Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

84
Gesundheits-Polizei.
Die Einzelheiten der Untersuchung sind seiner Zeit dein Herrn Minister
vorgetragen worden; dieselben hier zu wiederholen hat keinen Zweck, da
die Gegner auch bei dem erdrückendsten Gegenbeweismaterial an ihrer An
sicht sesthalten werden. Die beiden folgenden Vorkommnisse aus dem Zahre
1887 und 1888 seien hier in Kürze mitgetheilt.
Gertrud Stölzel, 12 Jahre alt, wohnhaft Schlegelstraße Nr. 23, sollte
wegen starker Schwellung des linken Armes und drohenden „Brandes" zu
folge Anzeige vom 21. September 1887 am Schulbesuch behindert worden
sein. Das Kind war am 14. September mit 73 anderen Schulkindern
revaccinirt worden; von letzteren zeigten bei der Nachschau nur 4 Kinder
eine starke Randröthe der Pocken, während 69 Wiederimpslinge frei von
allen Reaktions-Erscheinungen neben den Pocken geblieben waren. Der zu
ständige Bezirks-Phpsikus stellte am 24. September fest, daß der Zustand
der Gertrud Stölzel vom Vater in unerhörter Weise übertrieben worden
war; das Kind hatte am Untersuchungstage die Schule bereits wieder be
sucht. Am linken Oberarin fanden sich Reste von fünf Jmpfschorfen vor;
die geringe Entzündung der Umgebung war durch Umschläge mit Karbol
wasser bald geschwunden; ein ärztlicher Besuch in der Wohnung der Eltern
hatte überhaupt nicht stattgefunden, sondern nur eine Konsultation des
Arztes in seiner Wohnung. Hervorgerufen war die Entzündung, wie fest
gestellt wurde, durch einen Stoß gegen den Arin.
Dieser Fall liefert einen Beweis dafür, wie Jmpfschädigungen ge
macht werden.
Ein Todesfall, welcher angeblich durch Erysipel nach der Impfung laut
Todtenschein herbeigeführt sein sollte, wurde einer eingehenden Untersuchung
unterworfen, ohne daß Klarheit in die Sache gebracht werden konnte. Der
Aussteller des Todtenscheines, durch welchen der Fall hier überhaupt nur
zur Kenntniß gekommen war, erklärte auf Rückfrage unter dein 30. Mai
vorigen Jahres, daß er die Frage nicht zu entscheiden wage, ob das Kind
Geminel an einem Erysipclas in Folge der 9 Tage früher stattgehabten
Impfung oder an einein eklamptischen Anfall zu Grunde gegangen sei; die
Röthung am Arme habe er für ein Erpsipelas und zwar in Folge der
Impfung gehalten. Eine Feststellung durch den Stadt-Physikus war nicht
mehr möglich, da das Kind schon beerdigt war, als der Aintsarzt zur Be
sichtigung erschien; der zuständige Jinpfarzt hat das Kind bei Lebzeiten nicht
gesehen. Fälle von linxokigo contagiosa sind in Berlin bisher nicht beob
achtet werden.
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