Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

Gesundheits-Polizei.
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können, weil die Bewohner kein Unterkommen während der Zeit der Des
infektion finden, so trifft dieser Vorwurf nicht das in Rede stehende Ver
fahren, sondern die gegebenen Verhältnisse, welche jede gründliche Reinigung,
die erste und vielleicht wirksanffte Bedingung jeder Desinfektion, verhindern.
Außerdem wird hauptsächlich das Verfahren der Abreibung der Wände
mit Brot als zu umständlich und zu kostspielig angegriffen; das besagte,
übrigens nicht neue Reinigungs-Verfahren ist vom Berichterstatter aus der
Erwägung für die Desinfektion verwerthet, daß tapezierte Wände auf solche
Weise sehr gründlich gereinigt werden können, wie der Augenschein Jeder-
inann lehrt, der in seinen eigenen Wohnrüumen aus ästhetischen und hygie
nischen Gründen öfter die Tapeten auf diese sehr einfache und nicht zu kost
spielige Weise von Staub und damit auch von etwaigen Mikroben säubern
läßt. Daß dieser letztere Zweck durch Brotabreibungen zuverlässiger und
besser, als durch die sonst vorgeschlagenen Mittel erreicht wird, haben die
von vr. von Esmarch im hiesigen hygienischen Institut nach Einführung
dieses Verfahrens angestellten Kontrolversuche nachgewiesen, welche in dessen
Aufsatz „der Keimgehalt der Wände und ihre Desinfektion" (Zeitschrift für
Hygiene 1887 Band 2) mitgetheilt sind.
Bei getünchten Wänden der geringsten Art, welche für Brodabreibungen
ungeeignet sind, wird nach thunlichster Entfernung der alten Tünche in
angefeuchtetem Zustande, um Verstäuben zu verhüten, ein Ueberstreichen
der Wände mit Kalkmilch nach neueren Untersuchungen (R. Koch,
von Ermenghein) anzuwenden sein; nach ein oder mehrtägiger Einwirkung
kann man dann die Wände und Decken neu tünchen. Auf die Frage der
Wirksamkeit der verschiedenen Desinfektionsinittel weiter einzugehen, dürfte
hier nicht der Ort sein.
Die Ausführung der angeordneten Maßregeln stieß insofern auf
Schwierigkeiten, als häufig infizirte Wohnungen der Desinfektion noch nicht
unterworfen waren, wenn die mit heißen Dämpfen behandelten Gebrauchs
gegenstände aus der städtischen Desinfektionsanstalt gereinigt bereits dorthin
zurückgebracht wurden. Diese Ungleichzeitigkeit der Ausführung hat ihren
Grund darin, daß die Desinfektion der Wohnungen von Heildienern re.,
diejenige der Gebrauchsgegenstände von städtischen Beamten bewirkt wird.
Jener Uebelstand mußte die Desinfektion vielfach illusorisch machen. Das
Polizei-Präsidium trat deshalb mit dem Magistrat über eine zweckent
sprechendere Ausführung der Desinfektion in Verhandlungen, welche nach
einer Konferenz zwischen beiderseitigen Vertretern am 3. November 1888
zu einer dahingehenden Verständigung führte, daß die Gesauimtdcsinfcktion
in Zukunft städtischen Beamten, welche von der Staatsbehörde auf ihre
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