll laut Beschluß der Etadtverordneten-Versammlung
vom 1. Oktober d. Js. an das Schulgeld für alle
Gymnasial- wie auch Realschulklasscn von Sexta ab von
bisher 100 Mk. auf 120 Mk. erhöht werden. Dabei soll
kein Unterschied stattfinden zwischen Schülern aus der eigenen
Stadt und solchen aus Berlin oder den übrigen Vororten,
während Berlin z. B. in seinen Realschulen flir die ortsangehörigen
Schüler 80 Mk., für auswärtige dagegen
130 Mk. erhebt. Die Schöneberger Stadtvero»dnetcn-Versaminlung
hat jedoch angesichts des hohen Zuschusses, welchen
die Stadt zu den Unterhaltungskosten der Reformschule schon
in dem jetzt beginnenden Etatsjahre zu leisten hat, geglaubt,
von der Schulgelderhöhung nicht abstehen zu können.
— Die Anlegung einer Haltestelle an der Monumentcnstraße
für die Anhalter Vorortbahn bei deren Ausbau
und Ei»»führung in den Potsdamer Ringbahnhof will
die Geineindc Schöneberg beantragen.
— Die Errichtung eines eigenen Krankenhauses soll
jetzt von der neuen Stadt ernstlich ins Auge gefaßt werden.
Die Frage der Unterbringung von Krairken, namentlich aber
von unbemittelten, in Krankenhäuser ist in den Vororten
nachgerade zu einer brennenden geworben, da die Berliner
Anstalten kaum mehr für die Bedürfnisse der Reichshauptstadt
selbst ausreichen und der Aufnahme auswärtiger
Kranken, oft sogar bei schwersten Fällen, derartige Schwierigkeiten
entgegensetzen, daß die Kranken stuirdenlang von einer
Anstalt zur anderen gebracht werden müssen, bis sie Aufnahme
finden. Und auch das Britzer Kreiskrankenhaus ist
so in Anspruch genommen, daß es für die Anforderungen
der uniliegenden großen Vororte, besonders jedoch Schönebergs,
nicht entfernt mehr genügt. In Folge dessen hat
jetzt der Stadtverordnete Steinsetzmeister Schlink, welcher seit
langen Jahren Vorsitzender der Ortskrankcnkasse für Schöneberg
ist, die Stadtverordneten-Versammlung eindringlich gebeten,
sobald wie irgend »nöglich die Erbauung eines
städtischen Krankenhauses zu veranlassen, woraufhin die Versammlung
dann sofort beschlossen hat, die Angelegenheit dem
Magistrat zur beschleunigten Erwägung vorzulegen.
* Grnnewald. Ueber dem Eingang zum Restaurant
„Hundekehle" im Gruncwald prangt bereits das Hoflieferanten-Wappen
des neuen Besitzers, des Hoftraiteurs Otto,
der vor kurzem seinen Einzug in das von ihm gepachtete
Lokal gehalten hat. Die einfachen, aber anheimelnden
Räume des a!tbekan»»ten, einem Forsthause gleichenden Gastwirthschafts-Gebäudes
sind vollständig renovirt worden.
Einen recht freundlichen Eindruck machen auch die in Hell'
grün und Weiß gehaltenen Gartentische und Stühle, weicht
Letztere auf der Lehne nock mit einem Hirschkopf geschmück-