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Volume A. Berlin Dritter Abschnitt. Gesundheits-Verhältnisse

Full text: Gesammtbericht über das Sanitäts- und Medicinalwesen in den Städten Berlin und Charlottenburg (Public Domain) Issue7.1892/1894 (Public Domain)

Gesundheits-Verhältnisse. 
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Logirhäuser, Herbergen, Pensionate, Chambregarnies, Schlaf 
stellen und dergleichen mehr, sind verpflichtet, bei Krank- 
heits- wie Sterbefällen 
von asiatischer Cholera, Pocken, Fleck- und Rückfall- 
typlms sowie Diphtherie unbedingt, von Darmtyphus, 
Kopfgenickkrampf (Meningitis cerebrospinalis), bös 
artigem Scharlachfieber, bösartigen Masern und bös 
artiger Ruhr auf besondere Anordnung des Königlichen 
Polizei-Präsidiums 
die von den Kranken benutzten Effecten und Räume, sowie 
die in diesen befindlichen Gegenstände gleichzeitig, und zwar 
lediglich durch die städtische Desinfect-ionsanstalt und deren 
Beamte, auf ihre Kosten desinficiren zu lassen*). Den Be 
sitzern und Leitern der obenbezeichneten, dem öffentlichen 
Verkehr dienenden Aufenthaltseinrichtungen kann diese Ver 
pflichtung auch bei Lungen-. Kehlkopf- und Darmtuberculose 
von dem Polizei-Präsidium auferlegt werden. 
§ 2. 
Die Herbeiführung der im § 1 vorgeschriebenen Des- 
infectionen haben die dort bezeichneten verpflichteten Per 
sonen innerhalb 24 Stunden nach der durch den behandeln 
den Arzt festgestellten Genesung, bezw. nachdem der 
Kranke oder dessen Leiche aus der Wohnung entfernt 
worden ist, bei ihrem zuständigen Polizei-Revier zu beantragen. 
*) Die Modalitäten in der Ausführung der Desinfectionen in der ersten 
Desinfections-Anstalt (Reichenbergerstrasse 66), wie in der zweiten (Prenz 
lauer Allee) linden sich auf Seite 72—74 des VI. General-Berichts besprochen. 
1892 wurden in der ersten Anstalt folgende Mengen von Gegenständen 
desinficirt: 2(> 816 Kleidungsstücke, 44 435 Wäschestücke, 38 754 Betten, 
11 185 Matratzen, 2490 Polstermöbel, 14 614 Decken und Teppiche, 3 980 
Strohsäcke und 12 778 verschiedene Gegenstände. Ausserdem wurden 62 300 
Wohnungen desinficirt. 
Für die unbemittelte Bevölkerung geschieht die Desinfection unentgelt 
lich, dazu bedarf es nur einer Bestätigung der Bedürftigkeit durch den 
Armenvorsteher. Die Erlassung der Kosten gilt jedoch keineswegs als 
A r men unterstütz ang. 
Diesem letzteren seit Gründung der Desinfectionsanstalt durchgeführten, 
so liberalen Modus gegenüber musste ein Antrag der Berliner Aerztekreise, 
..die Desinfection durchweg auf öffentliche Kosten auszuführen“, nothwendig 
scheitern.
	        
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