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Volume A. Berlin Dreizehnter Abschnitt. Medicinal-Personal

Full text: Gesammtbericht über das Sanitäts- und Medicinalwesen in den Städten Berlin und Charlottenburg (Public Domain) Issue7.1892/1894 (Public Domain)

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Medicmal-Personal. 
Inzwischen haben sich immer mehr Ortskrankenkassen (zu 
Ende der Berichtszeit gegen 20) dem Verein angeschlossen und 
dementsprechend ist gleichzeitig die Zahl der ihm angehörenden 
Aerzte auf über 600 gestiegen. Bereits ausserhalb der Berichts 
zeit stehen die Anregungen, auch den Dienstbotenkrankenverein, 
die Schutzmannskrankenkasse u. a. den Grundsätzen der freien 
Arztwahl zugänglich zu machen. 
Eine empfindliche Schmälerung des Einkommens aus der 
Praxis sehen viele Aerzte in der üppigen Entwickelung des 
Polikliniken-Wesens. 
An dem Polikliniken-Wesen wird beanstandet, weil Gratis 
behandlung ungeeignet ist, den Werth ärztlicher Verrichtungen 
in gebührendem Lichte erscheinen zu lassen. Denn das Publikum 
ist gewohnt, die Leistung nur nach dem zu schätzen, was es dafür 
bezahlt. Alles, was ihm ohne Gegenleistung geboten wird, hat 
von vorn herein in seinen Augen wenig oder gar keine Geltung 
Hierzu kommt ferner, dass die Aufsaugung des Kranken- 
materials von Seiten der Polikliniken dem Gros der Berliner 
Aerzte jede Gelegenheit zur practischen Bethätigung in der 
medicinisclien Technik nimmt. Chirurgie, Gynäkologie, die Special- 
disciplinen erfordern vor allem Uebung, wenn man die darin er 
worbene Fertigkeit nicht einbüssen will. 
So einstimmig die Gepflogenheit der Aerzte dahin geht, Mittel 
losen unentgeltlich Hilfe zu gewähren, so entschieden muss Ver 
wahrung gegen die gegenwärtig geübte schrankenlose Gratis 
behandlung eingelegt werden. Ob sie in einer öffentlichen 
(Universitäts- und Krankenhaus-) oder in einer Privatpoliklinik 
erfolgt, ist vollkommen gleichgiltig. In beiden Fällen verstösst 
sie gegen die Lebensinteressen des ärztlichen Standes. 
Auf der Grundlage dieser Erwägungen bildete sich im Mai 
1893 ein „Verein für Reform des Berliner Polikliniken-Wesens“, 
auf dessen Programm in erster Linie die Ausschliessung des 
zahlenden Publikums aus den Polikliniken stand. Als in der 
Nähe des Krankenhauses am Urban eine unter dessen Leitung in 
Thätigkeit zu setzende Poliklinik errichtet werden sollte, trat 
die Deputation für die städtischen Krankenanstalten diesem Vor 
haben nicht bei.
	        
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